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Persönliches Profil

Beiträge von Norbert Carls
Top-Rezensenten Rang: 52.401
Hilfreiche Bewertungen: 624

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Rezensionen verfasst von
Norbert Carls

Anzeigen:  
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Lieb mich dann
Lieb mich dann
Preis: EUR 1,29

5.0 von 5 Sternen Ja!, 18. Mai 2017
Rezension bezieht sich auf: Lieb mich dann (MP3-Download)
Dieses Lied hatte ich im Getöse der Achterbahn zunächst überhört, wurde dann aber beim dritten Anlauf doch noch darauf aufmerksam und konnte diese wahrhaftige Perle für mich retten. Helene Fischer hat am Text mitgearbeitet und liefert uns hier ein minimalistisch arrangiertes und gleichzeitig komplexes Kunstwerk ab, das wie kein anderer Titel zum eleganten Schwarzweiß-Artwork passt. Aber: Schwarzweiß heißt nicht "farblos":

"The piano keys are black and white, but they sound like a million colours in your mind" (Katie Melua, Spider`s Web, 2005)

Ein tiefgründiges Lied, das mich meinen Frieden mit einem Album schließen lässt, das mich leider insgesamt so gar nicht erreichen will, und ich bin jetzt doch neugierig auf das, was noch kommt von Helene.


Helene Fischer (Deluxe Version)
Helene Fischer (Deluxe Version)
Preis: EUR 12,29

9 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Es bebt..., 13. Mai 2017
... aber nur kurz.

Leider hält das Album überhaupt nicht, was der Titel "Herzbeben" von Stephanie Stumph mit pochenden RnB-Bässen verspricht. Mir bleibt nur Staunen ob der Belanglosigkeit und Langeweile nahezu aller weiteren Titel. Allenfalls "Wir Zwei" und vielleicht auch "Nur Mit Dir" und "Flieger" halten da noch etwas mehr. Aus den Balladen stechen "Du hast mich stark gemacht" und "Adios" hervor. 6 starke Songs aus 24, trotzdem gerade noch 3 Sterne in der Hoffnung, dass sich Helene beim nächsten Versuch wirklich mal von allem löst!

Wenn sie gefragt werden, wie sie sich den Erfolg ihrer Hits erklären, wiegeln viele Künstler ab. „Den habe ich damals in 4 Minuten geschrieben“ – „Ich habe den nie gemocht“ – „Ich kann ihn nicht mehr hören“ erwidern viele. Carlos Santana etwas spricht so über „Samba Pa Ti“. Oder Bob Dylan über „Blowin’ in the Wind“. Andere geben sich geschlagen: „Den spiele ich solange, bis ich tot umfalle und/oder 18-jährige Fans danach verlangen“, so der mittlerweile 71-jährige Roger Clover über „Smoke On the Water“.

Nun sind das aber allesamt Songs, die sich nicht grundlos über Generationen weltweit ihren Kultstatus erhalten haben. Die Vorstellung, dass im Jahre 2060 dann 18-Jährige die sicherlich rüstige 76-jährige Helene Fischer sich auf dem Boden wälzend um „Atemlos“ anflehen werden, ist indes grotesk. Und ob ich 100 Jahre alt werde und das übernehmen kann, weiß ich auch nicht. Außerdem mochte ich „Atemlos“ noch nie.

„Atemlos“ kann schon jetzt niemand mehr hören, das war eine Eintagsfliege, ok, Einjahresfliege, aber der Song hat nun mal nichts, der ihn zu etwas Bleibendem macht. Da hatte Noel Gallagher schon Recht.

Ungeachtet dessen sowie die Tatsache und allgemeine Erfahrung ignorierend, dass man Hits nicht aus dem Hut zaubern kann, sondern dass die wie auch immer als Selbstläufer entstehen, hat man auf diesem Album nun tatsächlich krampfhaft versucht (und ist dabei grandios gescheitert), Atemlos 17.0 wie ein scheues Kaninchen auf den Dancefloor zu jagen. Das hört man an vielen Stellen, schon im ersten Track

„Nur Mit Dir“,

wer will, hört den Refrain sogar recht deutlich heraus. Trotzdem ein guter Song, bei dem vor allem auffällt, wie wohlklingend Helene Fischers Stimme ist, wenn sie mal etwas tiefer geht. Der Song, wenn auch nicht gerade durch ein ideales Songwriting gekennzeichnet, ist recht interessant arrangiert und lässt die Melodiestimme zuweilen etwas in sanfte Dissonanzen abdriften, wodurch er komplexer klingt als er ist, ziemlich raffiniert und sehr professionell, und sicher gutes Material für eine Live-Session. (9/10)

Es geht weiter mit

„Sonne auf der Haut“
Irgendwie interessant, zündet aber nicht. Die Dudelsäcke sollen wohl den keltischen Sommer des Nordens suggerieren, aber das kommt irgendwie nicht rüber. Sollten man Faun oder Oonagh oder den Celtic Woman oder vielleicht Loreena McKennitt überlassen. (5/10)

„Wenn du lachst“ ist ein nettes Liebeslied, wie will man Helene da böse sein? Man meint aber, es schon tausendmal gehört zu haben, es langweilt ein wenig, ein bisschen Spannung wird durch das Crescendo mit Chor erzeugt, das hat auch Potential für eine Live-Aufführung mit Orchester (6/10).

Bis hier ist das Album trotz genannter Schwächen recht stimmig, die Abfolge passt und beginnt beim nächsten Song:

„Flieger“ richtig Spaß zu machen (10/10)

„Herzbeben“ (aber warum Himmels Willen dieser Name? In Analogie zu Seelenbeben?) zeigt dann, was möglich gewesen wäre, aber leider nicht umgesetzt wurde. So eine Musik macht man aus vollem Herzen oder gar nicht. Das ist fast schon R ‚n’ B, es groovt, es hämmert und trancet sogar etwas, aber leider eine Ausnahme auf diesem Album (12/10).

