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Rezensionen verfasst von
JuSi liest

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Sarahs Schlüssel
Sarahs Schlüssel
von Tatiana de Rosnay
  Broschiert

36 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zwiegespalten, 4. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Sarahs Schlüssel (Broschiert)
Ich möchte am liebsten 4 Sterne für die Rückblenden vergeben und 2 Sterne für die Rahmenhandlung in der Gegenwart.
Sarahs Erlebnisse als jüdisches Kind in Paris im Zweiten Weltkrieg sind anschaulich und berührend dargestellt, vor allem die tragische Geschichte um ihren Bruder, den sie eigentlich zu retten versucht, und auch die Botschaft, dass man sich mit der Vergangenheit beschäftigen muss um die Gegenwart vollständig zu verstehen kam gut heraus. Leider war aber die Rahmenhandlung im Großen und Ganzen sehr banal und fokussierte stellenweise sehr stark auf das Liebesleben der Erzählerin, was mit der eigentlichen Geschichte nicht viel zu tun hatte. Die spannendste Frage für die Rahmenhandlung schien teilweise zu sein: Findet Julia doch nochmal eine neue Liebe, nachdem ihre Ehe am Ende zu sein scheint? Im Gegensatz zu Sarahs tragischer Lebensgeschichte wirkten diese Passagen geradezu läppisch, wenn nicht unfreiwillig komisch.
Des weiteren war ich sehr überrascht hier zu lesen, dass der Verlag das Buch für 12-13-jährige empfiehlt. Welche 12- oder 13-jährigen interessieren sich denn bitteschön für die Eheprobleme einer Mittvierzigerin? Wenn die Autorin ihr Werk wirklich als Jugendbuch konzipiert hat, ist sie deutlich an ihrer Zielgruppe vorbeigeschossen.


Queen Camilla
Queen Camilla
von Sue Townsend
  Taschenbuch

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Zähe Fortsetzung, 22. März 2009
Rezension bezieht sich auf: Queen Camilla (Taschenbuch)
Nachdem ich "The Queen and I" sehr genossen habe, konnte ich nicht umhin mir auch den Nachfolger Queen Camilla zu besorgen und hoffte auf eine witzige Fortsetzung aus anderer Perspektive. Leider konnte Sue Townsend meinen Erwartungen dieses Mal nicht gerecht werden.
"Queen Camilla" sprudelt zwar wieder mal über vor kuriosen und nicht ganz unrealistischen Einfällen zum Leben in einem alternativen republikanischen Großbritannien, doch leider sind die Ideen entweder nicht neu und bereits aus dem Vorgänger bekannt oder sie bleiben Fragment.
Die Tatsache, dass England aufgrund eines Computerprogramms zum totalen Überwachungsstaat mutiert ist, ist zum Beispiel nur eine am Rande auftauchende Fußnote, die lediglich für ein paar gute Gags bezüglich der Fehlfunktionen des Programms gut ist.
Genauso wird zwar lang und breit ein unehelicher Sohn von Charles und Camilla aufgebaut, der die Thronfolge durcheinander bringt, doch auch dieser Handlungsstrang scheint nicht konsequent zu Ende gedacht zu sein, so dass der skurrile Graham Cracknell am Ende relativ schnell und schmerzfrei aus der Geschichte geschrieben wird ohne größere Bedeutung erlangt zu haben.
Ein weiteres Detail, das sich mir überhaupt nicht erschließt, sind die Konversationen zwischen den Hunden der verschiedenen Charaktere, die weder lustig noch einsichtsvoll sind.
Insgesamt macht "Queen Camilla" deswegen auf mich den Eindruck als hätte die Autorin einige halbgare Ideen lang und breit ausgewalzt, ohne selbst im Bilde zu sein, wohin die Reise letztendlich gehen soll. Das ist besonders schade, da die Ansätze in vielen Fällen durchaus vielversprechend sind, aber am Ende schleppen sich viele parallel laufende Plots doch nur anstrengend zäh dahin.


