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Rezensionen verfasst von
Jérôme (Berlin / Bad Eilsen)

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Des Vetters Eckfenster.
Des Vetters Eckfenster.
von E. T. A. Hoffmann
  Taschenbuch

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Ausblick als Einblick, 20. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Des Vetters Eckfenster. (Taschenbuch)
E.T.A.Hoffmann, führt uns in dieser kleineren Erzählung nach Berlin, wo ein unbekannter Ich-Erzähler, seinen, dem Tode zugehenden Vetter besucht. Einst als Schriftsteller tätig, verbleibt diesem aufgrund einer Lähmung, lediglich noch ein aus dem Fenster gerichteter Blick auf das Straßenleben, eine Tätigkeit, die ihm nun seine Tage auszufüllen vermag. Er sieht sich nun fortan gezwungen, sein dichterisches Potential über den Blick auszudrücken, da es ihm in Folge seiner Körperlähmungen versagt ist, seine hervorsprudelnde Phantasie, zu Papier zu bringen. Doch neben dieser fehlenden Möglichkeit, sein inneres, subjektives Leben nach draußen zu extrovertieren, spielt allerdings noch ein weiterer Aspekt in die Kriese hinein, der das gesellschaftliche Bild des künstlerischen Schaffensprozesses betrifft. Der Vetter musste erkennen, dass sich innerhalb des Volkes, gewisse ökonomische Veränderungen zugetragen haben, die zu einer neuen Auffassung eines Produktes geführt haben, wodurch Konsumgüter, als fertige Waren und nicht mehr als zu erschaffende Objekte angesehen wurden. So berichtet der Vetter dem Gast, von jenem Blumenmädchen, dass auf dem Markt eines seiner Bücher las und nachdem er sich als der Autor vorstellte, auf völliges Unverständnis traf, " Es fand sich, dass das Mädchen niemals daran gedacht, daß die Bücher, welche sie lese, vorher gedichtet werden müßten. Auch das Buch des Schriftstellers sieht sich diesem Umdenken unterworfen, wodurch die Vorstellung für den einzigartigen Fertigungsprozess, an Geltung verloren hat. Doch ein Künstler, zeichnet sich gerade durch seine Gabe der Erschaffung aus und will dementsprechend in seinem Genius von der Gesellschaft verstanden werden, doch wenn dieser, das Bewusstsein für die dafür nötige Vorstellungskraft abhanden gekommen ist, fühlt man sich seines besonderen Wertes beraubt und auf den Status eines bloßen Objektes reduziert. "

Seine fortwährende Leidenschaft findet er nun im Beobachten des Marktgeschehens und im Studieren von Charakterprofilen, wodurch er seinem poetischen Leben wieder Ausdruck verleihen konnte. Als sein Gast eintritt und er ihn bittet einen Blick aus dem Eckfenster zu werfen, fällt ihm gleich sein unbegabter Blick auf und kritisiert, " dem Besucher fehlt ein Auge, welches wirklich schaut ". Es scheint als gelänge es dem Besucher nicht, anhand der Außenwelt, Rückschlüsse und Erkenntnisse nach innen abzuleiten, im Gegensatz zum Schriftsteller, dem es nicht mehr gelingt, sein Innenleben nach draußen zu projizieren. Im folgenden entsteht nun eine Lehrer-Schüler Situation, mit dem Ziel, den Blick des Besuchers zu schärfen. " Auf Vetter ! Ich will sehen, ob ich dir nicht wenigstens die Primizien der Kunst zu schauen beibringen kann ", sagt er euphorisch und sensibilisiert ihn für eine neue Wahrnehmungsweise, die das gesellschaftliche Leben auf der Straße abzubilden vermag.

Ihn im Schauen unterweisend, stellt er nun Betrachtungen über die verschiedensten Typen auf dem Markt an, wobei es scheint, als würde er aus einem Gesamtrahmen, verschiedene Impressionen heraus lösen, um sie dem Blick besser zugänglich zu machen. Es gilt den "Anblick eines scheckichten, sinnverwirrenden Gewühls, des in bedeutungsloser Tätigkeit bewegten Volkes " , in " die mannigfachste Szenerie des bürgerlichen Lebens " umzuwandeln und so das Bild unterschiedlichster Menschen geordnet darzustellen.
Genau diese neue Sichtweise, die die Anschauung nun nicht mehr ästhetisiert oder romantisiert, sondern sie möglichst realistisch und detailreich abbilden soll, hat die Interpretatoren dazu getrieben, dass Werk stilistisch eher zum frühen Realismus zu zählen und es von der Romantik zu distanzieren. Hoffmann, der in diese Erzählung viele biographische Züge hat einfließen lassen, starb kurze Zeit nach der Veröffentlichung


Des Lebens Überfluss
Des Lebens Überfluss
von Ludwig Tieck
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen " Und wie der Mensch nur sagen kann: Hier bin ich ", 18. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Des Lebens Überfluss (Taschenbuch)
Clara und Heinrich, ein Liebespaar, dass sich aufgrund ihrer Klassenunterschiede gezwungen sah unterzutauchen, blieb nur die Flucht in eine Dachstube übrig, in der sie nun fortan ein Leben in Einsamkeit und Armut führen sollten. Sich selbst genügend und von ihrer Liebe zehrend, haben sie sämtliche Beziehungen zur Außenwelt abgebrochen, um als Eremiten, Betrachtungen über die Welt anzustellen. Genau diesen Abbruch an Realität, verstehen die beiden mittels ihrer Einbildungskraft zu kompensieren, um ihrer Alltäglichkeit, das gewisse Besondere wieder zurückzugeben. Ihr Leben als Paradies bezeichnend, verleihen sie den Dingen einen romantischen Wert und spinnen sich ein märchenhaftes Leben, dass ihrer Zurückgezogenheit die nötige Magie verleiht.

Indem sie ihr Dasein ästhetisieren, gelingt es ihnen, ihre Imaginationen über die Realität zu legen und ihrer Lebenslage zu trotzen. Ein Trotz, der jedoch zuweilen, von der Realität eingeholt wird, um sich dann in Form von fehlendem Brennholz bemerkbar zu machen und die schwelgenden Träumer aus ihrer Idylle erwachen zu lassen. Doch jede Not birgt wieder neue Möglichkeiten, der Situation etwas Erhabenes zu verleihen, auch wenn es nur die zu Brennholz verarbeitete Treppe ist. " Welch ein Künstleratelier, ist plötzlich aus unserm einsamen Zimmer geworden ", ruft Heinrich euphorisch aus, nachdem er das Holz in die richtige Größe gesägt hatte.
Er sieht immer mehr als da ist und weiß die Leere durch die Ironie aufzufüllen, um sich künstlerisch über die Dinge zu erheben und sich nicht in ihnen zu verlieren. Heinrich versucht das Leben aus der Distanz zu sehen, seine Dunkelheit zu bewahren und die daraus resultierende, geheimnisvolle Schönheit durch " Schonung " zu bewahren. Es gilt das Geheimnis des Lebens vor dessen Analysierung und Rationalität zu behüten und es nicht " zu grell zu erleuchten ", wie es Heinrich poetisch formuliert. Die beiden Leben das Ideal der Indiviudualität und stellen ihre romantische Lebensauffassung, den nach Allgemeinheit strebenden Naturwissenschaften klar entgegen. Hinter diesem Hintergrund erscheinen die von Clara entdeckten Eisblumen, als Symbole für die Mannigfaltigkeit und Unendlichkeit der Wirklichkeit, oder wie sie es anhand der Liebe formuliert, " In der Liebe wird uns jene Ahnung recht deutlich [...] , dass das Individuelle, das Einzige, das Wesen, das Rechte, das Poetische und das Wahre sei ".

