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œ
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Somerset: Roman
Somerset: Roman
von Alexandra Lavizzari
  Taschenbuch

3.0 von 5 Sternen Gute Grundidee. Verbesserungspotential in der Ausführung., 6. Juni 2017
Rezension bezieht sich auf: Somerset: Roman (Taschenbuch)
Menschen in einem Dorf in Somerset. Mit Geheimnissen. Mit einer Tradition, die so gar nicht ins 21. Jahrhundert passt. Die Dörfler aber beharren darauf, führen es weiter, Jahr um Jahr, bis ….
... eine Mutter ihre Tochter besucht und sich Sorgen um ihr Kind macht.
... ein junger Mann, der vor fünf Jahren aus eben diesem Dorf geflohen ist, endlich erkennt, dass er etwas unternehmen muss.

Die Geschichte dieser zwei Personen wird parallel erzählt. Die Schweizerin Vera Wyler mietet nach dem Tod ihres Mannes ein Ferienhaus in einem kleinen Dorf in Somerset. Malen will sie. Und ihrer Tochter nahe sein, die mit ihrem Mann in eben diesem Dorf wohnt. Es ist kurz vor Weihnachten und so nehmen Mutter und Tochter an der alljährlichen Adventstombola teil. Im Buch wird der Wettbewerb nur Raffle genannt. Den Hauptpreis gewinnt das Los der Mutter. Die Dorfbewohner wollen das aber nicht akzeptieren. Nadja, die im Dorf lebende Tochter, soll den Preis annehmen. Die junge Frau weigert sich jedoch. Insistiert regelrecht – ein unerhörter Vorgang nach Meinung der Dörfler, die prompt buhen. Am Ende jedoch akzeptiert die Moderatorin die Mutter als Gewinnerin. Was diese gewonnen hat, wird freilich dem Leser nicht sofort klar. Es dauert ein wenig bis die Mutter eine erste Rate ihres Gewinns erhält: Unmengen von Gemüse und Obst, die sie mit Tochter und Schwiegersohn teilt, weil es zu viel für sie alleine ist. Und sie erhält noch etwas: Eine anonyme Drohung, dass sie den Preis an die Tochter abtreten soll.

Während dessen lebt in der Picardie ein junger Mann in einem eremitenähnlichen Dasein. Er hütet ein französisches Schloss für dessen englische Besitzer. Die Landessprache spricht er nicht. Kontakt sucht er keinen. Er stammt aus eben jenem Dorf in Somerset, in dem Mutter und Tochter Wyler leben. Vor fünf Jahren hat er es panikartig verlassen. Eines Tages trifft er eine junge Frau. Zoë, ebenfalls Engländerin, gelingt es sein Interesse zu wecken und er geht erstmalig seit langer Zeit aus sich heraus und besucht ihre Neujahrsfeier.

Vera Wyler tritt den Preis tatsächlich an die Tochter ab. Zur Freude der Dorfbewohner. Bei der alljährlichen Wassailing Feier stellt die Mutter dann überrascht fest, dass Nadja die diesjährige Apple Queen ist. Eine Ehre? Ihre Tochter findet es wichtig teilzunehmen. Sie will sich schließlich integrieren. Die Mutter ist jedoch befremdet von den seltsamen Ritualen. Noch mehr geben ihr aber andere Ereignisse zu denken. Am Tag ihrer Ankunft war eine junge Frau gestorben. Später dann wird sie von einem Fernseh-Berichterstatter kontaktiert, der anscheinend vor ihr das Cottage bewohnt hat. Craig Brett will sie aufsuchen, um etwas aus dem Cottage abzuholen, das er vergessen hat. Er erscheint jedoch nicht. Stattdessen erfährt Vera, dass er in der Nähe verunglückt ist. Ein Unfall? Oder steckt mehr dahinter? Vera beginnt sich noch mehr Sorgen zu machen. Und sie fängt an Fragen zu stellen …

In Frankreich wird Jason von einem anderen Dorfbewohner aufgestöbert. Miles, ein etwas gewalttätiger Mensch, verletzt dabei Zoë, und die junge Frau ist nicht bereit das einfach hinzunehmen. Zusammen mit Jason macht sie einen Schlachtplan, um dem Grauen in Southcombe ein Ende zu setzen …

Soweit zur Handlung.
Gute Ideen zur Ausgangsbasis und zur Zusammenführung der Handlungsstränge. Spannend aufgebaut ist es auch, wenn … ja wenn, da nicht einige Besonderheiten wären.

(1) Ungewohnte Ausdrücke. Teilweise sicherlich Schweizer Ausdrücke. Normalerweise habe ich nichts gegen Mundart. Zumindest nicht, wenn die Handlung auch in der Schweiz spielt. Aber im ländlichen Somerset schien mir einiges einfach fehl am Platz zu sein. Und teilweise erschien mir manches einfach nur seltsam:
Vor dem „Eindunkeln“ will Vera zu Hause sein. (114)
Im Pub arbeitet eine „Serviertochter“ (294)
Fixnummer anstelle von Festnetznummer (114)
… wenn es mit der Kommunikation harzte. (40)
Was machst du, seit du hier sitzt? Speisest mich mit Halbwahrheiten ab… (357)
Etc.

(2) Rechtschreibfehler
a. Kalte Bise (11) Brise?
b. Posters (12) Ist das wirklich der Plural von Poster?
c. Ich vespreche Ihnen, … (346)
d. Sie müssen einen Teil der Lösung des Rätsels sein … (310)
e. Ers … wärs …. wars … (alles 141) Nutzt man neuerdings kein Apostroph mehr?

(3) Vor allem aber haben mich einige Formulierungen irritiert. Ein Beispiel:
Seit seiner Flucht war viel gebaut worden; an manchen Orten waren Wohnsiedlungen entstanden, wo früher Wiesen und Äcker waren: lieblos in die Landschaft gesetzte Kuben mit Garagen und umzäunten Gärtchen, alle ungefähr gleich: Tauntons Fühler, die sich weiter und weiter in die friedliche Lieblichkeit Somersets vorrasteten. (346)
Und nein, die Kuben stören mich nicht, auch nicht die friedliche Lieblichkeit. Es ist der Aufbau des Satzes mit doppelten Doppelpunkt und Semikolon, der so ganz anders ist als alles, was ich bislang von Alexandra Lavizzari gelesen habe. Ehrlich gesagt habe ich mich teilweise gefragt, ob das noch dieselbe Autorin ist, die mich mit ihrem Buch über die Freundschaft zwischen Nelle Harper Lee und Truman Capote begeistert hat.

