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Beiträge von Tristram Shandy
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Rezensionen verfasst von
Tristram Shandy

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A Touch of Zen (1970) [Masters of Cinema] 2 Disc Dual Format Edition (Blu-ray & DVD) [UK Import]
A Touch of Zen (1970) [Masters of Cinema] 2 Disc Dual Format Edition (Blu-ray & DVD) [UK Import]
DVD ~ King Hu
Wird angeboten von dodax-shop
Preis: EUR 14,96

5.0 von 5 Sternen Ein meisterhaftes Triptychon des Wuxia-Films, 23. Juli 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
King Hus Filmepos „Xiá Nü“, was in etwa „Heldenfrau“ bedeutet, jedoch mit „Ein Hauch von Zen“ ins Deutsche übersetzt wurde, dürfte wohl einer der berühmtesten und atemberaubendsten Filme aller Zeiten sein. Die eigentlichen Dreharbeiten dauerten von 1968 bis 1971, und meines Wissens hat man nach dem Bau eines der Schauplätze des Filmes, des angeblich von Geistern heimgesuchten Forts, dort Gras eingesät und jahrelang gewartet, bis dieses die gewünschte Höhe hatte. Der Effekt – die hüfthohen Gräser mit den pinselartigen Köpfen, die sich im Wind bewegen – ist denn auch einzigartig.

Alles an „Xiá Nü“ ist opulent und monumental und von verwunschener Schönheit, und gleichzeitig fühle ich mich von dem Film immerzu an Sergio Leones Meisterwerk „C’era una volta il West“ (1968) erinnert – einen Film, dem ebenfalls ein langsames Tempo zugrunde liegt und der seine eigene visuelle Ästhetik entwickelt hat. [1] Wie bei Leones Westernklassiker, so dauert es auch in „Xiá Nü“ mehrere Minuten, bis überhaupt jemand ein Wort spricht, denn zu Beginn sehen wir eine Spinne auf ihr Opfer lauern, der im Film allgegenwärtige Nebel durchfließt das Spinnennetz, und dann begleiten wir den bescheidenen Schreiber Gu Shenzai (Chun Shih), der noch bei seiner Mutter, einer patenten, aber dominanten alten Dame, lebt, zu seiner Arbeit. Hier wird er dem geheimnisvollen Ouyang Nian (Tien Peng) begegnen – in Westernmanier wirft dieser Bösewicht oftmals einen langen Schatten über die Szenerie oder andere Figuren, wann immer er auftritt –, der auf der Suche nach jemandem zu sein scheint. Als er abends nach Hause kommt, erfährt er, daß nebenan, in das von Geistern heimgesuchte Fort eine junge Frau, Yang Huizhen (Hsu Feng), eingezogen ist und daß seine Mutter schon Pläne hinsichtlich einer Heirat zwischen ihrem Sohn und der Unbekannten schmiedet. Bald allerdings muß er erfahren, daß Yang Huizhen das Opfer einer Palastintrige ist und daß sie sich, zusammen mit den ihr treu ergebenen Generälen Shi (Bai Ying) und Lu (Xue Han) auf der Flucht befindet, während Ouyang Nian einer ihrer Häscher ist.

Laut dem Filmkritiker Tony Ryans erzählt „Xiá Nü“ nicht nur die Geschichte der Yang Huizhen, sondern handelt auch von der Überlegenheit des Zen-Buddhismus über die Dao-Philosophie, und da ich von diesen Dingen nichts verstehe, bin ich geneigt, Ryans vorbehaltlos zu glauben. Der Film zerfällt in drei Teile, deren jeder von einer eigenen Stimmung getragen wird. Der erste Teil konzentriert sich vor allem auf den Antihelden Gu, ein scheinbar antriebsloses Muttersöhnchen, der sich in seine neue geheimnisvolle Nachbarin verliebt und der gleichzeitig erkennt, daß sie – hier bekommt das Eingangsbild der Spinne einen Sinn – im Zentrum einer Intrige steht. Gegen Ende dieses ersten Teils ergreift der bis dahin passive Gu die Initiative, doch wird er von seinem Gegenspieler Ouyang mit Leichtigkeit beiseite gestoßen, und es entspinnt sich ein Schwertkampf zwischen Ouyang und Yang Huizhen, dem wir aus Gus Perspektive beiwohnen. Für einen Wuxia-Film ist es sicher sehr gewagt, daß eine gute Stunde vergeht, bevor zum ersten Male die Klingen gekreuzt werden, doch King Hu inszeniert diese erste Stunde so spannend, daß keine Langeweile aufkommt, und der nun ausbrechende Kampf wird meisterhaft choreographiert. Der zweite Teil des Filmes konzentriert sich nun auf die Titelheldin, der Gu sich allerdings als Stratege zur Verfügung stellt, sobald er ihre Geschichte erfährt. Im Zentrum dieses zweiten Teiles stehen zwei ausgedehnte Kampfszenen – einmal der berühmte Kampf im Bambuswald und dann die nächtliche Schlacht um das Fort, die durch Gus Taktik zugunsten der Heldin entschieden wird. Eindrucksvoll ist hier vor allem auch die Sequenz, in der der triumphierende Gu mit einem Male erkennt, welchen Tribut an menschlichem Leben sein siegreicher Plan gefordert hat. Der dritte und letzte Abschnitt des Filmes wird steht dann im Zeichen eines mythischen Kampfes zwischen Gut und Böse, repräsentiert von dem buddhistischen Abt Hui-Yuan (Roy Chiao) und dem verkommenen General Xu (Han Ying-jie), und hier überwiegen mehr und mehr die übersinnlichen Elemente, die auch in den beiden ersten Teilen schon ihren Anklang finden.

„Xiá Nü“ basiert auf einer alten chinesischen Geistergeschichte, die sehr kurz ist, jedoch von King Hu auf stimmige Weise zu einer epischen Heldengeschichte mit einer weiblichen Hauptperson ausgebaut wurde. Die Schwertkampfszenen werden auf eine beinahe magische Weise inszeniert, die mehr mit elegantem und leichtfüßigem Tanz als mit blutigen Gemetzel gemein hat, und während des gesamten Filmes kann sich das Auge an den Farben, den Symbolen und den Eigenheiten der Schauplätze ergötzen, so daß man als Zuschauer eher den Eindruck hat, man betrachte ein lebendiges Gemälde als einen Film.

Aus diesem Grunde würde ich dem Käufer auch unbedingt die englische Eureka-Ausgabe aus der Reihe „Masters of Cinema“ empfehlen, die den Regionalcode 2 hat und den Film in einer sehr gut restaurierten Fassung mit neuen englischen Untertiteln bietet. Für fünf relativ lange Abschnitte gibt es auch Audiokommentare des englischen Filmexperten Tony Ryans. Gleichfalls liegt dieser Ausgabe ein sehr informatives Booklet bei.

[1] Beim Ansehen des Filmes mußte ich allerdings auch des öfteren an den japanischen Meister Akira Kurosawa denken, denn King Hu versteht es, wie dieser, vortrefflich, den Wind als bewegendes Motiv zu inszenieren, was insbesondere bei den Gräsern für großartige Effekte sorgt.


