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PikAss

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AsiaLONG Bluetooth Headset Kopfhörer Wireless Over-the-Head Kopfhörer mit Mikrofon / Freisprecheinrichtung / Rauschunterdrückung Chat bis zum 27 Stunden für PS3,PC,TV, iPhone,iPad,Samsung Galaxy,Google Smartphones (M32)
AsiaLONG Bluetooth Headset Kopfhörer Wireless Over-the-Head Kopfhörer mit Mikrofon / Freisprecheinrichtung / Rauschunterdrückung Chat bis zum 27 Stunden für PS3,PC,TV, iPhone,iPad,Samsung Galaxy,Google Smartphones (M32)
Wird angeboten von LongDirect
Preis: EUR 37,59

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Durchwachsen, 1. Juli 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Wollte nach zwei Kabel-Headsets mal das kabellose Zeitalter für mich einleuten und habe das AsiaLong-Gerät gekauft.

Es kam mit zwei Kabeln (USB-Ladekabel und USB-zu-Klinkenstecker-Kabel) und einer deutsch- und englischsprachigen Anleitung, die hart an der Grenze zur Unverständlichkeit ist. Hier steht man vor dem ersten Problem: Wie verbinde ich das Gerät mit meinem PC (Windows 10 in meinem Fall)? Nach dem mehrmaligen Lesen der wohl aus dem Chinesischen übersetzten, sehr holprigen Anleitung hat das nach einiger Zeit auch geklappt. Ein Neuverbinden funktionierte einfach und sehr schnell - nachdem man den Dreh raus hatte und verstand, wie lange man bestimmte Knöpfe drücken muss. Die große Enttäuschung kam, als ich das Headset zum Spielen in TeamSpeak verwenden wollte: Nicht nur die Sprachqualität war sehr schlecht, auch die Qualität der Sounds, die man hörte war schlecht. Das hat mich sehr irritiert, denn beim Musikhören per Smartphone-Bluetooth-Verbindung war die Qualität überraschend gut, mit tiefen Bässen.

Nach einigem Experimentieren hab ich festgestellt, dass beim Adapter ein Häkchen bei der Telefonieeinstellung gesetzt ist. Deaktiviert man diesen, funktioniert das Mikro nicht und Windows zeigt das Headset vom Namen her als anderes Gerät an. Dann ist der Ton wie gewohnt gut, nur funktioniert dann, wie gesagt, das Mikro nicht mehr. Da ich das Headset in erster Linie für TeamSpeak und Skype gekauft habe, ist es für mich nicht wirklich zu gebrauchen.

Das Headset hat an der Seite einen transparenten Funktionsknopf, der mit rotem oder blauen LED-Blinken unterschiedlich reagiert, je nachdem wie lange man den Knopf drückt (ein- und ausschalten, Verbindung herstellen, Akku leer). Etwas nervig finde, das man den Button bzw. das LED-Lämpchen leider mit dem Finger abdeckt, wenn man den Knopf drückt. Nicht sehr gut konzipiert.

Im PC-Raum (ca. 20 qm) konnte ich mich ohne Verbindungsabbrüche oder Qualitätsverschlechterung frei bewegen, was natürlich ein tolles Gefühl ist, wenn man vorher immer an das USB-Kabel gekettet war. Mal ein Brot schmieren können ohne das Gespräch zu pausieren, ist ein wahrlich erhabenes Gefühl (wenn man von der schlechten Sprachqualität mal absieht).Hab ich mich aber in das Nachbarzimmer begeben, war die Verbindung immer schnell weg.

Ein weiteres Manko: Da die Ohrmuscheln klein sind und europäische Otto-Normal-Ohren nicht komplett abdecken, hat das Headset die Ohren nach einer mehrstündigen Spiele-Session immer zum Schmerzen gebracht. Und ich übertreibe da nicht weil mir am Ende tatsächlich die Ohren mehrmals so geschmerzt haben, dass ich das Gerät von den Ohren weggeschoben hab und es dann auch immer abnehmen wollte.


Der Wüstenplanet. Roman
Der Wüstenplanet. Roman
von Frank Herbert
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

2 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Banalitäten zwischen »Suspensorenlampen« und »Lasguns«, 18. April 2016
Rezension bezieht sich auf: Der Wüstenplanet. Roman (Taschenbuch)
Ein Science-Fiction-Roman, in den ich große Hoffnungen setzte und der mich maßlos enttäuschte. Lange stand dieses Buch in meinem Regal und lies mich fantasieren, welch abenteuerliche Szenarien und faszinierende, fremdartige Welten es wohl in sich barg. Denn bei der Bewerbung dieses Buches wurde nie mit Superlativen gespart: »Der beste Science-Fiction-Roman aller Zeiten« (Rückseite meines Ausgabe), »Supreme Masterpiece« (Cover einer US-Ausgabe) und so weiter und so fort.

Nein, so ist es leider nicht. Frank Herberts »Dune« ist kein Science-Fiction-Meisterwerk sondern eine Ansammlung von Banalitäten zwischen »Suspensorenlampen« und »Lasguns«, ein Abfolge von unglaubwürdigen, melodramatischen Dialogen und miserabel erzählten Geschehnissen ohne jegliche Spannung. Das Universum, dass Herbert in »Dune« ersann, bietet vieles intereressantes: eine mysteriöse Wunderdroge namens »Spice« um die sich mehrere Parteien reissen, einen lebensfeindlichen Wüstenplaneten, ein Intrigenspiel und manches andere. Woran das Buch aber scheitert, ist die völlige Unfähigkeit des Autors zu schreiben.

Doch eins nach dem anderen. Den Inhalt will ich hier nicht wiedergeben, das haben andere schon geleistet. Aber auf einiges andere will ich doch kurz eingehen.

In »Dune« wurde mehr oder weniger folgendes gemacht: Eine mittelalterlich-feudalistische Gesellschaft mit all ihren Herrscherhäusern, Orden, Baronen und Prinzessinen wurde genommen und über 20.000 Jahre in die Zukunft transferiert. Es hat etwas von einem Märchen. Und wie so viele Märchen ist auch »Dune« von flachen, ausschließlich rollen-erfüllenden Charakteren bevölkert. Da ist beispielsweise der junge, aber tadellose und früh-weise Thronanwärter Paul, der gerechte aber gute Vater Leto, die noble und gute Mutter, der böse Widersacher Baron Wladimir Harkonnen - alles eindimensionale Charaktere, die trotz dutzender innerer Monologe nur oberflächlich gezeichnet werden und keine Entwicklung erleben.

Wie hat Herbert den Roman aufgezogen? Er beschreibt auf relativ wenigen Seiten eine Episode aus der »Dune«-Welt und springt dann zur nächsten. Was sich dazwischen abgespielt hat, bleibt der Fantasie des Lesers überlassen - dass nur ganz wertungsfrei erwähnt. Jeder Episode wird ein Zitat aus einem Werk des Dune-Universums vorangestellt. Das reicht von den geistigen Ergüssen aus den »Gesammelten Weisheiten des Muad'dib von Prinzessin Irulan« bis zu den lyrischen Gesängen des Kampftrobadours Gurney Halleck.

Die Satzkonstruktionen sind von ermüdender Gleichförmigkeit und Einfachheit. Ein Rezensent lehnte sich nicht sehr weit aus dem Fenster, als er behauptete »every sentence is made of 1-2 nouns, 1 verb, 1-2 adjectives«. Die Dialoge und Handlungsbeschreibungen sind angereichtert mit einer Vielzal innerer Monologe. Diese sind kursiv gedruckt und haben oft erläuternden Charakter. Sie sind so erläuternd, dass es einen nicht selten verärgert, weil der Autor einem regelrecht alle Arbeit abnimmt, selbst nachzudenken und eigene Theorien auszustellen. Er kaut es einem regelrecht vor.

Die Dialoge sind schrecklich unglaubwürdig und theatralisch - nur übertroffenen (oder eher untertroffen) von den zum Augenrollen hinreissenden inneren Monologen der Protagonisten (allen voran der sich extrem scharfsinnig gerierenden Heldenmutter Lady Jessica). Aber Herbert geht nicht nur die Fähigkeit ab, realistische Dialoge zu schreiben. Er scheitert ebenso daran, die Umwelt der Protagonisten zu beschreiben oder einen spannende Handlung zu inszenieren. Als es beispielsweise nach rund 200 Seiten endlich zu dem dauernd heraufbeschworenen Verrat kommt und die Harkonnentruppen in den Palast eindringen, sind die einzigen Bilder, die der Autor hier beschreibt nicht viel mehr als ein paar Leichen im Gang und einige lausige brennende Palmen.