Mein Fazit:
Ja, ich habe dieses Buch von Anfang bis Ende durchgelesen. Schließlich wollte ich wissen, wie es ausgeht. Leider gab es aber immer wieder Stellen, über die ich gestolpert bin. Habe ich zu viel erwartet? Oder liegt es daran, dass die Autorin Zeitdruck bei der Abgabe hatte und das Manuskript nicht ausreichend überarbeitet wurde. Jedenfalls hat mich SOMERSET nicht so restlos begeistert wie andere Geschichten und Bücher der Autorin. Oder anders ausgedrückt: Kann man lesen, muss man nicht gelesen haben.


Das Seelen-Wissen unserer Tiere: Ihr feines Gespür verändert unser Leben
Das Seelen-Wissen unserer Tiere: Ihr feines Gespür verändert unser Leben
von Emma Heathcote-James
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

3.0 von 5 Sternen Ich bin etwas enttäuscht …, 6. Juni 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Denn irgendwie hatte ich mir hier mehr erhofft.
Was der Leser, der dieses Buch kauft, erhält sind vor allem viele nette (und kurze) Tiergeschichten. Von Therapietieren, vor allem Therapiehunden. Von Assistenzhunden, also Blindenführhunden, Gehörlosenhunden, etc. Von anderen Arbeitshunden, zB Rettungshunden, Fährten- und Spürhunden, Polizeihunden, etc. Die Leistungen von Tieren im Krieg und im Einsatz gegen den Terror werden aufgezählt. Es gibt Beispiele für den ausserordentlichen Instinkt von Tieren, zB während des Tsunamis 2004 in Asien. Des Weiteren werden berühmte Tiere genannt, insbesondere aus Film und Fernsehen, aber auch andere, zB solche, die im Weltall waren. Das ist alles ordentlich gemacht und durchaus kurzweilig, es rechtfertigt meiner Meinung nach aber keine vier- oder fünf-Sterne-Bewertung.

Denn das, was ich mir über all die Fallbeispiele hinweg erhofft hatte, waren zusätzliche Informationen: zB mehr Details über die wissenschaftliche Forschung in dem Bereich oder aber über die Ausbildung und Förderung. Ersteres wird meiner Meinung nach zu knapp geschildert. Letzteres fehlt komplett. Und das finde ich schade.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, die Geschichten, die Emma Heathcote-James gesammelt hat, sind durchaus ergreifend. Mir persönlich ist zB die von Daniel zu Herzen gegangen, einem Jungen der unter Duchennes leidet, einer muskulären Erbkrankheit (112ff). Wie er eine Fellnase namens Yogi findet, die ihn unterstützt ist bewegend geschildert. Genauso wie all die anderen Fallbeispiele. Eine Lieblingsgeschichte der Autorin ist zB die von Thor, einem weißen Schwan (230f). Andere Geschichten verblüffen: zB die von Bienen, die auf Sprengstoff spezialisiert sind. Bienen??? Sprengstoff suchende Hunde kannte ich, aber Bienen??? Hier geht die Autorin sogar auf die Feldversuche der Wissenschaftler ein. Das ist aber eher die Ausnahme als die Regel.

Die Idee zu diesem Buch kam der Autorin durch ihren Hund Mutley, den sie eigentlich als Jagdhund ausbilden wollte, den aber Flügel von geschossenen Vögeln in Panik versetzt haben (154ff). Stattdessen wurde Mutley ein Therapiehund bei Pets as Therapy (PAT). Man erhält etwas Hintergrundinformationen zum Verein und erfährt, dass die Hunde und Katzen bezüglich ihres Temperaments geprüft werden, tierärztlich untersucht und geimpft werden. Die Arbeit besteht darin, dass die Tiere therapeutische Besuche in Krankenhäusern, Hospizen, Pflege- und Altersheimen sowie Schulen und anderen Einrichtungen durchführen. Eine gute Idee, wie ich finde. Hier hätte mich insbesondere interessiert, wie die Temperamente der Hunde und Katzen geprüft werden. Wie sie vorbereitet werden auf die Besuche. Wie sich die Halter benehmen. Lassen Sie die Hunde zB von der Leine? Oder sind die Fellnasen die ganze Zeit angeleint? Wie werden die Bewohner der Heime, die Kranken, die Schüler, etc. vorbereitet? Solche handfesten, praktischen Dinge hatte ich erhofft. Leider fehlen diese Informationen.

Deswegen „nur“ drei Sterne.


Liebe deinen Nächsten
Liebe deinen Nächsten
von Erich Maria Remarque
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Menschen im Exil, 2. Juni 2017
Rezension bezieht sich auf: Liebe deinen Nächsten (Gebundene Ausgabe)
Wien 1935:
Ludwig Kern, geboren im November 1914, aus Dresden, Halbjude. Seit einem Jahr befindet er sich bereits im Exil. Josef Steiner war hingegen aus einem Konzentrationslager geflohen, wo er aus politischen Gründen einsaß. Bei einer nächtlichen Razzia in einer Flüchtlingspension treffen die beiden zufällig aufeinander. Gemeinsam versuchen sie über das Dach zu fliehen und werden dabei gestellt. Beide haben keine Papiere. Die Folge: vierzehn Tage Haft und Ausweisung. Während der Haft nimmt Steiner den jüngeren Kern unter seine Fittiche und bringt ihm Dinge bei, so das Spielen mit Karten. Auch das Falschspielen. Skat für Emigranten, Jass für die Schweiz, Tarock für Österreich und Poker für alle Fälle. Zusammen lassen sie sich in die Slowakei abschieben, dann jedoch endet der gemeinsame Weg. Vorerst. Während Kern sich nach Prag durchschlägt, wo er seinen Vater wiederfindet, kehrt Steiner nach Österreich zurück. Abwechselnd wird aus dem Alltag der beiden Flüchtlinge erzählt. Sie treffen sich wieder, sie trennen sich, usw.

