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Rezensionen verfasst von
Tramp69 (The Promised Land)

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True Sadness
True Sadness
Preis: EUR 14,99

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die AB erfüllen leider erstmals nicht die hohen Erwartungen, 4. Juli 2016
Rezension bezieht sich auf: True Sadness (Audio CD)
Die Avett Brothers gehören zweifelsohne zu den spannendsten und interessantesten Bands aus dem Americana-Genre der letzten 10 - 15 Jahre. Ihre Konzerte sind einzigartige Erlebnisse. Sie sind zumindest in den USA mittlerweile zu einem Mega-Act aufgestiegen, treten heute sogar im Madison Square Garden auf, vor einigen Jahren noch undenkbar und aus meiner Sicht auch nicht wirklich erstrebenswert. Denn die intimen Live-Auftritte in kleineren Clubs/Hallen sind somit kaum noch möglich, doch genau das zeichnete die Band aus. Na ja, in Deutschland sind sie immer noch ein Geheimtipp, sodass die Befürchtungen, sie könnten ähnlich wie Mumford & Sons demnächst in den O2-Worlds oder gar in Stadien auftreten, unbegründet sein dürften.

Dennoch, erstmals in ihrer Karriere, die ich seit "I and Love and You" verfolge, können die Brüder aus North Carolina meine zugegeben hohen Erwartungen nicht erfüllen. Ich habe grundsätzlich kein Problem damit, wenn sich Bands weiterentwickeln und daher fand ich die letzten Alben auch allesamt hervorragend, obwohl sich die Band immer weiter von ihren Roots-Wurzeln entfernt hat, hin zu mehr Pop. Mit "True Sadness" haben sie den Bogen aber meines Erachtens jetzt überspannt. Ich habe grundsätzlich auch kein Problem mit dem dezenten Einsatz von elektronischen Samples, aber zu den Avett Brothers passt das noch weniger als zu vielen anderen Bands, die sich den heutigen technischen Möglichkeiten bedienen.

"Ain't no Man" hätte ein schöner Ohrwurm werden können, wären da nicht diese furchtbaren elektronischen Handclaps und anderer elektronischer Firlefanz. Schade um diesen sicherlich großartigen Song.

Ähnlich verhunzt werden "You Are Mine", obwohl der Song doch so verheißungsvoll mit Banjo-Begleitung beginnt, und erst Recht das kaum anhörbare "Satan Pulls the Strings". Letzterer ist der schlechteste Song, den die Brothers wohl je aufgenommen haben.

Die restlichen Songs kommen zwar weitestgehend ohne diesen ganzen überflüssigen Schnick-Schnack aus, können aber auch nur bedingt überzeugen. Der Titelsong ist nett, fällt aber zu den bisherigen Titeltracks der früheren Alben ebenfalls ab.

Der stark an Hank Williams erinnernde "Divorce Separation Blues" erinnert noch am ehesten an die alten Avett Brothers. Ob es allerdings so glaubwürdig und clever ist, eine sehr persönliche und sicherlich schmerzhafte Trennung den Hörern in dieser fröhlichen Form zu präsentieren, kann nur Seth Avett selbst beantworten. Dürfte interessant sein, ob er diesen Song auch live spielt. Musikalisch ist dieser Song aber mein klarer Favorit.

Das komplett akustisch eingespielte "Victims of Live" erinnert mich irgendwie an ein Kinderlied, groovt schön, geht sofort ins Ohr und passt gut zu den Avett Brothers. So kennt man sie und so liebe zumindest ich sie.

Auch "Smithsonian", "Mama, I don't believe", "I Wish I Was" und "No Hard Feelings" sind ebenfalls gute Songs, die auch noch nach den alten Avett Brothers klingen, im Vergleich zu den letzten Alben der Avett Brothers fallen aber auch diese leicht ab.

Und dann wäre da noch der Closer "May it Last" mit seinem orchestralen Streichersound, der mit Sicherheit auch aus dem Computer kommt. Mir ist das einfach viel zu seicht und brutal überproduziert. Was war "The Clearness is Gone" vom letzten Album doch für ein großartiger Closer, hier trieft es nur so aus den Boxen, der Song könnte auch von Alan Parsons Project stammen. Auch gegen die habe ich grundsätzlich nichts, aber von den Avett Brothers möchte ich so etwas nicht hören.

Insgesamt wird es m. E. Zeit, dass sich die Avett Brothers von ihrem Produzenten Rick Rubin trennen und wieder etwas stärker in Richtung ihrer Wurzeln zurückkehren. Es tut mir in der Seele weh, einer meiner Lieblingsbands nur 3,5 Sterne zu vergeben. Aber im Vergleich zu den letzten beiden Alben Carpenter und Magpie fällt dieses hier dann doch ab. Schade!


Antique Hearts
Antique Hearts
Preis: EUR 8,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Independent Rock mit Country-Einflüssen, 23. Dezember 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Antique Hearts (MP3-Download)
Tolle Americana-Band aus North Carolina, die mit diesem ihrem Debut ein lupenreines Independent-Rock-Album vorlegen, das von vorne bis hinten ein einziger Hörgenuss ist. Die Band, deren Namen von dem Wilco-Song "I am trying to break your heart" stammt, behauptet von sich selbst, dass ihre Wurzeln eigentlich in der Country-Musik liegen. Diese Wurzeln sind allerdings bei dieser ersten Scheibe aus dem Jahre 2006 noch nicht so deutlich zu hören wie bei den späteren Werken, insbesondere dem neuesten, ebenfalls superben Album "Wolves". Von allen Alben von AA ist mir die hier aber die liebste. Melodischer Indie-Rock, perfekt instrumentiert (zum Teil mit Fiddle und Steel Gitarre, was einigen Songs den dezenten Countrytouch gibt), eine angenehme Stimme des Sängers und Songwriters und eindeutigem Kopf der Band, BJ Barham, und dazu interessante Lyrics. Was will man als Americana-Musik-Fan mehr?

In diese Band sollten alle mal reinhören, die auf Musik von Jason Isbell, Bruce Springsteen, Tom Petty, Wilco oder Son Volt stehen. Absolute Kaufempfehlung, genauso wie die anderen Alben dieser Band.


