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literiti

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MARCO POLO Reiseführer Kapverdische Inseln: Reisen mit Insider-Tipps. Mit EXTRA Faltkarte & Reiseatlas
MARCO POLO Reiseführer Kapverdische Inseln: Reisen mit Insider-Tipps. Mit EXTRA Faltkarte & Reiseatlas
von Anette Rieck
  Taschenbuch
Wird angeboten von buecher-galerie-ac
Preis: EUR 12,99

11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nützlich und persönlich, 14. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Keineswegs konventionell. Die Aufmachung ist schön und angenehm. Bunt zwar, aber nicht aufdringlich. Die Bilder sind nicht aus dem üblichen Repertoir an Eindrücken von den Kapverden und sind sehr persönliche Einblicke.
Auch die Beiträge sind nicht bloß informativ, sonder eher wie eine schriftliche Reise-Beratung einer Freundin oder Bekannten. Adressen sind sehr aktuell und erreichbar, Angaben auch super aktuell. Momentan ist dies auch der aktuelle Reisefüherer, obwohl man ihn besser Reise-Empfehler nennt. Die Autorin kennt Land und Leute und wenn sie ein Restaurant oder eine Bar empfiehlt, fühlt es sich an als würde eine Freundin sagen "Ich war neulich bei xy essen. War voll toll. Geh dahin und iss...".

Sehr gut ist auch die dabeiliegende Karte und die stabile Einbindung - auch wenn die Autoriin dafür eher nichts kann.

Rund um gelungene Literatur, außergewöhnlich und außergewöhnlich nützlich, egal ob man viel oder wenig Budget reist. Nur für Reisende, die Land und Leute lieber durch die Fenster eines klimatisierten Zimmers einer Clubanlage betrachten, ist es nix.


1Q84. Buch 1&2: Roman
1Q84. Buch 1&2: Roman
von Haruki Murakami
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 32,00

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Brillante Beschreibung einer Suche zweier vermeintlich unscheinbarer Personen - faszinierend verpackt, 11. November 2011
Rezension bezieht sich auf: 1Q84. Buch 1&2: Roman (Gebundene Ausgabe)
Das erste und zweite Buch des erst kürzlich auf deutsch erschienenen 1Q84 von Haruki Murakami ist, ähnlich wie bereits andere Romane des Autors, eine ausgefallene Erzählung von scheinbar gewöhnlichen Helden.

Tengo und Aomame, die Protagonisten, kennen sich eigentlich aus der Schule, haben sich jedoch aus den Augen verloren, sodass sie sich, nun dreißig Jahre alt, nur noch in Gedanken hinterherhängen. Der Roman folgt in wechselnden Kapiteln einem der beiden Protagonisten und dessen Leben, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Aomame arbeitet als Fitnesstrainerin und heimliche Gerechtigkeitsmörderin, denn alle Morde die sie begeht, verübt sie an Menschen, welche Unrecht getan haben und gewaltätig sind. Tengo ist Dozent für Mathematik, obwohl er eigentlich lieber mit dem Schreiben Geld verdienen wollen würde. Seine Aufgabe ist es, eine Erzählung, die für einen Literaturpreis nominiert ist, so umzuschreiben, dass sie auch tatsächlich den Preis gewinnt. Der Vater der jungen Autorin ist der Führer einer Kommune und soll Aomames nächstes Mordopfer sein. Das könnte der Moment sein, der ein Wiedersehen zwischen Tengo und Aomame ermöglicht, so wäre eine Begegnung der beiden zu einem wahren Zufall stilisiert ' ob es sich so verhält und wie die beiden voneinander entfremdeten Leben sich kreuzen oder auch nicht, bleibt eine ständige Frage des Lesers und macht einen Teil der Spannung aus.

Dass sich die beiden voneinander entfremdeten Leben von Tengo und Aomame kreuzen ist also keinesfalls plumb mit einer Begegnung im Supermarkt hergeleitet.

Wer uninformiert über den Veröffentlichungshintergrund an diesen Roman herantritt, wird mit einem offenen Ende überrascht werden. Da Buch 1 und 2 in einem Buch veröffentlicht wurden, ist man geneigt diese Unterteilung in Bücher wie eine übergeordnete Struktur wahrzunehmen. Man denkt eher nicht daran, dass noch ein weiteres drittes Buch ergänzend hinzu kommen wird.

Trotz der gewählten auktorialen Erzählperspektive ist es anfangs schwierig von Kapitel zu Kapitel die fiktionale Welt zu wechseln und dem jeweils anderen Protagonisten zu folgen. Da die Leben von Tengo und Aomame sehr unterschiedlich sind, markieren die Kapitelwechsel einen recht starken Bruch. Was anfangs gewöhnungsbedürftig ist, erscheint im Gesamtzusammenhang des Romans das wohl stärkste Stilmittel zu sein, denn ansonsten ist der Roman annähernd frei von Dekor. Doch auch das scheint die Welt der Figuren am treffendsten zu beschreiben. Sie leben in einer wuseligen Welt, in welcher jedoch das persönliche Leben karg und leidenschaftslos erscheint.