Der Kampf um eine Aufenthaltsgenehmigung. Noch ein paar Tage mehr und dann die Ausweisung. Die Möglichkeit den Pass eines Verstorbenen zu erhalten. Die Frage der Geldbeschaffung. Kleine Dinge lassen sich besser verkaufen als große. Nie die Waren in einem Koffer mitnehmen. Besser ist es sie in den Taschen zu verstauen. Eine illegale Arbeit ohne die entsprechende Erlaubnis, aber irgendwie muss man ja überleben. Und immer wieder die Frage: Wem kann man vertrauen?

Kern trifft in Prag auf ein Ehepaar, das ihn ausnimmt, und seine Angst vor einer Uniform, und sei es nur die Uniform eines Briefträgers, ausnutzt. Ein Fiasko! Dann jedoch hilft ihm in einem Restaurant ein Fremder mit einem Monokel, der ihm und seiner Begleiterin das komplette Essen inklusive reichhaltiger Dessertauswahl bezahlt. Die jüdische Kultusgemeinde in der Schweiz kann Kern nicht finanziell unterstützen, weil er als Halbjude der evangelischen Religion angehört. Ein Kommerzienrat Oppenheimer, selbst Flüchtling, verweigert ihm Hilfe, weil er sich nicht einmischen will, kauft ihm aber wenigstens eine Seife ab. Bei einer Schweizer Familie wird er erst zum Kaffee eingeladen und dann an die Gendarmerie verraten. Der Beamte, der ihn verhaften soll, legt ihm jedoch keine Handschellen an und gibt ihm auch noch Tipps, wo er fliehen kann. „Zwar habe ich ein verstauchtes Bein und kann nicht hinter Ihnen herlaufen, aber ich würde Sie sofort anrufen … Sie könnten mir vielleicht inzwischen entwischen, besonders an der einer Stelle, …“ Die Flucht klappt. Dass die beiden sich später wiedersehen, liegt daran, dass die junge Frau, die Kern in Prag kennen- und lieben gelernt hat, so schwer erkrankt, dass sie in ein Krankenhaus muss. Ein jüdischer Arzt hilft, Kern selber wird in der Folge aber erkannt und festgesetzt. Haft, Ausweisung, Rückkehr, wieder Ausweisung, ein Hin und Her. Bis er schließlich zusammen mit Ruth nach Paris geht.

Steiner hat hingegen kommt vorübergehend im Prater unter. Aushilfskellner, Schießbudenhengst und Hellseher. Das Positive dabei: Auf dem Rummelplatz wird nicht kontrolliert. Vorübergehend kann er sogar Kern dort unterbringen. Nach einem Eklat muss Kern jedoch weiterziehen. Und Steiner wird ihm irgendwann über die Schweiz nach Frankreich folgen.

Das Besondere an dieser Geschichte sind die Gegensätze: Menschen, die helfen, und dann die anderen, die Flüchtlinge verraten. Als der Schweizer Richter, der Kern in Untersuchungshaft schickt, den jungen Mann fragt, ob er noch an etwas glaubt, antwortet dieser: „O ja; ich glaube an den heiligen Egoismus! An die Unbarmherzigkeit! An die Lüge! An die Trägheit des Herzens!“ Aber das ist noch nicht alles: „Ich glaube auch an Güte, an Kameradschaft, an Liebe und an Hilfsbereitschaft! Ich habe sie kennengelernt. Mehr vielleicht, als mancher, dem es gutgeht.“ Wohlwollen und Bösartigkeit. Wer will ich sein? Die Frage, die Remarque stellt, richtet sich an all diejenigen, die nicht geflohen sind, die ihm bequemen Zuhause sitzen, eine Arbeit haben. Wie will ich mit Flüchtlingen umgehen? Christliche Nächstenliebe oder Unbarmherzigkeit? Es gibt keine neutrale Position bei Remarque. Das Individuum muss sich entscheiden. Für das eine oder das andere. Der oben erwähnte Richter jedenfalls nimmt sein Portemonnaie aus der Tasche. „Es gibt ja leider nur diese primitive Form von Hilfe“ sagt er als er Kern zwanzig Franken zusteckt. Geld, das reicht, damit Ruth bis an die Grenze kommt. Immerhin.

Und noch etwas ist besonders: die humorvollen Momente. Steiner nutzt seine Kartenspielerfahrung, um den österreichischen Zöllnern beim Tarockspiel Geld abzunehmen. Leider müssen diese ihn jedoch abschieben. Die Revanche ergibt sich einen Tag später, als ihn der Schweizer Grenzposten nach ausgiebigem Jass-Spiel zurückschickt. Und natürlich wartet auf der anderen Seite bereits der Zöllner vom Vortag, der ihn dann leider, leider nicht abschieben kann (oder mag), weil die Schweizer die Grenze so stark bewachen. Meint er jedenfalls, woraufhin Steiner grinst und noch einen Tag länger zum Tarockspiel in Österreich bleibt. Bei all der Härte des Flüchtlingsdaseins, gibt es doch auch heitere, leichte Momente. Sie sind es – zusammen mit all der Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung, die die Geschichte erträglich machen.

Mein Fazit:
Eines meiner Lieblingsbücher. Erich Maria Remarque hat mit LIEBE DEINEN NÄCHSTEN eine großartige, eine bewegende Geschichte zu Papier gebracht, die solange aktuell ist, solange es Flüchtlinge gibt. Auch wenn die gesetzlichen Rahmenbedingungen heute andere sind als vor über siebzig Jahren.

Zum Hintergrund des Buches:
Menschen im Exil. Das zweite große Lebensthema von Erich Maria Remarque. LIEBE DEINEN NÄCHSTEN – begonnen im April 1938 – stellt den Auftakt für eine Serie von Exilromanen dar. Es geht weiter mit Arc de Triomphe, Schauplatz Paris, Die Nacht von Lissabon, Schauplatz Schweiz, Frankreich und Lissabon, sowie Schatten über dem Paradies respektive die Neufassung Das gelobte Land, Schauplatz USA.