Der erste Gedanke, den Lady Jessica in einer Extremsituation hat, bei der sie und ihr so Sohn dem Tode entgehen, ein feindlicher Soldat getötet wird und sein Blut austritt, ist folgender: »Flüssigkeitsverschwendung, dachte sie automatisch, sich dabei bewusst werdend, dass dies ein für Arrakis typischer Gedankengang war«. Das ist der Gipfel der Unglaubwürdigkeit.

Etwas früher versucht Lady Jessica in einer unfreiwillig komischen Szene den betrunkenen und aufmüpfigen Schwertmeister Duncan Idaho in den Griff zu bekommen:
»Was ist das?« »Koffein«, sagte Jessica. Yueh nahm den Becher und hielt ihn Idaho hin. »Trink das, Bursche.« »Will nix mehr zu trinken.« »Trink es, habe ich gesagt.« Idaho schwenkte Yueh entgegen. Er machten einen Schritt nach vorn und zog dabei die ihn haltenden Wachen mit sich. »Ich bin's verdammt nochmal satt, das ganze Imperium zu ehren, Doc. Jetzt spielen wir mal das Spiel, wie ich es will.« »Nachdem Sie das hier getrunken haben«, sagte Yueh. »Es ist nur Koffein.« - Davon abgesehen, dass es selbst für den Naivsten schwer vorstellbar sein sollte, dass im Jahre 20,000+ ein Becher Koffein wirklich das beste Mittel ist, um einen Gewürzbierrausch auszukurieren (das war schon 1965 wirkungslos) - diese exemplarische Szene zeigt sehr deutlich Herberts stümperhaften Schreibstil und seine Unfähigkeit Dialoge zu entwickeln.

Und die Tatsache, dass es Herbert trotz dieser Talentlosigkeit nicht bei einem Roman beließ, sondern versuchte, dem Leser mit fünf weiteren Wüstenwelt-Wälzern die Lebenszeit zu stehlen, sichert ihm einen Ehrenplatz in der »orange-katholischen« Hölle zu.


Als Engländer maskiert. Ein Gespräch mit Jutta Krug über das Exil.
Als Engländer maskiert. Ein Gespräch mit Jutta Krug über das Exil.
von Sebastian Haffner
  Gebundene Ausgabe

3.0 von 5 Sternen Ein Gespräch mit Haffner und ein anschließendes Widerkäuen des Gesprächs, 7. April 2016
Ein schmales, zweiteiliges Buch: Teil Eins bildet Jutta Krugs Transkript des dreistündigen Gesprächs mit Sebastian Haffner vom 19. Februar 1989. Bei Teil Zwei handelt es sich um eine Zusammenfassung des Besprochenen und Nachbemerkungen von Haffner-Biograf Uwe Soukup.

Geführt wurde das Interview von der damaligen Studentin und späteren Arte- und WDR-Redakteurin Jutta Krug. Sie beabsichtige einen Beitrag zur Exilforschung zu leisten, die ihrer Einschätzung nach "große Defizite aufwies". So zielt das Gespräch mit Haffner dann auch in erster Linie auf seine Exilzeit in England. Besprochen werden u.a. Haffners Beweggründe, Deutschland 1938 zu verlassen, seine Zeit in Großbritannien und natürlich seine journalistische Arbeit in beiden Ländern. Seine Rolle beim Emigratenblatt "Die Zeitung" und beim "Observer" wird besonders beleuchtet. Auch auf die ersten Buchprojekte, wie etwa das 1940 erschienene "Germany: Jekyll & Hyde: An Eyewitness Analysis of Nazi Germany" wird näher eingegangen.

Wie steht es um die Qualität des Interviews? Jutta Krug formuliert recht informierte und interessante Fragen und lässt ihrem Gegenüber viel Raum, diese zu beantworten. Die Fragen aber zielen hauptsächlich auf Haffners journalistisches Schaffen in Deutschland und England ab. Sie entlocken ihm nur wenige biografische Details und so bleibt einiges im Unklaren. Das scheint auch dem Verlag bewusst gewesen zu sein, denn dem Interview-Text folgt eine fast 50-seitige Nachbemerkung von Uwe Soukop, die so vieles aus dem Gespräch einfach wiederkäut, dass es einen ärgert. Ein überflüssiger Text. Lesenswert ist lediglich Soukops Zusammenfassung der "Haffner-Debatte" des Jahres 2001: Die zwei Historiker Henning Köhler und Jürgen Paul zweifelten an der Behauptung des Verlags, Haffners posthum erschienener Bestseller "Geschichte eines Deutschen" sei Anfang 1939 entstanden. Die vielen eingetroffenen Zukunfsprognosen (u.a. Hitlers Selbstmord) hätten ja auch niemals bereits 1939 aufgestellt werden können. Sowohl philologisch als auch kriminaltechnisch wurden die beiden Historiker schließlich widerlegt.


Geschichte des Vietnamkriegs: Die Tragödie in Asien und das Ende des amerikanischen Traums (Beck'sche Reihe)
Geschichte des Vietnamkriegs: Die Tragödie in Asien und das Ende des amerikanischen Traums (Beck'sche Reihe)
von Marc Frey
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Beschreibung der nordvietnamischen Seite mager, dennoch gute Einführung, 8. März 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Kein Standardwerk, aber eine gute Einführung in das Thema. Auf rund 230 Seiten beleuchtet der deutsche Historiker Marc Frey den Konflikt in Südostasien. Ausgehend vom Ende des Zweiten Weltkriegs und der Kapitulation Japans befasst sich der Autor in der ersten Hälfte des Buches mit den Geschehnissen vor der "Amerikanisierung" des Krieges. Etwas zäh liest sich dieser Part. Er ist sehr nüchtern geschrieben und lässt Stimmen involvierter Größen vermissen. In der zweiten Hälfte dagegen versucht Frey etwas von der Stimmung wiederzugeben, die in den USA und dem geteilten Vietnam herrschte, als die Staaten 1965 begannen eigene Bodentruppen in das Kriegsgebiet zu schicken und die Katastrophe ihren Lauf nahm. Hier liefert er viele interessante Fakten und gibt zu erkennen, welche Strategien die einzelnen US-Präsidenten -und Präsidentschaftskandidaten verfolgten. Interessant zu lesen ist auch der Blick auf die Rolle von DDR und BRD während des Stellvertreterkrieges in Asien. Letztere stellte zwar keine Truppen, pflegte laut Frey aber schon zwanzig Jahre vor dem Golfkrieg "großzügig mit dem Scheckheft umzugehen": "Die Bundesrepublik wurde im Verlauf des Krieges Südvietnams wichtigstes, nicht militärisch involviertes Geberland und überwies umgerechnet 7,5 Millionen Dollar jährlich nach Saigon."

Freys "Geschichte des Vietnamkriegs" muss man allerdings vorwerfen, dass sie überwiegend aus der Perspektive der Amerikaner und Südvietnamesen erzählt, während das kommunistische Nordvietnam zu sehr im Dunkeln bleibt.


Nonplayer: Buch 1.
Nonplayer: Buch 1.
von Nate Simpson
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 15,80

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nate Simpsons „schöne neue Welt“, 8. März 2016
Rezension bezieht sich auf: Nonplayer: Buch 1. (Gebundene Ausgabe)
Erweiterte Realität, veränderte Realität, Realitätsflucht. Die Gesellschaft ist durchdrungen von Technologie und die Grenze zwischen Wirklichkeit und Videospielwelt ist fließend geworden. Der Gefahr entfesselter künstlicher Intelligenzen begegnet man mit eigens ins Leben gerufenen Spezialeinheiten und die einflussreichen Schöpfer künstlicher Welten entwickeln sich zu einer uneinschätzbaren Bedrohung. Mit Nonplayer wagt sich Concept Artist Nate Simpson an die Erschaffung einer „schönen neuen Welt“.

Was Kreaturen- und Weltengestaltung angeht, beweist Simpson großes Talent. Die fantasievollen organischen und anorganischen Formen in Nonplayer laden in ihrer verschwenderischen Detailfülle zum mehrmaligen und genauen Betrachten ein. Ein durchgehend generisches Äußeres haben aber leider Menschen bei ihm. Überhaupt leiden seine Menschendarstellungen an der Bilal'schen Krankheit: Die Gesichtszüge sind starr und maskenhaft, die Augen wirken leblos. Der Künstler vermag es nur in wenigen Fällen richtig glaubhafte, belebte Gesichtszüge festzuhalten.

