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Rezensionen verfasst von
David Thorn (Berlin)

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Alien: Covenant [Blu-ray]
Alien: Covenant [Blu-ray]
DVD ~ Michael Fassbender
Preis: EUR 16,99

22 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Alien Covenant – Sturz ins bodenlos Triviale, 4. Juni 2017
Rezension bezieht sich auf: Alien: Covenant [Blu-ray] (Blu-ray)
„Ich bewundere die konzeptionelle Reinheit. Geschaffen, um zu überleben. Kein Gewissen beeinflusst es. Es kennt keine Schuld, oder Wahnvorstellungen ethischer Art. Nur seine Feindseligkeit übertrifft noch seine perfekte Struktur.“ So beschreibt Androide Ash die grausam-perfekte außerirdische Kreatur in „Alien“ 1979. Seine Worte haben sich ins Gedächtnis eingebrannt, weil sie ikonisch wurden für die Beschreibung der ultimativen Bedrohung des Menschen durch eine Lebensform aus den Tiefen des Alls.

Welche großartigen Story-Geheimnisse mag das auf einem fremden Planeten gestrandete Schiff voller Eier einer extraterrestrischen Lebensform bergen? Was hat es mit der vielleicht untergegangenen, womöglich jahrtausendealten Raumfahrerzivilisation der Space-Jockeys auf sich? 2017 stürzen diese Fragen und vor allem die Antworten ins bodenlos Triviale. Wir wären über ihre Beantwortung besser im Unklaren geblieben. Die von „Alien Covenant“ vorgelegte Erklärung zerstört in ihrer grenzenlosen Einfallslosigkeit den Alien-Mythos endgültig.

Wir bekommen eine vorhersehbare Story aufgetischt, mit nicht enden wollenden sinnlosen Action-Szenen auf einer fliegenden Transportplattform. Nicht einmal die Schlussgefahrenszene ist neu für Alien-Zuschauer. Wir sehen Charaktere, mit denen man nicht warm wird, weil sie ohne Einführung ins Geschehen geworfen werden, was ein auf Youtube vorveröffentlichtes Video ausgleichen soll.

Einer der Protagonisten, ein gemütlicher Brummelbär mit Cowboyhut, darf die Multimilliarden-Dollar-Expedition pilotieren und – Achtung! – liebt seine Frau. Wie schön. Wir alle lieben andere Menschen, aber ist dies ein innovatives Element in einem vermeintlichen Weltraum-Schocker? Vollends im Klischee-Sumpf säuft ab, wie sich dieser Brummelbär in seinem Outfit entsprechender Cowboy-Manier in einem waghalsigen Flugmanöver über alle Systemwarnmeldungen zur technischen Integrität des Raumschiffes hinwegsetzt, natürlich nur für das „höhere Ziel“ der Rettung von Crew-Mitgliedern. Das soll vermutlich wahres Heldentum darstellen.

Eine Mannschaft, immerhin verantwortlich für mehrere tausend Siedler im Kryoschlaf an Bord (kein bloßer Erztransporter wie in „Alien“), entscheidet spontan bei Empfang irgendeines Signal, und weil der Planet ganz brauchbar aussieht, die Mission zu ändern und gerät prompt bei der ersten drohenden Gefahr innerhalb von Sekunden an den Rand des Nervenzusammenbruchs – und noch weit darüber hinaus. Derart hilflose Gestalten dürften im realen Leben nicht einmal die Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung als Busfahrer besitzen. Buchstäblich Lichtjahre entfernt wären sie von der Übernahme der Verantwortung für ein Siedlungsprogramm der hier gezeigten Art. Zur Zusammenstellung solchen Personals gehören selbstverständlich zahlreiche Auswahltests, Trainings bis an die äußersten Belastungsgrenzen – und zwar gerade auch die psychischen. Körperlich, fachlich und geistig hochqualifiziertes, bis auf die Knochen stressresistentes und professionelles Personal wäre die Grundvoraussetzung für eine Siedlungsmission solchen Ausmaßes.

Hier jedoch wird die Menschheitsexpedition von einer komplett überforderten, bisweilen grenzdebil agierenden Stolpertruppe geleitet, die nach dem Verlust ihres Kapitäns in ihrer kollektiven Desorganisation und Hilflosigkeit ihresgleichen in der Filmgeschichte sucht. Andererseits darf sie anfangs noch reichlich „coole Sprüche“ absondern, weil in Hollywoodfilmen Typen mit hemdsärmeliger Lässigkeit Professionalität vorgaukeln sollen. Die Dialoge dieses Stoßtrupps von Volldeppen sind zum Dauerfremdschämen. Nicht fehlen darf dabei die Perle der cineastischen Dialogregie für die Erkundung fremden Terrains schlechthin: „Passt auf wo ihr hintretet“.