Menschen im Exil. Ein Thema, das Remarque auch persönlich betraf. Am 29. Januar 1933 ist er mit seinem Auto ohne Anzuhalten von Berlin in die Schweiz gefahren. Seit April 1932 hatte er in Ronco sopra Ascona einen neuen Wohnsitz, konnte jedoch nach Deutschland reisen. Diesmal sollte es lange, sehr lange dauern bis er wieder deutschen Boden betreten konnte. Ausgebürgert wurde Remarque zwar erst im Juli 1938, aber das lag womöglich daran, dass jemand im Deutschen Reich noch Hoffnungen hatte, den berühmten Schriftsteller zur Rückkehr zu bewegen. Zumindest beschreibt Wilhelm von Sternberg in seiner Remarque-Biografie einen solchen Versuch von Hermann Görings Staatssekretär Körner. Warum Göring? Dessen Bruder Heinrich war mit der Schwester von Remarques erster und zweiter Ehefrau Jutta Zambona verheiratet. Wie auch immer, Remarque soll das Angebot zur Rückkehr „harsch“ abgelehnt haben. (vgl. S.244 obige Biografie). Ohnehin war sein Leben im Exil angenehmer als das vieler anderer Flüchtlinge. Das Vermögen hatte er rechtzeitig transferiert. Seit 1937 war er im Besitz eines panamaischen Passes. Vor allem aber war ein bereits ein internationaler Bestsellerautor. Seine Bücher wurden übersetzt und im Ausland in hohen Stückzahlen verkauft bzw. verfilmt. Andere Exilschriftsteller kämpften hingegen um’s Überleben. Remarque nutzte seinen Wohlstand aber, um zu helfen, wo es möglich war. Immer und immer wieder.


Bildlexikon der Kunst / Techniken und Materialien der Kunst: BD 10
Bildlexikon der Kunst / Techniken und Materialien der Kunst: BD 10
von Caroline Gutberlet
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Sehr informativ. Mit vielen Beispielen., 23. Mai 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Vorab ein Hinweis: Ich bin nicht vom Fach! Womit ich sagen will, mir fehlt das Hintergrundwissen, um den Inhalt dieses Lexikons fachlich zu beurteilen. Aber genau das war auch der Grund, warum ich es mir gekauft habe ... um hinzuzulernen.

Grundsätzlich gefällt mir das Konzept nach dem die einzelnen Bände dieser Bildlexikon-der-Kunst-Serie aufgebaut sind. Theoretische Informationen und sehr, sehr viele Bildbeispiele von sehr alt bis modern.

Ein Fresko aus dem Jahr 1072, das die Fußwaschung zeigt (Caserta, Sant’Angelo in Formis): Wie präparierten die byzantischen Künstler die Wand? Wie arbeiteten die Meister, um den Wandstreifen noch vor dem Austrocknen fertigstellen zu können? In welcher Reihenfolge wurden die Farben aufgetragen?

Auf der gegenüberliegenden Seite die Flucht nach Ägypten aus dem 9. Jahrhundert, Castelseprio, San Maria Foris Portas: Warum wirkt die Kalkmalerei stumpfer und kompakter als das Fresko? Wie funktioniert Kalkmalerei überhaupt?

Wo wurden Pastellfarben erfunden? In welchem Land wurden Graphitstifte zuerst hergestellt?
Wussten Sie, dass Leonardo einen gelben Pastellstift für Korrekturen an dem nie vollendeten Bild der Isabelle d’Este (im Louvre) verwendet hat?

Heute werden Kreidestifte in der Regel künstlich hergestellt. Wie gingen die Künstler des ausgehenden 15. Jahrhunderts vor, um den Kreide eine größere Beständigkeit zu verleihen?

Wer hat im Jahr 1925 die Technik der Frottage entwickelt? Was versteht man unter Drip-Painting?

Und und und … das Fachwissen in diesem Buch ist enorm. Ein ausgezeichnetes Nachschlagewerk. Ob man etwas Spezifisches sucht einfach nur zur Abwechslung eine beliebige Seite aufschlägt und liest, man kann viel lernen. Im theoretischen Teil wird auf das Material eingegangen, auf die Werkzeuge, die Verbreitung der Technik, auf verwandte Techniken und außerdem erfährt man auch noch Kuriosa, wie das oben erwähnte Leonardo-Werk.
Das Beste sind aber natürlich die vielen praktischen Beispiele. Wo findet man das so gut aufbereitet, wenn man Informationen im Internet recherchiert? Die Anmerkungen sind zwar teilweise in sehr kleiner Schrift, aber dennoch gut lesbar. Besser klein und viele Hinweise als wenig Informationen, die dann aber in großen Lettern dargebracht werden. Anders ausgedrückt: Es gibt eine Fülle an Wissenswertem.

Der Inhalt dieses Bandes ist in die folgenden Bereiche aufgeteilt:
Zeichnung, Grafik, Malerei, Plastik, Mosaik und Intarsie, Keramik, Glaskunst, Goldschmiedekunst sowie Techniken zeitgenössischer Kunst. Jeder dieser Punkte gliedert sich nochmals in Unterbereiche. Zum Beispiel werden in der Keramik beginnend mit Tonwaren über glasierte Tonwaren, engobierte Tonwaren, Fayence, Steinzeug, Biskuitporzellan, Weichporzellan, Hartporzellan, Steingut, Ritzdekor, Reliefdekor, gemalten Verzierungen bis hin zu Lüsterfayencen unterschiedliche Methoden der Herstellung, des Materials und der Verzierung ausführlich erklärt. Keine Angst vor unbekannten Begriffen. Die Erläuterungen sind gut verständlich auch künstlerische Laien. Findet zumindest die Rezensentin.

Abgeschlossen wird das Buch mit einem Stichwortverzeichnis, einem Sachregister und einer Bibliografie.

Kurz und gut:
Ich kann es gar nicht verstehen, dass dieser Band der „Bildlexikon der Kunst“-Serie nur noch antiquarisch erhältlich ist. Warum gibt es keine Neuauflage?

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Zur Autorin: Antonella Fuga hat einen Abschluss in Kunstgeschichte an der Katholischen Universität Mailand (lt. einer Webseite, die sie zusammen mit Giacomo Zavatteri aufgebaut hat).


Der Kollektor (Ein Charlie-Parker-Thriller, Band 6)
Der Kollektor (Ein Charlie-Parker-Thriller, Band 6)
von John Connolly
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Also mir hat dieser Band gefallen …, 18. Mai 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
… und das liegt natürlich vor allem an der Figur des Charlie Parker. Unermüdlich verfolgt er die Spuren, geht dem Rätsel um die Männer in Vogelmasken nach. Sorgt sich gleichzeitig um seine Mandantin, kümmert sich darum, dass sie Schutz erhält, wenn er nicht da ist. Aber vor allem anderem besitzt er ein übergroßes Verständnis für all diejenigen, die sich in Zwangslangen befinden. Selbst wenn er auf Taten stößt, die gegen jegliches Recht und Gesetz verstossen:

„Werden Sie es der Polizei nicht sagen?“
„Nein“

Darf man ein Verbrechen verschweigen? Charlie Parker hat seine eigenen Vorstellungen von Recht und Gesetz. Auch wenn Gut und Böse klar definiert sind, so ist seine Welt doch eine Welt der Grautöne. Nicht jedes Unrecht wird von ihm verfolgt. Er unterscheidet, wägt die Motivation des Betreffenden ab. Zutiefst menschlich.

