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Rezensionen verfasst von
Muschelkalk (Hamburg)

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The Other Hand
The Other Hand
von Chris Cleave
  Taschenbuch

11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "We don't want to tell you what happens in this book", 22. Februar 2010
Rezension bezieht sich auf: The Other Hand (Taschenbuch)
Na super: Der Verlag verschweigt auf Wunsch des Autors den Inhalt eines Buches, denn "The magic is in how it unfolds". Ist das ein schlauer Marketing-Gag für ein mittelmäßiges Werk? Oder doch ein nachvollziehbarer Gedanke für ein ganz und gar außergewöhnliches Buch? Und wie kann man eine Bewertung über einen Roman schreiben, über dessen Handlung man nichts verraten soll?

Soviel gibt der Buchrücken dann doch her: "The Other Hand" (in der amerikanischen Ausgabe "Little Bee") erzählt von zwei Frauen, die so unterschiedlich wie nur irgend möglich und dennoch durch eine ganz besondere Geschichte miteinander verbunden sind. Diese Geschichte ist bis zum Schluß nie ganz das, was sie scheint und stellt die beiden Protagonistinnen - und damit auch den Leser - immer wieder vor Entscheidungen, die niemand freiwillig treffen möchte. Daß dabei der moralische Zeigefinger nicht allgegenwärtig ist, liegt an den beiden Erzählstimmen. Die eine ist nicht immer sympathisch, mit ihren Fehlern aber sehr menschlich, die andere ist schlicht und einfach absolut liebenswert und sorgt mehr als einmal für einen unerwarteten Blick auf die Welt, in der wir leben.

Fazit: Kein Marketing-Gag, sondern wirklich ein ganz und gar außergewöhnliches Buch. Der Bitte des Autors um Verschwiegenheit ist unbedingt Folge zu leisten. "The Other Hand" ist traurig, witzig, aufwühlend und zu Herzen gehend - leicht zu lesen, aber nicht leicht zu vergessen.


The Doomsday Book
The Doomsday Book
von Connie Willis
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,75

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Aus einer dunklen Zeit, 19. Februar 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Doomsday Book (Taschenbuch)
Oxford im Jahre 2054: Reisen in die Vergangenheit stellen längst kein physikalisches Problem mehr dar. Studentin Kivrin, blutjung und extrem ehrgeizig, hat sich in den Kopf gesetzt, die Jungfernreise ins vierzehnte Jahrhundert zu unternehmen - gegen den Rat ihres Lehrers Dunworthy, aber bestens vorbereitet mit mittelenglischen Sprachkenntnissen, implantiertem Diktier-Chip und Pest-Impfung. Besonders letztere wird ihr sehr nützlich sein, denn versehentlich landet sie nicht im relativ friedlichen 1320, sondern achtundzwanzig Jahre später - in dem Jahr, in dem die Pest ein Drittel bis die Hälfte der englischen Bevölkerung auslöschte. Aber Seuchen, so stellt sich heraus, sind auch sieben Jahrhunderte später noch eine Gefahr...

Im "Doomsday Book" geht es sehr gemächlich voran. Allzu viel geschieht nicht in dem winterlichen Dorf, in dem Kivrin gelandet ist, aber das wenige, was passiert, wird von Connie Willis sehr ausführlich beschrieben. Das schafft einerseits eine dichte Atmosphäre und sehr lebendige, durch und durch menschlich wirkende Charaktere, endet andererseits aber in stellenweise nervtötenden Wiederholungen. Anders gesagt, als die Autorin mir zum gefühlt hundertsten Mal per Kivrins Gedankengang mitteilte, daß die Pest in den Jahren 1348/49 ein Drittel bis die Hälfte der englischen Bevölkerung ausgelöscht hat, habe ich "FÜR WIE BESCHRÄNKT HÄLTST DU MICH EIGENTLICH???" gebrüllt. - Genauso allgegenwärtig sind der "Drop", die unauffindbare Stelle im verschneiten Wald, von der Kivrin in ihre Zeit zurückkehren könnte, und der "Fix", jene Daten, die Dunworthy im Jahr 2054 erkennen lassen würden, daß seine Muster-Studentin in der falschen Zeit gelandet ist, die aber aufgrund diverser Verwicklungen erst nach vierhundert Seiten auslesbar sind. Zu diesen Verwicklungen gehört ein dramatisches Telekommunikations-Problem, das heute (2010) kaum noch nachvollziehbar ist: Würde es 2054 in Oxford Handys und Internet geben, wäre Kivrin vieles erspart geblieben. So wirkt die Zukunft, die Connie Willis anfang der Neunziger Jahre entworfen hat, aus heutiger Sicht etwas verstaubt. Daraus ist ihr natürlich kein Vorwurf zu machen, dennoch fragt man sich, wie sie ihre Gesellschaft Zeitmaschinen, aber keine funktionierenden Telefone bauen lassen kann.

