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Rezensionen verfasst von
Ray "rayw260" (Rheinfelden)
(TOP 1000 REZENSENT)   

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Spotlight
Spotlight
DVD ~ Mark Ruffalo
Preis: EUR 12,99

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Kirchenskandal von Boston...., 10. Juli 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Spotlight (DVD)
Am Anfang von "Spotlight" steht eine finstere Film Noir Sequenz, eine Rückblende ins Jahr 1976. Das Szenario wirkt schemenhaft, man erkennt aber, dass die Szene eine Polizeistation zeigt. Eine Mutter und ihr Sohn wollen etwas anzeigen, doch ein Priester und ein Anwalt intervenieren in dieser Sache, so dass die Anzeige vielleicht fallen gelassen wird. Draussen auf der nächtlichen Straße wartet eine schwarze Limousine. "Spotlight" ist der Film, der bei der diesjährigen Oscarverleihung den Preis als bester Film erringen konnte. Ausserdem wurde das Drehbuch des Regisseurs Tom McCarthy, das er gemeinsam mit Josh Singer verfasste, preisgekrönt. Es gab vier weitere Nominierung: Beste Regie, Bester Nebendarsteller Marc Ruffalo, Beste Nebendarstellerin Rachel McAdams und Bester Schnitt Tom McArdle.

Der bedrückende Film befasst sich mit dem Thema "Sexueller Mißbrauch in der römisch-katholischen Kirche" - ein Thema, das lange Zeit verschwiegen und versteckt wurde und erst seit Mitte der 90er Jahre aufgrund diverser Berichterstattungen eine immer größere öffentliche Aufmerksamkeit weltweit erreichen konnte. Davor war es ein großes schambesetztes Tabuthema für die vielen Opfer und die Kirche mit den Tätern aus den eigenen Reihen recht tolerant umging. Man zog den Priester, Erzieher oder Mönch einfach aus seinem Wirkungskreis ab und versetzte ihn in eine neue Gemeinde. Doch der Reue über das teuflische Verhalten folgte die Wiederholung der Schandtat. Eine Kettenreaktion eines Teufelskreises. Als die traumatischen Erlebnisse durch die Opfer öffentlich gemacht wurden, bekam die Kirche so einen starken Druck, dass sie ihre gängige Praxis endlich überdenken mussten.

Auch in Deutschland wurden zahlreiche Mißbrauchsfälle aufgedeckt, was viele Austritte aus der Kirche zur Folge hatte. Die Kirche hatte plötzlich an Vertrauen verloren und auch heute noch hat sich die Institution noch nicht ganz von diesen Skandalen erholt. "Spotlight" skizziert den "Bostoner Skandal", der von der einem kleinen Team von Journalisten der beliebten Tageszeitung "The Boston Globe" im Jhar 2002 aufgedeckt wurde. Anstoß gab der neue Chefredakteur Marty Barron (Liev Schreiber). Der Journalist aus Miami ist ein stiller Aussenseiter: Unverheiratet, Jude und ausserdem hasst er Baseball. Aber er gibt in seiner ersten Redaktionskonferenz den Anstoß an sein Team, die Geschichte über den Priester John Geoghan zu machen, der sich wohl an Dutzenden Kindern vergangen hat und von Pfarrei zu Pfarrei verschoben wurde. Seine Verfehlungen mit dem Wissen von ganz oben...was soviel heißt, dass der beliebte Kardinal Bernard Law (Len Cariou) sicherlich davon gewusst haben müsste. Barron will aber mehr als nur einen Schuldigen überführen - er will über diesen Einzelfall hinausgehen. Vielleicht, so Baron, steckt dahinter ein System. In einer Szene des Films trifft dieser Baron den Kardinal, der ihm zum Abschied des Gesprächs einen Katechismus schenkt. Law meitnte Presse und Kirche müssen zusammenarbeiten, Baron stellt aber klar, dass die Presse immer unabhängig sein muss.

Nun beginnt das monatelange Recherchieren seines Investigations-Team "Spotlight": Michael Rezendes (Mark Ruffalo), Walter Robinson (Michael Keaton),, Sacha Pfeifer (Rachel McAdams) und Matt Carroll (Brian de Arcy James) sowie der Boss Ben Bradlee jr. (John Slattery). Es bringt in Erfahrung, dass das Erzbistum von den Taten gewusst und sie regelmäßig durch Versetzung des Täters vertuscht hatte, durch Geld das lebenslange Schweigen der Opfer erkauft und damit auch einen Gerichtsprozess vermieden hatte, und schließlich die gerichtlichen Akten hierzu aus dem Gerichtsarchiv hatte auslagern lassen. Die Missbrauchsfälle - zunächst als tragische Einzelfälle eingestuft - entwickeln sich immer in größerem Ausmaß. Anwalt Mitchell Garabedian (Stanley Tucci) hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Opfern gerichtlich zu ihrem Recht zu verhelfen, doch der Widerstand des Establishments (Kirche, Gericht, einflüssreiche Bürger) ist groß. Bald muss das Team damit klarkommen, dass sich von den 1.500 Priestern in Boston ca. 6 % des Kindesmissbrauchs schuldig gemacht haben....

Ohne Effekthascherei wird diese eindringliche und spannende Geschichte über eine journalistische Aufdeckung erzählt. Mit einen hohen Anspruch und angenehm unscheinbar wird die Arbeit der Zeitungsleute beschrieben. Was schon wie aus einer anderen Welt - wenn man die heutige Dominanz der Sensationspresse und der immer schnelleren und markanteren Schlagzeilen als Vergleich nimmmt. Der Film ist einerseits ein Plädoyer an die unabhängigen Medien. Andererseits an die Stärken der Presse, wenn sie adäquat und fundiert über ein Thema schreibt. Hier in "Spotlight" wird ein Tabuthema angekratzt und das ist sicherlich löblich, dass die Verbrechen von Priestern auch endlich ans Tageslicht kommen und nicht mehr hinter den Kirchenmauern versteckt und vertuscht werden können. Die katholische Kirche hat sogar den Film sehr gelobt und gab sich selbstkritisch. Ansonsten wird hier mit leisen Tönen, aber sehr intensiv eine Feier der journalistischen Ethik und des journalistischen Professionalismus zelebriert. Wem das altmodisch vorkommt, der liegt nicht falsch. Die Zeiten ändern sich. Selbst wenn seither erst 15 Jahre vergangen sind. Ich hoffe sehr, dass diese seriöse Art der Berichterstattung mit Wahrheitsgehalt nicht nur erhalten bleibt, sondern auch in Zeiten der unseriösen Sensationspresse wieder erstarken kann.


Black Narcissus - Die schwarze Narzisse
Black Narcissus - Die schwarze Narzisse
DVD ~ Deborah Kerr
Wird angeboten von exoda
Preis: EUR 3,59

5.0 von 5 Sternen Mysteriöse fremde Welt...., 2. Juli 2016
Rezension bezieht sich auf: Black Narcissus - Die schwarze Narzisse (DVD)
Imre Jozsef Pressburger wurde als einziges Kind eines jüdischen Gutsverwalters in Ungarn geboren. Er studierte zunächst Mathematik un Ingenieurwesen an den Universitäten Prag und Stuttgart. Als sein Vater starb, musste er das Studium abbrechen und fand eine Anstellung als Journalist. Ende der 20er Jahren war er für die Ufa in Berlin als Drehbuchautor tätig. Die Filme "Abschied" von Robert Siodmak (1930) oder "Emil und die Detektive" von Gerhard Lamprecht (1931) stammen sogar von ihm. Leider kam die Machtergreifung durch die Nazis und Pressburger floh nach Paris und später nach London.