The Ties That Bind: the River Collection (4 CD + 2 Blu-ray)
The Ties That Bind: the River Collection (4 CD + 2 Blu-ray)
Preis: EUR 74,99

73 von 77 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schönes Boxset für Fans, wäre aber noch mehr drin gewesen!, 4. Dezember 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Da ist sie also: Die von Fans seit langem erwartete Box zum Doppelalbum 'The River'. Wie bereits die Boxsets zu 'Born to Run' (2005) und 'Darkness on the Edge of Town' (2010) ist auch dieses Boxsets sehr schick und ein echtes Sammlerstück für Fans, die auch bereit sind, für Aufnahmen, die sie bereits mehrfach besitzen noch einmal einige Euros zu zahlen. Für Fans stellt sich die folgende Frage daher auch nicht wirklich, dennoch will ich sie hier stellen: Ist die Box das Geld wert? Meines Erachtens auf jeden Fall, denn die Box ist auch diesmal wieder vollbepackt mit Bekanntem, aber eben auch reichlich Unbekanntem. Das Highlight dürfte sicher die Live-DVD bzw. BluRay sein.

1. Aufmachung der Box:
Wie der Produktbeschreibung zu entnehmen ist, ist die Box diesmal fast quadratisch und deutlich größer als die Box zu DOTEOT, hat allerdings nicht die Maße einer LP. Manche mögen die Papphüllen kritisieren, in denen auch diesmal wieder die Cds/DVDs/BluRays stecken. In der Tat sind diese nicht besonders reißfest, aber bedenkt man, wie oft man die Discs dann wirklich aus ihren Hüllen rausholt, um sie zu hören/zu sehen, relativiert sich die Kritik m. E. Es handelt sich hier doch, seien wir ehrlich, im Wesentlichen um ein Sammlerstück, das man sich ins Regal stellt und nur relativ selten wirklich 'nutzt'. Ich gebe der Verpackung die volle Punktzahl: 5 Sterne!

2. Doppelalbum 'The River'
Hier verweise ich auf meine Rezension zum Album selbst und ergänze lediglich, dass man wohl auf keinem anderen Bruce-Album das Remastering so deutlich heraushört wie hier. Es handelt sich um die gleiche remastered Version wie die, die es im vergangenen Jahr in der Collection-Box bereits gab. Der Sound hier ist tadellos und man meint wirklich ein anderes Album zu hören im Vergleich zur alten Version. Jetzt kann man diesem abwechslungsreichen Meisterwerk uneingeschränkt 5 Sterne geben.

3. CD 'The Ties That Bind'
Das ist also das Album, das kurz vor Veröffentlichung damals von Bruce zurückgenommen wurde und stattdessen zum Doppel-Album 'The River' wurde. Es gibt natürlich einige Überschneidungen mit 'The River', und doch unterscheiden sich die Songs zum Teil minimal von den heute Bekannten und auch von den Versionen, wie sie dann zum Teil auf 'Tracks' erschienen sind (z. B. Be True ist geringfügig anders). So wird 'You can look' von einem Rock'n Roll zum Rockabilly-Song, wie er zum Teil auch live gespielt wurde. Hier imitiert Bruce ganz klar sein großes Idol Elvis Presley. Gefällt mir gut! Außerdem gibt es das bisher nicht offiziell veröffentlichte 'Cindy', ein zuckersüßes Liedchen (deutlich unter 3 Minuten lang), das wunderbar auf 'The River' und zu 'I Wanna Marry You' passt. Der Sound ist auch hier tadellos. Ob dieses Album damals auch so erfolgreich geworden wäre? Immerhin fehlt es hier an den unterdurchschnittlichen Songs auf 'The River' wie 'Crush on you' oder 'I'm a Rocker', dafür aber auch an so Perlen wie 'Drive All Night', 'Point Blank' oder 'Wreck on the Highway'. Auch als Single-Album gibt es von mir 5 Sterne.

4. Outtake-Album
Insgesamt 22 Songs (wie schon bei 'The Promise') gibt es hier. Allerdings wurden 11 davon bereits 1998 auf 'Tracks' bzw. auf Essentials veröffentlicht. Zur Komplettierung macht es aber durchaus Sinn, diese Songs hier nochmals zu präsentieren, denn es soll ja die gesamte Geschichte zu 'The River' erzählt werden. Außerdem erkennt man bei fast jedem Song bekannte Parallelen zu anderen Songs von Bruce, der ja wie kaum ein anderer bestimmte Fragmente aus Songs nutzt, um sie in anderen Songs zu 'verarbeiten'. Warum Bruce seinerzeit Songs wie 'Crush on You', 'I'm a Rocker' und 'I Wanna Marry You' auf das Doppelalbum genommen hat, dafür aber Übersongs wie 'Loose Ends', 'Take 'em as They Come', 'Roulette', 'Be True' oder auch andere weggelassen hat, muss man nicht wirklich verstehen, zeugt aber von der hohen Qualität und Quantität des Songwriters Bruce Springsteen.

Einmal mehr zeigt sich an den Outtakes, welch herausragender und produktiver Ausnahmekünstler Springsteen ist. Hier ist auch zu bedenken, dass trotz Tracks und dieser Box noch immer längst nicht alle Songs veröffentlicht sind. Der Doku ist zu entnehmen, dass es rund 100 Songs inklusive verschiedener Versionen gab, aus denen auszuwählen war.

Zu den einzelnen Songs:

Meet me in the City: Sehr guter Opener. Ein typischer Bruce-River-Song, der sofort ins Ohr geht und da auch bleibt. Tolles Sax-Solo, also alles was einen Bruce-Song ausmacht. Nach wenigen Takten weiß man, dass das nur Bruce sein kann. Allerdings wurde zumindest der Gesang neu aufgenommen, deutlich an der Stimme zu erkennen. Mag nicht jeder, ich finde es wie bei einigen Songs auf 'The Promise' völlig in Ordnung. Ein klasse Song, von dem man sich auch fragen muss, weshalb der erst jetzt veröffentlicht wird?

