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Beiträge von Ronny Weber
Top-Rezensenten Rang: 124.317
Hilfreiche Bewertungen: 84

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Rezensionen verfasst von
Ronny Weber
(REAL NAME)   

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The Fall - Tod in Belfast - Staffel 1
The Fall - Tod in Belfast - Staffel 1
DVD
Preis: EUR 5,49

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gut, mit Vorbehalten., 30. Juli 2016
Vordergründig handelt es sich um ein übliches Detective-Drama. Dennoch schafft sich die Serie Raum für ihre Hauptcharaktere (Anderson, Dornan), die eine Variation der Hannibal Lecter und Clarice Starling Beziehung entwickeln. Es ist eine Sendung der leisen Töne, sowohl in metaphorischer als auch tatsächlicher Hinsicht und damit erfrischend kontemplativ. Als Handlungsort wurde Belfast gewählt, der dem ganzen einen schmutzigen Realismus verleiht, ganz in der Tradition englischer Serien, und mit seinen politischen Spannungen und dem irischen Akzent dem ganzen zusätzlichen Reiz verleiht. Der Hauptvorzug liegt aber in der schauspielerischen Leistungen von Anderson und Dornan und tragen die Serie über die Gesamtstrecke, auch wo sie Konventionelles durchexzerziert.
Negativ auffällt der manipulative, feministische Unterton, dessen ostentatives Sendungsbewusstsein die Sendung durchzieht. Gillian Anderson als hochqualifizierte Frau und sexuell-dominantes Raubtier, Frauen als Opfer von Gewaltverbrechen, Medienverurteilungen weiblicher Sexualmoral etc. sind feministische Tropen, die bestenfalls unerheblich sind, aber im Ganzen aufgesetzt und fadenscheinig wirken. Dies soll der Serie wohl Tiefe verleihen und einen Beitrag zum Geschlechterdiskurs leisten, verfehlt aber m.E. beides und stört bloss was ansonsten recht stimmig ist.
Ist jedoch seine Zeit wert und dürfte Jamie Dornan nach dieser schrecklichen Hausfrauenorgie (50 shades of stupidity) in seiner schauspielerischen Ehre wieder etwas rehabilitieren.


Hail, Caesar! [Blu-ray]
Hail, Caesar! [Blu-ray]
DVD ~ Josh Brolin
Preis: EUR 9,29

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nicht ganz auf der Höhe, 21. Juli 2016
Rezension bezieht sich auf: Hail, Caesar! [Blu-ray] (Blu-ray)
Der Film hätte Potential gehabt. Die Charaktere sind im Ansatz lustig und die episodenhafte Zusammensetzung hätte für Kurzweil sorgen können. Der Cast besteht aus wirklich attraktiven Darstelleren (Brolin, Cloony, Hill, Swinton etc.). Auch der eigentliche Plot wäre grundsätzlich gut gewählt. Dennoch will der Funke nicht recht überspringen. Das Ganze wirkt nicht ausgereift und genügend abgerundet. Es ist alles ganz charmant aber mehr nicht. Auch die übliche Hintergründigkeit die dem Humor der Coens sonst Tiefe verleiht, fehlt hier. Kann man sich ansehen, aber genausogut auslassen...


Ludwig Meidner. Apokalyptische Landschaften. Ausstellungskatalog
Ludwig Meidner. Apokalyptische Landschaften. Ausstellungskatalog
von Eberhard Roters
  Gebundene Ausgabe

4.0 von 5 Sternen Schöner Bildband, 21. Juli 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ludwig Meidner ist vor allem für seine apokalyptischen Landschaften bekannt, die seine Erfahrungen des 1. Weltkriegs verarbeiten. Daher ist es naheliegend, dass der Bildband ein horizontales Rechteck ist.
Der Bildband ist von ausreichender Qualität und vereint die wesentlichen Werke. Die Einbindung ist ebenfalls von durchschnittlicher Qualität.
Im Wesentlichen liefert der Bildband damit, was man erwarten darf und nicht mehr.


La Grande Bellezza - Die große Schönheit (im exklusiven Mediabook) [Blu-ray]
La Grande Bellezza - Die große Schönheit (im exklusiven Mediabook) [Blu-ray]
DVD ~ Toni Servillo
Wird angeboten von Obsessed-Records GmbH inkl-MwSt-Widerrufsbelehrung-AGB-unter-Verkäufer-Hilfe
Preis: EUR 25,14

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fellineske Meditation - Hervorragend!, 18. Juli 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dieser Film basiert lose auf dem Werk Fellinis und macht dort auch grössere Anleihen. Hin und wieder liest man den Vorwurf des Abklatsches, es handelt sich jedoch m. E. um eine Hommage im besten Sinne.

