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Rezensionen verfasst von
Tramp69 (The Promised Land)

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The Nashville Sound
The Nashville Sound
Preis: EUR 16,99

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen The Alabama Sound: 10 neue Country-Rock-Perlen vom derzeit besten Singer/Songwriter, 16. Juni 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Nashville Sound (Audio CD)
Nein, der letzte seiner Art – The Last of my Kind – ist Jason Isbell sicherlich nicht. Aber einer der besten seiner Art – Singer/Songwriter – ist er mit großer Sicherheit. Das beweist er einmal mehr mit seinem neuesten Album „The Nashville Sound“, dem mittlerweile sechsten Solo-Album nach seinem Rausschmiss bei den Drive by Truckers. Es war das meinerseits am stärksten herbeigesehnte Album dieses Jahres.

Dementsprechend hoch waren die Erwartungen. Meist ist es ja so, dass man eher enttäuscht wird, wenn die Erwartungen so groß sind. Um das Fazit vorwegzunehmen: Meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt! „The Nashville Sound“ reiht sich unmittelbar ein in die fünf bereits großartigen Alben, die uns dieser Singer/Songwriter bereits geschenkt hat und steht diesen in nichts nach.

Jason Isbell stammt zwar aus Alabama, ist aber vor einiger Zeit ins Country-Musik-Mekka nach Nashville gezogen und wohnt dort zurückgezogen mit seiner nicht minder großartigen Frau und Musikerin Amanda Shires sowie der knapp zweijährigen Tochter. Um ihn herum wohnen zahlreiche Superstars der Countrymusik, die viel mehr im Rampenlicht stehen als er, wie er kürzlich in einem Interview erzählt hat. Und das ist ihm auch sehr Recht. Die wilden Drive-by-Truckers-Zeiten mit zu oft zu viel Alkohol und Kokain scheinen endgültig vorbei zu sein. Dort in der Abgeschiedenheit von Tennessee findet er die nötige Ruhe, um an seinen Songs zu feilen. Und das Ergebnis kann sich wahrlich hören lassen.

Erstmals seit dem 2011er Album „Here We Rest“ hat er auch wieder seine Begleitband „The 400 Unit“ dabei (obwohl die auch auf den anderen Alben mit von der Partie waren, aber nicht explizit erwähnt wurden), was gleichbedeutend ist, dass das Album zum Teil wieder sehr viel rockiger geworden ist als die beiden letzten Folk/Country-Alben „Southeastern“ und „Something More Than Free“. Songs wie das fast 7-minütige, gemeinsam mit Amanda Shires geschriebene „Anxiety“ oder „Cumberland Gap“ klingen wie auf seinem Erstlingswerk „Sirens in the Ditch“.

Doch den Opener bildet das an John Prine – einem seiner größten Fans, dem Isbell in den Credits zudem dankt – erinnernde, nur mit akustischer Gitarre und etwas Fiddel begleitete „The Last of my Kind“. Amanda Shires singt sanft im Background und man denkt, ob das vielleicht ein Hiddentrack von „Southeastern“ ist, der bisher unentdeckt geblieben ist. Ein wunderbarer Einstieg in das rund 40-minütige Werk. Doch gleich im Anschluss kommt das schon erwähnte rockige „Cumberland Gap“. Ohne große Melodien macht es Jason Isbell auch diesmal nicht und deshalb begeistert auch dieser Song.

„Tupelo“ – eine Kleinstadt in Mississippi – ist ein lupenreiner, nostalgisch anmutender Country-Song, wie er schöner kaum sein kann. Unter den Country-Songs auf „The Nashville Sound“ wird „Tupelo“ nur noch von meinem Lieblingssong auf diesem Album – dem Closer „Something to Love“ übertroffen. Die Lässigkeit, die dieser Song versprüht, ähnlich wie „Tour of Duty“ auf „Here we Rest“, das schafft derzeit nur Jason Isbell. Wie er sehr persönlich erzählt, wie er früher als Kind mit seiner Familie auf der Veranda gesessen hat, die Erwachsenen Winston Light geraucht haben und sie ihm die Akkorde beigebracht haben, das ist so wunderbar nostalgisch und romantisch, wie auch der Rest des Textes. Wie es sich für einen richtigen Country-Song gehört, gibt's hier akustische Gitarren und eine Fiddel zu hören. Und Amanda Shires darf auch hier nicht fehlen. Ein wunderbarer optmistischer Album-Closer.

Wenn wir gerade bei den persönlichen Texten und Country- bzw. Folksongs sind, muss hier auch unbedingt „If we were Vampires“ lobend erwähnt werden. Dieser ebenfalls im Stile der letzten beiden Alben akustisch gehaltene Songs beschreibt in absolut poetischen Zeilen die Beziehung zweier Menschen, die möglichst ein Leben lang halten sollte, bis halt irgendwann einer von beiden nicht mehr da sein wird. Jason singt hier mit Amanda so gefühlvoll dieses Liebeslied, dass man den beiden einfach abnehmen muss, dass sie miteinander gerade eine sehr glückliche Zeit verbringen und ihnen zu wünschen ist, dass es immer so bleibt. Von den Lyrics her einer der besten Songs, die Jason Isbell je geschrieben hat.

Auch „Molotov“ ist musikalisch eher den letzten beiden Alben zuzuordnen. Ein weiterer wunderbarer countrytesker Song. Genau wie auch „Chaos and Clothes“, das beim ersten Hören etwas befremdlich geklungen hat. Singt hier gar ein anderer? Nein, auch das ist Jason Isbell und beweist seine Vielseitigkeit. Klasse Song!

Komme ich zu den rockigen Songs. Nach dem bereits erwähnten „Cumberland Gap“ wäre hier der stark politisch geprägte Blues-Song „White Man's World“ zu nennen. Hier lohnt es sich, wie allerdings immer bei JI, auf den Text zu hören. Für einen Südstaatler nimmt Jason Isbell hier erstaunlich klar Stellung gegen den nach wie vor vorherrschenden Rassismus in den USA und vor allem in den Südstaaten. Als bekennender Trump-Gegner bekommt er für solch einen Song in dieser eh schon aufgeladenen Stimmung in den USA heftigen Gegenwind auch aus dem eigenen Fan-Lager. Aber nicht nur textlich überzeugt dieser Song, auch musikalisch.

Schließlich haben wir da noch „Hope the High Road“. Die erste "Hit-Single", wenn man den Begriff "Hit" im Zusammenhang mit derartiger Musik überhaupt verwenden kann. Auch dieser Song klingt eher wie ein Song der ersten drei Alben. Klasse Gitarren, tolle Melodie, guter Text, also die üblichen Zutaten eines perfekten Jason Isbell-Songs.

Bei „The Nashville Sound“ stimmt einmal mehr alles: Songwriting, Melodien, Texte, Produktion, Abwechslungsreich, Stimme, Gefühl. Für jeden einzelnen Punkt gibt es von mir volle Punktzahl. Das einzige, was es zu kritisieren gibt: Das Album ist leider nach 10 Songs und „nur“ 40 Minuten zu Ende. Die CD enthält ein Booklet mit sämtlichen Texten, wenn auch wiederum sehr klein abgedruckt. Wartet nur ab, Ihr kommt alle auch noch in das Alter, wenn Euch das Lesen solch kleiner Schriften schwerer fallen wird! :-)

Jason Isbell ist nicht nur für mich der derzeit talentierteste Singer/Songwriter, ein echter Poet, den es im Bereich der Americana-Musik gibt. Der Meinung sind übrigens auch Kris Kristofferson und John Prine und viele andere.

