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Rezensionen verfasst von
Muschelkalk (Hamburg)

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Sherlock - Series 3 [2 DVDs] [UK Import]
Sherlock - Series 3 [2 DVDs] [UK Import]
DVD ~ Benedict Cumberbatch
Wird angeboten von zoreno-deutschland
Preis: EUR 5,92

6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Er ist wieder da, 26. Januar 2014
Er ist wieder da, und das ist auch gut so. Niemand hätte es länger ohne ihn ausgehalten: John nicht, Molly nicht, Mrs Hudson nicht, G. Lestrade nicht, ich nicht und er selbst wahrscheinlich auch nicht. Er ist wieder da, mit Mantel, Hut und defizitärem Sozialverhalten, und wenn John bei seinem Anblick nicht erfreut "You're not dead. Let's solve crimes together" ausruft, dann liegt das daran, dass zwei Jahre eine verdammt lange Zeit sind, für trauernde Freunde genauso wie für an einem Cliffhanger zappelnde Zuschauer. Die interessiert natürlich nur eine Frage: Wie hat er's gemacht? - aber dazu später mehr.

Es hat sich einiges getan während seiner Abwesenheit: Jemand, von dem man das nie erwartet hätte, ist neuerdings sein größter Fan. John hat tatsächlich eine Freundin, die es länger als bis zum nächsten Weihnachtsumtrunk mit ihm aushält. Selbst Molly hat sich Ersatz für ihn gesucht. Nachdem wir so lange auf ihn gewartet haben, ist es nur recht und billig, dass die erste Folge sich viel Zeit nimmt für ihn, sein Umfeld, das Wiedersehen und die Frage: Wie hat er's gemacht? Halt, war da auch noch ein Fall? Ja, da war ein Fall, einer mit Action-Einlagen und den üblichen Taschenspieler-Tricks, die einmal mehr deutlich machen, weshalb die Serie auch visuell Maßstäbe setzt. Dritte Hauptrolle: Die Londoner U-Bahn. Und am Ende haben wir alle dazugelernt, wie man eine Bombe entschärft, selbst wenn der Zugang zum Mind Palace gerade versperrt ist. Und wie er's gemacht hat.

In der zweiten Folge The Sign of Three erfahren wir, wie man einen sub-optimalen Junggesellenabschied organisiert und was man bei einer Trauzeugenrede besser nicht sagt. Das ist alles ganz nett und putzig, aber irgendwie ein bisschen zu... putzig. Es menschelt plötzlich ganz enorm, wo wir ihn doch eigentlich dafür mögen, dass Menschliches ihm so wenig vertraut ist. Dabei entfernt er sich nicht nur immer weiter von seinem vertrauten Selbst, sondern auch von seiner literarischen Vorlage. Der Fall? Ach ja, auch ganz putzig, aber nicht mehr. Wie die ganze Folge halt.

Womit wir bei der letzten Folge wären, His Last Vow. Wie, schon wieder fast zu Ende? Aber es hat doch noch gar nicht richtig angefangen! denkt man, und dann steckt man plötzlich wieder mittendrin. Sprachlos. Fassungslos. Atemlos. In einer wendungsreichen Handlung, in Überraschungen und Irreführungen, in cleveren Zitaten, in großartiger (Selbst-)Ironie, im Conan-Doyle-Kanon, im Kampf gegen einen richtig bösen Bösewicht, in nägelkauender Spannung... in SHERLOCK halt. Jetzt ist er wirklich wieder da! Wer hätte gedacht, dass man noch aufregender Fallen kann als vom Dach des St Barts Hospitals? Wer hätte gedacht, dass mit Charles Augustus Magnussen ein widerlicher Fiesling die Bühne betritt, mit dem man um keinen Preis der Welt zum Dinner verabredet sein möchte (während eine Teestunde mit Moriarty doch immer einen gewissen Unterhaltungswert versprach)? As ever you see but you don't observe, spricht der Meister persönlich im Zuschauerkopf, wenn die eine oder andere Andeutung aus der überfrachteten ersten und der als belanglos abgetanen zweiten Folge plötzlich einen Sinn erhält.

Da ich keinesfalls spoilern möchte, hier nur ein kleines Beispiel dafür, wie geschickt die Herren Moffat und Gatiss ihre und die Original-Geschichten miteinander verschachteln: Arthur Conan Doyle erweckte seinen Helden in der Geschichte The Empty House wieder zum Leben. Hundert Jahre später sind einige Leute davon überzeugt, dass sein Leichenwagen leer war: The Empty Hearse. In derselben Folge könnte allerdings ein U-Bahn-Waggon zum echten Leichenwagen werden. Und ganz zum Schluss, in His Last Vow, spielt dann plötzlich auch ein leeres Haus eine Rolle.

Er ist wieder da, und das ist gut so. Er ist ein bisschen menschlicher geworden, er lässt den einen oder anderen Blick hinter die Fassade zu, er schenkt uns ungewöhnlich viele Momente mit liebenswerten Charakteren wie Molly, Mrs Hudson und G. Lestrade. Trotz aller Veränderungen ist er aber nachwievor der geniale, arrogante, soziopathische und bei Gelegenheit vollkommen betriebsblinde Detektiv aus 221B Baker Street. Und der beste Freund von John Watson.

Schauspielerisch ist die dritte Staffel wie immer makellos. Über Martin Freemans Fähigkeit, nur mit seinen Augen die gesamte emotionale Bandbreite zwischen tiefster Trauer, absolutem Erstaunen und größtem Glück auszudrücken, könnte man ein Buch schreiben. Und Lars Mikkelsen ist wahrscheinlich im wahren Leben ein netter Mensch - nach seinem Auftritt C. A. Magnussen ist das nur leider schwer zu glauben. Das Bonusmaterial der DVDs beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Thema "Fallen", wobei man einen guten Eindruck bekommt, wie kleinteilig und aufwendig das ist, was im fertigen Film dann nur noch rasant und faszinierend wirkt. Und wie viel Spaß die Herren Moffat und Gatiss mit ihrer Erfindung haben. Und das ist auch gut so, denn:

Er ist wieder da. Und dieses Mal ist er gekommen um zu bleiben.

PS: Bleiben sollte auch der Zuschauer. Bis zum Ende des letzten Nachspanns.


