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Rezensionen verfasst von
Hardy Hoefer

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Holophinium
Holophinium
Preis: EUR 19,98

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine ganz eigene Klasse, 25. Oktober 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Holophinium (MP3-Download)
Herbst 2016, ein kleiner Skandal: Dies ist die erste Rezension zu diesem Album. Die in diesem Fall mehr als zweifelhafte Ehre ist absolut verzichtbar. Aus mehreren Gründen: „Holophonium“ ist bereits im Frühjahr erschienen, hat immerhin einen Preis eingeheimst (sicher, ein Spartenpreis) und ist in diesem musikalisch sicherlich reich gesegneten Jahr noch einmal ein Fall für sich. Je wirrer die Zeiten, desto besser die Musik, vielleicht ist ja an dieser Binsentheorie doch etwas dran. Umso wunderbarer ist es, dass sich Bandprojekte wie Mystery (die zweite lange Zeit unentdeckte Neuentdeckung des Jahres) oder eben Karibow einer musikalischen Philosophie verschrieben haben, an der man sich gleichermaßen reiben und erwärmen kann. Interessanterweise steht sowohl hinter Mystery als auch Karibow jeweils ein Mastermind, der quasi alles im Alleingang schreibt, produziert und sich als Verstärkung Gast-und Livemusiker holt. Bei Karibow ist das Oliver Rüsing aus Nordrhein-Westfalen, der schon seit über zwanzig Jahren aktiv ist. Der Mann kann neben Texten, Komponieren, Arrangieren und Produzieren auch noch leidlich singen und einen Haufen Instrumente spielen, fast unheimlich ist das schon. Extrem beeindruckend ist sein Schlagzeugspiel, das etwa einen Neil Peart von Rush fast alt aussehen lässt. Merkwürdigerweise wird Rüsing nicht in einem Atemzug mit angesagten deutschen Szenegrößen wie Marco Minnemann genannt. Nun ja, er spielt ja zum Beispiel nicht mit Steven Wilson zusammen, sondern macht sein eigenes Ding. Immerhin hat sich der Multiinstrumentalist auf Holophonium für ein paar Songs Verstärkung geholt, zum Beispiel Saga-Sänger Michael Sadler oder den australischen Super-Keyboarder Sean Timms (Southern Empire, Unitopia), um nur die beiden bekanntesten Musiker zu nennen.

Das hat dem Album richtig gut getan, im Vergleich zum schon ziemlich genialen Vorgänger „Addicted“ von 2014 hat „Holophonium“ nochmal einen großen Sprung nach vorn gemacht. Die Songstrukturen sind insgesamt komplexer bzw. progressiver. Die Gastspiele der diversen Kollegen setzen zum Teil geniale Akzente, dazu gleich mehr. Ach so, es handelt sich hier um ein dickes, fettes Doppelalbum in großartiger, opulenter Aufmachung, obwohl das Unternehmen Karibow ja quasi ein Indie-Projekt ist und sicher kein Riesenbudget zur Verfügung hat. Weit über anderthalb Stunden astrein produzierte Musik warten darauf, entdeckt zu werden!

CD1 namens „The Fragments“ fegt einen schon mal weg. Die zwei Longtracks haben für sich eine solche Extraklasse, das bereits wegen ihnen der Kauf lohnt. Das titelgebende „Holophonium“ ist ein Lehrstück in gekonntem Crossover aus Prog, AOR und Metal-Einsprengseln: Im letzten Drittel bitte anschnallen! Das gilt auch für das mächtige „E.G.O“ und das wunderbare „Quantum Leap“, welches durch die phänomenale Tastenarbeit Sean Timms‘ veredelt wird. Die Kollegen von Subsignal, die sich einem ähnlichen Stilmix verschrieben haben, sollten mal genau reinhören, wie man so etwas weniger konstruiert und viel besser produziert hinbekommt, als bei ihrem etwas verunglückten „The Beacons of Somewhere Sometime“. Da fällt mir ein, wäre ja toll, wenn Oliver Rüsing mal bei denen trommeln würde - und die Keys bekommt er auch um Klassen besser hin. Kein Song auf „The Fragments“ hängt durch, sehr erwähnenswert ist natürlich noch „River“ mit Michael Sadler am Mikro. Das könnte tatsächlich ein neuer, äußerst gelungener Saga-Song sein.

CD 2 ist der 36-minütige Konzeptteil des Albums und heißt „The White Room“. Das traumhafte spacig-science-fictionhafte Artwork des Albums weist denn auch in etwa auf das Thema dieser sechsteiligen „Space Odysee“ hin, die Rastlosigkeit, Einsamkeit, Liebe, Ankommen und einige andere elementaren Bestandteile unseres Lebens in die unendlichen Weiten transferiert. Auch hier wechseln sich gelungene härtere und/oder frickeligere Passagen mit den für Karibow typischen romantischen, manchmal fast weichen Passagen ab. Ob das nun poppig oder AOR-mäßig klingt, ist egal, die Synthese stimmt, der Sound ist genial, und in der Stimmung dieses Albums, die zwischen melancholisch und euphorisch pendelt, könnte man endlos versinken. Ein Beispiel hierfür ist „Orbital Spirits“ mit Gastsänger Karsten Stiers (Errorhead, machen eher Bluesrock), das einen herzergreifenden, fast souligen Gesangspart mit einem schnellen, aggressiven Finale vereint.