Im Herbst kommen Jason Isbell mit der 400 Unit und hoffentlich auch mit Amanda Shires nach Deutschland auf Tour. Im Vorprogramm spielt keine geringere als die großartige Tift Merrit. Ein wunderbarer Konzertabend steht bevor. Ich habe meine Tickets bereits gesichert. Jeder, der auf richtig gute Americana-Country-Rock-Folk-Musik steht, darf sich das nicht entgehen lassen.


The Last Rider
The Last Rider
Preis: EUR 12,49

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die (Musik)Welt ist ungerecht, 3. Juni 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Last Rider (Audio CD)
Es ist sicherlich keine neue Erkenntnis: Die Welt ist ungerecht – und die Musikwelt erst Recht!

Da muss ein begnadeter kanadischer Songwriter, 53 Jahre alt, der seit 20 Jahren ein musikalisches Meisterwerk nach dem anderen herausbringt seine Doppelhaushälfte in Toronto, Kanada, verlassen, weil er sich die teure Miete nicht mehr leisten kann. Neue Alben will er vorerst auch nicht mehr aufnehmen, da es zu entmutigend sei, wenn kaum einer Notiz vom Erscheinen einer seiner neuen Platten nehmen würde und dies die hohen Produktionskosten nicht rechtfertigen würde (Rolling Stone-Interview , Juni 2017). Ist das gerecht?

Wie kann es sein, dass eine Rihanna, Lady Gaga, ein James Blunt oder wie diese ganzen Pop-Sternchen auch heißen, diesen immensen Erfolg haben, zum Großteil mit Songs, die ihnen von irgendwelchen Massenproduzenten auf den Leib geschrieben werden, aber keine einzige diese Songperlen wie sie 15 an der Zahl auch wieder auf diesem famosen Album „The Last Rider“ enthalten sind, wohl nie einer breiteren Öffentlichkeit je zu Ohren kommen wird? Alle 15 Songs aus der Feder von Ron Sexsmith. Liegt es vielleicht doch an der Oberflächlichkeit, mit der die Gesellschaft heutzutage Musik konsumiert? Oder daran, dass man erst einmal den einen oder anderen Skandal durchstanden haben und/oder das Modelgesicht und den Astralkörper, jede Woche mit einem neuen Tattoo versehen - möglichst nackt – über die sozialen Medien zeigen muss, damit die breite Masse überhaupt Notiz von einem nimmt? Es wird wohl so sein, anders ist nicht zu erklären, warum Ron Sexsmith mittlerweile schon seit Mitte der 90er Jahren Pop-Perlen am fließenden Band herausbringt und kaum einer bekommt es mit. Sind wir ehrlich: Sein Name korreliert nicht wirklich mit seinem Aussehen! Das ist nicht nur oberflächlich, ungerecht, sondern sehr traurig und bedauerlich.

Vielleicht ist das knapp 49 Minuten lange „The Last Rider“ nicht nur sein letztes, sondern auch sein bestes Album. Nach dem eher durchwachsenen letzten Album „Carousel One“ läuft RS mit „The Last Rider“ zu absoluter Höchstform auf. 15 Songs, einer schöner als der andere. Kritiker mögen sagen, dass viele der Songs auch diesmal wieder knapp vorbei am Pop-Kitsch vorbeischrammen. Aber sie schrammen eben nur am Kitsch und das macht sie so einzigartig.

RS hatte schon immer die gesamte Klaviatur der Pop-Musik auf Lager. Ob Beatles, Paul McCartney, Elvis Costello, Elton John, Belle & Sebastian, Beach Boys, egal welche Pop-Band einem gerade in den Kopf kommt, man meint all das schon mal gehört zu haben. Die Songs kommen einem so vertraut vor und sind doch so einzigartig.

Mit wenigen Ausnahmen eher sparsam instrumentiert sind auf „The Last Rider“ nicht nur Pop- sondern auch Folk-Perlen zu hören, so wie der letzte Song „Man at the Gate“, wo die brüchige Stimme von RS nur von einer Akustikgitarre begleitet wird, bevor dann sanftes Schlagzeug, eine Trompete und ein Akkordeon hinzukommen. Auch „Worried Song“ geht eher in die Folk-Richtung.

Meine persönlichen Highlights auf dem an Highlights nicht gerade armen Album sind „Our way“, das elektrische und von Strings begleitete und an ELO erinnernde „Breakfast Ethereal“, das etwas schnellere und mich an Paul McCartney's „The Wings“ erinnernde „West Gwillimbury“, die wunderschöne Ballade „Dead End Dream“ und das mich wiederum an Belle & Sebastian und The War on Drugs erinnernde „Evergreen“.

Schließlich gibt es da noch den Song „Radio“, der tatsächlich noch das größte Potenzial hätte, auch mal im Radio gespielt zu werden. Wäre da nicht das alte, oben geschilderte Problem: Schließen wir kurz mal die Augen und stellen uns vor, James Blunt würde diesen Song singen und veröffentlichen. Wahrscheinlich ein sicherer Top-10-Hit!

In der Rangfolge meiner Lieblings-Alben von Ron Sexsmith steht „The Last Rider“ nunmehr ganz weit oben, aber mit Ausnahme vielleicht von „Carousel One“ gibt es eigentlich kein unterdurchschnittliches Album von RS, sondern nur Volltreffer. Nunmehr eines mehr!

Aber vielleicht ist auch alles gut so wie es ist. Statt neue Alben aufzunehmen will RS jetzt lieber ausgiebig touren, so wie Bob Dylan: „Herumreisen und spielen“ (RS-Interview Juni 2017). Hoffentlich führt ihn eine seiner Reisen auch wieder nach Deutschland.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 6, 2017 11:44 AM MEST


Soulfire
Soulfire
Preis: EUR 9,19

31 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einzigartiger Rock'n Soul mit Reminiszenz an die 60er und 70er, 22. Mai 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Soulfire (MP3-Download)
Nach fast 20 Jahren meldet sich Little Steven – Steven van Zandt – mit einem neuen Solo-Album zurück. Als langjähriger Weggefährte und guter Kumpel von Bruce Springsteen, bis 1984 und ab 1999 Mitglied der E Street Band war Little Steven zwar nie richtig weg, aber eben als Musiker eher im Hintergrund, oder sollte man angesichts seiner Underground Garage Radio Station vom Untergrund sprechen, tätig. Vor allem als Schauspieler in den Mafia-Serien The Sopranos und Lillehammer hat er sich längst einen Namen gemacht. Mittlerweile wird man von Nicht-Bruce-Springsteen-Fans ganz verwundert gefragt, was denn der Silvio Dante da auf der Bühne machen würde, wenn ich ihnen Videos von aktuellen Live-Konzerten von Bruce zeige ;-).