Nichtsdestotrotz haben mich Kivrin und das Mittelalter wirklich gefangen genommen. Action-geladene Dramatik inklusive Mittelalter-Klischees darf man nicht erwarten, dafür lebensnahe, weil fehlerhafte Protagonisten und einige sehr, sehr intensive Szenen aus einer wirklich dunklen Zeit. Dafür meinerseits dreieinhalb Sterne.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 7, 2013 8:41 PM MEST


Before Sunrise / SZ Berlinale
Before Sunrise / SZ Berlinale
DVD ~ Ethan Hawke
Preis: EUR 12,08

12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Und es gibt sie doch..., 23. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Before Sunrise / SZ Berlinale (DVD)
... die Liebe auf den ersten Blick!
Jesse und Celine lernen sich im Zug nach Wien kennen, Jesse ist Amerikaner und muß am nächsten Tag nach Hause fliegen, Celine ist Französin und will eigentlich nach Paris. Die Zugfahrt reicht kaum aus, um mehr voneinander zu erfahren - und das möchten sie auf jeden Fall. Jesse überredet Celine, den Tag und die Nacht in Wien mit ihm zu verbringen. Auf ihrem gemeinsamen Streifzug lernen sie dann nicht nur die Stadt, sondern auch einander immer besser kennen - wohlwissend, daß sie sich nach dem nächsten Morgen nie wiedersehen werden.

Mehr muß man zu der Handlung gar nicht verraten. "Before Sunrise" erzählt jenseits von Hollywood-Hochglanz-Glamour eine hübsche kleine Liebesgeschichte, die von zwei wunderbar natürlich agierenden Darstellern getragen wird. Julie Delpy und Ethan Hawke nimmt man die Studentin und den Europa-Reisenden in jedem Augenblick ab, sie spielen nicht, sie SIND Celine und Jesse. Der Film ist sehr dialog-lastig, aber das macht gar nichts, denn diese Dialoge sind witzig, nachdenklich und sehr ehrlich - man hört ihnen gerne zu. Das sommerliche Wien bietet einen stimmungsvollen Hintergrund, und die überwiegend klassische Filmmusik rundet die Geschichte endgültig ab.

Am Ende von "Before Sunrise" möchte man drei Dinge:
1. Frisch verliebt sein
2. Unbedingt nach Wien fahren
3. Auf der Stelle die Fortsetzung "Before Sunset" sehen
- und sechs statt fünf Sterne vergeben.


Schatten der Zeit: Roman
Schatten der Zeit: Roman
von Michael Cox
  Gebundene Ausgabe

14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wunderbar viktorianisch, 5. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Schatten der Zeit: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ausnahmsweise die Bewertung zuerst: Meinerseits begeisterte fünf Sterne - allerdings wohlwissend, daß dieses Buch nicht jedermanns Sache sein wird. Vor dem Kauf darin zu blättern und sich ein wenig einzulesen kann ich jedem Interessenten nur ausdrücklich empfehlen.

"Schatten der Zeit" ist die Fortsetzung des Romans "In der Mitte der Nacht", der die Geschichte eines Verbrechens aus der Perspektive des Verbrechers erzählt. Es ist aber nicht nötig ist, den ersten Teil zu kennen - ich habe ihn vor Monaten versucht zu lesen, sehr bald entnervt weggelegt und bin deshalb umso überraschter, wie gut mir "Der Schatten der Zeit" gefällt.