Nokia Thermo - Intelligentes Schläfenthermometer
Nokia Thermo - Intelligentes Schläfenthermometer
Preis: EUR 98,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Sehr neugierige App, 20. Juli 2017
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Das Nokia Smart Temporal Thermometer selbst gefällt mir ausgesprochen gut. Schon die Verpackung läßt erahnen, daß man es mit einem hochwertigen Gebrauchsgegenstand zu tun hat, und das Thermometer selbst ist handlich und sofort gebrauchsfertig, denn zwei AAA-Batterien sind im Lieferumfang bereits enthalten. Zum Messen muß man einfach die grüne Schutzkappe entfernen und sich das Thermometer an die Schläfe halten, woraufhin man in wenigen Sekunden ein anscheinend genaues Meßergebnis auf dem Display hat. Auch mehrere unmittelbar aufeinanderfolgende Mesungen ergeben nur minimale Abweichungen, so daß davon ausgegangen werden kann, daß dieses Thermometer verläßliche Werte liefert. Hier gibt es wahrlich nichts zu beanstanden.

Schon ganz anders sieht es allerdings mit den Rahmenbedingungen aus, unter denen man dieses Gerät nutzen kann. Dieses Thermometer wird nämlich mit einer dazugehörigen App benutzt – ich weiß gar nicht, ob es überhaupt ohne App betriebsfähig ist, da ich zuallererst die App installiert habe –, und diese App möchte einiges über ihre Benutzer – das Thermometer kann von acht verschiedenen Menschen verwendet werden – wissen: Größe, Gewicht, Geburtsdatum, Standort. Warum nun ein Thermometer mit diesen Werten gefüttert werden muß, weiß ich auch nicht, denn die Tipps, die die App im Fieberfalle gibt, kann man sich auch mit gesundem Menschenverstand erschließen. Der einzige Nutzen, der mir in diesem Zusammenhang auffällt, ist die Möglichkeit, bei Kindern die Wirkung fiebersenkender Mittel im Auge zu behalten. Ich für meinen Teil stehe einer derart auf Datensammeln bedachten App jedoch sehr skeptisch gegenüber und halte sie eigentlich für unnötig.

Deshalb kann ich auch nur ein durchwachsenes Urteil über dieses an sich gute, aber mit einer neugierigen App gekoppelte Fieberthermometer abgeben.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 16, 2017 5:45 PM MEST


Kärcher OC 3 Mobile Outdoor Cleaner inkl. Adventure Box, mit Lithium-Ionen-Akku und Wassertank
Kärcher OC 3 Mobile Outdoor Cleaner inkl. Adventure Box, mit Lithium-Ionen-Akku und Wassertank
Preis: EUR 154,90

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eine gute Idee, aber es besteht noch Verbesserungsbedarf, 20. Juli 2017
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Eigentlich ist der OC3 Mobile Outdoor Cleaner von Kärcher eine gute Idee, denn es gibt ja häufig diese Momente, in denen man total verdreckte Fahrräder, Hundepfoten oder Kinderspielsachen vor sich hat, denen man nicht unbedingt mit Eimer und Schwamm zu Leibe rücken möchte. Auch ist nicht immer fließendes Wasser zugänglich – z.B. wenn man Fahrräder nach einer Tour unterwegs ins Auto laden möchte. Deshalb halte ich ein solches Reinigungsgerät – ganz besonders, wenn es nicht mit einem Hochdruckstrahl arbeitet – für absolut sinnvoll.

Kärcher hat diese tolle Idee allerdings leider meiner Meinung nach mit gewissen Schwächen umgesetzt, die ich gleich anfangs nennen möchte, weil einige von ihnen für mich zu einer 3-Sterne-Bewertung geführt haben. Zum einen ist da das Fassungsvermögen des Wassertanks von vier Litern. Bei zwei Litern Wasser, die pro Minute ausgestoßen werden, ist der Tank nach etwa zwei Minuten schon leer, was immer dann ein Problem sein kann, wenn man nicht einmal gerade zum Wasserhahn gehen kann – wie im einleitend von mir genannten Beispiel. Hier müsste ich es also schaffen, das Fahrrad oder die Fahrräder in zwei Minuten notdürftig zu reinigen. Das ist sicher möglich, verlangt aber eine durchdachte Herangehensweise. Ein größerer Wassertank wäre eine Lösung, aber gleichzeitig würde dies natürlich auch zu Lasten der Handlichkeit und Größe des Geräts gehen. So weit, so gut – hierfür ziehe ich deshalb noch keinen Stern ab.

Was mich aber doch enttäuscht hat – gerade, weil ich mit Kärcher sonst immer gute Erfahrungen gemacht habe –, ist die Tatsache, daß der Akku fest verbaut ist. Dies hat zwei gravierende Nachteile. Zum einen verliert das gesamte Gerät seinen Nutzen, wenn der Akku irgendwann seinen Geist aufgibt. Eine sowohl ökologisch als auch finanziell eher unbefriedigende Aussicht. Zum anderen muß man seine Arbeitsweise strikt dem Ladezyklus des Gerätes anpassen. Nach ca. 15 Minuten Laufzeit – in der Praxis hielt eine Akkuladung bei uns allerdings ein paar Minuten länger – muß ich das Gerät drei Stunden lang laden lassen, um wieder die volle Akkulaufzeit zu haben. Bei einem auswechselbaren Akku hätte ich die effektive Arbeitszeit bereits verdoppelt. Besonders unpraktisch – wenngleich vielleicht aus Sicherheitsgründen vorgeschrieben – ist allerdings, daß der Betrieb des Geräts im Ladezustand nicht möglich ist. Mit anderen Worten: Hängt der Reiniger am Stromnetz – als Aufladekabel gibt es nur einen Netzstecker –, dann kann man ihn nicht gleichzeitig nutzen.

Es sind diese Gründe, die mich zu der eher verhaltenen Sternebewertung führen, denn meiner Meinung nach schränken sie den Gebrauch des Gerätes in der Praxis stark ein. Dies ist umso bedauerlicher, als ich mit den Reinigungsergebnissen des Kärcher – immer eingedenk der Tatsache, daß es sich nicht, wie man der Produktbeschreibung auch entnehmen kann, um einen Hochdruckreiniger handelt – sehr zufrieden bin. Auch in der Handhabung gefiel mir dieser kleine Reiniger außerordentlich, und besonders praktisch finde ich, daß das mitgelieferte Zubehör (unter anderem eine nützliche Bürste, die man jedoch vorsichtig anwenden sollte) in einem abnehmbaren Fach unterhalb des eigentlichen Reinigungsgeräts leicht mitgeführt werden kann. Gleichfalls überzeugt bin ich von der Materialqualität.