Ein weiterer Höhepunkt ist

„Wir Zwei“. Dieser Song zeigt, wie Elektronik klingen kann, der Refrain ist bombastisch und mitreißend. Play it loud, empfehle ich da mal. Und ich komme in Stimmung für die im Juni erscheinende EP von Erasure. Es könnte auch ein Song von One Republic sein – bitte mehr davon! (10/10)

Danach flacht es ab, leider, der Groove ist raus, die Stimmung dahin, und das wird sich bis Titel 24 nicht mehr wirklich ändern. Titel (7) gibt einen Vorgeschmack auf das, was uns dann ab Titel (18), „Achterbahn“ erwartet: Volkmusik pur, man möchte fast Ballermann sagen. Von (8) bis (11) wechselt es munter hin und her, Helene Fischer sollte den Latin Gloria Estefan und den Country den Dixie Chicks überlassen, sie hat null Bezug dazu, und das merkt man.

„Du hast mich stark gemacht“ ist natürlich noch eine starke Ballade, sie schließt den 1. Teil des Albums würdig ab. Helene spricht von sich selbst als „Tochter“, ein sehr persönliches Lied, das wohl jeden Vater berührt. Einen Riesenstrauß Blumen dafür (10/10)
Um so erschreckender ist dann, wie es auf dem 2.Teil des Albums weitergeht. Die Titel 13/14/15 sind Volksmusik-Lieder der untersten Kategorie, es sind die bei weitem schlechtesten Lieder, die Helene Fischer je abgeliefert hat. Auf dem Rest fängt sich das Album etwas, aber es gibt keinen nennenswerten Moment mehr – in den Balladen zeigt Helene immerhin noch einmal ihr gesangliches Können, aber die Balladen selbst sind tranig und langweilig, auf simpelsten Kadenzen aufgebaut und so süßlich, dass die nüchtern kaum zu ertragen sind.
Der einzige Stern im zweiten Teil ist „Adieu“, ja, vielleicht sollte Helene tatsächlich öfter mal bei Michelle vorbeischauen! (9/10)
24 Songs, aus dem sich wohl „jeder“ seine Playlist unseres Everybody’s Darling basteln kann. Im Zeitalter der Einzel-Downloads ist das unter bestimmten Aspekten keine dumme Marktstrategie. Aber es geht zu Lasten der Qualität dessen, was man einmal ein Album oder ein Konzept nannte, was wiederum nicht ganz nachvollziehbar ist, denn andererseits wird hier ja doch mit viel Aufwand ein Album vermarktet.

Hier wäre mal wieder weniger mehr gewesen.
Kommentar Kommentare (7) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 31, 2017 11:39 PM MEST


Magie
Magie

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zieh vorbei!, 7. Mai 2017
Rezension bezieht sich auf: Magie (MP3-Download)
Ein Premium-Schlager, der Maria Voskanias schöne, vielseitige und interessante Stimme sehr gut zur Geltung bringt, wenn auch mit etwas Wehmut gesagt, denn Ich sehe Maria im RnB, da könnte sie sich mehr entfalten. Trotzdem 5 Sterne für die Magie, die sie zweifellos hat.


Laune der Natur
Laune der Natur
Preis: EUR 10,09

6 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gute Laune der Lebendigen Hosen, 6. Mai 2017
Rezension bezieht sich auf: Laune der Natur (MP3-Download)
In den letzten Jahren kam Campino zuweilen etwas griesgrämig rüber. Vor ein paar Tagen sah ich ihn dann bei Markus Lanz in der Talkshow und erlebte einen wie immer nachdenklichen, aber dabei sehr gut gelaunten Altersgenossen.

Und so klingt auch „Laune der Natur“: ein vor Energie, und zwar positiver Energie sprühendes Album mit fetzigem Gitarrensound (überhaupt ist der Sound des ganzen Albums 1A), wie man in von DTH kennt, tollen Riffs und einem richtig guten Gesang Campinos (war mir in den letzten 35 Jahren nie so richtig aufgefallen, was für eine tolle Stimme der Mann hat und wie fein nuanciert der singen kann). Und das Schreien und Brüllen hat er auch nicht verlernt, Wort mit 4 Buchstaben: GEIL!

Zu dem für den Rest des Albums nicht unbedingt typischen und etwas an U2 erinnernden Titel „Unter den Wolken“ hat Campino ja selbst in einem Video eine Erklärung geliefert: wir müssen schauen, dass wir hier unten, unter den Wolken, zurechtkommen, unsere Träume hier weiterpflegen und leben. Denn natürlich ist die Freiheit ÜBER den Wolken grenzenlos, entscheidend ist aber, was darunter passiert. Ein paar Leute hatten den Text des Songs, bevor sie Campinos Video sahen, als europakritisch eingestuft, er tritt aber für ein freies Europa ein:

„Unter den Wolken
Geben wir die Freiheit noch nicht her
Weil sie uns heute
Alles bedeutet“

Wir leben heute in einer Situation, in der die Dinge in einer gewissen Weise festgefahren sind:

„Keine Atempause. Geschichte IST gemacht“ heißt es im Opener „Urknall“ in Anlehnung an den Song „Es geht voran“ auf dem Album „Monarchie und Alltag“ der Punk-Rock-Gruppe Fehlfarben aus dem Jahr 1980, wo es heißt: „Keine Atempause, Geschichte WIRD gemacht". Mancher AfD-Anhänger hat diesen Song in der Vergangenheit als Hymne für diese Partei beansprucht, was selbstverständlich vollkommen absurd ist, da sollte man sich mal etwas mit der Geschichte des deutschen Punk beschäftigen.

