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Beiträge von brudervomweber
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Rezensionen verfasst von
brudervomweber (Remscheid, NRW)

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Kein Titel verfügbar

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Neues aus dem Schrebergarten, 15. November 2015
Kinderhörspiele sind .. schwierig. Neben der gern gestellten Frage, ob denn Erwachsene überhaupt den "Wert" und die "Eignung" eines Kinderhörspiels bewerten können (zumindest aus der Warte des Kindes können sie das nicht) ist aber natürlich eine ganz wesentliche, sich allen Eltern aufdrängende Frage im Hinblick auf solche hörbare Unterhaltung: "Ist das überhaupt auszuhalten?"

Denn Kinder - so ist das - hören ein Hörspiel ja nicht nur einmal. Sie hören es. Und hören es dann wieder. Und dann nochmal. Und nochmal. Dann vielleicht mal ein anderes, aber dann wieder dieses eine, noch neue, das danach wieder gehört werden wird. Kinder leben noch in diesem Wunderland, in dem Neues nicht gleich als alt abgelegt wird, sondern auch beim fünften, zehnten, hundertsten Mal irgendwie noch neu ist. Und der Glaube daran, dass das irgendwann ja zum Mitsprechen (und für die Eltern dann: zum Erbrechen) bekannte Hörspiel doch an einer Stelle anders abbiegen könnte.

Wie also ist das also diesbezüglich mit den Abenteuern der Schnirkelschnecke Monika Häuschen, ihres besten Freundes, des Regenwurms Schorsch und des gefräßigen und eingebildet gebildeten Wildganters Günther bestellt?

In solchen Fällen macht man eine Pro- und Contra-Liste.

Auf der Pro-Seite haben wir:

Die Sprecher machen ihre Sache weitgehend gut.
Weitgehend, weil doch ein paar winzige Merkwürdigkeiten bei der Betonung oder Aussprache auffallen (der ebenfalls in jeder Folge auftretende von Tom Deininger gesprochene "Gärtner" trinkt zum Beispiel in Folge eins hartnäckig einen "Kaokao") oder kleinere Betonungsfehler die unterhaltungslastige Handlung mitunter durchbrechen, aber (und das muss man festhalten) die eigentlich Zielgruppe stört das nicht weiter und wirft auch nicht deren Spracherziehung über den Haufen. Also: Pro: Ordentliche Sprecher.

Man lernt etwas.
Das ist natürlich der Lockstoff, der jedes Kinderhörspiel für Eltern magnetisch macht. Spaß und Lernen! Hurra! In diesem Fall ist es aber wirklich so, dass man eine Menge lernen kann, selbst als erwachsener Hörer. Die "Abenteuer" (man möchte sie fast nicht so nennen, weil die kleine Schnecke Monika Häuschen per Grundsatz alles meidet, was vermeintlich "gefäääääääährlich" sein könnte) finden allesamt im Garten des Erzählers statt, der neben Salatbeet, Kiesweg, Misthaufen, Hühnerstall und allem anderen was dazu gehört, natürlich vor allem eines im Überfluss hat: eine mehr oder minder kultivierte Natur. Und in dieser begegnen in jeder Folge die Protagonisten (Schnecke, Regenwurm und Gans) anderen Tieren (in dieser Dreierbox sind das der Tausendfüßler Valentin, der Nachbars-Kater Stiefel und das Glühwürmchen Funzel), über welche stets Neues bekannt gemacht wird, welches dann vom mitlauschenden Gärtner immer auch kommentiert und in Alltagsepisoden transferiert wird.

Es ist unterhaltsam.
Und auch das gilt für junge wie ältere Hörer. Die Hauptfiguren sind als Klischeecharaktere angelegt, mit denen man sich schnell ... anfreundet: Monika ist eine etwas naive, etwas ängstliche und etwas "langsame" Schnecke, Schorsch ein stets eingeschnappter von Minderwertigkeitskomplexen gebeutelter und sich beim geringsten Anlass ungerecht behandelt und zurückgesetzt fühlender Wurm und "Herr Günther" macht als ebenso gefräßiger wie aufschneiderisch gebildeter Gänserich das Trio komplett. Neben den lehrreichen Passagen steht somit auch diese "Menage a trois" und deren Streitereien und Nickeligkeiten im Mittelpunkt und sorgen auch für die Eltern durchaus für amüsante Momente.

Kommen wir zu Contra.

Die können nerven.
Die können unglaublich nerven.

Monika quietscht, Schorsch knatscht und Günther gluckst herum, dass es einem beizeiten die Hutschnur platzen lassen kann. Und wenn Tom Deininger dann wieder mit der Gemächlichkeit einer Kontinentaldrift seine Sätze abliefert, möchte man mitunter ausflippen. Insbesondere, wenn man die Folge zum fünfzigsten Mal hört.

Aber das wär's dann auch schon.

Wir haben diese erste Box für eine längere Urlaubsfahrt erworben, und mit unserer damals 6jährigen Tochter während der Reise gehört. Und viel Spaß gehabt. Alle. Trotz mehrmaligen Hören einiger Folgen. Und wussten nachher, wie es im Auge einer Katze und im Po eines Glühwürmchen (das gar kein Wurm, sondern ein Käfer ist) aussieht, dass und weshalb Gänse sich mit einer Po-Creme einschmieren, Regenwürmer zwar keine Nase, Arme, Beine, Hände oder Ohren haben, aber immerhin mehrere Herzen und Augen am Po, Tausendfüßler (die Aufschneider sind, weil die gar nicht tausend Füße haben) zwar nicht stolpern, aber auch nicht rückwärts laufen können und warum nach einem heißen Tag die Wiese trotzdem nass ist. Und noch vieles mehr.

Wenn Sie das auch wissen wollen (oder wollen, dass Ihr Nachwuchs das weiß), dann zugreifen.
Für den Preis allemal.