Rhett
Rhett
von Donald McCaig
  Taschenbuch

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Idee toll - Umsetzung missglückt, 27. Januar 2009
Rezension bezieht sich auf: Rhett (Taschenbuch)
Einen Klassiker aufzufrischen und aus einer neuen Perspektive zu erzählen, halte ich zunächst mal für eine tolle Idee, und da Rhett im Original eine der faszinierendsten und hintergründigsten Figuren ist, war es nur passend nun seine Geschichte zu erzählen.
Doch was macht Donald McCaig bloß daraus? Hat er "Vom Winde Verweht" überhaupt gelesen?
In seiner Neuinterpretation erkenne ich jedenfalls die meisten Charaktere kaum wieder - allen voran leider Rhett. Aus dem süffisant lächelnden Draufgänger mit dem trockenen Humor ist ein schwatzhafter Langweiler geworden, der so gar nicht die Anziehungskraft des Originals besitzt.
Zu einem großen Teil ist dies dem miserablen Stil McCaig's geschuldet. Statt eines Romans hatte ich an vielen Stellen das Gefühl eine Aneinanderreihung von Zusammenfassungen zu lesen. Ein Kapitel besteht aus diversen lose aneinander gereihten Episoden, die oft für sich gerade mal eine 3/4-Seite einnehmen. Darin findet sich eine grobe Aufzählung der Fakten à la "Zuerst tat Rhett das, daraufhin passierte jenes, was zur Folge hatte, dass..." - neue Episode. Eine Charakterzeichnung bleibt bei so einem Stil natürlich auf der Strecke.
Selbst die Dialoge, die den Stil etwas auflockern könnten, sind oft einfach schlecht zusammengeschustert. Die beteiligten Personen antworten einander oft nicht einmal richtig, sondern reden aneinander vorbei und sagen am Ende ganz zufällig das, was McCaig für die Weiterführung der Geschichte braucht. Jeder Amateur kann das nach einem "Creative Writing"-Kurs besser.
Insgesamt bin ich deswegen sehr enttäuscht von diesem in der Anlage vielversprechenden Roman und kann besonders den Fans des Originals nur abraten. Wo Rhett dran steht, ist noch lange nicht Rhett drin.


Der Geschmack von Apfelkernen: Roman
Der Geschmack von Apfelkernen: Roman
von Katharina Hagena
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,95

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gemächlich aber gut, 29. Dezember 2008
"Der Geschmack von Apfelkernen" eignet sich wunderbar als Ferienlektüre und kleine Flucht aus dem Alltag. Katharina Hagena gelingt es in ihrem Familienroman gleichzeitig altmodisch und modern vom Verlieren und Finden von Erinnerungen zu erzählen.
Altmodisch sind vor allem ihr Erzählton und ihr Erzähltempo. Die Autorin nimmt sich Zeit ihre Geschichte zu entwickeln, hat eine unglaubliche Liebe zu Details und webt auch magischen Realismus in ihre Geschichte ein, wenn Johannisbeeren plötzlich weiß werden oder Äpfel schon im Juni reif werden, nachdem bedeutsame Ereignisse passiert sind.
Modern ist ihr Roman dennoch, denn er ist auf angenehme Weise nicht linear. Hagena spinnt ihre Geschichte um drei Generationen, verweilt mal in dieser Zeit und mal bei jener Person und schafft es doch ein atmosphärisch dichtes Portrait einer Familie, eines Hauses und eines Ortes zu liefern.
Einen kleinen Punktabzug gibt es bei mir lediglich für die manchmal etwas zu gemächliche und zeitweise leicht ins Kitschige abrutschende Erzählweise und die Tatsache, dass Frau Hagena nicht gerade eine Meisterin des Dialogs ist. Die Dialogpassagen wirkten jedenfalls auf mich oft arg holprig und wenig realistisch.
Trotzdem konnten die kleinen Schwachpunkte nicht darüber hinwegtäuschen, dass dies ein außerordentlich gut gelungener Familienroman ist.