Die Welt poetisierend, machen sich die beiden also warme Gedanken und verarbeiten aufgrund des eisigen Winters die Treppe zu Kleinholz, wodurch auch die letzte Verbindung zur Außenwelt kontinuierlich gekappt wird. Die Treppe stellt das Symbol, für den nach Wahrheit suchenden Menschen dar, den Rettungsring für die, die sich nicht der Ungewissheit, der Illusion oder der " unmittelbaren Anschauung " hingeben wollen, sondern mittels einer entmystifizierenden Wissenschaft, Sicherheit und Wahrheit, anstelle des Geheimnissvollen suchen. Auf diese Weise manifestiert sich die Treppe im Verlaufe der Handlung zum eigentlichen Protagonisten, wodurch zum Schluss wunderbare Dialoge entstehen, die vor Ironie und Komik nur so strotzen. Ludwig Tieck, der seine Novelle zu seinen gelungensten Werken zählte, ist leider nie zu der Popularität gelangt, die ihm eigentlich angemessen wäre, wodurch er leider im Schatten der anderen großen Romantiker zurückblieb. Dennoch ein großer Lesegenuss.


Aus dem Leben eines Taugenichts: Novelle. Studienausgabe (Reclams Universal-Bibliothek)
Aus dem Leben eines Taugenichts: Novelle. Studienausgabe (Reclams Universal-Bibliothek)
von Harry Fröhlich
  Taschenbuch
Preis: EUR 4,40

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen " Seit ich des Suchens müde ward, Erlernte ich das Finden ", 16. Mai 2014
Es ist die fließende Leichtigkeit des Taugenichts, die dem Bestreben eines Flusses gleicht, in alle möglichen Formen zu fließen, die uns so wunderbar zu verzaubern vermag. Sein Sein ist das Werden und dieses lässt ihn, geleitet von Intuition und dem Ideal eines unbestimmten Zieles dahintreiben. Er führt das Leben eines realisierten Traumes, der zu schön, um wahr zu sein scheint, so das man jederzeit den Moment des Aufwachens befürchtet. Doch es ist nicht der Taugenichts, der aufwacht, sondern wir, die Leser, die sich dann schmerzlich der sehnsuchtsvollen Identifizierung mit dem Romantiker bewusst werden und daher sofort wieder, selbstvergessen, dem Leben dieses Wanderburschen beiwohnen wollen.

Denn dieser Jüngling vermittelt uns wieder den verloren gegangenen Klang einer Welt, der sich heute leider zu einem Lärm, bedingt durch das hektische Streben nach Selbstverwirklichung, verwandelt hat. " Die Erde selber rauscht, wenn man zu hören versteht ", doch wir sind so vereinnahmt und verwurzelt, dass wir dieses Hören stattdessen überhören. Unser Taugenichts ist jemand, der " hat sein Sach auf Nichts gestellt " und verspürt dem Klang seines Herzens in die Welt zu folgen und sein Glück zu suchen. Seinem Dorf den Rücken weisend, zieht er von dannen und zückt geschwind seine Geige herbei und weiß munter drauf los zu trällern " Wem Gott will rechte Gunst erweisen [...], dem will er seine Wunder weisen ". Genau dieser Glaube scheint ihn zu beflügeln und seine Abenteuer vorantreiben zu lassen, so dass sein stetiges Fortgehen eigentlich ein fließendes Ankommen darstellt. Sein Zuhause ist die Verkörperung des freien Lebens, ob es eine herrliche Frühlingswiese oder ein nach Holz duftender Wald ist, überall dort, wo er sich mit einem größeren Ganzen verbunden fühlt, sieht er sich in einer harmonischen Symbiose zwischen Natur und Mensch beheimatet. Dieses luftige, erfrischende und durch exstatische Naturerlebnisse geprägte Wanderleben, kommt so wunderbar zeitlos daher, da sich seine Erlebnisse, aufgrund ihrer schnellen Vergänglichkeit, jedweder Zeitigung entziehen.

So wird er Gärtner, Zollmeister, dann wieder Wanderer, plötzlich hält man ihn für einen Grafen, dann wieder wandern und doch scheint es, als unterstehe alles einem Plan, einer Abfolge wie in einem " Roman ", in dem er, der unwissende Protagonist ist und von einer unsichtbaren Hand geleitet wird. Eine unsichtbare Hand, wie sie doch eigentlich nur von der Liebe und ihrer Magie geführt zu werden versteht und die es vermag ihn auf omnipräsente Weise, in Form einer Essenz immer zu begleiteten, um sein Herz zu seiner alten Schlossliebe Aurelia zurückzubringen. Schließlich war er doch wegen eines gebrochenen Herzen von seinem ersten Aufenthaltsort, einem Schloss, davongegangen. Jenem Ort, an dem er das schöne junge Mädchen, das erste Mal sah, wo er ihr das erste Mal vorsang, wo er ihr täglich frische Blumen pflückte, wo sich sein Herz, allein durch einen Gedanken an sie schon verkrampfte. Am Ende laufen alle Fäden wieder zum Schloss, dem Zielort einer sich findenden Liebe, die sich durch ihre Distanz erst richtig entdeckte, um dann erst vollständig entflammen zu können. Und so stellt sich die Frage ob denn unser Romantiker wirklich ein Taugenichts war, oder ob er nicht gerade die wunderbarsten Eigenschaften, wie Herzlichkeit, Natürlichkeit und Selbstlosigkeit besaß. Seine authentische und liebevolle Art öffnete ihm stets die Türen und brachte ihn schließlich mit seiner Herzensdame zusammen. Somit war er doch eigentlich ein Glückspilz und kein Taugenichts.

Für Eichendorff, stellte die Phase der Selbstfindung, wie sie der Taugenichts durchlebte, jenen ganz besonderen Lebensabschnitt dar, in dem sich die großen Visionen und Pläne entwickeln können und man sich von den bürgerlichen Pflichten, als Müßiggänger distanzieren kann. Insgesamt eine wundervolle Novelle, die sich für den gemütlichen Nachmittag im Garten anbietet.