Catweazle (English Edition)
Catweazle (English Edition)
Preis: EUR 1,99

4.0 von 5 Sternen Teach me thy electrickery!, 3. November 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Catweazle (English Edition) (Kindle Edition)
Der Name "Catweazle" dürfte den meisten, die in den 70ern oder 80ern ein Fernsehgerät in den vier Wänden stehen hatten, ein Begriff sein. Der zerzauste, verschmutze, vorlaute und stets von den Errungenschaften der modernen "Magie" ins Bockshorn gejagte Zauberer aus dem Mittelalter, den es in die Gegenwart eines britischen Bauernhofs in den 70er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts verschlagen hat, hat sich nicht zuletzt aufgrund der kauzigen Darstellung durch den britischen Bühnenschauspieler Geoffrey Bayldon im kollektiven kulturellen Gedächtnis der gegenwärtigen Generation der Fortysomethings eingebrannt.

Nachdem ich vor einiger Zeit von nostalgischen Trieben veranlasst die DVD-Box mit den beiden Anfang der 70er gedrehten Catweazle-Staffeln erworben hatte, packte mich bald darauf die Lust, auch das von Richard Carpenter verfasste Buch zur ersten Staffel einmal im englischen Original zu lesen. Es ist weder ein "Buch zur Serie", noch ist die Serie nach diesem Buch entstanden ... vielmehr sind beide ursächlich aus demselben kreativen Prozess abgeleitet.

So stellte ich zunächst auch durchaus fest, dass das Buch im Grunde eine zum Teil wortgetreue Wiedergabe der Geschichten der ersten Staffel auf dem Truthahngehöft „Hexwood Farm“ ist.

Nichtsdestotrotz hatte ich mit dem Buch stellenweise mehr Vergnügen als mit der Serie - was nicht zuletzt daran liegt, dass die in der Serie vordergründig inszenierte Lächerlichkeit des Zauberers angesichts seiner Überforderung mit dem technischen Alltag bei der Lektüre ins Glied zurücktritt und die Figur des Catweazle stärker durch jene Eigenschaften charakterisiert wird, welche ihn als wahrhaftigen Zauberer auszeichnen.

Hier ist Catweazle nicht allein der Narr, der sich vor Traktoren, Telefonen und elektrischem Licht ängstigt oder diese für Zauberei der Marke "Electrickery" hält, sondern ein Eingeweihter, der durch sein dem modernen Menschen abhandengekommenes arkanes Wissen Lösungen findet, die eben nur ihm einfallen können (so z. B. die Aufhebung des Fluches, der auf Hexwood Farm liegt).

Und auch, dass Catweazle ein oft undankbarer Schmarotzer und Opportunist ist, tritt in der Lektüre des Buchs deutlicher in den Vordergrund. Wenn Carrot den alten Zausel anherrscht: "You're a menace, Catweazle, an absolute menace!", kann man dem Burschen nur beipflichten.

Nicht zuletzt - und das ist der eigentliche Glanzpunkt dieses Büchleins - ist die Sprache Carpenters einfach bezaubernd. Catweazle sprüht nur so vor "Thou"s und "Thee"s, seine Beleidigungen ("Thou knot! Thou lump! Thou itch!" oder "Thou flibbertigibbet!", "Thou mugwump!" oder "Thou devil's hiccup!") und Beschwörungen "Salmay! Dalmay! Adonay!", das Magische Viereck "Sator Arepo Rotas Opera Tenet" und vielfältige andere Beschwörungsformeln und Verwünschungen zeichnen Catweazle als einen Anachronismus aus.

Aber auch die meist sprachlichen Missverständnisse und Doppeldeutigkeiten, mit denen Carpenter spielt und in die er in einem Fort den aus der Zeit gefallenen Zauberer und die wunderbar steifen Briten der "Gegenwart" verwickelt, lohnen das Lesen dieses Buchs.

Insbesondere ist die nicht sonderlich schwierige Lektüre zusammen mit der durchweg amüsanten Handlung dazu geeignet, einen Leser, der seine Englischkenntnisse auffrischen oder verbessern will, bei der Stange zu halten und sich dabei hervorragend zu unterhalten. (Wobei das Nachschlagen unbekannter Vokabeln - das altenglische und arkane Gebrabbel Catweazles einmal ausgenommen – auf dem Kindle auch kein großer Aufwand ist.)

Diese Reise eines mittelalterlichen Zauberers in die Zukunft war für mich jedenfalls eine erheiternde Reise in die Vergangenheit.
Daher: klare Kauf- und Leseempfehlung. Bei Adamcos!


Antriebsriemen für RS 100 Plattenspieler Telefunken Flachriemen Belt
Antriebsriemen für RS 100 Plattenspieler Telefunken Flachriemen Belt
Preis: EUR 9,95

5.0 von 5 Sternen You spin me right round, baby, right round ..., 17. Oktober 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Mehr, als dass dieser Riemen für den angegebenen Telefunken RS 100-Plattenspieler wie gemacht ist, lässt sich kaum als Bewertungskriterium ansetzen.

Ich habe den alten Riemen, der von knapp 30jährigem, zugegeben nicht regelmäßigem Gebrauch gründlich ausgeleiert war und dadurch tatkräftig zu nervenaufreibenden Tempowechseln bis zum vollständigen Stillstand des Plattenttellers beitrug, kurzerhand ersetzt (was sogar für einen Doppellinkshänder wie mich keine große Kunst war) und ... der Plattenspieler ist wie neu! Vielleicht sogar eine winzige Spur zu flott unterwegs im jugendlichen Schwung seines niegelnagelneuen Antriebsriemens, aber das schadet kaum, und vermutlich kann man das am Plattenspieler sogar irgendwie justieren.

Einen Langzeitgebrauchs- und Belastungstest habe ich nicht gefahren, aber wenn der Riemen in 10 Jahren doch wieder mit der Dehnbarkeit des Gummis die Waffen strecken sollte, weiß ich ja jetzt: Es gibt Ersatz zum kleinen Preis. Diesen hier. Von daher wäre ich ein Schuft, keine 5 Sterne zu vergeben.


Medium - Die erste Season [4 DVDs]
Medium - Die erste Season [4 DVDs]
DVD ~ Patricia Arquette
Wird angeboten von 8mm
Preis: EUR 10,98

5.0 von 5 Sternen Whodunnit, esoterische Ausgabe ... Must See!, 4. Oktober 2015
Rezension bezieht sich auf: Medium - Die erste Season [4 DVDs] (DVD)
Vor einigen Wochen habe ich die erste Staffel der Serie "Medium" aus dem Regal geklaubt, um sie nach Jahren noch einmal anzusehen.