"La Grande Bellezza" begleitet für einige Zeit den gealterten Dandy und Schriftsteller Jep Gambardella (Toni Servillo) in seinem Leben. Genau wie Fellini geschieht dies Episodenhaft, mit einer teilweise zurückhaltenden, teilweise fast burlesken Bildlyrik. Ebenso im Zentrum wie Gambardella steht die Stadt Rom in ihrer ewigen Schönheit; Sorrentino weiss diese ebenso in Szene zu setzen wie einst Fellini.

Eine Handlung im Sinne eines Plots steht nicht im Vordergrund, Gambardella ist der Welt leicht überdrüssig, und schreibt schon seit Jahren nichts mehr bedeutendes, vielmehr gibt er sich den mondänen Freuden hin, die ihn aber ebenso ermüden. Sowohl seine verlorene Jugend, wie auch seine verfehlte Gegenwart beschäftigen ihn. Sattelitenhaft umkreist wird er von Bekannten aus der römischen Oberschicht, deren Leben ebenfalls episodenhaft teil des Mosaiks dieses Filmes sind.
Schliesslich streift auch "La Grande Bellezza" wie die Fellini-Filme die grossen Fragen ohne Antworten zu finden und begnügt sich mit der gelungenen Darstellung der Ratlosigkeit.

Dieser Film ist allein schon seiner Bilder wegen zu sehen und darüberhinaus eine uneingeschränkte Empfehlung. Es ist bemerkenswert, dass solch ein Film heute überhaupt noch gemacht werden konnte.


War and Peace: Season 1 [OV]
War and Peace: Season 1 [OV]
DVD
Preis: EUR 15,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Verkürzt aber gelungen, 15. Juli 2016
Rezension bezieht sich auf: War and Peace: Season 1 [OV] (Amazon Video)
Tolstois Magnum opus "Krieg und Frieden" gehört zu den festen Grössen der Literatur. Es lohnt daher wohl nicht, auf das Buch einzugehen. Auch dessen Verfilumgen sind längst Legion, wobei sich die meisten genau wie die vorliegende BBC-Version auf eine gekürzte, gestraffte Fassung der Ereignisse beschränken. Wie immer kann auch hier das filmische nicht mit dem literarischen Medium mithalten. (Wobei ich diesen Vergleich grundsätzlich als ungerecht und nutzlos ablehne.)

Im zaristischen Russland während Napoleons Herrschaft muss sich die russische Aristokratie einerseits mit den Ideen der Aufklärung auseinandersetzen (verkörpert durch den zunächst idealistischen Pierre, gespielt von Paul Dano) und gleichzeitig mit der schwelenden militärischen Bedrohung durch Napoleon, die einen ohnehin bestehenden russischen Konservatismus bestärkt.

Die eigentliche Handlung des Buches wird einerseits auf dieser politischen Ebene behandelt und über den Militarismus bzw. die militärischen Aufgaben der Figuren in die Primärhandlung integriert. Diese lässt sich in folgender Frage beschreiben: Wer heiratet wen? Wer überlebt?
Von gut 200 Buchcharakteren bleiben noch etwa ein Dutzend übrig, die sich alle (wie Russland selbst) an einer Bruchstelle in ihrer Biografie befinden, und stark miteinander und der Politik verworben sind.

In 6 Epsidoden (jeweils zwischen 45' und eineinhalb Stunden pro Folge) werden die Schicksale dann im Stile einer edlen Seifenoper abgehandelt. Zweifellos ist eine gewisse Verflachung der Kürze geschuldet. Man kann der Sendung daher keinen zu grossen Vorwurf machen, dass beispielsweise Natasha (Lily James) sich innerhalb weniger Minuten unsterblich in Anatole verliebt, wo sie zuvor noch Andrey ergeben war.