Downton Abbey: The London Season (Christmas Special 2013) [UK Import]
Downton Abbey: The London Season (Christmas Special 2013) [UK Import]
DVD ~ Hugh Bonneville
Wird angeboten von ZOverstocksDE
Preis: EUR 4,76

154 von 164 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "You can always hold my hand..., 4. Januar 2014
...if you need to feel steady."

Dear Mrs Hughes,

bereits zweimal habe ich mir erlaubt, mich anlässlich eines Christmas Specials bei Mr Carson für eine Anstellung in Downton Abbey zu empfehlen - bisher leider ohne Erfolg. Mittlerweile ist mir allerdings klar geworden, dass Mr Carson nicht nur ein very busy man ist, sondern auch der falsche Ansprechpartner für mein Anliegen. Wie wir in der vierten Staffel mehr als einmal erleben durften, sind Sie es, Mrs Hughes, an die man sich wenden muss, wenn man ein Problem hat. Ganz egal, ob es intrigante Zofen, bösartige Kammerdiener oder auch nur die täglichen Dramen in der Küche sind: Mit einer guten Portion gesunden Menschenverstand schaffen Sie jedes Problem aus der Welt. Sicher auch meines. Sehen Sie, Sie leben in einem Land, in dem man dem Fernsehzuschauer zu Weihnachten eine Sonderausgabe Downton Abbey schenkt und zu Neujahr die dritte Staffel Sherlock - Staffel 2 [2 DVDs]. Bei uns gab es am ersten Feiertag "Weihnachten mit Helene Fischer" und am 1. Januar das "Traumschiff". Da muss man sich doch nach Alternativen umschauen!

Verzeihen Sie, Mrs Hughes, ich schweife ab. Und ich gestehe: Nach der Katastrophe vom letzten Jahr war ich mehr als kritisch, was das diesjährige Weihnachtspecial anging. Die Taschentücher lagen griffbereit, und ganz ehrlich, hätte wieder jemand in allerletzter Sekunde einen Abgang gemacht, wäre es bei mir aus gewesen mit der Downton-Freundschaft. Die diesjährige Weihnachtsfolge trägt ihren Namen jedoch vollkommen zurecht, denn was könnte schöner sein, als den Crawleys in London auf prächtige Bälle und Gesellschaften zu folgen? Mrs Levinson herself hat sich dazu mitsamt ihrem Sohn aus Amerika herüberbemüht, Lady Mary lässt ihre Verehrer um die Wette tanzen, Lady Rose sorgt wie immer für Chaos und Durcheinander, Lord Grantham vermisst seinen Hund, nicht aber seinen Schwiegersohn, und die Legende, also die Dowager Countess, erhält die schönste Aufforderung zum Tanz, die man jemals in Downton gehört hat. Nur Edith ist furchtbar, furchtbar traurig. All das ist wunderbar anzusehen, und insbesondere die Szenen von Lady Roses Einführung bei Hofe sind ein Fest für's Auge.

Downstairs... nun, da kennen Sie sich ja viel besser aus als ich, Mrs Hughes, doch gestatten Sie mir die Anmerkung, dass mir geradezu ein Stein vom Herzen gefallen ist, weil Anna endlich wieder lachen kann. Und bitte verstehen Sie dies nicht als Ausdruck mangelnden Respekts vor einer Autoritätsperson, aber auch Mr Carsons Mienenspiel bei seinen Unterhaltungen mit Mr Levinsons Diener hat zur Bewegung meiner Lachmuskeln beigetragen. Dann noch die zusätzliche Herausforderung, einen Ausflug für das Personal organisieren zu müssen... gut, dass Mr Carson immer auf Sie zählen kann, Mrs Hughes. In dem Zusammenhang fällt mir noch ein: Gibt es für die Position des Under-Butlers eigentlich eine Job-Description? Mir ist nämlich nicht so recht klar, worin der Aufgabenbereich von Thomas-I'm-Mr-Barrow-now besteht. Außer Rauchen und Herumstehen scheint er nicht viel zu tun zu haben, und da ist es natürlich kein Wunder, dass er mal wieder auf dumme Gedanken kommt, seine unsympathische Seite auf Hochglanz poliert und mit dienstfertigem Lächeln Unverschämtheiten verteilt. Bitte, Mrs Hughes, behalten Sie ihn im Auge!

Erlauben Sie mir noch anzumerken, dass das einzige, was mir in diesem Weihnachtsspecial gefehlt hat, ein echter roter Faden ist. Klar, da ist Lady Roses Debüt und natürlich das Drama des verlorenen Briefes (aber ich will keine Indiskretionen ausplaudern, die die Monarchie gefährden könnten). Und natürlich geht es einmal mehr um die Konfrontation von englischer Upper-Class-Lebensart mit amerikanischer Weltanschauung, personifiziert in Mutter und Sohn Levinson. Gerade diesen Handlungsstrang fand ich aber überflüssig - dass Mrs Levinson die Engländer für bekloppt hält, wussten wir schon vorher, und Mr Levinson... naja, den haben wir jetzt vier Staffeln lang nicht vermisst. So ist mein Eindruck, dass den neuen Figuren unverhältnismäßig viel Platz eingeräumt wird, während die vertrauten alten Bekannten irgendwie in der Luft hängen. Viel lieber als Mr Levinson und Miss Allsopp hätte ich zum Beispiel Mrs Crawley und ihrem Verehrer beim Picknicken zugeschaut. (Ich persönlich finde es nämlich eine ganz reizende Idee, Mrs Crawley nach ihrem schrecklichen Verlust mit einem späten Verehrer zu bedenken). Auch wie es mit Mr Molesley und dem Geheimnis um Miss Baxter weitergeht, interessiert mich brennend. ("I'm always on the side of the downtrodden", um Mr Crawley zu zitieren). Letztendlich werden nur wenige offene Fragen aus der vierten Staffel beantwortet, so dass ich am Ende das Gefühl hatte, dass man mich anderthalb Stunden lang mit einer Zuckertüte bei Laune gehalten hat, die ich erst im nächsten Herbst zur fünften Staffel öffnen darf.

Doch das ist Jammern auf hohem Niveau, verehrte Mrs Hughes. Bitte sprechen Sie Mr Julian Fellowes meine besondere Hochachtung dafür aus, dass er es nach so vielen Folgen immer noch vermag, uns Downton-Freunde zu überraschen. Nicht weniger groß ist meine Bewunderung für Sie, Ihre Mitarbeiter und Ihre Vorgesetzten, die Downton und seine Bewohner so wunderbar zum Leben erwecken. Es war mir eine Ehre und ein Vergnügen, die "London Season 1923" mit Ihnen verbringen zu dürfen.