Anlass war, dass ich festgestellt hatte, dass die übrigen Staffeln inzwischen nicht mehr in den unsäglichen X.1er und X.2er-Boxen angeboten werden, sondern als Komplettbox je weiterer Staffel erhältlich sind. Ich hatte mir damals bis Staffel 3 die Folgen in dieser zertrennten Form angeschafft, dann aber die Reißleine gezogen, weil mir - ganz im Gegensatz zur Serie selbst - diese durchsichtig auf Mehrumsatz getrimmte Marketingstrategie des deutschen Vertriebs nicht zusagte. Nun aber steht einer "Fortsetzung" dieser Serie auch in meinem Abspielgerät nichts mehr entgegen.

Und das hat sie allemal verdient.

"Medium" ist eine clevere Mischung aus klassischem Krimi und übersinnlicher Mystery, die aber aufgrund der unglaublich authentischen Zeichnung der Dubois-Familie und der matter-of-fact-Einbettung der geisterseherischen Erfahrungen und Träume der Protagonistin Allison Dubois nahezu augenblicklich die für die Annahme eines solchen Sujets erforderliche "suspension of disbelief" initiiert. Man ist gefesselt und verzaubert.

Wie jede Serie hat auch "Medium" bessere und schwächere Folgen, aber in allen Fällen wird die Handlung von einem bis zu den Kinderdarstellern der Töchter Ariel und Bridget phantastischen Cast und einem großartigen Skript getragen, welche es dem Zuschauer leicht machen, selbst bei Licht besehen abstruse Entwicklungen klaglos zu akzeptieren und in die Serie eine Menschlichkeit und Lebensnähe einbringen, die andere Serien oft vermissen lassen.

Ferner überbieten sich die Macher im Hinblick auf die oft opaken Vorahnungen, Visionen und Träume, die Allison auf die Spur geschehenen oder noch ausstehenden Unheils bringen, mit kreativem Einfallsreichtum und zum Teil schreiend komischen Ideen. Und nicht nur das - hier verlagert die Serie das Zuschauer-Vergnügen des Mitratens, über welches die klassische Krimi- bzw. Detektivgeschichte sein Publikum ja via Darstellung der Tatumstände und Präsentation der Verdächtigen einbezieht, auf die Deutung der esoterisch-konkreten Hinweise. Man rätselt mit, was um alles ind er Welt die stets verschlüsselten Botschaften bedeuten, man leidet mit Allison, wenn sie auch den Bruchstücken dessen, was sie sieht, keine Bedeutung abzuleiten vermag, man versucht selbst, die nur ihr und uns Zuschauern bekannten Puzzlestücke in die übrige Handlung einzusetzen, die sich rund um die Staatsanwaltskanzlei und die Polizeifälle abspielen, und wird mehr als einmal mit ihr zusammen auf die falsche Fährte gelockt. Trotz aller übersinnlichen Elemente bleibt die Serie so immer realitätsnah und wirklichkeitsverbunden.

Manch ein Rezensent und Kommentator hier macht der Serie die "Verbreitung republikanischen Gedankenguts" zum Vorwurf. Hier werde für die Todesstrafe eingetreten, und vor allem werde hier subversiv ein Menschen- bzw. Gesellschaftsbild kolportiert, das doppelmoralisch und im Extrem sogar in Anflügen rassistisch sei. Ich kann das indessen nicht erkennen. Insbesondere in der ersten Staffel (ich glaube in Folge 2, in welcher Allison von District Attorney Devalos zur Vorauswahl einer Jury für einen Prozess herangezogen wird, in dem es um nichts weniger als darum geht, einen Angeklagten zurm Tod durch tödliche Injektion zu verurteilen), gibt es so etwas wie eine "salvatorische Szene", in welcher ebenjener Staatsanwalt Allison vergegenwärtigt, dass sie durch das, worum er sie ersucht, für den Tod eines Menschen eine Teilverantwortung tragen wird. Manch einen könne das verstören. Allison verneint das für sich. Später wird dies zwischen ihr und ihrem Mann Joe nochmals diskutiert und in dieser Serienfolge als Meta-Thema abgehandelt - die Todesstrafe ist juristische Realität im Bundesstaat Arizona, kann also in diesem Plot nicht ausgeblendet werden. Und die Serienfolge stellt die für den Zuschauer (chronologisch sehr frühe) Gretchenfrage: "Akzeptierst du das als narrative Rahmenbedingung?" Ich habe es akzeptiert, und allein die Tatsache, dass in der familiären Situation zwischen Allison und Joe, aber auch in der Auseinandersetzung mit den beiden älteren (zu Beginn der Staffel in die erste und fünfte Klasse gehenden) Töchtern das, was angeblich wahr und möglicherweise richtig ist, durchaus auch kontrovers und mitunter entlarvend diskutiert wird, kann ich der Serie keinerlei Falschheit unterstellen.

Es gibt an "Medium" (soweit ich die Serie bislang kenne), und an dieser Staffel nur eine einzige Kleinigkeit aus meiner Sicht auszusetzen. Ganz zu Beginn der ersten Folge, in den allerersten Sekunden, werden mit weißer Schrift auf schwarzem Bildschirm zwei Sätze eingeblendet. "There really is an Allison. There really is." Diese Sätze behaupten eine Realität, und das schafft (zumindest war es bei mir so) Skepsis und Distanz, welche die Serie gottlob durch ihre einnehmende Machart und Authentizität schnell überwanden. Aber diese Behauptung, dass das, was die Serie protraitiere, auch in Wirklichkeit so sei, ist unnötig. Irritierend. Prätentios.

Aber der Rest ... Must See!


Ida, Paul und die fiesen Riesen aus der Dritten
Ida, Paul und die fiesen Riesen aus der Dritten
von Mikael Engström
  Gebundene Ausgabe

11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ida, Paul, und die Frage nach der Zielgruppe, 1. Februar 2015
Liest man sich den Teaser auf der Rückseite von IDA, PAUL UND DIE FIESEN RIESEN AUS DER DRITTEN durch, kann man auf die Idee kommen, man halte hier ein instruktives, mutmachendes Kinderbuch für den Schulanfang in den Händen.