Die Sendung gibt sich grosse Mühe trotz aller Einschränkungen das Wesen der Charaktere beizubehalten und in kurzen Momentaufnahmen zur Geltung zu bringen. Das Ganze graziös in Szene gesetzt vor dem Hintergrund von Winterpalast, Kreml oder auch nur einem gewöhnlichen Bauernhäuschen. Besonders gelungen schienen die Inszenierung von Schlachten und Armeen, die trotz Serienbudget ein Gefühl für die Bedeutung und Bedrohung der Zeit einfangen.
Ebenfalls kann ich nicht unerwähnt lassen Mathieu Kassovitz als Napoleon. Der zwar wenige On-Screen-Minuten zählt und dem Kaiser der Franzosen wohl wenig ähnlich ist, glaubhaft eine charismatische Anführerfigur gibt, etwas was nur wenigen gelingt und an dem sogar Marlon Brando gescheitert ist. Ebenfalls glänzend Paul Dano als intellektueller Zögerer und Tuppence Middleton als intrigante Helene Kuragin. Lily James gefiel mir weniger, die m.E. immer zu exzessiv und platt spielt und mir schon in Downton Abbey negativ aufgefallen ist.

Im Ganzen ist die Serie m.E. recht gelungen und erreicht die Ziele, die sie sich mit ihrem Format gesteckt hat, sehr gut. Die Essenz der Geschichte bleibt erhalten und wirkt im Vergleich mit den vergangenen Verfilumgen frischer; ohne sich gequält um Modernität zu bemühen.
Empfehlenswert.


The Buried Giant
The Buried Giant
von Kazuo Ishiguro
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,49

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Vergangenheitsbewältigung im Fantasy-Kleid, 15. Juli 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Buried Giant (Gebundene Ausgabe)
Die Römer sind lang schon abgezogen, King Arthur bereits verstorben, als ein älteres Paar sich auf den Weg machen ins Dorf ihres Sohnes. Ob Sie diesen Sohn wirklich hatten und ob er tatsächlich in ein anderes Dorf abgewandert ist, wissen sie nicht mehr genau, denn ein sonderbarer Nebel liegt über dem Land, der selbst die jüngeren Erinnerungen verbirgt.

Die Reise, die vordergründig als beinahe klassischer Märchenstoff daherkommt, beschäftigt sich in Wahrheit mit einer Reise durch die von den Kriegen mit den einströmenden Sachsen geprägte, jüngere Vergangenheit. Will man es weiter abstrahieren, behandelt das Buch die Vergangenheitsbewältigung überhaupt; sowohl die persönliche als auch die kollektive Vergangenheit.

Wer die Bücher Ishiguros kennt, weiss welchen Stil der Autor pflegt: Flach, einfach, fast teilnahmslos und dadurch gerade von einer hintergründigen Bedeutsamkeit. Insofern ist auch sein Ausflug ins Fantasy-Genre nicht anders.

Im Gegensatz zu seinen übrigen Büchern, bleibt es aber m.E. zurück. Zu offensichtlich sind die Absichten des Autors bereits in den Anfängen der Geschichte angelegt, deren Ziele zwar vorhersehbar aber schliesslich unerfüllt bleiben. Womit der Leser schliesslich mit einer Allegorie zurückbleibt, die in geringem Masse und diffus auf eine tiefere Wahrheit alludiert und als Geschichte eher austauschbare Fantasy bleibt.
Auch wenn dieses Buch das Fantasygenre nicht mit etwas intellektueller Tiefe versehen konnte, wie einige im Vorfeld gehofft hatten, verlorene Zeit ist es nicht.


Lucifer - Staffel 1 [dt./OV]
Lucifer - Staffel 1 [dt./OV]
Preis: EUR 34,99

34 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Fehlgeschlagen., 7. Juli 2016
Rezension bezieht sich auf: Lucifer - Staffel 1 [dt./OV] (Amazon Video)
Ich habe mir die ganze Staffel im engl. Original angesehen. Die Figur Luzifer ist in der europäischen Kultur eine der aufgeladensten überhaupt. Seine positive Manifestation als Freund und Förderer der menschlichen Leidenschaften, wie sie seit dem Humanismus existiert, ist durchaus möglich. Hier wird sie jedoch derart verwässert und simplifiziert, bis Luzifer zu einem mehr oder weniger charismatischen (eher weniger) Playboy verkommt, der ausser einem netten Anzug und pubertären One-Linern nicht viel zu bieten hat. Von einer metaphystischen Eleganz, einer dämonisch-erotischen Anziehung, oder gar moralischen Fragestellungen einer positiven Betrachtung des Teufels, ist hier nichts mehr zu finden.

Auch die eigentliche Existenzberechtigung des Teufels, als Rebellion gegen eine tyrannische Gottheit, verkommt hier zu einer punktuellen und lächerlich-ödipalen Auseinandersetzung, in welcher "Lucifer" gegen seinen "Vater" moniert.