Alles in allem komme ich bei diesem Gerät – so nützlich ich es prinzipiell auch finde – lediglich zu einem befriedigenden Urteil.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 29, 2017 1:55 PM MEST


Belkin Classic Pro Rucksack (15,6 Zoll, Laptop-Tasche) grau
Belkin Classic Pro Rucksack (15,6 Zoll, Laptop-Tasche) grau
Preis: EUR 49,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der perfekte Rucksack für technischen Schnickschnack, 20. Juli 2017
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Egal ob Laptop oder Tablet – der Belkin Classic Pro Rucksack bietet eine sichere und zuverlässige, daneben auch noch optisch ansprechbare Transportmöglichkeit für technische Geräte, die wir für unser tägliches Arbeitsleben mit uns führen müssen. Der graue Stoff wirkt seriös und edel, und in der Verarbeitung läßt sich absolut kein Fehler entdecken, denn alles ist ausgesprochen sorgfältig genäht.

Klappt man ihn auf, so hat man neben dem großen Hauptfach (Laptop) auf der Rückseite ein kleineres Fach, in dem sich ein Tablet verstauen läßt, sowie ein noch kleineres Fach und einen Platz für einen Stift. Auf der Vorderseite ist ein mit einem Reißverschluß verschließbares Fach für kleinere Gegenstände. Auf der Außenseite gibt es unten ein gut gepolstertes Reißverschlußfach, in dem sich Kabel und Ladegeräte unterbringen lassen. Oberhalb dieses Faches ist ein weiteres Fach mit einem senkrechten Reißverschluß, das ebenfalls für kleinere Gegenstände Platz birgt. Die Reißverschlüsse sind mit großen Plastiklaschen versehen, was sie leicht zu öffnen macht, und vielleicht – dies ist ein unangenehmer Nebeneffekt für einen Paranoiker wie mich – sollte man den Rucksack deshalb in größeren Menschenmenge vorsichtshalber abnehmen. Zum Tragen hat der Rucksack oben immerhin auch einen sehr stabil angebrachten Griff. Die Trageriemen sind natürlich größenverstellbar und ebenso wie die äußere Rückseite des Rucksacks mit einem atmungsaktiven Netzstoff ausgestattet.

Alles in allem ist dieser Rucksack wirklich praktisch, denn er bietet eine Vielzahl von Aufbewahrungsmöglichkeiten, hält durch die verschiedenen, sinnvoll gestalteten Fächer Ordnung, ist selbst recht leicht und sieht sehr gut aus. Ein wirklich schönes Produkt!


Die Plünderer
Die Plünderer
DVD ~ Jeff Chandler
Wird angeboten von the-dvd-house
Preis: EUR 6,69

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen A Country for Old Men!, 18. Juli 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Plünderer (DVD)
[Vorsicht Spoiler!]

Der Western ist ganz zweifellos ein Genre, in dem es immer auch um das Erwachsenwerden junger Männer geht und in dem infolgedessen gestandenen und erfahrenen Männern eine besondere Funktion als Rollenmodell zukommt. Ob nun in dem Westernklassiker schlechthin, „Shane“ (1953), in dem der Titelheld einen kleinen Jungen das Schießen lehrt und überhaupt zu seinem Helden wird, oder auch in Anthony Manns „The Tin Star“ (1957), in dem sich ein Kopfgeldjäger eines jungen Sheriffs annimmt und dabei selbst auch eine Menge über sich und das Leben (wieder)erlernt, oder in vielen anderen Western: Immer sind es ältere Kerle, die ihr Wissen an jüngere weitergeben, und die jüngeren verhalten sich in der Regel – abgesehen von einzelnen Episoden des Aufbegehrens – anstellig und lassen sich gern unterweisen.

In den späteren 50er und frühen 60er Jahren hingegen zeichnete sich ein anderer Trend ab. Ausgehend von Nicolas Rays bekanntem Film „Rebel Without a Cause“ (1955) – der heutzutage allerdings meiner Meinung nach wegen seiner hysterischen Larmoyanz nur schwer goutierbar ist – nahm Hollywood vermehrt jugendliche Rebellen in den Blick, wohl beeinflußt von der seinerzeit aufkommenden Diskussion um Jugendkriminalität und den deutlicher werdenden Generationenkonflikt, der dann in den 60er Jahren in all seiner Schärfe aufflammen sollte. Auch in den Western zogen diese aufmüpfigen, ach so unverstandenen Halbstarken ein – hier wäre als Klassiker wohl Arthur Penns „The Left Handed Gun“ (1958) zu nennen –, wobei sie aber in aller Regel nicht mit so viel Verständnis behandelt wurden. Auch der 1960 gedrehte „The Plunderers“ von Joseph Pevney, einem Regisseur, der mir nur noch durch den ebenfalls sehr sehenswerten Western „The Night of the Grizzly“ (1966) bekannt ist, reiht sich in diese „Juvenile Delinquency Westerns“ ein und liefert dabei ungeachtet der konservativen Antwort, die er auf das Dilemma gibt, eine großartige Sozialstudie seiner Zeit ab.

Zu Beginn des Filmes sehen wir vier jugendliche Cowboys in das verschlafene Nest Trail City einreiten. Hier scheint es beinahe nur noch müde alte Menschen zu geben, denn die Böden der umliegenden Farmen sind ausgelaugt und all diejenigen, die noch Unternehmungsgeist in sich verspürten, sind längst weitergezogen. In der Stadt gibt es genau ein einziges Kind, den Sohn der Hotelbesitzerin Kate Miller (Marsha Hunt), deren Mann im Bürgerkrieg gefallen ist, und eine junge Frau, Ellie Walters (Dolores Hart), die Tochter des ältlichen Gemischtwarenhändlers. Der in die Jahre gekommene Sheriff McCauley (Jay C. Flippen) sorgt für Recht und Ordnung, was angesichts der Monotonie, die sich über die Stadt gelegt hat, keine sonderlich gefährliche Aufgabe ist. Einzig Sam Christy (Jeff Chandler) ist ein Mann mittleren Alters. Dieser hat sich im Bürgerkrieg einen Ruf als entschlossener und listenreicher Anführer erworben, doch hat er seinen rechten Arm verloren, was für ihn gleichbedeutend mit dem Verlust seiner Männlichkeit zu sein scheint. Die vier Cowboys nun, die in Dodge City in einer Woche ihren gesamten Lohn verpraßt haben und anschließend aus der Stadt geworfen wurden, ergaunern sich eine Flasche Whisky und werden dann von Sheriff McCauley in Haft genommen. Dabei merken sie allerdings auch, wie sehr die Stadtbewohner darauf bedacht sind, sich nicht mit ihnen anzulegen, und es ist diese mangelnde Festigkeit im Auftreten der Städter, die den Anführer der Halbstarken, Jeb Tyler (Ray Stricklyn) auf die Idee bringt, die Menschen in Trail City einzuschüchtern und ein paar Tage auf ihre Kosten zu leben. Als der Sheriff, von den Menschen gedrängt, seine Pflicht zu tun, sich zum Handeln aufrafft und erschossen wird, richten sich die Hoffnungen aller nur noch auf Sam Christy, der sich eigentlich aus dem Konflikt heraushalten wollte.