Die schmutzigen Hände: Stück in sieben Bildern
Die schmutzigen Hände: Stück in sieben Bildern
von Jean-Paul Sartre
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen " Besser ein guter Journalist, als ein schlechter Mörder ", 14. Mai 2014
Sartre verdeutlicht in seinem 1948 erschienenen Stück, den Kontrast zwischen engagierter Menschlichkeit und absoluter Reinheit der Prinzipien. Höderer und Hugo, ein Gegensatz, der sich zwischen Reife und Jugendlichkeit abspielt. Beide kommen aus zwei unterschiedlichen Klassen, die zwei verschiedene Welten darstellen. Hugo der aus bürgerlichen Verhältnissen kommt, hat sich in seinen Jugendlichen Idealen verfangen, die ihn daran hindern ein junger Mann zu werden. Anders Höderer, der sich durch seine charismatische Anziehungskraft und seine Weitsichtigkeit auszeichnet, scheint das verkörperte Ideal des Revolutionär zu sein. Genau diese innere Festigkeit fasziniert Hugo, doch seine jugendliche Reinheit mag die politische Einstellung Höderers nicht wahrhaben zu wollen, die durch seine pragmatische Einstellung, nach der im Sinne der Sache auch entgegen den parteilichen Grundsätzen gehandelt werden darf, bei Hugo auf Verachtung stößt. Es ist das träumerische Wahrheitsideal eines jungen Genossen, dass ihn an die bedingungslose Einheit der Partei glauben lässt und Lügen oder Kollusionen mit der Partei nicht wahrhaben will. Höderer, der ihm den Erfolg seiner Maßnahmen versucht aufzuzeigen und ihm klarmachen will, dass die momentanen Umstände keine Alternativen bereithalten, rennt bei Hugo nur verschlossene Türen ein. Dieser sieht in ihm einen " Sozialverräter " und will seinen Auftrag, den kritischen Weggefährten zu töten, realisieren.

Doch darf ein Mensch, der vom Parteikern abweicht getötet werden, bedarf es nicht gerade kritischer Weggefährten, die vorausschauend und revolutionär sind ?. Sarte zufolge bedarf es gerade solcher Leute und spricht sich damit entschieden gegen die Methoden des Stalinismus aus, der kritische Gefolgsleute nicht duldete. Hugo, der, um seinen Auftrag auszuführen sich als Sekretär bei Höderer beworben hatte, lernt diesen Menschen nach und nach zu schätzen, wodurch er sich in einen moralischen Gewissenskonflikt hineinmanövriert hat, der ihn an den Rand des Wahnsinnes treibt. Denn wenn er seinen Auftrag nicht befolgt, dann würde er selber als Verräter gelten und ebenso versucht werden zu ermorden. Doch Höderer, der die Absichten des jungen anarchistischen Intellektuellen schon früh durchschaute, hält dennoch an ihm fest und versucht ihm von seinem Dilemma und seinen Idealen, durch fundierte Argumente zu befreien. Er will ihm zeigen, das er, als Intellektueller, nicht die Rolle des Killers, sondern die Aufgabe des Schreibers hat, der durch Worte und nicht durch Taten zu handeln vermag. " Besser ein guter Journalist als ein schlechter Mörder ", erklärt ihm Hoederer. Doch diese Einsicht fällt Hugo, der sich sein Leben lang nur mit Worten zu verteidigen wusste und nun endlich mal Respekt und Annerkennung durch eine getane Tat erlangen wollte, nicht leicht.

Es folgt ein äußerst dramatisches Ende, welches durch einen Faktor hervorgerufen wird, der sich auch in der Politik wiederfindet und dem Leser sicherlich unerwartet vorkommt. Denn obwohl der Tod Höderers, der am Anfang des Stückes schon erläutert wurde und beim Lesen stets im Hinterkopf bleibt, sind die genaueren Motive bis zum Schluss unklar. Insgesamt ein sehr lesenswertes Theaterstück, welches aufzeigt, dass man sich manchmal eben die Hände schmutzig machen muss, um eine Ordnung zu erhalten, auch wenn bestimmte Opfer dafür gebracht werden müssen. Eine Thematik wie sie bei Sartre auch in anderen seiner Werke, wie in " Der Teufel und der liebe Gott oder " Im Räderwerk ", sehr präsent ist.


Sartre, Jean-Paul: Der Ekel Bd. 1.,
Sartre, Jean-Paul: Der Ekel Bd. 1.,
von Jean Paul Sartre/Uli Aumüller
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wenn die Welt zu stark existiert, 11. Mai 2014
Aus seinen einstigen Vertrautheitsbezügen herausgefallen, fühlt sich Antoine Roquentin durch eine schwermütige Melancholie durchzogen, die ihn urplötzlich seine Existenz als etwas Kontingentes und Sinnentleertes erfahren lässt. Ein merkwürdiges, unbestimmtes Gefühl, welches sich während der gewöhnlichsten Ereignisse in Form eines undefinierbaren Ekels bemerkbar macht, hat sich hinsichtlich einer existentiellen Grundsatzfrage, seiner angenommen und ihn in eine tranceartige Lethargie verfallen lassen. Die Welt in ihrer Zuhandenheit, die Weise in der Seiendes in verschiedenen Sinnzusammenhängen eingebettet ist, hat für Roquentin den selbstverständlichen Charakter dieser alltäglichen Zuhandenheit verloren. Anstatt, dass die Dinge auf ihren eingravierten Sinn für die menschliche Kategorisierung oder auf ihre Gebrauchsweisen deuten, verweisen sie für ihn lediglich auf ihr nacktes " da " und enthüllen sich dadurch nur noch in ihrer Seinsweise der bloßen Vorhandenheit, unabhängig von ihrer Einordnung in eine sinngesättigte Umwelt.

In elegischer Gleichmut, lässt sich Roquentin in Menschenansammlungen mitziehen und versteht es bestimmte Stimmungen einzufangen, die dem involvierten und unbewussten Individuum so nie auffallen würden. Triviale Gesprächsfetzen auffangend, zeigen diese belanglosen Kleinigkeiten für einen außenstehenden Beobachter, wie Roquentin, der aus den Lebensbezügen gefallen ist, diese gewisse auferlegte Künstlichkeit, die sich ständig von einer Sinnlosigkeit bedroht sieht. Der von Sartre angestimmte Ton, der sich durch autobiographische Züge genährt sieht, scheint sich der existentiellen Stimmung bei Dostojewski bedient zu haben, zeichnet sich auch Sartres Figur durch dessen herausragende Merkmale wie, Einsamkeit, Schwermut und der typischen Neigung zu einem unbestimmten Idealismus, aus. Dennoch scheint es, als habe Sartre das unausgesprochen Gebliebene bei Dostojewski gehört und es verstanden zu offenbaren. Speziell dessen pessimistischer Ton, wird bei Sartre von der Perspektive der Kontigenzerfahrung her, intensiviert ergründet und als zu gehender Erkenntnisweg durch die Person des Antoine Roquentin erläutert.