„No future“ hieß es damals, also WURDE Geschichte gemacht, und zwar in einem rasenden Tempo, eine Sicht, die ja auch richtig war, denn am Schluss des Jahrzehnts fiel die Mauer, Geschichte IST gemacht. Aber aufgepasst: keine Atempause, denn sonst fliegt der Traum ohne uns davon: der kurz im Hintergrund zu hörende Refrain des Songs „Goodbye Yellow Brick Road“ von Elton John, der wiederum auf die Geschichte des Zauberers von Oz verweist, soll uns wohl daran erinnern.

Überhaupt klingt das Album an mehreren Stellen nach Fehlfarben (auch der “Grauschleier“ klingt z.B. kurz durch) also nach den Anfängen des deutschen Punk, und der war weniger durch den bewusst eingesetzten Dilettantismus im britischen Stil der Sex Pistols gekennzeichnet, sondern mehr durch Leute, die richtig gut spielen konnten. Insofern ist der deutsche Punk eine ganz eigenständige Angelegenheit, und „Laune der Natur“ zeigt, dass der deutsche Punk keineswegs tot ist.

Auch einige nachdenkliche Stellen gibt es auf dem Album, z.B, in den großartigen Balladen „Alles passiert“ und „Geisterhaus“.
„Pop & Politik“ zeigt stellvertretend für das ganze Album, dass man unverbissen und trotzdem mit erhobener Stimme Kritik am System üben und dabei gleichzeitig unterhalten kann.

Ein Album, das gute Laune macht und dabei zum Nachdenken anregt, durch gutes Songwriting, tolle Gitarrenarbeit, intelligente Texte, viel Spielfreude und exzellenten Sound überzeugt.
(12/10)


Marionetten
Marionetten
Preis: EUR 1,29

11 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Die Katze beißt sich in den Schwanz beim Versuch, einen Kreis quadratisch zu machen, 28. April 2017
Rezension bezieht sich auf: Marionetten (MP3-Download)
Diskussionen um den Text von “Marionetten” führen zu nichts, weil seine Verfechter die „Wahrheit“ wie die Jünger einer Sekte für sich beanspruchen, jeden Kritiker aber selbst im Gegenzug als verblendet ansehen. Vielleicht bin ich das ja sogar, aber ich kann nun mal nicht darüber hinweghören, dass hier Pegida-Vokabular verwendet wird, von dem Xavier Naidoo wiederum behauptet, das sei alles seine kreative Eingebung und man verwahre sich gegen jede Vereinnahmung durch Rechtsextremisten.

Tja, warum muss man sich denn gegen die Vereinnahmung durch Rechtsextremisten verwehren, wenn es gar nichts zu vereinnahmen gibt? Hm…

Für das Werk einer Gruppe von Männern in den 40ern ist das alles ziemlich unreif, vielleicht sogar albern und kindisch.

Letztlich wird hier genauso wie von anderen Künstlern jedenfalls ein Mainstream bedient (die Verkaufszahlen beweisen das ebenso wie die Kommentare, die ALLE dasselbe sagen). Achtung: EIN Mainstream, es gibt nicht nur einen Mainstream, sondern so einige, und hier wird der Mainstream des „nicht rechts gesinnten, aber <besorgten> Bürgers“ bedient, und das ist ein sehr breiter, mit dem sich gut verdienen lässt.

Ok, wir wollen alle unser Geld verdienen.

Musikalisch sehr langweilig und lahm und vom Sound recht scheppernd (Rap komm raus, du bist umzingelt!) übrigens, da wundert es fast nicht, wenn beinahe ausschließlich über diesen Text gesprochen wird.

Xavier Naidoo wird vermutlich erwidern, dass er mit seiner allumfassenden Liebe auch mich erreichen wolle. Klingt irgendwie wie meine Mutter, wenn sie sagt, sie betete für ich, damit ich schlimmer Atheist nicht in die Hölle komme.
Meine Mutter darf das auch, aber die singt auch nicht irgendein dummes Zeug dabei. Und sie ist auch nicht so eine fundamentalistische Christin.

Es wäre wohl allen einschließlich den Söhne geholfen, wenn dieses Album und vor allem dieser Song hier nicht zum Diskussions-Dauerbrenner 2017 würde.

Wie gesagt, das bringt nichts.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 21, 2017 3:40 PM MEST


inFinite [Explicit]
inFinite [Explicit]
Preis: EUR 9,49

7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lonesome Rock, 17. April 2017
Rezension bezieht sich auf: inFinite [Explicit] (MP3-Download)
Manche oder vielleicht sogar viele bezeichnen Deep Purple als Wegbereiter des Heavy Metal, „Fireball“ gar als erstes Heavy-Metal-Stück, vor allem letzteres liest man immer wieder in Heavy-Metal-Foren/-Literatur. Meinetwegen sollen sich die Metal Heads auf Deep Purple berufen, warum nicht, sollen sie doch glücklich sein damit – ich frage mich nur, warum Heavy Metal dann doch oft sehr austauschbar klingt, viel mitgenommen haben Gruppen wie Metallica, Iron Maiden, Judas Priest jedenfalls nicht von Deep Purple. Und warum müssen eigentlich gerade Deep Purple für dieses Nebenprodukt der Rockmusik herhalten? Es gibt genügend andere Einflüsse, die man hier anführen könnte, angefangen bei Bill Haley, den Yardbirds, Cream über Vanilla Fudge, bis hin zu Iron Butterfly und natürlich den Scorpions, die sich praktisch parallel zu Deep Purple entwickelten. Auch Jimi Hendrix könnte man zur Verantwortung ziehen, und natürlich Led Zeppelin oder auch die Beatles, auch deren „Helter Skelter“ gilt als „erstes“ Heavy-Metal-Stück.

