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Rezensionen verfasst von
A. Humphreys "abeuerma"
(REAL NAME)   

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Invaders Must Die
Invaders Must Die
Preis: EUR 8,49

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Weder Fisch noch Fleisch, 30. März 2009
Rezension bezieht sich auf: Invaders Must Die (Audio CD)
Die gute Nachricht vorweg: AONO bzw. der teils desaströse Versuch des Prodigy-Masterminds Liam Howlett, seinem Erfolgsprojekt aus den 90er Jahren wieder Leben einzuhauchen, ist nicht das letzte Kapitel dieser einstmals originellen "Band". Nun die schlechte Nachricht: Anknüpfen an ihre einstige Klasse kann die "Band" immer noch nicht, und es drängt sich der Verdacht auf, dass die Tage für ihre einst revolutionär anmutende Musik gezählt sind.
Um es vorwegzunehmen: Ich gehöre nicht zu den Nostalgikern, die sich ein 90er-Jahre-Prodigy-Revival herbeisehnen: "What's gone is gone and I do not give a damn!" Ich meine eher, dass die Klasse einer Band darin liegt, sich von Album zu Album musikalisch weiterzuentwickeln und sich somit nie selbst zu kopieren. Gerade dadurch kann eine Band ihre Originalität wahren. Eben das gelingen "The Prodigy" in ihrem neuen Werk nicht, meine Vorredner haben es längst gesagt: Irgendwie hat man so ziemlich alles auf diesem Album schon einmal gehört: Die Solosynthies und hochgepitchten Vocals aus den "Experience"-Zeiten, die Gitarren, fetten Bässe, geboosteten Drums sowie "Keef" und Maxims Gebrülle aus den "Fat of the Land"-Zeiten. Diese Mischung klingt nach wie vor unverkennbar nach "The Prodigy" und sie ist nach wie vor tanzbar: der Opener des Albums weist diesbezüglich die Richtung. Nur klingt es eben ein wenig nach Museum, weil so gar nichts an diesem Werk überraschend ist.
Immerhin muss man Liam Howlett zugute halten, dass er sich bei der Produktion des neuen Longplayers ein wenig mehr Mühe gegeben und die Arrangements etwas origineller als noch auf dem Vorgängeralbum gestaltet hat. Hin und wieder entdeckt er sogar so etwas wie eine eingängige Melodie, so etwa in "Thunder" oder "Warrior's Dance". Oder er bearbeitet die Samples auf die gewohnt schräge Weise, wofür "Take me to the Hospital" ein gutes und irgendwie amüsantes Beispiel ist: Da sind Ansätze von Originalität, ja fast schon von Esprit zu erkennen.
Dann gibt es aber leider auch wieder solche Tracks, die lapidar vor sich hinrattern und so gar keinen kreativen Höhepunkt aufweisen sondern sich in immerwährenden Wiederholungen verlieren: "Piranha" ist ein solcher Titel.
1997 hatte der Musikexpress nach dem Release von "The Fat of the Land" getitelt: "Die Revolution ist ausgeblieben" und damit der Enttäuschung eines Musikkritikers Ausdruck gegeben, dass diese hoffnungsvolle Truppe die verkrusteten Strukturen der sich selbst kopierenden Popmusik nicht hatte aufbrechen und zu neuen Ufern führen können.
Heute kann man nur noch beten, dass sich "The Prodigy" mit jedem neuen Machwerk nicht nachträglich um ihre Lorbeeren der frühen Alben bringen.
Vielleicht liegt es daran, dass Howlett und Co. sich auf die Fahnen geschrieben haben, partout "evil", roh und brutal klingen zu wollen: Da reichen ein paar fette Breakbeats und die immer gleichen Sounds aus: Punk klingt eben wie Punk. Aber mal ehrlich: Wenn Keith Flint heute von Tatoos übersäht und sichtlich gealtert den akustischen Stinkefinger ins Mikro rotzt, wirkt es für mich einfach wie eine Parodie...und kein bisschen anarchisch.
Das eigentlich Kreative der Band leidet daran, dass "The Prodigy" an ihrem angestaubten "Elektropunk" festhalten. Darum kann ich diesem Album nicht mehr als 3 wohlwollende Gnadenpunkte zugestehen. Wie hieß es früher so schön im Zeugnis: "Er hat sich bemüht."


