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Rezensionen verfasst von
werner matrisch "wernerwilfried2" (Köln)

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The Man Behind
The Man Behind
Preis: EUR 9,94

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erfreuliches, "jazz-bereicherndes" Tribut-Album., 15. April 2014
Rezension bezieht sich auf: The Man Behind (MP3-Download)
Der Titel dieses Albums ist gut gewählt – denn Billy Strayhorn war und ist zwar in der Jazzwelt nicht nur durch seine Freundschaft und Zusammenarbeit mit Duke Ellington künstlerisch anerkannt - aber was seine Popularität betrifft, stand Strayhorn zeitlebens bis zu seinem frühen Tod mit zweiundfünfzig Jahren (1967) im übermächtigen Schatten einer der größten Jazzikonen überhaupt: Duke Ellington.

So wird der Klassiker „Take the A-Train“ - längst ein Synonym des Ellington-Jazz der 40s - immer noch oft und gerne dem „Duke of Ellington“ zugeschrieben und nicht Billy Strayhorn. Auch bei Jazzklassikern wie „Satin Doll“ oder „Lush Life“ denkt der Jazzfan schnell an den genialen Duke, gleichwohl Billy Strayhorn ein ebenbürtiges Talent als Komponist und besonders als Arrangeur war.

Deshalb kann ein Billy-Strayhorn-Tribute wie es Thomas de Lates mit dem brillanten Andy-Lutter-Trio im Herbst 2013 eingespielt hat, nur willkommen sein. Das Album enthält 11 Strayhorn-Kompositionen und zwei zusätzliche Songs wurden übrigens für diese CD als Ergänzung oder eine Art „ Alleinstellungsmerkmal“ von Andy Lutter komponiert und getextet von Thomas de Lates.

Gleich im ersten Song “Take the „A“ Train“ eröffnet sich die hohe Qualität dieser Produktion. Die warme Baritonstimme von Thomas de Lates ist sogleich sehr präsent und in den nacheinander vorgestellten Soli der Musiker – Saxophon, Piano, Bass - begleitet von den silbrig-swingenden Beckenschlägen des Schlagzeugers Sunk Pöschl - übertrumpft die kreative Spielfreude sogar noch die augenscheinliche Professionalität.

Beim swing-gemäßigten „Satin Doll“ zeigt sich, dass Thomas de Lates hier im Gegensatz zum vergleichsweise schnelleren „Take the „A“ train“ ein geschmeidigeres Timing hat und besser mit Phrasierungen spielen kann. Eindrucksvoll auch die Bass-Einleitung und wieder die Piano- und Saxophon-Soli. Allen Musikern wird auf diesem Album viel Freiraum für Improvisation gewährt.

Gesanglich kann Thomas de Lates für mein Empfinden am ehesten in den Balladen überzeugen. Das wird sehr deutlich, bereits im dritten Song des Albums, “Lush Life“. Seine dunkle, ausgereifte Stimme betont nuanciert die Lyriks und phrasiert die edel-raffinierte Melodie in der genau richtigen Weise, wie sie zu verstehen sind.

„Life is lonely“ hieß der Song anfänglich, als Strayhorn an dieser Komposition bereits im bemerkenswerten Alter von sechzehn Jahren arbeitete. Die Melancholie und Schwermut von „Lush Life“ scheint geradezu symbolhaft schon im Vorfeld die meisten seiner noch ungeschriebenen Kompositionen zu unterstreichen. In den Dreißiger Jahren als kleingewachsener, farbiger Homosexueller in den USA halbwegs zufrieden, angst- und sorgenfrei zu leben, muss auch für einen Billy Strayhorn - obschon ihm als Künstler und Musiker vielleicht eher die sogenannte "Narrenfreiheit" zugestanden wurde - fast unmöglich gewesen sein.

Auch andere Strayhorn_Balladen auf dieser CD wie „Chelsea Bridge“, „Something to live for“, und „Passion Flower“ sind von Melancholie und tiefem Ernst geprägt. Selbst bei „A flower is a lovesome thing“ wo Strayhorn im Text die Schönheit und Bedeutung der Blumen und der Natur allgemein in Beziehung zur Liebe setzt und beschreibt, wird jede Heiterkeit oder ein positives Lebensgefühl vermisst. Es ist an sich schon ein kleines Kunststück - und ein absolut musikalisches Gehör ist vonnöten - diese komplizierten, filigran-versponnenen Melodien mit seinen ungewöhnlichen Harmonien richtig zu intonieren.