Zahlreiche intertextuelle und intermediale Referenzen schmücken die Welt der Helden. Interessant ist dabei, dass als Fundus für diese Referenzen nicht asiatische Kulturprodukte dienen, sondern oft europäische Bücher gelesen, Musik gehört oder Filme gesehen werden. Unter anderem ist es das, was den Roman nicht speziell asiatisch, sondern allgemein gültig macht und vielleicht auch aus diesem Grund so erfolgreich. Jedoch tut diese Allgemeingültigkeit dem Erfolg des Romans in Japan keinen Abbruch, schließlich gewann der Autor mit 1Q84 den Man Booker Prize des asiatischen Buchmarktes, den Man Asian Literary Prize. Doch auch bei Lesern war der Roman beliebt, sogar so beliebt, dass er am Tag seines Erscheinens ausverkauft war.

Haruki Murakami erzählt in einem Interview, dass der Titel inspiriert ist von dem Roman 1984 von George Orwell. Auch Murakami siedelt seine Geschichte in diesem Jahr an. Die Überwachung geht hier nicht vom Staat aus, sondern wird aus der Gesellschaft selbst heraus, aus einer Kommune generiert. Ohnmächtig ist hier der Staat, der erfolglos die Vereinigung zu kontrollieren und zu zerschlagen versucht.

Ob das gelingt und Tengo und Aomame sich trotz der Spaltung, Zerrüttung und Entfremdung wieder begegnen und wie diese Begegnung aussehen wird, lässt sich im dritten Buch vielleicht ermitteln, das leider mit dem Erscheinungsdatum im Oktober, erst fast ein Jahr nach dem ersten und zweiten Buch, auf deutsch zu lesen sein wird.


Alle, alle lieben dich
Alle, alle lieben dich
von Stewart O'Nan
  Gebundene Ausgabe

4 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen eindimensionale Figuren und clichéhaft gestrickte Story - da wäre mehr drin gewesen, 10. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Alle, alle lieben dich (Gebundene Ausgabe)
Es steht sicherlich außer Frage, dass man, ist eine geliebter Menschen verloren oder vermisst, alle Hebel und Freunde in Bewegung setzt diesen Verlust zu beheben. In alle, alle lieben dich schildert Stewart O'Nan genau diesen Fall: Kim, eine 18-jährige junge Frau ist vermisst. Sie wollte drei Wochen später ausziehen von zu hause und ein eigenständiges Leben in der Ferne an einer Uni beginnen. Dazu kommt es nie. Platzhalter ist ihre Schwester. Sie wird all die Möglichkeiten haben, die Kim nie hatte. Doch 'alle, alle lieben dich' gilt Kim, die fieberhaft von ihrer Familie, Freunden, Bekannten und Verwandten, ja sogar

Menschen aus der Heimatstadt gesucht wird, denn 'alle, alle lieben sie'. Auf dieser Suche tun sich selbstverständlich auch die Abgründe zwischenmenschlichen Verhaltens auf. Und so lernt der Leser, dass die Ehe der beiden Eltern nicht mehr funk

tioniert, auch davor nicht funktioniert hat. Es wird aber auch klar, dass Kims Schwester Lindsay als zweites Kind der Familie, nie richtig integriert wurde und nie ihren

eigenen Platz, unverglichen mit Kim, bekommen hat.

Stewart O'Nan zeigt, wie eine Familie im Ausnahmezustand kaputt geht, anstatt näher zusammen zu wachsen. Er zeichnet das Porträt einer Familie, die nach dem Verschwinden eines Mitglieds, keinen anderen Grund für ihr eigenes Fortbestehen findet, als die Suche und das Finden. Dass am Ende jemand außenstehendes den Fund macht, den sich die Familie über Monate und Jahre erhoffte zu machen, krönt diese Aneinanderreihung von Fehlentscheidungen und Fehlreaktionen. Denn als solches muss sie der Leser sehen, möchte er nicht die Ausgestaltung der Figuren in Frage stellen.

Bemüht man die Figurengestaltung, so wird klar, dass es sich hierbei um eine eindimensional gezeichnetes, klicheéhaft angelegtes Personal handelt, dass so allabendlich auf Privatsendern in Krimiserien zu sehen ist: Anfängliche Hysterie, die rasch das Potential entwickelt eine ganze Familie zu zerstören und Figuren die dabei jedem Schritt dieses so gearteten Scripts folgen.