Mutations
Mutations
Preis: EUR 8,66

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Künstlerische Reifeprüfung mit Bravour bestanden!, 6. Februar 2005
Rezension bezieht sich auf: Mutations (Audio CD)
Als sich Beck Mitte der Neunziger Jahre bereits als eine feste Popgröße etabliert hatte und alle Welt auf eine Art "Odelay 2"-Album wartete, beglückte er seine Fangemeinde mit einem Album, das so gar nicht den Erwartungen entsprach und das in kommerzieller Hinsicht den Vorgängeralben unterlegen war. Dass Verkaufszahlen jedoch selten den künstlerischen Wert einer LP widerspiegeln, bewahrheitet sich auch in diesem Falle: stilistisch vielfältig, wie das Album ist, zeigt sich hier Becks große kompositorische Meisterschaft. Affinitäten zu Country Music und Blues sind ebenso auszumachen wie die wilden elektronischen Samples der Vorgängeralben, abgefahrener Elektrorock gesellt sich zu zurückgelehntem Country-Folk-Sound, als wäre dies die normalste Sache der Welt. Überall webt er (teils sehr lustige) (elektro-)akustische Huldigungen und Zitate ein - dies aber, ohne stumpf zu kopieren sondern ganz im Gegenteil in musikalischen Kontexten, in denen man sie niemals erwartet hätte. Auch Becks gesangliche Qualitäten haben gegenüber der Vorjahre zugenommen und kommen in den getragenen Songs dieses Albums besonders zur Geltung.
Für mich enthält dieses Album das beste Material, das er je (mit Hilfe Nigel Godrichs) produziert hat - es ist vom ersten bis zum letzten Track gerade auch wegen der zahlreichen eher getragenen Songs ein Hörgenuss erster Güte. Wer sich überlegt, dieses Album zuzulegen, sollte unbedingt die etwas teurere Version mit den Zusatztracks "Halo of Gold" und "Black Balloon" wählen, die ihr Geld in jedem Falle wert sind.


Electric Cafe (de)
Electric Cafe (de)
Wird angeboten von Cover Music
Preis: EUR 34,18