Die souveräne Leserin (SALTO)
Die souveräne Leserin (SALTO)
von Alan Bennett
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,00

5 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Leidlich lustig, 27. Dezember 2008
Nachdem ich überschwängliche Kritiken über die souveräne Leserin gelesen hatte, hatte ich eigentlich mehr erwartet als diese leidlich amüsant vor sich hin plätschernde Novelle. Die Idee aus der englischen Königin eine passionierte Leserin zu machen ist zwar recht originell, reicht aber vom Ansatz her nicht, um die Grundfesten der Monarchie und damit vielleicht auch das Zwerchfell der Leser zu erschüttern (wie es z.B. Sue Townsend urkomisch und trotzdem würdevoll in "The Queen and I" gelungen ist). Man liest, man schmunzelt, aber im Gedächtnis bleibt einem die souveräne Leserin wahrscheinlich eher nicht.
Am meisten aber hat mich gestört, dass ein richtiger Spannungsbogen nicht zu erkennen war. Die Monarchin findet zum Lesen, trifft auf wenig Verständnis in ihrer Umgebung, sie liest trotzdem weiter und erst im Schlusssatz wird der Stellenwert von Büchern für ihr Leben offenbar. Das war selbst für magere 120 Seiten etwas wenig Handlungsgeschehen, denn auch die Betrachtungen über das Lesen an sich fand ich nicht so originell, dass sie die Handlungslücken ausgeglichen hätten.
Insgesamt ist die souveräne Leserin damit für mich ein netter Zeitvertreib für ein paar ruhige Stunden, aber man verpasst auch nichts Wesentliches, wenn man dieses Buch nicht liest.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 11, 2010 9:23 PM MEST


Atemübungen
Atemübungen
von Anne Tyler
  Taschenbuch

6 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nur für eine eingeschränkte Zielgruppe, 25. November 2008
Rezension bezieht sich auf: Atemübungen (Taschenbuch)
Ich arbeite mich bereits seit geraumer Zeit an Anne Tylers "Atemübungen" ab und habe mich lange gefragt, warum mich dieses Buch nicht in seinen Bann zieht. Fraglos ist es ausnehmend toll geschrieben und deswegen auch sehr süffig zu lesen, aber dennoch fehlte mir das gewisse Etwas um mich festzubeißen.
Mittlerweile bin ich der Meinung, dass ich mit meinen 28 Jahren einfach zu jung für den Roman bin. Immerhin geht es darin um eine Frau, die bereits 28 Jahre lang verheiratet ist und auf eine dementsprechend lange Beziehung zurückblicken kann. Dies ist mir im Grunde genommen fremd, nicht zuletzt deswegen, weil der Roman zudem seit seinem Erscheinen 1988 nochmal etwas in die Jahre gekommen ist.
Um mich als wirklich begeisterte Leserin zurückzulassen, hätte Tyler (wie z.B. Jonathan Franzen in den "Korrekturen") die Geschichten mehrerer Generationen verweben müssen, während allein das langsam ergrauende Ehepaar für mich dauerhaft nicht interessant genug war. Ich vermute deswegen, dass "Atemübungen" vor allem etwas für die Generation 40+ ist.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 23, 2015 8:49 PM MEST


Ein letzter Sommer
Ein letzter Sommer
von Steve Tesich
  Taschenbuch

8 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Zu handlungsarm, 15. November 2008
Rezension bezieht sich auf: Ein letzter Sommer (Taschenbuch)
Ich habe "Ein letzter Sommer" mit großen Hoffnungen begonnen, da Elke Heidenreich es einem so wärmstens ans Herz gelegt hatte, bin aber jetzt nach knapp 100 Seiten an dem Roman gescheitert. Der Grund? Es passiert einfach nichts! Und von Mal zu Mal war ich widerwilliger, das Buch überhaupt noch einmal neu in die Hand zu nehmen.
Dabei ist es zugegebenermaßen nicht schlecht geschrieben und plätschert sprachlich ganz angenehm und zum Teil durchaus erheiternd vor sich hin - nur leider passiert eben nichts weiter.
Die ganzen ersten 100 Seiten über hatte ich das Gefühl, dass der Protagonist Daniel mit einem einzigen gleichgültigen Schulterzucken durchs Leben geht.
Der verlorene Ringkampf? - Schulterzucken. Macht nichts. Es hat nicht sollen sein.
Seine Freunde? - Leicht skurril, aber entbehrlich.
Seine etwas verschrobene Mutter? - Ja, mei! Macht er halt mit beim Kaffeesatzlesen. Tut ja keinem weh.
Sein kranker Vater mit der wachsenden Geschwulst am Hals? - Der wird schon wieder gesund.
Einzig das Mädchen Rachel scheint ihn einigermaßen zu interessieren, doch wird nicht ganz klar, warum. Sie tauschen Belanglosigkeiten aus, er repariert den Rasensprenger, sie tauschen mehr Belanglosigkeiten aus - und er ist hin und weg.
Ich war es leider nicht. Und deswegen nur 2 Sterne.