„The Plunderers“ ist mehr als nur ein Juvenile Delinquency Western mit der klaren Botschaft, daß es für aufmüpfige Jugendliche kein Pardon geben dürfe. Er zeichnet eine Gesellschaft, die so lange von Herausforderungen aller Art verschont geblieben ist, daß ihre Angehörigen sich an die Vorstellung gewöhnt haben, jemand anderes werde schon im Augenblick der Gefahr für sie in die Bresche springen. Figuren wie der Salonbesitzer Mike Baron (James Westerfield) und der Händler Jess Walters (Vaughn Taylor) erscheinen zunächst einmal ob ihrer Krämerseelenmentalität und Feigheit abstoßend, und Pevney hebt dieses Duckmäusertum mit geschickten Mitteln auch oft visuell hervor – beispielsweise wenn die Kamera uns Bildausschnitte liefert, in denen wir Walters‘ ringende Hände, aber nicht sein Gesicht sehen. Auch die Hauptfigur Sam Christy scheint zunächst von dieser Zaghaftigkeit beseelt, denn obwohl er recht früh merkt, welche Richtung die Geschehnisse nehmen dürften, hält er sich aus dem Konflikt heraus, in der Meinung, all dies gehe ihn auf seiner Farm ohnehin nichts an.

Das Drehbuch entwickelt allerdings auch die Charaktere der jugendlichen Rebellen individuell und zeigt sehr nachvollziehbar, wie der Konflikt stufenweise eskaliert. Anführer Jeb ist, wie später deutlich wird, trotz seines kaltblütigen Auftretens eigentlich ein Feigling, der sich durch die Zahmheit der Städter eigentlich erst zu seinem maßlosen Verhalten herausgefordert fühlt. Seine rechte Hand, der Hüne Mule (Roger Torrey), ist aufbrausenden Temperaments und möchte stets seine Kühnheit unter Beweis stellen. Der Mexikaner Rondo (George Saxon), laut Christy der Gefährlichste, ist eigenartig zwielichtig: Er macht der jungen Ellie zunächst charmante Avancen, die indes von Anfang an schon bedrohlich wirken und spätere Ereignisse erahnen lassen, und spielt seine Gefährten, aber auch die Städter gegeneinander aus. Erst später erfahren wir, den Grund für seine Gewissenlosigkeit. Der jüngste der vier, Davie (Dee Pollock), ist wohl der schnellste Schütze unter ihnen, doch von Anfang an sieht er den sich abzeichnenden Konflikt mit Unbehagen.

Auch wenn „The Plunderers“ letztlich auf ein westerntypisches Ende zusteuert, in dem Recht und Ordnung rücksichtslos durchgesetzt werden und die jungen Männer ihre „Strafe“ erhalten, bleibt der Film ambivalent, denn die anfangs leisetreterischen Männer entwickeln sich, kaum daß sie die Oberhand haben, zu einem aggressiven Lynchmob, der nur durch Christys beherztes Auftreten in Zaum gehalten werden kann. In diesen wenigen Tagen habe, so Christys Stimme am Ende aus dem Off, ein jeder von ihnen allen etwas Neues über sich gelernt, und nicht alles davon – das suggeriert das Bild des aus der Saloontür auf die Straße schielenden Säufers Abilene (Joseph Hamilton), der sich den Halbstarken angedient hat – sei unbedingt schmeichelhaft gewesen.

Alles in allem ist „The Plunderers“ ein ausgezeichneter, hochgradig spannender B-Western, der von Pevney kunstvoll in Bilder übersetzt wird und mit eindringlichen, glaubhaften Charakterisierungen aufwartet. Nebenbei bemerkt ist er auch Chandlers fulminanter Abschied vom Westerngenre. Ein solcher Film gehört unbedingt in die Filmsammlung eines jeden Westernliebhabers! Die DVD ist nicht unbedingt überragend, bietet aber eine anständige Bild- und Tonqualität (Deutsch und Englisch) und muß Filminteressierte deshalb keineswegs vom Kauf abhalten.


They Shoot Horses Don?T They [DVD]
They Shoot Horses Don?T They [DVD]
DVD ~ Jane Fonda
Wird angeboten von dodax-shop
Preis: EUR 4,44

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen „Maybe it’s just the whole world is like central casting. They got it all rigged before you ever show up.”, 14. Juli 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: They Shoot Horses Don?T They [DVD] (DVD)
[Vorsicht, Spoiler!]

Zu manchen Zeiten dürfte die Wahrheit, die in diesem Ausspruch steckt, offensichtlicher sein als zu anderen, und die frühen 30er Jahre, in die uns Sydney Pollacks 1969 gedrehtes Drama „They Shoot Horses, Don’t They?“ führt, gehörten sicherlich zu der ersten Kategorie von Zeiten. Der Film basiert auf einer Hard-Boiled Novel des Schriftstellers Horace McCoy, der sich durch eine Reihe düsterer Romane auszeichnete, sich aber auch als Drehbuchautor für Western Films noirs betätigte. Pollack nimmt sich der Romanvorlage auf eine sorgfältige, nicht auf reine Ausschlachtung bedachte Weise an, wobei er ihr meines Erachtens aber eine noch deutlicher sozialkritische Ausrichtung gibt.

Unser Schauplatz ist ein Tanzmarathon auf dem Santa Monica Pier in der Nähe von Los Angeles. Diese Tanzmarathons waren ein beliebtes Spektakel der damaligen Zeit, und sie bestanden darin, die sich zu diesem Wettbewerb meldenden Paare möglichst lange tanzen zu lassen, wobei ihnen nur wenige Pausen vergönnt waren. Dem Gewinnerpaar winkte ein Geldpreis, und diejenigen, die vorher ausgeschieden waren, hatten immerhin für die Tage des Wettbewerbs bzw. bis zu ihrem Ausscheiden freie Verpflegung und Unterkunft, was für viele Verzweifelte während der Wirtschaftskrise schon Grund genug war, sich einer derartigen kräftezehrenden und demütigen Ochsentour zu unterziehen. Im Mittelpunkt der Handlung steht die junge Gloria, die sich erfolglos im Filmgeschäft versucht hat und nun im bevorstehenden Marathon ihr Glück versuchen will. Gloria ist indes alles andere als eine Glücksritterin, denn ihre Seele ist längst von den Enttäuschungen und den Erfahrungen der Vergeblichkeit, die sie in ihrem Leben hinnehmen mußte, vergiftet. Als ihr eigentlicher Tanzpartner aufgrund eines verdächtigen Hustens nicht zu dem Wettbewerb zugelassen wird, überredet sie kurzerhand den ziellosen Robert (Michael Sarrazin), der sich zufällig am Pier aufhält, mit ihr in den Wettbewerb zu gehen. Unter ihren Kontrahenten befinden sich unter anderem der ältere Ex-Matrose „Sailor“ (Red Buttons), die Jean-Harlow-Kopie Alice (Susannah York), deren Ziel es ist, während des Wettbewerbs von einem Produzenten oder Regisseur entdeckt zu werden, sowie das Pärchen James (Bruce Dern) und Ruby (Bonnie Bedelia), die trotz ihrer Schwangerschaft sich den Strapazen unterzieht, weil sie mit ihrem Mann auf den Hauptgewinn hofft. Der Tanzmarathon wird moderiert von dem aalglatten Showman Rocky (Gig Young), der mit seinen Assistenten Rollo (Michael Conrad) und Turkey (Al Lewis) – letzterer dürfte aus der Fernsehserie „The Munsters“ bekannt sein, wirkt hier aber wie der böse „Batman“-Pinguin – alles daransetzt, den Wettbewerb zu einer Show zu machen.