In tiefstem Respekt verbleibe ich
Ihre
Muschelkalk

PS: Bitte erlauben Sie mir noch den Hinweis, dass sich für jeden, der sich über unangemessene Preise wundert, ein Blick auf die englische Seite des Hausherrn lohnt.
Kommentar Kommentare (16) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 25, 2014 7:56 PM MEST


Kein Titel verfügbar

64 von 73 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Downton Reloaded, 16. November 2013
Die Abbey im Winterschlaf: Der Park liegt kahl und trist unter einem grauen Himmel, upstairs und downstairs schleicht man auf Zehenspitzen herum, während Lady Mary, die Schneekönigin aus dem Eiszapfenland, sich nach den letzten Ereignissen emotional in den Bezirk nördlich des Polarkreises zurückgezogen hat. Und dort ist sie unerreichbar - für ihre Familie, für Baby George, für Anna und sogar für Mr Carson.

Man kann weiter darüber nachgrübeln, was der Fangemeinde im allgemeinen und Downtons Bewohnern im besonderen mit dem grausamsten Weihnachts-Special aller Zeiten angetan wurde. Angesichts der stark geschriebenen, wunderschön melancholisch bebilderten und selbstredend großartig gespielten ersten Folge der neuen Staffel kommt man aber auch nicht umhin zu denken: Vielleicht war dieser harte Einschnitt genau das, was die Serie im vierten Jahr brauchte, um einen echten Neustart hinzulegen?

Zunächst herrscht verkehrte Welt: Isobel, drei Staffeln lang damit beschäftigt, die Welt zu retten, ganz egal, wie sehr sie ihren Mitmenschen dabei auf die Nerven geht, hockt leer und traurig vor ihrem Kamin und fühlt sich nur noch als Bürde für die Crawleys. Branson kämpft einerseits mit dem Gefühl, am falschen Ort - und oft auch in den falschen Klamotten - zu stecken und andererseits mit dem Bedürfnis, Downton in Matthews Sinn weiterzuführen und den Einfluss seines Schwiegervaters, der leider nachvievor nicht mit Geld umgehen kann, möglichst gering zu halten. Pechmarie Edith scheint auf der Suche nach ihrem kleinen Stückchen Glück endlich erfolgreich zu sein und blüht geradezu auf. Nur eine ist unverändert: The Dowager Countess, die zwar bekanntlich nicht auf den Mund gefallen ist, aber immer noch große Schwierigkeiten hat, den Namen Tom auszusprechen.

Downstairs entpuppt sich Thomas ("I'm Mr Barrow now") als Kinderfreund, um wie jedesmal, wenn man gerade anfängt ihn zu mögen, seine unfeine Seite hervorzukehren. Mrs Patmore hat alle Hände voll damit zu tun, das Liebesdrama zwischen Küche und Servant Hall unter Kontrolle zu bringen, Mr Carson verteilt Aufgaben und Lebensweisheiten mit gewohnter Autorität und Mrs Hughes beweist bei mehr als einer Gelegenheit, dass das ganze Haus ohne sie zusammenbrechen würde, insbesondere, als Anna und Mr Bates aus ihrer kleinen, glücklichen Nische auf grausame Art und Weise vertrieben werden.

Die vierte Staffel Downton Abbey bietet neben Altvertrautem viele Überraschungen und sicher auch den einen oder anderen Grund zu Kritik (und damit meine ich nicht die Tatsache, dass die gute Luft in Yorkshire jegliche Form von Alterung aufhält). Einige Handlungsstränge wirken überflüssig - wer hätte Edna nach dem Weihnachts-Special noch wiedesehen wollen? Manche Folgen sind überfrachtet an Ereignissen, weshalb einige Szenen dann so kurz und schnell und hastig abgetan sind, dass ihre Wirkung verpufft. Mehr als einmal stellt sich ein Déjà-vu ein: Es scheint eine Eigenart der britischen Upperclass zu sein, wichtige Briefe zu schreiben, die dann erst nach dem eigenen Ableben auftauchen. Peinliche Gesprächssituationen lässt man mit Vorliebe dadurch entstehen, dass diverse Figuren vergessen, wen ihr Gegenüber da gerade unter tragischen Umständen verloren hat. Und wie viele Freunde und Verwandte die Crawleys haben, von denen man auch nach zehnjähriger Bekanntschaft noch nichts gehört hat... naja. Wie das Serienleben halt so spielt.

Letztendlich überwiegen aber die Downton-Glücksmomente, die Dialoge, die einen laut auflachen und schnell den Rücklauf einschalten lassen, der liebevolle Blick auf die Bewohner, die cleveren kleinen erzählerischen Details - wer erinnert sich noch an das Telegramm, mit dem die allererste Folge begann und das per Fahrrad ausgeliefert wurde? Dieses Mal kommt wieder ein Telegramm an, aber der Bote fährt mittlerweile Motorrad. Wie viel Herz nachwievor in der Serie steckt, zeigt der Handlungsstrang um Mr Molesley, bekanntlich auch kein vom Glück beschienener Charakter, der sich nach dem Verlust seines Arbeitgebers mit Gelegenheitsjobs durchschlagen muss.

Was mir auch besonders gut gefallen hat: Am Ende haben alle Traurigen- Mary, Isobel, Branson und jawohl, man glaubt es kaum, auch Mr Molesley - einen echten Lernprozess durchgemacht. Ohne zu spoilern: Die Staffel endet zumindest upstairs erheblich fröhlicher, als sie begonnen hat.

Das Sonderlob für besonders bewegende Schauspielkunst geht an Joanne Froggatt alias Anna - großer Taschentuchalarm. Das DVD-Set enthält acht Folgen zu 45 Minuten, die erste und letzte Folge sind wie immer etwas länger. Als Extras ist das obligatorische Making-Of dabei sowie eine Einführung der diversen neuen Figuren.