Vielen ist unbekannt, dass Stevie van Zandt bereits in den 80ern und frühen 90ern einige Solo-Alben gemacht hat, die allerdings nur minder erfolgreich waren, sieht man einmal von dem Anti-Apartheids-Song „Sun City“ ab. Bekannter wurde Stevie's Musik durch Southside Johnny & The Asbury Jukes. Little Steven, noch nie mit einer begnadeten Gesangsstimme ausgestattet, konnte sich seinerzeit durch Southside Johnny musikalisch so richtig austoben. Hier hatte er den Sänger und die Band, die seinen Songs den nötigen New Jersey-Sound verliehen. Alles Jungs aus New Jersey, die wie keine andere Band Rock, Soul, Blues und teilweise auch Jazz miteinander vereinten. Unterstützt natürlich von einer fetten Bläser-Combo, den Asbury Jukes.

Im Jahre 1992 brachte Southside Johnny das von Little Steven produzierte Album „Better Days“ heraus. 8 der 11 Songs stammten aus der Feder von Steven van Zandt, u.a. „I'm Coming Back“ und „Ride the Night Away“, die sich beide auch auf „Soulfire“ wiederfinden, diesmal aber natürlich gesungen von Miami Steve (sein Spitznamen in der E Street Band, weil er seinerzeit in den 70ern so oft nach Miami gefahren ist und der E Street Band immer so von Miami vorgeschwärmt hat) und begleitet von den Disciples of Soul (wobei es sich wiederum teilweise um die gleichen Musiker handelt wie bei den Asbury Jukes). Es verwundert daher nicht, dass sich die Arrangements denen vom 1992er Southside Johnny-Album sehr stark ähneln, was keine Kritik ist, im Gegenteil: Es sind und bleiben zwei hervorragende Songs, egal von wem gesungen und eingespielt!

Zwei weitere Songs auf „Soulfire“ wurden in der Vergangenheit bereits von Southside Johnny aufgenommen. So das wunderbare „I don't want to go home“ und das ebenso schöne mit Bruce Springsteen gemeinsam geschriebene „Love on the wrong side of Town“. Die Arrangements ähneln auch diesmal sehr denen der Southside-Aufnahmen: Fette Bläser-Arrangements lassen den New Jersey-Rock'n Soul-Sound aufleben – wunderbar!

Aber der Reihe nach: Das Album beginnt mit dem souligen Titeltrack, ein neuer Song, der gleich ordentlich Laune macht und zeigt, wo die Reise auf diesem Album hingeht. „I'm coming Back“ klingt wie bei Southside Johnny und zählt zu meinen Lieblingskompositionen von Little Steven. Bereits die Version von Southside Johnny mochte ich sehr. Auch hier wieder diese Bläsertruppe, dazu der fette an Phil Spector erinnernde Sound, begleitet von Stevies E-Gitarre. Es wäre interessant zu wissen, wann die Aufnahme stattgefunden hat, denn die Stimme von Stevie hört sich – wie auf dem gesamten Album – hervorragend an. Nichts zu hören von dem Gekrächze, das Little Stevie bei allem Respekt im Rahmen seiner E Street Band-Auftritte zuletzt öfters mal hingelegt hat.

Der von Bowe/Cerney geschriebene Song „Blues is my Business“ ist genau das, was der Titel sagt: Blues vom Allerfeinsten, wiederum unterlegt mit der neunköpfigen Bläsertruppe. Dazu noch eine Hammondorgel und man fühlt sich versetzt in einen Blues-Club der 70er Jahre. Zum Ende hin ein nicht enden wollendes Gitarrensolo und soulige Background-Vocals wie sie bei solcher Musik einfach nicht fehlen dürfen. Es folgt „I Saw the Light“. Der nächste Kracher. Es bleibt kaum Zeit zum Luftholen, so soulig-rockig geht es auf dem Album ab. Fenster öffnen, Anlage aufdrehen und Genießen! Das ist Classic Rock'n Soul! Selbst einem Tanzmuffel wie mir fällt es da schwer, nicht mitzuwippen. Jeder Song besticht durch unwiderstehliche Riffs, vor allem der Bläsertruppe.

Es gibt keinen Ausfall auf diesem Album. Hervorheben will ich an dieser Stelle noch die nostalgische Ballade „The City Weeps Tonight“, die geradezu aus den 60ern und von den Drifters gesungen stammen könnte. Wer macht heute ansonsten noch solche altmodische Musik? Das sechseinhalb Minuten lange von James Browne zum Hit gemachte „Down and Out in New York City“ kommt so groovig daher, dass man sich sofort in einen schäbigen schwül-heißen Soul-Club in die Bronx der 70er Jahre versetzt fühlt. Fantastisch, dieses soul-jazzige Disco-Arrangement! Ich sehe förmlich die Disco-Kugeln über den Köpfen der verschwitzten tanzenden Menge kreisen. Kaum zu glauben, dass hinter dieser souligen Musik und diesem Sound kein Quincy Jones oder anderer schwarzer Produzent, sondern ein weißer Amerikaner mit italienischen Wurzeln steckt.

Erwähnenswert ist auch unbedingt „Standing in the Line of Fire“, das glatt aus einem von Sergio Leone's Italo-Western stammen könnte, unterlegt von Musik von Ennio Morricone. Insbesondere der Beginn des Songs lässt vor meinen Augen durch die Prärie reitende Cowboys vorbeilaufen. Die Gitarren, elektrische wie akustische klingen um die Wette, zum Ende kommen noch mexikanische Mariachi-Trompeten dazu. Einzig eine Mundharmonika fehlt, oder auch nicht, denn der Song ist auch so einfach nur perfekt!

Und dann haben wir da noch „Saint Valentine's Day“. Gleich der nächste Kracher. Hammersong! Ja, man kann es nicht anders sagen, ein Hammer jagt den nächsten auf diesem durch und durch perfekten Album. Warum hast Du uns so lange warten lassen, Stevie?

„Soulfire“ ist das für mich beste Classic-Rock-Album, das ich seit langem gehört habe. Fetter Sound, Drums, die sich noch anhören wie Drums, Bläser und wunderbar nostalgisch wirkende Background-Vocals begleiten quasi jeden Song. Man wünscht sich als Bruce Springsteen-Fan, Bruce würde mal wieder solch ein rockiges und souliges Album aufnehmen, wie er das ja in seinen Anfängen in den 70ern vor allem auf "The Wild, the Innocent and the E Street Shuffle" und dann wieder auf "The River" gemacht hat. Little Steven dürfte gerne solch ein Album produzieren :-).

Jeder, der ein Faible für die Soul-Musik der 60er- und 70er Jahre hat und sich an der Bläsertruppe, die Bruce auf der Wrecking Ball-Tour 2012/2013 auf der Bühne dabei hatte und den alten Soul-Klassikern erfreute, wird einen riesen Spaß an diesem Album haben. Und wer es noch nicht längst besitzt, sollte sich auch unbedingt „Better Days“ von Southside Johnny holen und sich an den weiteren von Little Steven geschriebenen Perlen erfreuen.

Schließlich noch kurz zur CD-Aufmachung. Auch die ist sehr altmodisch: Ein Plastikcase und ein Booklet, in dem alle Texte stehen und das in einer Schriftgröße, die es auch Menschen in meinem Alter ermöglicht, die Texte lesen zu können! Leider eine Seltenheit heutzutage!

Hier kann und muss es volle Punktzahl geben! Classik-Rock'n Soul, wie es nur die Jungs von der New Jersey-Shore hinbekommen.