Wirklich kaum zu fassen, dass „Holophonium“ bislang so wenig Beachtung gefunden hat. Vielleicht zählt der Prophet mal wieder im eigenen Lande nicht? Live machen sich Karibow leider etwas rar, bleiben die bisher drei erhältlichen Alben, die man auch direkt im „Karibow Webshop“ kaufen kann. Gerade herausgekommen ist das neu aufgelegte 2011er-Album "Man of Rust", das auf dem besten Wege ist, "Addicted" in meiner kleinen Karibow-Bestenliste den Rang abzulaufen...
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 27, 2016 11:03 AM CET


The World Is a Game
The World Is a Game
Preis: EUR 7,92

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klangbad, 11. August 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The World Is a Game (MP3-Download)
Warum nur waren mir Mystery bis vor kurzem ein Mysterium? Na gut, schieben wird das offensichtliche Wortspiel beiseite und schauen kurz auf die etwas mysteriöse Geschichte dieser Band – oder soll man besser Projekt sagen? Schnell wird dann klar, warum es gar nicht so einfach war, diese inzwischen für mich dritte große Art- bzw. Progressive-Rock-Band aus Kanada (neben Saga und Rush) zu entdecken. Zwar hatte Mastermind Michel St-Père Mystery bereits 1986 gegründet, es sollte aber noch bis 1992 dauern, ehe zunächst eine EP erschien. Bis zur ersten CD vergingen weitere vier Jahre, das war „Theatre of a Mind“ mit diesem merkwürdigen Cover: Eine Frau staubsaugt irgendwo im Niemandsland. „At the dawn of a Millenium“ erscheint 1998 und dann ist erst einmal neun Jahre lang wieder Schluss. Und ganz ehrlich, hier ist des Rätsels erste Lösung, warum Mystery damals nicht auf meinem Radar erschienen: Das klingt oft nach Mainstream und Hardrock, ziemlich ok, aber nicht zwingend, in den 90ern wollte ich „mit so etwas“ sowieso nichts zu tun haben. Aus heutiger Sicht – nachzuhören auf dem Sampler „At the Dawn of a New Millenium“ – haben die Mystery des alten Jahrtausends auch ordentlich Patina angesetzt. Und so beginnt für mich die Mystery-Geschichte erst 2007, „Beneath the Veil of Winter's Face“ ist dann auch das erste Album mit Yes-Teilzeit-Sänger Benoît David. Aber nicht (nur) wegen ihm wird es proggiger und runder als auf den Werken des 20. Jahrhunderts. „One Among the Living“ von 2010 führt diese Entwicklung mit so tollen Gastmusikern wie Daryl Stuermer (Gitarre) oder John Jowitt (Bass) fort. Aber das Beste sollte erst noch kommen: Die 2012er-Scheibe „The World is a Game“ und das bislang jüngste Werk „Delusion Rain“ von 2015. Unbedingt die beiden besten und reifsten Alben des Mystery-Projekts, ich lege mich jetzt mal auf diesen Begriff fest, weil Keyboarder und Gitarrist Michel St-Père nicht nur das einzige Dauermitglied ist, sondern auch alle Titel schreibt und gleich auch noch produziert.

Normalerweise verdamme ich jeden Text, der so lange einleitet, bis er zum eigentlichen Thema kommt. Hier war es mir die Ausnahme wert, weil es a) selten vorkommt, heutzutage ein solches Kaliber aus dem Bereich Prog-/Art-/Hard-/AOR-Rock zu entdecken und b) es manch anderem vielleicht ähnlich „peinlich“ ergangen sein mag: Mystery poppte eines Tages bei den „Prime Music“-Empfehlungen auf, alleine das Cover von „The World is a Game“ machte mich neugierig und der erste Hörtipp war das geheimnisvolle (sic!) lntermezzo „The unwinding of Time“: Diese Flöte, diese Spieluhr samt den bedrohlichen Untertönen! Danach gab’s den Titeltrack „The World is a Game“, den ich zunächst nicht so recht einzuordnen mochte: Von Genesis bis - ungelogen - Scorpions ist da schon mal alles drin, was diese spezielle Mystery’sche Wohlfühlmischung ausmacht. Die Songs baden im Wohlklang, setzen wohldosierte härtere Tupfer mit einem Gitarrensound, der mir extrem zusagt, die Keys sind geschmackvoll und songdienlich, wie man so schönsagt, und Nick D`Virgilio sorgt an den Drums für sehr viel Dynamik und das gewisse Maß an Verspieltheit, dass vielleicht sonst etwas zu kurz kommt. Reden müssen wir natürlich auch über Sänger Benoît David. Extrem variabel, beseelt und ausdrucksstark geht er hier zu Werke. Beispielhaft sei hier „Dear Someone“ genannt, für mich übrigens der schönste Song überhaupt aus der Feder von Michel St-Père: Mit knapp sechseinhalb Minuten verhältnismäßig kurz, ist er eine Art Powerballade der außergewöhnlichen Sorte. David singt nicht nur den Hook gänsehauterzeugend, die akzentuierten und fett produzierten Riffs über dem schweren Groove tun ihr übriges. Mögen Longtracks wie „Another day“ oder „Pride“ insgesamt abwechslungsreicher sein, an die kompositorische Perfektion von „Dear Someone“ reichen sie nicht heran. Selbst die schwächste Nummer, „Superstar“, überzeugt trotz gewisser Längen mit dieser warmen Atmosphäre, die sich durch das ganze Album zieht, auch beim schwerblütigen „Time Goes by“. Der Sound stimmt einfach. Dieses Ding muss ich einfach immer wieder hören. Mystery ist der musikalische Gegenpol zu dieser verrückten Welt (nicht nur) im Jahre 2016.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 2, 2016 4:12 PM CET


Invention of Knowledge (Special Edition CD Digipak)
Invention of Knowledge (Special Edition CD Digipak)
Preis: EUR 14,97

15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Yes - flowered by Emotion, 28. Juni 2016
Flower-Power
Beinahe 70 Minuten lang läuft man durch eine üppigst blühende Sommerwiese respektive Klanglandschaft, überzogen mit überbordend bunt und detaillierten Blumen- äh, nein - natürlich Soundteppichen. Nur ab und zu tritt man in eine akustische Brennnessel, verhakt man sich in etwas ruppiger klingendem Geäst. Ganz selten wirft mal eine Klangwolke einen Schatten auf das endlos flirrende, sanfte Tonrelief, dass sich da je nach Sichtweise in vier bzw. neun Song-Gärten unterteilt. Je tiefer man sich da hinein begibt, desto drängender wird der Wunsch, sich einfach darin auszustrecken, auszuruhen und nicht mehr permanent zu versuchen, all diese sich ständig ineinander klingverschlingenden Tonleiter-Lianen auseinanderzuhalten. Es be- und vernebelt einem fast die Sinne. Und dann schreckt man doch zwischendurch wieder hoch, weil einem vor lauter Schönklang etwas die Konzentration abhanden kommt und man anfängt, sein eigenes Wissen über dieses 'Soundgarden' zu entdecken.