Der Klappentext versprach einen Stewart O'Nan der das tiefgründige Portrait einer Kleinstadt im Ausnahmezustand zeichnet und dabei einen spannenden Kriminalfall verhandelt, der den Leser persönlich bindet. Wie so oft hat der Klappentextschreibende Redakteur wahrscheinlich nicht geschafft das Buch ganz zu lesen. Doch selbst hätte er alles gelesen, hätte wahrscheinlich die Feststellung, dass das Buch schlichtweg eindimensional und 'schonmaldagewesen' ist, keinen Platz gefunden. Leider ist es aber so.


Unser allerbestes Jahr: Roman
Unser allerbestes Jahr: Roman
von David Gilmour
  Gebundene Ausgabe
Wird angeboten von Memorah.Book
Preis: EUR 18,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen schnell zu lesen, doch die Fragen bleiben und bewegen, 10. November 2011
Unser allerbestes Jahr von David Gilmour wollte ich schon lange lesen.
Sagen lässt sich: Man kann sich keinen zeitgenössischeren Vater vorstellen, der noch dazu so sanft die Grenzen eines Generationenkonflikts verschiebt und zeigt, dass ein Vater die Beziehung zu seinem Sohn nicht nur behalten, sondern auch stärken kann und dabei aber zu möglicherweise unkonventionellen Mitteln greifen muss.

Verwirrend ist, die fiktionale Welt fiktional und die Handlung fiktiv sein lassen zu müssen, denn der Autor David Gilmour nennt auch seinen Protagonisten David Gilmour. Dies lässt selbstverständlich Rückschlüsse auf den Autor zu, doch wäre es falsch, mit bloßen Biographismus zur Werkdeutung anzurücken, denn dazu erscheint The Film Club viel zu konstruiert und sorgsam abgestimmt auf genau das vom Titelbild so sehr angezogenen Publikum, das Stressfreiheit und eine originelle, aber dennoch eine menschlich hochwertige Lösung für das (Erziehungs-)Problem sucht. Das Werk gilt jedoch offiziell als non-fiction, was uns als Leser offiziell eben auch veranlassen muss, alles für bare Münze zu nehmen. So stellt David Gilmour seinen Sohn vor die Wahl, mit der Schule aufzuhören oder sich weiter zu quälen und unschwer zu erraten ist auch, welchen Weg Jesse wählt. Er quittiert die Schule und lässt sich auf den Deal ein, mit seinem Vater anstattdesssen drei Filme pro Woche zu schauen. Dazu ist jeglicher Drogenkonsum verboten. David Gilmour mag seinen Sohn also eigenwillig bilden, dabei darauf achten, dass dieser nicht auf 'die schiefe Bahn' gerät und dabei seinem Sohn beim Erwachsenwerden helfen. Immer wieder, angeregt durch die Filme oder die Lebensumstände der beiden, erfährt der Leser auch von den Schwierigkeiten und Gefühssschwankungen des jungen David, als dieser im Begriff was erwachsen zu werden. Doch, bei all den Filmen und Gesprächen kommen sich Vater und Sohn zwar näher, die Vorstellung von einem erfolgreichen oder zumindest erfolgversprechenden Leben für Jesse gerät für den Vater aber in immer weitere Ferne. David wird so immer wieder von der Vorstellung geplagt, seinem Sohn zum Ruin seines Lebens verholfen zu haben noch bevor dieses richtig begann. Am Ende lernen wir jedoch, dass wer wirklich gebildet sein will und damit auf diese Welt vorbereitet, der muss erst sich selbst und zu sich selbst gefunden haben. Wir sollen unserer Wege gehen und nicht länger wie Lemminge der Herde unhinerfragt hinterher gehen auf dem Weg zu einem versprochenen aber längst nicht garantierten beruflichen Erfolg, der immer auch gleichzeitig verspricht, privaten und persönlichen Erfolg zu bedeuten, es aber nur sehr selten auch wirklich ist.

Wie das Titelbild der deutschen Ausgabe von Unser Allerbestes Jahr verspricht, kann man bei diesem Buch entspannen, kommt aber nicht umhin, sich die wirklich wichtigen Fragen einmal zu stellen ' was möchte ich eigentlich mit meinem Leben anfangen. Einfach und schnell zu lesen ist das Buch, die damit einhergehenden Fragen jedoch nicht halb so leicht zu beantworten. Unser Allerbestes Jahrbewegt.