Durch den Filmproduzenten Alexander Korda konnte er dort als Emeric Pressburger ebenfalls als Drehbuchautor arbeiten. 1939 lernte er den Regisseur Michael Powell kennen. Powell war bekannt durch seinen Welterfolg "Der Dieb von Bagdad", den er gemeinsam mit Ludwig Berger und Tim Wheelan drehte und der 3 Oscars gewinnen konnte. Powell und Pressburger harmonierten so gut zusammen, dass sie eine eigene Prodiktionsgesellschaft "The Archers" gründeten und in den folgenden Jahren 19 Filme zusammen realisierten. Die beiden führten gemeinsam Regie, schrieben zusammen die Drehbücher und produzierten ihren Filme. Somit waren sie einige der wenigen echten Autorenfilmer ihrer Zeit und gemeinsam schufen sie Meisterwerke wie "leben und sterben des Colonel Blimp", "Die roten Schuhe", "Irrtum im Jenseits" oder "Hoffmanns Erzählungen". Auch "Die schwarze Narzisse" aus dem Jahr 1947 gehört zu ihren besten Filmen. Bei einer Umfrage des British Film Institute im Jahr 1999 wurde dieser Film auf Platz 44 der besten Britischen Filme aller Zeiten gewählt.

Im indischen Kalkutta bekommt die junge anglikanishce Nonne Schwester Clodagh (Deborah Kerr) von ihrer Oberin Mutter Dorothea (Nancy Roberts) einen sehr schwierigen Auftrag. Sie soll dort mit der fleissigen Schwester Philippa (Flora Robson), der robusten Schwester Briony (Judith Furse), der beliebten und immer gut gelaunten Schwester Goldig (Jenny Laird) und der labilen Schwester Ruth (Kathleen Byron) in Mopu, einem abgelegenen Dorf im Himalaya eine Schule und ein Hospital einrichten. Vor den Nonnen waren Mönche dort, die aber nur 5 Monate blieben. Ehemals war dieser hochgelegene Palast eines Generals (Esmond Knight) auch Wohnsitz von dessen Konkubinen. Der britische Verwalter Mr. Dean (David Farrar) macht keinen Hehl daraus, dass er den Nonnen und deren Ambitionen sehr skeptisch gegenüber steht und wirkt unfreundlich. Auch die Haushälterin Angu Ayah (May Hallatz) belächelt die Bemühungen der europäischen Ordensfrauen. Auf die Nonnen wirkt der Ort geheimnisvoll und magisch. Einerseits faszinierend, andererseits verstörend. Eine völlig neue Welt tut sich auf, Klima und Höhenlage verstärken das Gefühl der Fremde. Ein alter weiser Mann sitzt auf diesem Berg und man sagt er habe sich seit Jahren nicht von diesem Platz wegbewegt und seither auch nie ein Wort gesprochen.
Als Mr. Dee das verwaiste Mädchen Kanchi (Jean Simmons) zu ihnen bringt, findet der reich gekleidete Neffe des Generals (Sabu), der von den Nonnen unterrichtet wird, Gefallen an dem Mädchen.
Er ist es auch, der ein Parfüm, das "Black Narzissus" heißt in die Schule mitbringt, dessen Duft die Nonnen in Verzückung versetzt. Auftakt für eine tragische Dynamik, die die mystische und erotische Aura des Palastes noch verstärkt...

Neben einem originellen und innovativen Drehbuch begeistert vor allem die Bildsprache des Films. Powell und Pressburgers Werke sind berühmt für den gelungenen Einsatz der Technicolor-Farben. Natürlich hat da auch der große Kameramann des britischen Films - Jack Cardiff - einen großen Anteil daran. "Black Narzissus" zählt neben "Die vier Federn" (1939), "Die roten Schuhe" (1949), "Sklavin des Herzens" (1949), "Die schwarze Rose" (1950), "African Queen" (1951), "Die barfüßige Gräfin" (1954), "Krieg und Frieden"' (1956), "Die Wikinger" (1958) und "Tod auf dem Nil" (1978) zu seinen überzeugendsten Leistungen. Für die junge Jean Simmons war es einer ihrer ersten Filmauftritte, Auch der großartigen Deborah Kerr gelang mit dieser Darstellung der unerfahrenen Oberschwester der Durchbruch im internationalen Filmgeschäft - sie bekam einen Vertrag bei MGM. In ihrer langen Karriere wurde sie insgesamt 6 x für den Oscar nominiert, gewonnen hat sie aber erst 1994 - dort wurde ihr ein Ehrenoscar für ihr Lebenswerk zugesprochen.


Rächer der Enterbten
Rächer der Enterbten
DVD ~ Robert Wagner

4.0 von 5 Sternen Jesse James, der neurotische Killer..., 2. Juli 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Rächer der Enterbten (DVD)
In Nicholas Rays erster Regiearbeit, dem Film Noir mit Roadmovieanteilen "Im Schatten der Nacht" taucht bereits seine Lieblingsfigur auf. Der soziale Aussenseiter und vor allem der Jugendliche, der gegen die vorherrschende Gesellschaft rebellieren will. In "Im Schatten der Nacht" spielt Farley Granger diesen jungen Typen, im folgenden "Vor verschlossenen Türen" spielt John Derek an der Seite von Humphrey Bogart den jugendlichen Deliquenten. Seinen größten Coup landet der Regisseur allerdings mit dem jungen James Dean, der 1955 in "denn sie wissen nicht, was sie tun" den unverstandenen Jim Stark, einen Jugendlichen aus der oberen Mittelschicht spielt und mit dieser Rolle unsterblich wird. Ray gelingt es mit diesem ernsthaften Teenager-Film erstmalig einen Film speziell für die junge Generation zu gestalten. Ein Film über das Phänomen der rebellischen Jugend nach dem 2. Weltkrieg - den Halbstarken, die mit RocknRoll die Erwachsenenwelt entsetzten. Erstmalig wurde auch ein markanter Generationenkonflikt sichtbar. Ray hat vielleicht als einer der ersten Filmemacher den Teeanger für sich entdeckt und inszenierte diesen sowohl düster als auch romantisch.

Auch in seinem leider verstümmelten Western "Rächer der Enterbten" (Original: The True Story of Jesse James) den Ray 1958 inszenierte, tauchen solche Figuren wieder auf. Die Jungstars Robert Wagner (Prinz Eisenherz) und Jeffrey Hunter (Der schwarze Falke) spielen die Brüder Jesse und Frank James. Ebenfalls junge Rebellen - sinnlich und gewalttätig. Die Hauptfigur Jesse sogar noch viel mehr als sein intellektueller, sehr gebildeter Bruder. Er hat den Sezessionskrieg erlebt, ist gezeichnet dadurch und findet irgendwann sogar Gefallen an seinem Leben als Gangster, der von Teilen der Bevölkerung auch verehrt wird wie Robin Hood, dem Rächer der Enterbten. Aber der junge Mann hat auch neurotische züge inne, denn er hat auch inzwischen Gefallen daran gefünden zu töten. Zuerst wollte Ray sogar die RocknRoll Ikone Elvis Presley für den Film gewinnen. Denn er versprach sich ein ähnlich kultiges Potential wie James Dean. Das Studio bevorzugte aber Wagner. Und tatsächlich passt auch er als gut aussehender All American Boy perfekt zu dieser Rolle. Fox Produzent Buddy Adler übte aber leider starken Einfluss auf den Film aus und ließ einige wichtige Szenen entfernen. So kommt "Rächer der Enterbten" leider nicht an die hervorragende Qualiät von Rays ungewöhnlichen und damals arg kritisierten Western "Johnny Guitar" heran. Die chronologische Erzählweise, die Ray auferzwungen wurde, raubte dem Film seine große Eigenständigkeit und verhinderten vielleicht ein weiteres Meisterwerk des Genres. Was bleibt ist ein guter und solider Beitrag des Western.