Bei der Kolorierung hat Simpson tolle Arbeit geleistet. Mit seiner elaborierten Farbwahl erzeugt er eine großartige Atmosphäre und das Spiel mit den Komplementärkontrasten ist ihm mehr als gelungen.

Viel Handlung wird im Debütband nicht vermittelt; er dient eher als Einführung in die Welt und der Etablierung wichtiger Charaktere. Die Story birgt Potential und wie sie sich in den folgenden Bänden entfaltet, bleibt abzuwarten. Momentan hat man beim Lesen von Nonplayer das Gefühl mehreren Szenen bereits woanders begegnet zu sein, sei es in Filmen, Romanen oder anderen Comics. Vor allem japanische Publikationen griffen die High-Tech-Dystopie- und Videospielthematik bereits häufiger auf.

Wie man der Impressumsseite entnehmen kann, wurde Nonplayer als Trilogie angelegt. Nate Simpson scheint sich mit diesem Vorhaben aber etwas verrannt zu haben. Hauptberuflich in der Videospielbranche tätig und obendrein noch sehr mit dem Großziehen eines Kindes beschäftigt, überfiel den Autor irgendwann die Verzweiflung. So kam es, dass Band 2 erst vier Jahre nach dem ersten erschien, während 2011/2012 angepeilt war (US-Ausgabe). Ob das inhaltliche Gerüst tatsächlich schon am Anfang für drei Bände konzipiert war, ist fraglich, denn im Debütband wurden bereits so viele Erzählstränge aufgemacht, dass es schwer werden sollte, alle auf so wenigen Seiten zufriedenstellend abzuschließen. Zumal der Autor den Action-Sequenzen sehr viel Raum gibt.

Dass Simpson aber wieder in die Spur gekommen, ist ein gutes Zeichen. Anfang 2015 verkündete er in einem Interview, dass nun, wo „alle Teile auf dem Schachbrett liegen“, der „richtige Spaß beginne“. Band 3 soll Simpson zufolge der beste Teil der Serie werden.


Los Logos 7
Los Logos 7
von Robert Klanten
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 39,90

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen »Ein Zeichen ist gut, wenn man es mit dem großen Zeh in den Sand kratzen kann«, 16. Mai 2015
Rezension bezieht sich auf: Los Logos 7 (Gebundene Ausgabe)
Würde man nach diesem Ausspruch Kurt Weidemanns gehen, müsste man das Gros der in diesem Band versammelten Logos und Nicht-Logos aussortieren. Tatsächlich haben nur die wenigsten der, auf 400 Seiten verteilten Zeichen von »Los Logos 7« einen Wiedererkennungswert.

Man könnte fast meinen, im Logo-Design ist die Ära des »Anything goes« angebrochen, wo man mit genug Selbstbewusstsein alles an den Mann bringen und als Top-Design verkaufen kann. Ein mittelmäßig bis schlechtes Logo reiht sich hier an das andere. Entweder hapert an einer visuellen Idee oder die gestalterische Umsetzung ist mangelhaft. Der Abstraktionsgrad ist niedrig, das Spiel mit Positiv- und Negativformen selten und so läuft es oft darauf hinaus, das eine banale Strichgrafik mit einem Schriftzug angereichert wird (z.B: Woolhouse oder yaffo winery). Zahlreiche Logos haben einen generischen Look (z.B. Aswood House Pet Resort oder Kings Queens Filmproduktion), einige erinnern sogar an schreckliche Cliparts, wie etwa das blaurote TopSandals-Logo. Natürlich kommen im Band auch gute und sehr gute Logos vor, aber die sind im Vergleich zu älteren Bänden seltener zu finden. Ein interessanter Punkt ist noch folgender: Was am neuen »Los Logos«-Band besonders auffällt, ist die Dominanz der Schriftzüge bwz. des Typografischen.

Dem Freund schöner Logos empfehle ich andere Bücher. Neben älteren »Los Logos«-Bänden (Nr. 4 ist z.B. eine gute Investition) sind das »Wilhelm Deffke: Pionier des modernen Logos« und »Changes in Logos & Trademarks in Japan«.


Für alle Fragen offen: Antworten zur Weltliteratur
Für alle Fragen offen: Antworten zur Weltliteratur
von Marcel Reich-Ranicki
  Gebundene Ausgabe

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Fragen und Antworten, Empfehlungen und Hinweise, 25. Oktober 2010
Der Band »Für alle Fragen offen« versammelt Fragen und Antworten aus der Literaturkolumne »Fragen sie Reich-Ranicki«, die seit 2003 in der Sonntagsausgabe der FAZ erscheint. Die Auswahl erstreckt sich über dreieinhalb Jahre (2006 bis 2009) und umfasst etwa 85 Fragen von Lesern und Erwiderungen von Marcel Reich-Ranicki.

Sie sind von recht unterschiedlicher Natur: Manche Fragen sind rhetorisch und provokativ, hinter vielen Fragen steckt Wissbegier oder Neugierde, die wohl meisten aber zielen mehr oder weniger direkt auf die Meinung Reich-Ranickis zu einem bestimmten Werk oder Autor ab: »Wie beurteilen sie den Schriftsteller Rolf Dieter Brinkmann? Gibt es auch Romane Roths, die sie für misslungen halten? Was halten sie von Dickens, und welches Werk ist sein wichtigstes? Was halten sie von Verne?«

Die Antworten Reich-Ranickis sind von ganz unterschiedlicher Länge. Mal nur wenige Sätze, mal mehrere Seiten. Bei zahlreichen Erwiderungen lässt er auch eigene Erfahrungen und Anekdoten mit einfließen. Die Beiträge sind interessant zu lesen und sehr anregend, etliche Buchempfehlungen laden zum Herausschreiben und Lesen von Titeln ein. Sind die Antworten recht bündig und pointiert, fallen sie bisweilen aber etwas zu knapp aus oder weichen manchmal ein wenig von der Fragestellung ab. Ein Leser beispielsweise stellt sich als Freund Phantastischer Literatur vor und schwärmt von Jules Verne, Reich-Ranicki beantwortet zwar seine Frage, wenn auch etwas knapp und andeutungshaft. Aber über Jules Verne äußert er sich nicht direkt, wie das z.B. bei Karl May der Fall war. Auch äußert er sich nicht weiter zur Phantastischen Literatur oder schickt Empfehlungen hinterher. Das ist natürlich schade.
Dem Fragesteller oder den angesprochenen Autoren begegnet er immer mit Respekt. Dass etwas oder jemand in dem Buch »verrissen« wird, kann man ihm nicht vorwerfen.
Etwas enttäuschend ist meiner Meinung nach die Auswahl an Fragen. Es kommen nicht nur Werke der Weltliteratur zur Sprache, wie es der Untertitel des Buches etwas ungenau vorgibt, sondern in besonderem Umfang Werke der deutschsprachigen Literatur. Fragen zu Thomas Bernhard, Rolf Dieter Brinkmann, Wolf Biermann oder Gustav Freytag sind, bei allem Respekt, schlecht platziert in einem Buch, das »Antworten zur Weltliteratur« ankündigt. Dabei gäbe es noch eine Fülle geistreicher und interessanter Fragen: Wirft man einen Blick in das Archiv der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, wo sich etliche Beiträge kostenlos einsehen lassen, fällt auf, dass vieles Interessantes (und Interessanteres) aussortiert wurde. Natürlich kann man das Buch lesen, aber es ist dennoch ein wenig enttäuschend. Konzeptionell schränkt es die Auswahl sehr ein und übergeht viele tolle Beiträge von Reich-Ranickis Literaturkolumne.


Der Moloch. Eine kritische Geschichte der USA
Der Moloch. Eine kritische Geschichte der USA
von Karlheinz Deschner
  Taschenbuch

43 von 68 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Zerrbild der US-amerikanischen Geschichte, 8. Oktober 2010
»Amerika ist eine Missgeburt« - das ist eines von den »programmatischen« Zitaten, die Karlheinz Deschner an den Anfang seines Buches stellt. Eines Buches, das er 1992, nach dem Ende des Zweiten Golfkriegs veröffentlichte und das sich zur Überraschung der Leser nicht mit seinem Hauptarbeitsgebiet, der kritischen Kirchengeschichte, befasste. Seine »kritische Geschichte der USA« erschien auch nicht in seinem Hausverlag Rowohlt, sondern bei Weitbrecht und später bei Heyne, wo sie zahlreiche Neuauflagen erfuhr.