P.S. Ich habe mir die CD gekauft, nicht nur den Download, wie angegeben.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 10, 2017 4:11 PM MEST


True Sadness
True Sadness
Preis: EUR 14,53

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die AB erfüllen leider erstmals nicht die hohen Erwartungen, 4. Juli 2016
Rezension bezieht sich auf: True Sadness (Audio CD)
Die Avett Brothers gehören zweifelsohne zu den spannendsten und interessantesten Bands aus dem Americana-Genre der letzten 10 - 15 Jahre. Ihre Konzerte sind einzigartige Erlebnisse. Sie sind zumindest in den USA mittlerweile zu einem Mega-Act aufgestiegen, treten heute sogar im Madison Square Garden auf, vor einigen Jahren noch undenkbar und aus meiner Sicht auch nicht wirklich erstrebenswert. Denn die intimen Live-Auftritte in kleineren Clubs/Hallen sind somit kaum noch möglich, doch genau das zeichnete die Band aus. Na ja, in Deutschland sind sie immer noch ein Geheimtipp, sodass die Befürchtungen, sie könnten ähnlich wie Mumford & Sons demnächst in den O2-Worlds oder gar in Stadien auftreten, unbegründet sein dürften.

Dennoch, erstmals in ihrer Karriere, die ich seit "I and Love and You" verfolge, können die Brüder aus North Carolina meine zugegeben hohen Erwartungen nicht erfüllen. Ich habe grundsätzlich kein Problem damit, wenn sich Bands weiterentwickeln und daher fand ich die letzten Alben auch allesamt hervorragend, obwohl sich die Band immer weiter von ihren Roots-Wurzeln entfernt hat, hin zu mehr Pop. Mit "True Sadness" haben sie den Bogen aber meines Erachtens jetzt überspannt. Ich habe grundsätzlich auch kein Problem mit dem dezenten Einsatz von elektronischen Samples, aber zu den Avett Brothers passt das noch weniger als zu vielen anderen Bands, die sich den heutigen technischen Möglichkeiten bedienen.

"Ain't no Man" hätte ein schöner Ohrwurm werden können, wären da nicht diese furchtbaren elektronischen Handclaps und anderer elektronischer Firlefanz. Schade um diesen sicherlich großartigen Song.

Ähnlich verhunzt werden "You Are Mine", obwohl der Song doch so verheißungsvoll mit Banjo-Begleitung beginnt, und erst Recht das kaum anhörbare "Satan Pulls the Strings". Letzterer ist der schlechteste Song, den die Brothers wohl je aufgenommen haben.

Die restlichen Songs kommen zwar weitestgehend ohne diesen ganzen überflüssigen Schnick-Schnack aus, können aber auch nur bedingt überzeugen. Der Titelsong ist nett, fällt aber zu den bisherigen Titeltracks der früheren Alben ebenfalls ab.

Der stark an Hank Williams erinnernde "Divorce Separation Blues" erinnert noch am ehesten an die alten Avett Brothers. Ob es allerdings so glaubwürdig und clever ist, eine sehr persönliche und sicherlich schmerzhafte Trennung den Hörern in dieser fröhlichen Form zu präsentieren, kann nur Seth Avett selbst beantworten. Dürfte interessant sein, ob er diesen Song auch live spielt. Musikalisch ist dieser Song aber mein klarer Favorit.

Das komplett akustisch eingespielte "Victims of Live" erinnert mich irgendwie an ein Kinderlied, groovt schön, geht sofort ins Ohr und passt gut zu den Avett Brothers. So kennt man sie und so liebe zumindest ich sie.

Auch "Smithsonian", "Mama, I don't believe", "I Wish I Was" und "No Hard Feelings" sind ebenfalls gute Songs, die auch noch nach den alten Avett Brothers klingen, im Vergleich zu den letzten Alben der Avett Brothers fallen aber auch diese leicht ab.

Und dann wäre da noch der Closer "May it Last" mit seinem orchestralen Streichersound, der mit Sicherheit auch aus dem Computer kommt. Mir ist das einfach viel zu seicht und brutal überproduziert. Was war "The Clearness is Gone" vom letzten Album doch für ein großartiger Closer, hier trieft es nur so aus den Boxen, der Song könnte auch von Alan Parsons Project stammen. Auch gegen die habe ich grundsätzlich nichts, aber von den Avett Brothers möchte ich so etwas nicht hören.

Insgesamt wird es m. E. Zeit, dass sich die Avett Brothers von ihrem Produzenten Rick Rubin trennen und wieder etwas stärker in Richtung ihrer Wurzeln zurückkehren. Es tut mir in der Seele weh, einer meiner Lieblingsbands nur 3,5 Sterne zu vergeben. Aber im Vergleich zu den letzten beiden Alben Carpenter und Magpie fällt dieses hier dann doch ab. Schade!


Antique Hearts
Antique Hearts
Preis: EUR 8,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Independent Rock mit Country-Einflüssen, 23. Dezember 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Antique Hearts (MP3-Download)
Tolle Americana-Band aus North Carolina, die mit diesem ihrem Debut ein lupenreines Independent-Rock-Album vorlegen, das von vorne bis hinten ein einziger Hörgenuss ist. Die Band, deren Namen von dem Wilco-Song "I am trying to break your heart" stammt, behauptet von sich selbst, dass ihre Wurzeln eigentlich in der Country-Musik liegen. Diese Wurzeln sind allerdings bei dieser ersten Scheibe aus dem Jahre 2006 noch nicht so deutlich zu hören wie bei den späteren Werken, insbesondere dem neuesten, ebenfalls superben Album "Wolves". Von allen Alben von AA ist mir die hier aber die liebste. Melodischer Indie-Rock, perfekt instrumentiert (zum Teil mit Fiddle und Steel Gitarre, was einigen Songs den dezenten Countrytouch gibt), eine angenehme Stimme des Sängers und Songwriters und eindeutigem Kopf der Band, BJ Barham, und dazu interessante Lyrics. Was will man als Americana-Musik-Fan mehr?

In diese Band sollten alle mal reinhören, die auf Musik von Jason Isbell, Bruce Springsteen, Tom Petty, Wilco oder Son Volt stehen. Absolute Kaufempfehlung, genauso wie die anderen Alben dieser Band.


The Ties That Bind: the River Collection (4 CD + 2 Blu-ray)
The Ties That Bind: the River Collection (4 CD + 2 Blu-ray)
Preis: EUR 64,99

82 von 86 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schönes Boxset für Fans, wäre aber noch mehr drin gewesen!, 4. Dezember 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Da ist sie also: Die von Fans seit langem erwartete Box zum Doppelalbum 'The River'. Wie bereits die Boxsets zu 'Born to Run' (2005) und 'Darkness on the Edge of Town' (2010) ist auch dieses Boxsets sehr schick und ein echtes Sammlerstück für Fans, die auch bereit sind, für Aufnahmen, die sie bereits mehrfach besitzen noch einmal einige Euros zu zahlen. Für Fans stellt sich die folgende Frage daher auch nicht wirklich, dennoch will ich sie hier stellen: Ist die Box das Geld wert? Meines Erachtens auf jeden Fall, denn die Box ist auch diesmal wieder vollbepackt mit Bekanntem, aber eben auch reichlich Unbekanntem. Das Highlight dürfte sicher die Live-DVD bzw. BluRay sein.