Schliesslich drehen sich die einzelnen Folgen immer um die Aufklärung von Verbrechen, die Lucifer mit einem weiblichen Detektiv zu bewerkstelligen versucht. Hierhin liefert die Serie nichts neues, was man nicht schon tausendmal in unzähligen Cop-Shows gesehen hätte. Die vorhersehbare "Liebesbeziehung" zwischen Lucifer und dem weiblichen Detective ist ebenfalls von einer nicht zu entschuldigenden Lächerlichkeit. Die Show entblödet sich nicht einmal Lucifer, gleich Superman und seinem Kryptonit, der Sterblichkeit auszusetzen, wenn er sich in der Nähe seiner Partnerin befindet. Die Absurdität dieses Konstrukts wird nur noch übertroffen vom offenstichtlichen Fehlen jeglicher Chemie zwischen den beiden Schauspielern.

Wer also von der eigentlich interessanten Prämisse "Lucifer wandelt auf Erden" angezogen wird und eine moralisch komplexe Geschichte um den anziehenden Fürst der Finsternis erwartet, ist hier an der falschen Adresse und wird zweifellos schwer enttäuscht.
Kommentar Kommentare (13) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 8, 2016 4:30 PM MEST


Don't Point That Thing at Me: The First Charlie Mortdecai Novel (Mortdecai Trilogy 1)
Don't Point That Thing at Me: The First Charlie Mortdecai Novel (Mortdecai Trilogy 1)
von Kyril Bonfiglioli
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,49

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen James Bond and Bertie Wooster, 13. August 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Wie das Cover ankündigt kommt das Buch angeblich einer "unholy collaboration" von Wodehouse und Ian Fleming gleich und damit hat man eine treffende Charakterisierung.

Ich habe das Buch im Zuge der hämischen und desaströsen Kritiken zum Mortdecai-Film mit Johnny Depp aufgegriffen, weil von allen Seiten versichert wurde, dass die Bücher witzig und lesenswert seien und der Film daher umso abscheulicher. Der Meinung kann ich mich anschliessen.
Es ist ein leichtes und unterhaltsames Buch von ca. 170 Seiten, dass sich gut für einen heissen Sommertag eignet. Auch das Englischlevel dürfte keine Schwierigkeiten darstellen, zumindest wenn man Oxford und nicht American Englisch gelernt hat. Vermutlich werde ich mir auch die weiteren Charlie Mortdecai-Bücher zulegen.

Zum Plot:

Charlie Mortdecai ist ein wenig tugendhafter Kunsthändler mittleren Alters, der zusammen mit seinem vierschrötigen Diener in so manches krumme Geschäft verwickelt ist. Ein Goya ist gestohlen worden und ein internationaler Erpresser, der zugleich Charlies bester Kunde ist hat indiskrete Fotos, die der britischen Regierung ein Dorn im Auge sind. Charlie ist in beides verwickelt. Dabei ist er im Wesentlichen nur an Geld, Whiskey, Port und kleinen Schläfchen interessiert.

"Don't point that thing at me" hat mit Charlie Mortdecai einen "unreliable narrator", einen Ich-Erzähler, dessen Gedanken und Erinnerungen den wesentlichen Teil der Satire und Ironie dieses Buches ausmachen. Diese macht nich nur bei den Anderen halt sondern erstreckt sich auch auf Charlie selbst. Sein Uebergewicht ist ein ständiges Thema, seine Trägheit und seine mangelnde Manneskraft.

Freilich ist diese Buch keine grosse Literatur oder irgendwie erbaulich, aber wer diesen Sommer noch freien Platz hat sollte Honorable Charlie Mortdecai kennenlernen.


Tugend und Terror: Geschichte der Französischen Revolution
Tugend und Terror: Geschichte der Französischen Revolution
von Johannes Willms
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,95

1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Tugend und Terror, 12. März 2015
Die Qualität dieses Buches spiegelt sich bereits im Titel wieder. Den unauflöslichen Widerspruch der idealistischen Tugenden der Französischen Revolution, die natürlich bis in die Gegenwart das Selbstverständnis der westlichen Demokratien prägen und der nicht mehr stillstehenden "moulin à silence" der Mühle des Schweigens der gefürchteten Guillotine währender der Jahre zwischen dem Sturz des Königs 1792 und der schwankenden Ordnung unter dem Direktorium 1795 ist das beherrschende Thema des Buches.