Armin Pfahl-Traughber, der Bücher und Artikel zu den Themen Rechtsextremismus und Verschwörungsideologien verfasste und, wie ich selbst, Deschner für seine aufklärerische Arbeit über die Grundlagen des Christentums und die christlichen Kirchen wertschätzt, veröffentlichte in einer Sonderausgabe der Zeitschrift »Aufklärung und Kritik« (9/2004) eine so treffende Langrezension zu »Der Moloch«, dass ich sie zumindest teilweise in diese Rezension mit einfließen lassen will. Um Textnähe möglichst zu wahren und Deschner im Originalton wiederzugeben, zitiere ich mehrfach aus der mir vorliegenden »Überarbeiteten Neuausgabe 12/2002« (München 2003). Dass die Seitenangaben bei älteren Auflagen wegen unterschiedlichen Formatierungen oder Vorworten um einige Seiten abweichen können, sei einführend noch angemerkt.

Deschners Buch gliedert sich in vierzehn Kapitel: Die ersten drei widmen sich der Landnahme durch die weißen Kolonisten und der Bekämpfung und Vertreibung der indianischen Ureinwohner. Dem folgen mehr oder weniger lange Kapitel zur Entstehung der USA, dem Bürgerkrieg und dem Aufstieg der USA zur wirtschaftlichen Großmacht, sowie der Aufnahme einer imperialistischen Politik. Amerikas Rolle im Ersten Weltkrieg, in der Zwischenkriegszeit und im Zweiten Weltkrieg werden in jeweils eigenen Abschnitten behandelt. In den drei letzten Kapiteln befasst sich Deschner mit den USA in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, also im Allgemeinen mit dem Kalten Krieg und im Speziellen u.a. mit den »Stellvertreterkriegen« in Korea und Vietnam. Das Buch endet mit dem Zweiten Golfkrieg.

Schon nach wenigen Seiten wird deutlich, dass es sich beim »Moloch« nicht um eine »nüchterne und sachliche, sondern um eine aufgeregte und emotionalisierte Darstellung« (Pfahl-Traughber) handelt. Das fängt beispielweise damit an, dass Deschner die Amerikaner immer wieder als »Yankees« bezeichnet. Das ist ein Spitzname, der zumindest im europäischen Raum, negativ behaftet ist. Man möge sich dazu nur einmal ein englischsprachiges Werk vorstellen, indem die Deutschen dauernd als »Krauts« tituliert werden! Knapp vierzig Mal (!) findet sich dieses, als Kampfbegriff verwendete Wort in allen möglichen Formen im Text wieder, oft auch in Kombination mit diffamierenden Pauschalurteilen: »Scheint der Yankee doch überhaupt zum Selbstbelügen noch mehr befähigt als der Rest der Welt.« (S. 47), »Yankees haben Geschmack. Die Welt weiß es.« (S. 26, S. 63 und S. 69), »Aber so empfindlich sind Yankees, trifft es sie selbst einmal.« (S. 80), »Einflussreiche Yankees wollten einfach einen Krieg.« (S. 154), »Das amerikanische Wesen ist das Geld: der Inbegriff des Yankee-Daseins.« (S. 269) oder z.B. »...eine Heuchelei, die in Yankeebrüsten vielleicht gar nicht mehr empfunden wird, so tief schon ist sie eingedrungen...« (S. 178).
Diese Originaltöne enthalten auch schon die drei Grundpunkte des Deschnerschen USA-Bildes: Seiner Auffassung nach sei die US-amerikanische Gesellschaft nämlich von Anfang an geprägt gewesen durch Geldgier, Gewalt und Heuchelei (vgl. S. 27). Das ist quasi der sprichwörtliche rote Faden, der sich durch den ganzen undifferenzierten und oft sarkastischen Text zieht.

Ihm gelten die USA, das »Reich der Groschenromanrekorde« (S. 149), als ein kulturloses Land. Bezeichnenderweise ist dabei eine Stelle in einem Unterkapitel »Ein ganz spezieller Schluck für ihre Kehlen«: »Als dann aber die Massen der GIs über den großen Teich schwappten, Camel und Lucky Strike kamen, der Jazz und Rock und Pop, Giftgas und Atomsprengköpfe, kurz alles, was die Neue Welt der Alten an Kultur zu bieten hatte ...« (S. 271). Dass Deschner die Musikrichtungen Jazz, Rock und Pop in einem Atemzug mit Massenvernichtungswaffen nennt, sagt dann aber vermutlich mehr über seinen eigenen Geschmack bzw. seine persönlichen Aversionsobjekte aus, als über die vermeintliche Kulturlosigkeit der Amerikaner. Dazu gehört auch die, in zahlreichen Sätzen mit eingebrachte, allgemeine Geringschätzung von Politikern. Auf derselben Seite findet sich bzgl. der Westbindung deutscher Politiker ein wahrlich gelungenes Bild: »Und wie man eben noch Hitler in den Hintern kroch, so nun den Amis. Die Politiker voran.« (S. 271).

Zum wissenschaftlichen Arbeiten eignet sich der »Moloch« nicht. Zwar wartet das Buch, von den polemischen Zusätzen mal abgesehen, mit zahlreichen »historischen Fakten« (Klappentext) auf, doch kommt es ohne eine einzige Fußnote daher. Aber nicht nur der Anmerkungsapparat fehlt, sondern auch das Literaturverzeichnis. Weder das eine, noch das andere wurde in den zahlreichen Neuauflagen nachgeliefert, auch nicht in der »Überarbeiteten Neuausgabe 2002«. Wenn man den Angaben von Deschner-Kollegen Schmidt-Salomon glauben darf, so ist dies darauf zurückzuführen, dass Deschner unter Zeitdruck stand (»Der Verleger wollte das Buch unbedingt schnell veröffentlichen ...«) und die Quellenhinweise nicht mehr einarbeiten konnte (vgl. Deschner-Forum im Internet). Das würde auch die für Deschnersche Verhältnisse oft plumpen Formulierungen einigermaßen erklären. Lediglich in der insgesamt nur drei Sätze langen Nachbemerkung schreibt Deschner: »Vielen Autoren, Wissenschaftlern und Publizisten bin ich durch dieses Buch verpflichtet - zu vielen, um sie hier zu nennen. Besonders hilfreich aber waren mir u. a. die einschlägigen Arbeiten von E. Angermann, S. v. Nostitz, L. L. Matthias, A. Maurois, H. Scholl, G. Schomaekers, R. Winter.« (S. 365).
Pfahl-Traughber entschlüsselt das folgendermaßen: »Worum handelt es sich bei dieser Literatur und wie ist sie einzuschätzen? Einige der offenkundig gemeinten Veröffentlichungen lassen sich identifizieren, was hier an vier Beispielen erfolgen soll: Mit "E. Angermann" dürfte Erich Angermanns Arbeit "Die Vereinigten Staaten von Amerika seit 1917", mit "L.L. Matthias" Leo L. Matthias Buch "Die Kehrseite der USA", mit "H. Scholl" Heinz Scholls Schrift "Von der Wallstreet gekauft" und mit "R. Winter" Rolf Winters Werk "Ami go home" gemeint sein. Wie steht es um Charakter und Qualität dieser Veröffentlichungen? Sie können in der genannten Reihenfolge wie folgt eingeschätzt werden: ein renommiertes wissenschaftliches Standardwerk, eine kritische journalistische Arbeit, eine rechtsextremistische verschwörungsideologische Publikation und eine oberflächliche journalistische Streitschrift.«

Die Berufung auf einen rechtextremistischen Autor ist übrigens kein Einzelfall. So stützt sich Deschner an einer Stelle auf den Historiker Harry Elmer Barnes (vgl. S. 230), einem der bedeutendsten Geschichtsrevisionisten und Holocaust-Leugner (bzw. -Relativierer) der USA. Dieser spricht nicht nur die Deutschen in beiden Weltkriegen von der Kriegsschuld frei, sondern bezeichnet die Gaskammern als Nachkriegserfindungen (vgl. Pfahl-Traughber/D. E. Lipstadt). Auf keinen Fall sollen Deschner hier politische Nähen zu diesen Personen unterstellt werden, doch zeigen diese Fälle, dass es offenbar an einer sorgfältigen Auseinandersetzung mit der entsprechenden Literatur mangelte.