Wie lange Downton nach diesem Neustart weiterleben wird? Ich habe keine Ahnung. Erst einmal freue ich mich auf das diesjährige Weihnachts Special, und im übrigen halte ich mich hoffnungsvoll an ein Gespräch der Dowager Countess mit Isobel: "How long does this go on for?" - "Ages!" - "Oh, goody goody!"
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 12, 2015 12:06 AM MEST


Just One Evil Act: An Inspector Lynley Novel: 15 (English Edition)
Just One Evil Act: An Inspector Lynley Novel: 15 (English Edition)
Preis: EUR 2,84

26 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Lynley goes to Italy, 12. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Una premessa importante: Empfehle zur Lektüre nicht Tee und Scones, sondern Cappuccino und Dolce (bitte beides kursiv gedruckt).

Das gute und das schlechte Ende des letzten Bandes Believing the Lie (Inspector Lynley Mysteries 17) ließen so etwas wie Vorfreude auf den nächsten aufkommen: Während Lynley ganz allmählich auf die Sonnenseite des Lebens zurückzukehren schien, erlebte Barbara Havers ihren persönlichen Super-Gau - Hadiyyah, Nachbarskind, Ersatz-Tochter und Lesers Sonnenschein wird von ihrer eigenen Mutter Angelina entführt... oder auch nicht, denn Hadiyyahs Vater, Barbaras heimliche Liebe Azhar, ist nicht offiziell als ihr Erzeuger eingetragen und besitzt somit keinerlei Rechte. Bleibt nur die Hilfe von Privatdetektiven, die auch nichts herausfinden, bis Hadiyyah eines Tages wirklich entführt wird - mitten von einem belebten mercato (bitte kursiv lesen) in Lucca. Während für Angelina klar ist, dass nur Azhar dahinter stecken kann, beginnt für die italienische Polizei ein Wettlauf mit der Zeit, den Barbara durch Manipulieren von Presse und Kollegen zu gewinnen versucht. Lynley reist als Verbindungsbeamter nach bella Italia, und an die Entführung schließt sich dann doch noch ein veritabler Mord an...

Just One Evil Act setzt nahtlos da an, wo der Vorgänger aufhörte, und auf den ersten Blick ist es ein Buch, das die Herzen aller Havers-Freunde höher schlagen lässt, denn Barbara steht so sehr im Zentrum des Geschehens wie selten zuvor. Routiniert wie eh und je spinnt Elizabeth George ihre Figuren, legt Innenleben und Gefühle bloß, schreibt dicht und immer wieder nach dem Prinzip "Show, don't tell".
Habe ich eben "routiniert" gesagt? Jawoll, und damit beginnen die Probleme: In all der Routine scheint ihr nicht mehr aufgefallen zu sein, wie klischeehaft einige Personen geraten sind. Der italienische Polizist, der sich bei der Mamma mit Pasta bekochen lässt? Der schmierige Privatdetektiv, der geradewegs einem schlechten Krimi entstiegen zu sein scheint? Seine Assistentin aka Superwoman, die in ihren jungen Jahren schon so ziemlich jeden Job gemacht hat, den es gibt, von Scheich auf Privatjacht bekochen bis Security bei Ich- weiß-nicht-mehr-wem?

Und dann das "italienische Ambiente". Nie, nie, nie hätte ich erwartet, dass einem Routinier wie Elizabeth George ein solcher Fehler unterlaufen könnte, aber sorry, mi dispiace, italienisches Ambiente schafft man NICHT, in dem man alle paar Zeilen ein paar Brocken Landessprache einfügt. Ein Markt wird nicht italienischer, indem man ihn konsequent mercato nennt - und das ist noch das geringste Übel. Gerechterweise muss ich sagen, dass die sprachlichen Verwirrungen ab einer bestimmten Stelle tatsächlich Sinn machen, nämlich wenn Barbara Havers die sonnige Bühne Italiens betritt und nur noch Bahnhof versteht. Zu diesem Zeitpunkt hat der Leser allerdings bereits den Eindruck, selbst ein paar Gläser vino zuviel getrunken zu haben, denn was uns da als Barbara Havers verkauft wird, IST nicht Barbara Havers, sondern ein verliebtes Mädchen, das sich taub, blind und beratungsresistent über jede Regel von Polizeidienst (und gesundem Menschenverstand) hinweg setzt, dabei ihren Arbeitsplatz und ihre Freundschaft zu Lynley riskiert und sich nicht ein einziges Mal Gedanken über die Folgen macht. Halt das pubertierende Mädchen von nebenan, aber NICHT Barbara Havers.

Gibt's etwas Positives zu sagen? Natürlich. Der Titel ist klug und typisch George, wie wir sie mal kannten, denn welches nun die erste böse Tat war, die viele weitere böse Taten erzeugt hat, darf sich der Leser selbst überlegen. Die eine böse Tat, die zum erwähnten Mord führt, ist gut versteckt. Die Themen - Trennungen, die in Auslandsentführungen von Kindern enden, Einfluss der Presse auf Ermittlungen, aber auch Barbaras ausweglose Einsamkeit - könnten spannend und bewegend sein. In dieser Umsetzung werden sie jedoch von der Möchtegern-italienischen Kulisse und dem sonderbaren Verhalten einiger Figuren völlig an die Wand gespielt. Zum ersten Mal - zum allerersten Mal nach fast zwanzig Lynley-Krimis - hatte ich das Gefühl, dass da jemand aus Amerika über Europa schreibt und wirklich keine Ahnung hat, was er dabei tut. Von der Cleverness und Spannung solcher Romane wie Playing for the Ashes und In the Presence of the Enemy (Roman) ist Just One Evil Act meilenweit entfernt. Und dass ich hier drei Sterne anklicke, hat mehr etwas mit alter Verbundenheit als mit innerer Überzeugung zu tun. Zu empfehlen lediglich für optimistische Hardcore-Fans, die sich auch den nächsten Band noch zulegen werden - denn die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 23, 2014 11:26 AM CET


Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert: Roman
Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert: Roman
von Joël Dicker
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

15 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Die wirklich wahre Wahrheit über den Fall Harry Quebert, 24. September 2013
Marcus Goldman, Nachwuchsstar der amerikanischen Literaturszene, hat ein Problem: Ihm fällt nichts mehr ein. Ablenkung naht, als die Leiche eines seit über dreißig Jahren vermissten Mädchens auf dem Grundstück seines Mentors Harry Quebert gefunden wird. Marcus macht sich auf, den väterlichen Freund vom Mordverdacht reinzuwaschen... und findet dabei weit mehr als nur ein Thema für seinen neuen Roman.

"Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert" gehört zu den Büchern, die alleine deswegen lesenswert erscheinen, weil sie mehr als ein Genre bedienen. Krimi - ja, schließlich gibt's reichlich Leichen, Verdächtige und falsche Spuren, aber auch ein Entwicklungsroman, denn Nachwuchsstar hin oder her, erwachsen ist Marcus noch lange nicht, eine Liebesgeschichte, ein Blick in die amerikanische Kleinstadtwelt, ein Buch über das Bücherschreiben, und, besonders clever, ein schön verschachtelter Roman im Roman. Der letzte Punkt äußert sich schon in der Aufmachung (die ein guter Grund ist, sich ein altmodisches Papierexemplar und kein Ebook zuzulegen), wird konsequent bis zur Danksagung durchgehalten und durch ein wenig Schnickschnack unterstrichen - so zählen wir die Kapitel rückwärts und erfahren nebenbei von Harry Quebert selbst, wie man ein richtig gutes Buch schreibt.

Nun bestehen Bücher aber nicht nur aus Aufmachung und Ideen, sondern auch aus der Umsetzung. Schon die Ausgangssituation konnte mich nicht so recht überzeugen: Marcus Goldman, dessen erklärtes Ziel es ist, Harrys Unschuld zu beweisen, darf so ohne weiteres den zuständigen Polizeibeamten bei seinen Ermittlungen begleiten und das, was er dabei erfährt, für seinen Roman verwenden. Dabei zaubert der Autor bis zum Ende hin immer wieder ein paar Kracher aus dem Ärmel, die die Spannung hoch halten. Genauso konsequent öffnet er aber auch ständig neue Logiklöcher, die mit der Auflösung nicht kleiner werden.

Dann ist da die Sache mit Nola. Der Autor hat die schwierige Aufgabe, uns Lesern eine echte Liebesgeschichte zwischen der fünfzehnjährigen Nola und einem zwanzig Jahre älteren Mann zu verkaufen. Und das misslingt meinem Empfinden nach völlig. Weder wirkt Nola auch nur ansatzweise wie eine Fünfzehnjährige (und ich schreibe mit Absicht nicht "wie eine normale Fünfzehnjährige"), noch versteht man, was die beiden aneinander finden - außer reichlich Gelegenheit, sich mit "Meine Allerliebste" - "Mein Allerliebster" anzuschmachten.

Das größte Problem ist aber in meinen Augen der Erzählstil. Der Roman ist extrem dialoglastig, wobei man sich vorzugsweise siezt und mit Vornamen anspricht. Das mag dem französischen Original geschuldet sein, wirkt auf über 600 Seiten aber irgendwann nur noch unnatürlich. Wenn dann wirklich mal erzählt wird, geschieht das sparsam, abgehackt und ohne jede sprachliche Originalität. Echte Nähe zu den Figuren entsteht dabei kaum, einige wirken klischeehaft und nicht ausgereift, andere überzeichnet und manche schlicht unglaubwürdig. Und vieles kommt einem auch irgendwie bekannt vor: Ein Hauch "Twin Peaks", eine gute Prise "Psycho", ein Schuss "Phantom der Oper" und woher kenne ich noch die Zutat "Nola"? - ach ja, aus Woody Allens "Matchpoint". Fertig ist der Buchcocktail.

Die wirklich wahre Wahrheit über den Fall Harry Quebert? Harry Quebert sagt es selbst: "Ein gutes Buch, Marcus, ist ein Buch, bei dem man bedauert, dass man es ausgelesen hat." Nach über siebenhundert Seiten habe ich tatsächlich Bedauern gespürt. Allerdings nicht, weil ich das Buch ausgelesen hatte, sondern weil aus der tollen Idee kein besserer Roman geworden ist.


Die Ewigen
Die Ewigen
Preis: EUR 2,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen A Girl's Guide to Eternity, 17. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Ewigen (Kindle Edition)
Mein erstes Ebook aus der Abteilung "Self-Publishing" und damit das Buch, das die wunderbare Möglichlichkeit hatte, all meine Vorurteile zu widerlegen. Die Leseprobe hatte mich neugierig gemacht: originelle Geschichte, flott geschrieben und möglicherweise äußerst spannend.

Shara führt ein unspektakuläres Leben, bis sie bei einem Kurztrip nach Rom das Heilige Schwert aus dem Stein zieht, in dem es schon seit Ewigkeiten feststeckt. Damit hat sie auf einen Schlag einen Haufen neue Freunde, nämlich die unsterblichen Kreuzritter, die seit Jahrhunderten auf diesen Moment gewartet haben. Plötzlich muss sie sich nicht nur mit der Frage beschäftigen, ob sie sich dem obskuren Verein anschließen will, sondern auch mit einem Bösewicht, der den Unsterblichen ans ewige Leben will. Und ganz nebenbei verliebt sie sich noch in den bestaussehendsten aller Kreuzritter.

Was mir neben der Grundidee gut gefallen hat: Zum einen der klare, flüssige Erzählstil, bei dem besonders am Anfang immer mal wieder eine Portion Humor durchschimmert. Zum Anderen die geschickte Wahl der Erzählperspektive: Shara erzählt selbst und ungefiltert von ihren geringfügig ungewöhnlichen Erlebnissen, wird dabei aber ergänzt von Kreuzritter Magnus, der aus der Sicht eines "Ewigen" kommentiert.

Mit Fortgang der Geschichte tauchen aber ein paar Probleme auf. Zunächst passiert seitenlang... nichts. Fast alle finden Shara toll, sie bekommt neue Klamotten, eine neue Bleibe und einen Haufen Geld, und alle finden sie immer noch toll, selbst die, die sie vorher nicht toll gefunden haben. Der Spannungsbogen flacht endgültig ab, als die Liebesgeschichte an Fahrt gewinnt. Der Kindle hat's nachgezählt: Dreiundzwanzigmal hat Shara sich am Ende am Zimtgeruch ihres Auserwählten erfreut und knapp fünfzigmal an seiner Augenfarbe - ich konnte ihre Begeisterung da schon lange nicht mehr teilen.
Irgendwann müssen sich die beiden doch voneinander lösen, denn der Bösewicht taucht auf, und die Erzählung stolpert in das tiefste vieler schwarzer Logiklöcher: Schon früh ist den Kreuzrittern klar, dass es unter ihnen einen Verräter geben muss, der den Bösewicht mit Informationen versorgt. Was machen sie mit dieser Erkenntnis? Nichts. Sie wurschteln weiter vor sich hin. Irgendwelche Bemühungen, den Verräter zu entlarven? Nö, der wird sich schon irgendwann selbst entlarven. Tut er dann auch, und alle wundern sich über die schlimmen Folgen.