Lipshitz: Roman
Lipshitz: Roman
von T Cooper
  Taschenbuch

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Enttäuschendes Ende, 2. November 2008
Rezension bezieht sich auf: Lipshitz: Roman (Taschenbuch)
Bis ca. S. 350 war ich der Ansicht, dass "Lipshitz" mindestens 4 Sterne verdient hätte. Die Geschichte der Auswanderung einer russisch-jüdischen Familie in die USA ist zwar an sich nicht so wahnsinnig originell, aber dafür anschaulich und lebendig beschrieben. Besonders der Verlust des kleinen blonden Ruben und dessen Auswirkungen auf die Familie waren interessant und anrührend aber nie kitschig dargestellt.
Leider bricht genau diese lesenswerte Geschichte nach 350 Seiten ab und der Autor wird zum Ich-Erzähler, der versucht die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verbinden. Bedauerlicherweise ist dieser Teil extrem ermüdend und schlecht geschrieben und zwar in einer bemüht flapsig-coolen Sprache, die zumindest mir schon nach wenigen Sätzen extrem auf den Geist gegangen ist. Selbst die politische Unkorrektheit wirkt weder witzig noch provozierend, sondern einfach nur überflüssig gestelzt. Und wie schreibt der Autor selbst so schön: "Vielleicht sollte ich hier eine Pause machen und klarstellen, dass über Schriftsteller zu schreiben das Langweiligste auf der Welt ist" (S. 363/64). Schade, dass er dieses Problem zwar erkennt, aber keine Konsequenzen daraus zieht.
Meine Konsequenzen zog ich wenige Seiten weiter bei dem Satz: "Also tun Sie sich keinen Zwang an und lecken Sie uns beide an unseren nackten weißen Ärschen." (S. 381). Bitte sehr! Das tue ich hiermit, klappe das Buch zu und lasse es gern in der hinterletzten Ecke meines Bücherschranks verschwinden. Wenn ich auf so einen Stil scharf bin, kaufe ich mir Bushidos Biographie.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 18, 2016 11:54 AM CET


Meines Vaters Land: Geschichte einer deutschen Familie
Meines Vaters Land: Geschichte einer deutschen Familie
von Wibke Bruhns
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,00