Roquentin, der seine anfängliche Unbestimmbarkeit des Ekels nicht zu fassen vermochte, gelingt es nach und nach, dieses undurchsichtige Gefühl in eine Erkenntnis zu verpacken, die seiner Seelenunruhe endlich Abhilfe, in Form einer Wiedererweckung aus seiner Lethargie verschafft. Im Rahmen eines besinnlichen Parkbesuches, erfasst ihn während der einfachen Betrachtung einer Wurzel, ein exstatischer Moment, der ihm zum ersten mal Klarheit über sein bisheriges Leiden verschafft. Es ist die intuitive Erfahrung der ihn umgebenden Existenz, die sich ihm plötzlich auf einer Bank aufgedrängt und ihn zur Besinnung gebracht hatte. Dieses transzendente Gefühl lässt sich nicht beschreiben, da es dadurch nur wieder unter jenes kategoriale Denken fallen würde, das sich anmaßt die Dinge in Zuständen und Funktionen zu beschreiben. Doch Roquentin, in das Reich des An-Sich hinuntergezogen, vermag mit einem Mal die Last des Seins zu spüren und sieht nur noch undefinierbare Massen, die sich als gleichaussehende Existenzen erneuern anstatt zu entstehen. Alexandre Kojeve hat mit den Worten " ohne den Menschen wäre das Sein stumm, es wäre da, aber es wäre nicht das wahre " die passende Quintessenz aus Roquentins Erlebnis gezogen und damit auf die herausragende Seinsweise des Menschen verwiesen, die sich durch ihren bewussten Seinsbezug auszeichnet. Roquentin's Einstellung zum äußersten Realismus, lässt sich auf autobiographische Einflüsse, während Sartres Studienzeit zurückführen, in der er den vollkommenen Realismus beabsichtigte zu leben und sich von den Wissenschaften und ihren Begriffsbestimmungen distanzierte. Ähnlich wie Roquentin, fand auch Sartre ein gewisses Vergnügen darin, an den Gegenständen ihren Wiederstand zu spüren und sie von ihrer " Pluralität von Beziehungen " zu lösen, um stattdessen in einer intuitiven Einstellung sich dem Absolutheitscharakter eines Dinges zu nähern.

Doch innerhalb seiner depressiven Phase, gibt es auch Momente des höchsten Glücks, hervorgerufen durch die Magie der Musik. Denn die Musik vermag den Prozess der Selbstreflexion aufzuheben und Roquentin stattdessen in einen dionysischen Rauschzustand zu versetzen, der es ihm ermöglicht, bestimmte ekstatische Momente zu erleben. In diesen Augenblicken erfüllt ihn ein warmes Wonnegefühl und lässt ihn die Leichtigkeit des Seins euphorisch erfahren. Vielleicht lässt das Leben sich ja ästhetisch rechtfertigen.


Der Teufel und der liebe Gott: Drei Akte und elf Bilder
Der Teufel und der liebe Gott: Drei Akte und elf Bilder
von Jean-Paul Sartre
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen " Ich bin bereit, böse zu sein, um gut zu werden ", 8. Mai 2014
Gott ist tot ! Gott bleibt tot ! Und wir haben ihn getötet, sprach der tolle Mensch aus Nietzsches fröhlicher Wissenschaft und gelangte damit zu einer Erkenntnis, zu der auch Götz, die Hauptfigur, im Verlauf des Theaterstückes " Der Teufel und der Liebe Gott ", gefunden hat. Beide sind zu dem Resümee gekommen, dass wenn Gott nicht existiert, der Mensch zu seinem eigenen Zeugen wird, der sich vor sich selber zu verantworten hat, anstatt sich und sein Leben, von den Legitimationen einer jenseitigen Instanz, bestimmen zu lassen. Durch die Erkenntnis der Selbstbestimmung und des eigenen Engagements, vermag der Mensch das Band der göttlichen Fremdbestimmung zu zerreißen und stattdessen eine innere Autonomie, des freien Handelns dagegenzustellen.

Genau diesen Erkenntnisprozess beschreibt Sartre nun in Form einer Konversion, die von einer anfänglichen, glaubensorientierten zu einer autonomen, menschlichen geprägten Moral führt. Der anfängliche Götz, dessen Existenzberechtigung sich durch absolute Böswilligkeit und Hinterhältigkeit auszeichnet, führt einen unsichtbaren Wettkampf gegen Gott, um ihn herauszufordern und die vorherrschende Ordung zu zerstören. Er möchte Böses tun, da er das Gute durch Gott schon getan sieht und daher Neues schaffen um ihm zu trotzen. Schlechtes tun " Weil ich kein anderer sein kann, als ich bin ", sagt er pathetisch und wiederspricht damit Sartres Devise, wonach der Mensch ist " was es nicht ist und nicht das ist, was es ist ", wodurch verdeutlicht werden soll, dass der Mensch niemals mit seiner Rolle übereinstimmen kann. Doch genau diese Übereinstimmung meint Götz durch seine verkörperte Böswilligkeit erlangt zu haben und sieht sich charakterlich definiert. Er fordert Gott heraus, er will ihn bis zum äußersten Treiben und wartet vergeblich nach Zeichen, die seine Taten verhindern, doch diese bleiben natürlich aus.

Erst dem Priester Heinrich gelingt es, ihn zum Umdenken zu bewegen und verdeutlicht ihm, dass die Grundordnung der Welt durch das Böse bestimmt sei und das Ungerechtigkeit und Hass ihr Wesen ausmachen, so das Götz lediglich das tue was alle tuen. Doch dadurch könnte Götz, den Herrn nicht mehr herausfordern und beschließt daraufhin ein Glücksspiel zu veranstalten, dass, wenn er es verliert, fortan Gutes vollbringen wird, um unterschwellig Gott erneut zu trotzen und die vermeintliche Ordnung auf eine andere Weise zu brechen. Allerdings lässt er nicht das Schicksal entscheiden, sondern entscheidet selber über das Glück, um nun fortan Gutes zu verwirklichen. Nachdem er seine Länder verschenkt und seine Heere aufgelöst hat, möchte er eine Art Sonnenstaat auf kommunistischer Ebene errichten, der sich durch Liebe auszeichnet und arme und Reiche beseitigt. Doch sein blinder Idealismus berücksichtigt nicht die Gesammtsituation, so das seine Bauern, die sich weigern, an einem Aufstand gegen die anderen Lehnsherren teilzunehmen, alle erschlagen werden. Götz, der sich für deren Tod verantwortlich fühlt, muss einsehen, dass das Gute sich nicht mit Macht durchsetzen lässt und kommt schließlich zu dem Schluss, das Gott gar nicht existiert. Ob böse oder gute Handlungen, die Folgen waren jedes mal fatal. Doch wie kam es dazu ?