The Rabbit Problem
The Rabbit Problem
von Emily Gravett
  Gebundene Ausgabe

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein tolles, kreatives und liebevoll gestaltetes Kinderbuch ' mit großem Lerneffekt!, 10. November 2011
Rezension bezieht sich auf: The Rabbit Problem (Gebundene Ausgabe)
"The Rabbit Problem" von Emily Gravett ist weniger ein Buch für Kinder, als vielmehr für Eltern und Kinder gemeinsam, denn diese Geschichte beginnt erst richtig spannend und großartig zu werden, wenn Eltern ihre jungen Mitleser mit ergänzenden Informationen versorgen.
Die Handlung ist schnell erzählt: Ein Feld dient als Setting der Geschichte. Hier werden zwei Hasen angesiedelt, ein Männchen und ein Weibchen. Schon bald, im nächsten Monat, gibt es Hasenbabys.

Auch diese wieder Männchen und Weibchen und 'if you do the math' kann dieses lineare Hasenwachstum nur durch die Umzäunung des Feldes beschränkt werden. Am Zaun trifft der Leser auf ein Schild, welches darauf hinweist, dass kein Hase das Feld verlassen darf. Doch ein weiteres Schild, welches alles ein Wenig spannender und noch viel klüger erdacht macht, ziert den Zaun gleich daneben. Hier steht: Fibonacci's field. Doch bleibt dieses Schild bloße Dekoration, wird es nicht weiter erklärt, denn daraus generiert sich der Mehrwert und letztlich auch die Moral der Geschichte.

Das Setting, in welchem zwei Hasen auf einem Feld ausgesetzt und eingeschlossen werden, entspricht der Versuchsanordnung des Mathematikers Fibonacci. Er wählte Anfang des 13. Jahrhunderts diese Konstellation für ein mathematisches Experiment. So legte er seinem Versuch die Fragen zu Grunde, wieviele Hasen in einem Monat und in einem Jahr auf dem Feld sein würden. Ähnlich wie in The Rabbit Problem ist die Voraussetzung, dass jeweils gleichmäßig Männchen und Weibchen nachwachsen. Die nach ihm benannte Fibonacci-Folge ist demnach eine unendliche Zahlenfolge, da das nächste Element in der Zahlenfolge stets durch die Addition der beiden vorangegangenen entsteht.

In vielen Details wird die Referenz auf Fibonacci von Emily Gravett ausgearbeitet. Den Anfang der Geschichtet bilden die Grundannahmen Fibonacchis, deren Ergebnis auf dem am Zaun befestigten Schild jeweils angegeben wird. So existieren im Monat Oktober bereits 55 Paare auf dem Feld. Mit steigender Zahl an Hasen werden auch die Bilder wimmeliger. Das Problem variiert von Monat zu Monat. Mal macht die Hitze den Hasen zu schaffen, mal das Essen. Eigentlich würde auch die Überbevölkerung ihre problematische Wirkung entfalten, hätte nicht ein rebellischer Hase beschlossen, die Regel, dass keiner das Feld verlassen darf, zu missachten.

Aufgebaut ist das Rabbit-Problem-Buch wie ein Kalender, in welchem eingezeichnet wurde, was es zu tun gibt oder worauf geachtet werden muss. Hierin sind auch kleine Prospekte geklebt, so zum Beispiel ein Mutter-Kind-Pass oder eine aktuelle Ausgabe eines 'Local Newspapers'. Dass diese Gimmicks beim Lesen angefasst, durchgesehen und gelesen werden können wie kleine, für den jungen Benutzer entwickelte Ausgaben und sich so vom Buch allein physisch abheben, machen das Buch auch körperlich erfahrbar.

Auch die Königsdisziplin des Bilderbuchs kommt in The Rabbit Problem zur Geltung. So krönt das Problem um das unbegrenzte Wachstum der Hasen ein Pop-Up Bild, in welchem ineinander gefaltete Hasen eine winterliche Schneeballschlacht machen.

Lernen können junge Leser hier also über Fibonacci und seine Zahlenfolge, aber auch, dass Hasen sehr schnell zeugungsfähig sind. Bleibt beim jungen Leser die Freude über die freudigen Hasen im Pop-Up Bild zurück, so entlässt The Rabbit Problem den älteren Leser mit dem schalen Nachgeschmack eines drohenden Überbevölkerungsproblems. Obwohl Fibonaccis Versuchsanordnung die gleichmäßige Vermehrung vorsieht, bleibt der Effekt gleich bei unregelmäßigem Wachstum: unendliches Wachstum. Vermutlich würde man einer Überinterpretation folgen, würde man den Protest gegen die Grenzen des Hasenfeldes als die Erweiterung der irdischen Lebensraums auf andere Planeten verstehen, oder?


Spells
Spells
von Emily Gravett
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine Geschichte zum "Selbstgestalten" für kleine und große Leser, 10. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Spells (Taschenbuch)
"Will have children and adults laughing" urteilt The Times und erstaunt damit wahrscheinlich erwachsene Leser, denn eigentlich ist Emily Gravetts Spells ein Kinderbuch. Und es ist nicht ein Kinderbuch für Kinder, sondern eher ein Bilderbuch für kleinere Kinder ' auf den ersten Blick.