42 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zu Unrecht verrissen!, 21. Januar 2005
Rezension bezieht sich auf: Electric Cafe (de) (Audio CD)
„Electric Cafe" ist nicht nur eines der kommerziell unerfolgreichsten Alben Kraftwerks, es gilt, wenn man verschiedensten Polls unter sog. „Kraftwerk-Fans" Glauben schenken möchte, auch als eines der unbeliebtesten Alben der Band überhaupt. Es ist das letzte Album, das die Band im „klassischen" Lineup (Hütter, Schneider, Bartos, Flür) aufnahm - und war für sehr lange Zeit das letzte wirklich kreative Output der Kraftwerker. Indessen polarisiert es wie kein anderes Kraftwerk-Opus. Selbst die Ex-Bandmitglieder Flür und Bartos haben sich bereits öffentlich von diesem Werk distanziert: bei Flür heißt es wortwörtlich „nur noch kalter Kaffee", bei Bartos sinngemäß „die ursprünglichen Versionen der Tracks waren viel besser, wir hätten sie behalten sollen". Flür verließ 1986, kurz nach der Produktion, frustriert die Band, Bartos tat es ihm kurz vor der Veröffentlichung von „The Mix" gleich.
Um das Album ränken sich viele Mythen - immerhin 5 Jahre waren seit „Computerwelt" vergangen, zwischenzeitlich war von neu produziertem Material nur die Single „Tour de France" erschienen, der aber keine unmittelbare Alben-Veröffentlichung folgte, unter anderem, weil die Band nach einem schweren Fahrradunfall Hütters umdisponieren musste. Indessen kursierten immer wieder Gerüchte über ein mögliches Kraftwerk-Release namens „Technopop", das 1983 bereits im EMI-Katalog verzeichnet war, für welches sogar Werbeplakate gedruckt worden sind. Erschienen ist es in der geplanten Form freilich nie, angeblich, weil Ralf Hütter mit dem klanglichen (noch analogen) Ergebnis nicht zufrieden gewesen sei. Es existieren zwei Demotracks dieses Projekts mit den Titeln „Technopop" und „Sex Object", die vor einigen Jahren, zur Blütezeit der Internet-Tauschbörsen, im Netz kursierten. Diese beiden Tracks, die sich 1983 offenbar noch in einem Frühstadium befanden und unverkennbar von Kraftwerk stammen, mögen allen Kritikern von „Electric Cafe" aufzeigen, wie eklatant schlechter diese ursprünglichen Versionen der Songs im Vergleich zu denen waren, die 1986 auf Electric Cafe veröffentlicht worden sind - kein Wunder, dass die Herren Hütter und Schneider die Existenz dieser Demotracks immer wieder geleugnet haben.
Heute wissen wir ob der Aussagen Flürs, Hütters und Bartos, dass „Electric Cafe" nicht das „Resultat eines Projekts mit dem Arbeitstitel ‚Technopop'" ist sondern dass das Album das Endprodukt dieses „Projekts" darstellt, nur, dass es eben einen anderen Titel trägt, wohl deshalb, weil die Songs zwischen 1983 und 1986 erheblich modifiziert worden sind.
Der Sound des 1986er Albums ist in meinen Augen zukunftsweisend: er klingt, anders als die meisten früheren Kraftwerk-LPs, unterkühlt digital und steril, was einige Fans der Gruppe möglicherweise als negativ empfunden haben. In meinen Augen aber ist das Werk eine konsequente soundtechnische Fortsetzung von „Computerwelt" - der steril-technische Sound passt genau zum Charakter und Inhalt der einzelnen Tracks: Musik, die aus der Maschine kommt, klingt eben kalt-metallisch mit Hang zum Perkussiven wie bei „Techno"-Pop. Und mittlerweile haben auch die Letzten erkannt, dass ein „Telefon Anruf" ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht nicht ersetzen kann: „You're so close, but far away". Digitaler Technik und Kommunikation ist eben eine unpersönliche, entfremdende Seite zueigen, die aber gleichzeitig durch ihre Sterilität auch eine gewisse Faszination ausübt. In den ersten vier Tracks wird dieses Moment in besonders überzeugender Manier deutlich: in „Boing Boom Tschak" gelingt eine humorvolle Mutation der menschlicher Stimme in ein perkussives Geräusch. In „Musique non stop" bleibt von der menschlichen Gesangsstimme nur noch ein isoliertes melodisches Fragment übrig, das auch hier stark von perkussivem Charakter durchdrungen ist.
Die beiden Schlusstracks sind nicht im gleichen Maße überzeugend wie ihre vier Vorgänger, können aber den für mich positiven Gesamteindruck dieses Albums kaum schmälern. Der Sound klingt meiner Meinung nach auch im Jahr 2005 noch zeitlos modern und war 1986 ganz sicher ein Zeugnis dafür, dass Kraftwerk ihrer Konkurrenz mehr als nur einen Schritt im Denken voraus waren. Für mich ist dieses Album zu Unrecht verrissen worden und hat mindestens 4 ½ Sterne verdient.


Ich war ein Roboter. Meine Zeit als Drummer bei Kraftwerk, mit Audio-CD
Ich war ein Roboter. Meine Zeit als Drummer bei Kraftwerk, mit Audio-CD
von Wolfgang Flür
  Taschenbuch