Stimm-Wunder
Zunächst hält man es für kaum möglich, dass da ein 71-Jähriger singt. Jon Anderson klingt klar und kraftvoll, hält die Höhen sauber und macht nicht mit beim 'Ich bin jetzt ne Ecke über 60 und kann es mir erlauben, ne halbe Oktave tiefer zu singen'. Dass wäre bei Anderson auch besonders blöd, mindestens so blöd wie bei anderen prominenten Hochtönern, denen dies widerfahren ist, Phil Collins oder Geddy Lee etwa. Andererseits wird mir diese Demonstration auf Dauer fast zu viel, für mich ist eine Stimme, wenn sie nicht gerade Scat beherrscht, kein Instrument, sondern eine Stimme. Und so viel und ausdauernd das 'Goldkehlchen' hier singt, so wenig variabel kommt es mitunter daher, gefühlt in ewig gleicher Tonlage. Nicht falsch verstehen, Anderson singt für sich genommen großartig, aber, he, das ist hier doch Prog und da muss es doch auch längere Instrumentalpassagen geben. Gibt es aber nur spärlich und zugegeben, irgendwie gewöhnt man sich dran und ahnt, dass dies zum Konzept der 'Invention of Knowlegde' gehört. Warum aber gehört es leider nicht zum Konzept, dass Roine Stolt (hörbar) singt und mitsingt? Der Mann hat Stimme und könnte Anderson bestimmt auch auf diesem Gebiet prima ergänzen.

Schach-Spiel
Und diese zunächst mich überraschende, aber eigentlich fast schon naturgegebene Zusammenarbeit (oder muss ich 2016 'Collabo' sagen?) zwischen dem Original-Yes-Mitglied Jon Anderson und dem Sag-Ja-zu-Yes-Multivirtuosen Roine Stolt hat auch seine Vorteile. Beide halten gegenseitig ihre jeweils mitunter nervenden Seiten sozusagen in Schach. Anderson sorgt dafür, dass Stolt seinen (zumindest bei den Flower Kings) vorhandenen Neigungen zu manchmal seltsam-störenden Free-Jazz- oder Geräusche-Ausflügen nicht einfach so nachgehen kann (ich weiß, einige mögen das, ich nicht sooo sehr). Und Stolt sorgt dafür, dass Anderson unsere Ohren nicht komplett zuzuckert. Also nur fast.

Stil-Blüten
Insofern klingt es fast durchgehend ausbalanciert schön. Wenn aber Spannungsbögen und (Aus-)Brüche fehlen, dann wird es - wie bereits angedeutet - auf Dauer zu schön. Drei Schälchen Tiramisu rutschen noch rein, das Vierte wird dann etwas klebrig-pappig. Es klingt oft nach 'Tormato', manchmal nach 'Going for the One', seltener nach 'Tales from Topographic Oceans' und immer wieder nach ruhigerem Flower-Kings-Zeugs, etwa nach 'I Am the Sun - Part Two' von der 'Space Revolver'. Aber eben ohne: Groove, Hooks zum Festhaken, Soloeskapaden. Vielleicht würde das auch nur stören? Das ist noch nicht entschieden, dazu fehlen noch einige Durchläufe. Allerdings hat sich mein persönlicher 'Hit' schon ziemlich schnell herauskristallisiert: Gleich der Opener 'Invention' ist es, sauschön, mit verhältnismäßig viel Drums und einer Art identifizierbarem Chorus. Außerdem stößt er sofort das Tor zu diesem speziellen Klangkosmos...-wiese, wie auch immer, auf. Es hat nicht viel Sinn, weitere Tracks hervorzuheben, weil sie sehr organisch und gleichrangig daherkommen. Vielleicht den zweitkürzesten Titel, den Dreiminüter 'Golden Light'. Hat was, mit den beinah souligen Background-Chören.

Aus-Blick
Generell erinnert einen ein Album wie dieses (oder auch die gerade laufende Yes-Tour) daran, dass die Zeit läuft. Die Helden der ersten Prog-Generation haben vielleicht noch fünf, maximal zehn mehr oder weniger aktive Jahre vor sich, wenn sie nicht schon längst aufgehört haben oder nicht mehr unter uns weilen, Selbst die zweite und teils auch dritte Generation erreicht mitunter bereits die passive oder gar aktive Altersteilzeit. Genießen wir also einen Output wie diesen, gehen auf die Konzerte (selbst wenn von der Besetzung her immer öfter von Coverbands zu reden sein müsste) und hoffen, dass die derzeit doch ganz aktive Szene das Erbe hochhält und weiterentwickelt. Daher gibt es zu den 3,5 Wertungs-Sternen noch einen halben als Sentimentalitäts-Bonus dazu.
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Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 29, 2016 2:08 PM MEST


Southern Empire
Southern Empire
Preis: EUR 17,99

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das "Reich an Musik", 15. April 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Southern Empire (Audio CD)
Das ist also das Nachfolgeprojekt von 'Unitopia'. Oder doch nicht? Denn zu lesen ist, dass sich die beiden kreativen Köpfe Mark Trueack und Sean Timms in (nicht nur) musikalischem Unfrieden getrennt haben sollen. Tastenmeister Timms hat die seitdem vergangene Zeit gut genutzt und ein Projekt auf die Beine gestellt, dass 'Unitopia' in Nichts nachsteht. 'Southern Empire' klingt über weite Strecken sogar schlüssiger und gereifter als das bisherige Aushängeschild des australischen Progressive Rocks (wobei ich ehrlich gesagt keine weiteren Bands dieses Genres aus Australien kenne). Bei 'Unitopia' habe ich öfter das Gefühl, in einer Achterbahn zu sitzen, die ein, zwei musikalische Loopings zu viel dreht und bei den längeren Stücken eine wie auch immer geartete innere strukturelle Logik weltmusikalischen oder jazzigen Ausflügen bis Ausbrüchen opfert. Das kann man unheimlich virtuos oder progressiv finden, mich trägt es bei 'Unitopia'-Epen wie 'The Garden' eher mitunter aus der Kurve. Droht Ähnliches auch bei 'Southern Empire'? Ein Blick auf die übersichtliche Songliste lässt dies zunächst vermuten. Auf rund 70 Minuten Spiellänge machen sich lediglich sechs Tracks breit, wobei das Intro 'Show me the way' eine gerade mal 48 Sekunden lange Vorweg-Reprise des finalen Songmonsters 'The bridge that binds' ist, welches wiederum mit einer knappen halben Stunde Dauer auch 'The Garden' locker um sechs Minuten überholt. Mit 'Hold' und 'How long' finden sich dann noch zwei 'Fast-Zwölfminüter' auf dem Album. Es wäre also massig Zeit also für spielerische und kompositorische Eskapaden.