Die Handlung: Die Ich-Erzählerin mit dem etwas sperrigen Namen Esperanza Alice Gorst wird von der wohlhabenden Lady Tansor als Zofe eingestellt. Esperanza, Waise und für die Stelle als Zofe eigentlich überqualifiziert, wird allerdings von ihren Pflegeeltern ferngesteuert, denn in ihrer aller Vergangenheit gibt es mehrere Geheimnisse, für die Lady Tansor zur Rechenschaft gezogen werden soll. Während Esperanza - die dafür etwas länger braucht als der Leser - erst nach und nach herausfindet, worin diese Geheimnisse bestehen, geschehen noch ein paar unvorhergesehene Dinge: Erstens entwickelt Lady Tansor mütterliche Gefühle für Esperanza und zweitens entwickelt Esperanza alle möglichen Gefühle für Lady Tansors Söhne.

Esperanza widerfährt alles, was einer viktorianischen Romanheldin widerfahren kann: Sie schleicht durch staubige Geheimgänge, wird mit diversen Toten in einem dunklen Mausoleum eingeschlossen, hat es mit einem finsteren Bösewicht ebenso zu tun wie mit wohlwollenden Gutmenschen, liest in anderer Leute Tagebüchern und Briefen und darf sich glücklich bis unglücklich verlieben.

Ein ganz besonderes Buch wird "Schatten der Zeit" dadurch, daß es Michael Cox wirklich bis in den letzten Winkel seiner Geschichte gelingt, seiner Erzählerin die authentische Stimme einer Frau aus dem England des 19. Jahrhundert zu verleihen. Ihr kommt kein modernes Wort über die Lippen, ihr Verhalten ist das einer Frau ihrer Zeit, und wo Zurückhaltung angebracht ist - etwa bei ihrer Liebesgeschichte - wird sich eben wohltuend zurückgehalten. Damit komme ich aber auch zu dem Grund, aus dem dieses Buch nicht jedermanns Sache sein wird: Erzählt wird eben so, wie das vor hundertfünfzig Jahren üblich war - gerne mal ein wenig umständlich, mit Gedicht-Zitaten und vielen Einfügungen aus Tagebüchern und Briefen, und als Dreingabe gibt es noch reichlich Fußnoten, die mit Vorliebe auf nicht-existierende Bücher verweisen. Genau dieses Vorgehensweise war es, die mir die Lektüre des Vorgängers irgendwann verleidet hat - bei "Schatten der Zeit" war ich hingegen schlichtweg fasziniert, wie perfekt Michael Cox seine viktorianischen Vorgänger studiert und nachgeahmt hat. Mein Sinneswandel könnte etwas damit zu tun haben, daß mir eine junge Waise als Heldin schlichtweg sympathischer ist als der verzweifelte Mörder aus "In der Mitte der Nacht". Wer von den nutzlosen Fußnoten und Verweisen des ersten Teils genauso genervt war wie ich, wird außerdem feststellen, daß sie hier deutlich seltener zum Einsatz kommen.

Fazit: Englische Literaturwissenschaftler werden wahrscheinlich ihre Freude daran haben, dieses Buch auf seine Vorbilder hin zu untersuchen - ich hatte meine Freude an intelligenter Unterhaltung auf höchstem Niveau.


Mutiny On The Bounty
Mutiny On The Bounty
von John Boyne
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,05

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Neues Seemannsgarn, 29. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Mutiny On The Bounty (Taschenbuch)
Bounty? Die Geschichte kennt man doch: Despotischer Kapitän quält tapfere Mannschaft, bis diese sich mit Gewalt wehrt. Der böse Kapitän wird auf hoher See ausgesetzt, und die Mannschaft segelt zur Belohnung ins nächste Südseeparadies. - Oder?

John Boyne erzählt eine etwas andere Geschichte. Sein Kapitän Bligh ist ehrgeizig und überempfindlich, was seinen Status angeht, aber er ist auch ein Menschenfreund, besorgt um das Wohl seiner Mannschaft, die er vor Skorbut, Auspeitschungen und anderen typischen Übeln der Seefahrt seiner Zeit bewahren will. Für das jüngste Besatzungsmitglied, den Taschendieb und Lebenskünstler John Jacob Turnstile, wird er sogar zur Vaterfigur.