Erzählt wird der Film über das Leben der Brüder Jesse (Robert Wagner) und Frank James (Jeffrey Hunter) in Rückblenden. Die Gang ist auf der Flucht. Der Banküberfall in Northfield, bekannt als der große Minesota Überfall, ist gründlich schiefgelaufen. Einige Gangmitglieder sind erschossen worden, andere wurden gefangen genommen. Aus 10 Banditen sind nur noch drei übrig geblieben. Darunter die 2 Brüder. Sie sind nun über 400 Meilen von zuhause entfernt und verstekcen sich in Höhlen und Felsspalten. In dieser Situation eröffnet sich der Bilderbogen auf ein bewegtes Leben. Die Handlung beginnt in Jesses Heimat Missouri im Jahr 1864. Die Nordstaaten Guerillagruppe Jayhawkers überfallen die Farm der Familie James. Die Mutter (Agnes Moorehead) wird bedroht und der jüngere Jesse misshandelt, weil sie nicht sagen, wo der gesuchte Frank steckt, der auf der Seite von Südstaaten Partisanen kämpft. Der 16jährige Jesse verlässt aus diesem Grund die Farm und schließt sich wie sein Bruder den Kämpfern an. Als der Krieg zu Ende ist, werden die Südstaatler in Missouri diskriminiert. In den Köpfen besteht der Hass weiter. Jesse wird verwundet und während dieser Zeit lernt er die hübsche Zee (Hope Lange) kennen, in die er sich verliebt. Er heiratet das Mädchen. Doch das Glück wird gestört durch weitere Überfälle auf Farmen. Jesse, Frank und andere Farmer beschließen einen Banküberfall zu begehen, um ihre Farmen wieder aufzubauen. Doch statt der Rückkehr ins normale Leben wartet das unstete Leben von Outlaws. Die Polizei sucht die Bande, vor allem auf Jesses Kopf sind zuerst 500 Dollar, dann 1.000 Dollar und bald 5.000 Dollar ausgesetzt. Unter falschem Namen lebt Jesse mit seiner Frau in St. Joseph als Ehepaar Howard. Die falsche Identität bleibt unentdeckt - Zee muss aber damit leben, dass ihr Mann Jesse immer mal wieder für ein paar Tage geschäftlich verreist. Nach dem Überfall kommt er dann als braver Bürger zu seiner Frau zurück. Jesses Name wird zur Legende, viele junge Typen möchten in seine Fußstapfen als Revolverheld treten. So auch die Brüder Robby (Carl Thayler) und Charly Ford (Frank Gorshin) ...

Dadurch das der Produktionschef der Fox Buddy Adler anordnete, dass der Film konventionell geschnitten werden muss, weil er glaubte, dass sonst keinen den Inhalt verstehen würde, verhinderte er die künstlerische Eigenständigkeit von Rays Version der Lebensgeschichte von Jesse James. Im Grunde wollte das Studio ja eine Neuauflage des 40er Jahre Films von Henry King. Ray ging es um viel mehr. Er wollte einen progessiven Jesse James, der zwiespältig rüberkommt. Einer der sich auf dem Selbstzerstörungstrip befindet, aber versucht das Glück ausserhalb eriner rigoros repressiven Gesellschaft zu finden. Dies alles mit einer unkonventionellen Erzählstruktur. So ereilte auch "Rächer der Enterbten" ein ähnliches Schicksal wie viele andere verstümmelte meisterwerke der Filmgeschichte - wie beispielsweise Sam Peckinpahs "Sierra Charriba" oder Orson Welles immer noch großartiger "Der Glanz des Hauses Amberson". Dennoch schimmert die Qualität dieses Films immer wieder durch. Trotz dem Titel "Rächer der Enterbten" ist Rays Jesse James niemals dieser Robin Hood. Sondern ein verstörter Erwachsener, der immer noch nicht erwachsen ist und Gefallen findet an aggressiver Action.


Hollywood Klassiker - Gefährliches Blut
Hollywood Klassiker - Gefährliches Blut
DVD ~ Rock Hudson
Wird angeboten von Dein Filmshop
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen Die Ballade des John Wesley Harding..., 2. Juli 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Stil von Raoul Walsh ist schnörkellos und geradeheraus. Regisseur Raoul Walsh bevorzugte für seine Filme schnelle Schnitte und eine schnörkellose Machart. Trotz der Liebe zu den Actionszenen vergass er auch nie die notwendige Charakterisierung der Filmfiguren. Neben Henry King wird er imme rwieder mit dem "americana" Stil in Verbindung gebracht - die Darstellung einer amerikanischen Gesellschaft, die auf einfachen und ehrlich zwischenmenschlichen Beziehungen aufbaut. Seine großen Meisterwerke sind sicherlich die Gangsterfilme "Die wilden Zwanziger", "Sprung in den Tod" und "Entscheidung in der Sierra" - aber auch im Westerngenre schuf er mit "Verfolgt", "Sein letztes Kommando", Herr der Silberminen", "Den Hals in der Schlinge" und "Vogelfrei" schöne Highlights.

Ab den frühen 50er Jahren bestätigte er sein gutes Können in vielen routinierten Produktionen - auch seine Western in dieser Dekade können sich sehen lassen. Zwei davon drehte er mit dem aufkommenden neuen Superstar Rock Hudson. Sowohl "Mit der Waffe in der Hand" als auch "Gefährliches Blut" entstanden im Jahr 1953. Letzterer ist eine sehr freie und aus dramaturgischen Gründen verfälschte Biographie des Revolverhelden John Wesley Harding, der von 1853 bis 1895 lebte und der im Gefängnis seine eigene Lebensgeschichte aufschrieb. Walsh bekannte später, dass er gar kein authentisches Biopic machen wollte, sondern vor allem zeigen wollte, was den Helden und die Heldin gegenseitig anzieht, selbst wenn sie getrennt werden.

In "Gefährliches Blut" dauert diese Trennung sogar 16 lange Jahre. Aber vorher wächst John Wesley Harding (Rock Hudson) als Sohn des Methodistenprediger J. G. Harding (John McIntire) auf, der auf eine Erziehung der strengen Hand setzt. Wenn notwendig auch mit Schlägen und Peitschenhieben, wenn die Worte der Bibel nicht befolgt werden und die Söhne vom rechtschaffenen Weg abdriften, so wie der junge John, der ein Faible für Spielkarten und Revolver hat. Als er wieder einmal gezüchtigt wird, verlässt er das Elternhaus und seine Jugendliebe Jane (Mary Castle), die als Waise bei dem Prediger aufwuchs. Bei einem Pokerspiel zieht der Mitspieler die Waffe, doch Wes ist natürlich schneller. Aber nur die Bardame Rosie (Julia Adams), die auch ein Auge auf den attraktiven Gunman geworfen hat, kann bestätigen, dass es Notwehr war. Er entkommt dem konföderierten Sheriff, aber nun muss er fliehen - vor den Brüdern des Getöteten (u.a. Hugh O'Brian, Lee van Cleef) und schließt sich dem Viehtreck seines Onkels John (ebenfalls John McIntire) an. Ein tragisches Ereignis macht dann alles noch viel schlimmer...