Da hat dieser Junge Paul zur Einschulung rosa Turnschuhe bekommen, und wird wegen dieses Schuhwerks von ein paar älteren Jungs aus der dritten Klasse gepiesackt. Darum findet er die Turnschuhe blöd. Und macht sie dreckig, um ihretwegen nicht länger gehänselt zu werden. Genaugenommen macht er sie "eklig braun". Und als das nicht hilft, überlegt er sich mit seiner Freundin Ida, was man gegen diese "fiesen Riesen" unternehmen könnte.

So weit, so gut.

Nur geht es in IDA, PAUL UND DIE FIESEN RIESEN AUS DER DRITTEN eigentlich nur zum Teil um diesen Konflikt mit den Peinigern, die Ida als "King" und "Kong" bezeichnet. Es geht um eine ganze Menge mehr, und dabei doch irgendwie um nichts Spezielles.

Und auch die Sprache ... was im Teaser noch "eklig braun" ist, wird im Buch "kackbraun". Die Schuhe sind auch nicht nur "blöd", sondern geradeheraus "lebensgefährlich". Überhaupt geht es in diesem Buch, das sich einer für ein Kinderbuch recht derben Diktion bedient, sehr viel um das Sterben, und ums Umgebrachtwerden, ums Töten, um Menschenopfer, es fließt Blut und Ida und Paul tauschen sich über Themen aus, die zumindest im Kopf unserer siebenjährigen Tochter, die inzwischen die zweite Klasse besucht, noch gar nicht verankert sind:

Vampire, Werwölfe, Zombies, und nicht zuletzt den Hängenden Hassan, den sich die an einem Punkt der Geschichte von King und Kong im stockfinsteren Keller der Schule eingesperrten Kinder so vorstellen: "Womöglich baumelte er mit schiefem Kopf und heraushängender Zunge direkt vor Ihnen von der Decke und starrte sie mit toten Augen an, während ihm das Blut aus den Ohren tropfte."

Erste Klasse, gerade eingeschult. Hm.

Ich will mit all dem nicht sagen, dass das Buch absolut nichts taugt.

Ich selbst hatte einiges Vergnügen beim (Vor)Lesen dieser Geschichte, die unterm Strich stets einen heiteren, wenn nicht unbedingt positiven Tenor behält.

Aber ich finde sie viel zu ironisch und in einem Gestus satirischer Übertreibung erzählt, als dass ich sie für einen Erstklässler als wirklich geeignet oder überhaupt verständlich einschätzen kann. Der Autor Mikael Engström referenziert hier Genres und Klischees, die Kindern im Alter von 5-7 eigentlich noch gar nicht wirklich geläufig sein sollten. Und präsentiert insgesamt ein äußerst unerquickliches (wenn auch vielleicht nicht völlig unrealistisches) Weltbild.

Idas Eltern liegen im öffentlichen Dauerstreit und drohen sich vor den Kindern und auf offener Straße gegenseitig mit dem Auszug, Idas Bruder Leonardo a.k.a. Zappel ist ein hyperaktiver Tierquäler, Pauls Eltern immerhin "nur" verschrobene Wolkenkuckucksheimer, die ihren Sohn mit dem Geheimauftrag in die Schule schicken "gängige Normen zu verrücken", und die titelgebenden fiesen Riesen sind zwei sadistische Schläger, die immerhin am Ende des Buches von Paul ablassen, um dann aber stattdessen einen brillentragenden Zweitklässler zum nächsten Opfer zu erküren.

Das ist - in eingeschränktem Maß - auch für Grundschulanfänger lustig. Aber hier leitet sich das Vergnügen eher aus der Tatsache her, dass das Buch "verbotene" Worte benutzt ("kackbraun, hihihi") oder immer wieder mit Slapstickeinlagen aufwartet ("Die alte Tante lächelte und gab ihm ein steinhartes altes Brot. 'Kinder sind so tierlieb,' sagte sie. Zappel warf das harte Brot einer Ente an den Kopf, die glatt ohnmächtig wurde. Sie kippte um und trieb mit dem Bauch nach oben im Wasser."), deren Prinzip aber neben einer gewissen Situationskomik leider allzu oft auf Heiterkeit aus Schadenfreude hinausläuft.

Mit einer gewissen Leseerfahrung kann man durch Schaffung der notwendigen ironischen Distanz der Geschichte um IDA, PAUL UND DIE FIESEN RIESEN AUS DER DRITTEN auch narrativ einiges Amüsement abgewinnen. Aber diese Lesekompetenz haben Erstklässler noch nicht. Dafür gehen sie zur Schule, um die zu erlernen.

Und selbst ich kann keinesfalls eine klare moralische Linie, eine Botschaft oder überhaupt eine über episodische Haha-Effekte hinausgehende Absicht in diesem Buch erkennen. Wie sollen das dann die I-Dötzchen leisten?

Was ist also die Message?
Wer die Zielgruppe?

Und wie bewertet man so ein Buch?

Hatte ich Spaß? - Ja.
Hatte unsere Tochter Spaß? - Zweifellos auch.
Halte ich dieses Buch für ein gutes, sinnvolles, lohnenswertes KINDERbuch? - Absolut nicht.

Und das heißt: Mehr als 2 Sterne gibt es daher von mir nicht.


Shaun Of The Dead
Shaun Of The Dead
DVD ~ Simon Pegg
Preis: EUR 5,97

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Cornetto Trilogy - Zombie Flavour, 4. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Shaun Of The Dead (DVD)
SHAUN OF THE DEAD (dessen Titel, wie vermutlich ein jeder mit dem Genre der lebenden Toten auch nur rudimentär vertraute Filmfreund wissen/erkennen wird, von Zombie-Guru George A. Romeros Zweitwerk Dawn of the Dead abgepaust ist) hat sich inzwischen selbst zu einer Art Klassiker gemausert, auch wenn er sicherlich nicht die Herzen aller Horror-Fans erreicht haben wird.