Am Ende bleibt der Eindruck einer Geschichte, die auf einer tollen Grundidee baut und stark anfängt, dann aber zu viele Möglichkeiten einfach liegen lässt und zum Ende hin vollkommen abflacht. Nicht nur deshalb hätte dem Roman eine echtes Lektorat gut getan: Die Dichte der vergessenen Worte, vertauschten Akteure und kreativen Wortschöpfungen ist enorm. Und wir sprechen nicht von schlichten Tippfehlern, sondern von einem Snack namens "Stundenfutter" und einem römischen Stadtteil, der mal Trastevere heißt, viel häufiger aber Travestere.

Meine Vorurteile gegenüber Self-Publishing konnten "Die Ewigen" nicht abbauen, ganz im Gegenteil, der Roman zeigt eher, wie wichtig ein gutes Lektorat ist. Schade finde ich aber, dass Tina Sabalat überhaupt auf diesen Weg angewiesen ist, denn ihre Idee von den "Ewigen" ist prima, und schreiben kann sie auch. Mit Unterstützung eines Verlages hätte aus den "Ewigen" ein richtig gutes Buch werden können, für das ich gerne mehr als drei Sterne vergeben hätte.


Capital
Capital
von John Lanchester
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,25

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "A man tired of London..., 26. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Capital (Taschenbuch)
... is tired of life," sagte Dr. Johnson schon vor zweihundertfünfzig Jahren, und daran hat sich bis heute nichts geändert. Oder etwa doch?

Die Bewohner der Pepys Road im Süden der Stadt waren einmal ganz normale Menschen in ganz normalen Häusern. Dann kam der Immobilien-Boom, und aus den ganz normalen Häusern wurden Wertanlagen in Höhe von einer, zwei oder gar drei Millionen Pfund. Da ist es gar nicht mal so überraschend, dass die Bewohner plötzlich Postkarten mit der schlichten Botschaft "We want what you have" in ihren Briefkästen finden. Ob das, was sie haben, für andere allerdings wirklich so wünschenswert ist, ist eine andere Frage.

Das Rätsel um die Postkarten ist zwar ein guter Aufhänger, bildet aber letztendlich nur das verbindende Element zwischen diversen Handlungssträngen. Die Frage nach dem Urheber der Karten ist keineswegs weltbewegend und die Auflösung auch nicht spektakulär. In der Hauptsache ist "Capital" ein Porträt der Menschen, die heute in London leben - und zwar nicht nur in der Pepys Road. Die Auswahl ist vielfältig: Der polnische Handwerker, der neben bei sein Börsenportfolio pflegt, der pakistanische Shop-Besitzer samt eigenwilliger Familie, der City-Banker, der von seinem Job keinen Plan hat, für seinen siebenstelligen Bonus aber schon, die ganz normale Hausfrau, die in der Pepys Road geboren und aufgewachsen ist und nun dort sterben wird. Wie ihre Welt sich im Lauf eines Jahres verändert, wird mit viel Einfühlungsvermögen und einer kleinen Prise Humor beschrieben.

Manche Figuren erscheinen ein wenig überzeichnet und zu klischeehaft, zum Beispiel die erholungsbedürftige Gattin des City-Bankers, die sich unter anderem deswegen so erholungsbedürftig fühlt, weil sie in ihrem gestressten Alltag zwei Nannies für die beiden Kinder koordinieren muss. Andere sind sehr menschlich und liebenswert, allen voran meine persönliche Favoritin, nämlich die unbeliebteste Frau der ganzen Straße, Quentina Mkfesi BSc, MSc.

"Capital" ist intelligente und nachdenklich machende Unterhaltung in einem London abseits der touristischen Attraktionen. Im letzten Drittel zieht die Lektüre sich ein bisschen, was zum einen an den vielen verschiedenen Erzählperspektiven liegt und zum anderen an der Tatsache, dass die Frage nach dem Ursprung der Postkarten nicht ganz so spannend ist wie sie auf den ersten Blick wirkt. In jedem Fall eine wunderbare Lektüre für jeden, der London kennt, für jeden, der London kennenlernen möchte und für alle, die einfach mal wieder ein richtig gutes Buch lesen möchten.


The Paradise [UK Import] [3 DVDs]
The Paradise [UK Import] [3 DVDs]
DVD ~ Joanna Vanderham
Preis: EUR 8,73

10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Hauch von Nostalgie im Paradies..., 22. April 2013
Rezension bezieht sich auf: The Paradise [UK Import] [3 DVDs] (DVD)
... oder: Früher war alles besser

Nordengland um 1870: Landei Denise kommt in die große Stadt, um im Tuchgeschäft ihres Onkels zu arbeiten. Der Traum zerschlägt sich allerdings sofort, denn gegenüber hat mit The Paradise eine nagelneue Geschäftsidee eröffnet: Ein prachtvolles Kaufhaus, das den Einzelhändlern der Tollgate Street Kunden und Existenzgrundlage entzieht. Denise ändert ihren Plan und wird Verkäuferin in Ladies Wear (was sowohl eleganter klingt als auch eleganter aussieht als "Damenoberbekleidung"). Da sie schlau, ehrgeizig und hübsch ist, dauert es nicht allzu lange, bis sie Mr Moray ins Auge fällt, dem charismatischen Besitzer des Paradieses. Mr Moray lässt die Herzen von Kundinnen und Mitarbeiterinnen reihenweise höher schlagen, hat jedoch auch ein, zwei dunkle Geheimnisse und einen Bankier mit einer heiratswütigen Tochter. Allerdings würde er für sein Kaufhaus den Teufel persönlich heiraten... wären da nicht die lang und länger werdenden Blicke, die er mit Denise tauscht.

In der Hauptsache ist The Paradise eine klassische Liebesgeschichte nach dem Muster armes schlaues Mädchen trifft reichen Mann mit Flecken auf der eleganten weißen Weste. Anstelle eines englischen Landhauses spielt hier ein Kaufhaus die dritte Hauptrolle, und das ist auf jeden Fall schöner anzusehen als jede frisch renovierte Karstadt-Filiale. Die Ausstattung ist prachtvoll, die für den deutschen Zuschauer unverbrauchten Schauspieler-Gesichter sind eine nette Abwechslung, und die Chemie zwischen den Hauptdarstellern stimmt genau. Jede der acht Episoden hat neben dem roten Faden der Liebesgeschichte eine in sich abgeschlossene Handlung. Wunderbare, witzig bis unheimliche Nebenfiguren vervollständigen das Sehvergnügen.