Nach Jahren der Flucht und dem Untertauchen wird er als friedlich lebender Farmer schließlich gefangengenommen und das Gericht verurteilt ihn zu 25 Jahren Haft. Nach 16 Jahren wird er begnadigt und trifft seine Frau wieder, die die Ranch in Alabama nie aufgegeben hat und inzwischen einen 16jährigen Sohn (Race Gentry) hat. Auch dieser scheint dem Vater nachzuschlagen. Er kann irre gut mit dem Colt umgehen.
Aus dieser Szene - dem Wiedersehen zwischen Vater und Sohn - entsteht am Ende noch ein dramatisches Showdown. Das wahre Leben von John Wes Hardin verlief da etwas anders. Aber trotz der vielen Zugeständnisse an das Hollywood Publikum, die auch einen Rock Hudson mit Happyend sehen wollten, gelang dem erklärten Frauenliebling des 50er Jahre Kinos eine recht ansprechende Darstellerleistungö. Es gelingt ihm verschiedene Facetten der Figur deutlich zu machen, eine gelungene Mischung aus Gut und Böse, was im Hollywood Kino der frühen 50er Jahre gar nicht so oft vorkam - Hudsin zeigt zum einen den etwas leichtfertigen, träumerischen jungen Heißsporn, der in seinem Leben Action braucht - zum anderen aber auch den verantwortungslosen Gunslinger, der mit seinem labilen Verhalten seine Lieben vor harte Prüfungen stellt. Kameramann Irving Glassberg wurde von Walsh darum gebeten, eine Farbgebung in Pastell zu machen, er war kein Freund dieser brillanten Farben und bevorzugte eher zarte und leichte Farben.


Zeit zu leben und Zeit zu sterben
Zeit zu leben und Zeit zu sterben
DVD ~ John Gavin
Wird angeboten von the-dvd-house
Preis: EUR 6,19

4.0 von 5 Sternen Fronturlaub..., 2. Juli 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Zeit zu leben und Zeit zu sterben (DVD)
Beide teilten während des Naziregimes ein ähnliches Schicksal: Der Regisseur Detlef Sierk musste 1937 aus Deutschland fliehen. Sierks Frau Hilde Jary war Jüdin.
Der deutsche Schriftsteller Erich Maria Remarque schrieb 1928 sein Hauptwerk "Im Westen nichts Neues" - ein großer Antikriegsroman, der 1930 auch als Film ein Welterfolg wurde. Seine Arbeiten wurden aber in Nazideutschland als "schändliches und unerwünschtes Schrifttum" verboten und seine Bücher 1933 öffentlich verbrannt. 1938 wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Aufgrund der Hetze von Joseph Goebbels verließ der Schriftsteller aber bereits einen Tag nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler endgültig das deutsche Reich.
Seine Schwester, die in Dresden wohnte, wurde nach einer Denzuziaton wegen Äusserungen gegen das NS-Regime 1943 vom Präsidenten des Volksgerichtshofs Roland Freisler wegen Wehrkraftzersetzungen zum Tode verurteilt und mit dem Fallbeil hingerichtet. Der Richter soll gesagt haben "Ihr Bruder ist uns leider entwischt, Sie aber werden uns nicht entwischen".
1954 schrieb Remarque, dem eine grandiose Karriere als Schriftsteller in den USA gelang, mit "Zeit zu leben und Zeit zu sterben" einen weiteren Antikriegsroman. Vier Jahre später kam es dann zur Zusammenarbeit mit dem Regisseur Detlef Sierk, der sich inzwischen als Douglas Sirk einen guten Namen mit seinen melodramatischen Filmen (Wunderbare Macht, In den Wind geschrieben, Was der Himmel erlaubt) gemacht hatte. Remarque spielte auch die Rolle des Professor Pohlmann.

Thematisch ist "Zeit zu leben und Zeit zu sterben" sehr stark mit "Im Westen nichts Neues" verwandt. Das Schicksal eines einfachen Soldaten ist das Thema, seine Sehnsucht nach einem Leben in Frieden - lediglich spielt "Zeit zu leben und Zeit zu Sterben" im 2. Weltkrieg. Hauptfigur ist der Soldat Ernst Gräber (John Gavin), der sich mit der Truppe unter Führung von Hauptmann Rahe (Dieter Borsche) auf dem Rückzug in Russland befindet. Das Töten ist zum Alltag geworden. Im Kampf und während der Schlachten kann man dies noch besser ausblenden, denn da heißt es "Ich oder der Feind" - aber bei einer Liquidation russischer Partisanen (u.a. Barbara Rütting) meldet sich das Gewissen umso mehr. Aber Befehl heißt Befehl und Verweigerung heißt selbst erschossen zu werden. Sein jüngerer Kamerad Hirschland (Dana J. Hutton) begeht nach dieser Tat Selbstmord. Doch endlich - im Frühjahr 1944 - erhält Gräber einen 3-wöchigen Heimaturlaub. Als er in seine Heimatstadt zurückkehrt, muss er feststellen, dass sein Elternhaus eine zerbombte Ruine ist, wie viele andere Häuser der Stadt. Die Eltern gelten als vermisst. Er versucht durch den Arzt der Eltern etwas in Erfahrung zu bringen, doch dieser ist wegen "Wehrkraftzersetzung" ins KZ gekommen. Er lernt aber dessen Tochter Elisabeth (Liselotte Pulver) kennen. Beide verlieben sich ineinander. Er trifft auch seinen ehemaligen Schulkameraden Oscar Binding (Thayer David) wieder, der es zum Kreisleiter gebracht hat und dem es sehr gut geht. Immer wieder gibt es Bombenalarm. Als Ernst seinen ehemaligen Lehrer Professor Pohlmann (Erich Maria Remarque) bemerkt er, dass dieser den Juden Joseph (Charles Regnier) versteckt. Ein gefährliches Unterfangen. Bald ist aber auch Elisabeth in Gefahr. Beide wollen heiraten, aber Elisabeth bekommt eine Vorladung bei der Gestapo. Ernst verschweigt ihr zunächst diesen Brief...

Optisch zeigt sich dieses Kriegsmelodram im auserlesenen Technicolor-Style. Bei der Oscarverleihung 1959 wurde der Film für den Besten Ton nominiert. John Gabin gewann sogar den Golden Globe Award 1959 als bester Nachwuchsschauspieler. Er spielt auch seine Rolle sehr glaubwürdig. Ein Soldat, der zwar Befehle befolgt - aber dem dieses Töten dennoch zuwider ist. In einem Dialog mit seinem früheren Lehrer wird er aber von seinen Taten nicht freigesprochen, denn Pohlmann beharrt darauf, dass ein Verbrechen nicht durch einen Befehl entschuldigt werden kann. So bleiben Ernst nur diese 3 Wochen fern vom Krieg - doch er erlebt auch in der Heimat die Katastrophen, die sich durch den Krieg entwickelt haben. Nur die Liebe zu Elisabeth unterbricht den Wahnsinn. Das Ende der Geschichte weist große Ähnlichkeit zu "Im Westen nichts neues" auf. Sowohl Ernst Gräber im 2. Weltkrieg als auch Paul Bäumer im 1. Weltkrieg werden nicht heimkehren. Ein Schuß vom Feind haucht das Leben aus und die letzten Sekunde scheint eine schmerzliche Erinnerung zu sein an einen Moment vom Glück, der im Krieg aber nicht existiert.