Die Problematik rührt daher, dass er sich und seine Taten, auf einen jenseitigen Punkt bezogen und dabei seine Handlungen nie aus der Perspektive des Menschen gesehen hatte. Genau diese Erkenntnis öffnet ihm am Ende die Augen und lässt ihn zwischen Gott und Teufel den Menschen wählen. " Ich will Mensch unter Menschen sein ", verkündend, wagt er einen Neuanfang und sieht sich nun mit einer Einsamkeit konfrontiert, die er eigentlich immer schon gespürt, aber nie gewagt hatte sich einzugestehen. Götz hat erkannt, dass es letztendlich keine fertigen, sondern nur sich im Verlauf der Geschichte verändernde Moralvorstellungen gibt und das es der Mensch ist, der ihren Wert festlegt. Für seine historische Situation, die des 16.Jahrhunderts, ist es unvermeidbar nicht zu kämpfen, wenn man denn eine bessere Ordnung erreichen will. Götz beschließt also, fortan die Bauern anzuführen und nach der unausweichlichen Maxime zu handeln, nach der " Leiden zu verursachen, um größeres Leiden abzuwenden ", manchmal nötig ist.

Ein großartiges Theaterstück, dass durch tiefgründige Dialoge über Moral und Gott zum Nachdenken anregt und durch die aktuelle Revolutionssituation in vielen Ländern, seine Gültigkeit nicht verloren hat.


Sein und Zeit
Sein und Zeit
von Martin Heidegger
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,95

11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen " Ohne den Menschen wäre das Sein stumm: es wäre da, aber es wäre nicht das Wahre ", 6. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Sein und Zeit (Gebundene Ausgabe)
" Lernt mich gut Lesen ", mit dieser Bitte wandte sich Friedrich Nietzsche an seine Leser, in der Hoffnung, den Menschen von seiner Eile und Hektik zu befreien und ihn stattdessen für eine " Goldschmiedekunst des bedächtigen Lesens ", zu sensibilisieren, die es vermag, ein Bewusstsein für das langsame Reifen einer Erkenntnis zu schaffen. Früchte benötigen viel Zeit um zu wachsen und wer zu ungeduldig für diesen Prozess ist und sich daher gar nicht erst die Mühe zum Sähen machen will, der wird natürlich gar nicht in den Genuss bestimmter Perlen kommen und womöglich den ganzen Ablauf, aus Verbitterung, noch als fragwürdig deklarieren. Nietzsches Appell sollte man sich daher im Hinterkopf behalten, um nicht nur den Eingang zu Sein und Zeit zu finden, sondern diesen auch versteht zu übertreten. Als Begrüßungsgeschenk erwartet uns eine Existentialanalyse, die aufgrund der verschraubten Begriffsterminologien, zunächst vielleicht äußerst ungewöhnlich daherkommt, allerdings nicht wegen ihrer vermeintlichen Tiefgründigkeit, sondern vielmehr hinsichtlich, der unkonventionell anmutenden Trivialität, die es vermag, die unwissentlich ausgeführten Interaktionen mit der Lebenswelt, die wir verlernt haben wahrzunehmen, wieder ins Bewusstsein zu rufen.

Doch Heidegger beginnt zunächst mit jener berühmten Frage, nach dem Sinn von Sein, von der er meint, sie hätte in der heutigen, durch Seinsverlassenheit geprägten Zeit, ihre Bedeutung verloren und sieht sich als ein Wiederentdecker, der das Erbe Platons weiterzuführen vermag. Dem Philosophen zufolge, habe die Tradition, das Sein fehlerhaft, wie etwas Seiendes aufgefasst, doch der bloße Charakter der Vorhandenheit, der Substanz, offenbare noch keine Verständnisbezüge. Schließlich führe die Erkenntnis, dass der Mensch ist, noch nicht zu dem Wissen was der Mensch ist. Man habe zeitlebens, den wesentlichen Bezug zur Zeit vergessen, die jedoch den essentiellen Boden, in Form eines Verständnishorizontes darstellt, auf dessen Grundlage, die Dinge untereinander erst sinnhafte Beziehungen ausbilden können. Heidegger wollte ähnlich wie Nietzsche, dem menschlichen Leben, dass durch die Wissenschaft nur noch unter seinem objektivierenden und theoretischen Gesichtspunkt betrachtet wurde, das Gefühl für seine Eigentümlichkeit und Besonderheit wieder zurückgeben. Mithilfe seiner neuen Ontologie, die die Zeit berücksichtigt, versucht er das Wesen des Menschen, von seinem gegenständlichen Status zu entkleiden und stattdessen eine existentielle Betrachtungsweise dagegenzustellen, die den Bezug zur Lebenswelt wiederherstellt. Es gilt aufzuzeigen, dass der Mensch sich nicht als ein Ding unter Dingen vorfindet, dass in der Welt, den Charakter eines abgeschlossenen Ganzes darstellt, sondern ein zu füllendes Gefäß, dass sich voller Möglichkeiten in eine offene Zukunft entwerfen und verwirklichen kann. Sartre wird daraus später, den für den Existentialismus auszeichnenden Satz " Die Existenz geht der Essenz voraus " herausfiltern.

Doch in welchem Zustand, wird uns der Sinn des Seins eigentlich fraglich ?. Es ist die Grundstimmung der Angst, die Heidegger, von Kierkegaard übernommen, sie aber von ihrem theologischen Fundament entkleidet hatte, um sie dem Menschen stattdessen als ein Mittel aufzuzeigen, dass die Welt als ein nacktes " Das " betrachten lässt. Das aufkommende, unbestimmte Gefühl der Angst, vermag den Menschen aus seiner festgelebten Welt herausfallen zu lassen und ihm stattdessen einen distanzierten Blick, auf seine einstigen Vertrautheitsbezüge zu offenbaren. Heidegger erblickte im Gefühl der Angst das Bewusstsein für die eigene Freiheit und legte damit ein Fundament, welches Sartre später veranlasste es weiterzuentwickeln, indem er die Angst mit dem Nichts identifizierte ( Siehe " Das Sein und das Nichts ) . Doch um in den besagten Modus zu gelangen, der uns veranlasst, die Welt nach ihrem Sinn zu befragen, müssen wir zunächst in Heideggers Fundamentalontologie eintauchen und uns die menschliche Verfassung des in-der-Welt-Seins ansehen.

Von Husserls Phänomenologie geprägt, zeigt Heidegger nun die unterschiedlichen Lebenseinstellungen auf und beginnt bei einem Zustand, in dem wir uns immer schon vorfinden, nämlich dem In-Sein. Heidegger möchte auf die Gleichzeitigkeit des Wechselverhältnisses zwischen Bewusstsein und Lebenswelt aufmerksam machen, um den in der philosophischen Tradition vorherrschenden Disput, zwischen Realismus und Idealismus endgültig beizulegen. Was folgt, sind die bekannten Bindestrichwörter, die die Welt in ihrem Zusammenhang, jedoch ohne in subjektive oder objektive Beschreibungen zu verfallen, beschreiben soll. Heidegger geht es gerade um den retrospektiven Versuch, mittels Begriffen wie Mit-sein-mit-anderen, oder In-der-Welt-Sein einzelne Elemente, als ein Ganzes zu betrachten und damit die Zusammenhänge in der menschlichen Lebenswelt zu verstehen. Für diesen Prozess des Verstehens, bedient er sich eines hermeneutischen Zuganges, um das Dasein zu analysieren und zu interpretieren. Angeregt durch Wilhelm Diltheyes Lebensphilosophie, verfährt er nach der Devise " Die Natur erklären wir, das Seelenleben verstehen wir " und setzt Sein mit Verstehen gleich. Phänomenologie und Hermeneutik verbindend, gelingt ihm so eine neue Beschreibung der Welt, die durch ihre sinnhaften Bezüge, den Menschen und die Dinge innerhalb verschiedener Zusammenhänge einordnet. So fungiere das Werkzeug z.b. zum Hausbau und das Haus wiederum als Wohnsitz für den Menschen. Auf diese Weise bilde sich die Welt, als Bedeutung gebender Hintergrund ab, auf dessen Grundlage Sinnzusammenhänge erst möglich werden.