Die Serie basiert übrigens auf einem Roman von Emile Zola, ist aber eine recht freie Umsetzung - der auch für den Laien offensichtliche Unterschied ist, dass die Handlung aus Frankreich nach Nordengland verlegt wurde. Da einige Figuren mit sehr starkem nordenglischen Akzent sprechen, sind die Untertitel hilfreich.

The Paradise hat keineswegs so viel Humor und Klasse wie Downton Abbey Series 1-3 & Christmas At Downton Abbey [11 DVDs] [UK Import], ist aber optisch ein Hochgenuss und gut geeignet, um Downton-lose Zeiten zu überbrücken. Nach acht Stunden in "Ladies Wear" stellt man fest, dass früher tatsächlich alles besser war - insbesondere die Kaufhäuser.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 2, 2013 4:32 PM CET


Unsere Mütter, unsere Väter [2 DVDs]
Unsere Mütter, unsere Väter [2 DVDs]
DVD ~ Volker Bruch
Preis: EUR 8,49

10 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wichtig und gut, 19. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Unsere Mütter, unsere Väter [2 DVDs] (DVD)
Als "Unsere Mütter, unsere Väter" im Fernsehen lief, habe ich beim ersten Teil nach zwanzig Minuten umgeschaltet. Das war mir einfach zu viel Schießerei. Erst nach einigem Zappen fiel mir auf, was für einen Luxus ich mir da gerade leistete. Vor siebzig Jahren konnte niemand einfach mal das Programm wechseln. Oder die Kiste ganz ausstellen und sich einem guten Buch widmen. Wenn meine Großeltern den echten Krieg sechs Jahre lang live ertragen haben, dann würde ich das ja wohl auch für viereinhalb Fernseh-Stunden schaffen!

Das Fazit ausnahmsweise am Anfang: Meiner Meinung nach ist "Unsere Mütter, unsere Väter" die beste, beeindruckendste, berührendste Auseinandersetzung mit dem zweiten Weltkrieg, die bisher im deutschen TV zu sehen war.
Wer jetzt schon protestieren möchte, dem rate ich: Nochmal anschauen. Auf Kleinigkeiten achten. Besonders auf die Dialoge, die gerne mehr als eine Botschaft transportieren. "Sie bleiben an der Heimatfront?", fragt der junge Leutnant mit zwei Jahren Kriegserfahrung den Sturmbannführer, der sich in Berlin mit Frau und Kind und Geliebter eingerichtet hat. Oder: "Na, wenn die Russen sich immer sofort ergeben? Soll ich Gefangene abknallen?", meint der Soldat, dem der Russlandfeldzug in den ersten Wochen noch ein wenig langweilig erscheint - kurz bevor sein Vorgesetzter dann tatsächlich einen Kriegsgefangenen abknallen muss.

Dem Film geht es nicht darum, Deutschlands Weg in den Nationalsozialismus aufzuzeigen oder die individuellen Biographien der fünf Protagonisten auszuleuchten. Wir begleiten fünf Freunde durch vier Kriegsjahre, ohne viel über ihr Vorleben zu erfahren. Wie sie Freunde geworden sind, bleibt unklar, über ihre Familien wissen wir wenig bis gar nichts, Charlotte hat nicht einmal einen Nachnamen. Das macht aber nichts, denn letztendlich kennen wir sie ganz genau. Sie sitzen in jeder Schulklasse, bis auf den heutigen Tag: Die Streberin, die immer alles richtig machen will. Der sensible, intelligente Träumer. Das Mädchen, von dem alle glauben, dass es mal ein Star werden wird. Der kreative Künstlertyp, der das Leben liebt. Und der geborene Anführer.

Die fünf Hauptdarsteller, angenehm unverbrauchte Gesichter, überzeugen ebenso souverän wie die Nebendarsteller, bei denen ich insbesondere Sylvester Groth als SS-Führer Hiemer hervorheben möchte. Der Mann hat nicht viele Szenen, aber bei jeder einzelnen packt einen das Grausen.
Auf Hochglanz und Eitelkeit wird großzügig verzichtet, anders als im durchschnittlichen Zeitgeschichts-Eventmovie sitzt die Frisur halt nicht mehr, wenn man aus dem Schützengraben krabbelt - durch's Lazarett rennt - sich im Wald versteckt, und die Klamotten sehen dann auch nicht mehr aus wie frisch von der Reinigung. Die einzige, die wirklich mal bestens onduliert an der Front auftaucht - Sängerin Greta - wirkt bemerkenswert deplatziert.
Dazu passt das etwas gewöhnungsbedürftige Wackel-Kamerabild, das aber letztendlich nur die Unruhe und die Hektik widerspiegelt, denen die Protagonisten permanent ausgesetzt sind. Ein kleines dramaturgisches Manko bilden in der Tat die Zufälle, durch die sich die Wege der Fünf auch in den Weiten Osteuropas immer wieder kreuzen. Andererseits ist dies der Grundkonstellation "Fünf Freunde" geschuldet, die Geschichte macht erst Sinn, wenn sie sich zwischendurch dank welchem Zufall auch immer begegnen.

Was die Diskussion um die Darstellung der Partisanen angeht: Die Probleme der polnischen Zuschauer mit dieser Version kann ich gut nachvollziehen. Ohne detailliertes Vorwissen zu haben, hat mich dieser Handlungsstrang allerdings sehr beeindruckt. Meinem Empfinden nach folgten die Autoren in diesem Teil der auch bei den Hauptfiguren benützten Maxime, niemanden zu glorifizieren, niemanden nur gut oder nur böse darzustellen. Dass die Partisanen allen antisemitischen Äußerungen zum Trotz das Richtige und Gute wollten, stand für mich keinen Augenblick außer Frage.

Angesichts der Qualität des Films ist es sehr schade, dass zur DVD-Ausstattung keine Untertitel gehören. Auch die Freigabe ab zwölf Jahren empfinde ich als problematisch. Als Extras gibt es Audiokommentare sowie zwei Dokumentationen mit Zeitzeugenberichten, in denen man viele Motive des Filmes wiederfindet. Die abschließende Erkenntnis daraus: Die Realität war noch viel, viel schlimmer als das, was im Film gezeigt wird.