Und um eine Show geht es den Zuschauern denn auch, wie Rocky freimütig gegenüber Robert einräumt: „They just want to see a little misery out there so that they can feel a little better, maybe. They are entitled to that.“ Aus diesem Grund schlachtet Rocky, der als Kind mit seinem Vater, einem Wunderheiler durch die Lande gezogen ist und dabei den zu heilenden lahmen Jungen im Publikum – wir kennen diese Rolle alle – gespielt hat, die einzelnen Schicksale der Kombattanten denn auch weidlich aus, erzählt von den Kriegsheldentaten Sailors und seiner Verletzung – wir wissen nicht einmal, ob die Heldentaten und die Verletzung wahr sind –, die ihn nicht davon abhält, diesen Wettbewerb gewinnen zu wollen, oder stiehlt der labilen Alice ihr zweites Kleid und ihr Make-up, um ihre Verletzlichkeit gegenüber den gnadenlosen Blicken des Publikums auszunutzen. Mitunter erhalten einzelne Wettbewerbsteilnehmer auch die Gelegenheit, ein Lied oder eine besondere Tanzeinlage zum besten zu geben, was ihnen die Möglichkeit gibt, im Publikum einen Sponsor zu finden oder sich besondere Sympathien zu erspielen. Außerdem dürfen sie die Münzen, die ihnen die Zuschauer für ihre Extraeinlage zuwerfen, in die eigene Tasche stecken. In diesem Zusammenhang ist es schon von besonderer Ironie, wenn die schwangere Ruby ausgerechnet das Lied „The Best Things in Life Are Free“ singt.

Am teuflischsten allerdings sind die immer wieder in den Wettbewerb eingestreuten Derby-Einlagen, die darin bestehen, die Tanzenden auf dem Saal zehn Minuten lang um die Wette laufen zu lassen, wobei die letzten drei Paare vom weiteren Marathon ausgeschlossen werden. Diese Rennen verlangen den Teilnehmern alles an Durchhaltevermögen ab und zeigen gleichzeitig den entwürdigenden und ausbeuterischen Charakter der gesamten Veranstaltung. Allerdings, und das ist aufgrund des Bezugs zum Titel sicherlich kein Zufall, läuft in diesen Szenen auch Regisseur Pollack zur Höchstform auf, wenn er diese unmenschliche Face in eine Phantasmagorie aus einem Wechsel von schnellen Schnitten und Zeitlupenaufnahmen, delirierenden Drehungen und unbarmherzigen Großaufnahmen der von Panik verzerrten Gesichter verwandelt, immer überlagert vom ständigen „Yowza! Yowza! Yowza!“ des gewieften Zeremonienmeisters und seinen Lobpreisungen des American Dream, der diese Kämpfer doch so stark beseele.

Jedoch gibt es auch für Rocky gewisse Grenzen, die freilich weniger seinem Anstand, als vielmehr dem Gespür dafür geschuldet sein dürften, was man dem Publikum zumuten könne und was nicht. Als Sailor nach einem dieser Derbys tot oder sterbend zusammenbricht – er wird von der entschlossenen Gloria noch eine Runde auf ihrem Rücken ins Ziel getragen –, „rettet“ Rocky die Situation, indem er kurzerhand ausruft, Sailor werde wieder auf die Beine kommen, doch für diesmal ziehe er sich aus dem Wettbewerb zurück. Weggetragen wird der Tote oder Sterbende dann unter den Beifallsbekundungen der Menge und den Worten Rockys, er freue sich schon auf ein Wiedersehen. Als Sailors Tanzpartnerin in einer früheren Szene aufgrund der psychischen Belastungen Alpträume hat und von Spinnen phantasiert, meint Gloria bitter zu Rocky: „I would have thought you’d put her on display, and charge a little exta“, woraufhin der Moderator trocken meint: „No, it’s too real.“ Realität schön und gut, aber doch nicht so, daß dadurch das Publikum heruntergezogen wird. Man wollte eben auch damals schon nicht in der Verantwortung stehen, „häßliche Bilder“ zu produzieren.

Es ist schmerzhaft mitanzusehen, wie dieser Film zeigt, auf welche Weise Menschen zu Waren und bloßen Schauobjekten degradiert werden und sie dies auch gern mit sich machen lassen, weil sie auf Geld oder Ruhm hoffen, zumal die Parallelen zur Realität überdeutlich sind. Erscheint einem die Hauptfigur Gloria (hier mal eine eiskalte Jane Fonda) anfangs eher wie eine gefühlskalte Psychopathin, besonders wenn sie die schwangere Ruby fragt, wie gerade ein Habenichts wie sie ein Kind in die Welt setzen könnte, und sie zur Abtreibung drängt, so wandelt sich im Verlauf der Handlung das Bild, das wir von ihr bekommen, wenn wir zusehends die Verletzungen erahnen, die diese Zwanzigjährige im Verlaufe ihres so kurzen Lebens erfahren hat. Anders als Robert kann sie auch der Blick in den sonnenbeschienenen Himmel, und sei es auch nur durch ein trübes Fenster, nicht heilen, und als sie schließlich erfährt, daß auch das ausgelobte Preisgeld eine schäbige Lüge ist, da von dem Betrag die laufenden Kosten, die das Gewinnerpaar verursacht hat, abgezogen werden, gibt es für Gloria, deren Name in auffallendem Gegensatz zu ihrer Lebenseinstellung steht, nur noch einen Ausweg – den Freitod. Doch interessanterweise versagen dieser so gefaßt und entschlossen wirkenden Frau im entscheidenden Moment die Nerven.

„They Shoot Horses, Don’t They?“ ist, wie auch die Buchvorlage, unbedingt empfehlenswert, aber eben auch nur schwer auszuhalten, zumal Film und Roman auf eine andere Weise aktuell geworden sind, als sie dies zur Entstehungszeit waren. Heute spielen die Medien eine noch größere Rolle als damals, und die Fernsehwelt ist voll von Formaten, in denen Menschen, denen oftmals wohl gar nicht recht die Folgen ihres Tuns bewußt sind, ihre Haut vor einem müden Millionenpublikum zu Markte tragen. Manche mögen damit wohl einstweilen ihren Schnitt machen, doch am Ende könnten die Kosten höher als leichtfertig veranschlagt sein.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 27, 2017 4:30 PM MEST


Auf verlorenem Posten
Auf verlorenem Posten
DVD ~ Joel McCrea
Preis: EUR 13,49

4.0 von 5 Sternen Mein Vater, der Bandit, 13. Juli 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Auf verlorenem Posten (DVD)
Eigentlich hegte ich keine hohen Erwartungen, als ich mir vor einigen Tagen zum ersten Mal George Shermans Western „The Lone Hand“ (1953) anschaute, sondern wollte lediglich ein bißchen leichte abendliche Unterhaltung. Sherman kenne ich eher als einen routinierten Westernregisseur, der in diesem Genre mit „Big Jake“ (1971) einen denkwürdigen Film geschaffen hat, ansonsten aber eher solide Hausmannskost ablieferte. Die Anfangsszene, in der der Farmer Zachary Hallock (Joel McCrea) mit seinem Sohn Joshua (Jimmy Hunt) auf einem Wagen in die Stadt Timberline einfährt, während die Stimme des Jungen aus dem Off als Erzähler in die Geschichte einführt und davon kündet, daß sein Vater, bislang sein großes und unangefochtenes Idol, bald etwas Böses tun sollte, schien in ihrer eher plakativen Machart auch nicht gerade dazu angetan, meine Erwartungen höherzuschrauben, doch nach dem etwas mehr als 70 Minuten Spielzeit war ich denn doch angenehm überrascht von diesem Western.