Auch im weiteren Verlauf der – freilich absehbaren – Dezimierung der Crew liegt deren Verhalten bestenfalls auf dem Niveau eines beliebigen Teen-Horror-C-Movies, in dem sich naive Kindchen voneinander trennen, um dann sukzessive zur Schlachtbank geführt zu werden. Beispielhaft sei die Szene in „Alien Covenant“ genannt, in der sich eine Person doch tatsächlich mit den Worten „Ich gehe mich mal frisch machen“ von den anderen entfernt, was ihr überraschenderweise nicht gut bekommt. Im Grunde eine Beleidigung für die Xenomorphen, es mit solchen Opfern zu tun zu bekommen.

Besonders tragisch: Die eigentliche Erklärung des Alien-Mythos, die Entstehung der Xenomorphen, gerät zur absoluten Farce irgendwo zwischen H. G. Wells' „Die Insel des Dr. Moreau“, Mary Shelleys „Frankenstein“ und Goethes „Zauberlehrling“. "Die ich rief, die Geister werd ich nun nicht los." - Nein danke, da lese ich lieber die Klassiker.

Durchgehend merkt man dem Film an, dass Scott wohl lieber „Prometheus 2“ hätte machen wollen, offenbar aber glaubte dem Zuschauerverlangen nach mehr Xenomorphen folgen zu müssen, was auch durch die Änderung des Filmtitels in der Planungsphase belegt ist. Das war ein gravierender Fehler. Das Ergebnis ist ein unausgegorener, langweiliger und vorhersehbarer Mix aus Alien-Franchise und einer totalamputierten Prometheus-Fortsetzung ohne jeglichen Reiz des Neuen, des rätselhaft-außerirdisch zu Erkundenden. Ridley Scott scheitert an seinem eigenen vermeintlich hohen Anspruch. Dem ins Philosophische überhöhten Ansatz der Eröffnungsszene mit Peter Weyland und David sowie der David-Flöten-Szene wird der Film insgesamt in keiner Weise gerecht.

Im Vergleich avanciert „Prometheus“ rückblickend sogar zu einem ganz ordentlichen Streifen. Freilich hatte auch dieser eklatante Drehbuchschwächen, wie die hochnotpeinlich durch die Kulissen stolpernden angeblichen „Wissenschaftler“, die real niemals auch nur ansatzweise in die Nähe einer solchen Mission kommen dürften. (Wir erinnern uns an diese Spezialisten: Oh, sieh an, eine unbekannte außerirdische Kreatur, die könnte gefährlich sein, egal, ich fass sie einfach mal an, die Fauna eines fremden Planeten ist bekanntermaßen ein Streichelzoo. Ups, jetzt ist plötzlich mein ganzer Arm ab. Naja, kann passieren, ich bin ja nur ein hochqualifizierter Wissenschaftler und wer hätte mit sowas rechnen können...)

Immerhin aber hatte „Prometheus“ den vielversprechenden Ansatz eines spannend auszubauenden Plots um eine Schöpferzivilisation mit maßgeblichem Einfluss auf das Entstehen der Menschheit. Doch leider fällt auch dieser Erzählstrang in „Alien Covenant“ unter den Tisch.

Im Ergebnis verdient „Alien Covenant“ gut gemeinte zwei Sterne: einen für die Soundtrack-Anlehnungen an den unerreichten Score von Jerry Goldsmith und an die gefälligen Klänge von Mark Streitenfeld. Den zweiten erhalten die isoliert betrachtete Leistung von Michael Fassbender und das minimalistische Edeldesign der Eröffnungsszene mit Peter Weyland und Androide. Mehr ist für diese eklatante filmische Fehlleistung, die uns das über Jahrzehnte so fremdartig Faszinierende nun so erschreckend banal erklären möchte, beim besten Willen nicht drin. Ridley Scott hat es einfach nicht mehr drauf. Er sollte in den Ruhestand gehen.