Zur Zeit von „Fireball“ und „Machine Head“ gab es zum Teil Rivalitäten zwischen Fans von Deep Purple und denen von Led Zeppelin, letztere galten als Heavy Metal (den Begriff verwendeten wir damals schon), erstere als Hard Rock, Beatles-Fans verachteten beide und dazu die Stones, manche hörten nur noch Westcoast und machten total dicht, Zappa-, King-Crimson- und Gentle-Giant-Fans waren nochmal ganz woanders. Und und und. Ach ja, und die Genesis-Jünger habe ich noch vergessen. Die Vielfalt war schier unendlich in den 60ern und 70ern (wer jetzt hier nicht genannt wurde, der möge mir verzeihen) und in diesem Licht erscheint die Zuweisung „Wegbereiter des Heavy Metal“ an Deep Purple daneben, sie ist mE schlicht falsch, lassen wir diesen Titel doch Black Sabbath und Uriah Heep oder den Blue Cheers, das passt doch viel eher.

Sehr charakteristisch für eigentlich jede Variante von Heavy Metal ist zudem die nahezu besessene, beinahe akribische, ja fanatische und irgendwie pathologische Abkehr vom Blues, seinem Schema oder was auch nur im Entferntesten daran erinnert, seinen Noten, seinen Rhythmen. Unter nicht wenigen Metal Heads gilt Blues als Schimpfwort, allerdings gilt das auch für manche Rockfans, die keinen Bezug zum Blues haben und dann nicht erkennen, dass er die Grundlage für Rockmusik ist.

Wie bei Deep Purple. Es gibt kein einziges Deep-Purple-Album, auf dem nicht in irgendeiner Form Blues herauszuhören ist, sei es in seiner direktesten, archaischsten Form, im Rhythmus, in gezogen Gitarrennoten, angejazzten Orgelläufen oder gesungenen Blue Notes.
Der Titel „Roadhouse Blues“ auf dem Album „Infinite“ ist kein Füller, platter Marketing-Einfall oder Verlegenheitssong. Vielmehr ist es ein Titel, der unverkennbar auf die Zeit der Deep-Purple-Urformation Mark I mit Jon Lord, Ritchie Blackmore, Ian Paice, Nick Simpson (b) und Rod Evans (voc) verweist. Damals erschienen bereits die Klassiker „Mandrake Root“ und „Wring That Neck“, aber auch eine Reihe im Stil des Psychedelic-Rock in die Länge gezogener, verlangsamter Coverversionen wie „Help“ (Beatles), „Hey Joe“ (Jimi Hendrix), „We Can Work It Out“ (Beatles), „River Deep Mountain High“ (Neil Diamond), Coverversionen von Songs, die mehr oder weniger in derselben Zeit wie die Mark-I-Alben erschienen. „Roadhouse Blues“ von den Doors erschien 1969. Dass „Roadhouse Blues“ auf dieses Album kam, ist also nicht etwa peinlich, sondern im Gegenteil großartig: es schließt den Kreis zu den Anfängen von Deep Purple!

Natürlich gilt Mark II zu Recht als die klassische Formation, sie enthielt drei Gründungsmitglieder, es gab sie insgesamt gut 10 Jahre, dazu dann Ian Gillan und Roger Glover, die bis heute dabei sind, wobei vor allem Roger Glover als Bassist, Produzent und Komponist ganz entscheiden die Identität von Deep Purple ab „In Rock“ geprägt hat, was man besonders dann merkt, wenn er mal nicht dabei ist. Und Mark II gab es in der Form Mark II minus Blackmore auch noch viele Jahre. Ohne Mark I gäbe es aber Mark II und vermutlich auch die jetzige Formation Mark VIII eher nicht, man bedenke nur, dass Ian Paice sich wie ein roter Faden durch die gesamte und Jon Lord fast durch die gesamte Geschichte von Deep-Purple zieht. Und zur Zeit Blackmores entstanden die wichtigsten Alben.

Wie und wo ist nun „Infinite“ einzuordnen? Könnte man es, wie etwa Santana IV (2016), einfach neben die Platten bis 1974 stellen? Oder wie Lonesome Blue (2016) noch weiter hinten?

Schauen wir uns die Titel an:

1. Time for Bedlam
Solider Prog-Song mit eindrucksvollen synchronen Gitarren- und Orgelläufen, keine Duelle wie zwischen Jon Lord und Ritchie Blackmore – es harmoniert, echte Spannung oder gar Rebellion sieht anders aus, aber ok, wir schreiben das Jahr 2017, und wir haben uns alle lieb. Aber immerhin: abrupte Tonartwechsel zur dramatischen Emphase, wie man sie kennt allerdings. Die größte Überraschung kommt aus dem Vocoder im Intro, scheint ein neuer Trend bei alten Herren zu sein, der bei Neil Young ganz witzig ist, hier ab überflüssig wirkt, die Gesellschaftskritik käme doch auch so an. Oder sogar besser. (7/10).

2. Hip Boots
hippt und funkt, und man möchte mit den Boots etwas aufs Gas drücken. Nach dem etwas schwerfälligen Opener kommt hier mehr Leben in die Bude, und das Ganze stellt sich um einiges spontaner dar. Alle fünf in Hochform, macht Spaß und gibt die volle Punktzahl (10/10).