Der Film von Edgar Wright ist zweifellos eine Hommage an die Zombie-Filme Romeros und anderer, aber er ist keineswegs ein erstzunehmender Horrorfilm wie das Remake des Titelspenders Dawn of the Dead von Zak Snyder oder die Reanimation des Zombie-Themas durch Danny Boyle und Alex Garland in 28 Days Later, noch handelt es sich um eine Horror-Komödie im Stile von Zombieland oder gar des schon selbst als untot zu diagnostizierenden 80er-Jahre-Humors à la Scary Movie, der die Kalauer mit der Gießkanne ausschüttet, um (mit dennoch fragwürdigem Ergebnis) die Trefferquote zu erhöhen.

SHAUN OF THE DEAD ist - und das weiß man spätestens, wenn man den außergewöhnlich lustigen Audiokommentar von Regisseur Edgar Wright und Hauptdarsteller Simon Pegg gehört hat - eine Herzenssache, ein Liebhaberstück, ein Fan-/Filmprojekt, das von Wright und Pegg im Anschluss an die zuvor für das britische Fernsehen produzierte Comedy-Serie Spaced angegangen wurde, weshalb neben Nick Frost als Faulenzer Ed und Simon Pegg als Shaun einige der Darsteller aus dieser Show auch hier zu sehen sind (z.B. Peter Serafinowitz als Spießer Pete oder Jessica Stevenson als alte Bekannte Yvonne), aber auch ein alptraumhaft-fantastischer Bill Nighy als Shauns Stiefvater Philip oder ein Kurzauftritt des damals vergleichsweise unbekannten Martin "Watson/Bilbo" Freeman.

Ob man den Humor dieses Filmes mag oder nicht, das muss man selbst ausprobieren. Sicherlich ist die Paarung Wright-Pegg-Frost, die mit SHAUN den ersten Film der inzwischen mit Hot Fuzz und The World's End abgeschlossenen und inhaltlich absolut unzusammenhängenden sogenannten Cornetto Trilogy liefert, Geschmackssache - nicht umsonst ist die Trilogie ja mit dem Untertitel "Three flavours" versehen. Warum die so heißen? Aufgabe: Finden Sie das Cornetto-Eis in allen drei Filmen. Fakt ist jedenfalls, dass mein Geschmack von dem Trio äußert erfolgreich bedient wird und wurde.

Die Geschichte vom liebenswerten Loser Shaun, der inmitten einer von ihm zunächst aufgrund seines dekomponierenden Privatlebens gänzlich ignorierten Zombie-Apokalypse über sich hinauszuwachsen versucht (und dabei mehr oder minder grandios scheitert), ist gespickt mit Genre-Zitaten und Insider-Gags (die im oben bereits gelobten Audiokommentar unterhaltsam aufgedeckt werden) und sprüht nur so vor schwarzem (a.k.a. britischem) Humor, der auch mehrmaliges Sehen des Films durch immer neu auffallende Details belohnt.

Ich kann diesen gut gealterten (selbst das inzwischen altbackene DVD-Menü passt irgendwie noch) und immer noch mit großen Vergnügen ansehbaren Film nur empfehlen - ich übernehme aber keine Garantie dafür, dass man damit meinen Spaß haben wird. Denn letztlich ist der Film im Herzen eine Komödie, in der zufällig Zombies auftauchen, kein Zombiefilm, in dem auch Scherze gemacht werden. Ob das Ihr Humorzentrum trifft, ist nicht prognostizierbar, nur ausprobierbar. SHAUN OF THE DEAD ist ein Film, der andere Filme zitiert, referenziert, reinterpretiert, ein bisschen, wie es auch die Coens beizeiten machen, nur britischer.

Und - wenn Sie mich fragen - verdammt lecker bzw. lustig.


Bastian Pastewka und Komplizen in Paul Temple und der Fall Gregory (Paul Temples Fälle, Band 7)
Bastian Pastewka und Komplizen in Paul Temple und der Fall Gregory (Paul Temples Fälle, Band 7)
von Francis Durbridge
  Audio CD
Preis: EUR 11,95

11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Augenzwinkender Spaß, ungeeignet für Puristen ..., 3. Januar 2015
Bastian Pastewka hat sich bereits vor längerer Zeit als ein Fan (durchaus im Sinne eines Fanatikers) von Hörspielen geoutet und in dieser Eigenschaft zuletzt auch eine Neuinszenierung von Sir Arthur Conan Doyles Sherlock Holmes-Roman Der Hund der Baskervilles im WDR auflegen können.

Diese ist durchweg solide ausgefallen, wobei eine Besonderheit der Umsetzung der Schluss ist, in welchem über die Geschichte Doyles hinausgegangen und alternative Auflösungen des wohl bekanntesten Abenteuers des Ermittlers aus der Baker Street 221b aus der Sekundärliteratur in die Handlung eingeflochten werden.

Der Holmes-Fall ist ein gut gemachtes Hörspiel, saubere Regie, hervorragende Sprecher, gute Atmosphäre. Dennoch war ich etwas enttäuscht nach dem Hören - denn Bastian Pastewka fand hier nicht statt.

Dass er dies in seinem zweiten Radiostreich, der Neuinszenierung des verlorengegangenen Hörspiels PAUL TEMPLE UND DER FALL GREGORY nun nachholt, scheint einige der Hörer dieser Produktion ordentlich vor den Kopf gestoßen zu haben. Die Erwartungshaltung vorausgesetzt, einen vergleichbar soliden Fall zu hören zu bekommen, kann ich eine solche Enttäuschung (wenngleich nicht gerade die Giftigkeit einiger hier veröffentlichter Rezensionen) nachvollziehen, mein Fazit lautet aber: Ich habe mich köstlich unterhalten.

Dass Pastewka und Leonhard Koppelmann (den man als Regisseur nicht vergessen darf) hier vom tugendhaften Pfad der getreuen Umsetzung eines Paul-Temple-Hörspiels klassischer Facon abweichen und stattdessen eine Ensembleproduktion mit (in der Hörspielform sicherlich inszenierten) Improvisationselementen und einer Meta-Ebene (sozusagen dem "Werkstattbericht" innerhalb des Hörspiels) abliefern, birgt natürlich Potential für bittere Enttäuschung. Launige Gesangseinlagen, überkandidelte Akzente und erkennbar verstellte Stimmen, stellenweises Overacting hart an der Grenze zum Klamauk sind sicherlich nicht für jeden akzeptabel.