Und dann der Kollektor, dessen geheimes Haus Charlie Parker in diesem Buch so nebenbei entdeckt. Ein seltsamer, unheimlicher Mann. Ein Sammler von Gegenständen, die er denjenigen abgenommen hat, die von ihm verurteilt worden sind. Eine ausgemergelte Gestalt, der Beschließer der Hölle, wo sich all die verdammten Seelen, die verlorenen Leben versammeln:

„Er schien einen Raum jenseits der üblichen Moralvorstellungen einzunehmen, war mit einem Werk beschäftigt, bei dem keine Zeit war für ein ordnungsgemäßes Verfahren, für Recht oder Gnade.“

Selbstjustiz.
Wann ist sie erlaubt?
Ist sie erlaubt???

John Connolly hat nicht nur einen spannenden Thriller geschrieben. So nebenbei wirft er auch noch die Frage auf, welches Vorgehen legitim ist.

Von meiner Seite aus jedenfalls eine Leseempfehlung.


Willi Heinrich: Gottes zweite Garnitur
Willi Heinrich: Gottes zweite Garnitur
von Willi Heinrich
  Gebundene Ausgabe

3.0 von 5 Sternen Von Rassenvorurteilen und einer scheinbar unmöglichen Liebe., 11. Mai 2017
Gottes zweite Garnitur, damit meint Willi Heinrich (1920-2005) diejenigen, die aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert werden. Die Hauptfigur dieses Buches zählt er zu diesem Personenkreis.

John Baako, Sergeant bei der US Armee. 28 Jahre alt. Seit drei Jahren in Deutschland stationiert. Aufgewachsen in Rhodesien. Zum Studium in die USA gegangen, wo er nach drei Semestern allerdings aufgibt und die folgenden zwei als Hilfsarbeiter sein Geld verdient. Den Dienst in der Armee hat er nicht zuletzt angetreten, um schneller die amerikanische Staatsbürgerschaft zu erhalten.

„Wie soll ich in dieser Kompanie zwanzig Männer finden, die mit Messer und Gabel umgehen können, beim Essen nicht rülpsen, keine Flecken auf das Tischtuchmachen und wissen wieviel sie beim Trinken vertragen! Hier!... Du kannst mich jetzt nicht im Stich lassen, du bist der einzige in der Kompanie, der ein anständiges Deutsch spricht.“ Eine Einladung, das Weihnachtsfest bei einer deutschen Familie zu verbringen. Eigentlich will John Baako nicht, aber gegen diese Argumente kommt er nicht an. Immerhin muss er nicht zum Bürgermeister, sondern zu den Fehrenbachs, einer wohlsituierten Familie, die es als ihre Ehrenpflicht ansieht, einen Amerikaner einzuladen. Sie überlegen sich sogar, was sie ihm schenken sollen. Vielleicht wollten sie auch nur Pluspunkte gegenüber Claire, der Freundin ihres Sohnes sammeln. Die junge Frau steht vor dem Abschluss ihres Medizinstudiums. Später soll sie eine eigene Praxis im Haus der Fehrenbachs bekommen. Alles schon abgesprochen. Es könnte also ein angenehmes Weihnachtsfest werden, wenn da nicht ein Haken wäre:

Mit einem Farbigen haben die Fehrenbachs nicht gerechnet. Als John Baako in der Tür steht, wird das Geschenk schnell versteckt. Claire verrät es dem Soldaten jedoch, was die Familie getan hat. Woraus sich ein unerfreulicher Wortwechsel entwickelt. Claire verlässt die Feier vorzeitig. John Baako folgt ihr. Damit nicht genug, die Medizinstudentin lädt ihn zu sich ein!

Ein explosiver Start.
Die Fehrenbachs verstehen Claire nicht.
Je öfter sich die junge Frau und der Soldat sehen, desto enger wird die Beziehung.

Parallel dazu wird von den Schwierigkeiten Johns innerhalb der Kaserne berichtet. Sabotage. Schikanen. Es sollte beim Militär keine Rassenunterschiede geben. Die Realität sieht aber anders aus. Einen einzigen Freund hat John, dem er vertraut.

Vorurteile in der deutschen Bevölkerung. Vorurteile beim amerikanischen Militär. Und schließlich auch noch Vorurteile in Afrika selbst.

Als John Baako die junge Deutsche mitnimmt in die Föderation von Rhodesien und Njassaland, um sie seinem Vater vorzustellen, gestaltet sich bereits die Hinreise äußerst kompliziert. Getrennte Sitzplätze im Flugzeug. Ein anderes Hotel für Claire. Schließlich die vorzeitige Abreise auf Verlangen der dortigen Polizei. Gibt es irgendwo einen Ort, wo die beiden willkommen sind?

Figuren, die sich gegen Widerstände behaupten müssen. Intrigen und fatale Verstrickungen. Diejenigen, die John Baako helfen wollen, kommen gegen die geballte Unvernunft nur vorübergehend an. Dass John aber am Ende eine falsche Entscheidung trifft liegt an einer Fehlinformation. Es ist ausgerechnet sein einziger Freund, der eine fatale Entwicklung in Gang setzt indem er eine unbedachte Äußerung eines anderen Militärangehörigen an John weitergibt.

Mein Fazit:
Es müssen nicht immer Neu-Erscheinungen sein.
Auch unter älteren Romanen gibt es viel Interessantes zu entdecken.
Willi Heinrich beschreibt die Welt des Jahres 1951 in realistischen Bildern. Hinzu kommt eine fesselnde Handlung. Wenn ich dennoch „nur“ drei Sterne vergebe, so liegt dies an ein paar antiquierten Formulierungen, die für mich etwas ungewohnt waren.