10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Viel Mensch, (zu?) wenig Maschine, 14. Januar 2005
Auf die Neuerscheinung dieses Buches musste ich als jemand, der schon im Kindesalter von der Musik Kraftwerks fasziniert gewesen ist, lange warten, hatte ich doch kein Exemplar der ursprünglichen Fassung dieses Buches (1999) mehr erstehen können, der peinlichen Gartenzaunmentalität der Herren Hütter und Schneider sei Dank. Nunmehr habe ich es in der Neuauflage gelesen, und meine Eindrücke sind gemischt.
Der Autor ist sich sehr bewusst, dass sich das öffentliche Interesse an seiner Person in erster Linie mit seiner Tätigkeit als elektronischer Drummer der Gruppe Kraftwerk verbindet, hinter deren teils selbst, teils durch die Medien kreierte Fassade man bisher nur wenig zu blicken imstande war. Daher rührt auch der Untertitel des Buches, der in meinen Augen nichts als ein geschickter marketingstrategischer Kaufanreiz ist. Tatsächlich entpuppt sich das Buch aber als eine Mischung aus Autobiographie, Erlebnisbericht und (in eingeschränktem Ausmaß) auch als "cultural analysis".
Schon in den ersten Zeilen merkt man Wolfgang Flür an, dass es ihm weniger darauf ankommt, Fans von Kraftwerk Einblicke in die Arbeitsweise der medienscheuen Gruppe zu liefern. Der eigentliche Zweck dieses Buches ist die Selbstinszenierung eines Menschen, der ganz offensichtlich befürchtet, in der Öffentlichkeit als williger "Roboter", somit als austauschbares Modul der Gruppe Kraftwerk wahrgenommen zu werden und infolgedessen seinen Lesern klar machen möchte, wie wenig ihm sein einstiges „Roboterimage" heute behagt, wie künstlich dieses Image der Band im Grunde war (und ist)- denn im Buch wird überaus viel gemenschelt, wovon insbesondere die Kapitel über die „Computerwelt"-Tournee zeugen, in welchen Flür auch seine Roboterkollegen als allzu menschliche Wesen entlarvt. Klar, dass den Herren Hütter und Schneider diese Enthüllungen nicht behagen konnten. Ihre Reaktion darauf zeigt, dass Flürs unausgesprochene Anschuldigung, der menschliche Umgang seiner Kollegen mit ihren (dürftig bezahlten) „Mitarbeitern" habe zu wünschen übrig gelassen, offenbar nicht völlig aus der Luft gegriffen ist.
Wolfgang Flür möchte als eigenständiger Künstler, vor allem aber als Mensch wahrgenommen werden, daher erzählt er von den für die Leser eigentlich interessanten Aspekten, zum Beispiel, wie die Gruppe im Studio arbeitete, wie die Ideen zu ihren Alben entstanden und sich weiterentwickelten, eher am Rande. Natürlich liefert er diesbezüglich einige interessante Aspekte, aber diese hätten aus meiner Sicht gerne ausführlicher und reichhaltiger besprochen werden dürfen. Stattdessen erfährt man, wie sich der Autor als onanierender Rebell im Jugendalter darstellt, wie er gegen seine Eltern aufgegehrt, und natürlich wird man immer wieder auf sein aktuelles Projekt „Yamo" hingewiesen, nicht zuletzt dadurch, dass diesem Buch eine aktuelle Single beiliegt.
Besser wäre es gewesen, anstatt Etikettenschwindel und offenkundige künstlerische Werbung in eigener Sache zu betreiben, das Buch „Mein Leben mit und ohne Kraftwerk" zu nennen - das träfe aus meiner Sicht eher den Kern der Flürschen Beschreibungen.
Positiv empfand ich nichtsdestotrotz, dass es Flür bei allen stilistischen und inhaltlichen Mängeln gelungen ist, mich als Leser zu fesseln und dass die von ihm geschilderten Dinge entgegen der Darstellung von Hütter und Schneider äußerst glaubwürdig wirken: Flür schreibt, „wie ihm die Schnauze gewachsen ist". Dass er sich dabei einige schlichte Gedichte zusammenreimt und lieber von Frauen und seinen handwerklichen Beiträgen für die Gruppe als von kreativen Prozessen innerhalb der Band erzählt, sei ihm angesichts des dann doch eher positiven Gesamtresultats verziehen. Für Kraftwerk-Fans ist dieses Buch jedenfalls eine empfehlenswerte Anschaffung.


Die Mensch-Maschine (de)
Die Mensch-Maschine (de)
Wird angeboten von numusi
Preis: EUR 14,90