1. Aufmachung der Box:
Wie der Produktbeschreibung zu entnehmen ist, ist die Box diesmal fast quadratisch und deutlich größer als die Box zu DOTEOT, hat allerdings nicht die Maße einer LP. Manche mögen die Papphüllen kritisieren, in denen auch diesmal wieder die Cds/DVDs/BluRays stecken. In der Tat sind diese nicht besonders reißfest, aber bedenkt man, wie oft man die Discs dann wirklich aus ihren Hüllen rausholt, um sie zu hören/zu sehen, relativiert sich die Kritik m. E. Es handelt sich hier doch, seien wir ehrlich, im Wesentlichen um ein Sammlerstück, das man sich ins Regal stellt und nur relativ selten wirklich 'nutzt'. Ich gebe der Verpackung die volle Punktzahl: 5 Sterne!

2. Doppelalbum 'The River'
Hier verweise ich auf meine Rezension zum Album selbst und ergänze lediglich, dass man wohl auf keinem anderen Bruce-Album das Remastering so deutlich heraushört wie hier. Es handelt sich um die gleiche remastered Version wie die, die es im vergangenen Jahr in der Collection-Box bereits gab. Der Sound hier ist tadellos und man meint wirklich ein anderes Album zu hören im Vergleich zur alten Version. Jetzt kann man diesem abwechslungsreichen Meisterwerk uneingeschränkt 5 Sterne geben.

3. CD 'The Ties That Bind'
Das ist also das Album, das kurz vor Veröffentlichung damals von Bruce zurückgenommen wurde und stattdessen zum Doppel-Album 'The River' wurde. Es gibt natürlich einige Überschneidungen mit 'The River', und doch unterscheiden sich die Songs zum Teil minimal von den heute Bekannten und auch von den Versionen, wie sie dann zum Teil auf 'Tracks' erschienen sind (z. B. Be True ist geringfügig anders). So wird 'You can look' von einem Rock'n Roll zum Rockabilly-Song, wie er zum Teil auch live gespielt wurde. Hier imitiert Bruce ganz klar sein großes Idol Elvis Presley. Gefällt mir gut! Außerdem gibt es das bisher nicht offiziell veröffentlichte 'Cindy', ein zuckersüßes Liedchen (deutlich unter 3 Minuten lang), das wunderbar auf 'The River' und zu 'I Wanna Marry You' passt. Der Sound ist auch hier tadellos. Ob dieses Album damals auch so erfolgreich geworden wäre? Immerhin fehlt es hier an den unterdurchschnittlichen Songs auf 'The River' wie 'Crush on you' oder 'I'm a Rocker', dafür aber auch an so Perlen wie 'Drive All Night', 'Point Blank' oder 'Wreck on the Highway'. Auch als Single-Album gibt es von mir 5 Sterne.

4. Outtake-Album
Insgesamt 22 Songs (wie schon bei 'The Promise') gibt es hier. Allerdings wurden 11 davon bereits 1998 auf 'Tracks' bzw. auf Essentials veröffentlicht. Zur Komplettierung macht es aber durchaus Sinn, diese Songs hier nochmals zu präsentieren, denn es soll ja die gesamte Geschichte zu 'The River' erzählt werden. Außerdem erkennt man bei fast jedem Song bekannte Parallelen zu anderen Songs von Bruce, der ja wie kaum ein anderer bestimmte Fragmente aus Songs nutzt, um sie in anderen Songs zu 'verarbeiten'. Warum Bruce seinerzeit Songs wie 'Crush on You', 'I'm a Rocker' und 'I Wanna Marry You' auf das Doppelalbum genommen hat, dafür aber Übersongs wie 'Loose Ends', 'Take 'em as They Come', 'Roulette', 'Be True' oder auch andere weggelassen hat, muss man nicht wirklich verstehen, zeugt aber von der hohen Qualität und Quantität des Songwriters Bruce Springsteen.

Einmal mehr zeigt sich an den Outtakes, welch herausragender und produktiver Ausnahmekünstler Springsteen ist. Hier ist auch zu bedenken, dass trotz Tracks und dieser Box noch immer längst nicht alle Songs veröffentlicht sind. Der Doku ist zu entnehmen, dass es rund 100 Songs inklusive verschiedener Versionen gab, aus denen auszuwählen war.

Zu den einzelnen Songs:

Meet me in the City: Sehr guter Opener. Ein typischer Bruce-River-Song, der sofort ins Ohr geht und da auch bleibt. Tolles Sax-Solo, also alles was einen Bruce-Song ausmacht. Nach wenigen Takten weiß man, dass das nur Bruce sein kann. Allerdings wurde zumindest der Gesang neu aufgenommen, deutlich an der Stimme zu erkennen. Mag nicht jeder, ich finde es wie bei einigen Songs auf 'The Promise' völlig in Ordnung. Ein klasse Song, von dem man sich auch fragen muss, weshalb der erst jetzt veröffentlicht wird?

The Man Who Got Away: Ebenfalls ein sehr guter, rockiger Song, dem man die Begeisterung von Bruce und Little Steven für britische Bands der 70er ('British Invasion') anhört. Der Song könnte auch von 'The Who' stammen.

Little White Lies: Rockig geht's weiter mit dieser an 'Roulette' erinnernden Nummer. Ziemlich markanter Keyboard-Sound, der mir irgendwie bekannt vorkommt. Guter Song!

The Time That Never Was: Könnte auch ein Outtake von The Promise sein. Schmachtfetzen, zwar nicht so schnulzig wie 'Someday (we will be together)', aber auch nicht zu weit davon entfernt. Schönes Sax-Solo von Clarence.

Night Fire: Noch so ein britisch klingender Song, stark! Auch hier ist wieder ein klasse Sax-Solo zu hören. Für mich zusammen mit 'Stray Bullett' der beste 'neue' Song. Auch hier würde ich wieder darauf tippen, dass die Vocals neu aufgenommen wurden und von heute stammen.

Whitetown: Ein bisher als 'Down in Whitetown' bekannter Song. Gefällt mir ebenfalls ausgesprochen gut, typischer Bruce-Song.

Chain Lightning: Erinnert vom Beat her stark an 'State Trooper'. Entwickelt sich zu einem feinen Blues-Rocker.

Party Lights: Dieser schon im Vorfeld veröffentlichte Song beginnt mit dem Gitarrenriff von 'Needles und Pins', erinnert aber auch stark an 'Take 'em as they Come' oder 'Rendezvous' und vor allem an den Darkness-Outtake 'The Little Things my Baby does'. Als ich den Song erstmals meiner Frau und Sohn vorgespielt habe, sagten sie beide, den würden sie schon kennen, so stark ist dann doch die Ähnlichkeit zu etlichen Songs aus der 'River'-Ära. Noch deutlicher wird die Ähnlichkeit, wenn man sich die Lyrics anhört. Da finden sich die exakt gleichen Textzeilen aus mindestens vier Bruce-Songs: 'I Wanna Marry You', 'Point Blank', 'Jersey Girl' (eigentlich ein Tom Waits-Song, aber die letzte Strophe stammt von Bruce und genau die stammt wohl aus diesem Song) und 'The Price you Pay'. Das Gitarrensolo erinnert wiederum entfernt an 'The Wish'. Letztlich aber egal, denn der Song ist gut und passt bestens in die 'River'-Stimmung.