Dass ich als ein zugegeben nicht zu den Temple-Afficionados zählender Hörer gerade diese Form der Darbietung, die durchaus auch über die Eigentümlichkeiten der 40er- und 50er-Jahre-Kriminalerzählungen aus der Feder Francis Durbridges und damit zugleich über Pastewkas eigene nostalgische Begeisterung für den Stoff zu schmunzeln vermag, als außerordentlich zugänglich empfunden habe, ist allerdings ebenfalls eine Tatsache.

Wer also diesen alten, neuen Paul-Temple-Fall mit Vergnügen hören will, der sollte wissen, was er bekommt und seinen Radiohelden nicht zu ernst nehmen. Er, sie oder es sollte kein Problem damit haben, wenn die präsentierte Handlung durch das Durchbrechen der "vierten Wand" immer wieder vorübergehend suspendiert wird, weil jemand von der Seite "reinquatschen" zu müssen meint. Idealerweise sollte man auch Bastian Pastewka nicht als einen Malfaktor beim Untergang des Abendlandes auf der Rechnung haben, sondern sich für seine (so sehe ich es: keinesfalls dümmliche) Art des Humors erwärmen können.

Falls all das auf Sie zutrifft, werden Sie hier Spaß haben.

Falls nicht, dann sparen Sie sich doch einfach den Ärger und hören Sie lieber das oben erwähnte Holmes-Hörspiel, das Ihnen zweifellos sehr viel besser gefallen wird. Ohne Scherz.

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PS: Ich habe mir tatsächlich nun auch die Bühnenfassung angeschaut und bin seitdem noch angetaner von der Produktion. Die Live-Aufführung des Hörspiels ging einher mit (überwiegend) von den fünf Sprechern mit zum Teil fantastisch banalen Mitteln auf der Bühne erzeugten Geräuschen, die beiden Damen der Aufzeichnungen waren durch die nicht minder überzeugenden Eva Verena Müller als (gesangsstarke) Steve und Edda Fischer als Dr. Weisman und ca. 50 Constables ersetzt worden. Und auch, wenn natürlich textlich wenig Neues zu entdecken war, sorgte die Tatsache, dass die Ensembleaufnahme nun auch auf der Bühne zu sehen war, dafür, dass ich mich keine Sekunde gelangweilt habe.

Tatsächlich hörte man in der Pause im Foyer diverse Besucher bei Sekt und Selters an dem Sachverhalt laborieren, dass Pastewka kein Deltgen sei und das ganze doch eher als Parodie denn als Krimi daherkomme. Aber auch nach der Pause war kein Kahlschlag im Theater festzustellen, und am Ende erhielten die Darsteller von überallher lauten, verdienten, langanhaltenden Applaus.

Ich bleibe dabei: Das hier ist ein großer Spaß!


Heart-Shaped Box: A Novel
Heart-Shaped Box: A Novel
Preis: EUR 5,39

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen King - The Next Generation, 3. Januar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Heart-Shaped Box: A Novel (Kindle Edition)
Angesichts des nicht uninteressanten Kino-Trailers zu Horns wurde ich vor kurzem erstmals auf den Autor Joe Hill aufmerksam ... zumindest genügend, um mich über seine Veröffentlichungen ins Bild zu setzen und sein vielgelobtes Debut HEART-SHAPED BOX herunterzukindlen.

Dass Joe Hill mit vollem Namen Joseph Hillstrom King heißt und einer von zwei Söhnen des "King of Horror" Stephen King ist, ist für Fans des Autors inzwischen ein Gemeinplatz. Ob dieses im Vorfeld recherchierte Faktum mir beim Lesen die Wahrnehmung geführt haben mag, kann ich nicht ausschließen, aber nach Lektüre des Buches muss ich zweifellos feststellen, dass man ihm die Verwandschaft zum "Altmeister" auch narrativ anmerkt. An mehr als einer Stelle fühlte ich mich von Schilderungen und Handlungsmustern an Klassiker und neuere Romane des Vaters erinnert, insbesondere, wenn die Innenwelt des Protagonisten Jude im Mittelpunkt steht.

Heißt: Hill weiß fesselnd und mit leisem Humor zu erzählen und ist ebenso wie sein Vater stark auf (Rock-)Musik, Automobile, übersinnliche Wahrnehmung und das interessante bis mitreißende Schildern erst auf den zweiten Blick nicht ganz alltäglicher Dinge geeicht. Oder anders gesagt: Hätte mir das Buch jemand als King-Roman anempfohlen, ich hätte ihn am Ende nicht Lügen strafen können.

Natürlich ist Hill nicht eine 1:1-Kopie seines Vaters. Er hat durchaus eigenständige Ideen, seine Geschichte ist nicht "geklaut", nichtsdestotrotz erfindet er mit ihr auch nicht das Rad neu, und ich muss - während sich die Geschichte während des Lesens in der Tat in einen Pageturner verwandelte, den ich stets mit Widerwillen aus der Hand legte - im Fazit wenigstens einen Stern von ansonsten verdienten 4 Sternen abziehen für *!!*SPOILER*!!* ein meines Erachtens mutloses Finale und fehlende Konsequenz wenn nicht gar Feigheit, weil auf der fulminanten (im wahrsten Sinne des Wortes) Höllenfahrt doch noch die letzte Ausfahrt zum für meinen Geschmack allzu konventionellen Happy End genommen wird. *!!*SPOILERENDE*!!*

Das Buch ist dennoch mitnichten durchschnittlich, insbesondere nicht für ein Roman-Debüt, denn die Story vom alternden, in der Sackgasse seiner Rockstar-Routinen gefangenen Gothic-Idol mit "Daddy-Issues", das unvermittelt zur Zielscheibe eines übernatürlichen Stalkers wird, hat echtes Potential und wird in ihrer wirklichen Komplexität vom oberflächlichen Teaser-Text nicht im Ansatz angemessen gespiegelt. Anlass zum Nägelabkauen ist reichlich gegeben, während man dem bzw. den Protagonisten auf der Flucht vor ihrer Nemesis die Daumen drückt.