Der Mensch ist jedoch nicht nur ein verstehendes, sondern auch ein sorgendes Lebewesen, zu dessen bestimmender Seinsverfassung auch das Bewusstsein, des eigenen Zeitbezuges gehört, wodurch die Möglichkeit, sich und seine Handlungen in eine ominöse Zukunft auszurichten, ermöglicht werden kann. Oder existentialistisch ausgedrückt " Wir müssen unser Leben führen ". Doch gerade dieses Müssen bereitet dem Menschen Angst und weist ihn auf seine zufällige Faktizität hin. Er versucht sich daher in selbstgeschaffenen Strukturen einzuleben, die es ihm ermöglichen, seine abgrundartige Umgebung vergessen und dafür in entlastenden und verantwortungsabgebenden Institutionen, Schutz suchen zu lassen. Heidegger zufolge, führe genau diese Tendenz, zu einem Leben in der Seinsverfassung der " Uneigentlichkeit ", die uns als ursprüngliche Gestalt in jeder Situation auszeichnet, da wir uns immer in vereinnahmenden Interaktionen vorfinden. Ähnlich wie Nietzsche oder Rousseau, sah auch Heidegger in der Gesellschaft, die Möglichkeit vor der eigenen Individualität und Eigenverantwortung zu flüchten und dafür in das allgemeine " Man " unterzutauchen. Wie man das eben so macht.

Der Moment in dem diese Strukturen zerbrechen und wir unser eigenes Selbst entdecken können, entsteht durch den schon erläuterten Zustand der Angst, der uns die Augen für unser " Möglichsein " zu öffnen und das eigene Selbst aus dem " Man " zu befreien vermag. Als Schlüsselerlebnis stellt die Angst, als Gewissheit der eigenen Zeitlichkeit, auch den Anfangspunkt für ein selbstgewähltes, eigentliches Leben dar. Wer sich der eigenen Zeit bewusst wird, der erkennt sich und seine Existenz, als ein fortlaufend abschließendes Ereignis, welches durch den Tod vollendet wird und damit als gelebtes Dasein aufhört zu sein. Der Mensch, der sein Leben zu zeitigen hat, wie Heidegger sagt, unterscheidet sich gerade durch sein Maß an Spontanität und Eigenengagement, von der bloßen Vorhandenheit eines Seienden, dass seine Zeit nicht auszufüllen hat. Aufgrund des menschlichen Verlangens nach Sicherheit und Festigkeit, erscheinen Religionen, Institutionen und Moralvorstellungen, als Versuche in selbstgeschaffenen Strukturen, sich in zeitlose, beharrende Objekte zu verwandeln, um die Gewissheit des " Sein zum Tode " zu verdrängen.

Der Sinn des Seins stellt die Zeit dar, wie Heidegger schon zu Beginn erläutert, doch diese vermag von sich aus keinen Sinn zu geben. Es ist der Mensch, der versteht dem Sein einen Sinn aufzuerlegen, um diesen durch die Geschichte fortlaufend " ereignen " zu lassen. Diese Erkenntnis, einer " seynsgeschichtlichen " Wahrheit, wird Heidegger nach Sein und Zeit, zu einer Neuausrichtung bewegen, die ihn den Schwerpunkt verstärkt auf das Ereignis legen lässt.
" Sein und Zeit " , das auf den ersten Blick überaus theoretisch und verschraubt daherkommen mag, stellt sich bei genauem Lesen, als ein überaus praktisches und lebensorientiertes Buch dar, für dessen Verständnis wir jedoch unsere ganze bisherige Lebensbetrachtung umstellen müssen. Zuvörderst sollte man sich allerdings mit Husserl, Hegel, Kierkegaard, aber auch mit Nietzsche und Kant beschäftigt haben, um das gewisse Gefühl für Zeit, Sinn und Verstehen auszubilden. Doch wie heißt es so schön " Gut Ding will Weile haben "


Briefe an Simone de Beauvoir und andere: 1940 - 1963
Briefe an Simone de Beauvoir und andere: 1940 - 1963
von Jean-Paul Sartre
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,90

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alles ist leer, bis die leeren Dinge sich vor unseren Augen langsam zu füllen beginnen., 4. Mai 2014
Der zweite Band der Briefe von Sartre an Simone de Beauvoir, stellt ähnlich wie der Erste, zum größten Teil die Korrespondenz aus der Zeit von Sartres Einberufung, in Folge des Kriegsausbruches dar. Doch wer glaubt, es handele sich hierbei um trockene Ausführungen über seine Zeit an der Front, der irrt sich. Stattdessen sprühen seine Briefe, vor schwärmerischer Sehnsucht nach seiner Freundin, der er nicht müde wird, mit verbalen Blumen und jeder Menge Schmalz, seine Liebe zu bekunden. Beauvoir als " Kleine Vollkommenheit " oder " Mein moralisches Gewissen " bezeichnend, blicken wir hier in das Gefühllsleben eines Philosophen, der durch seinen romantischen und liebevollen Ton, das Bild des, als trocken und gefühlsarm geltenden Philosophen, vollkommen kontrastiert.

Auch wenn uns in diesem Band lediglich die einseitige Konversation von Sartre vorliegt, da die, als verschollen gehaltenen Briefe von Beauvoir, erst nach ihrem Tod wieder auftauchten, lassen sich dennoch die Repliken vereinzelt herauslesen. Sartre, der mittlerweile schon 4 Monate im Elsass stationiert war, lässt durch seinen schwermütigen und melancholischen Ton nur allzu deutlich seine Sehnsucht nach ihr durchblicken. Doch es ist nicht nur sein Liebeskummer unter dem er leidet, sondern auch das langsame verblassen seines Rufes, den er sich mittlerweile schon aufgebaut hatte. So schreibt er am 12. Januar 1940, " abgesehen von ihnen [...], meine kleine Blume [...], zähle ich für den Rest der Welt schon überhaupt nicht mehr ". Und so widmet er sich in diesen düsteren und bitterkalten Wintertagen, neben seinen belanglosen Wetterbeobachtungen, der Philosophie, die ihm in einsamen Momenten, vor allem während seiner Kindheit immer wieder geholfen hatte, um sich aus seiner Wehmut zu befreien. Philosophie als Mittel gegen die Verdrossenheit und Traurigkeit des Krieges, aber wahrscheinlich auch als Ablenkung gegen das Gefühl der Heimweh. Von der Hoffnung angetrieben, im Rahmen des Urlaubes, wieder nach Paris zu fahren, zählt er munter die verbleibenden Tage runter und schwärmt schon von gemeinsamen Ausflügen und seinem " Café de flore ".

