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Rezensionen verfasst von
tabula_rasa2605 (Khalifat Almanya Süd-West)

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Maria Stuart. SZ-Bibliothek Band 57
Maria Stuart. SZ-Bibliothek Band 57
von Stefan Zweig
  Gebundene Ausgabe

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "...und die letzten Worte meines Lebens sollen die einer Königin von Schottland sein.", 27. September 2011
Stefan Zweig stellt Maria Stuart als leidenschaftliche, unbändige Frau der Extreme dar, für die Kompromisse nur selten akzeptabel waren. Demzufolge war ihr Schicksal irgendwo zwischen absolutem Triumph und völligem Niedergang vorbestimmt, zumal unter den gegebenen historischen Umständen.
Ihn interessiert dabei nicht so sehr ihre Funktion als Königin, vielmehr werden charakterliche Stärken und Schwächen hinterfragt. In erster Linie wird hierbei die kurze Zeit ihrer frühen Erwachsenenjahre beleuchtet, die sie in den Abgrund reißen.

Sprachlich und literarisch ist Stefan Zweig ein Genuss, der allerdings nicht selten eingeschränkt wird durch seine anmaßende Arroganz.
In der Einleitung wird darauf verwiesen, dass viele Teilaspekte aus dem Leben Maria Stuarts aufgrund widersprüchlicher Nachweise nicht objektiv nachvollzogen werden können und auf ewig im Dunklen verschwommen bleiben müssen. In seinen Ausführungen lässt Zweig solche Zweifel hingegen selten aufkommen. Zwar begründet er alle elementaren Entscheidungen, wie z.B. die Frage, ob die ominösen Kassettenbriefe als authentisch betrachtet werden können / müssen, ausführlich und nachvollziehbar. Nur selten erniedrigt er sich allerdings dazu, seine darauf basierenden charakterlichen Analysen mit einem Fragezeichen zu beenden. Nach knapp 400 Jahren geht Zweig mit einer bemerkenswerten Selbstverständlichkeit daran, historische Figuren lediglich anhand (zweifelhafter) Aufzeichnungen psychologisch zu begutachten.
Auch Elizabeth I., John Knox und weitere Persönlichkeiten der damaligen Zeit bleiben nicht von seinen ganz und gar nicht wertfreien Analysen und Mutmaßungen verschont.
Wer eine Maria-Stuart-Biographie im eigentlichen Sinne lesen möchte, sollte auf einen anderen Autor ausweichen. Stefan Zweig konzentriert sich in erster Linie auf die Psychologie hinter den Ereignissen und Charakteren, historische Fakten werden nebenbei abgehandelt. Vorkenntnisse werden nicht vorausgesetzt, erleichtern die Zusammenhänge jedoch. Zweig's Stil ist gewöhnungsbedürftig und polarisierend, für manche unerreichbar, für andere unerträglich.


Blutiges Erwachen: Thriller
Blutiges Erwachen: Thriller
von Roger Smith
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

4.0 von 5 Sternen "Dieses Land ist total abgefuckt.", 14. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Blutiges Erwachen: Thriller (Taschenbuch)
Ein in die Jahre gekommenes Ex-Model ergreift die Gunst der Stunde und erschießt nach einem missglückten Überfall ihren tyrannischen Mann. Sich dem unberechtigten Vorwurf eines Mordes ausgesetzt, sinnen die Gangster nach Rache, während die Verfolgte unerwartet Rückendeckung erhält. Doch jeder verfolgt seine eigenen Ziele, es gibt keine Loyalität, kein Gewissen, nur Leben oder Sterben.