3. All I Got is You
Wer behauptet, „Infinite“ enthalte keine Songs mit Wiedererkennungswert, wird spätestens hier eines Besseren belehrt. „All I Got is You“ wird ja nicht umsonst mit recht viel Aufwand promotet: der Song hat eine eingängige Melodie und das Zeug, Deep Purple in die Helene-Fischer-Show einzuladen, er swingt ordentlich, und die Lady mag so etwas, und Rocker, ob jung oder alt, sowieso. Eingeweihte Kreise wissen, dass die Kings of Leon ihre Lieblingsgruppe ist. Dem bekennenden Schlagerfan Mussi-denn-ins-Städtle-hinaus-Ritchie-Blackmore würde das sicher auch gefallen. Reunion mit Blackmore in der Helene-Fischer-Show. Duett Ian Gillan und Helene Fischer. Möglich ist so etwas heutzutage.
Natürlich hat dieser Song auch noch mehr zu bieten, wie eigentlich alle Songs des Albums (außer Roadhouse Blues) zeigt auch dieser Track, wie viel Komplexität in nur wenige Minuten gepackt werden kann, andere Progressive-Kollegen brauchten dafür stets mindestens eine halbe Plattenseite.
(10/10)

4. One Night in Vegas
Ein druckvoller Funk-Rock-Song, der zu Recht die Unterschrift von Deep Purple trägt. Ein erster Höhepunkt des Albums. An dieser Stelle möchte ich auch mal all denen widersprechen, die meinen, Steve Morse würde zu sehr ausgebremst. Nach mehrmaligem Hören finde ich mittlerweile, dass er gut zur Geltung kommt und auch wahrzunehmen ist. Vielleicht liegt es an der Anlage. (10/10)

5. Get Me Outta Here
geht leider gar nicht aus sich raus. Es gibt gute Ansätze und Elemente, aber hier bleibt der Drive auf der Strecke. Solides Spiel wie immer, aber es kommt ein wenig Langeweile auf (5/10).

6. The Surprising
Hat sich da Steve Hackett in den Aufnahmeraum verirrt? Man möchte zum Plattenschrank gehen, „Foxtrott“ herausziehen und noch einmal „Watcher Oft he Skies“ anhören. Deep Purple ist auch und vor allem eine Vertreterin des Progressive-Rock, und daran soll „The Surprising“ in aller Deutlichkeit erinnern. Es ist der zentrale Song des Albums, und er nimmt uns auf eine wahrhaft überraschende Reise mit, auf der es natürlich auch ordentlich rockt >> Anspieltipp (12/10)

7. Johnny's Band
beginnt mit einem vielsprechenden Intro, das beinahe an Tangerine Dream erinnert, dann wird der Aufstieg und Niedergang einer Rockband erzählt, wobei die musikalische Umsetzung komischer klingt als es der Text eigentlich hergibt, irgendwann ertönen dann kurz die Akkorde von „Viscious“, ja, einer ging am Hard Stuff zugrunde. Man hat sich wohl viel gedacht bei dem Song, herausgekommen ist im Verhältnis dazu wenig. Unausgegoren (4/10)

8. On Top Of The World
Nachdem „Johnny's Band“ mich etwas ratlos zurückgelassen hat, werde ich hier wieder etwas wacher. Spitzengefühle stellten sich hier aber nicht ein, etwas schwerfällig und recht anonym, aber immerhin ordentliche Gitarrenarbeit (wie eigentlich durchgehend auf dem ganzen Album). Dass der Song nicht mit dem Sprechgesang endet, sondern nochmal in die Saiten gehauen wird, kritisieren einige, ich finde es gut, und es rettet den Song in die obere Hälfte der Bewertungsskala (6/10)

9. Birds Of Prey
Hier soll sich wohl der Kreis zum Opener „Time for Bedlam“ schließen. Das gelingt recht gut und sogar interessanter als es begonnen hat. Noch ein klassischer komplex strukturierter Prog-Titel, an dem eigentlich nichts auszusetzen ist, außer dass auch hier ein einfacher und dabei genialer Riff fehlt, aber die fehlen bei Steve Morse eben generell. Kein Weltuntergang, aber man sollte den Song nicht überbewerten (8/10)

10. Roadhouse Blues
Die Zugabe und der eigentliche Höhepunkt des Albums. Sicher der authentischste und am wenigsten einstudierte Track. Spielfreude pur, und man möchte gleich noch „Lazy“ hinterher auf den Teller legen. Und live wird das sicher noch mal um einiges spektakulärer. Vielleicht mit Richards und Blackmore in einer alles erklärenden Jam-Session (12/10).
Das Bonus-Material auf der Deluxe-Version stufe ich als komplett verzichtbare Füller ein, das Album ist eine runde Sache in seiner 10-Track-Form.

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Als Jon Lord 2012 starb, äußerte Ritchie Blackmore sich betroffen. Er solle es bedauert haben, die Gelegenheit zu einer weiteren Reunion von Deep Purple verpasst zu haben. Auf „Time for Bedlam“ entsteht an vielen Stellen der Eindruck, dass Jon Lord im Hintergrund noch einmal ein paar Register zieht, auch wenn Don Airey zuweilen reine Synthesizer-Töne erklingen lässt, die es mit Jon so wohl nicht gegeben hätte. Steve Morse ist etwas leiser, so als wolle er Ritchie Blackmore nicht ganz verdrängen(?) Wird Ritchie Blackmore sich noch mal mit seinen alten Kollegen treffen?