Unfriend
Unfriend
DVD ~ Alycia Debnam Carey
Preis: EUR 9,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Marinas Laptop, der ein Spiegel in die Hölle ist..., 2. Juli 2016
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Rezension bezieht sich auf: Unfriend (DVD)
Während in den Kindertagen des Films, vor allem während der Weimarer Republik, der deutsche Horrorfilm auf der ganzen Welt mit Meisterwerken wie "Nosferatu", "Der Golem" oder "Das Cabinett des Dr. Caligari" Triumphe feiern konnte, hat er nach dem Beginn des Tonfilms bis heute immer mehr an Bedeutung verloren und nur sehr selten gelingt einer deutschen Horrorgenre Produktion ein respektabler Erfolg. Zuletzt etwa mit "Wir sind die Nacht" von Dennis Gansel, der eine Art modernes Update zu dem belgischen Kultfilm von Harry Kümel kreierte oder Stefan Ruzokwitzkys "Anatomie.

Immerhin traute man sich in den letzten Jahren wieder etwas mehr in dieser Richtung zu machen. Sehr beeindruckend war beispielsweise "Masks" von Andreas Marshall und auch die Filme "Zimmer 205" von Rainer Matsutani, "Das Kind" von Zoltan Bacs oder "Du hast es versprochen" von Alex Schmidt konnten sich sehen lassen. Auch Simon Verhoevens, der Sohn von Senta Berger und des Regisseurs Michael Verhoeven, und Regisseur von "Männerherzen" zeigt nun mit "Unfriend" (Originaltitel" Friendly Request" sein Faible für das Gruselfach. Inhaltlich ist sein Film mit dem umstrittenen "Unknown User" von Levan Gabriadze verwandt. Aber Verhoeven vermeidet den Fehler den gesamten Film auf den Desktop eines Laptops abspielen zu lassen. Daher ist Verhoevens erster Abstecher ins Horrorfilm auch besser gelungen. Vor allem die erste Hälfte ist extrem gut geworden.
Man kann sich aber vielleicht darum streiten, ob es gut war den Film dann ab einem gewissen Punkt in Richtung konventioneller Geisterfilm abdriften zu lassen - vor allem mit vielleicht zu vielen "Final Destination" und "Ringu" Versatzstücken. Wer sich daran nicht stört, der wird bei "Unfriend" sicherlich gut unterhalten. Verhoeven schreibt die Drehbücher meistens mit - diesmal in Gemeinschaftsproduktion mit Matthew Ballen und Philip Koch.

Die Studentin Laura Woodson (Alicia Debnam Carey) ist eine sehr beliebte Schülerin. Die Psychologiestudentin steckt voller Lebensfreude und ist auch auf den sozialen Medien sehr aktiv. Auf Facebook hat sie fast 1.000 Freunde. Privat hat sie sich von Kobe (Connor Paolo) getrennt und ist nun mit dem Medizinstudenten Tyler (William Moseley) liiert. Ihre beste Freundin ist Olivia (Brit Morgan), die ebenfalls Psychologie studiert. Ebenfalls wichtig in Lauras Leben sind Isabel (Brooke Markham) und Gustavo (Sean Marquette). Auch mit ihrer Mom (Julie Summers) versteht sie sich prächtig. Der Film beginnt damit, dass während der Vorlesung bekanntgegeben wird, dass die Mitschülerin Marina Mills (Liesl Ahlers) Selbstmord begangen haben soll. Sie hat ihren eigenen Suizid (Erhängen und Verbrennen) per Video aufgenommen und ihn auf Facebook gestellt. Der Lehrer rät den Studenten dringend diesen Clip nicht anzuschauen, man habe ihn auch schon vom Netz entfernt. Wie versteinert hat Laura diese Nachricht aufgenommen, denn sie war es, die erst vor wenigen Tagen Kontakt mit der stillen Marina aufgenommen hat, die auf Facebook keinen einzigen Freund verzeichnen konnte. Doch das introvertierte Mädchen ist sonderbar, sie hat auf ihrer Seite lauter verstörende Horror-Elemente, teilweise selbst gemacht und selbst verfilmt. Lauras Freunde raten, dass der Kontakt sofort abgebrochen werden soll, sie halten Marina für psychisch schwer krank. Zuerst scheut Laura diesen Schritt, denn immerhin hat sie Marina auf ihre Geburtstagsparty eingeladen. Und jetzt wieder ausladen ? Doch sie tut es. Mit ungeahnten Folgen. Marina sieht im Netz die Bilder der ausgelassenen Geburtstagsparty und macht Laura am anderen Tag auf dem Campus eine riesige Szene. Daraufhin löscht Laura Freundschaft auch auf Facebook und damit bricht für die einsame Aussenseiterin eine Welt zusammen....

Verhoeven zeigt nun wieder die Anfangsszene im Vorlesesaal und nun geht die Geschichte in Runde Zwei, die leider nicht ganz so überzeugend bleibt wie der fulminante und verstörende Anfang. Leider gibts mal wieder an Schreck-Sequenzen zu viele und die Innovation verringert sich durch die vielen bekannten Verweise auf andere Horrorfilme. Immerhin sind die Darsteller aber gut gewählt. Und Verhoeven wertet den Film auch immer mal wieder mit guten visuell faszinierenden Szenen auf. Man bedauert vielleicht, dass der Regisseur nicht den Mut hatte einen eigenen Weg nach der gelungenen Rückblende zu wählen und etwas zu sicher auf konventionelle Spukeffekte setzte, statt weiter verstörende Widerhaken zu setzen. Dennoch ist "Unfriend" ein lobenswerter Beitrag im zu stark unterrepräsentierten deutschen Horrorfilm.


Stonewall
Stonewall
DVD ~ Jonathan Rhys Meyers
Preis: EUR 11,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Junge vom Land als Zeitzeuge vom Gay Pride Auftakt..., 27. Juni 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Stonewall (DVD)
Für die Gay Community sind die Stonewall-Unruhen ein symbolisch bedeutsames Ereignis. Dort vor und in der Szene-Bar Stonewall Inn fand in der Nacht vom 27. Juni zum 28. Juni 1969 wie so oft eine Razzia der New Yorker Polizei statt. In den 60er Jahren war dies an der Tagesordnung, die Polizisten gingen sehr aggressiv und gewalttätig gegen die "perversen Schwucheln" vor. Sie wurden nicht selten verprügelt und verhaftet. Als die Identität feststand wurde dies in einigen Fällen auch öffentlich gemacht, um Nachahmer abzuschrecken. Eine Anklage wegen unsittlichem Verhalten war die Folge. Das "Stonewall Inn" war eine der wenigen Bars mit homosexuellem und Transgender Publikum und lag in der Christopher Street an der Ecke der 7th Avenue im Greenwich Village.

Diese Nacht verlief aber anders als sonst - denn erstmalig setzte sich eine große Gruppe zur Wehr und widersetzte sich gegen die Verhaftung. Heute wird an dieses Ereignis jedes Jahr mit dem weltweit stattfindenden Christopher Street Day erinnert. Dieser Aufstand wird alws Wendepunkt der Schwulen- und Lesbenbewegung angesehen - es war der Auftakt für die heutigen Errungenschaften der Community in Sachen Gleichbehandlung und Anerkennung. Das Schicksal wollte es vielleicht auch, dass genau an diesem Abend besonders viele Schwule in New York waren - denn an diesem Tag fand dort die Beerdigung der Schwulenikone Judy Garland statt. Erst nach 5 Tagen konnte die aufgeheizte Stimmung dort beruhigt werden.