John Jacob Turnstile, der einzige fiktive Charakter an Bord, ist es auch, der uns von der Reise der Bounty berichtet, und John Jacob Turnstile allein macht das Buch lesenswert: Einem so liebenswerten und unterhaltsamen Ich-Erzähler begegnet man selten. John Jacob hat wenig gute Erfahrungen in seinem Leben gemacht und bleibt trotzdem über weite Strecken ein sonniger und selbstbewußter Optimist, er neigt zu großartigen Aufschneidereien bei völliger Fehleinschätzung der Lage und ist trotz mangelnder Bildung ein wunderbarer Wortschmied (womit er seine Kollegen an Bord zur Verzweiflung, seine Leser aber zum Lachen bringt).

Zwei kleine Mängel hat das Buch meiner Meinung nach: Einige Charaktere werden eingeführt, tauchen dann aber bis kurz vor Schluß nie wieder auf, obwohl sie sich monatelang in John Jacobs unmittelbarer Nähe auf dem selben Schiff befinden (z. B. Blighs Sekretär Mr. Samuels). Auch einige Handlungsfäden werden angefangen, dann aber nie endgültig ausgesponnen - alleine der aus heutiger Sicht zweifelhafte Hintergrund für die Reise der Bounty, auf Tahiti Brotfrüchte als billige Nahrung für die afrikanischen Sklaven auf den englischen Karibik-Kolonien zu beschaffen, hätte da sehr viel Potential geboten. Insgesamt ist "Mutiny on the Bounty" aber ein spannender, unterhaltsamer und durchweg empfehlenswerter Abenteuerroman - über eine wahre Geschichte und einen jungen Helden, den es leider nie gegeben hat.


Die Entscheidung der Magd
Die Entscheidung der Magd
von Marion Henneberg
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

49 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Eine Klasse für sich, 15. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Die Entscheidung der Magd (Taschenbuch)
Magd Eilika ist grünäugig, rothaarig und so arm, daß sie nicht einmal ein eigenes Kleid besitzt. Also trägt sie die abgelegten Klamotten einer Freundin auf - und da die Freundin zart gebaut ist, quellen Eilikas üppige Formen regelmäßig aus dem Ausschnitt und ziehen die Aufmerksamkeit des Mannsvolkes auf der Bernburg auf sich. Doch ehe der Bösewicht Reinmar - zu erkennen an Knollennase und schmalen Lippen - sich an ihr vergreifen kann, eilt Ritter Robert zur Hilfe - zu erkennen an kantigem Kinn und stahlblauen Augen. Eilika flüchtet von der Bernburg, wird mehrere Male fast vergewaltigt, begegnet Ritter Robert unbekleidet an einem Wasserfall, wird in Rekordzeit von einer alten Kräuterfrau zur Heilerin ausgebildet, lernt nebenbei noch Lesen und Schreiben und rettet diverse Soldatenleben. Irgendwann findet sie auch den zwischenzeitlich verloren gegangenen Ritter Robert wieder, und wenn sie nicht gestorben sind, dann tummeln sie sich noch heute unter ihrem Wasserfall.

Wirklich beeindruckend an diesem Roman ist nicht die ebenso glaubwürdige wie originelle Handlung, sondern die experimentelle Sprache der Autorin. Besonders gelungen ist ihr dabei das Heraufbeschwören des mittelalterlichen Kontextes, der durch Ausdrücke wie "Klasse!" und "Toll!" immer wieder zeitgemäß unterstrichen wird. Wer eine besondere Vorliebe für verschachtelte Nebensätze, an deren Ende, das für gewöhnlich ziemlich weit vom Anfang entfernt liegt, niemand mehr weiß, wovon eingangs die Rede war, hat, kommt hier sprachlich vollends auf seine Kosten. Auch Freunde von Füllwörtern werden vermutlich an diesem Buch wohl stilistisch ziemlich viel Freude haben, insbesondere an dem ziemlich aussagekräftigen und daher wohl auch bei so ziemlich jeder Gelegenheit auftauchenden Wort "ziemlich".