The Man Who Got Away: Ebenfalls ein sehr guter, rockiger Song, dem man die Begeisterung von Bruce und Little Steven für britische Bands der 70er ('British Invasion') anhört. Der Song könnte auch von 'The Who' stammen.

Little White Lies: Rockig geht's weiter mit dieser an 'Roulette' erinnernden Nummer. Ziemlich markanter Keyboard-Sound, der mir irgendwie bekannt vorkommt. Guter Song!

The Time That Never Was: Könnte auch ein Outtake von The Promise sein. Schmachtfetzen, zwar nicht so schnulzig wie 'Someday (we will be together)', aber auch nicht zu weit davon entfernt. Schönes Sax-Solo von Clarence.

Night Fire: Noch so ein britisch klingender Song, stark! Auch hier ist wieder ein klasse Sax-Solo zu hören. Für mich zusammen mit 'Stray Bullett' der beste 'neue' Song. Auch hier würde ich wieder darauf tippen, dass die Vocals neu aufgenommen wurden und von heute stammen.

Whitetown: Ein bisher als 'Down in Whitetown' bekannter Song. Gefällt mir ebenfalls ausgesprochen gut, typischer Bruce-Song.

Chain Lightning: Erinnert vom Beat her stark an 'State Trooper'. Entwickelt sich zu einem feinen Blues-Rocker.

Party Lights: Dieser schon im Vorfeld veröffentlichte Song beginnt mit dem Gitarrenriff von 'Needles und Pins', erinnert aber auch stark an 'Take 'em as they Come' oder 'Rendezvous' und vor allem an den Darkness-Outtake 'The Little Things my Baby does'. Als ich den Song erstmals meiner Frau und Sohn vorgespielt habe, sagten sie beide, den würden sie schon kennen, so stark ist dann doch die Ähnlichkeit zu etlichen Songs aus der 'River'-Ära. Noch deutlicher wird die Ähnlichkeit, wenn man sich die Lyrics anhört. Da finden sich die exakt gleichen Textzeilen aus mindestens vier Bruce-Songs: 'I Wanna Marry You', 'Point Blank', 'Jersey Girl' (eigentlich ein Tom Waits-Song, aber die letzte Strophe stammt von Bruce und genau die stammt wohl aus diesem Song) und 'The Price you Pay'. Das Gitarrensolo erinnert wiederum entfernt an 'The Wish'. Letztlich aber egal, denn der Song ist gut und passt bestens in die 'River'-Stimmung.

Paradise by the C: Studioversion der vom Live-Album 75-85 her bekannten Instrumental-Nummer, auf der Clarence `Big Man` Clemons so richtig glänzen kann. Fragmente dieses Songs gab es ja auch bereits bei 'So Young and in Love' (erschienen auf Tracks).

Stray Bullet: Eine sechsminütige, sehr düstere Klavier-Ballade, wunderschön begleitet von einem Flügelhorn oder einer Klarinette (würde ich mal behaupten, ein Saxophon ist es jedenfalls nicht), die etwas aus dem eher rockigen Gesamtbild und der Partystimmung von 'The River' fällt. Klingt überhaupt nicht nach Bruce, sondern eher nach Van Morrison. Zieht sich etwas, muss man mehrmals hören, ist aber letztlich ein großartiger, für mich der beste 'neue' Song.

Mr Outside: Mit akustischer Gitarre begleiteter Rockabilly-Song. Hört sich nach wie vor an wie eine Demo-Version. Nett, aber verzichtbar!

Mein letzter Satz zu 'Mr Outside' gibt ganz gut das Gesamtfazit für diese 11 'neuen' Songs wieder: Die Songs sind allesamt gut und ich freue mich sehr darüber, dass sie jetzt endlich auch offiziell und in guter Qualität vorliegen. Ob Bruce Springsteen durch die seinerzeitige Veröffentlichung dieser Songs allerdings noch erfolgreicher oder seine Reputation dadurch größer geworden wäre, darf dann aber doch bezweifelt werden.

Insgesamt ergibt das ordentliche 4 Sterne für Record One der Outtakes-CD (Nachtrag 6.1.2016: Ich erhöhe auf 5 Sterne für die 11 neuen Songs, denn sie sind wahrlich auch jetzt nach über einem Monat regelmäßigen Hörens immer besser geworden!). Die wahren Knüller, abgesehen von Stray Bullet, Night Fire und Meet me in the City, die auf 'The River' veröffentlicht hätten werden müssen, wie Loose Ends, Take 'em as They Come, Roulette oder Be True befinden sich aber allesamt auf dem bereits 1998 veröffentlichten 'Tracks-Boxset'.

5. Dokumentation
Ein rund 56-minütiger Film, meist in Form eines Interviews mit Bruce, aufgenommen (wahrscheinlich an einem einzigen Tag) auf seiner Farm in New Jersey. Zwischendurch gibt es immer wieder kurze Einspieler oder Fotos oder Bruce spielt auf seiner Gitarre einzelne Songs (Two Hearts, The River, Independence Day, Point Blank, Wreck on the Highway) an.

Im Vergleich zu den aufwändigen Dokus 'Wings of Wheels' zum BTR-Album oder 'The Promise' zur Entstehung von 'Darkness on the Edge of Town' fällt diese hier aber dann doch deutlich ab. Wirkt zum Teil fast ein bisschen langweilig, was auch daran liegt, dass außer Bruce keiner zur Sprache kommt. Zumindest Stevie's Meinung zu manchen Punkten hätten mich doch sehr interessiert, denn er hatte doch sehr maßgeblichen Einfluss auf die Arrangements und war ja auch als Produzent beteiligt. Hier hatte ich dann doch etwas mehr erwartet. Der Doku mangelt es auch an wirklich neuen Erkenntnissen. Dass das Album weitestgehend live eingespielt wurde, um endlich die Live-Atmosphäre auch auf die Studioaufnahmen zu bekommen, war in Fankreisen ja bereits bekannt. Immerhin erfährt man, dass Bruce heute denkt, er hätte 'Roulette' an Stelle von 'Crush on You' auf das Doppelalbum packen sollen. Ja, da hat er zweifelsohne Recht :-). 3 Sterne für die Doku.