"Blutiges Erwachen" ist in der Bandenszene der Cape Flats angesiedelt, Kapstadt's farbigem/schwarzem Ghettoviertel, das von Perspektivlosigkeit, Werteverfall und Gewalt gekennzeichnet ist. Roger Smith's Südafrikabild unterscheidet sich also nicht wesentlich von dem vieler anderer Thrillerautoren. Man sollte dennoch keine reine Gewaltorgie oder Action pur erwarten. Nicht nur die Akteure, auch deren Motive werden relativ ausführlich beschrieben und hinterfragt. So gesehen überrascht es auch nicht, dass die angekündigte "brutale Irrfahrt" recht lange auf sich warten lässt. Das Augenmerk des Autors liegt vielmehr darin, dem Leser einen Einblick in eine fremde Welt zu gewähren, die hinter den Kulissen nach dem Ende der Apartheid gewalttätiger denn je geworden ist. In ein zutiefst gespaltenes Land, das seinen eigenen Untergang zelebriert. Aufgezeigt wird dies am Beispiel mehrerer Figuren, die allesamt weniger den Durchschnitt, sondern vielmehr die Extreme des Landes widerspiegeln.
Misslungen ist lediglich das unrealistische Happy End sowie der Versuch, die Handlung mit etwas afrikanischer Zauberei und einem abstrusen Serienmörder zu vermischen. Ansonsten ist Roger Smith ein spannender, aufregender Thriller gelungen, der mehr Tiefgang besitzt, als die reißerische Aufmachung des Buches vermuten lassen würde.


Post Mortem
Post Mortem
von Jonathan Kellerman
  Taschenbuch

3.0 von 5 Sternen Musterbeispiel eines Durchschnittskrimis, 9. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Post Mortem (Taschenbuch)
Eine allseits als herzensgut bekannte Krankenschwester macht gegenüber ihrer Adoptivtochter am Sterbebett ominöse Andeutungen, die Schuld am Tod eines Dritten zu tragen. Ein Psychologe und ein Detective gehen daraufhin der Frage nach, ob es sich lediglich um die Phantasien einer durch Medikamente Benebelten handelt oder ob die Beichte tatsächlich einen realen Hintergrund haben könnte.

"Post Mortem" ist kein Thriller, erst recht kein Psychothriller, sondern ein ganz gewöhnlicher Krimi. Für Fans der Alex-Delaware-Reihe mag die Geschichte ihren Reiz haben, für Quereinsteiger ist es allerdings schwer, eine Empfehlung auszusprechen. Die Spannung hält sich in Grenzen, andererseits liest sich das Buch dennoch recht zügig. Die wenigen Versuche, ein wenig psychologische Hintergründe zu liefern, werden viel zu schnell abgewürgt.
Die Auflösung des Falles ist ideenlos, brav und bieder geraten. Die Grenzen zwischen Gut und Böse hätten ruhig etwas mehr verschwimmen können.
Insgesamt ist "Post Mortem" eines dieser Bücher, das aufgrund seiner Durchschnittlichkeit in der Masse untergeht und schnell in Vergessenheit gerät. Als Urlaubslektüre oder für zwischendurch vielleicht noch geeignet, ansonsten nicht der Rede wert.


Die Wälder am Fluss: Kriminalroman (Taschenbücher)
Die Wälder am Fluss: Kriminalroman (Taschenbücher)
von Joe R. Lansdale
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

27 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ein unerwartetes Juwel, 6. Juli 2011
Anfang der 30er Jahre stecken die USA mitten in einer tiefen Depression, die Rassentrennung ist allgegenwärtig, die Hautfarbe das alles Entscheidende, der Mob beherrscht die Straßen. In einem kleinen Ort im Osten Texas entdecken der 11jährige Harry und seine jüngere Schwester die übel zugerichtete Leiche einer Schwarzen. Ein zur damaligen Zeit unbedeutendes Opfer also, das vorerst noch keinen großen Aufruhr verursacht.