Die solchermaßen beschriebenen Charaktere zeichnen sich durch besondere Tiefe und Vielschichtigkeit aus, sie wecken Sympathien und reißen den Leser mit. Ritter Robert mit den stahlblauen Augen und die dralle Magd Eilika wirken so realistisch, daß man sich kaum von ihnen trennen mag. Bleibt zuletzt noch der faszinierende historische Kontext des Romans zu erwähnen, in dem der Leser Bemerkenswertes über die sächsische Regionalpolitik des Hochmittelalters erfährt - immer ein gutes Thema für den nächsten Smalltalk.

PS: Bei der Lektüre dieses Buches lag ich fiebernd im Bett. Das könnte meine Urteilsvermögen getrübt haben.
Kommentar Kommentare (11) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 27, 2012 5:13 PM CET


Alles über Shakespeare
Alles über Shakespeare
von Charlotte Lyne
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,00

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Shakespeare lebt, 22. November 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Alles über Shakespeare (Gebundene Ausgabe)
Alles über Shakespeare? Das ist ein wirklich mutiges Versprechen, denn von dem Mann selbst gibt es, abgesehen von seinen Theaterstücken und Versdichtungen, keine persönlichen Zeugnisse. Mit einem kleinen Kunstgriff schafft Charlotte Lyne es trotzdem, Shakespeare zum Leben zu erwecken: Sie deutet sein Leben aus seinen Werken. In einem seiner Stücke wird zum Beispiel die ergreifende Klage der Mutter nach dem Verlust ihres Kindes zum Ausdruck seiner eigenen Verzweiflung nach dem Tod seines Sohnes. Der Leser kann selbst entscheiden, inwieweit er diesen Interpretationen folgen will - schlüssig wirken sie immer, und Shakespeare, der diverse Theaterstücke und Gedichte, aber offensichtlich keinen einzigen (erhaltenen) persönlichen Brief geschrieben hat, wird dabei tatsächlich ein Mensch aus Fleisch und Blut.

Charlotte Lyne spricht ihre Leser in jedem Kapitel direkt an, und sie läßt von der ersten Seite an keinen Zweifel, daß sie keine neutrale Betrachterin, sondern große Bewunderin ist. Dem Buch tut das gut, es ist lebendig geschrieben und sehr schön und liebevoll gestaltet. Viele Abbildungen und die Exkurse über Alltag und politische Hintergründe sorgen dafür, daß man Shakespeare, seine Zeit und auch seine Stücke (besser) versteht.
Bei spannender Lektüre bestens unterhalten werden und dabei noch lernen - kann man mehr von einem Buch verlangen?


Tod auf dem Jakobsweg (Leo Peheim Reihe, Band 2)
Tod auf dem Jakobsweg (Leo Peheim Reihe, Band 2)
von Petra Oelker
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

24 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Camino fatal banal, 1. November 2009
Zwölf Wanderer unternehmen eine Bustour auf dem Jakobsweg. Gleich am ersten Tag tapst einer von ihnen im Nebel in einen Abgrund und liegt fortan im Koma. Beginn der "Krimi"-Handlung: War das wirklich ein Unfall? Oder ein Mordanschlag?

Diese Frage ist nach etwa dreihundert Seiten immer noch nicht abschließend geklärt. Dafür erhält der tapfere Leser fünfzig Seiten vor dem Ende tatsächlich die Informationen, die es auch ihm ermöglichen, mit zu rätseln und mit zu kombinieren. Dazu hat er vorher endlose Beschreibungen von Städten, Landschaften, Hotels und, ja, besonders schön, Baustilen über sich ergehen lassen, und zwar gerne in wörtlicher Rede. Das klingt dann so: "... Eine der wenigen Kostbarkeiten aus romanischer Zeit ist der Sarkophag der im frühen 12. Jahrhundert gestorbenen Königin Blanka von Navarra. ..." So sprechen Reisebücher, aber keine Menschen, und dennoch führen die Mitglieder der Wandertruppe seitenlang Unterhaltungen, die sich lesen wie aus Reiseführern abgeschrieben. All diese Unterhaltungen haben nichts, aber wirklich gar nichts mit der "Krimi"-Handlung zu tun und bringen diese folglich auch nicht voran. Da ist es dann auch schwierig, den Mitgliedern der Wandertruppe Leben einzuhauchen. Sie wirken so farblos und austauschbar, daß es schwer fällt, die einzelnen Personen voneinander zu unterscheiden. Was aber auch nicht leichter wird, wenn jemand erst Meyfahrt und dann plötzlich Meyfurth mit Nachnamen heißt oder die auf einem Spaziergang gewähnte Rita ein paar Zeilen später plötzlich wieder anwesend ist. Um nochmal auf die "Krimi"-Handlung zurückzukommen: ***ACHTUNG KLEINER SPOILER*** Natürlich ist der Unfall ein Mordanschlag und der Täter in der Gruppe zu finden. Täter und Opfer sind einander schon einmal sehr intensiv begegnet, erstaunlich nur, daß dem Opfer der Täter vor dem fatalen Tritt in den Abgrund nicht bekannt vorkommt.