P. S. Die BluRay hat Untertitel inkl. deutsch.

6. Live-Konzert
Höhepunkt neben den Outtakes ist ganz klar dieser Live-Mitschnitt vom November 1980 aus Tempe, Arizona. Jeder Springsteen-Fan weiß: Live ist Bruce am besten, live entfalten sich all seine Songs erst so richtig! Für viele Fans der ersten Stunde gilt darüber hinaus die River-Tour zusammen mit der Darkness-Tour zu den besten Bruce-Touren aller Zeiten. Zumindest gesanglich war Bruce in der Zeit von 1980 bis 1988 m. E. auf seinem Höhepunkt. Das Konzert hier in Tempe der River-Tour belegt dies eindrucksvoll. In diesem Mitschnitt kommt die gesamte Power des größten Live-Entertainers unserer Zeit voll zur Geltung. Springsteen war damals 30 Jahre jung und so voller Energie, dass man kaum glauben mag, dass er nicht unter Drogen stand. Wie Bruce hier über die Bühne sprintet, auf die Boxen klettert, das grenzt an Hochleistungssport.

Jeder, der die Live-DVDs von New York 2000, Barcelona 2002 und London Hyde Park 2009 kennt, weiß, dass seine Konzerte auch heute kaum weniger energiegeladen sind, aber im direkten Vergleich zu 1980 muss man dann doch eingestehen, dass auch ein ewig jugendlich erscheinender, mittlerweile über 65 Jahre alter Bruce Springsteen die bio- und gerontologischen Alterungsprozesse nicht vollkommen außer Kraft setzen kann ;-). Eigentlich rechtfertigt alleine dieser Konzertmitschnitt den Kauf der Box.

Leider musste das Konzert jedoch um einige Songs von rund 3,5 Stunden auf 2:35 gekürzt werden, da das Konzert nicht durchgehend gefilmt wurde und somit von einigen Songs keine Filmaufnahmen existieren. Das ist natürlich extrem bedauerlich, zumal es sich um (vor allem langsamere) Songs handelt, von denen es auch ansonsten oft keine offiziellen Live-Aufnahmen gibt. Thom Zimny hat erklärt, dass es damals schlicht und einfach nicht vorgesehen war, dass Konzerte irgendwann einmal komplett veröffentlicht werden könnten. Die Filmaufnahmen dienten seinerzeit eher Werbezwecken. Aber anstatt zu bedauern, was man nicht bekommt, sollte man sich vielleicht doch eher an dem erfreuen, was man hier geboten bekommt:

Hier die gesamte Setlist vom Konzert am 5. November 1980 und die Songs, auf die man leider verzichten muss:
Born to Run
Prove it All Night
Tenth Avenue Freeze-Out
Darkness on the Edge of Town (fehlt)
Independence Day (fehlt)
Factory (fehlt)
Jackson Cage
Two Hearts
The Promised Land
Out in the Street
Racing in the The Street (fehlt)
The River
Badlands
Thunder Road
No Money Down
Cadillac Ranch
Hungry Heart
Fire
Candy's Room (fehlt)
Sherry Darling
I Wanna Marry You
The Ties That Bind (fehlt)
Stolen Car (fehlt)
Wreck on the Highway (fehlt)
Point Blank (fehlt)
Crush on You
Ramrod
You can Look
Drive all Night
Backstreets (fehlt)
Rosalita
I'm a Rocker
Jungleland
Detroit Medley

Auch ohne die fehlenden Songs ist das ein hervorragender Konzertmitschnitt und sowohl vom Bild wie auch vom Sound her absolut top, vor allem wenn man bedenkt, dass das Konzert gerade einmal von vier Kameras aufgefangen wurde. Somit bleiben dem Zuschauer die bei Konzertmitschnitten neueren Datums üblichen kurzen und hektischen Schnitte erspart.

Bleibt nur zu hoffen, dass dieses Live-Konzert auch noch als CD erscheint und wer weiß, vielleicht existieren ja zumindest die Audiospuren von den fehlenden Songs? Es wäre natürlich auch denkbar und wünschenswert gewesen, wenn sie eine solche CD des Live-Konzerts gleich mit in die Box gepackt hätten. Aber man kann ja nicht alles haben ;-).

Nachtrag 6.1.2016: Seit dem 24.12.2015 gibt es die 10 fehlenden Songs als kostenlosen Download in hervorragender Sound-Qualität auf der Homepage von Bruce Springsteen. Mit ein wenig Geschick und den richtigen Programmen lässt sich die Audiospur der DVD/BluRay extrahieren und man erhält die bislang m. E. beste Live-Aufnahme von Bruce Springsteen.

Dafür gibt es als Bonus noch Filmaufnahmen von einigen Songs von den Proben zur Tour, die ich allerdings noch nicht gesehen und daher bewerten kann.

Insgesamt muss man dieser Live-Aufnahme ebenfalls 5 Sterne geben.

7. Coffee-table-Book (kannte diesen Begriff vorher ehrlich gesagt noch gar nicht ' )
Auch hier kann man nur sagen: Wow! Allein dieses sehr liebevoll gemachte Buch mit zahlreichen bisher unveröffentlichten Fotos (und auch etwas Text) rechtfertigt den auf den ersten Blick hohen Boxset-Preis. Die Frage ist natürlich, wie oft man sich ein solches Bilderbuch anschaut, dennoch, sehr schön gemacht, für Fans eben: 4 Sterne!

8. Text-Sheet (Composition Book)
Wie schon in dem letzten Boxset zu DOTEOT gibt es auch wieder ein diesmal als Heft aufbereitetes Textsheet, in dem Kopien aus dem Notebook originalgetreu abgebildet sind. Das ist auch diesmal wieder sehr gelungen, auch wenn die Infos zu der Entstehung der einzelnen Songs wie bei DOTEOT diesmal fehlen. Leider fehlen zudem sämtliche Credits und Infos zu den Aufnahmen der Songs.

Unverständlich ist zudem, weshalb die Lyrics der bereits bekannten Songs vom River-Album nicht abgedruckt sind. Die Texte, die der Collection-Box aus dem vergangenen Jahr beigelegt waren, sind so unleserlich klein, dass sie nicht zu benutzen sind.