Genug der Zählerei, denn was der eine erhofft und ich eher befürchtet habe (die Eskapaden), tritt im Wesentlichen nicht ein: Selbst der Long-Long-Track langweilt oder nervt überhaupt nicht. 'The bridge that binds' bindet bzw. fesselt mich fast durchgehend mit seinem Wechsel aus dramatisch-melodiösen und groovig-leichten Passagen. Ok, manchmal wird etwas zu viel Fahrt herausgenommen, aber insgesamt überzeugt mich dieser lange Riemen. Favorit von Beginn an aber ist für mich 'How long'. Hier geht die Philosophie, eher mainstreamige Gesangspassagen (erinnern an Chris Thompson bei 'Manfred Mann's Earth Band') mit komplexen Instrumentalparts zu verknüpfen, am besten auf. Und wie schon 'Unitopia' verzeihe ich auch 'Southern Empire' den häufigen Einsatz von Blasinstrumenten aller Art aus der Saxophon-Familie, das klingt fast nicht nach achtziger Jahre. Sowieso gilt: Alles astrein gespielt, Timms Fähigkeiten an den Tasten sind überragend, die seiner Mitstreiter (mir bis auf Tim Irrgang namentlich nicht geläufig) an Bass über Schlagzeug bis Geige auch. Die beiden Gitarristen, von denen einer auch noch richtig gut singt, können einfach alles: vom herzzerreißenden Bluesrock à la Gary Moore bis zu pfeilschnellen Läufen, die ich so eher von John Mitchell oder auch Ian Chrichton kannte. Toll zum Beispiel das irre Gitarren-Synthi-Duell im ansonsten recht gradlinigen 'Forest Fire', das ferne Erinnerungen an beste Saga-Momente weckt . Noch mehr Assoziationen? Ja doch, so ist der zweite mittellange Longtrack, 'Hold', keinen Deut schlechter als das Gros, was 'Dream Theater' über die Jahre hinweg abgeliefert haben, plus die typischen Weltmusik-Einlagen nach Timm`scher Art: da buschtrommelt es final ganz gewaltig. Australien halt.

Puh. Kann man im Reich des Südens auch einmal verschnaufen? Ja, spätestens zum verhältnismäßig kurzen Schluss: 'Dreams and Machines' hat fast Unplugged-Charakter, obendrauf ein paar nette Satzgesänge. Wobei 'Schluss' relativ ist: Da wartet ja noch die DVD mit geschickt zusammengeschnittenen Studioaufnahmen. Und das macht wirklich Spaß, den gestandenen Herren beim Einspielen zuzugucken und zuzuhören. Spaß macht auch die Ausstattung dieser Edition: Die beiden Silberlinge ruhen in Kunststoff-Inlays auf Pappe; für mich die schönste und beste Aufbewahrungsart besonderer Musik. Und dieses Prädikat hat die Premiere von 'Southern Empire' allemal verdient. 4,5 Sterne.


Lover's End Pt. III: Skelleftea Serenade
Lover's End Pt. III: Skelleftea Serenade
Preis: EUR 1,29

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Traumhaft schön und elegant, 25. März 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Man kann "Moon Safari" zu kitschig finden, zu retroselig, zu verspielt, zu soft und vieles mehr. Man kann in dem musikalischen Ansatz der Schweden aber auch eine Antwort auf all die Schwächen sehen, die den zeitgenössischen Prog mitunter plagen. Die Jungs können nämlich unglaublich gut singen, elegant arrangieren, haben eine durchgehende Grundidee und verfallen so gut wie nie in die schon so lange angesagte Schwermut im Prog- (und auch nicht Prog-) Bereich. All das, was ich bei so manchem neuzeitlichen Prog-Projekt vermisse oder bemängele.

"Lover's End Pt. III" ist denn auch ein ziemlich langer Longtrack, bei dem keine der 24 Minuten langweilt: Überragend schön, episch, trotz des nicht gerade leicht verdaulichen Textes mit unglaublichem Optimismus umgesetzt und einfach konsequent zusammengebaut. Klar sind viele Yes-Zutaten drin, aber erstens ist das nicht die schlechteste Referenz und zweitens entwickeln sie daraus eine eigene, sehr viel leichtfüßigere Klang-Philosophie, die mitunter fast therapeutische Wirkung beim Anhören entwickelt.

Deser dritte und längste Teil ist übrigens zusammenmit Pt. I und II in einer (allerdings schwer erhältlichen) Japan-Edition verfügbar (z.B. bei "The Merch Desk" aus England). Der Bestellaufwand lohnt sich aber!


The Dream Walker
The Dream Walker
Preis: EUR 8,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen An Faszination verloren, 31. Januar 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Dream Walker (MP3-Download)
Es gibt zwei (bzw. drei) Werke von AvA mit fünf Sternen: 'I-Empire' und das 'Love'-Doppelalbum. Es gibt ein Album, dass mindestens vier Sterne verdient: 'We don't need to whisper'. Und es gibt ein Album, dass klar am vierten Stern vorbeischrammt: 'The Dream Walker'. Weil diesmal die Faszination abhandengekommen ist. Man mag es Weiterentwicklung nennen, wenn die typischen Electronica-Intros auf ein Minimum reduziert wurden, wenn der Output insgesamt kompakter, weniger verspielt und etwas düster-schwerer daherkommt. Mir klingt das Ganze gerade etwas im ersten Drittel etwas zu 'indie'. Songs wie 'Paralyzed' und 'The Wolfpack' sind für sich genommen eigentlich gute Titel, so richtig ins Herz schließen kann ich sie aber nicht. Und klangtechnisch sind sie noch schlimmer als die übrige...CD wollte ich schon schreiben, aber 'TDW' gibt es schändlicherweise ja nur als MP3-Download.