Die Geschichte ist simpel gehalten: Ein Frosch, erlöst aus einem gläsernen Gefängnis, findet ein Buch und stellt sich zahlreiche Szenarien vor, die das Buch beschreiben könnten und welche Rolle er, der Frosch, in den Geschichten spielen könnte. So soll das Buch über 'Castles' sein, der Frosch selbstverständlich der Prinz darin. Jeder Wunsch des Frosches wird demoralisierend beendet mit den Worten: 'But it was just an old book of spells and he was still just a green frog'. Da sich der Frosch mit diesen kargen Worten nicht zufrieden geben will, entwickelt er einen findigen Plan: Um alles zu sein, alle Leben zu haben, die er gerne hätte, benutzt er das Spellbook und zaubert.

Das Buchcover deutet bereits die Gestaltung des Buchs an. So wählt Emily Gravett hauptsächlich schwarzen Hintergrund für die magische Welt des Froschs. Der Leser ist nicht abgelenkt von aufwendig gezeichneten Hintergrund-Landschaften, sondern sehr konzentriert auf den Protagonisten. Dieser ist in einem dezenten Grünton, vermutlich mit Aquarellfarben, gefärbt und hat ein sichtbares Märchen-Frosch-Design.

Der wahre Kniff ist jedoch mit dem Kern der Handlung verbunden: Der Frosch, der sein Leben als Frosch nicht akzeptieren mag, zaubert sich sein erträumtes Leben. Der junge Leser soll und muss das Zaubern selbst übernehmen. Die linke Buchseite bildet jeweils eine andere Buchseite des gefundenen Buches mit einem wechselnden Zauberspruch ab. Die rechte Seite jedoch vervollständigt die Zauberei. Auf diese Seite wurde ein Lebewesen, welches der Frosch gerne sein würde, gemalt und in der Mitte auseinandergeschnitten, sodass das Tier von nun an in Kopf und Unterleib unterteilt ist. Dem Leser und Zauberer steht es daher frei, auch einfach nur den Kopf oder nur den Unterleib zu wechseln und damit ein vollkommen neues, und sicherlich nicht auf der Welt anzutreffendes Tier zu zaubern.

Nicht immer spricht eine Auszeichnung oder ein Literaturpreis für mehr als eine Betrachtung durch eine kompetente Jury, die unter zahlreichen Vorschlägen den schließlichen Gewinner auswählt. Emily Gravett hat für ihre Illustrationen schon bekannte Preise wie den "Macmillan's Prize for Illustration" oder die "Kate Grennaway Medal" gewonnen. Alle ihre Kinderbücher zeichnen sich durch fantasievolle Ideen aus, mit welchen der Leser die Geschichte nachempfinden und erleben kann. So wird jedes ihrer Bücher zu einer großen Reise für kleine Leser.


Der unausweichliche Tag: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Der unausweichliche Tag: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Rose Tremain
  Broschiert
Preis: EUR 13,95

1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Thriller mit unausweichlichem Blick in die traumatische Vergangenheit, 10. November 2011
Der Klappentext von "Der unausweichliche Tag" kündigt an, was nicht nur dem erfahrenen und viellesenden Leser bekannt vorkommt: Ein Mann, nicht mehr jung aber auch noch nicht alt, steckt in einer Lebenskrise und sucht einen Ausweg und will aus diesem Grund von England zu seiner Schwester nach Frankreich umziehen. Was so einfach und so bekannt wirkt, bringt in Wirklichkeit die Aufarbeitung zweier zerrütteter Familien mit sich. So wird der als Protagonist identifizierte Anthony Verey zu einem Stein, der eine Lawine ins Rollen bringt. Die Abgründe der persönlichen Lebensgeschichten treten zu Tage, nicht nur indem sie als Thema in die Handlung mit eingehen, sondern auch in der Interaktion der Figuren wird die Traumatisierung deutlich.

Dieser Roman ist besonders interessant, weil die Autorin es schafft, den Protagonisten so zu formen und zu festigen, dass er Präsenz über den eigenen Figurentod hinaus hat. So ist es gar nicht schlimm, wenn dieser nach ein wenig mehr als der Hälfte des Buches stirbt.

Vielleicht ist das der Erzählsituation geschuldet. Rose Tremain wählt einen Erzähler, der nicht Teil der Handlung ist, kombiniert die auktoriale Erzählperspektive aber mit einer flexiblen Fokalisierung, also Innensicht, der Figuren. Indem der Leser dem Reflexionsprozess der Figuren beiwohnt, kann er diese besser kennenlernen ohne dabei die gesamte Handlung aus dem Blick zu verlieren. Auf diese Weise kann sich der Leser in Szenen, in welchen nur die interne Fokalisierung einer Figur gegeben ist, auch den Gesprächspartner vorstellen und wir die präsentierte Situation auf diese Figur wirkt.