Ein alter Mann sitzt im Seniorenheim und erzählt vor dem Hintergrund seines langsam näher rückenden Endes die aufregendste und spannendste Geschichte seines Lebens. Und dies ausgerechnet aus einer Zeit, die wie keine andere jeden Menschen prägt, der Phase zwischen dem Ende der Kindheit und den ersten Einblicken in die Welt der Erwachsenen. Wie so oft geht es auch hier um das Ende der Unschuld, der Konfrontation mit dem Bösen, um Ohnmacht und Ungerechtigkeit.
Die Erzählungen sind dementsprechend kindlich-detailliert geraten, mit einer Mischung aus Enthusiasmus und Melancholie gewürzt und vermitteln eine tiefe, ursprüngliche Liebe zu Land und Leuten, die trotz aller düsteren Umstände und Hintergründe ansteckend wirkt.
Joe R. Lansdale hat sich bislang unter Horrorfans vorwiegend durch spartanische, harte Kost einen Namen gemacht. "Die Wälder am Fluss" ist auf gänzlich andere Lesergruppen ausgerichtet. Es gibt gewisse Parallelen zu Kings "Die Leiche" (= "Stand by me"), in beiden Fällen haben sich die Kindheitserinnerungen alternder Männer als absoluter Glücksfall erwiesen. Einige Charaktere mögen in Sachen Herzensgüte ein wenig stilisiert erscheinen, genau das wirkt in dieser emotional verwirrenden Zeit aber nur umso glaubhafter.
Lansdale überrascht den Leser nicht nur deshalb positiv, weil er sich gekonnt und kaum noch steigerungsfähig recht weit weg von seinen üblichen Gefilden bewegt. Seine Geschichte hinterlässt auch noch einen bleibenden und bewegenden Eindruck, da immer wieder eigene Jugenderinnerungen wachrufen werden.


Snow - Die Kälte: Roman
Snow - Die Kälte: Roman
von Ronald Malfi
  Taschenbuch

5 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen solide, aber lieblos zusammengeschustert, 2. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Snow - Die Kälte: Roman (Taschenbuch)
Eigentlich wollte Todd Curry nach vielen deprimierenden Monaten seinen Sohn über Weihnachten mit einem Besuch überraschen. Nachdem jedoch ein mächtiger Schneesturm droht, ihn am Chicagoer Flughafen festzusetzen, macht er sich stattdessen mit mehreren Gleichgesinnten in einem Mietwagen auf den Weg. Als sie eine Kleinstadt in Iowa passieren und beinah einen unheimlichen Fremden überfahren, nimmt das Unheil seinen Lauf. In der abgelegenen Ortschaft scheint sich irgendetwas der Einwohner bemächtigt zu haben.

Genauso einfallslos wie der Titel ist das gesamte Buch geraten. Eine weitere Variante der "Körperfresser", ohne eigene Ideen, arm an Überraschungen und phantasielos umgesetzt. Man wird Zeuge einer mehr oder weniger spannenden Hatz, bei der die Figuren nach Bedarf beliebig ersetzt werden. Sobald die Überlebenden ausreichend dezimiert wurden, stoßen doch wieder unerwartet neue hinzu. Andernfalls wäre auch schon nach 200 Seiten Schluss. Die Charaktere bleiben blass, die persönlichen Hintergründe beschränken sich aufs Nötigste. Das Verhalten der Protagonisten ist oft vorhersehbar, viel schlimmer jedoch ist, dass man kaum Anteil an ihrem Schicksal nimmt.
"Snow" ist nicht viel mehr als eine überdimensionierte Kurzgeschichte, die, da ihr sämtliche Zutaten fehlen, kaum eine Lesergruppe befriedigen dürfte. Visuell hätte die Geschichte, vielleicht gewürzt mit mehr Schockelementen, eventuell noch ihren Reiz, so wirkt die Handlung manches Mal auch eher zum Drehbuch geeignet denn zum Roman.
Man hat die ganze Zeit über den Eindruck, alles so ähnlich schon einmal gelesen zu haben, und zwar nicht unbedingt in einer schlechteren Qualität.
Positiv festhalten kann man höchstens, dass ein Mindestmaß an Spannung vorhanden ist und der Autor recht routiniert und schnörkellos schreibt, so dass nach wenigen Stunden bereits alles vorbei ist.