Eigenartig, einen richtigen Durchhänger gibt es nicht, aber auch keinen Titel zum Ein- und Abtauchen wie auf den Vorgängern. 'Kiss with a spell' mit seinem klasse Spagat zwischen computergeprägtem Groove und Cure-artigem Gitarrensound und das ungleich aggressivere, dennoch so typisch euphorische 'Mercenaries' sind sicherlich die Höhepunkte der Scheibe. Noch ein Wort zum knapp dreiminütigen Rausschmeißer 'Anomaly': Das wäre ein netter Bonustitel gewesen. So erholsam er auch ist, weil es zum Schluss mal endlich richtig gut aufgenommen klingt, bin ich beinahe schockiert, weil danach schon Schluss ist. Wo ist das kleine Epos, der Über-Track, auf den ich die ganze Zeit (vergeblich) gewartet habe?

'TDW' wirkt nicht nur klangtechnisch stellenweise wie ein Demo, sondern auch vom ganzen Charakter her. Liegt's am neuen Schlagzeuger und Co-Autoren, der von 'Nine Inch Nails' kommt, (garantiert noch nie eine Lieblingsband von mir)? Ruppigen Underground-Kram gibt es schon genug, bitte nicht AvA dahingehend trimmen! Sondern vielmehr wie bei 'Love' noch eine physische Version anbieten, am besten nochmal neu aufgenommen und vielleicht um den einen oder anderen Titel erweitert. Statt eine überflüssige EP nachzuschieben, wie kürzlich geschehen. Wie mich überhaupt das ganze merkwürdige 'Marketing' von AvA mittlerweile nur noch nervt. Die überladene, komische Webseite sowie irreführende Ankündigungen ('Poet Anderson') tun ihr wirres Übriges dazu.


The Beacons Of Somewhere Sometime - Limited Deluxe Edition
The Beacons Of Somewhere Sometime - Limited Deluxe Edition
Wird angeboten von Music-Special-Sale
Preis: EUR 12,99

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Edit: Zum Meisterwerk fehlt eine ganze Menge, 8. November 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Manchmal ahnt man es und ist dennoch ein klein wenig enttäuscht. Auch 'The Beacons Of Somewhere Sometime' hat es nicht geschafft, 'Touchstones' vom Thron zu stoßen. Für mich bleibt es dabei: Im bisherigen Subsignal-Quartett ist das in diesem Kontext überhaupt nicht verfluchte zweite Album der kraftvolle Maßstab. Das neue Epos 'TBOSS' hätte das Subsignal-Meisterwerk überhaupt werden können, wenn...ja, wenn die sympathischen Progger etwas konsequenter zu Werke gegangen wären. Und wenn sie auch mal etwas lockerer aufgespielt hätten. Das Cover deutet die Erdenschwere ja bereits an, aber so viel Herbst war im Sound von Subsignal noch nie. Klar bleibt immer noch ein sehr, sehr gutes Album. Es ist aber eben nicht ganz das erhoffte und weithin medial versprochene Superding.

Ich fange mal von hinten an, weil mit der titelgebenden Komposition progselige 23:15 Minuten versprochen werden. Trotz standesgemäßer Unterteilung in Part I bis Part IV bleiben - musikalisch gesehen - vier einzelne Nummern, bei denen ich keinen roten Faden zu erkennen mag. Sie sind außerdem im Spieler einzeln ansteuerbar, Track 8, Track 9 usw. Es gibt keine Steigerung, keinem logisch zwingenden Lauf und all das, was einen Prog-Riesen ausmacht. Also entweder richtig Longtrack oder halt nicht. So richtig klasse in diesem falschen Vierer ist denn auch nur der letzte Teil, 'A canopy of stars'.

Sprung in die - vergleichsweise - schwache Mitte: Da gähnt mich ein 'Metallica'-artiges Teil an: 'A myth written on water'. Für hundert andere Bands ok, für Subsignal zu unoriginell. Das Romantische können die Fünf deutlich besser ("The size of light on earth" ist immer noch die schönste "Ballade"). Stattdessen ist nsgesamt diesmal wieder viel (zu viel?) durchaus gekonnte Härte drin. Herr Steffen brät im Zusammenspiel mit dem bösen 5-Saiter-Bass von Herrn Schwager mächtig viel derbe (und sehrt laut gemixte) Riffs. Das ist legitim, ich finde aber, dass es dafür zum Teil an originellen oder einfach schönen Soli fehlt. Ich komme nun mal nicht aus der Metal-Ecke und finde, dass Subsignal hier an die Grenze des Erträglichen gehen.

Bleiben wir beim Personal und schauen auf die Neu- und Umbesetzungen: Luca di Gennaro ersetzt David Bertok an den Tasten. Warum eigentlich? Ich fand Bertok klasse. Gennaro, der aus der mir völlig unbekannten italienischen Prog-Szene (so was gibt's wohl) stammt, hat echt Nerven. Er bringt es nämlich allen Ernstes fertig, seine - teilweise mediokren - Soli im Casio-Sound der späten Achtziger darzubieten. Nach dem Erst-Schock finde ich das zugegebenermaßen beinahe klasse, weil es den sonst angemessen fetten Sounds eine ziemlich schräge Note (!) aufsetzt. Allerdings fallen die Pianopassagen ganz schön ab: zu meditativ, zu spannungsarm, technisch nix Dolles. Dann gibt es noch den neuen Schlagzeuger Dirk Brand, der sich vermutlich vorgenommen hat, Dream Theater ins stille Kämmerlein zu trommeln. Mann, muss der Waden haben! Fast unentwegt tickert die Double-Bass mit Lichtgeschwindigkeit. Dass er auch ganz fein mit percussiven Elementen hantieren kann, geht leider fast unter, was aber auch am seltsam zurückgenommenen Mix liegt: Klicker-Bassdrum zu laut, Snare und Co. zu leise. Aber ehrlich: Roel van Helden von den beiden ersten Alben hat mir besser gefallen, und warum sein fitter Nachfolger Danilo Barth nach "Paraiso" schon wieder gehen musste, weiß wahrscheinlich nur die Doppelspitze Arno Menses / Markus Steffen.

So, genug gemeckert. Denn Subsignal wären nicht Subsignal, wenn nicht mindestens eine Reihe toller Songs und Einfälle dabei wären. Das absolute Song-Monster ist für mich der Siebeneinhalbminüter 'And then the rain will wash it all away'. Dieses unglaublich - 'tschuldigung - obergeil konstruierte Leitmotiv mit Sequenzer-Geplucker und Grummel-Bass! Dirk Brand groovt auch ohne tempolimitverachtendes Fußgewerk, und dann: Der mehrteilige euphorisch-wunderschöne Chorus!! Arno Menses hat immer wieder unglaublich Gesangseinfälle, hier hauen sie erneut so richtig ins Gefühl. Vom Können her hängt der Sänger das Gros der Zunftkollegen sowieso seit jeher ab, die Satz- und Chorpassagen sind perfekt wie eh und je.