9. Preis-Leistungsverhältnis
Natürlich sind 100 Euro eine Menge Geld, aber man erhält auch einiges dafür. Man schaue sich nur mal Boxsets anderer Künstler an, in denen häufig weniger drin ist und die mindestens genauso teuer sind. Aus meiner Sicht ist das Preis-Leistungsverhältnis noch angemessen! Aber wie oben bereits erwähnt, solche Boxsets sind für Fans und kein Massenprodukt. Und wer sich das gute Teil nicht leisten kann oder möchte, kann sich diese ja auch bequem und deutlich günstiger als MP3 downloaden, jedoch sind 50 Euro nur für die 52 MP3-Songs dann schon wieder unverhältnismäßig teuer. Dass die neuen Songs nicht individuell heruntergeladen und gekauft werden können (mit Ausnahme von Meet me in the City und Party Lights) ist absolut unverständlich.

10. Fazit
Ein weiteres sehr schönes Boxset von Bruce Springsteen. Allerdings wäre noch mehr drin gewesen, vor allem eine Live-CD "fehlt", zumal es von Bruce Springsteen grundsätzlich relativ wenige Live-CDs gibt (abgesehen von den Live-Downloads natürlich) und man gewinnt ein bisschen den Eindruck, dass einige Outtakes bewusst weiter zurückgehalten wurden, vielleicht für ein 'Tracks-2'-Boxset?

Bleibt aber zu hoffen, dass es auch zum Nebraska-, Born in the USA- und Tunnel-of-Love-Album ähnliche Boxsets geben wird und dass wir nicht wieder 5 Jahre bis zur nächsten Box warten müssen.
Kommentar Kommentare (20) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 20, 2016 7:53 PM MEST


Echo
Echo
Preis: EUR 7,48

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eines der besten Alben von Tom Petty, 28. November 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Echo (Audio CD)
Für mich ist das nach "Wildflowers" das beste Tom Petty-Album überhaupt. Ich kann einige der Bewertungen hier absolut nicht nachvollziehen. Sowohl die gewohnt rustikale Produktion von Rick Rubin als auch die Qualität der Songs können vollends überzeugen. Hier gibt es unter den 15 Songs keinen einzigen Füller und selbst die rockigeren Songs wie About to give out oder I don't wanna fight und vor allem Free Girl sind sehr gelungen. Es gibt kein einziges TP-Album, ja nicht einmal "Wildflowers", das so ausgewogen ist wie dieses hier. Vielleicht fehlt der ganz große Hit, obwohl Songs wie "Swinging", "Room at the Top", "Accused of Love" und "This one's for me" es verdient hätten, von mehr Menschen gehört zu werden.

Großartiges Album, das ich mir immer wieder gerne von vorne bis hinten durchhöre.


Jason Isbell and the 400 Unit
Jason Isbell and the 400 Unit
Preis: EUR 9,69

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gutes Debut als Solo-Künstler, 22. November 2015
Rezension bezieht sich auf: Jason Isbell and the 400 Unit (Audio CD)
Das erste Album von Jason Isbell ohne seine Bandmates von den Drive-by-Truckers kommt zwar nicht ganz heran an die späteren Meisterwerke, vor allem nicht an "Southeastern" von 2013 oder "Something more than free" (2015). Dennoch sind auch hier bereits einige großartige Songs enthalten, die allesamt aber mehr an die Drive-by-Truckers erinnern als an die countrytesken Songs, die Jason Isbell zu einem der größten Songwritern unserer Zeit machen sollten.

Dementsprechend rockt es auf diesem Werk auch deutlich mehr, vor allem "Good" geht ordentlich ab oder auch "However Long" und das tolle "Soldiers get Strange". Lediglich "When my Baby's besinde me" klingt mir ein wenig zu sehr nach Ryan Adams, ist aber dennoch mehr als nur ein Füller. Obwohl mir insgesamt der Folk- und Country-Jason Isbell mehr zusagt, will ich auch diese Songs nicht missen, zumal Jason Isbell auch wunderbare Rocksongs wie die Genannten schreiben kann und immer wieder Melodiebögen herbeizaubert, die gut im Ohr bleiben.

Ganz ohne Country und Folk kommt aber auch diese Scheibe nicht aus, als da wären so fantastische Songs wie "Streetlights" oder das sehr ruhige "Cigarettes and Wine". Mein persönlicher Favorit ist aber die bluesig-sanfte Ballade "The Blue" mit einem Gitarrenpicking, das Seinesgleichen sucht. Mit "Coda" gibt es zudem ein nettes Instrumental. Eine Klavierballade, die ebenfalls überzeugen kann, gibt es mit "No Choice in the Matter".

Als Bonustracks gibt es noch drei Akustikversionen. Insgesamt ein gutes, streckenweise auch sehr gutes Album, das an der einen oder anderen Stelle die Genialität des Songwriters Jason Isbell aufblitzen lässt. Insgesamt 4 bis 4,5 Sterne gibt es dafür von mir.


Turnpike Troubadours
Turnpike Troubadours
Preis: EUR 17,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das bisher beste Album der Troubadours aus Oklahoma, 30. Oktober 2015
Rezension bezieht sich auf: Turnpike Troubadours (Audio CD)
Das vierte Album der Turnpike Troubadours ist für meinen Geschmack auch deren bestes. Natürlich waren Diamondes & Gasoline (2010) und Goodbye Normal Street (2012) hervorragende Alben. Auch das Debüt "Bossier City", das ja leider nicht mehr zu bekommen ist, ist ein gutes Album. Aber dieses neue Album vereint tatsächlich das Beste all ihrer bisherigen Alben, was auch daran liegt, dass auf dem schlicht Turnpike Troubadours betitelten Album sich die beiden besten Songs des Debüts wiederfinden und lediglich neu aufgenommen wurden: "Bossier City" und "Easton & Main". Ich habe das Album über die Website der Troubadours bestellt und da gab es als Bonus den Download des ersten Albums gratis dazu und somit kann ich guten Wissens behaupten, dass die Neuaufnahmen dieser Songs noch einen Tick besser sind.