Arrival [Blu-ray]
Arrival [Blu-ray]
DVD ~ Amy Adams
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wenn du dein ganzes Leben vom Anfang bis zum Ende sehen könntest, würdest du etwas ändern?, 15. April 2017
Rezension bezieht sich auf: Arrival [Blu-ray] (Blu-ray)
Raumschiffe positionieren sich auf allen Kontinenten, schweben über den Landschaften. Was wollen die außerirdischen Besucher? Sind sie uns friedlich oder feindlich gesinnt? Dieses Ausgangsszenario weckt schlimme Erinnerungen an den dünnen Plot und die ermüdenden Materialschlachten eines „Independence Day“. Doch die Sorge ist unbegründet. Klatscht uns Roland Emmerich belanglose Action hin, präsentiert Denis Villeneuve ein tiefgründiges Werk von fragiler Schönheit.

Hat ein Kreis einen Anfang und ein Ende? Hat die Zeit einen Anfang und ein Ende, verläuft sie linear oder ist jede Zeit womöglich zu allen Zeiten gleichzeitig? Nehmen andere Zivilisationen Zeit anders wahr als wir, leben sie vielleicht in anderen Zeitdimensionen oder haben sie gar Einfluss auf die Zeit? Und könnte man den Verlauf seines eigenen Lebens vom Anfang bis zum Ende sehen, würde man etwas ändern? Wer sich gerne mit solchen Gedanken beschäftigt, den wird „Arrival“ inspirieren. Hält man hingegen Dauerfeuer der Kategorie „Transformers“ irrigerweise für gute Science Fiction, wird „Arrival“ bestenfalls als Einschlafhilfe dienen.

Selten wurde die Begegnung mit dem Unbekannten so gekonnt und beeindruckend inszeniert. Den Verantwortlichen ist ein Filmkunstwerk gelungen, das visuell und akustisch Neues bietet, ästhetisch ansprechend, in eher kühlen Tönen fotografiert, aber von warmen Emotionen durchwoben.

Wie überhaupt kommunizieren? Selten wurde auch die Frage der Kontaktaufnahme unter Überwindung riesiger entwicklungsgeschichtlicher Unterschiede so innovativ und schlüssig angegangen. Die Linguistik steht dabei im Vordergrund, nicht die (vermutlich) universell geltenden Regeln der Mathematik („Contact“).

Elegant fügt sich die musikalische Untermalung ein. Sie setzt sich hervorragend von bekannten Filmmusik-Mustern ab und schafft ein eigenständiges, dem Sujet angemessen fremdartiges, teils experimentelles Hörerlebnis (die Blu-ray-Extras bieten dazu ein kleines Feature). Wem die Ästhetik des Repetitiven zugänglich ist, wer Philip Glass schätzt, der wird auch den sich bisweilen hypnotisch wiederholenden Klängen des Jóhann Jóhannsson etwas abgewinnen können. Freilich hört man hier und da eine Hommage an die Begegnung mit dem Monolithen in „2001: Odyssee im Weltraum“ und die Inspiration durch Walgesänge klingt durch, doch das geht in Ordnung und wirkt auch stimmig, angesichts der wahrhaft respekteinflößenden Physiognomie der Außerirdischen und ihres wohl immensen zivilisatorischen Vorsprungs uns Menschen gegenüber.

Zum Glück für diesen Film und für uns Zuschauer müssen die Besucher ihre Überlegenheit nicht durch stumpfsinnige CGI-Destruktionsorgien belegen. Sie beeindrucken allein durch ihre ehrfurchteinflößende Präsenz und ihre bizarre Andersartigkeit, während sie stets eine geheimnisvolle Distanz wahren.

Wohltuend andersartig sind auch die Raumfahrzeuge. Hier schieben sich keine Panzerkreuzer mit unzähligen technischen Aufbauten ins Bild. Stattdessen ruhen kieselsteinförmige Solitäre in Feng Shui-Manier kontemplativ über der Landschaft, während die vergleichsweise archaisch anmutenden Helikopter der Menschen heranklappern. Auch dadurch gewinnt der Film gute eigene Schauwerte.

Am Ende, nach dem Staunen und Herantasten an das Fremdartige, erkennt man, dass diese Begegnung der dritten Art dazu dient, über den eigenen Weg nachzudenken, denn im Kern sprechen die Außerirdischen eines an: die Selbsterkenntnis des Menschen.

„Es gibt Tage, die deine Geschichte über dein Leben hinaus bestimmen. Wie der Tag, an dem sie ankamen.“

Ein guter Film.


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