10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geburt des "Robopop", 14. Januar 2005
Rezension bezieht sich auf: Die Mensch-Maschine (de) (Audio CD)
Im Alter von 13 Jahren, als ich begann, einen individuellen Musikgeschmack zu entwickeln, stieß ich auf ein Video der Gruppe „Kraftwerk" namens „Musique non stop", das auf mich so anziehend wirkte, dass ich gleich in den CD-Laden rannte, wo ich nur eine einzige CD von Kraftwerk vorfand: „Die Mensch Maschine". Die Musik dieses Albums zog mich schon beim ersten Hören in ihren Bann, und das tut sie noch heute, da sich mein Alter verdoppelt hat und ich in der Zwischenzeit in Freizeit und Studium mit diverser Musik verschiedenster Genres in Kontakt gekommen bin, noch.
Mittlerweile besitze ich längst sämtliche Tonträger, die unter dem Namen „Kraftwerk" erschienen sind, und mein Urteil geht heute dahin, dass Kraftwerk neben der „Mensch Maschine" auch weitere grandiose, wegweisende Meisterwerke der Popmusik zustande gebracht haben. Aus meiner Sicht aber wird die Gruppe durch dieses Album, das ich für ihr bestes halte, am stärksten repräsentiert. Dies nicht so sehr, weil es mit den „Robotern" und dem „Modell" zwei der größten Kraftwerk-Hits enthält, sondern deshalb, weil es das in meinen Augen (und Ohren) perfekteste, für Kraftwerk typischste Konzeptalbum ist, in dem einfach alles stimmig wirkt: vom Cover bis hin zum minimalistischen Sounddesign, das seinen maschinellen Charakter mittels Klangsteuerung durch analoge Sequenzer erhält und in der hier vorgefundenen Form wegweisend für die weitere Entwicklung der Popmusik geworden ist, die heute ohne Sequenzer im Tonstudio undenkbar wäre. Wie weit Kraftwerk ihrer Zeit damals soundtechnisch voraus waren mag allein schon daran deutlich werden, dass nahezu fünf Jahre nach dem Erscheinen dieses Albums „Das Modell" in England die Charts stürmte.
Was für akustische Wohltaten Kraftwerk schon 1978 mittels dieser neuen Technik vollbringen konnten, illustrieren für mich vor allem „Die Roboter", „Neonlicht" sowie der grandiose Schlusstrack „Die Mensch Maschine"; allesamt Tracks, die für mich durch ihre minimalistische maschinelle Symbiose von Text und Musik Aushängeschilder des typischen Kraftwerksounds geworden sind.
Zudem befanden sich die Komponisten Hütter, Schneider und Bartos 1978 auch hinsichtlich ihrer melodischen Erfindungsgabe auf einem Höhepunkt, den sie in ähnlicher Weise wohl nur auf „Trans Europa Express" (ein Jahr zuvor) erreicht hatten.
Mehr Worte sind an dieser Stelle nicht vonnöten, spricht doch die Musik dieses Albums für sich selbst ... und wird sicher auch in der Zukunft noch viele junge und ältere Menschen faszinieren, für die elektronische Popmusik längst zum Alltag geworden ist.


Always Outnumbered, Never Outgunned
Always Outnumbered, Never Outgunned
Wird angeboten von mrtopseller
Preis: EUR 6,74

8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Keule statt Degen, 19. Oktober 2004
Als sich "The Prodigy" 1994 mit "Music for the Jilted Generation" zum Sternenhimmel der Elektroszene hinaufkatapultierten, hatten sie ihren zugegebenermaßen etwas großkotzigen Namen noch verdient: auf diesem Album verbanden sich Ideenfülle, Innovationsgeist, Anarchie, mitreißende Arrangements und ausgetüftelte Klangwelten zu einem bis dahin noch nicht gehörten, individuellen Sound mit Suchtpotential. Bemerkenswert war dabei, dass es auf der Platte so gut wie keine Tracks gab, die qualitativ gegenüber Knallern wie "Poison", "No Good" oder "Voodoo People" abfielen. Auch hatte man nie das Gefühl, the Prodigy würden sich auf dem Album im Kreis drehen. Jeder Track hatte seinen eigenen Reiz und ließ jeweils auf seine spezielle Art und Weise das Genie Liam Howlett durchblicken.
1997 wurde bereits deutlich, dass sich ein solches Niveau kaum würde halten können, enthielt "The Fat of the Land" neben Krachern wie "Firestarter", "Breathe" und "Smack my bitch up" doch auch eine Menge musikalischer "Ausschussware". Als "Prodigy" 2002 mit "Baby's Got A Temper" ein erstes Comeback starteten, mussten Fans der ersten Stunde bereits das Schlimmste befürchten. Diese Befürchtungen haben sich nunmehr (wir schreiben das Jahr 2004) bestätigt. Zwar hat sich "Prodigy"-Mastermind Howlett wieder neu zu definieren versucht, indem er statt seiner "Hupfdolls" (TAZ) Gast"sänger" engagierte und noch mehr Gitarrensamples in seine Musik einbaute, doch ist ihm dabei offensichtlich die einstige Kreativität abhanden gekommen. Schon der erste Track, der auch auf dem Vorgängeralbum hätte auftauchen können, zeigt den neuen "Style" an: noch mehr Bass, viel Bumms, zerstückelte Gitarrensamples mit viel Zerre, immer wieder dieselben Loops und dazu ein wenig "Katzenjammer", damit das Ganze auch so richtig schön "böse" klingt.
Das mag zwar Howletts Ideal des "Elektro Punk" sehr nahe kommen, muss aber diejenigen Fans enttäuschen, die 1994 Zeugen wurden, dass Howlett das einfach besser (und subtiler) kann. "Girls" ist einer der wenigen gelungenen Tracks auf dem neuen "Prodigy"-Werk, doch ist es bezeichnend, dass es von seinen geklauten Samples und seiner Nähe zu Aphex Twins "Windowlicker" lebt. Das aber Tracks wie "Hotride" heute als Singles ausgekoppelt werden, ist ein Armutszeugnis; leider gibt es auf diesem Album aber keine weiteren Tracks, die dazu herhalten könnten. Hört man das Werk durch, bleibt ein Eindruck von gitarrenlastigen Klangbrei, Ideenarmut, immer gleichen Loops und drittklassigen Sängern ("Twista" ausgenommen). Mag sein, dass diese Musik mit viel Boost aber wenig Esprit ihr Publikum finden wird. "Altgediente" Fans wie mich jedenfalls enttäuscht es auf ganzer Linie.