Selbst das Experiment, Blasinstrumente einzusetzen, gelingt erneut. Die Wiederkehr des 80er-Jahre-Saxophons ist neben den erwähnten Casio-Tönen die einzige Retro-Reminiszenz auf 'TBOSS'. Ansonsten kann man gar nicht genug loben, dass Subsignal bei der verbreiteten Vintagesound-Langeweile nicht mitmachen. Denn bei manchen Songs wiederum denke ich, dass die süddeutsche Band dem verbreitet doch ziemlich ermüdeten Progsound eine Art Zukunft, eine Vision, wie es weitergehen könnte, einhaucht. 'Ashes of summer ' und 'Everthing ist lost' sind solche Nummern, die sich mal gerade "Nachspieler" Steven Wilson reinziehen sollte: Irgendwie verdammt modern produziert, dennoch mit viel Seele und extrem melodienselig. 'Tempest' und 'A time of joint' bieten ähnliche Qualitäten.

Je länger ich höre und schreibe, umso näher müsste der fünfte Stern rücken. Tut er aber nicht. Was steht ihm also im Wege? Neben den erwähnten kleinen Inkonsequenzen und klanglichen Schwächen vielleicht nur die Zeit, weil das Erfassen dieses Albums etwas länger dauert. Die Verpackung der limiterten Edition bekommt derweil schon mal die Höchstpunktzahl. Das ist ein richtiges kleines Buch mit festem Einband! Ok, das angekitschte Artwork passt irgendwie auch dazu. Mein lieber (schwarzer) Schwan.

EDIT Langzeittest, ein Jahr später: Es tut mir wirklich leid, aber das Album hat immer mehr verloren. Es bleibt mittlerweile im Regal stehen. Der Sound ist einfach nicht gut, die Produktion ist sehr durchwachsen, die Kompositionen haken irgendwie. Es macht einfach keinen Spaß, diese Platte zu hören. Das hat auch etwas mit meiner Neuentdeckung (mindestens) des Jahres zu tun: Karibow. Ich vergleiche sonst ungern, aber was dieses Projekt um Oliver Rüsing auf die Beine stellt, ist ungefähr auf dem hochklassigen Niveau, das ich eigentlich von Subsignal erwartet habe, bei allen Unterschieden und Eigenarten beider Bands. Das sie aber in etwa im selben Revier wildern, also melodischer Prog mit Metal- und AOR-Elementen, liegt ein Vergleich nah, mit locker zwei Sternen Vorsprung für Karibow: Für das 2016er Werk "Holophinium" sowieso, aber auch für den Vorgänger "Addicted" und das unglaublich starke 2011er Album "Man of Rust", gerade remastert und erweitert wiederveröffentlicht. Diese drei Alben machen einfach süchtig. Wie gern hätte ich das für "The Beacons..." geschrieben.


Hand.Cannot.Erase (Limited Edition)
Hand.Cannot.Erase (Limited Edition)
Preis: EUR 16,99

6 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ist Steven Wilson der Christopher Nolan der progressiven Rockmusik?..., 4. September 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
...habe ich mich des Öfteren anhand der folgenden Beobachtungen gefragt:

- Für die Fans sowohl Nolans als auch Wilsons ist der jeweilige Output fast sakrosankt. Kritiker werden gerne mal als unwissend, mainstreamverliebt oder einfach als zu doof abgestempelt. Bei den Nolan-Jüngern geht es aber zugegebenermaßen deutlich dogmatischer und weniger kulant zu.

- Beide kümmern sich in der Tat wenig um vorherrschende Strömungen und ziehen beseelt und besessen ihr Ding durch. Und das auch noch mit beträchtlichem (kommerziellen) Erfolg. Das Wohlwollen der meisten Kritiker und auch Konsumenten ist ihnen gewiss. Das sind erstaunliche und auch erfreuliche Konstellationen.

- Beide bewegen sich in den unterschiedlichsten Genres. Nolan, der Regisseur, macht mal eigenwillige Thriller, mal Science Fiction. Wilsons Bandbreite reicht vom Poprock à la Blackfield bis eben zu seinen retrobeseelten progressiven "Solo"-Projekten.

- Nolan zieht einzelne Erzählstränge und Szenen oft in die Länge, Wilson schreibt immer wieder Longtracks. Ok, dieser Vergleich hinkt ein wenig, Parallelen sind allerdings auch in der Detailverliebtheit zu beobachten, mit der sich beide gerne einzelnen Passagen widmen.

- Aber auch: Beide erzählen viel und gerne, haben in ihren filmischen und musikalischen Erzählungen aber für mein Gefühl oft deutliche dramaturgische Schwächen. Das gilt besonders für Nolan, dessen Timing in Filmen wie Inception oder Interstellar m.E. mitunter schlicht unmöglich ist. Und bei Wilson klingt für mich einiges ziemlich konstruiert. Das ist oft nicht weiter schlimm, weil es es irgendwie auch ein Merkmal des Prog-Rock ist.

- Kommen wir zum größten subjektiven Minus: Es lässt mich oft schlicht kalt, was die beiden machen. Ich gehe hier nicht weiter auf Details bei Nolan ein, weil das hier keine Filmkritik ist, nur so viel: Emotional berührt er mich leider nicht und auch Wilsons Verständnis von Melancholie und Gefühl geht bei mir öfter knapp vorbei. Ein Song wie Luminol (Raven-CD) müsste mich eigentlich begeistern, tut er aber nicht, weil er toll gespielt, aber irgendwie seelenlos daherkommt.