Im Kapitel »Die Wallstreet kauft Hitler« (!) fällt Deschner sogar auf eine Fälschung herein. Dieser 7-seitige Abschnitt befasst sich mit unterschiedlichen deutschen und ausländischen Geldgebern der NSDAP und stellt die Finanzierung Hitlers durch die Wallstreet in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Deschner spricht von über 30 Millionen US-Dollar, die durch das Bankhaus Warburg an Hitler geflossen sind (als Gegenleistung für eine aggressive Außenpolitik gegenüber Frankreich (!) (vgl. S.222)), und verweist auf ein 1933 erschienenes und schnell wieder aus dem Handel gezogenen Buch mit dem Titel »De Geldbronnen van het Nationaal-Socialisme. Drie gesprekken met Hitler door Sidney Warburg«. Bei der Schrift handelt es sich nachweislich um eine Fälschung. Herausgeber war der Journalist J. G. Schoup, der wegen unrechtmäßiger Führung des Doktortitels und finanzieller Betrügereien vor Gericht gestanden hatte. Der Verlag zog das Buch binnen kurzer Zeit zurück, weil man um den Ruf des Hauses fürchtete (ausführlich in Pfahl-Traughbers Beitrag »Deschners USA-Bild. Eine kritische Betrachtung zu Der Moloch« in »Aufklärung und Kritik« (9/2004)). Wie schon erwähnt, rechnet Deschner dem Einfluss des Geldes in den USA einen besonderen Stellenwert zu. Hinter nahezu allen politischen Entscheidungen stehen wirtschaftliche Interessen bzw. die US-Hochfinanz bzw. allgemein die »typisch amerikanische« Geldgier. Diese verschwörungsideologische Geschichtsauffassung mündet dann in so vollkommen unsinnige Pauschalisierungen und unhaltbare Übertreibungen wie »Der Revolutionskrieg für die Reichen« (S. 81) oder »Die US-Hochfinanz finanziert die Russische Revolution« (S. 187) oder »Man wird in Erinnerung behalten müssen, dass die Finanzierung des Umsturzes in Russland und der roten Armee durch die US-Hochfinanz geschah« (S. 187) oder »Eine wichtige, vielleicht sogar entscheidende Rolle für den Kriegseintritt der USA [...] spielt das New Yorker Bankhaus Kuhn, Loeb & Co...« (S. 183) oder »Die Wallstreet kauft Hitler« (S. 217) oder »Es waren dieselben Wallstreet-Kreise, die schon 1917 die bolschewistische Revolution finanziert hatten, die auch Hitler beisprangen, in der einzigen Absicht, seine Machtergreifung, seine Aufrüstung, sowie den nächsten Weltkrieg zu ermöglichen und damit für sie noch riesigere Gewinne als im letzten.« (S. 217). Pardon, aber bei so einer monokausalen, ökonomieüberschätzenden Betrachtungsweise kann man nur den Kopf schütteln und sich der Entgegnung Pfahl-Traughbers anschließen: »Selbst wenn gewisse finanzielle Mittel geflossen sein sollten, so lassen sich mit diesen Geldern weder allein noch primär derartige politische Ereignisse erklären«. Und speziell was die Behauptung angeht, Hitler sei quasi eine »Marionette der Wallstreet« gewesen, kommen James und Susanne Pool in ihrem Buch über die Auslandsfinanzierung der Hitlerpartei zu dem Schluss, dass es zwar vielfältige Finanzierungswege gegeben habe, sie aber nicht entscheidend für Hitlers politischen Sieg waren.

Wie eine Selbstverteidigung kommt dann auch ein recht merkwürdig platzierter Einschub im Unterkapitel »Die Wallstreet kauft Hitler« daher: »Die etablierte Geschichtsschreibung [...] vernachlässigt noch immer gerade die wirtschaftlichen Komponenten im globalen Beziehungsgeflecht, die ökonomischen Faktoren als bestimmende Antriebskräfte...« (S. 219). Dieser Vorwurf überrascht, denn er übergeht u.a. die sozioökonomischen Elemente der zweitweise sehr weit verbreiten marxistisch geprägten Geschichtsschreibung (erwähnt sei hierzu nur bspw. Kiyoshi Inoues »Geschichte Japans«).

An Deschners »Moloch« ist vieles ärgerlich. Stellenweise ist das Buch aber auch einfach polemisch bis zur Unerträglichkeit. Ich habe zwar schon einige Zitate eingebracht, möchte aber noch einige unkommentierte Kostproben des Textes nachliefern: »...eine unersättliche Gier nach Land, Macht, Märkten, ein Hunger, der die Yankees über Kontinente und Ozeane treibt« (S. 21), »...jetzt fühlen sie eher Abscheu, Wut, wird doch ihr Heiligstes angetastet - ihr Profit!« (S. 78), »...wie das Yankees ja immer tun« (S. 166), »...behauptet in bewährter Yankee-Heuchelei...« (S. 165), »...ein wahrhaft wundervolles Geschäft, das Geschäft des Jahrtausends« (S. 214), »...den Herrschenden ganz scheißegal« (S. 177) oder »Alles erstunken und erlogen« (S.327). Am deftigsten kriegt der britische Premierminister im Zweiten Weltkrieg, die »Kriegsfurie Churchill« (S. 267) sein Fett weg: »...Churchill, einer der blutgierigsten Deutschenhasser aller Zeiten, ein fetter britischer Bulle, der im Töten von Deutschen das erste Ziel des Krieges sah.« (S. 248). So eine hefige Diffamierung findet sich in seriösen Sachliteratur wohl kaum ein zweites Mal...

Auffallend an Deschners Text ist aber vor allem folgendes: Die Amerikaner stellt er in ein möglichst dunkles Licht, während er ihren zeitweiligen Gegenspielern, wie Engländern, Deutschen oder Japanern bewusst gute Eigenschaften und Beweggründe zuschreibt. Während Deschner die Landnahme der Kolonisten und den Raubkrieg der Amerikaner gegen Mexiko aufs Schärfste angreift, verurteilt er mit keiner Zeile den aggressiven Expansionsmus der Japaner vor und während des Zweiten Weltkriegs oder das grausame Vorgehen gegen die Chinesen. Im Gegensatz: Diesen Landraub bezeichnet er sogar als Erfolg der Japaner (»...dass Japan alle seine bisherigen Erfolge aufgeben müsste« (S. 237)). Das »kleine Japan« (S. 236), das siegreiche (!) Kriege gegen China und Russland führte und nach dem Ersten Weltkrieg »mit nur einigen deutschen Kolonien abgespeist wurde« (S. 236), fühlt sich »mehr und mehr isoliert und bedrängt« (S. 236) von den Engländern und (vor allem) den Amerikanern. Die Japaner geben nach (vgl. S. 236), die japanische Regierung möchte einlenken (»vergeblich«) (S.237), die Amerikaner» reizten jedoch die Japaner immer mehr« (S. 237). Schließlich hat Japan »keine andere Wahl« (S. 239) - Deschner zitiert hier den japanischen Außenminister Shigenori Togo, der nach seinem Bekunden ein »ungewöhnlich kluger Diplomat« (S. 238) war - und muss die USA angreifen, was dann auch ohne vorige Kriegserklärung geschieht. »Die Japaner errangen gewaltige Siege zu Wasser und zu Land« (S. 240) und »die japanische Armee war außerordentlich tapfer« (S. 240), doch gegen die USA, mit einer fast doppelt so großen Bevölkerung etc., »konnte Japan nicht siegen« (S. 240). Bei allem Respekt: Das ist übelster Geschichtsrevisionismus. Durch Weglassen von Informationen, die die Japaner in diesem Zusammenhang kompromittieren könnten, subtilen Formulierungen und der Einbringung von positiven Worten wie »klug«, »tapfer« oder »siegreich«, wird das Bild der Japaner im Zweiten Weltkrieg bewusst geschönt und ihre Kriegsschuld relativiert. Das Japan des Zweiten Weltkriegs aber war ein kulturchauvinistischer, militaristischer und in weiten Teilen auch rassistischer Staat, der eine sogenannte »Großostasiatische Wohlstandssphäre« unter japanischer Vorherrschaft anstrebte. Dieser imperiale Traum sollte schließlich durch Angriffskriege und der Einsetzung von pro-japanischen Marionettenregierungen in die Realität umgesetzt werden. Nach dem Prinzip »Actio et reactio« war ein Zusammenstoß mit anderen Mächten und Großmächten dabei eine vorhersehbare Konsequenz. Was Kriegsschuld anbelangt, so ist die vorhersehbar apologetische Aussage eines japanischen Spitzenpolitikers und Kolonialministers (Shigenori Togo) übrigens von zweifelhafter Qualität.