Portishead
Portishead
Preis: EUR 7,99

31 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Portishead à la bonheur!, 14. Dezember 2002
Rezension bezieht sich auf: Portishead (Audio CD)
Man schrieb das Jahr 1997 und nahm begeistert zwei großartige sogenannte "Trip Hop" - Aufnahmen zur Kenntnis: zum einen "Mezzanine" von Massive Attack, zum anderen "Portishead". Verwandt sind diese Bands in meinen Augen nur durch Geoff Barrows Ruf des ehemaligen "Kaffeekochers von Massive Attack" und durch die Tatsache, dass beide Bands aus Bristol und Umgebung stammen und bevorzugt Tiefpassfilter verwenden. Dies reicht aber nicht aus, um beide Bands in die gleiche Schublade zu stecken: während Massive Attack ihr Sounddesign in den Vordergrund stellen und für jedes Album neue Vocals engagieren (vom Altmeister Horace Andy und 3D einmal abgesehen), sind Portisheads Sounds ganz und gar auf die Stimme von Beth Gibbons zugeschnitten. Die Präsenz dieser Stimme, ob verzerrt, hauchig oder glasklar, ist beeindruckend: alles andere wird zwangsläufig Untermalung - aber was für eine: der unheimlich transparente, düstere Sound ist von maschinellen Charakter,und doch "lebt" er: Portishead schalten nämlich nicht einfach nur den Drumcomputer und den Tiefpassfilter ein sondern differenzieren: da wird ein typischer düsterer Rhodes-Klang mit einer glasklaren Hochpassfilter-HiHat zusammengebracht, da tauchen gedämpfte Posaunenriffs aus dem Nichts auf. Ein brillianter Adrian Utley, nunmehr vollständiges Bandmitglied, fügt alles andere als sterile Nuancen und Melodiefragmente zum tönenden Klangbild hinzu. Alles andere wäre zuviel, denn in Portisheads Sound ist die Stimme der Fluchtpunkt aller Musik. Hier findet man all das, was der Rest der Band nur untermalen kann: tieftraurige, melancholische Melodien, tönende Schreie der Verzweifelung. Doch immer ist die Stimme so ergreifend schön, dass man es Portishead gerne verzeiht, wenn sie eben nur traurige Lieder schreiben.
Auf diesem zweiten Album haben Portishead ihren einzigartigen Sound perfektionniert und subtiler (weil nuancierter) gemacht. Sie wissen, dass die Band ohne Beth Gibbons Stimme nicht existieren könnte und haben diese noch stärker als auf dem ersten Album exponiert. Was diese Stimme stark macht, ist, dass sie niemals aufgesetzt klingt sondern aus den tiefsten und dunkelsten Winkeln der Seele heraufsteigt. Es ist eine ehrliche, und eben darum melancholische Musik. Vor allem ist sie eine der wenigen klanglichen Innovationen mit künstlerischer Aussage, die in den 1990er Jahren hervorgebracht haben.