Das - und ab hier geht es konkret um HCE, schaffen bei mir eher die kürzeren, poppigeren und elektronischeren Songs. Insbesondere dann, wenn Wilson Elemente seines Pop-Projekts Blackfield einbringt. Dann wird es warm und gefühlig, dann funktionieren seine Songs auf der intellektuellen wie auch auf der Bauch-Ebene: Vorneweg der Titelsong Hand Cannot Erase und Perfect Life mit seinen Reminiszenzen an 80er-Wave. Schwieriger sind für mich die Longtracks im zweistelligen Minutenbereich einzuordnen: Ganz großes Kino (!) ist der zwölfminütige Opener First Regret/3 Years Older. Hier funktionieren auch die zum Teil sehr gegensätzlichen Parts gut zusammen, der Wilson'sche Schmerz bindet sich mit prima mit den Powerelementen, die (mal wieder) deutlich an Rush aus den Siebzigern erinnern. Um Home Invasion/Regret #9 genießen zu können, muss ich in Laune sein. Sonst hat es für mich den Luminol-Effekt: Saugut eingespielt (besonders wieder Herr Minnemann aus Hannover fährt groß auf), aber auch: Was solls? Hatten wir alles schon origineller bei Led Zeppelin, King Crimson, Pink Floyd und Co. Das sind die Retro-Könige Flower Kings bei vergleichbarem technischen Niveau einfach origineller und spezieller. Ancestral zieht mich da deutlich mehr in den Bann, weil es auch elektronische Grooves und symphonische Passagen einwebt. Recht blass bleiben Nummern wie Routine und besonders Transcience. Der Schlusspunkt Happy Returns / Ascendant Here On versöhnt mit Blackfield- und Porcupine Tree-Anmutung der soften Art.

Alles nicht schlecht, manchmal sogar verdammt gut. Aber für sich genommen nicht nonstop zwingend. Selbverständlich ist und bleibt Steven Wilson dennoch einer der wichtigsten Gärtner im heiklen Gärtchen Prog. Vielleicht gilt das ja auch für Christopher Nolan im derzeit nicht ganz so bedrohten Science-Fiction-Reservat.
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New World
New World
Preis: EUR 22,27

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Keine ganz neue Welt, 8. Mai 2015
Rezension bezieht sich auf: New World (Audio CD)
Das Beste kommt zum Schluss, zumindest auf der De-Luxe-Edition, die 23 (!)Tracks auf sagenhafte rund 140 Minuten verteilt: „Redemption (Stranded II, Pt. 6-10)“ ist mit rund 22 Minuten so lange wie Genesis‘ „Suppers Ready“ und kommt in seinem epischen-überbordenden und elegischen Wesen dem zeitlosen Prog-Meilenstein ziemlich nahe. Das genialste Stück auf diesem Riesenalbum führt Francis Dunnery als Co-Autor auf und endlich, wirklich endlich erinnert sich der frühere It-Bites-Mastermind nach vielen Jahren daran, was für ein unglaublicher Gitarrist er doch ist. Seine verrückt-harmonischen Highspeed-Läufe verbinden sich in den ersten sechs Minuten genial mit dem traumschönen Melodiebögen von „Redemption“.

Überhaupt, die Gastmusiker auf diesem Album. Steve Hackett ist mit von der Partie, klar. Und je tiefer man ins Kleingedruckte einsteigt, desto mehr staunt man, wer auf „New World“ alles in irgend einer Form mitwirkt. Da hat man ganz schön was zu tun, bis man diese unglaublich unübersichtliche De-Luxe-Version durchschaut hat, von der Songanordnung bis zu den Credits – aber das ist ja irgendwie auch total proggy, eine wunderbare Beschäftigungstherapie. Ein Aha-Effekt jagt den nächsten: Simon Phillips war an der Aufnahme der Drums beteiligt, Produzentenlegende Tom Lord-Alge hat bei "Stranded" mitgemixt, Keyboarder-Legende Keith Emerson hat auf der Keyboard-Legende Moog ein Moog-Solo gespielt und die Mc-Broom-Schwester, die schon bei Pink Floyd mitgesungen haben, sorgen auch hier für eine "floydige" Choratmmosphäre.

Ok, beim Gesang muss man insgesamt den einen oder anderen Abstrich machen, auch das ist mitunter progspezifisch. Denn ausgerechnet diesen Part hat Herr Kerzner fast durchgehend selbst übernommen, zumindest was die Lead-Vocals betrifft. Das Ganze zigmal durch den Mehrfach-Chorus und irgendwelche Flanger-Phaser-Effekte gejagt, klingt er manchmal ein wenig einförmig und zu wenig expressiv. Mensch Dave, hätteste doch mal zum Beispiel Dunnery eine Lead-Spur singen lassen, das wäre bei weit über zwei Stunden Material doch mal drin gewesen.

Ich gestehe auch, dass mir für den Hausgebrauch die gut halb so lange Standard-Version meist ausreicht. Die De-Luxe-Ausgabe hat hier und da doch mal eine Redundanz zu viel. Mir ist auch insgesamt etwas zu viel Pink-Floyd-Anteil drin, aber das ist rein subjektiv und Geschmackssache. Klar, man hört Genesis raus, Sound of Contact natürlich, King Crimson, seltener Yes und noch viele mehr, manchmal hart an der Plagiatsgrenze („Nothing“ klingt wie ein gedachtes „Abacab II“, allerdings ohne dessen düstere Klasse zu erreichen). Das ist aber ok, weil man schon nach den ersten Minuten irgendwie mit den ganzen Querverweisen auf die glorreiche Prog-Vergangenheit rechnet, schließlich hat das Dave Kerzner in den ganzen Promo-Videos auch ganz offen beschrieben. Ein bisschen mehr Modernität und zeitgemäßer Biss hätte dem Album aber ganz gut getan. Das sehr Weiche, Runde, Harmonische funktioniert zwar in meinen Ohren von Durchlauf zu Durchlauf besser, aber es könnte mitunter noch etwas mehr vorangehen.

Wobei beim Dauerlauschen dann so wundersame Sachen passieren, wie dass sich eigentliche Weichspüler - so der Titeltrack „New World“ - klammheimlich zu Lieblingsstücken mausern. Sauschön, eine Art Alan-Parsons-Übersong mit – haha – einem Solo von Francis Dunnery. Und Titel wie „Crossing of Fates“ (Keith-Emerson-Solo!) sorgen ja dann wieder für die nötige Dosis Rock und zeigen die Nähe zum „Sound of Contact“ –Projekt mit Simon Collins.