Paradise by the C: Studioversion der vom Live-Album 75-85 her bekannten Instrumental-Nummer, auf der Clarence `Big Man` Clemons so richtig glänzen kann. Fragmente dieses Songs gab es ja auch bereits bei 'So Young and in Love' (erschienen auf Tracks).

Stray Bullet: Eine sechsminütige, sehr düstere Klavier-Ballade, wunderschön begleitet von einem Flügelhorn oder einer Klarinette (würde ich mal behaupten, ein Saxophon ist es jedenfalls nicht), die etwas aus dem eher rockigen Gesamtbild und der Partystimmung von 'The River' fällt. Klingt überhaupt nicht nach Bruce, sondern eher nach Van Morrison. Zieht sich etwas, muss man mehrmals hören, ist aber letztlich ein großartiger, für mich der beste 'neue' Song.

Mr Outside: Mit akustischer Gitarre begleiteter Rockabilly-Song. Hört sich nach wie vor an wie eine Demo-Version. Nett, aber verzichtbar!

Mein letzter Satz zu 'Mr Outside' gibt ganz gut das Gesamtfazit für diese 11 'neuen' Songs wieder: Die Songs sind allesamt gut und ich freue mich sehr darüber, dass sie jetzt endlich auch offiziell und in guter Qualität vorliegen. Ob Bruce Springsteen durch die seinerzeitige Veröffentlichung dieser Songs allerdings noch erfolgreicher oder seine Reputation dadurch größer geworden wäre, darf dann aber doch bezweifelt werden.

Insgesamt ergibt das ordentliche 4 Sterne für Record One der Outtakes-CD (Nachtrag 6.1.2016: Ich erhöhe auf 5 Sterne für die 11 neuen Songs, denn sie sind wahrlich auch jetzt nach über einem Monat regelmäßigen Hörens immer besser geworden!). Die wahren Knüller, abgesehen von Stray Bullet, Night Fire und Meet me in the City, die auf 'The River' veröffentlicht hätten werden müssen, wie Loose Ends, Take 'em as They Come, Roulette oder Be True befinden sich aber allesamt auf dem bereits 1998 veröffentlichten 'Tracks-Boxset'.

5. Dokumentation
Ein rund 56-minütiger Film, meist in Form eines Interviews mit Bruce, aufgenommen (wahrscheinlich an einem einzigen Tag) auf seiner Farm in New Jersey. Zwischendurch gibt es immer wieder kurze Einspieler oder Fotos oder Bruce spielt auf seiner Gitarre einzelne Songs (Two Hearts, The River, Independence Day, Point Blank, Wreck on the Highway) an.

Im Vergleich zu den aufwändigen Dokus 'Wings of Wheels' zum BTR-Album oder 'The Promise' zur Entstehung von 'Darkness on the Edge of Town' fällt diese hier aber dann doch deutlich ab. Wirkt zum Teil fast ein bisschen langweilig, was auch daran liegt, dass außer Bruce keiner zur Sprache kommt. Zumindest Stevie's Meinung zu manchen Punkten hätten mich doch sehr interessiert, denn er hatte doch sehr maßgeblichen Einfluss auf die Arrangements und war ja auch als Produzent beteiligt. Hier hatte ich dann doch etwas mehr erwartet. Der Doku mangelt es auch an wirklich neuen Erkenntnissen. Dass das Album weitestgehend live eingespielt wurde, um endlich die Live-Atmosphäre auch auf die Studioaufnahmen zu bekommen, war in Fankreisen ja bereits bekannt. Immerhin erfährt man, dass Bruce heute denkt, er hätte 'Roulette' an Stelle von 'Crush on You' auf das Doppelalbum packen sollen. Ja, da hat er zweifelsohne Recht :-). 3 Sterne für die Doku.

P. S. Die BluRay hat Untertitel inkl. deutsch.

6. Live-Konzert
Höhepunkt neben den Outtakes ist ganz klar dieser Live-Mitschnitt vom November 1980 aus Tempe, Arizona. Jeder Springsteen-Fan weiß: Live ist Bruce am besten, live entfalten sich all seine Songs erst so richtig! Für viele Fans der ersten Stunde gilt darüber hinaus die River-Tour zusammen mit der Darkness-Tour zu den besten Bruce-Touren aller Zeiten. Zumindest gesanglich war Bruce in der Zeit von 1980 bis 1988 m. E. auf seinem Höhepunkt. Das Konzert hier in Tempe der River-Tour belegt dies eindrucksvoll. In diesem Mitschnitt kommt die gesamte Power des größten Live-Entertainers unserer Zeit voll zur Geltung. Springsteen war damals 30 Jahre jung und so voller Energie, dass man kaum glauben mag, dass er nicht unter Drogen stand. Wie Bruce hier über die Bühne sprintet, auf die Boxen klettert, das grenzt an Hochleistungssport.

Jeder, der die Live-DVDs von New York 2000, Barcelona 2002 und London Hyde Park 2009 kennt, weiß, dass seine Konzerte auch heute kaum weniger energiegeladen sind, aber im direkten Vergleich zu 1980 muss man dann doch eingestehen, dass auch ein ewig jugendlich erscheinender, mittlerweile über 65 Jahre alter Bruce Springsteen die bio- und gerontologischen Alterungsprozesse nicht vollkommen außer Kraft setzen kann ;-). Eigentlich rechtfertigt alleine dieser Konzertmitschnitt den Kauf der Box.

Leider musste das Konzert jedoch um einige Songs von rund 3,5 Stunden auf 2:35 gekürzt werden, da das Konzert nicht durchgehend gefilmt wurde und somit von einigen Songs keine Filmaufnahmen existieren. Das ist natürlich extrem bedauerlich, zumal es sich um (vor allem langsamere) Songs handelt, von denen es auch ansonsten oft keine offiziellen Live-Aufnahmen gibt. Thom Zimny hat erklärt, dass es damals schlicht und einfach nicht vorgesehen war, dass Konzerte irgendwann einmal komplett veröffentlicht werden könnten. Die Filmaufnahmen dienten seinerzeit eher Werbezwecken. Aber anstatt zu bedauern, was man nicht bekommt, sollte man sich vielleicht doch eher an dem erfreuen, was man hier geboten bekommt:

Hier die gesamte Setlist vom Konzert am 5. November 1980 und die Songs, auf die man leider verzichten muss:
Born to Run
Prove it All Night
Tenth Avenue Freeze-Out
Darkness on the Edge of Town (fehlt)
Independence Day (fehlt)
Factory (fehlt)
Jackson Cage
Two Hearts
The Promised Land
Out in the Street
Racing in the The Street (fehlt)
The River
Badlands
Thunder Road
No Money Down
Cadillac Ranch
Hungry Heart
Fire
Candy's Room (fehlt)
Sherry Darling
I Wanna Marry You
The Ties That Bind (fehlt)
Stolen Car (fehlt)
Wreck on the Highway (fehlt)
Point Blank (fehlt)
Crush on You
Ramrod
You can Look
Drive all Night
Backstreets (fehlt)
Rosalita
I'm a Rocker
Jungleland
Detroit Medley

Auch ohne die fehlenden Songs ist das ein hervorragender Konzertmitschnitt und sowohl vom Bild wie auch vom Sound her absolut top, vor allem wenn man bedenkt, dass das Konzert gerade einmal von vier Kameras aufgefangen wurde. Somit bleiben dem Zuschauer die bei Konzertmitschnitten neueren Datums üblichen kurzen und hektischen Schnitte erspart.