Oft wird Rose Tremains "Der unausweichliche Tag" als sehr poetisch und spannend zugleich beschrieben, Independent on Sunday preist den Roman als 'fesselnden psychologischen Thriller' an. Doch was bedeutet das?

Das Ziel des Thrillers ist es, Spannung und Horror zu erzeugen. Als Mittel dazu dient häufig die Möglichkeit für die Rezipienten, den Täter bei der Planung und bei der Ausübung des Verbrechens zu beobachten und im weiteren Verlauf der Geschichte zu hoffen und zu bangen, das Ermittlerteam möge schnell dem Täter auf die Schliche kommen. Genau das trifft auf Rose Tremains Roman auch zu. Der Horror und die Spannung werden nicht ausgelöst durch ein Verbrechen wie einen Mord oder Serientötungen, sondern durch das Porträt des psychischen Terrors, welcher den Figuren in der Vergangenheit widerfahren ist. Eine zweite Ebene dieses Horrors wird erzeugt, indem sichtbar wird, wie sehr das Verhalten der Figuren immernoch von dieser Vergangenheit beeinträchtigt ist. Das tritt nicht dann zutage, wenn die Figuren mit sich allein sind, sondern dann, wenn sie mit Mitmenschen interagieren müssen. Erst dann zeigt sich, wie missgünstig, egoistisch oder auch böse die Figuren und ihre Verlustängste sind. Jedes schlechte und unsympathische Verhalten lässt sich durch das Wissen um die Figuren und deren Kindheit erklären, dadurch werden die Figuren nicht sympathischer, aber zumindest verständlicher.


Habibi
Habibi
von Craig Thompson
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,75

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Thompsons opus magnum, 10. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Habibi (Gebundene Ausgabe)
Nicht nur aufgrund des Umfangs von 670 gezeichneten Seiten, lässt sich Craig Thompsons Habibi als des Autors Opus Magnum beschreiben. Schon mit dem 2003 erschienenen Graphic Novel Blankets konnte Craig Thompson die 600 Seiten Marke brechen. Im direkten Vergleich mit Blankets zeigt sich jedoch, dass die Bildgestaltung in Habibi wesentlich komplexer ist.

Auch das Thema ist komplexer geworden. Ist Blankets noch ein autobiographischer Graphic Novel, so ist es recht schwer Habibi autobiographische Grundlage nachzuweisen ' insbesondere nach der Lektüre von Blankets. Doch der Autor wurde inspiriert von einem Ereignis aus seinem Freundeskreis, nämlich der Vergewaltigung einer im nahe stehenden Freundin.

Die bestimmenden Themen des Romans sind Sexualität, Religion und Wassermangel, welche die Protagonisten Zam und Dodola auf ihrer langen Reise zum Erwachsenwerden bewältigen müssen. Die Geschichte könnte eine Coming-of-Age Geschichte sein, würden nicht die Themen, die die Protagonisten bei ihrem Erwachsenwerden in der Regel begleiten, in diesem Fall überschattet werden von Armut und Ungerechtigkeit in der Welt, aber auch von sexueller und finanzieller Ausbeutung im persönlichen Leben der Figuren.

Die Gestaltung des Romans ist auf den ersten Blick recht simpel und auch schlicht, da der Roman vollständig in schwarz-weiß gehalten ist. Auch die Panelgrenzen werden überwiegend eingehalten ' wobei überwiegend bei 670 Seiten natürlich auch relativ ist. Wenn die Panelgrenzen aufgelöst werden, dann in dramatischen Momenten, in welchen eine Figur orientierungslos oder emotional sehr beansprucht ist. Nicht selten beschreibt so die Gestaltung der Bilder einen Zustand der Figuren, der auch nicht in Worten ausgedrückt werden könnte. Da die Handlung lediglich durch Speech Balloons der Figuren erzählt wird und nicht Speech Boxes die Narration übernehmen können, kommt diesen Szenen außerordentliche Bedeutung bei der Vermittlung von Gefühlen und mentalen Zuständen zu. In einigen Szenen scheinen sie sogar die Funktion der 'Stream of Consciousness Technique' zu übernehmen.