Das Buch ist schlecht lektoriert und wirkt auf jeder Seite so, als ob es nur eilig zusammengeschrieben wurde, um möglichst viel von der Jakobsweg-Welle mitzunehmen. Wer immer schon mal eine architektonische Abhandlung über die Kirchen am spanischen Jakobsweg lesen wollte, ist mit diesem Roman bestens bedient. Wer hingegen einen echten Krimi lesen möchte, sollte besser die Finger davon lassen. Und wer gar gehofft hat, etwas über das Pilgern zu erfahren, wird feststellen: Hätte die Autorin die Wochen, die sie zum Schreiben dieses Buches benötigt hat, doch besser auf einer echten Pilgerwanderung verbracht.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 18, 2010 9:20 AM CET


Hiobs Brüder: Historischer Roman (Ehrenwirth Belletristik)
Hiobs Brüder: Historischer Roman (Ehrenwirth Belletristik)
von Rebecca Gablé
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mittelalter light, 1. November 2009
England zur Mitte des 12. Jahrhunderts ist nicht der beste Ort, um Epileptiker oder siamesischer Zwilling zu sein oder gar sein Gedächtnis verloren zu haben. Außer Aberglauben und religiösen Eiferern herrscht auch noch ein Bürgerkrieg, der das ganze Land ins Chaos gestürzt hat. Acht Ausgestoßene suchen zu Beginn von "Hiobs Brüder" nach einer Heimat und einem würdevollen Leben. Nach zweihundertfünfzig Seiten haben sie zumindest etwas Ähnliches gefunden, und die Geschichte wandelt sich zum "echten Gablé": Der falsche König auf dem richtigen Thron, eine Liebesgeschichte mit Hindernissen, Verflechtungen von erfundenen Helden und historischen Persönlichkeiten, immer wieder schön und spannend erzählt.

Vieles an diesem Buch hat mir sehr, sehr gut gefallen: Der ungewöhnliche Ansatz mit acht vollkommen unwahrscheinlichen Helden, die Darstellung des alltäglichen Lebens bei Reichen und Armen, die deutliche Unterscheidung in Angelsachsen und Normannen, der versteckte Humor beim Erzählen, die sehr menschliche Annäherung an die "Brüder Hiobs", die trotz ihrer Unzulänglichkeiten nie in Gefahr geraten, lächerlich oder unglaubwürdig zu wirken: Der liebenswert-naive Oswald, der unter der Aufmerksamkeit seines "allerallerbesten Freundes" aufblüht, der strenge Möchtegern-Heilige Edmund, in dessen Gegenwart man nicht fluchen darf, oder der eigentlich furchterregende Regy mit der herrlich spitzen Zunge.

Und weil das alles so gut war, war ich auf der anderen Seite auch ein klitzekleines Bißchen enttäuscht. Denn obwohl das Romanpersonal reichlich Konfliktpotential bietet und Rebecca Gablé zeigt, daß sie mit Charakteren jeder Art umgehen kann, läuft dann doch vieles sehr glatt. Sosehr ich alle Beteiligten beim Lesen ins Herz geschlossen habe, in dem einen oder anderen Fall hätte (ich wage es kaum zu schreiben) ein Unhappy End auf mich realistischer gewirkt. So blieb der Eindruck: Mittelalter light - so schlimm war's dann wohl doch nicht, in finstersten Zeiten Epileptiker, siamesischer Zwilling oder gedächtnislos zu sein.