Dies gelingt Thomas De Lates einwandfrei. Auch kann er die Schönheit dieser Melodien mittels stimmlicher Klangvariationen und einem subtilem Nachschwingen seiner Noten häufig offenbar machen. Mitunter aber auch betont seine nicht mehr junge Stimme die Tristesse der Songs zusätzlich, wenn seine tiefsten Bass-Bariton-Töne allzu angebrummt daher kommen und man diese Balladen so hintereinander anhört.

Bei „Chelsea Bridge“, einer musikalisch besonders anspruchsvollen Strayhorn-Komposition, tastet sich der Sänger de Latos vorsichtig in höhere Noten, sein weiches Timbre kann sich dort klangschöner entfalten als in den sehr tiefen Registern: die Stimme enthält mehr Leben und Farben. Wie bei vielen Songs dieser CD besticht auch hier das Andy-Lutter-Trio mit einem betörend stimmigen Arrangement. Die Pianotupfer eingangs wirken wie helle, tanzende Lichtreflexe - die Melodie löst sich atmosphärisch und schwebend.

Eine sehr eindrucksvolle, kunstvoll aufgebaute und zum Teil dramatische Einspielung in Gesang und Begleitung wurde das weniger interpretierte „My flame burns blue ( Blood Count). Es ist Strayhorns letzte Komposition - fertig gestellt auf dem Krankenbett. Der Song mit den Lyrics von Elvis Costello klingt wie eine abschließende, desillusionierende Bestandsaufnahme des Billy-Strayhorn-Lebens, aber er ist voller Poesie und Metaphern. Besonders in den Soli glänzt Pianist Andy Lutter mit seinem eigenständigen, virtuosem Spiel, sowie Bassist Thomas Hauser und Schlagzeuger Sunk Pöschl.

Andy Lutter ist sozusagen neben Thomas de Lates das gleichrangige Herzstück dieser CD. Davon zeugen die ausgefeilten, wunderbar an die komplexen Strayhorn-Klangstrukturen angepassten Arrangements und insbesondere auch die zwei Eigenkompositionen „The man behind“ und „Swee' Pea“. Thomas de Lates schrieb zu diesen Songs sensible Lyrics, die Bewunderung und große Empathie ausdrücken.

Letztere zwei Songs vervollständigen diesen erfreulichen, „jazz-bereichernden“ Tribut an den unvergleichlichen Jazz-Komponisten Billy Strayhorn. So endet das Album mit „Swee' Pea“ voller Annerkennung und Liebe im Gesang von Thomas de Lates und den etwas wehmütigen Klängen des Saxophonspielers Uli Wangenheim.


Sophisticated Lady
Sophisticated Lady
Wird angeboten von Kiri-One-Books (Medienversand)
Preis: EUR 9,73

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was ist dieses Ding namens Liebe?, 2. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Sophisticated Lady (Audio CD)
Diese CD, die definitiv „Jazz“ ist und nicht anderes - will den Vokaljazz nicht modernisieren oder gar „neu erfinden“. Eher geht es um das Aufbewahren, Erinnern und „Neugestalten“. Letzteres ist etwas anderes als das unerträglich bemühte und strapazierte „sich neu erfinden“. Es sollte so sein, dass ein guter Sänger einen Klassiker in „seiner“ ganz eigenen Art singt, seine Version muss sich unterscheiden von anderen, bekannten Versionen. Wie das gelingt, hängt vom Können und der musikalischen Kreativität des Künstlers ab, aber er muss sich nicht „ neu erfinden“! Die neue CD „Sophisticated Lady“ lässt trotz des großen Bekanntheitsgrades der Songs sofort aufhorchen, hauptsächlich durch die unverwechselbare Stimme und Art der Interpretation Bettina Pohles.

„Sophisticated Lady“ widmet sich bis auf drei Neukompositionen den ebenso genialen wie unvergänglichen Jazzklassikern des Great American Songbooks. Dabei wurde jede schablonenhafte Bearbeitung vermieden. Innerhalb der vielfarbigen Arrangements sind Soli aller Musiker integriert.