Zunächst einmal baut „The Lone Hand“ ein wenig Spannung auf, wobei sich der Film geschickt des Erzählers bedient, der nicht exzessiv, sondern effektiv eingesetzt wird und uns mehr und mehr in die Perspektive des Jungen hineinversetzt und uns an seiner Unsicherheit teilhaben läßt – eine Perspektive, die der Film strenggenommen indes nicht wirklich durchhält, denn sobald sich der bescheidene Farmer aus Not den Banditen anschließt, die die Gegend unsicher machen, wissen wir ja mehr als Joshua, der eben nur ahnt, daß etwas im argen liegt. Dabei hält uns Sherman nicht nur durch den Konflikt bei der Stange, der dadurch entsteht, daß Zachary seine kriminellen Aktivitäten vor seinem Sohn und seiner neuen Ehefrau Sarah (Barbara Hale) sowie vor dem Pferdehändler George Hadley (Charles Drake), der eine Bürgerwehr leitet, geheimhalten muß, sondern er läßt uns auch über die Frage mitfiebern, wer denn der Kopf der Bande ist, der den Männern Tips über lohnenswerte Angriffsziele gibt, dabei aber selbst gepflegt im Hintergrund bleibt.

„The Lone Hand“ wartet vielleicht nicht unbedingt mit großen Überraschungen auf, führt den Zuschauer aber doch eine Zeitlang gekonnt an der Nase herum und hält auch ein paar schöne Actionszenen bereit, wie den Überfall auf eine Postkutsche. Joel McCrea, der sich zu jener Zeit bereits fast ausschließlich dem Western verschrieben hatte – freilich oftmals der B-Liga –, bevor er dann mit Peckinpahs „Ride the High Country“ im Jahre 1962 seinen ebenso fulminanten wie rührenden Abschied vom großen Kino feierte, führt hier eine durch und durch solide Besetzung an, in der auch der später in der beliebten Westernserie „Gunsmoke“ zu verdientem Ruhm kommende James Arness in einer Nebenrolle als Bösewicht glänzen kann. Insgesamt ist „The Lone Hand“ ein Film, der zwar nicht zu den Klassikern des Westerns zählen, aber durchaus gut zu unterhalten vermag, und somit gewiß zu den besseren Filmen Shermans zu zählen.


Hail, Caesar! [Blu-ray]
Hail, Caesar! [Blu-ray]
DVD ~ Josh Brolin
Preis: EUR 9,79

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen The Professional, 5. Juli 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Hail, Caesar! [Blu-ray] (Blu-ray)
An „Hail, Caesar!“, dem neuesten Werk der Coen Brothers, das 2016 in die Kinos gekommen ist, scheiden sich die Geister. Nicht wenige finden den Film schlichtweg langweilig, weil er keine rechte Handlung habe und auch die Entführungsstory, die einen Großteil der erzählten Zeit in Anspruch nimmt, im Vergleich zu „Fargo“ (1996) und „The Big Lebowski“ (1998) eher zahm wirkt. Andere wiederum lieben den Film vor allem als ein Sammelsurium an Zitaten aus Hollywood-Filmen und Anspielungen auf bekannte Personen der Filmgeschichte und haben ihre Freude daran, einander beim Erkennen und Zuordnen zu übertreffen.

Der Rezensent mag sich keinem dieser Lage so richtig anschließen – den geistlosen Stimmen, die hier Langeweile monieren, schon einmal gar nicht, denn zum einen sieht man einen Coen-Film nicht wegen der Handlung, und zum anderen sind die Geschicklichkeit und Liebe zum Detail, mit denen die zwei Brüder einen augenzwinkernden Streifzug durch diverse Hollywood-Genres antreten, schlichtweg beeindruckend und zeugen von sehr tiefer Liebe zum Gegenstand ihres Films – dem Film, eben. Aber auch überschwengliche Begeisterung will in mir diesmal nicht recht aufkommen, auch nicht nach dem dritten Durchlauf. Denn zu selten sind die wahren Coen-Momente, die spritzigen, irrwitzigen Dialoge und die Augenblicke eines abgeklärten, niemals wirklich bitteren Pessimismus, die viele ihrer vorhergegangen Filme prägen. Ihrer gibt es in „Hail, Caesar!“ vor allem drei: Einer der besten Momente kommt ziemlich am Anfang, wenn unser Held Eddie Mannix (Josh Brolin), der als Troubleshooter für ein Hollywood-Studio arbeitet, Vertreter der vier wichtigsten Glaubensgemeinschaften (Katholiken, Protestanten, Orthodoxe und Juden) einlädt und sie um ihre Meinung zum neuen Prestigeprojekt des Studios bittet, um von vornherein auszuschließen, daß religiöse Menschen an dem Film „Hail, Caesar!“ Anstoß nehmen, denn das wäre ja sehr schlecht für’s Geschäft. Die verbalen Scharmützel, die sich vor allem zwischen dem Rabbi und den Vertretern der christlichen Kirchen abspielen, sind ganz großes Kino und von einem Witz, der im Rest des Filmes nicht mehr erreicht wird. Mit ähnlichem Witz, allerdings nicht mehr in der obengenannten Hochform, laufen die Diskussionen der kommunistischen Drehbuchautoren ab, denen sich das Entführungsopfer, der etwas tumbe Schauspieler Baird Whitlock (George Clooney) nach und nach anschließt. Eine letzte typisch bissige und doppelbödige Coen-Szene ist eher kurz und zeigt eine Cutterin, die kettenrauchend in einem qualmgeschwängerten Raum bei ihrer Arbeit sitzt. Als sich ihr Halstuch in der Filmrolle verfängt und sie beinahe zu ersticken droht, wird sie von Mannix gerettet und sagt dann, ungerührt weiterqualmend, sie solle besser bei der Arbeit kein Halstuch tragen, da sie dies noch umbringen könnte, macht aber keinerlei Anstalten, ihr Halstuch abzulegen.

Alle weiteren Filmmomente bleiben vergleichsweise harmlos, so daß „Hail, Caesar!“ vor allem von seinen zahlreichen Bezügen zu Hollywood-Filmen und den Geschichten, die abseits des großen Rampenlichts geschahen, lebt. Auf diese Weise leben kann der Film indes nur bei jenen Zuschauern, die eine große Liebe zum Film antreibt und die mit den teilweise kryptischen Bezügen auch etwas anfangen könne. Ist „Hail, Caesar!“ damit nicht eher ein Ratespiel für Filmnerds?