Kind 44
Kind 44
von Tom Rob Smith
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen ein steiniger Weg ins Genossen-Paradies, 27. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Kind 44 (Taschenbuch)
In der Sowjetunion der frühen 50er Jahre hat das Volk nicht viel zu lachen. Mangelwirtschaft, Paranoia, Misstrauen und Denunziation beherrschen den Alltag, während Stalins Säuberungswellen Millionen scheinbar Widerspenstiger ausrotten. Wer schnell sterben darf, kann sich glücklich schätzen. Mittendrin der Überzeugungstäter Leo Demidov, Agent der Staatssicherheit, der anfangs bereit ist, für die Utopie der perfekten kommunistischen Gesellschaft im Zweifel alle Mittel zu rechtfertigen. Dies ändert sich erst, als er selbst ins Fadenkreuz gerät.

Mich hat das Buch aus mehreren Gründen nicht überzeugt. Zum einen ist die charakterliche Wandlung des Protagonisten vom überzeugten Mitläufer zum Querdenker albern. Nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das seiner gesamten Familie aufs Spiel zu setzen, nur um eine Mordserie aufzuklären, ist (trotz aller noch hinzukommenden persönlichen Einflüsse) unglaubwürdig. Dasselbe trifft auf das eigentliche Motiv des Mörders zu, das äußerst konstruiert wirkt. Außerdem ist die Kurzbeschreibung der Geschichte eher missraten, die Jagd nach dem Mörder nimmt nur einen recht geringen Teil der Handlung ein. Im Vordergrund steht vielmehr der aussichtslose Kampf des Einzelnen gegen das übermächtige Ganze.

Das Buch lehnt sich (allerdings in sehr freier Form) an die realen Taten des ukrainischen Serienmörders Andrej Tschikatilo an, der hauptsächlich in den 80er Jahren sein Unwesen trieb. Die Mordserie in eine derart düstere, hoffnungslose Zeit zurückzuversetzen, kann nur als Glücksfall bezeichnet werden. Einen dementsprechend unterkühlten und deprimierenden Eindruck hinterlässt die Geschichte beim Leser.
Genau diese Mischung war es auch, die mich letztlich dennoch neugierig auf die Fortsetzung(en) gemacht hat.


Die Säulen der Erde
Die Säulen der Erde
von Ken Follett
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

5.0 von 5 Sternen Der Turmbau zu Kingsbridge, 21. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Säulen der Erde (Taschenbuch)
England, Mitte des 12. Jahrhunderts: die unklare Thronfolgefrage lässt das Land in Anarchie versinken; Barone, Grafen, Bischöfe herrschen nach eigenem Gutdünken, schikanieren das ohnehin am Hungertuch nagende Volk. Vor diesem Hintergrund zieht ein ambitionierter Baumeister mit seiner Familie durch die Dörfer auf der Suche nach einer Möglichkeit, seinen Lebenstraum als Konstrukteur einer Kathedrale zu verwirklichen. Die weiteren Hauptakteure der Handlung, die hauptsächlich einen Zeitrahmen von knapp 20 Jahren umfasst, sind ein ehrgeiziger Prior, ein zwielichtiger Bischof, zwei verfeindete Grafenfamilien und nicht zuletzt eine mysteriöse, verstoßene Außenseiterin und deren Sohn.

"Die Säulen der Erde" ist eines dieser wenigen Bücher, das einen wochenlang fesselt und das gut und gerne noch hunderte weiterer Seiten haben dürfte. Zwar kommt manches Mal der Eindruck auf, die Handlung könnte Richtung Schnulze abdriften, jedoch schafft Ken Follett es immer wieder, das persönliche Schicksal seiner Figuren innerhalb weniger Seiten von einem Extrem in das andere schlittern zu lassen, sodass man von allzu großer Gefühlsduselei verschont bleibt. Diese Art von Abwechslung ist es auch, die das Buch nie langweilig werden lässt. An Schicksalsschlägen mangelt es wahrlich nicht. Was auch daran liegt, dass die Charaktere sehr gegensätzlich geraten sind. Es gibt die Guten und die Bösen, dazwischen nichts. Diese strikte Abgrenzung wirkt etwas naiv und altmodisch, macht aber gerade den Reiz der Geschichte aus.
Die Vielzahl an Charakteren wirkt nie störend oder ablenkend. Im Gegenteil haben die Sprünge zwischen den Handlungsebenen eher einen spannungsfördernden Effekt. Außerdem dürfte durch diese Vielfalt nahezu jeder Leser seinen persönlichen Favoriten finden, was wiederum ebenfalls der Kurzweile zugute kommt.
Insgesamt eine klare Empfehlung für nahezu alle Leserschichten, trotz knapp 1300 Seiten sogar für die Ungeduldigen.