Die Neueinspielung dieser Standards erhalten ihren musikalischen Reiz durch den überraschenden Wechsel von großer Wärme und Gefühl zu Kühle oder herber Schönheit im Gesang der Künstlerin. Bettina Pohles Interpretationen geben den oft gehörten Songs neue musikalische Impulse. Nirgendwo sind sie stimmlich verschwommen oder „bedeutungsvoll angehaucht“, und weit entfernt vom gefälligen, bequem zu konsumierenden „Schmusejazz“.

Dabei vermag Bettina Pohles differenzierter, sehr spezieller Vortragsstil nicht unbedingt auf Anhieb gefallen oder fesseln. Sie singt eben überhaupt nicht kommerziell - und das hat auch sein Gutes. Denn hier fliegt einem gesanglich nichts zu, was man schon x-mal an Stimmen gehört hat. Nach mehrmaligem Anhören der Songs kommt dann die schöne Überraschung: nämlich ein Erkennen der hohen musikalischen Qualität. So wie die Sängerin in ihrem Gesang Melodie und Lyrics spröde-fragil bis hochsensibel behandelt - weniger gefällig fließend - sondern mit intim-tiefgründiger Phrasierung - offenbaren sich Wahrheiten und komplexe Lebenserfahrung. Dabei dringt sie zum Kern der Kompositionen vor und wird zum überzeugenden „Storyteller“.So erreicht sie genau das, was sie im Booklet schreibt:

Singing Jazz to me means more than anything: Authentic story-telling. The thought of reaching or touching someone with my interpretation of a song, of having someone hear and believe the story I tell, is something I cherish deeply.“

Bei Bettina Pohle erhalten auch vordergründig heitere Songs durch ihre spezifische Klangfarbe und Diktion der Lyrics oftmals einen leicht melancholischen Unterton. Dass die Melancholie ein Teil des Lebens ist und sehr wohl Lebensfreude beinhaltet - das kann Pohles Gesang auch vermitteln.

So auch bei Cole Porters „What is this thing called love“. Die Frage nach diesem „Ding“ namens Liebe, zieht sich thematisch - ernst, seltsam, traurig, desillusionierend, abgeklärt, heiter oder lakonisch behandelt - durch die gesamte CD. Der Song läuft Galopp, hart swingend - „finger-snapping & toe-tapping!“ Dazu kommen Ralf Ruhs blitzschnelle Pianoläufe in Begleitung und Solo und ein tolles Drumsolo von Peter Horisberger. Nach der offensiv und stürmisch gesungenen Frage, endet Pohle den schnellen Song eindrucksvoll mit einer unerwarteten, schier endlosen Note bei : Love.

Das Repertoire von „Sophisticated Lady“ offeriert Kostbarkeiten der besten US-Komponisten.

Guy Wood hat verglichen mit Namen wie Porter, Arlen, Ellington oder Gershwin nicht deren immense Popularität erreicht - aber sein Standard von 1952 „ My one and only love“ ragt als Love-ballad mit Jazz-Charakter in unübertrefflicher Schönheit hervor. Dem Schmelz der Melodie kann man sich schwerlich entziehen. Es ist eine Melodie, welche Begriffe wie Romantik, Innigkeit,Verliebtheit und Liebe ohne Kitsch und Klischees in harmonischer Perfektion vereinen. Großartige Künstler wie John Coltrane & Johnny Hartman, Chet Baker, Chick Corea, Ella, Sarah, Sinatra bis hin zum gerühmten „Pop-Jazzer“ der Jetztzeit - Jamie Cullum, konnten nicht widerstehen und nahmen diesen Song auf.

Trotz seiner Eingängigkeit ist der Song nicht zu unterschätzen und ist wegen seines großen Tonumfangs eine Herausforderung an Sänger. Die Melodie beginnt mit einer extrem tiefen Note,

um später fast arienmässig weit in die Höhe zu gehen. Bettina Pohle singt mit großer Hingabe, verliert sich aber nicht in gefühligem Hauchen und Flüstern, sondern intoniert in einigen Passagen sogar mit sehr viel Volumen! So endet dieses Liebesbekenntnis als ausdrucksstarke Ode an die Liebe. Dazu lässt Ralf Ruh in seinem wunderbaren Solo lyrisch das Piano erzählen.