Das Haus Gottes
Das Haus Gottes
von Charlotte Lyne
  Taschenbuch

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zeitreise in eine ferne Welt, 25. Oktober 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Haus Gottes (Taschenbuch)
Portsmouth, 1336: Dorothy, jung, energisch und zupackend, ist voller Zuversicht, als sie Symond, den schönsten Jungen der Stadt, heiratet. Das Happy-End hält aber nicht lange an: Symond entpuppt sich als faul und lebensuntüchtig, seine Familie, die Dorothy zwangsläufig mitgeheiratet hat, als ganz besondere Herausforderung. Der Großvater ist ein bösartiger Geizhals, Symonds Schwester ein bezauberndes Wesen mit lockeren Moralvorstellungen, sein Vater ein schweigsamer Sonderling und die Mutter eine tote, in allen Köpfen aber noch sehr lebendige Ehebrecherin. Nur allmählich begreift Dorothy, daß einer aus dieser Familie tatsächlich der ist, der ihr das "etwas mehr" geben kann, nachdem sie sich so sehnt: Ihr einzelgängerischer, nach dem Tod seiner Frau in Schuldgefühle verstrickter Schwiegervater Aimery.

Eines fällt bei diesem Buch sofort auf: Die Sprache. Die ist außergewöhnlich, lebendig, bildreich, plastisch und wunderschön zu lesen. Von der ersten Seite an hat man das Gefühl, in das Leben der Menschen in Portsmouth einzutauchen, die Salzluft am Solent zu atmen und die Möwen über dem Meer kreischen zu hören - Und dann liest man plötzlich einen Satz, liest ihn vorsorglich noch einmal und denkt leicht irritiert: Das war doch jetzt nicht nötig! Das hätte man doch auch anders ausdrücken können!- Denn das ist diese Sprache auch: Stellenweise unglaublich vulgär.

ABER: Wir reden über einen historischen Roman, der bei den ganz gewöhnlichen Bewohnern einer englischen Hafenstadt des 14. Jahrhunderts spielt. Wie auch immer das normale englische Volk vor siebenhundert Jahren gesprochen hat, es war ganz sicher nicht druckreif und frei von Derbheiten. Um ganz genau zu sein: Schaut man dem Volk heutzutage auf's Maul, hört man oft nichts anderes. Deshalb: Ja, hier ist manches sprachlich gewöhnungsbedürftig, aber hat man sich einmal darauf eingelassen, steckt man fasziniert selbst mittendrin in diesem 14. Jahrhundert und in der Stadt Portsmouth (die die heimliche Hauptrolle spielt). Dorothys Welt wirkt authentisch, die Menschen, die sie bevölkern, sind Menschen mit guten und schlechten Eigenschaften, sie sind tapfer und feige, mal glücklich, mal weniger glücklich. Besonders gut hat mir dabei gefallen, daß kaum ein Charakter eindimensional beschrieben wird. Alle werden aus unterschiedlichen Perspektiven (inklusive der eigenen) betrachtet, keiner bleibt stehen, alle dürfen sich entwickeln und verändern - und dabei keineswegs immer perfekt sein (oder perfekt aussehen). Und anders als in vielen "historischen" Romanen werden hier wirklich Menschen einer fernen, uns fremden Zeit lebendig, die auch in den Moralvorstellungen und Bräuchen ihrer Zeit leben. In dieser Welt ist es unerläßlich, Kinder während der Weihnachtsfeiertagen "vorsorglich" zu verprügeln, und es darf ein Auge zugedrückt werden, wenn ein Mann sich an seiner ehebrecherische Frau rächt.

Der schwierige Weg von Dorothy und Aimery endet während der Pestepidemie von 1348. Eigentlich schon auf der Zielgeraden, liefert die Seuche nochmal einen dramatischen Höhepunkt von ganz besonderer erzählerischer Qualität. Eine so eindringliche Beschreibung der Pest habe ich nie zuvor gelesen.

Mein Fazit: Eine lesenswerte historische Zeitreise, die anders als viele andere Romane wirklich das Prädikat HISTORISCH verdient. Den einen Stern Abzug gibt es, weil meinem ganz persönlichen Empfinden nach der Gesamteindruck genauso gut gewesen wäre, hätte man die sprachlichen Derbheiten mit milderen Synonymen abgeschwächt.


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