Der Adler der Neunten Legion: Eine Erzählung aus der Zeit der römischen Besetzung Britanniens
Der Adler der Neunten Legion: Eine Erzählung aus der Zeit der römischen Besetzung Britanniens
von Rosemary Sutcliff
  Taschenbuch

3.0 von 5 Sternen Jugendroman – Spannung und Action im römisch besetzten Britannien., 5. Mai 2017
Vorab zur Bewertung: Hätte ich dieses Buch vor dreißig, vierzig Jahren als Jugendliche gelesen, so wäre die Sternenanzahl höher ausgefallen. Aus heutiger Sicht fand ich den Inhalt zwar spannend – eine gute Vorlage für einen actionreichen Film (DVD) – das war es dann aber auch. Keine anspruchsvolle Literatur, sondern etwas für zwischendurch.

Positiv: Die Originalvorlage dieses Buches von Rosemary Sutcliff ist schon etwas älter. Die erste Übersetzung wurde im Jahr 1971 veröffentlicht. Bei dem vorliegenden Taschenbuch handelt es sich um eine nach den Regeln der Rechtsschreibreform bearbeitete Ausgabe.

Zum Inhalt:
DER ADLER DER NEUNTEN LEGION ist der Auftakt zur Britannien-Trilogie von Rosemary Sutcliff. Basierend auf zwei historischen Tatsachen hat die englische Autorin eine actionreiche Geschichte entworfen:
- Es war um 117 n.Chr. herum, als die Neunte Legion in den Norden zog, um die caledonischen Stämme niederzuschlagen. Sie kehrte nie zurück. Ihr Schicksal ist unbekannt.
- Bei Ausgrabungen in Silchester wurde ein flügelloser römischer Adler gefunden, der heute als Abguss in einem Museum ausgestellt ist. Laut der Autorin weiß keiner wie er an den Fundort gekommen ist.
Diese beiden Rätsel verbindet Rosemary Sutcliff. Im Mittelpunkt steht dabei der junge Centurio Marcus Flavius Aquila, dessen Vater einst der verschollenen Neunten Legion angehört hatte. Kaum ist er achtzehn Jahre alt bewirbt er sich für eine Hilfskohorte nach Britannien, um dort mehr über das Schicksal seines Vaters zu erfahren. Dies ist der Ausgangspunkt der Geschichte. Eine römische Festung in Isca Dumnoniorum, dem heutigen Exeter.

Sein Vorgänger Hilarion, der von Marcus abgelöst wird, warnt den jungen Mann noch vor den Druiden: Wenn einer von ihnen sich in der Umgebung sehen lässt oder wenn du auch nur ahnst, dass einer in der Nähe ist, dann halte deine Waffen bereit. Das rate ich dir wirklich! (22) Eine wichtige Warnung, wie Marcus schon bald feststellen wird. Er ist noch gar nicht lange vor Ort, da wird er bereits in einem Aufstand der Stämme so schwer verwundet, dass ihm eine Rückkehr in den Militärdienst unmöglich ist. Um seine Verletzung auszuheilen, begibt er sich zu einem Verwandten, dem Bruder seines Vaters, der nach Beendigung seiner Militärlaufbahn in Calleva (dem heutigen Silchester) lebt.

Ein furioser Auftakt und dann ein ruhiger Mittelteil. In Calleva sieht Marcus während der Saturnalienspiele einen tapferen britannischen Gladiator, der seinen Kampf jedoch verliert. Marcus kauft ihn als Leibsklaven. Esca hilft ihm durch den Alltag.

Und er trifft auf Cottia, die im Nachbarhaus bei Verwandten wohnt. Ein junges, sehr eigenwilliges Mädchen. Die beiden freunden sich an.

Eines Tages erhält der Onkel von Marcus Besuch von einem alten Bekannten, Claudius Hieronimianus, Legat der Sechsten Legion. Er erwähnt ein Gerücht. Im Norden, in einem Stammesheiligtum, soll ein römischer Adler gesehen worden sein. Der Adler der Neunten Legion? Marcus zögert nicht lange und erbittet einen Marschbefehl für sich und Esca. Eine Bitte, die der Legat erfüllt. Die zweite Hälfte des Buches handelt von dem Weg, den die beiden – Marcus hat Esca vor der Abreise freigelassen – auf sich nehmen. Ihre Suche nach Hinweisen. Den Fund des Adlers und wie sie - von Verfolgern gejagt – versuchen zurückzukehren.

Themen wie Freiheit und Freundschaft werden angesprochen. Am Beispiel des freigelassenen ehemaligen Leibsklaven und am Beispiel eine Wolfswelpen, den Marcus und Esca aufziehen. Die Liebesbeziehung mit Cottia spielt hingegen keine größere Rolle und trägt wenig zur Handlung bei.

Alles in allem also eine eher Action-orientierte Handlung, wenn man von dem ruhigeren Mittelteil in Calleva absieht.

Abgeschlossen wird das Buch mit einer Karte des historischen Britanniens. Eingezeichnet sind der Weg, den Marcus und Esca genommen haben sowie Nord- und Hadrianswall und die wesentlichen Städte/Festungen. Daneben gibt es eine Liste der schottischen Stämme und ihrer Gebiete sowie zur besseren Orientierung eine Gegenüberstellung der römischen mit den heutigen Städtenamen.

Die Folgebände sind:
Der silberne Zweig
Drachenschiffe drohen am Horizont

Mein Fazit:
Als Jugendliche hätte ich dieses Buch sicher in einem Atemzug verschlungen. Im Hier und Heute war es eine nette Lektüre. Nicht mehr , aber auch nicht weniger.


Alle Zeit: Roman
Alle Zeit: Roman
von Kathrin Gerlof
  Gebundene Ausgabe

4.0 von 5 Sternen Mitten in Berlin. So nah und doch so fern., 4. Mai 2017
Rezension bezieht sich auf: Alle Zeit: Roman (Gebundene Ausgabe)
Es stimmt, was eine andere Rezensentin schreibt, dies ist in der Tat ein nachhaltiges Buch, das wichtige Themen aufgreift. Wie wollen wir miteinander umgehen? Nicht nur im Familienkreis, sondern auch mit Außenstehenden. Das Leben im Pflegeheim. Der Umgang mit dementen Personen. Und für diejenigen, die im Westen aufgewachsen sind, bietet es zudem auch noch Einblicke in den ostdeutschen Alltag vom Ende des Krieges bis in die heutige Zeit.