Dunkel und mehrdeutig leitet ein Bass-Solo (Lars Gühlcke) zum traurigen Song „Good Morning Heartache“. Es geht um den „Herzschmerz“, an den man sich aber schon gewöhnt hat, weil er sich jeden Morgen in der Dämmerung wieder einstellt. Der Schmerz kam, als die Liebe ging - wurde schließlich zum gewohnten Begleiter. Also begrüßt man ihn mit der Frage: „Was gibt’s Neues, Herzschmerz?“ Vorsichtig tastet sich Bettina Pohle in den Song. Wenn sie die Zeile „when my love went away“ singt, ist das „ love“ hervorgehoben wie ein tiefer, stiller Schmerz. Kein Verzweiflungsschrei - aber von unbezwingbarer Traurigkeit.

Beim Titelsong „Sophisticated Lady“, dem kongenialen Jazzklassiker von 1932, singt Bettina Pohle überzeugend die Geschichte von der eleganten, anspruchsvollen Frau, welche in den Tag lebt..raucht, trinkt und tanzt - jedoch eigentlich in der Hauptsache ihrer alten Liebe nachtrauert - und nur dann weint, wenn niemand in der Nähe ist.

Sie weiß genau, was mit ihr passiert ist:

„Then, with disillusion deep in your eyes you learned that fools in love soon grow wise“

Aber letzten Endes bleibt trotz aller Klugheit als Fazit ein resignierendes, trauriges:

„No, sophisticated Lady I know, you miss the love you lost long ago and when nobody is nigh you cry...“

Liebe kann den Charakter ändern - Erfahrungen machen klug aber oft auch illusionslos. Diese Gefühle und Erkenntnisse beschreibt und befördert Pohle innerhalb der komplizierten Melodie inspirativ mit allen traurigen, sehr dunklen Zwischentönen. Das wechselt von distanziert zu klangsinnlich - spannungsvoll werden viele Facetten ihrer Interpretationskunst ausgelotet. In Bettina Pohles neuer Version fühle ich, dass diese Ellington-Komposition mit ihren zum Teil modernen Harmonien auch als Beispiel dafür dienen kann, wie sehr in einer Melodie sich das ewige, unergründliche Geheimnis der Musik an sich offenbart.

Wie schon beschrieben, wird die Frage nach dem „Ding“ Liebe aber auch mit weniger problembehafteten Inhalten in den Songs dieser CD behandelt. Gershwhins „It's wonderful“ schwelgt euphorisch vor positivem Lebensgefühl! Bei „Just one of those things“ swingt es heiter. Ein reueloser Rückblick auf eine kurze, aber intensive Liebesaffäre wird hier lakonisch-witzelnd vorgestellt. Im Instrumentalteil haben Pianist Ralf Ruh und Drummer Peter Horisberger ein temperamentvolles Zwischenspiel.

Der Song, bei dem Jazzakzente in höchster Dynamik aufglühen ist „Things ain't what they used to be“. Bettina Pohle überrascht mit robusten Tönen die ihr sehr gut stehen. Hier geht sie so

draufgängerisch vor, dass ihre Stimme eine derbe, fast schmutzige Klangfarbe erhält. Special Guest Wolfgang Frister brilliert mit einem fabelhaften Saxophon-Solo. Im gemeinsamen Spiel erreichen hier alle Künstler das vitalste und „jazzschillernste“ Highlight der gesamten CD.

Eine ähnlich „schmutzige“ Färbung ihrer Noten ist auch bei „Stormy Weather“ zu hören. Die tot-traurige Harold-Arlen-Ballade gehört auch zum Great American Songbook, besticht aber seit ihrem Entstehungsjahr 1933 mit ungewöhnlich großem Jazzgehalt und wurde seit Anbeginn schon immer gerne von farbigen Jazzvokalisten gesungen. Bettinas Version wird trotz des schmerzvollen Inhalts nicht weinerlich, sondern eher rauh, unversöhnlich, fast anklagend und gegen Ende hin immer lauter werdend vorgetragen.

Von den vierzehn Titeln der CD sind drei Songs neu geschrieben worden. Ralf Ruh komponierte nach den Lyrics von Bettina Pohle zwei Songs, deren Melodik und Melodie für Pohles Stimmpräsenz und deren Entfaltungsmöglichkeiten absolut stimmig sind.

“Lets go out and have some fun“ beginnt als langsame Ballade, die wie ein längeres Intro funktioniert, um danach rhythmisch beschwingt zur lebensbejahenden, heiteren Seite zu wechseln.