Kennzeichnend für die TT war und ist immer die treibende Violine. Dieses von Kyle Nix gespielte Instrument ist auch das erste, das man auf diesem Album zu hören bekommt, wenn es mit dem grandiosen Opener "The Bird Hunters" losgeht. Als Hauptsongschreiber zeichnet sich wieder Sänger Evan Felker verantwortlich, der es schafft, intelligente Texte über alltägliche Themen mit unwiderstehlichen Melodien zu verbinden. Mit "Doreen" gibt es diesmal auch ein sehr schönes Cover von den Old 97s. Ansonsten stammen die Songs aus der Feder von Felker oder dem Bassisten RC Edwards und diversen Co-Writern.

Einzelne Höhepunkte herauszupicken ist fast nicht möglich, da ein Song schöner und besser ist als der andere. Besonders gut gefällt mir "Ringing in the Year", ein Song, der bei offenem Fenster im Auto gehört werden will, am besten unterwegs auf einem Highway oder Interstate in Texas, Oklahoma oder sonst irgendeinem dieser menschenleeren Staaten der USA. Oder auch das akustisch gehaltene traumhaft schöne "A little Song". Bei Songs wie "7 Oaks" kann selbst ich als ausgewiesener Tanzmuffel kaum die Füße stillhalten. Das ist abwechslungsreiche, wunderbare Country-Musik, weit entfernt vom üblichen Mainstream-Country. Auch die Produktion mit vielen Saiteninstrumenten ohne überflüssigen Firlefanz weiß zu überzeugen. Nicht einmal ein Keyboard ist zu hören, staubtrocken wie die Hügel in Oklahoma kommt auch die Produktion daher.

Das Album ist knapp 45 Minuten lang und verpackt in einer künstlerisch gestalteten Papphülle. Die Aufmachung des Booklets verdient besondere Erwähnung, weil es gelungen ist, die Atmosphäre des Albums auch mit den gezeichneten Abbildungen im Booklet aufzufangen. Das Booklet enthält zudem alle Texte. Weshalb die Texte der Songs aber in einer anderen Reihenfolge im Booklet abgedruckt sind als sie auf dem Album erscheinen, bleibt ein Geheimnis der Band bzw. des Managements.

Jetzt müsste es nur noch gelingen, diese Band mal für Live-Auftritte nach Deutschland zu lotsen, denn was man so im Internet zu sehen bekommt, zeichnet sich die Band eben auch durch ihre famosen Live-Auftritte aus.

In den USA ist das Album seit Erscheinen Mitte September ganz weit oben in den Country-Charts - völlig zu Recht!


Outsiders
Outsiders
Preis: EUR 7,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nicht schlecht, aber kommt nicht an New York Before The War ran, 24. Oktober 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Outsiders (MP3-Download)
Das zweite Album in diesem Jahr von Jesse Malin. Er will es wohl seinem alten Kumpel Ryan Adams nachmachen, der ähnlich produktiv war/ist. Aber auch bei Jesse Malin ist das Problem, dass Quantität nicht immer gleich mit Qualität einhergeht. "Outsiders" ist kein schlechtes Album, aber im Gegensatz zu NY before the War sind hier eben doch einige verzichtbare Füller zu verzeichnen. Allerdings befindet sich auf "Outsiders" der vielleicht beste Song (mit dem wohl sperrigsten Titel), den JM je gemacht hat: "You know it's dark when the atheist starts to pray"! Dieser Song - im New Orleans-Sound - alleine rechtfertigt eigentlich schon den Kauf des Albums.

Auch der Titeltrack und "San Francisco" können überzeugen, wenn auch "San Francisco" so aprupt endet, dass ich erst dachte, es liegt ein Fehler des Downloads vor. "Here's the Situation" ist quasi das Pendant zu "Turn up the Mains" vom Vorgängeralbum, geht mächtig ab. Im Repertoire von JM befinden sich ja einige dieser Rocksongs wie die beiden genannten, die mir allerdings allesamt nicht so zusagen.

"Society Sally" kann mich auch nicht recht überzeugen, hört sich in der Tat wie ein Outtake von NY before the War an. Die Bläser machen den Song zwar durchaus interessant, aber er will bei mir nicht so recht zünden. Ähnlich verhält es sich mit "Edward Hopper" (erinnert etwas an "She Don't Know Me Now") und der Barrocker "Whitestone City Limits". Bitte nicht falsch verstehen, die Songs sind nicht wirklich schlecht, können m. E. aber nicht ganz mithalten mit den superben Songs auf NY.

Richtig stark ist dann wieder das akustisch gehaltene "Stay Free". Das ist der Jesse Malin, wie er mir am besten gefällt. Der Song hätte auch bestens auf NY gepasst. "The Hustlers" ist dagegen ein belangloser Füller, irgendwo zwischen den Talking Heads und Lou Reed, aber für mich absolut verzichtbar. Und dann sind wir auch schon beim letzten Drittel des Albums angelangt, wo es nochmal richtig gut wird. "All Bets are Off" ist wieder sehr schön und im Stile eines "Stay Free". Ein weiteres Highlight ist "In the Summer", bevor das bereits erwähnte "Atheist" das Album beendet - wenn da nicht noch der Bonustrack "Good Times" wäre, den ich auch zu den Höhepunkten zählen würde.

Somit komme ich auf 5 bis 6 gute bis sehr gute Songs und mindestens 5 Songs, auf die ich verzichten könnte. Macht insgesamt gute 3 oder 3,5 Sterne, weil der Gesamteindruck des Albums eben nicht vollends überzeugen kann. Zum Booklet kann ich diesmal nichts sagen, da ich mir nur den Download gekauft habe.


See What You Started By Contin
See What You Started By Contin
Preis: EUR 19,60

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Rockig wie lange nicht mehr! Typischer Collective Soul-Sound, 24. Oktober 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: See What You Started By Contin (Audio CD)
Über 5 Jahre haben sich Ed Roland und seine Jungs Zeit gelassen für ihr neuestes Album. Zwischendurch gab es das sehr nette Solo-Projekt Sweet Tea. Aber jetzt sind sie zurück, Collective Soul wie man sie kennt und wie sie in den USA zu Superstars geworden sind. In Deutschland nahezu unbekannt und dieses Album gibt es zudem nur als Import, nicht einmal eine Download-Version ist zu haben. Für mich nach wie vor unverständlich, wie CS den europäischen Markt seit jeher völlig vernachlässigen bzw. mittlerweile offenbar vollkommen ignorieren. Seit ihrem Debut 1994 mit dem auch hier in Deutschland in gewissen Kreisen sogar bekannten Mini-Hit "Shine" verfolge ich die Band aus Georgia. Sie haben ihren ganz eigenen Pop-Grunge-Sound entwickelt, der sie einfach unverkennbar macht.