An dessen Album kommt „New World“ für mich dennoch nicht ganz ran, aber für wohlverdiente 4,5 Sterne reicht es allemal. Außerdem will Dave Kerzner nach einer kurzen Trennung von Collins Junior nun doch wieder mit ihm zusammen arbeiten. Ein SoC-II-Album ist in Aussicht gestellt. Und wo wir schon beim Thema Album sind: Nicht von der Aussage auf Amazon hier abschrecken lassen, wonach die physische De-Luxe-CD-Edition nicht erhältlich wäre. Nach drei Tagen war sie da, zumal als MP3 nur die Kurzversion erhältlich ist.

Noch ein Wort zur Verpackung: Pappe halt, das Booklet ist in der Mitte eingeklebt, wie lange das wohl hält? Das Artwork ist maximal Durchschnitt, irgendwie abgehangen und nichtssagend. Das kann Kerzner jedenfalls auch nicht gemeint haben, als er das Album "New World" betitelte...:)


New World -Deluxe-
New World -Deluxe-
Preis: EUR 27,36

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vertraute Welten - neu eingespielt, 8. Mai 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: New World -Deluxe- (Audio CD)
Das Beste kommt zum Schluss, zumindest auf der De-Luxe-Edition, die 23 (!)Tracks auf sagenhafte rund 140 Minuten verteilt: 'Redemption (Stranded II, Pt. 6-10)' ist mit rund 22 Minuten so lange wie Genesis' 'Suppers Ready' und kommt in seinem epischen-überbordenden und elegischen Wesen dem zeitlosen Prog-Meilenstein ziemlich nahe. Das genialste Stück auf diesem Riesenalbum führt Francis Dunnery als Co-Autor auf und endlich, wirklich endlich erinnert sich der frühere It-Bites-Mastermind nach vielen Jahren daran, was für ein unglaublicher Gitarrist er doch ist. Seine verrückt-harmonischen Highspeed-Läufe verbinden sich in den ersten sechs Minuten genial mit den traumschönen Melodiebögen von 'Redemption'.

Überhaupt, die Gastmusiker auf diesem Album. Steve Hackett ist mit von der Partie, klar. Und je tiefer man ins Kleingedruckte einsteigt, desto mehr staunt man, wer auf 'New World' alles in irgend einer Form mitwirkt. Da hat man ganz schön was zu tun, bis man diese unglaublich unübersichtliche De-Luxe-Version durchschaut hat, von der Songanordnung bis zu den Credits ' aber das ist ja irgendwie auch total proggy, eine wunderbare Beschäftigungstherapie. Ein Aha-Effekt jagt den nächsten: Simon Phillips war an der Aufnahme der Drums beteiligt, Produzentenlegende Tom Lord-Alge hat bei "Stranded" mitgemixt, Keyboarder-Legende Keith Emerson hat auf der Keyboard-Legende Moog ein Moog-Solo gespielt und die Mc-Broom-Schwester, die schon bei Pink Floyd mitgesungen haben, sorgen auch hier für eine "floydige" Choratmosphäre.

Ok, beim Gesang muss man insgesamt den einen oder anderen Abstrich machen, auch das ist mitunter progspezifisch. Denn ausgerechnet diesen Part hat Herr Kerzner fast durchgehend selbst übernommen, zumindest was die Lead-Vocals betrifft. Das Ganze zigmal durch den Mehrfach-Chorus und irgendwelche Flanger-Phaser-Effekte gejagt, klingt er manchmal ein wenig einförmig und zu wenig expressiv. Mensch Dave, hätteste doch mal zum Beispiel Dunnery eine Lead-Spur singen lassen, das wäre bei weit über zwei Stunden Material doch mal drin gewesen.

Ich gestehe auch, dass mir für den Hausgebrauch die gut halb so lange Standard-Version meist ausreicht. Die De-Luxe-Ausgabe hat hier und da doch mal eine Redundanz zu viel. Mir ist auch insgesamt etwas zu viel Pink-Floyd-Anteil drin, aber das ist rein subjektiv und Geschmackssache. Klar, man hört Genesis raus, Sound of Contact natürlich, King Crimson, seltener Yes und noch viele mehr, manchmal hart an der Plagiatsgrenze ('Nothing' klingt wie ein gedachtes 'Abacab II', allerdings ohne dessen düstere Klasse zu erreichen). Das ist aber ok, weil man schon nach den ersten Minuten irgendwie mit den ganzen Querverweisen auf die glorreiche Prog-Vergangenheit rechnet, schließlich hat das Dave Kerzner in den Promo-Videos auch ganz offen beschrieben. Ein bisschen mehr Modernität und zeitgemäßer Biss hätte dem Album aber ganz gut getan. Das sehr Weiche, Runde, Harmonische funktioniert zwar in meinen Ohren von Durchlauf zu Durchlauf besser, aber es könnte mitunter noch etwas mehr vorangehen.

Wobei beim Dauerlauschen dann so wundersame Sachen passieren, wie dass sich eigentliche Weichspüler - so der Titeltrack 'New World' - klammheimlich zu Lieblingsstücken mausern. Sauschön, eine Art Alan-Parsons-Übersong mit ' haha ' einem Solo von Francis Dunnery. Und Titel wie 'Crossing of Fates' (Keith-Emerson-Solo!) sorgen ja dann wieder für die nötige Dosis Rock und zeigen die Nähe zum 'Sound of Contact' 'Projekt mit Simon Collins.

An dessen Album kommt 'New World' für mich dennoch nicht ran, aber für wohlverdiente vier bis viereinhalb Sterne reicht es allemal. Außerdem will Dave Kerzner nach einer kurzen Trennung von Collins Junior nun doch wieder mit ihm zusammen arbeiten. Ein SoC-II-Album ist in Aussicht gestellt. Und wo wir schon beim Thema Album sind: Nicht von der Aussage auf Amazon hier abschrecken lassen, wonach die physische De-Luxe-CD-Edition nicht erhältlich wäre. Nach drei Tagen war sie da, zumal als MP3 nur die Kurzversion erhältlich ist.

Noch ein Wort zur Verpackung: Pappe halt, das Booklet ist in der Mitte eingeklebt, wie lange das wohl hält? Das Artwork ist maximal Durchschnitt, irgendwie abgehangen und nichtssagend. Das kann Kerzner jedenfalls auch nicht gemeint haben, als er das Album "New World" betitelte...:)
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 29, 2015 9:49 AM MEST


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