Nun hat Kommerzregisseur Roland Emmerich, der sonst für seine Blockbuster wie "Independence Day", "The Day after Tomorrow" oder "10.000 Years B.C." beliebt wie berüchtigt ist nach dem interessanten Historienfilm "Anonymous" mit "Stonewall" einen weiteren für ihn sehr untypischen Film gedreht. Der Film bezieht sich auf diese Ereignisse - fiel aber bei der Kritik und beim Publikum total durch. Die Bewertung auf imdb fiel mit der Note 4,4/10 katastrophal aus. Der Grund wird sein, dass "Stonewall" als historische Aufbereitung der Ereignisse tatsächlich missglückt ist. Zu sehr steht die Coming out Geschichte eines "Small Town Boys" im Vordergrund. Aber dieser Part ist meines Erachtens durch die glaubwürdige Darstellung des attraktiven britischen Schauspielers Jeremy Irvine (spielt auch in Spielbergs "Gefährten" die Hauptrolle) emotional und gut gelungen. Die einzige Schwachstelle in dieser Coming Out Geschichte ist vielleicht, dass Emmerich seinen tragischen Helden Danny Winters den ersten Stein bei den Unruhen werfen lässt.

Danny Winters (Jeremy Irvine) ist ein Countryboy aus der Provinz im Bundesstaat Indiana. Dort herrscht ein konservatives Klima, geprägt auch vor der sehr starken religiösen Einstellung der Menschen. Dannys Vater (David Cubit) ist zudem noch der Trainer der Footballmannschaft. Und er befürchtet, dass gerade sein Sohn homosexuelle Neigungen haben könnte. Natürlich läuft sowas aber heimlich ab - Danny trifft sich mit seinem Schulfreund Joe Altman (Karl Glusman) heimlich zum gemeinsamen verbotenen Sex. Eines Nachts werden die beiden von zwei Freunden in Flagranti im Auto erwischt. Dies zieht katastrophale Konsequenzen mit sich. Sam, der Quarterback, muss sich von Danny distanzieren und redet sich mit zuviel Alkohol heraus. Aber Danny verlässt die Kleinstadt. Es fällt ihm wegen seiner Mutter (Andrea Frankle) und vor allem wegen seiner geliebten Schwester Phoebe (Joey King) sehr schwer. Der Junge will in New York die Schule beenden und landet natürlich in Greenwich Village. Aufgrund seines guten Aussehens bekommt er natürlich sehr schnell Kontakt mit den Schwulen, die dort - teilweise auch auf der Straße - leben. Vor allem der sehr weibliche Ray (Jonny Beauchamp), der sich Ramona nennt und auf den Strich geht, kümmert sich um das naive Landei. Er lernt viele schillernde Paradiesvögel (Caleb Landry Jones, Ben Sullivan, Vladimir Alexis, Alex C. Nachi, Patrick Garrow, Otoja Abbit) kennen, auch was fürs Herz (Jonathan Rys Meyers) und einen üblen Zuhälter (Ron Perlman). Als Danny und seine Freunde an einem schönen Sommerabend wiederholt von der Polizei diskriminiert, grausam schikaniert und belästigt werden, machen die Gäste des Clubs ihrem Ärger darüber Luft. Als erstes geht ein Fenster zu Bruch...

und es kommt zu dem bedeutsamen Ereignis. Roland Emmerich hat die Geschichte so aufbereitet, dass sie auch von einem normalen Heteropublikum akzeptiert werden könnte. Er hat jedoch nicht mit der riesigen Kritik seitens der Community gerechnet. Viele Kritiker vermissten die Vielfalt in den sexuellen Orientierungen und Rassen. Ein weißer Junge wird zum Helden der Bewegung gemacht. Man fand das nicht besonder authentisch, denn viele Schwarze und viele Transsexuelle waren an diesem Aufstand beteiligt. Man sah diese im Film unterpräsentiert. Aktivisten riefen zum Boykott des Films aus. Diese Nichtakzeptanz - ausgelöst durch die Community -sowie die Vergabe eines R-Ratings in den USA (erst ab 17 Jahren freigegeben - vor allem weil im Film Sex, Gewalt, Drogen und vulgäre Ausdrücke vorkommen) machten es "Stonewall" sehr schwer. Dabei hat dieser Schwulenfilm auch seine unbestreitbaren Qualitäten - auch wenn er mit einer gewissen Künstlichkeit und mit einigen Klischees aufwartet. Er ist auch irgendwie kitschig an gewissen Stellen - bleibt aber dennoch immer charmant und konsequent emotional. Er zeichnet seine Figuren - vor allem auch die Streetkids, die ohne Perspektive in den Tag leben und auch ins kriminelle Milie abdriften - mit der notwendigen Würde. Jeremy Irvine und Jonny Beauchamp liefern überzeugende Darstellungen ab.


El Perdido (Edition Western-Legenden #16)
El Perdido (Edition Western-Legenden #16)
DVD ~ Rock Hudson
Preis: EUR 12,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das hübsche Mädchen im gelben Kleid...., 26. Juni 2016
Regisseur Robert Aldrich ließ kein gutes Haar an seinem 1961 gedrehten Film "El Perdito" (Original: The Last Sunset). Er gab zum einen die Schuld Kirk Douglas, der nicht nur der Hauptdarsteller war, sondern den Film auch mitproduzierte - und in dieser Eigenschaft mischte er sich oft in die Regie ein und soll den Film im Schnitt völlig zerstört haben. Auch mit Drehbuchautor Dalton Trumbo war Aldrich äusserst unzufrieden. Er warf ihm mangelnde Motivation vor.

Trumbo, der berühmte amerikanische Drehbuchautor, gehörte in den späten 40er Jahren zur Gruppe der sogenannten Hollywood Ten - unter Berufung auf den fünften Zusatzartikel der US-Verfassung weigerten sie sich vor dem Komitee für unamerikanische Umtriebe auszusagen. Als Konsequenz gabs Geld- oder Haftstrafen und Berufsverbot. Daher verbrachte er nicht nur einige Monate im Knast, sondern wurde auf eine schwarze Liste gesetzt. Trumbo musste jahrelang unter Pseudonym arbeiten. Er bekam zwar zwei Oscars für die besten Storys in "Ein Herz und eine Krone" und "Roter Staub" - aber sein Name wurde nie genannt. Erst Jahre später wurde seine Urheberschaft auch offiziell anerkannt. Durch den Einfluß des linksliberalten Superstar Kirk Douglas bekam er unter eigenem Namen Anfang der 60er Jahre wieder Arbeit. Auch Otto Preminger hatte Trumbo versprochen, ihn offiziell als Drehbuchautor für den Film "Exodus" zu nennen. Aldrich hatte das Gefühl Trumbo würde "El Perdito" vernachlässigen und sich viel mehr auf den Preminger Film zu konzentrieren.
Dennoch geht Aldrich mit seinem Film viel zu hart ins Gericht. Aldrich, der aus seiner Kritik am Hollywoodsystem nie einen Hehl machte, überzeugte durch unübliche kritisch-direkte Themen und brisante gesellschaftliche Fragen. Und so gestaltet ist auch dieser ungewöhnliche Western, dessen einzige Schwachstelle m.E. die Gesangseinlagen von Kirk Douglas mit einem mexikanischen Gesangstrio ist. Ansonsten ist das ein klasse Western, der reichlich unterbewertet in seinem Genre ist und als griechische Tragödie angelegt ist. Trumbos Drehbuch bietet schon einiges: Zum Beispiel eine Liebesgeschichte zwischen Vater und Tochter.
Das Grundgerüst der Geschichte ist allerdings in der Westernsparte weit verbreitet und beliebt. Ein Gesetzesmann und ein Bandit sind gemeinsam unterwegs. In dieser hindernisreichen Reise gibts viele Gefahren in der Gestalt von Banditen, Indianern, Naturkatastrophen und vor allem durch die zwei mitfahrenden Frauen.