Ähnlich verfährt Deschner mit den Engländern, den sklavenhaltenden Konföderierten, den Sowjets und den Deutschen. Deschner reagierte zwar mit großer Empörung auf Pfahl-Traughbers Aussage, dass sich der Kirchenkritiker in dem »Moloch« in eine »Geschichtsbetrachtung mit deutschnationalen Zügen« versteige, und blockte diese in einer Erwiderung als »zu absurd, um von mir widerlegt zu werden« ab. Aber auch in diesem Punkt kann ich Pfahl-Traughber nur beipflichten. Während er den Deutschen anscheinend pauschal Eigenschaften wie Verlässlichkeit (vgl. S. 214) und Tüchtigkeit (vgl. S. 215) zuschreibt, stilisiert er die Amerikaner als »In-die-Suppe-Spucker« und »Spielverderber«, die Deutschland »durch ihren Kriegseintritt 1917 in den Abgrund gerissen [haben]« (S. 214). Ein Unterkapitel über den Ersten Weltkrieg, in dem Deschner mit geradezu schwärmendem Beiklang über die anfänglichen Siege der deutschen Truppen schreibt, trägt den bezeichnenden Titel »Erst die USA zwangen Deutschland 1918 zu Boden« (S. 190). Mit dieser Überschrift greift er also schon das Feindbild voraus. Im letzten, abschließenden Unterkapitel zum Ersten Weltkrieg wiederholt er fast schon mit bedauerndem Unterton noch einmal sein Resümee: »Kaum ein Zweifel, dass nur das Auftauchen der amerikanischen Riesenarmee auf dem europäischen Kriegsschauplatz die Mittelmächte in den Untergang riss« (S. 198). Das selbe Spiel im Kapitel zum Zweiten Weltkrieg: Wenn Deschner schreibt »Und obwohl Hitler wohlweislich alles vermied, Amerika einen Grund zum Kriegseintritt zu geben, steuerte Roosevelt voll darauf zu« (S. 234) argumentiert er nicht differenzierend, sondern behauptet pauschal, Hitler habe keinen Krieg gegen die USA gewollt, Roosevelt aber einen Krieg gegen Deutschland angestrebt. Genauso mit dem Satz »Roosevelt provozierte Deutschland fortgesetzt, um endlich Krieg führen zu können« (S. 234). Deschner zufolge haben die Amerikaner nicht nur die deutsche Nation 1917/18 »kaputtgeschossen«, sondern ihr auch im Zweiten Weltkrieg »den Rest gegeben« (vgl. Formulierungen auf S. 214).

Es gibt zahlreiche weitere Punkte in Deschners USA-Geschichte, mit welchen man sich detaillierter auseinandersetzen könnte. Aus Platzgründen sei hier lediglich noch fragmentarisch auf fünf Punkte eingegangen, die ich mir beim Lesen des Buches herausgeschrieben habe:

Angefangen mit dem harmlosesten: Im letzten Unterkapitel zum Ersten Weltkrieg kommt Deschner nach Nennung von drei Fällen (bzw. zwei) in denen sich US-Präsident Wilson geografisch vertan hat zum Gesamturteil »Überhaupt waren die Geographiekenntnisse der Yankees, was Europa (und darüber hinaus) betrifft, einfach stupend« (S. 195). Jetzt könnte man sich natürlich fragen, welcher Europäer aus dem Stand die Stadt Rastatt (die Wilson, laut Deschner, für einen rheinischen Brückenkopf hält) korrekt lokalisieren könnte und ob es sich dabei nicht eher um mangelnde Vorbereitung, als um fehlende Geografiekenntnisse handelt. Wie dem auch sei, in einem weiteren Beispiel passiert Deschner ironischerweise selbst ein Irrtum: Bei der Schreibung »Heligoland«, die er dem amerikanischen Außenminister Lansing als Fehler anlastet, handelt es sich einfach um die englischsprachige Version des Inselnamens.
Nebenbei bemerkt gibt es im politischen System der USA streng genommen auch keine »Minister«. Bei diesen Kabinettsmitgliedern handelt es sich um Sekretäre des Präsidenten (»Außenminister« wäre der »Secretary of State«) mit beratender Funktion (vgl. Informationen zur politischen Bildung 283 (2004): Politisches System der USA). Da im »Moloch« keine Analyse des US-amerikanischen politischen Systems erfolgt, wird diese Information und damit auch der Hinweis auf die starke Machtverschränkung in der Person des US-Präsidenten übergangen.

Auf Seite 271 heißt es dann: »Die USA sind bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein in vielen Ländern Europas weder sehr bekannt noch sehr angesehen gewesen. Man kannte sie kaum besser als China, Südafrika oder Australien. Und bis ins 20. Jahrhundert hinein dachte man über sie in Europa fast ausnahmslos negativ...«. Dem wage ich sehr zu widersprechen. Allein wenn man die Beliebtheit eines Landes an ihrer Einwandererzahl misst, trifft dieses Pauschalurteil nicht zu. Vergleicht man beispielsweise die durchschnittliche Immigrationszahl der Vereinigten Staaten mit der von Australien im Zeitraum von 1831 bis 1860, kommt man zu dem Ergebnis, dass schon damals neunmal mehr Menschen in die USA (i.D. 165000 Einwanderer jährlich) ausgewandert sind, als nach Australien (18200 Einwanderer)(vgl. Adams: Fischer Weltgeschichte. Die Vereinigten Staaten von Amerika, Vamplew: Australians. Historical Statistics). Dass die Einwanderungszahl im frühen 19. Jhd. gering war, hat nicht nur mit den Napoleonischen Kriegen und der Kontinentalblockade zu tun, sondern auch mit den anfangs sehr hohen Überfahrtskosten (über 3000 Meilen Schiffsweg). Auch ist es ein absolutes Fehlurteil, das man über die USA »bis ins 20. Jahrhundert (!) [...] fast ausnahmslos negativ« dachte - dies war vielleicht nach dem 1. Weltkrieg in Deutschland und dann eher in deutschnationalen Kreisen der Fall. Die deutsche Auswanderung nach den Vereinigten Staaten erreichte ihren Höhepunkt mit einer Viertelmillion (!) im Jahre 1882 (vgl. Adams). Oft verband man mit der Auswanderung in die USA die Hoffnung auf eine besseres Leben. Dass die Löhne in Amerika stets höher waren, als in der Rest der Welt, war ein wichtiger Faktor für die Auswanderung. Aber: »Nicht alle Einwanderer waren jedoch Opfer ihrer wirtschaftlichen Lage. Seit Beginn der amerikanischen Geschichte sind zahlreiche Menschen aus politischen, religiösen und kulturellen Gründen in die Neue Welt gekommen« (Adams, S. 187).

Was man auch im Zusammenhang mit der "deutschnationalen Geschichtsschreibung anführen könnte, ist der Abschnitt »Teheran oder Möglichst viele Deutsche töten« (!) (S. 246). Wie es der Titel schon andeutet, geht es um die Teheran-Konferenz Ende 1943, bei er sich die alliierten Hauptführer Churchill, Roosevelt und Stalin zusammenfanden, um ihr weiteres Vorgehen abzustimmen. »Natürlich klangen [...] die verschiedensten Themen an« und auch »die Zerschlagung Deutschlands wurde selbstverständlich ventiliert« (S. 247), aber bei aller Meinungsverschiedenheit war man sich, so Deschner, einstweilen darin einig, »die Deutschen in Massen umzubringen, in möglichst großen Massen; je mehr desto besser« (!) (S. 247). Roosevelt, so weiter im Text, soll seinem Sohn Elliott in Teheran gestanden haben, dass »die einfachste Methode, um möglichst viele Deutsche unter möglichst geringen eigenen Verlusten zu töten, darin bestehe, eine große Offensive aufzubauen und dann mit allen Mitteln zuzuschlagen, die uns zur Verfügung stehen...« (S. 248). Das ist vermutlich so ein innovatives »Faktum«, das vielen Lesern in noch keinem Buch begegnet ist. Da keinerlei Quellenangabe auf den Ursprung dieses ominösen und auch inhaltlich unsinnigen »Zitats« hinweist, kann man nur darauf schließen, dass es entweder direkt aus dem »Völkischen Beobachter« entnommen wurde, oder aus neuerer rechtsextremistischer »Enthüllungsliteratur« - unreflektiert und ungeprüft. Kernaussage dieses Unterkapitels ist jedenfalls, dass die alliierte Führung (allen voran US-Präsident Roosevelt) nicht auf eine Niederringung eines verbrecherischen und Angriffskriege führenden Regimes aus war, sondern schlicht »möglichst viele Deutsche töten« wollte.