Als Leser fühlt man sich förmlich in einen Liebesroman hineinversetzt, in dem man mit Sartre zusammen, ungeduldig auf die bevorstehende Zusammenkunft mitfiebert, nur um dann festzustellen, dass der Briefverkehr natürlich in dieser Zeit aufhört. Das gemeinsame Treffen, nach dieser langen Trennung, hätte man nur zu gerne mitangesehen, doch für den Leser gehen die Aufzeichnungen, die noch unter der tränenreichen Verabschiedung der beiden Geistesgrößen stehen, wohlgeordnet am 15. Februar weiter. An seinem Romanzykus " Wege zur Freiheit ", weiterarbeitend, führt er wieder sein " Mönchsdasein " fort und verbringt die Tage nach einer ähnlich ablaufenden Prozedur mit Lesen, Kaffeetrinken, Tagebücher schreiben und den zwischenzeitlich ausgeführten Wettermessungen. Speziell sein Roman " Zeit der Reife " verlangt von ihm viel Zeit und Muße ab, über dessen Fortschritte, er sich mit ihr fortlaufend unterhält. Ständig überkommen ihn Selbstzweifel, die ihn dazu veranlassen, bestimmte Abschnitte zu überarbeiten und ihn an seinem Talent für Romane zweifeln lassen. Neben seinem exzessiven Schreiben, findet sich jedoch auch die Zeit für kleinere Vorträge, Tischtennis oder Schachpartien und natürlich seinen Messungen, die es vermögen, dem Tag einen Sinn zu verleihen.

Sartre, der zu Beginn des Krieges, lediglich an eine vorübergehende Erscheinung dachte, wird sich zunehmend der Auswirkungen bewusst und beginnt, nachdem es in Paris zu Bombardierungen gekommen war, sich um Beauvoir zu sorgen. Schließlich kommt es sogar für Sartre zu einer Internierung, wo er nur kurze Zeit vorher den herannahenden Frieden, hat kommen sehen. Doch seine Gefangenschaft, zeichnet sich durch eine harmlose Festsetzung aus, die ihm sämtliche Freiheiten gestattet und ihm zu schreiben erlaubt. Seinen anfänglichen Optimismus, schon bald wieder frei zu sein, muss er jedoch schnell wieder korrigieren und so sieht er sich doch einem etwas länger ausfallendem Gewahrsam ausgesetzt. So fängt er schließlich sein monumentales Meisterwerk " Das Sein und das Nichts " an und verbringt den Tag mit Überlegungen über das Nichts. Später wird Sartre diese Periode, als eine der erfüllendsten seines Lebens bezeichnen.

Sartre und Simone de Beauvoir, ein außergewöhnliches Paar, dass durch ihren weltbekannten Liebespakt, der ihnen eine freie Beziehung gestattete, als prägendes Paar für ihre Generation ein großes Vorbild und wegbereitend für die 68er Generation waren. Beauvoir galt als bahnbrechende Intellektuelle, die mithilfe ihres Werkes " Das andere Geschlecht ", ausschlaggebend für die Frauenemanzipation war und ebenfalls den Existentialismus unterstützte. Die Briefe sind überaus aufschlussreich und gewähren nicht nur tiefe Einblicke in Sartres Seelenleben, sondern lassen auch erkennen, mit welch einer Akribie er sich mit seinen Romanen auseinandergesetzt haben muss. Für Sartre-Sympathisanten sehr empfehlenswert.


Morgenröte. Gedanken über die moralischen Vorurteile
Morgenröte. Gedanken über die moralischen Vorurteile
von Friedrich Nietzsche
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 4,95

13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Maulwurf auf der Suche nach der Morgenröte, 2. Mai 2014
Nietzsche, der sich mit der nötigen Sprengkraft in den Untergrund gegraben hatte, um in dunkler Einsamkeit, zu den Wurzeln menschlicher Moral und Wertvorstellungen zu gelangen, in der Hoffnung, die langanhaltende, nächtliche Versenkung des Menschen auf explosive Weise aufzubrechen, wollte die Sicht für eine strahlende Morgenröte freilegen. Aufgrund der langen Zeit, der es bedarf, um die Fundamente der Wertschätzungen zu prüfen und sie von ihren falschen Vorraussetzungen zu emanzipieren, verlangt er von seinen Lesern ein vorsichtiges Lesen, dass sich den Inhalt langsam " erwandert ". Doch der Versuch, die Welt von ihrem gut und böse zu entkleiden, sieht sich selber von einer Moralität getrieben, die von den Menschen erneut ein " du sollst " abverlangt. " Dies ist die letzte Moral, die sich auch uns noch hörbar macht ", verkündet Nietzsche in der Vorrede und verweist auf eine Moral in Form der Wahrhaftigkeit, die sich von unglaubwürdig gewordenen Werten abwenden soll.

Es ist ein neues Weltgefühl entstanden, dass den Menschen von seinem langwierig, galtenden Status, ein wichtiger Bestandteil des Universums zu sein, befreite und ihm stattdessen die Augen, sowohl für seine kontingente Stellung, als auch für seine fehlerhaften, in die Welt interpretierten Wertsetzungen öffnete. Nietzsche der stets als Randfigur auf das Geschehen blickte, um sich des dynamischen Lebensprozesses zu enthalten und als Außenstehender auf Vernunft, Moral und den Menschen zu blicken, weist interessante Parallelen zu den von Dostojewski geschaffenen Protagonisten auf. Schließlich ließ auch er seine Helden aus dem sogenannten Keller heraus, auf die Welt blicken, um gewaltige Erkenntnisse über den Menschen anzustellen. Doch Nietzsche findet den Weg zum Leben regelmäßig zurück und verkündet wohlwollend, seine entschlüsselten Erkenntnisse, während Dostojewski's Helden, des Öfteren einen Hang zur Verbitterung und zu schaden bringenden Selbstexperimenten haben.