Seit längerer Zeit wird der Herumtreiber, Revolverheld und Frauenheld Brendan O'Malley (Kirk Douglas) von einem gewissen Dana Stribling (Rock Hudson) verfolgt. Aus gutem Grund: Nicht nur dass er steckbrieflich gesucht wird, Stribling hat auch eine persönliche Rechnung mit O'Malley offen. Denn dieser hat Striblings Schwager ermordet und er gibt ihm auch die Schuld für den Selbstmord seiner Schwester. Doch inzwischen hat O'Malley mexikanischen Boden erreicht. Also offiziell ist der Haftbefehl dort ungültig. Dennoch gibt Stribling die Suche nicht auf. Er taucht auf der Ranch des alten und verbitterten Alkoholikers John Brekkenridge (Joseph Cotten) auf. Dieser hat eine große Rinderherde, die er über die Grenze nach Texas treiben lassen will. Er will dort mit seiner jüngeren Frau Belle (Dorothy Malone) und der 16jährigen Tochter Missy (Carol Lynley) eine neue Existenz aufbauen. Für den Treck kommt daher O'Malley wie gerufen. Und dieser ist nicht nur rein zufällig dort aufgetaucht. Denn Mrs. Brekkenridge war als junges Mädchen seine Geliebte. Bald taucht auch Stribling auf, der viel vom Viehtreck versteht und sich auch von dem Rancher engagieren lässt. So beginnt eine gefahrvolle Reise, wo die Reisenden alle ihre eigenen Absichten verfolgen. Am Ende soll ein Duell der beiden Kontrahenten stehen, denn O'Malley hat zwar versprochen mit nach Texas zu kommen. Aber von Stribling gefangen nehmen lassen wird er sich auf keinen Fall....

So steht am Ende dann wieder ein unausweichliches Duell von zwei grundverschiedenen Männern. Rock Hudson spielt den sensiblen Typen, der einem verwaisten Kalb wieder auf die Beine hilft. Kirk Douglas dagegen spielt einen innnerlich zerissenen Mann, der nur schwer seine Aggressionen im Zaun halten kann. Besonders wird dies in einer Szene sichtbar als er vor lauter Wut einen Hund würgt, um seinen Frust abzureagieren. Er hat aber vor ein neues Leben mit seiner damals angebeten Geliebten zu beginnen und geht mit Brekkenridge sogar eine Wette ein, dass er am Ende des Trecks nicht nur ein Fünfel der Herde will, sondern auch dessen Ehefrau bekommt. Mit schallendem Gelächter geht der Rancher sogar auf diese ungewöhnliche Wette ein. Doch die Reise offenbart o'Malley die brutale Tatsache, dass auch Stribling eine Auge auf Belle geworfen hat...als die heranwachsende Tochter im gelben Kleid der Mutter erscheint, dass O'Malley von früher kennt und ihre Liebe gesteht, gibt er diesen Avancen begeistert nach. Doch die Tragödie offenbart sich erst im Schlußteil des Films. Ohne Perspektive geht O'Malley ins Duell. Und auch sein Kontrahent hat eine andere Seite des Verfolgten kenenngelernt und meint am Ende "Man kann keinen länger hassen, wenn man ihn erst näher kennt". Für beide Hollywoodstars bietet der Aldrich Film eine gute Rolle - am meisten beeindruckt jedoch die junge Carol Lynley, die man später noch in den beiden Preminger Filmen "Der Kardinal" und "Bunny Lake ist verschwunden" sah und hier als 16jährige Missy eine ganz starke Frauenfigur - trotz des jugendlichen Alters - verkörpert.


The Danish Girl
The Danish Girl
DVD ~ Eddie Redmayne
Preis: EUR 11,19

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Einar und Lili...., 26. Juni 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Danish Girl (DVD)
Vorsicht Spoiler: Nach seinem Oscarsieg mit "The Kings Speech" und dem nicht weniger erfolgreichen Film-Musical "Les Miserables" gelang Tom Hooper mit "The Danish Girl" nun sein dritter kommzieller Filmerfolg. Obwohl die tragische Geschichte der dänischen Malerin Lili Elbe eher schwere Kost bedeutet, fand Tom Hooper eine sehr publikumswirksame Aufbereitung des Stoffes. Lili Elbe, die am 28. Dezember 1882 in Velje (Dänemark) als Einar Mogens Wegener geboren wurde, verstarb im Alter von 48 Jahren am 12. September 1931 in Dresden nach einer Geschlechtsoperation.

Lilis bzw. Einars Geschichte ist auch die Geschichte von Gerda Wegener geb. Gottlieb, die im Jahre 2004 den Maler Einar kennenlernte und ihn heiratete. Dabei ließ Tom Hooper eher verstörende Elemente aus der Geschichte weg und so wird im Film die Tatsache verschwiegen, dass Einar Wegener sowohl mit männlichen als auch mit weiblichen Geschlechtsorgangen geboren wurde. Wegener war daher nicht transsexuell, sondern intersexuell. Im Film wird dies dahingehend verändert, dass Einar und Gerda eine scheinbar ganz normale Ehe als Mann und Frau führen. Auch Gerdas lesbischen Anteile kommen im Film nicht vor. Durch diese Angleichung an die Norm erreicht Hooper natürlich beim Kinopublikum eine höhere Identifikation und eine größere Akzeptanz der Geschichte.
Mit den beiden Hauptdarstellern Eddie Redmayne und Alicia Vikander verbuchte der Regisseur einen unschätzbaren Glücksgriff, denn die Leistungen beider Schauspieler sind großartig - auch wenn Redmayne gelegentlich etwas zu künstlich und übertrieben agiert. Aber dies sei ihm verziehen, angesichts vieler großen Szenen. Wobei die schwedische Senkrechtstarterin Alicia Vikander sogar noch mehr überzeugt - dafür gabs auch gerechterweise einen Oscar als beste Nebendarstellerin, auch wenn ihre Rolle streng genommen eine echte Hauptrolle ist.
Im Film wirkt die Geschichte, die sich in den Jahren 1904 bis 1930 abspielt, sehr gestrafft und erst durch die Recherche über die echte Lili Elbe wird bewusst, dass sich die Veränderung dieser Ehe und die Entwicklung von Einar zu Lili über Jahrzehnte vollzogen hat. Im Film selbst vollzieht sich dies viel schneller.