Die Handlung wird begleitet von ausgewählten Stellen und Geschichten aus der Bibel, die durch eine schwarze Rahmung der gesamten Seite gekennzeichnet sind. Eigentlich sollten auch noch Geschichten aus '1001 Nacht' zitiert werden, doch diese blieben Entwürfe des Autors. Diese ausgewählten Momente werden auch visuell in ihrer Funktion als Paratext betont. Nicht immer erschließt sich dabei sofort, der Zusammenhang oder der übergeordnete Interpretationsrahmen. Gleichzeitig wird auf diese Weise von den Lesern eine hohe Fähigkeit zur Abstraktion verlangt, die den graphischen Roman von seinem Cliché ein bloßes Bilderbuch mit Speech Balloons zu sein, ein weiteres Mal befreit. Die Fesseln der Konvention binden Graphic Novels noch immer an Kinder- oder Jugendzimmer und erschweren nicht zuletzt auch den Eintritt in den literaturwissenschaftlichen Diskurs.

Die Gestaltung der Figuren ist nicht iconic. Sie sind ausgearbeitet, sowohl graphisch, als auch persönlich. Das erschwert sicherlich ein wenig die Identifikation des Lesers, jedoch wird diese ohnehin schon erschwert durch das besondere Setting der Welt des Orients, die den hiesigen Lesern wahrscheinlich fremd oder unbekannt sein wird. Das wird unterstützt durch die häufig beobachtende Perspektive der Bilder, die ein weiteres Mal deutlich macht, dass der Leser/Betrachter dem Geschehen nicht inne-, sondern lediglich beiwohnt.

Durch Splash Pages, die in voller Größe ornamentale Kunst, arabische Zeichen und Buchstaben sowie Zahlen zeigen, wird der Leser jedoch trotz der ihn distanzierenden Perspektive in die Welt des Orients gesogen. Und wie in der Natur des Ornaments begründet, wiederholt es sich auch im Buch und lässt einen nach 600 gelesenen Seiten fast schon heimisch werden in der Welt des Fernen Orients.


Kalter Süden (Ein Annika-Bengtzon-Krimi, Band 8)
Kalter Süden (Ein Annika-Bengtzon-Krimi, Band 8)
von Liza Marklund
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Eindimensionales Gebuddel, 10. August 2011
Kalter Süden von Liza Marklund ist ein personlareicher, manchmal verwirrender und leider über lange Strecken hinweg zäher Kampf der Journalistin Annika Bengtzon um ein neues Leben, eine verlorene Liebe und nebenbei auch um die Aufklärung des Mordes an einer schwedischen Familie im vermeintlichen Steuerparadies Spanien.

Die Autorin dankt im Nachwort all jenen, die sie bei der Recherche zu diesem Buch unterstützt haben und so wird klar, dass dieses Buch nicht einfach aus dem Ärmel geschüttelt wurde mit blinden Behauptungen über Steuerfreiheit, Drogenhandel, Gewalt und Justiz. Nein, Liza Marklund hat sicher akribisch recherchiert und gebuddelt. Dabei ist ein umfangreiches Bild entstanden, dass leider in der Ausführung eher eindimensional ist.

Konflikte und Streitereien aus anderen Büchern werden wieder aufegrollt oder nehmen hier immernoch kein Ende. Ich habe auch die anderen Liza Marklund Bücher gelesen und fühle mich als Leser ein Wenig um eine Lösung betrogen. Alle Konflikte, die es schon immer gab sind weiterhin nicht aus dem Leben der Heldin weg zu denken. Man könnte meinen, die Figur entwickle sich nicht weiter. Doch jeder kennt Menschen aus dem eigenen Umfeld, die ewig und ewig und auch manchmal noch viel länger den gleichen Ballast herumtragen aus dem Mangel an Konsequenz eine Entscheidung zu treffen und auch durchzuhalten. Doch wer solche Menschen meidet und anstrengend findet, der sollte dringend auch dieses Buch meiden, denn hier ist man als Leser in einer besonderen Zwangslage: man kann nicht wiedersprechen und ist auch durch die gewählte Perspektive fast immer an die Protagonistin gebunden.

Die Heldin will autark und individuell arbeiten, ein Wenig wie Jordan aus Crossing Jordan, die auch Brerufsgrenzen überschreitet und als Pathologin die Umstände ihrer Toten rekonstruiert. Dabei verfängt sich Annika Bengtzon jedoch in ihrem Leben und den unbearbeiteten Verwundungen und bleibt dabei kalt und unnahbar. Das lässt ihre wechselnden Männergeschichten nicht glaubwürdig und emotional motiviert erscheinen, sondern nur verzweifelt und "altjungferlich". Eine Frau, die sich selbst beweisen muss, dass auch sie noch attraktiv ist, trotzdem sie abgestellt und betrogen wurde von ihrem Mann. So produziert sie dann auch einen Skandal nach dem nächsten. Der erste landet auf dem Titelblatt der Konkurrenz mit Foto und Beschreibung. Der zweite auf dem Tisch ihres Chefs. Der dritte bleibt unaufgeklärt.