Ja, und nein – denn abgesehen von der Entführungsgeschichte wird hier vor allem die Geschichte eines Mannes erzählt, der seine Arbeit liebt, mag sie auch noch so kräftezehrend sein und in den Augen anderer eher der Leitung eines Zirkus von Freaks gleichen. Wir sehen hier im wesentlichen zwei Arbeitstage im Leben des Eddie Mannix, eines Mannes, der das schier Unmögliche möglich macht und die Zahnräder der Traumfabrik, in der es letztlich um Geld geht – wenn auch nicht ihm selbst, da er ja einen besserbezahlten Job abweisen wird –, am Laufen hält. Im Grunde zitiert der Film in seiner Gesamtheit ein eher unbekanntes Werk einer der größten Hollywood-Legenden, John Ford, nämlich „Gideon’s Day“ (1958), einen Film, der allerdings selbst nicht in Hollywood produziert wurde, sondern ein Projekt ist, das Ford seinerzeit in Großbritannien, abseits der amerikanischen Filmstudios, drehte. In „Gideon’s Day“ begleiten wir den Titelhelden, einen Inspektor, einen Tag lang bei seiner, oft nicht sonderlich spektakulären, Arbeit und bekommen einen Eindruck davon, wie wichtig diese Tätigkeit eigentlich ist – und auch wie aufreibend. Ähnlich verfährt „Hail, Caesar!“, der uns das Bild von Mannix als einem Helden des Alltags zeichnet – ein Routinier in seinen Handlungen und Entscheidungen, jedoch ein Idealist im Glauben daran, daß das, was er tut, von ihm getan werden muß.

Die Coens wären indes nicht die Coens, wenn sie es, bei aller Liebe zum Sujet, die sie antreibt und die man diesem Film in jeder einzelnen Szene ansieht, bei einer ans Pathos grenzenden Idealisierung bewenden ließen. Nein, diese wird mehrfach ironisch gebrochen, und zwar schon ganz zu Anfang, wenn die Hauptfigur eingeführt wird und wir einen an den Film noir erinnernden Voice-over hören, der im hard-boiled-style ein kleines Heldenlied auf Mannix singt. Wenn nun derselbe Voice-over, in exakt der gleichen Stimme, ein wenig später in „Hail, Caesar!“, dem Film im Film, den von Baird Whitlock gespielten Helden einführt, und wir kurz darauf erkennen, was für ein Trottel dieser Whitlock eigentlich ist, dann dürfte uns klar werden, daß wir auch den Voice-over zu Mannix cum grano salis zu nehmen haben, daß wir mit der Nase darauf gestoßen werden, in einem Film zu sein, und daß Filme eben Träume verkaufen.

Noch deutlicher wird diese ironische Brechung zum Schluß, wenn der von Baird gespielte römische Feldherr die für jedes amerikanische Message Movie (und auch jede Beziehungskomödie) obligatorische Besinnungsrede unter dem Kreuz Jesu hält und wir sehen, wie das Pathos, das er erzeugt, auf alle Mitglieder der Crew übergreift, ihnen die Tränen in die Augen treibt und sie schlucken macht, wobei mit der Möglichkeit gespielt wird, daß das Virus kitschiger Emotion auch auf den Zuschauer übergreifen könnte --- bis dann im letzten Moment die erlösende Antiklimax daherkommt, indem Baird das letzte Wort, „faith“, [1] vergißt und die Szene gnadenlos vergeigt. Hier ist er dann endlich wieder, der subversive Humor der Coens, der leider im Gesamtwerk an vielen Stellen hinter die Begeisterung der Regisseure für ihr Sujet zurücktreten muß.

Insgesamt ist „Hail, Caesar!“, wohl vor allem für Filmliebhaber, ein sehr dichter und detailreicher Film der Coens, solchen Werken wie „Ladykillers“ (2004) und „Intolerable Cruelty“ (2003) zweifellos haushoch überlegen, aber doch eben nicht auf dem gleichen Niveau wie „The Big Lebowski“, „A Serious Man“ (2009) und „True Grit“ (2010).

[1] Es wäre sicherlich auch lohnenswert, diesen Film unter dem Aspekt des Glaubens zu analysieren, denn Mannix ist ein gläubiger Katholik, der seinen Beichtvater so stark zu beanspruchen scheint wie Ned Flanders seinen Gott, und auch Whitlock erlebt ja eine kurzzeitige Konversion zu den falschen Idealen des Kommunismus, und im Film geht es eben auch oft darum, Menschen an Ideale glauben zu lassen, wie der Film im Film beweist.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 14, 2017 9:41 PM MEST


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5.0 von 5 Sternen Marley Was Dead: to Begin With., 19. Juni 2017
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Rezension bezieht sich auf: Dickensian [4 DVDs] [UK Import] (DVD)
So beginnt eines der wohl berühmtesten Werke von Charles Dickens, nämlich “A Christmas Carol”, und manch ein Leser mag sich des öfteren gefragt haben, wie es denn zum Tode von Scrooges Partner gekommen ist. Starb er nach langem Siechtum, erstickte er bei einem Bad in Goldmünzen, oder hatte gar jemand anderes seine meuchelnde Hand im Spiele?

Diese eigentlich recht auffällige Leerstelle im Werk des weltberühmten Schriftsteller wird mit „Dickensian“ gefüllt, einer auf zwanzig Episoden angelegten Miniserie, die die BBC zum Jahreswechsel 2015/16 ausstrahlte, denn hier finden wir den unangenehmen Wucherer Marley am Ende der ersten Folge erschlagen in der Gosse, und niemand geringeres als Inspector Bucket aus „Bleak House“, der wohl erste Detektiv der Literaturgeschichte, macht sich, immer wieder unterstützt durch den Tierpräperator Mr. Venus (aus „Our Mutual Friend“) daran, den Mörder zu finden. Dies tut er nicht ganz uneigennützig, denn Gedeih und Verderb einer neuzugründenden Einheit der Polizei, der er vorstehen soll, stehen dabei auf dem Spiel. Verdächtige findet der umtriebige Polizist zunächst einmal genug, denn Marley war alles andere als beliebt, und eine lange Reihe von Figuren aus Dickens-Romanen gibt sich hier ein Stelldichein.

So erfahren wir beispielsweise, wie Amelia Havisham durch das Ränkespiel ihres eifersüchtigen Bruders und des Psychopathen Compeyson zu der verbitterten Frau geworden ist, die Pip Pirrip in „Great Extpectations“ treffen sollte, und auch die tragische Liebesgeschichte von Honoria Barbary, der späteren Lady Dedlock aus „Bleak House“ wird hier erzählt. Wir erleben die Sorgen und Freuden der Cratchits und erfahren auch, wie Bill Sikes zu seiner Nancy kam, wir folgen mit einer gewissen Belustigung den Bemühungen des Pantoffelhelden Mr. Bumble um sozialen Aufstieg, und wir erleben zudem, wie sich eine groteske Romanze zwischen der wundervollen Mrs. Gamp („Martin Chuzzlewit“) und Silas Wegg („Our Mutual Friend“) anbahnt. Dies sind die wichtigsten der Geschichten, die hier erzählt werden.