Nietzsche, von den ersten Strahlen der Morgenröte gewärmt, vollzieht nun als " Luftschifffahrer des Geistes ", seine Entlarvungspsychologie, um die moralischen Vorurteile aufzudecken. Er offenbart schonungslos die vielen Fehlschlüsse , die den Menschen dazu verleiteten, eine kosmologisch feststehende Moral-An-Sich aufzustellen, die als Gesetz, absolute Geltung beanspruchten sollte. Gute und böse Handlungen, wurden Nietzsche zufolge in der Geschichte durch den Menschen nach ihrer Nützlichkeit definiert, die die Welt infolgedessen mit einer " übergehangenen sittlichen Ordnung " versahen und als höherstehende Prinzipien anerkannten. Weiterhin bemängelt er die Vernunft in der Gesellschaft, die aus Bequemlichkeit und Gewohnheit, Wertschätzungen einfach übernommen und sich an diese Verstellung gewöhnt habe. Schon in " Menschliches Allzumenschliches ", in den " Unzeitgemäßen Betrachtungen " , oder anderen Frühschriften, lassen sich viele Überlegungen, zu einer Exegese moralischer Vorurteile erkennen. Allerdings verlagert Nietzsche den Fokus in dieser Schrift nicht mehr so stark auf die Ursprünge menschlicher Sinngebungsprozesse, sondern vermehrt auf etwas dem Menschen Näheres. So heißt es im 44 Aphorismus: " Mit der Einsicht in den Ursprung nimmt die Bedeutungslosigkeit des Ursprungs zu: während das Nächste, das Um-uns [....] Reichtümer von Bedeutung aufzuzeigen beginnt ". Für Nietzsche galt es nun, die Betrachtung nicht mehr so sehr auf den Verstand zu legen, sondern tiefer in die menschliche Innenwelt zu gucken, zu jenen Triebregungen, die schließlich die Vernunft und ihre Urteile zu beherrschen vermögen. Der Devise Hume's folgend, wonach die " Vernunft die Sklavin der Leidenschaften " sei, will er uns daher für unsere ungenau einzuschätzenden Handlungen sensibilisieren, da dem Bewusstsein eine vollständige Einsicht in sein Seelenleben immer fehlen wird. Folglich lassen sich daher auch keine allgemeingültigen Moralvorstellungen ableiten.

In " Ecce Homo ", bezeichnet Nietzsche seine Morgenröte als den Anfang eines " Feldzuges gegen die Moral, um einen " Augenblick höchster Selbstbesinnung der Menschheit vorzubereiten, einen großen Mittag ". Im 96. Aphorismus sieht er dieses Ziel jedoch noch in weiter Ferne, da erst sämtliche " Bräuche und Sitten vernichtet " und die herkömmlichen Moralvorstellungen überwunden werden müssen. Erst dann wird sich die Arbeit eines " Maulwurfs "auszeichnen und " ihr werdet euren eigenen Morgen, eure eigene Erlösung und vielleicht eure eigene Morgenröte erkennen ".


Weiße Nächte: Eine Liebesgeschichte (insel taschenbuch)
Weiße Nächte: Eine Liebesgeschichte (insel taschenbuch)
von Fjodor Dostojewski
  Taschenbuch
Preis: EUR 6,00

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine träumende Fliege im Spinnennetz der Göttin Phantasie, 30. April 2014
Das wahre Leben, als träge, schlaff und langsam erachtend, füllt ein unbekannter, sich als Träumer bezeichnender Erzähler, seine innere Leere und Einsamkeit lieber mit imaginären Phantasiewelten auf, um besondere, exstatische Genüsse zu erleben, die es vermögen, seine schwermütige Existenz, vergessen zu lassen und ihm stattdessen ermöglichen, sich in Imaginationen zu transzendieren. Als Autor und Held, der sich seine eigene Traumwelt zusammenbastelt, fühlt er sich " wie eine Fliege im Spinnennetz, der Göttin Phantasie " , der von seinen Idealvorstellungen beflügelt wird und diese als Ersatz über die Realität legt.

Doch seine träumerischen Luftschlösser, lösen sich gelegentlich auf und offenbaren ihm dann eine klare Sicht auf sein ungelebtes und melancholisch dahinfließendes Leben. Das sehnliche Verlangen, in seinen eigenen Einbildungen und Gefühlen etwas " wirklich Seiendes, ein greifbares Vorhandenes " anzutreffen, stellt für ihn leider ebenfalls nur eine romantische, träumerische Vorstellung dar. So wandelt, dieser einsame Spaziergänger schließlich selbstvergessen durch die Straßen von Sankt Petersburg und sinnt über den Frühling und die Menschen nach. In diesen Momenten, besonders wenn sich der Tag dem Ende neigt, erfüllt ihn ein glückliches Wonnegefühl, welches seine Stimmung aufzuheitern und verzaubern zu vermag. Während eines solchen euphorischen Momentes, lässt Dostojewski unseren Erzähler nun eines Abends mit der Realität zusammentreffen, die ihn von seiner schwärmerischen Lethargie schlagartig befreit und er sich in einer für ihn, vollkommen surrealen Situation wiederfindet. Mit einem Mal scheint sich seine projizierte in eine reale Vorstellung umgewandelt zu haben, so dass er sich in seiner neuen Position nicht richtig zu verhalten versteht. Es ist die Liebe, die sein Leben aus einem langen Winterschlaf erwachen lässt, um sich in den Augen einer anderen Person zum ersten Mal objektiv betrachten zu können.

Ein junges, schönes Mädchen, dass sich an jenem Abend, durch ein trauriges Verhalten, auf sich aufmerksam machte, entfachte die nötige Neugier, um unseren Träumer dazu zu bewegen, sich ihr zu nähern und sie anzusprechen. Seine einfache Authentizität und Ehrlichkeit sofort erkennend, entsteht ein einfaches Gespräch, dass aufzeigt wie einfach doch der Umgang mit anderen Menschen sein kann. Seine Befangenheit und Hilflosigkeit im Umgang mit Frauen bekundend, findet er durch Nasstenkas vertrauenserweckende Art, schnell den richtigen Ton und beginnt ihr sein Herz auszuschütten. " Ich versteh nicht zu schweigen, wenn das Herz in mir spricht ", ertönt es aus unserem Erzähler, der sich durch diese glückliche Fügung in einen dionysischen Rauschzustand begeben hat und seine imaginäre Höhle vollständig verlassen zu haben scheint. Nachdem es zu weiteren Treffen kommt, in denen sich beide ihre Lebensgeschichten erzählen, zeichnet sich unser Erzähler fortwährend durch seine literarische Selbstbetrachtung aus, in der er sich als eine Art Romanfigur ansieht und in der dritten Person von sich zu sprechen pflegt. Ihre vermeintliche Beziehung, bringt nach und nach die eigentlichen Motive ans Licht, die Nasstenka veranlassten, die Beziehung zu ihm zu intensivieren. Es bahnt sich ein sehr gefühlvolles und tränenreiches Ende an, welches für den weiteren Schaffensprozess, des damals noch sehr jungen Dostojewski charakterisierend bleiben sollte.

Seine Novelle gehört zu den Spätwerken der russischen Romantik und stellt den Übergang zur Literatur des Realismus dar, der sich durch Alltäglichkeit und Objektivität auszeichnete und dafür einstige träumerische Phantasiewelten immer mehr verdrängte. Doch bei Dostojewski bleibt der Träumer ein immer wiederkehrendes Motiv. Eine wunderschöne Erzählung.


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