Plumb und einfach ist die Sprache, die Dialoge sind simpel und staubtrocken. Eigentlich nur Informationsaustausch. Ich sehe, dass das auch ein wesentliches Merkmal von "Sherlock Holmes" war, doch sehe ich auch, dass der Informationsaustausch dort gespickt war von kleinen Sticheleien und Diagnosen über Leib und Leben. Die einzige Figur, die diesen staubigen Dunst zu durchbrechen scheint, ist die von Annika Bengtzon angeheuerte Übersetzerin. Allein sie ist lustig und auch reflektiert. Doch am Ende lernt man als Leser, dass man auch hier an den falschen Stellen gelacht hat und fühlt sich verspätet schlecht.

Fazit: Ich hätte mich lieber nicht für 500 Seiten an das Innenleben einer vereinsamten, sozial mehr als untalentierten, chronisch überarbeiteten pseudo-Miss Marple gekettet gesehen sondern mich in dieser Zeit lieber einem "Mord im Orientexpress" gewidmet.


Der Briefwechsel Thomas Bernhard/Siegfried Unseld
Der Briefwechsel Thomas Bernhard/Siegfried Unseld
von Raimund Fellinger
  Gebundene Ausgabe

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der "wahre" Thomas Bernhard?, 8. August 2011
Der Briefwechsel zwischen Siegfried Unseld und Thomas Bernhard - ja, was soll man da erwarten? Ein mit Bernhard in Berührung gekommener Leser, wird nicht mehr die Erwartung hegen, nun endlich den 'wahren Bernhard' kennenzulernen. Zu oft bleibt der Blick auf Bernhard unscharf und undefiniert, was ganz bestimmt im Interesse des Künstlers lag. Bernhard hat von sich reden gemacht als unberechenbar. Ob mit undankbaren und staatskritischen Preisreden oder einfach dadurch, dass er sich normal und angepasst verhielt 'Bernhards Auftritte waren immer besonders.

Unseld beweist sehr viel strategisches und auch menschliches Geschick, die Geldnöte, die Unzufriedenheit, bisweilen sogar Rage Bernhards zu mindern oder auszugleichen. Auf 800 Seiten Briefwechsel wird klar, Thomas Bernhard war kein einfacher Autor zu betreuen. Wir erfahren, dass ihm das Honorar nie genug war, dass er immer wieder Darlehen vom Verlag erhalten hat, sich aber dennoch über die mangelnde Großzügigkeit seines Verlegers beschwerte. Desweiteren wird deutlich, dass Unseld und Bernhard wohl auch eine semi-private Beziehung zueinander hatten. Immer wieder fährt Unseld nach Österreich um Bernhard zu besuchen und mit ihm auf langen Spaziergängen zu sprechen - ihn manchmal auch persönlich zu besänftigen.

Neben dem, dass die Selbst-Darstellung von Thomas Bernhard und Siegfried Unseld sicher in einem halb-privaten und aber auch halb-beruflichen bzw. öffentlichen Rahmen gesehen werden muss, wird dem Leser durch die Fußnoten - die hier eher den Umfang eines Paratextes haben - sowie durch die Herausgeber der Blick auf Bernhard verstellt. Im Vordergrund dieses Briefwechsels sollte sicher Bernhard stehen, dennoch ist Raimund Fellinger und auch Julia Ketterer sicher an einer guten Repräsentation des Suhrkamp Verlages interessiert. Fellinger ist Cheflektor beim Suhrkamp Verlag.

Martin Huber wiederum ist sozusagen Anwalt der Gegenseite. Er ist der Leiter des Thomas Bernhard Archivs und als solcher bemüht, Thomas Bernhard in ein entsprechendes Licht zu rücken.

Alle drei sind Herausgeber des Briefwechsels und ihr Eingriff in den natürlichen Fluss der Briefe wird in zahlreichen Anmerkungen in den Fußnoten deutlich. Diese Anmerkungen reichen von der Information, dass sich in der rechten oberen Ecke ein gerader roter Strich befand, bis hin zu Auszügen aus der Chronik, einer Art Tagebuch Unselds, in welchem die Treffen mit Thomas Bernhard festgehalten wurden.

Alles in allem lässt sich sagen, dass die Informationen über Thomas Bernhard, die der Leser dem Briefwechsel entnimmt oder sich zu entnehmen erhofft, durch einen

von Interessen geprägten Selektions- und Präsentationsinstanz gegangen sind. Doch da, wer Thomas Bernhard liest und mehr über ihn und sein Schaffen erfahren will, an eine nur stückweise zugängliche Information gewohnt ist, ist auch das einfach als Angebot zu sehen, hinter die Kulissen eines so großen Verlages und eines noch größeren Autoren und seines Verlegers zu schauen. Nebenbei ist der Briefwechsel auch noch sehr vergnüglich zu lesen.


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