Es ist eine originelle Idee, verschiedene Figuren aus unterschiedlichen Romanen von Dickens aufeinandertreffen zu lassen, ihre Geschichten zu erzählen und ihre Schicksale miteinander zu verweben, wenngleich natürlich trotz aller Originalität und jenseits der Mordgeschichte wenig Raum für Überraschungen bleibt. Denn wir wissen ja, daß Miss Havisham am Ende als enttäuschte Braut zurückbleiben wird und daß Honoria Barbarys Liebe zu Captain Hawdon keine Zukunft hat. Allerdings wurden die Freiräume, die die von Dickens gewebten Schicksale bieten, sehr überzeugend ausgenutzt, und so manche Figur gewinnt eine Dimension, die ihr in den Romanen nicht unbedingt eignet. So kann man Frances‘ Barbarys verbittertes Verhalten zwar verurteilen, wird es aber wohl auch bis zu einem gewissen Grade verstehen können, bedenkt man, wie sie von Schwester und Vater behandelt wird. Fagin überrascht in manchen Situationen bei aller Gewissenlosigkeit doch durch eine gewisse Sentimentalität, und auch Mr. Bumble ist nicht ausschließlich das Schreckgespenst, als das ihn der Roman „Oliver Twist“ zeichnen wird. Überhaupt überzeugt die Geschichte durch viele Details, die den Dickensliebhabern sofort auffallen dürften, wie beispielsweise Mr. Buckets (Stephen Rea ist einfach hinreißend in dieser Rolle!) immer aktiver Zeigefinger, Mrs. Gamps Aussprache von „disposed“ oder Bob Cratchits langer Schal, so sehr, daß andere Ungereimtheiten – Satis House in London, Mr. Bumble dürfte zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht verheiratet sein, Mrs. Gamp kommt gänzlich ohne Mrs. Harris aus – gern verziehen werden.

Eigentlich war noch eine zweite Staffel geplant, doch diese Idee wurde fallengelassen, weil „Dickensian“ nicht ganz den Zuspruch beim britischen Fernsehpublikum genoß, wie man ihn sich erhofft hatte. Darüber hinaus glaube ich auch, daß es schwierig gewesen wäre, Stoff für weitere Ideen mit denselben Figuren zu gewinnen.

Fazit: „Dickensian“ ist eine mit viel Liebe zum Detail gemachte, opulent ausgestattete, von sehr guten Schauspielern getragene Hommage an Charles Dickens und fußt auf einer sehr originellen Idee, die bei einer zweiten Staffel wohl unweigerlich an Charme und Plausibilität eingebüßt hätte. Ich kann mir nicht vorstellen, daß es „Dickensian“ jemals in deutscher Sprache geben wird, aber für den Dickens-Fan dürfte dies ohne Belang sein: Denn die unterschiedlichen Soziolekte und sprachlichen Eigenheiten der Figuren machen ja einen großen Teil des Reizes eines jeden Dickens-Erlebnisses aus.


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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hier findet jeder das El Dorado – nämlich eine schöne Zeit im Kreise von Familie oder Freunden, 18. Juni 2017
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Mich hat als Südamerikafan allein schon der verheißungsvolle Name „El Dorado“ angesprochen, und auch die Aussicht auf ein strategiebasiertes Deckbuilding-Spiel ließ mein Herz höherschlagen. Als ich dann den Karton öffnete und die zahlreichen farbenprächtigen Pappflächen sah, aus denen man sich den Spielplan zusammenlegen kann, war es vollends um mich geschehen.

Aber es empfiehlt sich unbedingt, sich die Spielanleitung vorher in aller Ruhe durchzulesen und gegebenenfalls allein ein Probespiel – jedenfalls ein paar Züge – zu absolvieren, bevor man es anderen Leuten erklären kann, denn das Spiel erschließt sich nicht en passant. Man benötigt zwei bis vier Spieler für den Wettlauf nach El Dorado, und wenn man mit zwei Spielern spielt, muß man nicht eine, sondern zwei Figuren in die goldene Stadt bringen. Auch dann macht das Spiel noch sehr viel Spaß, wenngleich ich anfangs diesbezüglich Skepsis hatte, weil es ein wenig länger dauerte, bis die höheren Karten in die Liste der zum Verkauf stehenden Karten nachrückten [1]. Bei jedem Spielzug muß man sich überlegen, ob man seine Karten ausschließlich dazu nutzen möchte, mit den Spielfiguren Boden gutzumachen, oder ob man auch oder ausschließlich eine neue Karte erwerben möchte, die einem späterhin von Nutzen sein wird. Da man später stärkere Karten benötigt, um Dschungel-, Dorf- oder Wasserfelder zu besetzen, ist es schon wichtig, sich frühzeitig ein gutes Deck aufzubauen, denn sonst kann es sein, daß die entsprechenden Karten von den anderen Spielern weggeschnappt worden sind. Ein wenig schade ist es, daß man kaum Möglichkeiten hat, das Vorankommen gegnerischer Spieler nachhaltig zu sabotieren – in der 2-Personen-Variante besetze ich mit meiner letzten Spielfigur meist strategisch wichtige Felder und zwinge somit den Gegner dazu, einen Umweg zu machen –, so daß man, wenn man hinten liegt, schon eher darauf hoffen muß, daß der Gegner auf schwer zu überwindende Schwierigkeiten stößt, ihm diese aber kaum selbst bereiten kann. Manchen wird dies gefallen, da es so wenig böses Blut bei empfindsamen Geistern gibt, doch mir persönlich sagt ein Snooker-Element in einem Spiel doch eher zu, weil es den Reiz erhöht. Insgesamt bleibt das Spiel allerdings sehr abwechslungsreich, da man eine Vielzahl an Expeditionswegen erstellen und unterschiedlichste Strategien erproben kann. Zudem gibt es für Fortgeschrittene auch noch die etwas komplexere Höhlenvariante.

Für den Spielplan und den Marktplatz, auf dem man neue Karten kaufen kann, benötigt man übrigens viel Platz, und ein Spiel dauert bei uns mindestens eine Stunde – manchmal deutlich mehr. „El Dorado“ ist damit ein sehr faszinierendes Spiel, in dem man sich richtig verlieren kann. Bei uns in der Familie gehört es seit kurzem zur festen Wochenendunterhaltung.

[1] Um es ein wenig interessanter zu machen, würde ich empfehlen, bei zwei Spielern jeweils eine Karte von einer Sorte aus dem Spiel zu nehmen, damit der Wettlauf um verfügbare Karten interessant bleibt. Mit vier Spielern ist es übrigens sehr interessant, denn von jeder Karte gibt es nur drei Exemplare. Wer also ohne den „Kapitän“ über Wasserfelder navigieren muß, kann auf diese Weise sehr viel Zeit verlieren.


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