Und es stimmt, was eine weitere Rezensentin schreibt, die Liebesszene am Schluss ist wirklich bemerkenswert. Ein Ausbruch aus dem Alltag des Pflegeheims, um nochmals das wahre Leben zu erleben. Wie achtsam und vorsichtig diese beiden alten Leute dabei miteinander umgehen. „Wir werden uns ganz fragmentarisch lieben, denkt Klara…“ (203) Eine passende Umschreibung. Langsam. Aufeinander eingehen. Ohne Druck. Wunderbar.

So wie das ganze Buch. Die ganze Geschichte. Es ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig. Der Schreibstil. Mit seinen unvollendeten Sätzen. Mit kurzen Sätzen. Mit Punkten an ungewöhnlichen Stellen. Kurze Kapitel. Abwechselnd geht die Autorin auf die Frauen der Familie ein. Klara. Henriette und Elisa. Juli und Svenja, das Baby. Außerdem Zeitsprünge. Die Geschichte ist eine Art Puzzlespiel. Eine Herausforderung für jeden, der das Buch liest. Fragmente, die man selber sortieren und in die richtige Reihenfolge bringen muss. Mir hat das Spaß gemacht. Vor allem, weil mich auch der Inhalt berührt hat:

Klara, eine Russenhure, eine Rabenmutter, eine Verräterin, eine Denunziantin. (198) Und heute: Eine alte Dame im Pflegeheim, die manchmal Windeln trägt, im entrückten Zustand die Gardinen abschneidet, und in einem seltenen Moment des Glücks noch einmal der wahren Liebe begegnet. Das Bild, das die Autorin von Klara zeichnet, ist teilweise hart. So hart wie es das Leben nach dem Krieg gewesen sein muss. Überleben. Um jeden Preis. Das eigene Überleben. Das Überleben des Kindes und des zurückgekehrten Mannes, der wie durch ein Wunder das Soldatensein überstanden hat. Vielleicht lag es an der Härte des Alltags, dass ich Klara ihre Taten verzeihen konnte. Von der Tochter und der Enkelin entfremdet ahnt sie noch nicht einmal, dass sie inzwischen eine Urenkelin hat.

Henriette und Elisa. Tochter und Enkelin. Mit siebzehn wurde Henriette schwanger. Schlimm, wo die Mutter doch eine Vorzeigefunktionären war. Sie heiratet einen Mann, den sie nicht liebt, um verheiratet zu sein, und hat dann eine Affäre. Ein Gespräch mit ihrer Mutter hat Folgen, die zu einer Entfremdung führen. Als Elisa versucht, der Sache auf den Grund zu gehen, geschieht ein folgenschweres Unglück.

Und Juli. Die junge Frau. Hochschwanger. Mit grünen Haaren. Die erst vor kurzem die Mutter und Großmutter durch einen Unfall verloren hat. Auf einer Bank im Park begegnet sie einer alten Dame, mit der sie sich verbunden fühlt. Die Versuche diese wiederzufinden, scheitern jedoch. Bis zum Schluss eine Kellnerin ihr einen entscheidenden Hinweis gibt.

Diese Kellnerin, ist mehr als nur eine Randfigur. Der Krebs ist bei ihr wiedergekehrt. Wie soll sie damit umgehen? Sorgen und Nöte. Der Berufsalltag. Sie ist eine Art Mittlerin zwischen Klara und Juli. Begegnet der einen. Dann der anderen. Und wieder der ersten…

Und Aaron Goldstein. Aus dem Pflegeheim. Der mit Klara noch einmal das wahre Leben erleben will.

Und die Pflegerinnen. Die nette Rothaarige. Und die andere. Willkür im Pflegeheim. Angebunden werden. Nicht hinaus gelassen werden. Auch das wird thematisiert.

Und last, but not least: Hat eine Mutter das Recht, dem Vater ihres Kindes eben dieses Baby vorzuenthalten?

Es gibt kein Schwarz. Es gibt kein Weiß. Die Frauenfiguren von Kathrin Gerlof bewegen sich dazwischen. Sie haben ihre Fehler und wollen doch nur das Beste. Das ist so nachvollziehbar geschrieben, dass ich es keiner nachtragen konnte. Am liebsten hätte ich sie allesamt aufgerüttelt und gesagt: Geht aufeinander zu. Vergebt. Verzeiht. Redet miteinander! Denn wir haben in der Tat nicht alle Zeit der Welt. Manchmal – und die Geschichte zeigt dies anhand eines Unglückfalles – ist viel zu schnell vorbei.

Mein Fazit:
Mich hat die Geschichte von Kathrin Gerlof berührt. Ich sehe sie als ein Plädoyer dafür, aufeinander zuzugehen solange es noch möglich ist. Was den Schreibstil betrifft: Der ist wie oben beschrieben gewöhnungsbedürftig. Ein wenig habe ich versucht ihn nachzuahmen mit der Punktierung und den Sätzen in dieser Rezension. Am besten, Sie nutzen die Blick-ins-Buch-Funktion, um zu testen ob er ihnen liegt.

Von meiner Seite aus gibt es jedenfalls eine uneingeschränkte Leseempfehlung!


Der Club
Der Club
von Takis Würger
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,00

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bemerkenswert! In der Tat ein bemerkenswerter Debütroman., 22. April 2017
Rezension bezieht sich auf: Der Club (Gebundene Ausgabe)
„Worum geht es hier überhaupt?“
„Es geht um ein Verbrechen, Hans. Ich brauche deine Hilfe, weil ich ein Verbrechen aufklären muss.“ (35)

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Der Tatort:

Cambridge, die Welt der Colleges und Studenten.
Der Pitt Club, eine Jahrhunderte alte Institution, eine Art Studentenverbindung.

Die Figuren:

Hans, der Undercover-Hobbydetektiv, der bei der Aufklärung eines Verbrechens helfen soll. Vollwaise seit seinem 15. Lebensjahr als beide Eltern innerhalb von sechs Monaten nacheinander durch eine tragische Verkettung von Umständen gestorben sind. Sein Abitur hat er auf einem Jesuiteninternat gemacht. Es ist seine Box-Leidenschaft, wegen der ihn seine Tante für ein ganz spezielles Projekt ausgesucht hat.Er soll dem Pitt Club beitreten, um dort einen oder mehrere Verbrecher zu überführen.

Alex: Tante von Hans, Halbschwester seiner Mutter. Professorin für Kunstgeschichte in Cambridge und begeisterte Ultramarathon-Läuferin.