Am Ende kommt übrigens der gleiche Trick zum Tragen wie am Anfang: Vom weiteren Dasein der überlebenden Freunde nach dem Krieg erfahren wir (fast) nichts. Sie könnten alles Mögliche geworden sein: Ärztin, Literat, Weltstar oder Modeschöpfer. Oder auch einfach nur: Unsere Mütter und unsere Väter.


Die dritte Sünde: Roman (EDITION CARAT)
Die dritte Sünde: Roman (EDITION CARAT)
von Eva-Ruth Landys
  Gebundene Ausgabe

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Irgendwie gut..., 6. März 2013
... aber irgendwas stört.

Dieses ist eines der Bücher, bei denen ich am Ende ratlos bin: Einerseits habe ich es zügig gelesen. Das spricht dafür, dass es mir gefallen hat. Andererseits habe ich bei der einen oder anderen Stelle die Augen verdreht. Das spricht dafür, dass ich mich den bisherigen begeisterten Bewertungen nicht so ohne weiteres anschließen kann. Ohnehin bin ich vorbelastet - der erste Roman von Eva-Ruth Landys, Pflicht und Verlangen, hat mir auch nicht so gut gefallen wie dem Großteil der Leserschaft, mich aber dennoch neugierig auf weitere Bücher von ihr gemacht.

Also, die dritte der sieben Todsünden, die lautet? Wollust. Und um Wollust geht es hier zu einer Zeit, die man nicht unbedingt mit sündigem Treiben in Verbindung bringt (und die bei uns nicht umsonst Biedermeier heißt). Auch die Grundkonstellation ist etwas ungewöhnlich: Isobel de Burgh, die anfangs unbescholtene Tochter des Herrn von Whitefell, gelüstet es nach dem schicken Stallmeister Aaron. Der ist dummerweise in die scheue Cathy verliebt, die seit Kindheitstagen als Isobels menschliches Spielzeug dient.

Diese Ausgangslage nutzt Eva-Ruth Landys geschickt, um die sozialen Probleme und Abhängigkeiten der Zeit darzustellen: Eine verarmende Landbevölkerung, die sich halt nicht beim Betriebsrat beschweren kann, wenn der Arbeitgeber sich daneben benimmt, sondern auf Gedeih und Verderb dem Grundherrn ausgeliefert ist. Einige Szenen, insbesondere zwischen Aaron und Cathy, fand ich sehr anrührend. Insgesamt ist der Roman flüssig und gut geschrieben, auch wenn ich mich mit Frau Landys` Vorliebe für ausführliche Fußnoten in diesem Leben nicht mehr anfreunden werde. Mich stören sie im Lesefluss, aber das ist meine privatpersönliche Meinung - letztendlich habe ich sie einfach ignoriert.

Was dann tatsächlich zu dem obenerwähnten Augenverdrehen geführt hat, waren zwei Punkte: Die meisten Figuren werden bei ihrer Einführung erst einmal per Adjektiv vor-charakterisiert, ehe sie lebendig werden und durch ihre Handlungen zeigen dürfen, ob sie wirklich so sind, wie sie uns vorgestellt wurden.
Das wäre mir wahrscheinlich gar nicht aufgefallen, wenn nicht fast alle Figuren zunächst einmal äußerst negativ belegt werden: Der Pfarrer ist geschwätzig, die Gouvernante eine Ziege, das Dienstmädchen mürrisch, Mr Havisham lästig, die Tante steif und ermüdend, die eine Cousine dick und grotesk, die andere rechthaberisch und hässlich und alle beide todlangweilig. Dann ergänzen Dinner-Gäste die Gesellschaft: eine vierschrötige, krötengesichtige Mutter sowie ein froschähnlicher Vater und Sohn. Man möchte von der Tafel aufstehen, noch ehe der erste Gang serviert wird. Dass einige dieser Leute sich dann am Ende doch noch als sympathisch entpuppen gehört allerdings zu den Pluspunkten des Buches.

Mein zweites Problem: Die Hauptperson Isobel. Die ist wirklich ein Biest, ein Miststück, jemand, den man problemlos von ganzem Herzen hassen darf. Allerdings ist sie auch grenzenlos eitel, selbstsüchtig und... dumm. Dafür, dass sie die negative Heldin des Romans ist, fehlte mir bei fast all ihren Handlungen eine kräftige Portion Raffinesse und Intelligenz. Besitzt sie beides nicht. Getrieben wird sie von einem ständig betonten gesellschaftlichen Überlegenheitsgefühl und von der dritten Sünde, nämlich dem Verlangen nach dem schicken Stallknecht. Mag sein, dass sich hinter dieser oberflächlichen Fassade ein unsicheres Mädchen verbirgt - mir schien da eher der Wahnsinn zu lauern.
Besonders schade finde ich das, weil Isobel mit Mr Havisham eine Persönlichkeit gegenübersteht, die zunächst auch nicht sonderlich nett wirkt, dann doch sehr menschliche Züge entwickelt und dadurch zwar nicht zwangsläufig sympathisch, wohl aber lebendig und interessant wird. Das hätte ich Isobel auch gewünscht. So einseitig hinterhältig und herzlos, wie sie dargestellt wird, wirkte sie auf mich letztendlich überzeichnet und unglaubwürdig.

Fazit: Ein ausführlich recherchierter historischer Roman mit ungewöhnlicher Thematik, in dem mich aber ausgerechnet die Hauptfigur nicht überzeugen konnte - daher dreieinhalb Sterne. Neugierig auf die beiden Fortsetzungen bin ich trotzdem. Und ein paar Lesetipps kann ich mir auch nicht verkneifen:

Für die abgerundete Darstellung sozialer Probleme in früh-viktorianischer Zeit: Oliver Twist und Elizabeth Gaskells North and South (Penguin Classics).

Über die Folgen der im Roman angesprochenen "Enclosure"-Politik und eine Frau, die auch nicht durch hohe Sympathiewerte auffällt, weil sie ohne jeden Skrupel und mit vollem Körpereinsatz um das kämpft, was sie für ihr Eigentum hält: Wideacre (Wideacre Trilogy) von Philippa Gregory.

Und zuletzt über die Folgen viktorianischer (Doppel-)Moral: The Suspicions of Mr. Whicher: Or the Murder at Road Hill House von Kate Summerscale.


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