Satori: Thriller
Satori: Thriller
von Don Winslow
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Himmelfahrtskommando quer durch Asien, 3. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Satori: Thriller (Taschenbuch)
Tokio im Jahr 1951: Nikolai Hel wird nach drei Jahren Einzelhaft für den Fall der erfolgreichen Erledigung eines äußerst brisanten und riskanten Auftrages die Aussicht auf Freiheit gewährt. Die Bedingungen allerdings sind denkbar ungünstig und scheinbar aussichtslos. Er soll im Auftrag des amerikanischen Geheimdienstes nach Peking reisen und den dortigen russischen Abgesandten unauffällig ermorden, um einen Keil zwischen Stalin und Mao zu treiben und die Bildung eines unüberwindbaren kommunistischen Blockes zu verhindern.

Wer "Jason Bourne" mag, ob nun auf der Leinwand oder als Buch, wird an "Satori" seine helle Freude haben. Nichts ist, wie es scheint. An jeder Ecke lauern Verräter, Lügen, Fallen und Intrigen. Verbündete werden zu Feinden und umgekehrt. Erst sehr spät entflechtet sich das Durcheinander, wird klar, wer tatsächlich auf welcher Seite steht. Don Winslow ist in dieser Hinsicht ein hervorragender Spionage-Thriller gelungen, in Sachen durchgängiger Spannung ist kaum eine Steigerung möglich.
Mit Trevanians Original ("Shibumi") lässt sich "Satori" nur schwer vergleichen. Winslow hat sich zwar an die vorgegebenen Rahmenbedingungen gehalten, macht aber nie den Fehler, seinen eigenen Stil davon zu sehr beeinflussen zu lassen. Sprachlich liegen Welten zwischen beiden Autoren. Die fernöstliche Philosophie wird zwar auch von Winslow der Form halber immer mal wieder versucht einzubringen, was jedoch meist aufgesetzt wirkt. Auch wenn die Handlung in Nikolai Hels jungen Jahren spielt, er außerdem physisch und psychisch angeschlagen ist, so unterscheiden sind seine Verhaltensweisen letztlich kaum von anderen x-beliebigen Helden. Mit anderen Worten: Nikolai Hel wurde amerikanisiert.
Was Winslow im Gegensatz zu seinem Vorbild hingegen vermeidet, sind Längen jeglicher Art. Keine der knapp 600 Seiten ist langatmig oder gar fehl am Platz. Lediglich das Ende ist ein wenig kitschig und somit unwürdig geraten.
Darüber hinaus bietet das Buch auch einen äußerst interessanten Einblick in das Nachkriegsasien der 50er Jahre. Ein hermetisch abgeriegeltes Peking, ein zerrissenes Vietnam mit seinen Anrainerstaaten zwischen Kolonialstatus und Stellvertreterkrieg, bilden den perfekten Hintergrund für einen Agententriller.


Shibumi
Shibumi
von Trevanian
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen voller Gegensätze, 25. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: Shibumi (Taschenbuch)
Oberflächlich betrachtet ist Nikolai Hel ein eiskalter und arroganter Einzelgänger, der schon früh lernt, das menschliche Mittelmaß und die Modernität zu verachten. Seinen Lebensunterhalt verdient er als freiberuflicher Konterterrorist, dem niemand das Wasser reichen kann. Mittlerweile im Ruhestand zurückgezogen in den baskischen Pyrenäen lebend, kommt sein Leben nochmal in Aufruhr, als die Nichte eines früheren Bekannten vor seiner Tür erscheint, dem er etwas schuldig geblieben ist.