Charlotte: Doktorandin von Alex. Sie soll Hans bei seiner Mission zur Seite stehen.

Angus: Vater von Charlotte. Selber Mitglied im Pitt Club. Er kann dem jungen Deutschen beim Eintritt in den Club helfen.

Josh: Student und Mitglied im Pitt Club. Aus einer absurd reichen Familie. Ebenso wie Hans ein Boxer.

Ausserdem mit dabei: Ein ehrgeiziger Nordchinese, der sich Peter Wong nennt, Student mit Ambitionen, den traditionsreichsten Clubs beizutreten.Sowie mehrere andere Boxer und der Inhaber eines Stoff- und Schneidereigeschäftes.

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Die Geschichte wird in kurzen Kapiteln aus der Sicht der unterschiedlichen Figuren erzählt. Ein wenig hat mich der Aufbau und Inhalt an Judith Taschners Roman Sommer wie Winter erinnert. Im Gegensatz zu Taschner macht es Takis Würger seinen Lesern allerdings leicht, dem Geschehen zu folgen. Das liegt daran, dass er die Geschichte weitestgehend linear erzählt. Erst im hinteren Teil erfährt man über Rückblenden den Grund für die Verbrecherjagd.

„Weil Betrug manchmal ein Mittel ist, um etwas Gutes zu tun.“ (33)

Tatsächlich? Rechtfertigt der Zweck die Mittel? Es geht hier auch noch um andere existenzielle Fragen:
Wer will ich sein? Wofür will ich stehen? Ist Weglaufen eine Option?
Macht, wie geht man mit ihr um, wenn man sie endlich hat? Lässt man zu, dass sie einen verändert? Oder bringt sie nur das wahre Innere zum Vorschein? Womit bei manchen vor allem die Schattenseiten gemeint sind. Vorurteile. Überheblichkeit. Fehlende Demut.

Neben der eigentlichen Verbrechensaufklärung werden eine ganze Reihe von Themen angeschnitten. Und das ist der Grund für meine 5-Sterne-Bewertung. Dieses Buch war ein Glücksgriff in meiner Stadtbibliothek. Die Vorbestellungsgebühr hat sich wieder einmal voll und ganz gelohnt. Von Takis Würger würde ich gerne noch mehr lesen.
Klare Empfehlung!


Der Pakt der Liebenden: Thriller (Ein Charlie-Parker-Thriller, Band 8)
Der Pakt der Liebenden: Thriller (Ein Charlie-Parker-Thriller, Band 8)
von John Connolly
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Für mich einer der besten Bände der Charlie-Parker-Serie…, 20. April 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
… und das liegt hauptsächlich daran, dass man hier mehr über den familiären Hintergrund des Titelfigur erfährt.
Erinnern Sie sich? Auf den letzten Seiten des 6. Bandes (Der Kollektor) hatte eben dieser Kollektor Charlie Parker mit einer Information überrascht: „Und was Vater und Mutter angeht, beantworten Sie mir Folgendes: Sie haben Blutgruppe B. Sehen Sie, was ich alles über Sie weiß? Und jetzt zu meiner Frage. … Wie kann ein Kind mit Blutgruppe B einen Vater haben, der Gruppe A hat, und eine Mutter mit Blutgruppe 0? Ein ziemliches Rätsel.“

Genau diesem Rätsel geht Charlie Parker in diesem Band nach und kommt schnell zu der Erkenntnis, dass vieles von dem, was er bisher geglaubt hat, falsch ist. Sein Vater hatte Geheimnisse. Er hat seine Frau betrogen. Dass er nicht befördert wurde, war nicht seine eigene Entscheidung, sondern eine Strafe. Vor allem aber hatte sein Vater zwei Teenager erschossen. All das würde kaum ein neues Buch füllen und so hat John Connolly ein weiteres Handlungselement eingebaut: Die Liebenden. Die zwei Teenager, die zurückgekehrt sind, um Charlie Parker zu töten. Zwei Widersacher mit übernatürlichem Ursprung – wie könnte es auch anders sein bei unserem Helden, der das Böse anscheinend magisch anzieht. Etwas, das auch einem Schriftsteller aufgefallen ist, der nur zur gerne ein Buch über Parker schreiben würde. Weil dieser aber kooperationsunwillig ist, sieht sich der Reporter gezwungen auf eigene Faust in dessen Vergangenheit herumzuwühlen. Mit dem Ergebnis, dass er seinem Mörder begegnet.

Es ist nicht alleine die Handlung, die mir gefällt. Vor allem anderen bewundere ich die Fähigkeit von John Connolly eine Geschichte bildhaft zu erzählen. Gleich zu Beginn, im ersten Teil nach dem Prolog beschreibt Connolly nicht nur die Suche nach einem Vermissten, sondern gleichzeitig auch die Beziehung zweier Männer, die einen der Suchtrupps bilden. Ein friedliches Feld, ein Meer aus stumpfen Gold, Wind der aufkommt, Halme die wogten und wirbelten. Und zwei Männer, die die Gelegenheit nutzen, um einen Sachverhalt aus der Vergangenheit zu klären und sich auszusprechen. Wenn Sie die Blick-ins-Buch-Funktion nutzen, können Sie dieses Kapitel lesen. Es wird Leser geben, die dies für unnötige Ausschweifungen halten, und sich wünschen, Connolly würde sich auf die Hauptfigur konzentrieren. Mir hat es jedoch gefallen. Oder die Stelle, wo Parker in Erinnerungen schwelgt. Der Stausee der Erinnerung, was für ein Bild entsteht da vor den Augen des Lesers! Ich beneide Connolly fast, um seine Fähigkeit, das Innenleben seiner Figuren so plastisch zu beschreiben.

Kurz und gut:
Neben dem oben erwähnten 6. Band (Der Kollektor) handelt es sich meiner Meinung nach hier um einen der Höhepunkte der Serie und ich bin froh, dass die Ullstein-Buch-Verlage beide Bücher in deutscher Sprache herausgebracht haben. Warum die Bände 10ff nicht mehr übersetzt wurden, weiß ich nicht, finde es aber schade. Vielleicht hätte man auf die Gebundenen Ausgaben verzichten und gleich auf kostengünstigere Taschenbücher setzen soll. Wie auch immer …
Leseempfehlung für diesen Band!


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