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geschichte ganz persönlich, 5. Oktober 2008
Ich habe "Meines Vaters Land" trotz akuten Prüfungsstresses in weniger als einer Woche verschlungen und wann immer ich konnte ein paar Seiten gelesen, beim Frühstück, in Kaffeepausen, vor dem Schlafen gehen. Das ist mir bei einem Sachbuch noch nie passiert.
Was also ist an "Meines Vaters Land" so besonders?
Zunächst mal ist es Bruhns ganz persönliche Annäherung an die tragisch endende Lebensgeschichte ihres Vaters, die eng verknüpft mit der Geschichte Deutschlands ist. Von Anfang an ist dem Leser klar, dass am Ende des Buches die Hinrichtung des Vaters als Verschwörer des 20.07.1944 stehen wird und doch wird HG Klamroth an keiner Stelle glorifiziert und auf einen Sockel gehoben. Statt dessen nähert sich Bruhns ihm als Menschen und macht dabei immer wieder klar, dass es ihr bei ihrem eigenen Vater nicht gelingen kann, objektiv zu sein. Zu fremd sind uns heute Mentalität und Einstellungen der im Kaiserreich aufgewachsenen Generation und zu schmerzhaft ist wahrscheinlich auch die Erinnerung an spätere Verstrickungen. Das besondere bei Bruhns Ansatz ist, dass sie ihrem Unverständnis und ihrem Ärger immer wieder unmissverständlich Luft macht und geradeheraus schreibt "So ein Unsinn!" oder "Was soll das nun wieder?" wenn sie über ihr unverständliche Äußerungen stolpert. Dieser unkonventionelle Stil lockert das Buch einerseits enorm auf, macht aber andererseits auch immer wieder deutlich, dass hier eine "Nachgeborene" aus ihrer Perspektive schreibt.
Diese Perspektive kann und will dabei gar nicht "die einzig wahre" sein, sondern ist ihrerseits wiederum ein Produkt ihrer Zeit. So war es z.B. für mich als wiederum gut 40 Jahre nach der Autorin geborene Leserin gleichzeitig interessant und irritierend, dass die Mentalität der bürgerlichen Schicht des Kaiserreichs für Bruhns offensichtlich zwangsläufiger Wegbereiter für das "Dritte Reich" ist.
Insofern war das Buch auf zweierlei Art faszinierend: Zum einen durch die Aufarbeitung historischer Quellen aus dem Familienarchiv mit allerlei interessanten Hintergrundinformationen (z.B. gelingt es HG auf dem Gipfel der Verliebtheit in seine zukünftige Frau beim Spaziergang rechts von ihr zu gehen, was normalerweise dem Ehemann vorbehalten war) und zum anderen durch die sehr persönliche aber genauso zeitgebundene Beurteilung durch Wibke Bruhns.


Abgebrannt in Mississippi: Roman
Abgebrannt in Mississippi: Roman
von Mark Childress
  Taschenbuch

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannend, skurril, nachdenklich stimmend - ein Genuss, 25. September 2008
Eigentlich schreibt Mark Childress fast immer dasselbe. Jedes Mal geht es um junge heranwachsende Männer irgendwo in den Südstaaten der USA, die nicht nur mit dem Erwachsenwerden sondern auch mit bestimmten historischen Ereignissen zu kämpfen haben, die ihr Leben beeinflussen - hier nun schon zum zweiten Mal die Auswirkungen der Bürgerrechtsbewegung und Rassenkonflikte.
Dennoch ist jeder von Childress' Romanen einzigartig, denn besonders die Charaktere geben jeder Geschichte etwas ganz besonderes. Hier ist es nun der nach Mississippi verpflanzte Yankee Daniel Musgrove, der sich in den Südstaaten durchboxen muss und sich auf lange Sicht als der "normalste" der Charaktere entpuppt. Sein auf den ersten Blick äußerst spießiger Vater entwickelt dagegen genauso großes Chaos- und Konflikt-Potential wie sein undurchschaubarer Freund Tim. Hinzu kommen mindestens genauso großartig ausgearbeitete Nebenfiguren - das schwarze Mädchen Arnita, das sich nach einem Unfall plötzlich für eine Weiße hält, ihre resolute und gleichzeitig verzweifelte Mutter, Daniels schräger behinderter Onkel Jacko, der mit Beleidigungen seiner Umwelt nicht geizt, der schräge christliche Musical-Komponist Eddie, die liebenswert psychisch angeknakste Mathelehrerin Passworth oder die herzensguten aber äußerst naiven Frillinger-Zwillinge.
Sie alle vereint Childress in einem überaus unterhaltsamen 70er-Jahre Kosmos, der dem Leser ständig das Gefühl vermittelt, mitten im Geschehen zu sein. Dennoch ruht der Autor sich aber nie auf der Wirkung seiner witzigen Figuren und Handlungsstränge aus, sondern verwebt Unterhaltsames immer wieder geschickt mit nachdenklich stimmenden Passagen und einem wahrlich tragischen Ende. Letztlich nämlich erfährt der Leser in fast allen Fällen, was die kleinen Macken oder auch ernsten psychischen Störungen seiner Protagonisten ausgelöst hat und umso mehr fragt man sich hinterher, ob man nicht auch im realen Leben viel häufiger hinter die ein oder andere skurrile Fassade schauen sollte.


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