"Shibumi" ist ein mehrdeutiger, kaum wörtlich zu übersetzender japanischer Begriff, der in diesem Fall einen von unerschütterlicher Ruhe und Autorität geprägten Charakterzug umschreibt, dessen Erreichung sich der (Anti-) Held als Lebensziel gesetzt hat.
Einen ähnlich undefinierbaren Eindruck hinterlässt das Buch letztlich beim Leser. Man ist hin- und hergerissen zwischen Begeisterung und Langeweile. Seine Stärken hat die Story vor allem in der ersten Hälfte, wo hauptsächlich in Rückblicken aus der Kindheit und Jugend des Protagonisten, dem Aufwachsen in Shanghai und seinen prägenden Jahren in Japan erzählt wird. Ein faszinierender Charakter - ausgeschmückt mit den obligatorischen Übertreibungen -, der in einer fremden, ursprünglichen Umgebung fernöstliche Kultur, Feinheiten und Weisheiten erlernt und Freundschaften schließt, die seinen späteren Lebenslauf wesentlich beeinflussen.
Ausgestaltet ist dies alles teils in wunderbar verschachtelten Sätzen, die - entgegen der sonst üblichen Gewohnheiten - den Leser hin und wieder gar zum Nachdenken zwingen.
Schwach hingegen ist die eigentliche Thriller-Handlung geraten, auf den angekündigten Höllenritt wartet man vergeblich. Stereotype Figuren und ein nicht besonders gut gelungener Spannungsaufbau sind in diesem Genre nur schwer zu verzeihen. So wird z.B. über knapp 60 Seiten die leidlich aufregende Erkundung einer baskischen Höhle geschildert, auch sonst nehmen die Eigenheiten dieses Volkes einen nicht unbeträchtlichen Umfang ein. Bei aller Liebe zum Detail hat es der Autor eindeutig übertrieben, den Leser von den Vorzügen seiner Wahlheimat zu überzeugen.

Sprachlich handelt es sich bei "Shibumi" tatsächlich um ein außergewöhnliches, wunderbares Buch. Offen bleibt allerdings die Frage, warum Trevanian alias Dr. Whitaker sein Talent hinter einer derart trivialen Handlung versteckt.


Das Lied der Sirenen
Das Lied der Sirenen
von Val McDermid
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen nicht viel Neues, aber in gewohnter Qualität, 17. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: Das Lied der Sirenen (Taschenbuch)
In den Schwulenvierteln einer nordenglischen Stadt werden in regelmäßigen Abständen die Leichen grausam gefolterter Männer gefunden. Da der Täter äußerst sorgsam vorgeht und kaum Spuren hinterlässt, steht die Polizei vorerst machtlos da. Zufällig geraten die Morde ins Visier eines Psychologen, der einen neuen Trend aus den USA zu übernehmen versucht: das Profiling.

Abgesehen von den ersten Seiten, in denen das Macht- und Zuständigkeitsgerangel innerhalb der Polizeiabteilungen mächtig nervt, bringt Val McDermid das Kunststück fertig, im mittlerweile doch recht ausgelutschten Genre des Serienkiller-Thrillers keine Langeweile aufkommen zu lassen. Zwar hat man manches Mal den Eindruck, dass einige Ideen nicht mehr ganz neu sind, insbesondere gewisse Anleihen beim "Schweigen der Lämmer" sind schwer zu übersehen. Da jedoch sowohl der Spannungsaufbau gelungen ist und nebenbei auch die zwischenmenschlichen Seiten der Protagonisten relativ glaubhaft und nüchtern geschildert werden, fällt dies nie negativ ins Gewicht.
Besonders gefallen haben mir die (wenn auch nicht besonders zahlreichen) psychologischen Ansätze bei der Ausarbeitung des Täterprofils. Da "Das Lied der Sirenen" den Auftakt zu einer Serie um einen Profiler und seine Kollegin bildet, macht das Buch in der Hinsicht auch recht neugierig auf die Nachfolger.
Im heutigen Thriller-Einerlei steht der Name Val McDermid für Niveau und Klasse. Nicht nur hinsichtlich der Spannung, auch sprachlich und atmosphärisch gelingt ihr der Wechsel zwischen Folter, Pressekritik, inkompetenter Polizeiarbeit und Potenzstörungen problemlos.


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