Einar Wegener (Eddie Redmayne) ist zunächst der größere und angesehenere Maler. Seine Frau Gerda (Alicia Vikander) hat da schon mehr Probleme, sie malt zwar gut - aber irgendwie fehlt ihr das große Thema. Als eines Tages Gerdas Modell ausfällt, bittet sie ihren Mann darum in die Frauenkleider zu schlüpfen. Mit ungeahnten Folgen - Einar entdeckt einen versteckten Reiz, der sich bald zum Wunsch verstärkt immer öfter Frauenkleider anzuziehen. Doch dies genügt nicht - als das bislang sehr glückliche Paar auf eine Künsterparty eingeladen wird, richtet Gerda ihren Ehemann als Einars Cousine "Lili" her. Und der als Frau verkleidete wirkt so anziehend, dass er mit dem attraktiven Henrik (Ben Whishaw) gleich einen Verehrer gewinnen kann, der einen Kuß einfordert. Diese neuen Gefühle machen Angst, doch dieses Rollenspiel wird immer dominanter und die weibliche Seite bekommt immer mehr Oberhand. Gerda kann künsterlisch zuerst von der Neigung ihres Mannes profitieren - ihre Bilder, die "Lili" zeigen, werden hochgelobt. Kein Mensch weiß, dass hinter dem Modell "Lili" Ehemann Einar steckt. Ein Psychiater erkennt ein schizophrenes Muster und obwohl Gerda immer zu ihrem Mann hält, wird die Entwicklung ihres Mannes hin zu "Lili" in der privaten Gemeinsamkeit zur Zerreißprobe. Um näher an das Problem zu kommen, macht sie ein Treffen Einars mit seinem Jugendfreud Hans Axgil (Matthias Schoenartz) möglich. Im Februar 1930 entscheidet sich Lili sich im Institut für Sexualwissenschaft von Magnus Hirschfeld in Berlin von dem angesehen Gynäkologen Kurt Warnekos (Sebastian Koch) operieren zu lassen. Sie will auch körperlich nur noch Frau sein. Doch die Operation gilt als sehr gefährlich...

und bis zum Schluß bleibt Gerda an Lilis Seite. Was aber auch nicht den Tatsachen entspricht, da die Ehe bereits 1930 von dänischen König annuliert wurde und Gerda bereits zu Lilis lebzeiten den wesentlich jüngeren Offizier und Piloten Fernando Porta ehelichte und mit ihm in Marocco lebte. Dort erfuhr sie auch vom Tod Lilis in der Dresdner Frauenklinik nach einer Uterustranplanation. Im Film wird dies auch zugunsten eines dramaturgisch starken Abgangs und Abschieds verschwiegen. Aber ich denke man sollte Tom Hooper für diese Freiheiten nicht allzu sehr kritisieren. Denn selbst in dieser glatteren Version ist die Geschichte einer Frau, die im falschen Körper wohnt, stellenweise sehr niederziehend, hoffnungslos und traurig. Man ahnt, dass dieses Dilemma sicher nicht in ein Happyend mündet. Erwahenswert ist die Klasse von Szenenbild und Ausstattung. Auch Kameramann Danny Cohen, für Kings Speech ebenfalls mit dem Oscar belohnt, liefert eine überzeugende Leistung ab. In einer Nebenrolle ist Horror-Ikone-Girl Amber Heard zu sehen.


Blackmail - Erpressung
Blackmail - Erpressung
DVD ~ Anny Ondra
Preis: EUR 8,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Rendezvous mit bösen Folgen..., 23. Juni 2016
Rezension bezieht sich auf: Blackmail - Erpressung (DVD)
In Sachen Tonfilm waren die Amerikaner Ende der 20er Jahre schon viel weiter als die Europäer. Seit 1927 wurden in den USA immer mehr Tonfilme produziert, aber Europa begann erst 1929 mit ernsthaften Versuchen sich an den neuen gesprochenen Film heranzuwagen. Auch "Blackmail" (Deutscher Titel: Erpessung) von Alfred Hitchock wurde zu seiner Zeit sowohl in einer stummen als auch in einer Tonfilm Version hergestellt. In einer Zeit, in der erst wenige Kinos über eine Abspielmöglichkeit für die Tonspur verfügten, war die Stummfilmversion beim Kinoeinsatz auch die wesentlich populärere Version.

Anfangs war "Blackmail" ja auch als Stummfilm geplant und die ersten Szenen kommen sogar auch in der Tonfilmfassung weitestgehend ohne Sprache aus. Hitchock selbst ging also sparsam mit dem Ton um, aber er setzte diese neue Möglichkeit als dramaturgisches Mittel sehr effektiv um. So gibt es eine geniale wie typische Szene, wo ein Schrei zwei Szenen mit einander geschickt verbindet und sehr bekannt ist auch die Szene mit einer geschwätzigen Nachbarin der Famlie White, die unentwegt quasselt und wo Alice White aus dem Gerede immer nur das Wort "Messer" heraushört. Zweifelsohne die Tatwaffe in diesem raffiniiert komponierten Kriminalfilm. Berühmt auch die Verfolgungsjagd im Britischen Museum, in der Hitchcock auch Trickaufnahmen verwendete. Nicht zu vergessen der geniale Cameo-Auftritt des Meisterregisseurs in einem Zug. Er wird dabei von einem rotzfrechen Jungen, der mit seiner Familie auf der Bank nebenan sitzt, geärgert, indem der Junge dem Fahrgast gegenüber den Hut ins Gesicht presst. Hitch guckt böse, der Junge wendet sich wieder seiner Familie zu, die nichts bemerkt hat und kommt in der nächsten Sekunden wieder dem Fremden sehr nahe, man denkt, der Junge wiederholt seinen Spass.

In "Blackmail" hat jeder der Hauptfiguren irgendwie etwas auf dem Kerbholz. Alice Walker (Anny Ondra) beispielsweise - eine hübsche junge Frau, die mit dem aufstrebenden Inspektor Frank Webber (John Longden) so gut wie verlobt ist. Ihre Eltern (Sara Allgood/Charles Patton) haben ein Tabak- und Zeitungsgeschäft im Londoner Stadtteil Chelsea. Die jungen Verliebten haben immer mal wieder Meinungsverschiedenheiten, weil Frank sich beruflich so engagiert zeigt und Alice das Gefühl hat, vernachlässigt zu werden. So flirtet sie auch mal gerne mit anderen Männern und verabredet sich mit dem Maler Crewe (Cyril Richard), der sie am späten Abend noch in seine wohnung einlädt. Doch der will mehr als nur ein Flirt und als er zudringlich wird und sie versucht zu vergewaltigen, ersticht sie ihn aus Notwehr und flieht aus der Wohnung. Ausgerechnet Frank mit dem Mordfall betraut und dann gibt es noch einen Zeugen. Dieser Mr. Tracy (Donald Calthrop), ein kleiner mieser Schurke, sah wie Alice aus der Wohnung kam. Grund genug für ihn aus seinem Wissen Kapital zu schlagen. Doch Frank hat auch kriminelle Energien, wenn es darum geht, seine zukünftige Verlobte zu schützen....

Ich finde ja Hitchcocks frühe englische Filme sehr gut. Allen voran natürlich die beiden Meisterwerke "Die 39 Stufen" und "Eine Dame verschwindet". Aber auch seine anderen Filme dieser Zeit haben den berühmten Hitchcock Touch - eine virtuose Variaton von Spannungselementen, meistens dreht sich die düstere Geschichte um mehr oder weniger unschuldige Verdächtige. Auch Alice kommt ja in diese Bredouille, als sie plötzlich merkt, dass aus einem Flirt ihr Gegenüber plötzlich sexuell aggressiv reagiert. Die Story kennt keinen absoluten Bösewicht - doch ambivalente Figuren, weil keiner völlig schuldlos bleibt. Dies macht "Blackmail" sehr interessant und durchgehend spannend.


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