„Time for Bedlam“ ist eine Hommage an die erste Mark-II-Formation, an die ganze Epoche, an den Progressive-Rock. Einordnen in die Zeit wie etwa „Santana IV“ kann man das Album aber eher nicht. Nach „Machine Head“ waren Deep Purple in der klassischen Mark-II-Formation eigentlich auserzählt, es kam dann aber noch das oft unterbewertete „Who Do You Think We Are“ als endgültiger Abschluss dieser großartigen Zeit, und so gesehen ist der richtige Platz für dieses 2017er-Album das Jahr 2017, wo es auch ein bisschen einsam geworden ist. Ritchie Blackmore sollte der Einladung, die von diesem Album ausgeht, folgen, und für ein 21. Album noch einmal dazustoßen. Und dieses Album sollten dann auch die Kraft im Sound, der „Infinite“ im Vergleich zu „In Rock“ deutlich fehlt, wiederbekommen.
(9/10)
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 19, 2017 1:12 PM MEST


Ich würd' es wieder tun (Deluxe)
Ich würd' es wieder tun (Deluxe)
Preis: EUR 8,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wenn zwei als Rivalinnen gelten, macht die dritte ihr Ding, 8. April 2017
Aus irgendwelchen seltsamen Gründen gelten in Deutschland Andrea Berg und Helene Fischer als rivalisierende "Schlagerköniginnen". Vielleicht macht man das an Verkaufszahlen fest, ein anderes Kriterium kann ich nicht erkennen, denn singen kann Andrea Berg jedenfalls nicht, und selbst wenn sie es könnte, sie hat einfach keine Stimme, sorry. Dafür kommt sie aber durchaus mit einer gewissen Leidenschaft, Sympathie und Fannähe daher, und da liegt wohl auch ein guter Teil ihres Erfolgs. Helene Fischer hingegen, die eine großartige Sängerin ist, wirkt durchaus zuweilen recht distanziert, was manche dazu führt, auf ihre Musicalausbildung zu verweisen und zu meinen, sie sei eigentlich gar keine Sängerin, womit dann tatsächlich sogar noch ein gemeisamer Nenner mit Andrea Berg gegeben wäre.

Ist natürlich ungerecht, denn selbstverständlich zeigt auch Helene Fischer leidenschaftliche Momente, in denen sie ihre Songs nicht nur darstellt, sondern auch lebt und interpretiert, aber, und jetzt kommt der Unterschied, bei Michelle ist das immer so, die braucht keinen Titel wie "Wär heut mein letzter Tag", bei ihr klingt das immer so! Michelle singt mit Inbrunst jeden ihrer Songs, ganz tief aus dem Herzen "schreit" sie ihre Freude genauso wie ihre Trauer in die Welt hinaus, und man hat den Eindruck, sie stehe neben einem in der Küche oder sitze mit einem im Auto.

Ich wage zu behaupten, dass es im Bereich des deutschen Schlagers keine authentischere Sängerin als Michelle gibt. Wobei man darüber streiten könnte, ob man Michelle überhaupt dem Schlager zuordnen kann, soll, will, denn viele ihrer Lieder könnte man genauso gut als "Chanson" bezeichnen (was ja auch nichts anderes als "Lied" heißt). Oder man schreibt dem Begriff "Schlager" eine Konnotation zu, die ihn nicht automatisch in die Ecke "Primitive Bestätigungsmusik" stellt.

"Ich würd" es wieder tun" ist ein sehr abwechslungsreiches Album, Thema ist der Hoch- bis Spätsommer des Lebens, das Ganze umgeben von einer melancholischen Grundstimmung, wie sie manche etwa so im Monat Juli haben, wenn der Sommer in seiner ganzen Pracht da ist, aber die Tage werden schon wieder kürzer, und manchmal kündigt sich schon der Herbst an, zum Beispiel dadurch, dass die Vögel nicht mehr so sehr zwitschern, weil sie ihre Liebeswerben eingestellt haben. Und deshalb gilt "Carpe Diem" - nimm mit was du kannst, bereue nichts. Das ewige Thema seit Edith Piaf, aber Michelle hat es noch mal auf ihre Weise umgesetzt.

Gleich eine ganze Reihe von Balladen, die allesamt Hitpotential haben, bietet dieses Album, eine wird jetz als Single "ausgekoppelt": "Träume haben Flügel", aber das Album hat noch viel zu mehr zu bieten, z.B. den Titelsong "Ich würd' es wieder tun" oder "Alle Träumen", mit einem sehr nachdenklichen und gar nicht schlagerhaften Text.

Auch Uptempo findet sich jede Menge auf diesem Album, richtig Laune macht zum Beispiel der letzte Song der Deluxe-Version "Das süße Leben". Und noch ein Anspieltipp: "Leben bis es weh tut", fast schon R `n` B, leider mangelt es da allerdings an der musikalischen Umsetzung und vor allem an der Produktion, da hätten ein paar ordentliche Bässe reingehört, dann wäre es perfekt gewesen.

Ein Album, das sich (genauso wie "Farbenspiel" von Helene Fischer, hinter dem es nicht verstecken muss) wohltuend aus dem Schlager-Umfeld abhebt, das allerdings einen kleinen Moment braucht, bis es wirklich in Schwung kommt, "Wir feiern das Leben" und "So schön ist die Zeit" (komplett überflüssig und albern) hätte man weglassen und gleich mit "Der Deal" loslegen können, im weiteren Verlauf gibt es dann noch mal ein, zwei Füller. Und der Sound, naja, man ist ja schon froh, wenn die Stimme unverfälscht rüberkommt, und das tut sie. ansonsten will ich das mal nicht weiter kommentieren, außer mit "Schade, da hätte man mehr draus machen können".

Trotz einiger Abstriche vergebe ich hier fünf Sterne, vor allem wegen des guten Songwritings und des ganz speziellen Charakters dieses Albums.