Weiter schreibt Deschner, der Koreakrieg sei die Folge der russlandfeindlichen US-Politik (!) (vgl. S. 284) gewesen, und schickt dieser Auffassung nicht einen einzigen erläuternden Satz hinterher. Bei der nur zweieinhalb Seiten langen Beschreibung des Koreakrieges vergisst er nicht darauf hinzuweisen, dass es sich bei Südkorea um ein »diktatorisches Regime« unter Führung des Antikommunisten Syngman Rhee handelte. Auf eine Beschreibung Nordkoreas verzichtet er aber komplett und erwähnt nicht dass ein gewisser Kim Il-sung diktatorischer Machthaber des kommunistischen Nordens war, 1950 den Angriffsbefehl gab, sogenannte »Umerziehungslager« errichtete und seinen Sohn Kim Jong-il nach über 40-jähriger Alleinherrschaft in die Führung hievte.

Und im Vietnam-Kapitel, das wohl das größte Potential für eine Amerikakritik bietet, versteigt sich Deschner zu der Aussage: »Hitlers SS hatte Lidice vernichtet - in Vietnam hat man "ganze Ortschaften ausgetilgt" (Egon Larsen)« (S. 337). Das läuft darauf hinaus, dass die US-Amerikaner schlimmer waren als die Nationalsozialisten und ist im Gesamtkontext nicht nur eine unzulässige Verallgemeinerung, sondern auch tendenziell falsch. Lidice war nämlich mitnichten die einzige, von Hitlers SS-Mordtruppen vernichtete Gemeinde (wie die Formulierung es vorgibt): Allein auf der Krim wurden über 80 jüdische Gemeinden ausgelöscht (vgl. Gilbert: Endlösung. Die Vertreibung und Vernichtung der Juden). Überhaupt wirkt das Vietnamkriegs-Kapitel aufgrund der vorherigen pauschalisierenden, dämonisierenden oder übertriebenen Aussagen zu anderen historischen Ereignissen und dem polemischen Stil geradezu »entkräftet«.

So sehr man Deschners Ruf nach Aufklärung und Kritik zustimmen muss und so sehr die Kritik an mehreren Punkten der US-amerikanischen Geschichte durchaus berechtigt ist, sowenig gelingt Deschner mit dem »Der Moloch« eine fundierte, stilistisch ansprechende (kritische) Darstellung der US-Geschichte und -Gesellschaft. Die amerikanische Gesellschaft lässt sich nicht einfach auf Geldgier, Gewalttätigkeit, Kaugummi und Rockmusik reduzieren. Dass Deschner im Moloch vor keiner noch so abgedroschenen Formulierung und Argumentaufbietung zurückschreckt um dass so hinzubiegen, lässt einen mehr als nur einmal verärgert an den Kopf fassen. Pfahl-Traughber beendet seine Langrezension zum Buch mit folgenden treffenden Worten, denen ich abermals nur beipflichten kann - ausdrücklich auch seinem »versöhnlichen« Schlusssatz:
»"Der Moloch" [...] bringt weder formal noch inhaltlich Neues, ähnlich gestrickte Bücher sind mitunter besser, mitunter schlechter - aber sie vermitteln kaum innovative Einsichten und wirklichen Erkenntnisgewinn, allenfalls befriedigen sie emotionale Ressentiments und stereotype Feindbilder. Statt der Arbeit an "Der Moloch" wäre ein weiterer Band der "Kriminalgeschichte des Christentums" ein lohnenderes publizistisches Projekt gewesen.«
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 8, 2014 2:52 PM MEST


Xoro HRS 3400 Digitaler Satelliten-Receiver DVB-S (2x Scart, USB 2.0, PVR Ready, Time-Shift, SD-Kartenleser) schwarz
Xoro HRS 3400 Digitaler Satelliten-Receiver DVB-S (2x Scart, USB 2.0, PVR Ready, Time-Shift, SD-Kartenleser) schwarz

101 von 101 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ausgezeichnetes Preis-Leistungsverhältnis, 22. September 2010
Der »Xoro HRS 3400« ist ein kostengünstiger digitaler Satelliten-Receiver mit einer Menge an Funktionen: Er bietet neben digitalem Fernsehen und Radio die Möglichkeit Programme aufzuzeichnen und Mediendateien (Bilder, Videos und Lieder) abzuspielen. Mit den Maßen 22cm x 16cm x 4,5cm ist er auch überraschend klein, nur etwas größer als ein DIN-A5-Heft (was Breite und Tiefe angeht).

== Ausstattung ==

Der Xoro-Receiver besitzt auf der Rückseite zwei Scart-Anschlüsse (TV und VCR), einen Eingang für das Sat-Kabel (LNB IN) und einen Loop-through-Ausgang (LOOP OUT) zum Anschluss eines weiteren DVB-S-Empfangsgeräts. Wer über eine gute Audioanlage bzw. einen AV-Receiver verfügt, kann auch den Digital-Audio-Anschluss des Sat-Receivers nutzen. Kabel sind nicht enthalten. Der Receiver kommt mit einer deutsch-englischen Betriebsanleitung und einer Fernbedienung (mit Batterien).

Auf der Vorderseite befindet sich ein Speicherkarten-Slot (SD, SDHC, MMC, MS) und ein USB-Steckplatz zum Anschluss eines Speichersticks oder einer USB-Festplatte. Und vielleicht weniger wichtig, aber der Vollständigkeit halber erwähnt: Auf der Vorderseite befindet sich ein einrastender Ein/Aus-Knopf und zwei Kanalwechsel-Tasten (CH+/CH-). Was man auf den Artikelfotos nicht sehen kann, ist die gelbe Kanal/Uhrzeit-Anzeige und die Status-LED links daneben, die beim Einschalten von Rot auf Grün wechselt.

== Satellitenfernsehen und -radio ==

Der Receiver ist am Anfang noch nicht eingestellt und zeigt bei erster Inbetriebnahme die zwei Auswahlpunkte »General Settings« und »My Dish«, ist also zu Beginn auf Englisch eingestellt. Unter »General Settings« kann man ihn auf Deutsch (oder Türkisch, Russisch u.a.) umstellen. Dann folgt über den zweiten Auswahlpunkt (»My Dish«) die Satellitenauswahl und der Sendersuchlauf. Nutzer aus dem deutschsprachigen Raum finden ihre Kanäle über »Astra« (in erster Linie »Astra 1E,1F,1G«). Nach dem Suchlauf kann man die Kanäle ordnen, umbenennen, verschieben und natürlich löschen. Hat man sich in das Menü eingefunden, funktioniert das relativ einfach. Man kann seinen Programmpool auch mit Sendern von verschiedenen Satelliten füllen.

Die On-Screen-Menüs sind in einem angenehmen Blau gehalten. Rot ist - das wurde in einer anderen Rezension etwas ungenau ausgedrückt - lediglich das Hintergrundbild des Hauptmenüs und der Radiofunktion. Das Kanalumschalten geht recht schnell. Etwas langsam ist es dagegen, wenn man den Kanal direkt über die jeweilige Zahl anwählt. Neben dem konventionellen Videotext gibt es die EPG-Funktion (»elektronischer Programmführer«).

== Aufnahmefunktion ==

Der Receiver lässt sich auch als TV- und Radiorekorder nutzen. Die Aufnahme erfolgt entweder auf einen USB-Stick bzw. eine USB-Festplatte oder auf eine Speicherkarte. Aus Geschwindigkeitsgründen werden in der Anleitung nur USB-Sticks mit mindestens 8GB empfohlen, bei Speicherkarten nur welche der 2. Generation (SDHC mit Class 2 und höher). In der Praxis reicht das aber nicht mehr aus. Zur Probe habe ich ein paar Speichermedien getestet: einen älteren Toshiba-USB-Stick mit 2GB, eine Lowbudget-SD-Speicherkarte mit 2GB und einem geliehenen »SanDisk Cruzer Micro 8GB«. Bei den beiden erstgenannten kam es bei der Aufnahme, wie erwartet, schnell zu Bildrucklern und der Meldung »Das Zielgerät ist zu langsam«. Der 8GB-Cruzer schien hart an der Grenze zu sein, mit ganz leichten Rucklern. Die Meldung »Das Zielgerät ist zu langsam« kam erst relativ spät. Eine Schreibgeschwindigkeit von 6,3 MByte/s (getestet mit h2testw 1.4) ist also etwas zu langsam. Deswegen kann ich mir auch nicht vorstellen, dass eine SDHC-Karte mit »Class 2« (also min. 2 MByte/s-Schreiben) ausreicht. Mit USB-Sticks mit 16GB Speicher oder SDHC-Karten der Klasse 8 oder 10 wird man auf jeden Fall glücklich. Eine kürzlich gekaufte 8GB-SDHC-Karte (Class 10) läuft problemlos mit dem Receiver. Tragbare Festplatten sollten, da wesentlich schneller, keine Probleme machen.