Mit dem 2000er Album "Blender" haben CS eine etwas andere, softere Richtung eingeschlagen und mehr auf den Mainstream geschielt. Danach folgten allesamt großartige Alben. Ich könnte gar nicht sagen, welches das beste Album ist, vielleicht das 2009er Werk "Rabbit". Mit dem neuen Werk, das ich hier einfach mal abkürzen will mit SWYSBC, kehren die Brüder Roland mit ihrem neuen Gitarristen Jesse Triplett zurück zu ihren rockigeren Wurzeln aus den 90ern. Es sind wieder deutlich mehr Gitarren zu hören als zuletzt, auch wenn die letzten Alben bestimmt nicht zu poppig waren. Aber hier werden einem die Gitarrenriffs nur so um die Ohren gehauen, bestes Beispiel Titel Nr. 6 Contagious oder Hurricane. Und trotzdem ist es wie immer bei CS: Die Songs fangen oft ruppig, schräg an und zum Refrain hin entwickeln sich zuckersüße Melodien, wie sie nur ein Ed Roland hinbekommt.

Dass auch die sanfteren Songs auf einem CS-Album nie fehlen dürfen, zeigt sich auch hier. Da wäre zum Beispiel AYTA, ein wunderschöner Song, auch hier deutlich die Gitarren zu hören, trotzdem eher eine Ballade, ohne auch nur ansatzweise schnulzig zu klingen. Oder das grandiose Without Me zum Schluss, das fast gospelartig daherkommt. Nicht zu vergessen, das unglaublich gefühlvolle Tradition mit Sprechgesang.

Collective Soul erfinden sich natürlich auch mit diesem Album nicht neu. Nach drei Takten weiß man, mit wem man es hier zu tun hat, was auch an der markanten Stimme von Ed Roland liegt. Man kann das kritisieren, viele der Songs hat man so oder ähnlich von CS schon oft gehört und dennoch macht es einen Riesenspaß, der Band beim Rocken zuzuhören, was eben auch an diesen Ohrwurmmelodien fast aller Songs liegen dürfte.

Mit Ausnahme des letzten Songs sind alle Songs zwischen 3 und unter 4 Minuten lang, was dazu führt, dass das Album mit 38 Minuten leider etwas kurz geraten ist. Dafür gibt es aber auch auf diesem Album wiederum keinen einzigen Hänger.

Alle, die gitarrenlastigen melodischen Rock mögen, sollten in diese Scheibe reinhören. CS-Fans werden sicherlich nicht enttäuscht sein. Auf der US-Seite von Amazon hat das Album bereits 50 (!!!) Rezensionen und eine Durchschnittsbewertung von 4,6. Das dürfte Beleg genug sein, auch ungehört zuzugreifen.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 21, 2015 11:04 PM CET


Something More Than Free
Something More Than Free
Preis: EUR 16,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Weiteres phantastisches Album, 18. Oktober 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Something More Than Free (Audio CD)
Nachdem bereits das Vorgängeralbum 'Southeastern' in zahlreichen Jahresbestenlisten von 2013 ganz oben gelistet wurde, ist für das neue Album 'Something more than free' von Jason Isbell Gleiches zu erwarten. Der aus Alabama stammende Singer/Songwriter, der vor rund 8 Jahren bei den Drive-by-Truckers ausgestiegen ist (oder aufgrund seiner mittlerweile überwundenen Alkoholsucht gefeuert wurde), legt mit seinem fünften Solo-Werk ein sehr reifes Album vor. Hatte man auf den ersten vier Alben das Gefühl, als suche Jason Isbell noch nach seinem eigenen Stil, so scheint er diesen numehr endgültig gefunden zu haben. Die Drive-by-Truckers-typischen Rocksongs, die auf den ersten drei Solo-Alben immer noch zu finden waren, sind nunmehr fast vollständig den eher country- und folklastigen und meist akustisch gehaltenen Songs gewichen. Einzig 'Palmetto Rose' erinnert noch entfernt ein wenig an stürmische Drive-by-Truckers Zeiten.

Aber der Reihe nach. Es geht los mit dem stark nach den Allman Brothers klingenden 'If it takes a Lifetime' - die Südstaaten, zu denen Alabama ja auch zählt, sind deutlich herauszuhören. Wunderbarer Opener, den die besagten Allman Brothers oder Lynyrd Skynyrd auch nicht besser hinbekommen hätten. Mit '24 Frames' folgt sicherlich der (kommerzielle) Höhepunkt des Albums. Wenn es ein Song dieses Albums jemals in irgendwelche Charts schaffen sollte, dann sicherlich '24 Frames' mit dieser unwiderstehlichen Ohrwurmmelodie, der sich niemand entziehen kann. Fast schon ein Pop-Song.

Mit 'Flagship' wird es erstmals sehr ruhig und akustisch. Nur von einer akustischen Gitarre und sanften Keyboards begleitet, erzählt Jason Isbell eine seiner Geschichten. Hier hört man auch seine musikalische Nähe zu Ryan Adams, denn der Song könnte durchaus auch von ihm stammen.

Das Tempo zieht leicht an bei 'How to Forget', dennoch dominieren auch hier akustische Instrumente. Im Background wird Jason Isbell von seiner Frau Amanda Shires begleitet, die während der Aufnahmen hochschwanger war (nicht, dass man das hören würde :-) ). Fulminanter Song.
In 'Children of Children' erzählt Jason Isbell sehr persönlich, wie sich seine Eltern wohl gefühlt haben müssen, als er - Jason - zur Welt kam, denn seine Eltern waren da selbst erst 17 Jahre alt und damit fast selbst noch Kinder. Er entschuldigt sich fast dafür, dass er ihnen mit seiner Geburt die Jugend geraubt hat: 'All the years I took from them just for being born.' Musikalisch ebenfalls eher ruhig, aber mit Streichern unterlegt und schönem, 2-minütigem instrumentalen Outro und tollem E-Gitarren-Solo. Erinnert mich entfernt an 'Devils Arcade' von Bruce Springsteen.