Bleibt nur zu hoffen, dass dieses Live-Konzert auch noch als CD erscheint und wer weiß, vielleicht existieren ja zumindest die Audiospuren von den fehlenden Songs? Es wäre natürlich auch denkbar und wünschenswert gewesen, wenn sie eine solche CD des Live-Konzerts gleich mit in die Box gepackt hätten. Aber man kann ja nicht alles haben ;-).

Nachtrag 6.1.2016: Seit dem 24.12.2015 gibt es die 10 fehlenden Songs als kostenlosen Download in hervorragender Sound-Qualität auf der Homepage von Bruce Springsteen. Mit ein wenig Geschick und den richtigen Programmen lässt sich die Audiospur der DVD/BluRay extrahieren und man erhält die bislang m. E. beste Live-Aufnahme von Bruce Springsteen.

Dafür gibt es als Bonus noch Filmaufnahmen von einigen Songs von den Proben zur Tour, die ich allerdings noch nicht gesehen und daher bewerten kann.

Insgesamt muss man dieser Live-Aufnahme ebenfalls 5 Sterne geben.

7. Coffee-table-Book (kannte diesen Begriff vorher ehrlich gesagt noch gar nicht ' )
Auch hier kann man nur sagen: Wow! Allein dieses sehr liebevoll gemachte Buch mit zahlreichen bisher unveröffentlichten Fotos (und auch etwas Text) rechtfertigt den auf den ersten Blick hohen Boxset-Preis. Die Frage ist natürlich, wie oft man sich ein solches Bilderbuch anschaut, dennoch, sehr schön gemacht, für Fans eben: 4 Sterne!

8. Text-Sheet (Composition Book)
Wie schon in dem letzten Boxset zu DOTEOT gibt es auch wieder ein diesmal als Heft aufbereitetes Textsheet, in dem Kopien aus dem Notebook originalgetreu abgebildet sind. Das ist auch diesmal wieder sehr gelungen, auch wenn die Infos zu der Entstehung der einzelnen Songs wie bei DOTEOT diesmal fehlen. Leider fehlen zudem sämtliche Credits und Infos zu den Aufnahmen der Songs.

Unverständlich ist zudem, weshalb die Lyrics der bereits bekannten Songs vom River-Album nicht abgedruckt sind. Die Texte, die der Collection-Box aus dem vergangenen Jahr beigelegt waren, sind so unleserlich klein, dass sie nicht zu benutzen sind.

9. Preis-Leistungsverhältnis
Natürlich sind 100 Euro eine Menge Geld, aber man erhält auch einiges dafür. Man schaue sich nur mal Boxsets anderer Künstler an, in denen häufig weniger drin ist und die mindestens genauso teuer sind. Aus meiner Sicht ist das Preis-Leistungsverhältnis noch angemessen! Aber wie oben bereits erwähnt, solche Boxsets sind für Fans und kein Massenprodukt. Und wer sich das gute Teil nicht leisten kann oder möchte, kann sich diese ja auch bequem und deutlich günstiger als MP3 downloaden, jedoch sind 50 Euro nur für die 52 MP3-Songs dann schon wieder unverhältnismäßig teuer. Dass die neuen Songs nicht individuell heruntergeladen und gekauft werden können (mit Ausnahme von Meet me in the City und Party Lights) ist absolut unverständlich.

10. Fazit
Ein weiteres sehr schönes Boxset von Bruce Springsteen. Allerdings wäre noch mehr drin gewesen, vor allem eine Live-CD "fehlt", zumal es von Bruce Springsteen grundsätzlich relativ wenige Live-CDs gibt (abgesehen von den Live-Downloads natürlich) und man gewinnt ein bisschen den Eindruck, dass einige Outtakes bewusst weiter zurückgehalten wurden, vielleicht für ein 'Tracks-2'-Boxset?

Bleibt aber zu hoffen, dass es auch zum Nebraska-, Born in the USA- und Tunnel-of-Love-Album ähnliche Boxsets geben wird und dass wir nicht wieder 5 Jahre bis zur nächsten Box warten müssen.
Kommentar Kommentare (21) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 29, 2016 4:28 AM CET


Echo
Echo
Preis: EUR 7,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eines der besten Alben von Tom Petty, 28. November 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Echo (Audio CD)
Für mich ist das nach "Wildflowers" das beste Tom Petty-Album überhaupt. Ich kann einige der Bewertungen hier absolut nicht nachvollziehen. Sowohl die gewohnt rustikale Produktion von Rick Rubin als auch die Qualität der Songs können vollends überzeugen. Hier gibt es unter den 15 Songs keinen einzigen Füller und selbst die rockigeren Songs wie About to give out oder I don't wanna fight und vor allem Free Girl sind sehr gelungen. Es gibt kein einziges TP-Album, ja nicht einmal "Wildflowers", das so ausgewogen ist wie dieses hier. Vielleicht fehlt der ganz große Hit, obwohl Songs wie "Swinging", "Room at the Top", "Accused of Love" und "This one's for me" es verdient hätten, von mehr Menschen gehört zu werden.

Großartiges Album, das ich mir immer wieder gerne von vorne bis hinten durchhöre.


Jason Isbell and the 400 Unit
Jason Isbell and the 400 Unit
Preis: EUR 20,17

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gutes Debut als Solo-Künstler, 22. November 2015
Rezension bezieht sich auf: Jason Isbell and the 400 Unit (Audio CD)
Das erste Album von Jason Isbell ohne seine Bandmates von den Drive-by-Truckers kommt zwar nicht ganz heran an die späteren Meisterwerke, vor allem nicht an "Southeastern" von 2013 oder "Something more than free" (2015). Dennoch sind auch hier bereits einige großartige Songs enthalten, die allesamt aber mehr an die Drive-by-Truckers erinnern als an die countrytesken Songs, die Jason Isbell zu einem der größten Songwritern unserer Zeit machen sollten.

Dementsprechend rockt es auf diesem Werk auch deutlich mehr, vor allem "Good" geht ordentlich ab oder auch "However Long" und das tolle "Soldiers get Strange". Lediglich "When my Baby's besinde me" klingt mir ein wenig zu sehr nach Ryan Adams, ist aber dennoch mehr als nur ein Füller. Obwohl mir insgesamt der Folk- und Country-Jason Isbell mehr zusagt, will ich auch diese Songs nicht missen, zumal Jason Isbell auch wunderbare Rocksongs wie die Genannten schreiben kann und immer wieder Melodiebögen herbeizaubert, die gut im Ohr bleiben.

Ganz ohne Country und Folk kommt aber auch diese Scheibe nicht aus, als da wären so fantastische Songs wie "Streetlights" oder das sehr ruhige "Cigarettes and Wine". Mein persönlicher Favorit ist aber die bluesig-sanfte Ballade "The Blue" mit einem Gitarrenpicking, das Seinesgleichen sucht. Mit "Coda" gibt es zudem ein nettes Instrumental. Eine Klavierballade, die ebenfalls überzeugen kann, gibt es mit "No Choice in the Matter".