Ganz wichtig: Damit es keine böse Überraschung gibt, und die Aufnahme mittendrin endet, muss man die Standardaufnahmezeit - versteckt in »Meine Aufnahmen« - hochsetzen (min. 15 Minuten und max. 8 Stunden). Die Aufnahme kann natürlich vorher beendet werden. Es gibt die klassische Ein-Knopf-Aufnahme und eine Aufnahmefunktion mit Countdown. Aufnahmen können auch programmiert werden.

Gespeichert wird die Aufnahme zerlegt in ca. 250 MB große TS-Dateien. Diese Aufnahme kann dann direkt auf dem Xoro-Receiver als Ganzes und ohne Unterbrechungen abgespielt werden. Auf den PC kopiert, kann man diese Dateien z.B. mit dem VLC-Player abspielen, oder zusammenfügen und schneiden (z.B. mit der Freeware »ProjectX«). Mit dem Umwandlungsprogramm »SUPER« kann man die TS-Datei(en) auch in ein anderes Format konvertieren. Je nach Auflösung der Übertragung passen auf eine 8-GB-Speicherkarte etwa 3 1/2 bis 4 1/2 Stunden Aufnahme.

Auch die Radioübertragungen lassen sich aufnehmen. Leider werden diese aber nicht als MP3s oder WMAs gespeichert, sondern ebenso als TS-Dateien. Ins MP3-Format lassen sich diese z.B. mit dem VLC Player (Medien -> Konvertieren/Speichern) umwandeln.

== Multimediafunktion ==

Wie bereits angesprochen, kann man die aufgenommenen TV- und Radiosendungen gleich mit dem Receiver abspielen. Zusätzlich kann man Bilder (JPG, GIF) anschauen, Musikdateien (MP3, WMA) anhören und Videos (MPEG1, MPEG2, MPEG4) anschauen. XVID-Videos (wie DIVX ein MPEG4-Codec) müssen einige Sekunden vorgeladen werden und laufen problemlos. Selbst Videos größer als 1 GB (1,3 GB erfolgreich getestet) lassen sich einwandfrei abspielen und vor- und zurückspulen. Wer aber AC3-Ton in Filmdateien genießen will, muss den Digital-Audio-Ausgang nutzen (sonst hört er nämlich gar nichts).

Als zusätzliche Spielerei, das sei noch abschließend erwähnt, enthält der Xoro-Receiver noch das Spiel »Gomoku« (Fünf gewinnt), einen Kalender und einen einfachen Taschenrechner.
Kommentar Kommentare (7) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 22, 2011 8:36 PM CET


Der Krieg mit den Molchen
Der Krieg mit den Molchen
von Karel Capek
  Taschenbuch

4 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nur teilweise ein Geheimtipp: Karel Capeks »Der Krieg mit den Molchen«, 18. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Der Krieg mit den Molchen (Taschenbuch)
Als der Tscheche Capek seine satirische Dystopie »Der Krieg mit den Molchen« niederschrieb, sollte es nur zwei Jahre dauern, bis deutsche Truppen in die Tschechoslowakei einmarschierten und wenig später durch den Einfall in Polen den Zweiten Weltkrieg auslösten. Diese phantastische Erzählung, die von der Entdeckung, Ausbeutung und dem raschen Aufstieg einer menschenkindsgroßen Molchart berichtet, beginnt als Abenteuergeschichte und mündet in eine Parabel auf die »abgründige Narrheit Europas« (Thomas Mann) am Vorabend des Zweiten Weltkriegs.

Es ist kein Science-Fiction-Roman im konventionellen Sinne, zumal er nicht in der Zukunft, sondern in der Capek'schen Gegenwart spielt und auch keine technologische Innovation im Mittelpunkt steht. Was aber die Weltgeschichte in der phantastischen Erzählung in eine andere, alternative Bahn lenkt, ist die Entdeckung einer kindsgroßen, arbeitsfähigen und unter Wasser lebenden Amphibienart, die Entdeckung der Molche (vom ihrem Entdecker, einem schrulligen Kapitän, zunächst als »Tappa-boys« bezeichnet). Man wittert Gewinne und so setzt sich schnell eine unglaubliche Kapitalismusmaschinerie in Gang: Es wird gezüchtet, es wird vermehrt, es wird selektiert. Die Gewinne durch das Sklavenvolk der Molche werden vervielfacht, die Profite potenziert.
Grob zusammengefasst ist das der Inhalt der ersten Hälfte und des ersten und gelungensten Teil des Buches. Fesselnd und unterhaltsam ist dieses, überwiegend im Präsens verfasste, erste Buch (als Gliederung zu verstehen) namens »Andrias Scheuchzeri«, sowie Teile des zweiten mit den »programmatischen« Titel »Stufe um Stufe zur Zivilisation«. Die anfangs sehr abenteuerliche und humorvolle Geschichte liest sich in ihrem weiteren Verlauf, als die Ausbeutung der Molche immer größere Ausmaße annimmt und selbst Begriffe wie »Molchmarkt« entstehen, wie eine bitterböse Anspielung auf den jahrhundertelangen atlantischen Sklavenhandel und die Wiederholbarkeit der Geschichte. Im weiteren Verlauf flacht der Roman leider auch ab. Er wird immer fragmentarischer und die Zeitsprünge größer und größer. Schon bald lässt der Autor das interessante Motiv der Geschichtswiederholung und der Kapitalismuskritik aus den Augen und verliert sich in einer schwammigen, allgemeinen Parabel auf die Zustände Europas in den 1930er Jahren. Der witzigste Teil ist hierbei noch das Kapitel »Der Nordmolch« - eine Parodie auf den deutschen Chauvinismus und das nationalsozialistische Rassengedöns dieser Zeit (»Solche Erfolche erreichen nur deutsche Molche«).

Was die Bevölkerungszahl angeht, werden die Menschen bald von den »Eidechsern« überflügelt. Auch setzt mit wachsender Intelligenz eine breite Emanzipationsbewegung ein, die letztendlich in einen finalen Konflikt mit der Menschheit gipfelt. Von einem wirklichen Krieg, wie es der Buchtitel ankündigt, kann jedoch nicht die Rede sein. Zumindest ist dieser nur von sehr kurzer Dauer und wird auf einigen wenigen Seiten abgewickelt. Es kommt an verschiedenen Orten der Welt - die Molche sind inzwischen nahezu überall angesiedelt - zu gewaltsamen Zwischenfällen und Anschlägen aber sicher nicht zu einem längeren Krieg zwischen beiden Parteien. Etwas enttäuschend, wie der Autor das Thema, den spannungstechnischen Höhepunkt des Romans, dann quasi im Vorgriff mit dem bezeichnenden Satz »Es war ein sonderbarer Krieg, wenn es überhaupt Krieg genannt werden kann...« abhakt. Und dieser dritte und letzte Buchteil, der übrigens auch den Titel »Der Krieg mit den Molchen« trägt, ist für einen Schluss weder pointiert genug, noch ansatzweise so gekonnt geschrieben, wie man es nach dem Anfang erwartet hätte. Es mangelt ihm auch sehr an Spannung, was nicht unwesentlich darauf zurückzuführen ist, dass er überwiegend in der Vergangenheitsform verfasst wurde, im Stile eines zurückblickenden Geschichtsbuches. Am Ende schaltet sich der Autor in Form eines »Gesprächs mit sich selbst« in den Text ein und fügt dem unausgegorenen und düsteren Schluss einige hoffnungsvolle Ausblicke hinzu.

Charakteristisch für den Text sind seine zahlreichen Perspektiven- und Zeitenwechsel, sowie seine Heterogenität. In den unterschiedlichsten Schriftarten und -größen werden Schlagzeilen, fiktive Zeitungsberichte, Gesprächsprotokolle, Werbetexte und wissenschaftliche Berichte in den eigentlichen Text eingewoben. Das war zwar selbst 1936 nicht neu, aber so konsequent wurde es sicher nur ganz selten durchgezogen.

Was die schicke Ausgabe des Aufbau-Verlags übrigens leider vermissen lässt, ist ein (literaturgeschichtlicher) Begleittext: Es gibt weder ein Vor- noch ein Nachwort zu Capeks Text.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 17, 2015 12:48 AM CET


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