'The Life you chose' wiederum erinnert stark an David Gray, dem großartigen britischen Singer/Songwriter. Auch dieser Track besticht durch seine schöne Melodie, mehr Pop als Country oder Folk, aber nicht minder großartig.

Der Titeltrack 'Something more than free' setzt nahtlos an, akustischer Country-Song, aber angenehm weit weg vom Mainstream-Country-Pop, den uns die Taylor Swifts oder andere Mega-Acts aus Nashville derzeit so um die Ohren hauen. 'Speed Trap Town' könnte glatt von Bruce Springsteen's 'Nebraska'-Album stammen. Nur Jason Isbells angenehme Stimme, begleitet von einer akustischen Klampfe. Erst zum Ende hin kommt eine verzerrende E-Gitarre zum Einsatz. Eine weitere schöne, in sich abgeschlossene Geschichte, phantastischer Song!

Wenn bei 'Hudson Commodore' nach knapp einer Minute der Background-Gesang einsetzt, glaubt man, einen bisher unveröffentlichten Song der Eagles zu hören, um sich dann auch als ausgewiesener Fan der Eagles eingestehen zu müssen, dass die Eagles seit den 70ern nicht mehr solch einen starken Song geschrieben haben. Es ist schwer, bei durchgehend superben Songs einen Favoriten auszumachen, aber ich entscheide mich mal für diesen.

Um die Sklaverei im Civil War geht es bei dem Südstaaten-Blues-Rocker 'Palmetto Rose'. Obwohl der Song aus dem etwas ruhigen Gesamtrahmen des Albums fällt, bietet er eine willkommene Abwechslung. Das Songwriting überzeugt auch hier mit einer im Chorus wiederum starken Melodie und einer traumhaften Bridge nach 3 Minuten. Hier kann auch die Begleitband '400 Unit' mal richtig glänzen. Furioser Song, der erst nach mehrmaligem Hören so richtig zündet. Abschließend wird es wieder ruhiger mit 'To a Band that I loved'. Ein fulminanter Closer eines durch und durch perfekten Albums.

Jason Isbell war mir bis vor Kurzem noch weitestgehend unbekannt. Mittlerweile habe ich mir alles zugelegt, was Jason Isbell bis dato herausgebracht hat. Alle seine Solo-Alben sind großartig, ganz besonders zu empfehlen ist auch das Live-Album 'Live in Alabama', auf dem es auch die besten Jason Isbell-Songs aus Drive-by-Truckers-Zeiten in phenomenalen Versionen zu hören gibt ('Outfit', 'Decoration Day', 'Goddamn Lonely Love' und weitere).

Genauso muss Americana-Musik klingen. Durch und durch ehrliche Musik, akustisch instrumentiert, interessante, bisweilen sehr persönliche Texte, die den Zuhörer geradezu dazu auffordern, mal etwas genauer hinzuhören und eine Stimme, die jederzeit angenehm, spannend und vor allem sehr gefühlvoll ist.

Für mich die ' zugegeben verspätete ' Entdeckung des Jahres und 'Something more than free' das bisher beste Album des Jahres 2015 und ich wage zu prognostizieren, dass es in den üblichen Jahresbestenlisten wieder ganz oben zu finden sein wird ' zu Recht!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 19, 2015 10:34 PM MEST


Live from Alabama
Live from Alabama
Preis: EUR 14,91

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eines der besten Live-Alben aus dem Americana-Genre, 19. September 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Live from Alabama (Audio CD)
Der begnadete Singer/Songwriter und ehemalige Drive-by-Truckers Jason Isbell legt mit diesem Live-Mitschnitt in seinem Heimatstaat Alabama eines der besten Live-Alben überhaupt vor. Genau so muss ein Live-Album klingen. Hervorragend abgemischt, das Publikum dezent im Hintergrund, im Vordergrund stehen dagegen die glasklare Stimme von Jason Isbell sowie die Gitarre(n). Ein einziges Klang- und Musikerlebnis, leider "nur" 72 Minuten lang.

Zum Zeitpunkt der Aufnahme hatte Jason bereits drei Solo-Alben veröffentlicht bzw. mit seiner Begleitband 400 Unit. Die Setlist wird daher auch von Songs dieser drei Alben bestimmt. Ergänzt wird das Set durch die großartigen JI-Kompositionen aus seiner Drive-By-Truckers-Ära. Hervorzuheben ist hierbei vor allem das phänomenale Goddamn Lonely Love, das mir in dieser Version und durch den Einsatz von Bläsern regelrecht Schauer über den Rücken laufen lässt, wie ich es sonst nur von Bruce Springsteen's Backstreets her kenne. Nicht minder großartig ist Outfit oder auch das 8-minütige Danko/Manuel. Alle Songs klingen in diesem Live-Setting nochmals genialer als die Studioaufnahmen, was vor allem an den Bläsern liegen dürfte. Auch Decoration Day gewinnt deutlich in der Live-Version. Mit Heart of Strings gibt es noch ein mir bis dato unbekanntes Cover, das aber ebenfalls gut hier reinpasst. Abschließend präsentiert JI seine Version von Neil Young's Like a Hurricane und da mir der Song eigentlich immer schon gefallen hat, die Stimme von Neil Young dagegen nicht so mein Ding ist, resultiert hieraus ein weiteres Highlight des Albums. Hervorzuheben sind auch die dezenten, gefühlvoll vorgetragenen Country-Songs wie In a Razor Town, Alabama Pines oder Cigarettes and Wine.

Es bleibt zu hoffen, dass Jason Isbell bald ein weiteres Live-Album nachschiebt, das dann auch die Songs seiner letzten beiden hervorragenden Alben "Southeastern" und "Something more than free" enthält.

Absolute Kaufempfehlung des derzeit wohl besten Singer/Songwriters aus der Americana-Szene.


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