KIN
KIN
Preis: EUR 9,09

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hold on, please!, 21. März 2017
Rezension bezieht sich auf: KIN (MP3-Download)
KT Tunstalls 5. Studioalbum ist sehr abwechslungsreich, bewegt und wohlklingend geworden und kleidet KTs schnurrig-rau-samtige Stimme in ein warmes, weinrotes Ambiente, in dem man sich gerne verläuft. Wie immer zeichnet KT für alle Songs als Autorin, hat aber diesmal den US-Produzenten Tony Hoffer (Sounds of the Universe, Depeche Mode 2009) engagiert, worauf man nicht unbedingt käme, wären nicht zuweilen ein wenig grottig aufschlagende 80er-Synthie-Samples im Hintergrund zu vernehmen.

Tony Hoffer wirkt aber angenehm im Hintergrund und lässt KT ihre freie Entfaltung, die uns jede Menge Musik bietet und nach wie vor ihre Gitarren in die Hand nimmt. Dabei verirrt sie sich hie und da ein wenig in ihren Kompositionen, die einerseits anspruchsvoll und recht komplex sind, andererseits aber manchmal die klare Linie vermisssen lassen: insbesondere die ersten 6 Songs sind zum Teil etwas schwerfällig, ab "It Took Me So Long to Get Here, But Here I Am" wird es dann aber spürbar leichtfüßiger, und das Album macht bis zum letzten Ton richtig Spaß.

Das in UK und USA durchweg positiv aufgenommene und auch viel beachtete Album wurde bislang in Deutschland kaum wahrgenommen, und das ist sehr schade, denn KT Tunstall verdient eindeutig mehr, ihre Leistungen werden zurzeit bei uns deutlich unterbewertet - sie ist fast schon zum Geheimtipp geworden.

Vom Gefühl her und als "Fan der allerersten Stunde" hätte ich hier am liebsten 5 Sterne vergeben, ich denke aber, KT kann mehr, sie kann essentiellere Lieder schreiben, die scheinbar einfacher gestrickt sind, aber doch viel tiefer gehen. Hier fehlt es ein bisschen an dieser sonst so genialen Spontaneität.

Es bleibt ein absolut hörenswertes Album, und wer KT Tunstall bislang nicht kannte und dieses Album mag, der wird ihre früheren Alben sicher mit Begeisterung aufnehmen!
(9/10)


Spirit (Deluxe) [Explicit]
Spirit (Deluxe) [Explicit]
Preis: EUR 10,99

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen I Move, 19. März 2017
Rezension bezieht sich auf: Spirit (Deluxe) [Explicit] (MP3-Download)
Ich bewege mich, ja, "Spirit" bewegt, es ist ein ziemlich tanzbares Album für den, der seinen inneren Rhythmus findet - durch das ganze Album zieht sich ein fast schon unheimlicher Drive, der zuweilen scheinbar da ist und manchmal scheinbar entschwindet. Dadurch entsteht an bestimmten Stellen ein fast lähmendes Gefühl, aber diese Lähmung löst sich dann wieder beinahe explosionsartig...

"Gewitter der Gefühle
Immer unter Strom
Der Rest ist uns egal"

So lautet das Leitmotiv des leider verschollenen Films "Neonstadt" von Dominik Graf aus dem Jahr 1982. Damals wurden die Kneipen heller, die Kerzen verschwanden, stattdessen Neonlicht, weiß getünchte Wände und Minimalmusik. Es herrschte Aufbruchstimmung, und in diesem Jahrzehnt sollte ja auch noch einiges passieren.

Irgendwann, so um 1983, wurde es dann aber doch wieder dunkler, der Dark Wave mit Gruppen wie The Sisters of Mercy wurde immer populärer, und dann schlugen 1984 Depeche Mode mit ihrem ersten wirklichen Welthit "People are People" auf. Diesem Song konnte man sich damals praktisch nicht entziehen, ähnlich wie etwa "Thriller" von Michael Jackson ist er aus dieser Zeit nicht mehr wegzudenken.

Allerdings boten die Quincy-Jones-Produktionen seinerzeit einen überwältigenden Sound, während Depeche Mode deutlich hinter dem technisch Machbaren und vor allem auch hinter dem zurückblieben, was andere schon Jahre vor ihnen geboten hatten. Man denke etwa nur an Yello oder Godley and Creme, Propaganda, Ultravox, Talking Heads, Human League u.v.a. Und auch diese Gruppen waren ja letztlich bereiits lediglich Anwender von Vorlagen, die andere schon in den 60er und 70ern lange vor ihnen in mühsam in Hand- und Kopfarbeit ausgetüftelt hatten: Ein Klaus Schulze baute in den 70ern meterhohe Equipmenttürme vor sich auf, an denen er dann auf seinen Konzerten rumstöpselte und einen Wahnsinnssound erzeugte. Oder Tangerine Dream, wer sich für elektronische Musik interessiert, sollte sich mal ihre 70er-Alben anhören, Rubyon, Ricochet, White Eagle, Tangram, Stratosfear.. . Dagegen hört sich der Sound von Depeche Mode der 80er doch schon sehr dürftig an, im Grunde wenig anders als "Dadada" von Trio.

Aber gut, es waren dann aber eben schon die Songs, die zurecht den Erfolg machten, aber nicht so sehr der Sound. Möge man es "Synthie-Pop" nennen, wenn man so will. "Pop" tut es aber auch, oder auch ganz einfach "Schlager", ich könnte mir gut vorstellen, dass "People are People" im nächsten "Rock-Medley" von Helene Fischer, die ja sehr 80er-affin ist, auftaucht. Nichts gegen Helene Fischer übrigens.