Peter Gabriel 4 (Remastered
Peter Gabriel 4 (Remastered
Wird angeboten von music-on-the-web-germany
Preis: EUR 25,90

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen The best of Peter Gabriel, part 2, 7. Dezember 2002
Rezension bezieht sich auf: Peter Gabriel 4 (Remastered (Audio CD)
Wenn man die weiteren Rezensionen gelesen hat, gibt es nichts mehr inhaltlich hinzuzufügen: meiner Meinung nach erreicht Peter Gabriel gemeinsam mit dem Vorgängeralbum hier den Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens: die Texte sind subtil, die Musik ist kreativer denn je, vielschichtig und unter steht unter starkem Einfluss außereuropäischer Kulturen.
Ein künstlerisches Monument der Popmusik, gespickt mit brillianten Songs wie "I have the touch", "San Jacinto" und "Shock the monkey", unterlegt von einem großartigen Lineup von Musikern: insbesondere vor Tony Levin muss an dieser Stelle der Hut gezogen werden; es verwundert nicht, dass er seither an jedem weiteren Studioalbum Gabriels mitgewirkt hat.
Ich will gar nicht mehr dazu sagen und lade dazu ein, sich selbst ein Bild zu machen; dennoch bin ich überzeugt, dass man nach dem Hören dieses Albums nur zu einem Urteil gelangen kann: es gehört in jede gut sortierte CD-Sammlung!


Us (Remastered)
Us (Remastered)
Wird angeboten von nagiry
Preis: EUR 16,58

7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein gelungener "So"-Nachfolger, 7. Dezember 2002
Rezension bezieht sich auf: Us (Remastered) (Audio CD)
Schon der Titel dieses Albums deutet den Charakter des Werks an: wer "So" bereits kennt, wird sich hier zuhause fühlen. Dennoch hat sich ein melancholischer Geist eingeschlichen: Peter Gabriel verarbeitet mit diesem Werk das Scheitern seiner damaligen Ehe. In diesem Kontext bewahrheitet sich eine alte Künstlerweisheit: Sinnkrisen beflügeln die Kreativität. Brilliante Songs wie "Blood of Eden" (Duett mit Sinnead o'Connor) und "Digging In the Dirt" zeugen davon. Auch Peter Gabriels Klangteppiche, mit denen er seine Songs unterlegt, sind subtiler und reffinierter denn je, gerade auf der "remastered edition" wird dies deutlich; hieran haben bedeutende Musiker wie M. Katche, D.Lanois und T. Levin entscheidenden Anteil.
Dennoch kann das durchgehend hohe Niveau von "So" auf dem Nachfolger "Up" nicht immer gehalten werden: auf "Fourteen Black Paintings" hätte ich als Hörer gerne verzichtet. Songs wie "Steam" und "Kiss that frog" mögen ja nett klingen, erscheinen mir aber beizeiten wie ein Versuch der Reproduktion eines "Sledgehammer"-Pops.
Dies ändert indessen nichts an dem sehr guten Gesamteindruck dieses Albums eines bedeutenden Künstlers.


So (Remastered)
So (Remastered)
Wird angeboten von westworld-
Preis: EUR 14,54

9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beginn einer neuen künstlerischen Schaffensperiode, 7. Dezember 2002
Rezension bezieht sich auf: So (Remastered) (Audio CD)
1987 gelingt Peter Gabriel mit diesem Album neben dem künstlerischen auch der finanzielle Durchbruch, nachdem seine beiden Vorgängeralben bei Kritikern bereits für Begeisterung gesorgt hatten.
Dennoch setzt sich dieses Album wesentlich von seinen Vorgängern ab und markiert den Beginn einer neuen Schaffensperiode: die schrägen Sounds fährt Gabriel zunächst zurück und macht einem poppigerem Stil Platz, "Sledgehammer" wird nicht zuletzt wegen des für die damalige Zeit revolutionären Videos ein Welterfolg. Und kann dieses Album auch viele seiner Fans zufriedenstellen: seine stimmliche Kapazität hat den Höhepunkt erreicht. Peter Gabriel deutet mit diesem Album sein Talent zum Schreiben großartiger Balladen an, mit "Mercy Street" und "Don't Give Up" (Duett mit Kate Bush) schreibt er zwei seiner besten Songs.
In Songs wie "We do what we're told" deutet sich indessen an, dass er bei aller Sanftheit der Songs keineswegs zum Kuschelrocker abdriftet, darüber hinaus zeugen die Texte überwiegend von einer Subtilität, die viele seiner Zeitgenossen vermissen lassen.
Wahrscheinlich das poppigste Album Peter Gabriels, ganz sicher aber kein schlechtes.


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