Als Bonustracks gibt es noch drei Akustikversionen. Insgesamt ein gutes, streckenweise auch sehr gutes Album, das an der einen oder anderen Stelle die Genialität des Songwriters Jason Isbell aufblitzen lässt. Insgesamt 4 bis 4,5 Sterne gibt es dafür von mir.


Turnpike Troubadours
Turnpike Troubadours
Preis: EUR 17,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das bisher beste Album der Troubadours aus Oklahoma, 30. Oktober 2015
Rezension bezieht sich auf: Turnpike Troubadours (Audio CD)
Das vierte Album der Turnpike Troubadours ist für meinen Geschmack auch deren bestes. Natürlich waren Diamondes & Gasoline (2010) und Goodbye Normal Street (2012) hervorragende Alben. Auch das Debüt "Bossier City", das ja leider nicht mehr zu bekommen ist, ist ein gutes Album. Aber dieses neue Album vereint tatsächlich das Beste all ihrer bisherigen Alben, was auch daran liegt, dass auf dem schlicht Turnpike Troubadours betitelten Album sich die beiden besten Songs des Debüts wiederfinden und lediglich neu aufgenommen wurden: "Bossier City" und "Easton & Main". Ich habe das Album über die Website der Troubadours bestellt und da gab es als Bonus den Download des ersten Albums gratis dazu und somit kann ich guten Wissens behaupten, dass die Neuaufnahmen dieser Songs noch einen Tick besser sind.

Kennzeichnend für die TT war und ist immer die treibende Violine. Dieses von Kyle Nix gespielte Instrument ist auch das erste, das man auf diesem Album zu hören bekommt, wenn es mit dem grandiosen Opener "The Bird Hunters" losgeht. Als Hauptsongschreiber zeichnet sich wieder Sänger Evan Felker verantwortlich, der es schafft, intelligente Texte über alltägliche Themen mit unwiderstehlichen Melodien zu verbinden. Mit "Doreen" gibt es diesmal auch ein sehr schönes Cover von den Old 97s. Ansonsten stammen die Songs aus der Feder von Felker oder dem Bassisten RC Edwards und diversen Co-Writern.

Einzelne Höhepunkte herauszupicken ist fast nicht möglich, da ein Song schöner und besser ist als der andere. Besonders gut gefällt mir "Ringing in the Year", ein Song, der bei offenem Fenster im Auto gehört werden will, am besten unterwegs auf einem Highway oder Interstate in Texas, Oklahoma oder sonst irgendeinem dieser menschenleeren Staaten der USA. Oder auch das akustisch gehaltene traumhaft schöne "A little Song". Bei Songs wie "7 Oaks" kann selbst ich als ausgewiesener Tanzmuffel kaum die Füße stillhalten. Das ist abwechslungsreiche, wunderbare Country-Musik, weit entfernt vom üblichen Mainstream-Country. Auch die Produktion mit vielen Saiteninstrumenten ohne überflüssigen Firlefanz weiß zu überzeugen. Nicht einmal ein Keyboard ist zu hören, staubtrocken wie die Hügel in Oklahoma kommt auch die Produktion daher.

Das Album ist knapp 45 Minuten lang und verpackt in einer künstlerisch gestalteten Papphülle. Die Aufmachung des Booklets verdient besondere Erwähnung, weil es gelungen ist, die Atmosphäre des Albums auch mit den gezeichneten Abbildungen im Booklet aufzufangen. Das Booklet enthält zudem alle Texte. Weshalb die Texte der Songs aber in einer anderen Reihenfolge im Booklet abgedruckt sind als sie auf dem Album erscheinen, bleibt ein Geheimnis der Band bzw. des Managements.

Jetzt müsste es nur noch gelingen, diese Band mal für Live-Auftritte nach Deutschland zu lotsen, denn was man so im Internet zu sehen bekommt, zeichnet sich die Band eben auch durch ihre famosen Live-Auftritte aus.

In den USA ist das Album seit Erscheinen Mitte September ganz weit oben in den Country-Charts - völlig zu Recht!


Outsiders
Outsiders
Preis: EUR 7,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nicht schlecht, aber kommt nicht an New York Before The War ran, 24. Oktober 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Outsiders (MP3-Download)
Das zweite Album in diesem Jahr von Jesse Malin. Er will es wohl seinem alten Kumpel Ryan Adams nachmachen, der ähnlich produktiv war/ist. Aber auch bei Jesse Malin ist das Problem, dass Quantität nicht immer gleich mit Qualität einhergeht. "Outsiders" ist kein schlechtes Album, aber im Gegensatz zu NY before the War sind hier eben doch einige verzichtbare Füller zu verzeichnen. Allerdings befindet sich auf "Outsiders" der vielleicht beste Song (mit dem wohl sperrigsten Titel), den JM je gemacht hat: "You know it's dark when the atheist starts to pray"! Dieser Song - im New Orleans-Sound - alleine rechtfertigt eigentlich schon den Kauf des Albums.

Auch der Titeltrack und "San Francisco" können überzeugen, wenn auch "San Francisco" so aprupt endet, dass ich erst dachte, es liegt ein Fehler des Downloads vor. "Here's the Situation" ist quasi das Pendant zu "Turn up the Mains" vom Vorgängeralbum, geht mächtig ab. Im Repertoire von JM befinden sich ja einige dieser Rocksongs wie die beiden genannten, die mir allerdings allesamt nicht so zusagen.

"Society Sally" kann mich auch nicht recht überzeugen, hört sich in der Tat wie ein Outtake von NY before the War an. Die Bläser machen den Song zwar durchaus interessant, aber er will bei mir nicht so recht zünden. Ähnlich verhält es sich mit "Edward Hopper" (erinnert etwas an "She Don't Know Me Now") und der Barrocker "Whitestone City Limits". Bitte nicht falsch verstehen, die Songs sind nicht wirklich schlecht, können m. E. aber nicht ganz mithalten mit den superben Songs auf NY.

Richtig stark ist dann wieder das akustisch gehaltene "Stay Free". Das ist der Jesse Malin, wie er mir am besten gefällt. Der Song hätte auch bestens auf NY gepasst. "The Hustlers" ist dagegen ein belangloser Füller, irgendwo zwischen den Talking Heads und Lou Reed, aber für mich absolut verzichtbar. Und dann sind wir auch schon beim letzten Drittel des Albums angelangt, wo es nochmal richtig gut wird. "All Bets are Off" ist wieder sehr schön und im Stile eines "Stay Free". Ein weiteres Highlight ist "In the Summer", bevor das bereits erwähnte "Atheist" das Album beendet - wenn da nicht noch der Bonustrack "Good Times" wäre, den ich auch zu den Höhepunkten zählen würde.

Somit komme ich auf 5 bis 6 gute bis sehr gute Songs und mindestens 5 Songs, auf die ich verzichten könnte. Macht insgesamt gute 3 oder 3,5 Sterne, weil der Gesamteindruck des Albums eben nicht vollends überzeugen kann. Zum Booklet kann ich diesmal nichts sagen, da ich mir nur den Download gekauft habe.


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