Aber das war einmal.

Im Grunde waren Depeche Mode mindestens bis Ende der 1990er-Jahre stets eher Nachzügler: sie machten Minimal-Synthie-Pop, als die Zeichen längst aud Dark-Wave standen und ritten ein wenig auf dieser Welle mit, als diese begann abzuflauen. Und 1990, als die Zeichen auf Grunge standen und Synthie-Pop eigentlich out war, feierten sie mit "Violator" ihren größten Erfolg.

Depeche wurden zum Kult, ohne je wirklich innovativ zu sein, was nicht wirklich verwundert, denn so waren die 1980er. Jemand sprach von einer Religion, und ja, Religionen erzählen ja auch meist nichts wirklich Neues....

"We are the bigots
We have not evolved
We have no respect
We have lost control"

heißt es nun am Anfang des ersten Spirit-Songs "Backwards", der Teil fehlt übrigens im Booklet der sehr ansprechend aufgemachten Deluxe-Version, großes Lob hier: die weißen Texte auf schwarzem Hintergrund sind zumindest für mich ohne Sehhilfe perfekt lesbar.

Eine selbstironische, kritische und vor allem auch kompromisslose Einleitung, die sich als roter Faden durch das ganze Album zieht, das ich inklusive des Bonusmaterials als Konzeptalbum betrachte.

Nach vielfältigen und überstandenen Krisen dürfte es Depeche Mode wenig kümmern, wer sich nun in diesem Album wiederfindet. Viel wichtiger sollte auch sein, ob sie sich selbst darin wiederfinden, und das tun sie!

"Spirit" ist ein kraftvolles und spannendes Album, auf dem kein Moment dem anderen gleicht, aber gleichzeitiges ist es ein einziger Moment. Es bietet tiefgründige Texte, die von einer pochenden Aktualiät sind und zudem auch gut zu verstehen sind. Es bietet komplexe Kompositionen, jede Menge Musik und einen bombastischen Sound.

Und: "Spirit" ist Depeche Mode wie ein Album nur Depeche Mode sein kann. Was mit dem Attribut "beliebig" überhaupt gemeint sein soll, kann ich gar nicht nachvollziehen, das bezeichne ich mal als objektiv falsch.

Was vielleicht irritieren mag: Depeche Mode sind in der Gegenwart angekommen.


Märchen enden gut (Deluxe Edt.)
Märchen enden gut (Deluxe Edt.)
Preis: EUR 19,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nimm mich mit, 18. März 2017
Rezension bezieht sich auf: Märchen enden gut (Deluxe Edt.) (Audio CD)
Der Sommer des Nordens ist kurz und lang zugleich.Für eine kurze Zeit sind die Tage unendlich lang. Oft ändert sich das Wetter mehrere Male am Tag, Sonne wechselt sich mit Regen ab, und unbeschreiblich ist das Glücksgefühl, das sich einstellt, wenn es nach einem langen, grauen Sommerregentag am späten Abend noch einmal aufklart und die Sonne wieder „aufgeht“. Manche Tage sind aber auch ganz und gar warm und sonnig wie im Süden, und dann pulsiert das Leben, als gäbe es kein Morgen. An solchen Tagen ist alles egal, auch wenn es der letzte Tag sein sollte. Man möchte leben und sterben zugleich. Über allem liegt eine irgendwie glückselige Melancholie, ein „süßer Schmerz“, Sehnsucht wird spürbar, Sehnsucht nach dem, was noch, aber bald nicht mehr da ist, denn Dunkelheit und Kälte lauern hinter der nicht untergehenden Sonne.

So klingt Oonaghs neues Album „Märchen enden gut“. Das ist so ein tröstender Satz, den Mütter ihren Kindern ins Ohr flüstern, wenn sie nicht einschlafen wollen, wohl wissend, dass es eben nur im Märchen so ist, und auch nicht immer. Oonaghs zuweilen sehr nachdenkliche bis traurige Texte erinnern uns daran. An die Vergänglichkeit. Wir können den Tod fortschicken, aber irgendwann werden wir ihm doch folgen. Liebe, Leben, Sehnsucht, Tod. „Tanz mit mir“ fordert Oonagh uns auf und nimmt uns mit auf ihre Reise durch den Sommer des Lebens.

Viele Lieder auf diesem Album klingen ein wenig wie „Falke flieg“, aber sie sind noch viel intensiver, und es stört nicht, dass diese ganz besondere, entrückte Stimmung sich durch das ganze Album zieht. Oonagh verzaubert mit einer wunderbaren Stimme, die perfekt harmoniert mit Gitarren, Geigen, Flöten, Dudelsäcken, Trommeln.

Oonaghs 3. Album ist auch ihr bislang bestes, mit Abstand, die Ansätze der ersten beiden Alben werden nahezu zur Perfektion weiterentwickelt, ohne dass jedoch wirklich Perfektion entsteht, es ist nur einfach unglaublich stimmig - es fühlt sich gut an! Und dieses Album zeigt wieder einmal, wie schön, melodisch, musikalisch, poetisch die deutsche Sprache klingen kann.

„Märchen enden gut“ ist ein romantisches Album, im ursprünglichen Sinn des 19. Jahrhunderts, der Mensch ist klein, die Gefühle, die Natur sind groß. Der Tod ist zugleich Schrecken und Hoffnung. Das irdische Leben ist nur ein kurzer Übergang, aber der will extrem gelebt werden.

Die Deluxe-Edition dieses auch sehr gut klingenden Albums ist Pflicht, wer schon nach "Gayatri Mantra" den Heimweg antritt, geht definitiv zu früh.


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