Johannes Willms der wohl früher als Kulturjournalist bekannter war und sich seit einiger Zeit durch seine regelmässig erscheinenden Werke zu Frankreich und isbensondere zur französischen Geschichte hervorgetan hat ist mit diesem Band ein langer Wurf gelungen. Der ganz Grosse ist es zweifellos nicht, was aber beim gut erforschten Thema und vieler Historiker Steckenpferd nicht erwartet werden kann.
Dennoch ist es erstaunlich, dass in der heutigen Verlagslandschaft überhaupt noch ein 800-seitiges Buch zu historischen Themen einer anderen Nation (Ja, der Nationalismus ist auch in der Geschichtswissenschaft noch sehr virulent) überhaupt noch veröffentlicht werden kann.

Beginnend mit Frankreich unter Louis XVI, das sich mehr oder minder seit den Kriegen und dem Bau von Versaille under Louis XIV in finanzieller Notlage befindet, arbeitet das Buch schön die nahen Ursachen für die Gründe der Einberufung der Generalstände heraus, die dann in einer unaufhaltsamen Dynamik der demokratischen Tugenden mit wachsendem Selbstbewusstsein die weiteren Geschicke des Landes zuerst mit dem König (konstitutionelle Monarchie) und dann ohne ihn, leitet. Selbst oft unbeachtet Randphänomene wie die wachsenden Ansprüche der "Noblesse de robe" also des Amtsadels unter der Krone wie auch die oftmals blinde Introvertiertheit des Versailler Zirkels zwischen 1789 und 1792 werden zumindest gestreift.
Überhaupt besitzt das Buch genau das richtige Mass an Tiefe, welches vom eigentlichen Zielpublikum wohl erwartet wird.

Der Erzählmodus beschränkt sich grösstenteils auf obejktive Ereignisgeschichte, die oftmals droht in die Trockenheit zu verfallen m. E. aber niemals tatsächlich vorgekommen ist. Vielleicht mit nicht ganz so viel Verve wie bei seiner Napoleon-Biografie versteht es Willms flüssig, von zitierten Reden durchzogen und manchem Satz der Perspektivierung ungekünstelt und ohne den oftmals paternalistischen Ansatz der "Verständlichkeit" die Ereignisse der Schreckenszeit unter den Jakobinern und Robespierre zu schildern. Dieser Teil nimmt dann auch den Löwenanteil des Buches ein.
Sehr schön zeigt Willms die fortschreitende Radikalisierung der Revolution, die sich die Schwerter zuerst am König wetzt, dann gegen die gemässigten Girondisten richtet und schliesslich an sich selbst zum Einsatz gelangen. Besonders in diesem Teil der Geschehnisse entwickelt Willms eine hübsche, dramatische Narration ohne Effekthascherei.

Unausweichlich bei Willms ist natürlich der Übergang von der Revolution zu Bonaparte, einem Thema das Willms bestens geläufig ist und mir selbst ausgezeichnet gefallen hat (die Willmsbio zu Napoleon I kann ich ebenfalls empfehlen).

In toto kann ich das Buch uneingeschränkt empfehlen. Die übrigen, wenig schmeichelhaften Rezension hier sind mir in ihrer Entstehung schleierhaft, denn der am Thema interessierte Leser wird hier sicher auf seine Kosten kommen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 7, 2016 2:02 PM CET


Palazzi in Italien
Palazzi in Italien
von Massimo Listri
  Gebundene Ausgabe

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Paläste, Paläste, 29. Juni 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Palazzi in Italien (Gebundene Ausgabe)
Das vorliegende Buch ist ein über 600 Seiten starkter Bildband mit Aufnahmen aus und von besonderen, signifikanten oder selten abgelichteten, die für Touristen unzugänglich bleibenden Palästen, die sich in Italien finden. Der Natur der Sache entsprechend liegt der Schwerpunkt auf Florenz/Toskana und Venedig sowie Rom. Die Aufnhamen sind sowohl geografisch wie chronologisch der Fertigstellung entsprechend geordnet. Zu den meisten Palästen gibt es interessante und leicht aufzunehmnde Informationen über Entstehung, Besitzer und Besonderheiten.
Freilich ist jedoch das entscheidende die Fotografie, mit der ich überaus zufrieden bin und mir kein anderes Urteil vorstellen kann.
Besonders angesichts des Preises erhält man erstklassige Fotos von einigen der schönsten Bauwerken des, an schönen Bauwerken ohnehin nicht armen Italiens.
Einzig die Bindung entspricht nicht ganz meinen Erwartungen. Sie scheint zwar ausreichend stabil aber durch ihre eckige Beschaffenheit wirkt das Buch weniger hochwertig und einige Bilder sind schwer vollständig aufzuschlagen.


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