HEART-SHAPED BOX war jedenfalls gut genug, um nicht das letzte Buch von Joe Hill zu sein, das ich mir genehmige - die Kindle-Ausgabe hat noch ein erstes Kapitel aus NOS4A2 (in Buchstaben: NosFourATwo) als Appetithappen im Schlepptau ... und der hat schonmal gut geschmeckt.


The Ghost Hunters: the most haunted house in England (English Edition)
The Ghost Hunters: the most haunted house in England (English Edition)
Preis: EUR 1,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen The most haunted House in Britain ..., 24. Oktober 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
THE GHOST HUNTERS versucht jenen Balanceakt, den jede Geistergeschichte unternehmen muss, um sich die Lorbeeren ihres Namens zu verdienen. Der Roman wandelt auf dem schmalen Grat zwischen der Möglichkeit und der Unmöglichkeit einer Welt jenseits der unsrigen.

Leider (so zumindest mein Empfinden) unternimmt er zu viele narrative Kunststückchen, um diesen Weg souverän zu beschreiten, so dass - insbesondere vor dem Hintergrund der Möglichkeiten, welche das von Autor Neil Spring ausgewählte Sujet bietet - der besondere Kitzel, den eine klassische Ghost Story aus der Feder der nicht minder klassischen Genregrößen Le Fanu Le Fanu oder M. R. James oder z. B. neuere Geschichten wie The Woman In Black von Susan Hill durchaus zu transportieren imstande sind, bei der Lektüre diese umfangreichen Romans ausblieb.

Die Länge der Geschichte mag zum einen als Grund dafür herhalten, weshalb die zweifellos vorhandenen Spannungsspitzen auf die gesamte Länge der Narration eher zu kleinen Unebenheiten im Fluß der Geschichte vermindert werden, anstatt als echte Nagelkau-Momente hervorzustechen.

Natürlich ist gerade die Geistergeschichte nicht das Genre, in welchem sich Thriller- oder Action-Momente aneinanderreihen, ihre Stärke (und ihr Modus) ist der allmähliche Spannungsaufbau, das Streuen von Hinweisen, das Auslegen von Ködern, der Aufbau der Gewissheit im Leser (und gerade nicht im Protagonisten), dass es diese Welt jenseits der unsrigen wirklich geben könnte, und dass sie nicht gut auf die Lebenden zu sprechen ist.

Zugegeben hat es die Ghost Story dieser Tage nicht leicht, in einer Zeit, in der jede Volte, jeder Plot, jedes Versatzstück einer Geistergeschichte durch das Grusel- und Horror-Genre im Kino bereits verschlissen, dekonstruiert und invertiert worden ist. Man hat die sprichwörtlichen Pferde vor der Apotheke kotzen sehen, und ist entsprechend gegen die altbacken erzählten Geistergeschichten hinlänglich immunisiert. Diese Imprägnierung zu durchdringen ist kein leichtes Unterfangen.

Man muss einer Geistergeschichte also mit einer gewissen Offenheit entgegentreten, und sich (im Sinne Pascals) verdummen, um zu glauben (Mulder lässt grüßen: "I Want To Believe!"), und das habe ich nach bestem Wissen und Gewissen getan. Und dennoch konnte ich nicht in die Geschichte hineinfinden. Ich habe sie fleißig durchgelesen, und durchaus nicht uninteressiert, aber weniger, weil ich wissen wollte, wie es weitergeht (Stichwort Nägelkauen), sondern weil ich nach dem Eingang suchte, den ich bis zum Ende nicht gefunden habe.

Dabei ist die Prämisse verlockend: Der skeptische "Geisterjäger" Harry Price, der sich einen Ruf als Enttarner von falschen Medien gemacht hat, stellt die junge Sarah Grey als eine persönliche Assistentin und Sekretärin ein, die zugleich Ich-Erzählerin der Geschichte ist. Diese berichtet von ihrem Kennenlernen, ihrer Arbeit, dem zwischenzeitlichen Bruch und dem Ende ihrer Zusammenarbeit mit dem in den interessierten Kreisen der zwanziger und dreißiger Jahre ebenso umstrittenen wie hoffierten enfant terribles der wissenschaftlichen Parapsychologen. Und sie erzählt von Borley Rectory, dem "most haunted house in England".

An ausgerechnet diesem Punkt aber beginnt die Geschichte ins Wanken zu geraten. Ein Buch über dieses Haus zu lesen, wie der echte Harry Price derer gleich mehrere geschrieben hat, nimmt sich für mich reizvoll aus. Grundsätzlich habe ich keinerlei Vorbehalte gegen literarische Experimente, die eine erfundene Geschichte mit überlieferten Fakten und tatsächlich gelebt habenden Protagonisten verknüpfen. Doch hier gerät dieser Versuch zu einer kaum zu entschlüsselnden Melange.

Price entpuppt sich als ein opportunistisches Chamäleon, das beliebig die Fronten wechselt, ein Medium umgarnt und einwickelt, um es dann aufs beifallheischende Weise als Betrüger zu entlarven, der weder Freunde noch Vertraulichkeit kennt, der lügt und stets auf den eigenen Vorteil bedacht ist, und durch seine Ambiguität es dem Leser schwer macht, irgendetwas für bare Münze zu nehmen, was der Roman berichtet. Und sich dadurch seine letzte Volte schon früh zerstört - weil man weder um den Protagonisten bangt noch dem Autor, der das Lügengebäude über mehrere hundert Seiten errichtet hat, seinen narrativen Schwenk zum Finale hin abnehmen will. Ebensowenig, wie es ihm gelingt, die Motivation seiner weiblichen Hauptfigur überzeugend zu vermitteln.

Neil Spring hat sorgfältig recherchiert und konstruiert ... und beides merkt man THE GHOST HUNTERS an.
Im Fall des Konstruierens muss man sagen: leider.


Rivers of London: The First PC Grant Mystery (English Edition)
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Preis: EUR 2,49

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Urban Fantasy, Abteilung London, 16. August 2014
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Das gebrannte Kind scheut das Feuer, heißt es. Und was Urban Fantasy, insbesondere solche mit Magiern im Ermittlermilieu angeht, habe ich mir bereits einmal gründlich die Finger verbrannt. Der Brandherd hieß STORM FRONT, der Protagonist Harry Dresden, der Autor Jim Butcher.

Obenstehender Roman, der zweifellos aufgrund der zigfachen Fortsetzungen seine unleugbare Fangemeinde hat, verdarb es sich mit mir aufgrund seines grenzwertig nerdigen RPG-Humors und seiner Überkonstruiertheit, die zusammen mit dem ständigen Gefühl, dass der Roman (oder dessen Protagonist, oder der Autor) sich beständig über sich selbst und seine eigene Gerissenheit vor Lachen ausschüttete, ohne dass ich den Witz verstand, zu unverhohlenem Überdruss führte.

Es war furchtbar, vor allem, weil der Roman etwas hätte werden können. Es aber nicht wurde.

Weshalb ich daher unvoreingenommen RIVERS OF LONDON in die Hand nahm, weiß ich gar nicht mehr recht zu sagen. Mir war die Tatsache, dass Ben Aaronovitch thematisch ins Butchersche Horn stoßen würde, nicht wirklich präsent, ich las aus dem Teaser eher heraus, dass es um Geister gehen würde, und Geister gehen bei mir eigentlich fast immer, vor allem wenn der Autor Engländer ist.

Ehe ich mich jedoch versah, war PC Peter Grant in The Folly eingezogen und hatte seine Ausbildung zum Magier angetreten. Was mich da bereits schon nicht mehr weiter störte.

Wichtig war vor allem eines: Auch wenn der Protagonist ebenso wie der notorische Harry Dresden den Ich-Erzähler gibt, fehlt RIVERS OF LONDON der penetrante Unterton, der dem Leser suggeriert, er habe etwas noch nicht begriffen, das mit gleißender Neonschrift quer über die Seite geschrieben steht, und man bekomme am Ende eine Nase gedreht, weil man es nicht hat kommen sehen. Und das dieser Anflug fraternisierender Arroganz – wie im Fall der angeführten Herdplatte STORM FRONT – absolut unbegründet ist.

RIVERS OF LONDON nimmt den Leser mit, er erfährt gemeinsam mit dem frischgebackenen und dem Büroposten durch ein glückliches Schicksal entronnenen Police Constable Peter Grant, dass es Magie gibt und welche Bedeutung sie in der modernen Welt hat – nämlich im Grunde keine.

Man erfährt von dem Agreement, welches mit den „genii locorum“, den menschlichen Manifestationen der inzwischen dank der städtebaulichen Maßnahmen der letzten Jahrhunderte vielerorts verschwundenen Flüsse auf dem Stadtgebiet Londons geschlossen wurde, und von dem territorialen Konflikt zwischen Father und Mother Thames. Und ermittelt nebenbei mit dem nicht auf den Kopf gefallenen, aber auch nicht zum Ausnahmetalent geborenen Peter in einer Mordserie, deren Muster sich erst sehr allmählich – !SPOILER! - als eine morbide Adaption einer englischen (und weitaus brutaler ausgestalteten) Variante der commedia de’larte bzw. des deutschen Kasperletheaters herausstellt – !SPOILER-ENDE!.

Der Roman leistet sich durchaus seine humorvollen Stellen, aber er übertreibt es nicht, da der Humor und das im Halse steckenbleibende Lachen auch als Teil der Handlung etabliert werden. Während Harry Dresden (den ich – versprochen – hier zum letzten Mal erwähnen werde) ruhelos von A nach B nach C läuft, um scheinbar ohne Sinn und Verstand Dinge zu tun, welche zu tun die krude zusammen- (und keinesfalls zurecht-)gebogene Handlung ihm aufzwingt, hört Peter Grant in erster Linie zu, bevor er etwas tut.

Er hat viel zu lernen, und er weiß es. Er ist kein Harry Potter (auch diese naheliegende Anspielung darf in RIVBERS OF LONDON natürlich nicht fehlen, aber sie wird in einem Satz geliefert und abgelegt, und nicht als Leitmotif etabliert, was man Aaronovitch zweifellos zugutehalten muss), eher ein Ron Weasley (zugegeben mit afrikanischen Wurzeln).

Nicht zuletzt ist RIVERS OF LONDON ein Roman über London, über dessen Architektur, Lifestyle, Selbstverständnis, die Menschen, gesehen mit den Augen der Hauptfigur, welche man aber durchaus als die Perspektive Aaronovitchs selbst auf „seine“ Stadt interpretieren darf. Man merkt, dass diese Millionenstadt seine Basis, sein Rückzugsort ist, der Ausgangspunkt, von dem aus er seine Geschichte erzählt. Man merkt, dass er trotz aller phantastischen Ideen die Bodenhaftung nicht verliert. Und was sich in dieser Haltung zu seiner Stadt ausdrückt, dem konstatierten Amalgam aus zweitausend Jahren Geschichte und (oftmals gutgemeinten, aber schlechtgemachten) Versuchen der Aktualisierung, wendet Grant/Aaronovitch auch auf die in der Obhut Thomas Nightingales etwas angestaubten Magie an – Willkommen im Computerzeitalter!

RIVERS OF LONDON ist nicht perfekt geraten, es gibt durchaus das eine oder andere zu kritteln: so bleibt der Lehrmeisters und Detective Inspector Thomas Nightingale gemessen am Potential der Figur ausgesprochen blass, und auch das gesamte letzte Viertel der Mordermittlung gerät ein wenig verwaschen, aber insgesamt ist Ben Aaronovitch mit dem ersten von inzwischen 5 Romanen über den Police Constable Peter Grant und seine Abenteuer als einzigem offiziell anerkannten „Apprentice“ in Diensten der Britischen Polizeikräfte ein lesenswertes Debüt gelungen.

Nicht zuletzt deshalb lese ich derzeit den zweiten Teil, MOON OVER SOHO.


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