„Nothin' ever stays the same“ wird von Bettina Pohle in ihrer ganz eigenen, unsentimentalen und trotzdem wehmütig empfundenen Weise vorgetragen. Mit diesen zwei Songs sind Pohle und Ruh ganz bei sich! Erwähnenswert auch, dass ihre neuen Songs neben weltberühmten Jazzstandards wie „Stormy Weather“ oder „Good Morning Heartache“ vollkommen gleichgewichtig bestehen können. Ein Album mit eigenen Kompositionen und Texten würde sicher noch einmal in besonderer Weise die Talente beider Künstler beleuchten und mit Freude und Genuss erfahrbar machen.

Der dritte neue Song wurde vom Johnny Cash Komponist Thomas O' Connell geschrieben.“My heart goes with you“ ist ein sacht swingender Song. Bettina Pohle trägt in mit wunderbarer Leichtigkeit vor. Beim langen Pianosolo wird erneut klar, wie sehr Ralf Ruh zum Gelingen dieses Albums beiträgt. Der adäquate, harmonisierende Klangkörper seines Spiels umfängt die Stimme Bettina Pohles bei allen Songs in bestmöglicher Weise.

Am Ende dieser CD-Rezension möchte ich noch hinzufügen: Nein, ich konnte nicht voraus ahnen, dass dieses neue Album von Bettina Pohle & Ralf Ruh Trio den Titel „Sophisticated Lady“ erhielt. Eben mit diesen Titel überschrieb ich meine Rezension zu ihrem Album „Just (b) von 2012.

(Auszug:)„Nach zwölfjährigem Aufenthalt in den USA hat Berlin mit Bettina Pohle eine wirkliche 'Sophisticated Lady' zurückerhalten. Diese weltberühmte Duke-Ellington-Komposition ist auf ihrer jüngsten CD nicht enthalten, aber alles, was für 'sophisticated' steht ' kultiviert, fortgeschritten, feinsinnig, anspruchsvoll, differenziert, elegant - findet sich in Bettina Pohles Gesang wieder, sowohl in den Balladen als auch in Up-Tempo-Songs.“

Die damals von mir gewählten Attribute haben auch auf Bettina Pohles neuer CD Gültigkeit - wobei ihr Gesang diesmal von stärkerer Intensität und einer gewissen Robustheit im Ausdruck getrieben scheint. Wie immer beeindruckt sie auch durch ihre intelligente, textgezeugte Phrasierung.

Sie beherrscht die graduellen Feinheiten von Distanz und Hingabe. Ihre Stimme klingt warm in den Tiefen - aber sie kann auch unversehens „harsch“ klingen, besonders wenn durch starke Akzentuierung mancher Songpassagen die Worte geradezu hervorstechen. Die Gesamtheit ihrer sehr subtilen, sängerischen Eigenheiten machen den Reiz ihrer Interpretationen dieser Standards aus.

Das Album ist tontechnisch hervorragend produziert. In idealem, warmen Klang verbinden sich Stimme, Piano, Schlagzeug, Bass und Saxophon zur musikalischen Einheit mit hörbarer Transparenz und Dynamik.


Wenn Es Morgen Schon Zu Ende Wr' (2-Track)
Wenn Es Morgen Schon Zu Ende Wr' (2-Track)

12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unverkennbar Cicero !, 4. März 2014
Die neue Roger Cicero-Single "Wenn es morgen schon zu Ende wär" impliziert vom Titel her zunächst Skepsis oder zumindest leichtes Ungemach.
Dass dem nicht so ist, vermutet man jedoch schnell nach den ersten Takten Musik. Total dynamisch im vorwärtspreschenden Drive tönt der neue Song aus den Boxen und vermittelt ein positives, fröhliches Lebensgefühl. Sieht so aus, als wäre jemand neugierig, was passiert, wenn man die Sicherheiten mal lockert oder gar loslässt.
Vielleicht macht Cicero das gerade, denn:
"Das Schicksal stellt die Weichen, ich nehm’ die Unsicherheiten in den Arm.
Ich hab den Fallschirm ausgeklinkt und hab den Haltegurt durchtrennt.
Hab die ausgetret’nen Pfade und den Typ im Hamsterrad im Meer versenkt." ......um dann festzustellen:
Hab die Kontrolle verlor’n, bin gekentert im Sturm und zum ersten Mal schau ich nur nach vorn.

Das sind die typischen, illustrativen, unweinerlichen Lyrics, die schon immer Cicero-Songs ausgemacht haben.
Seit seinem bisher besten und musikalisch vielfältigstem Studioalbum -"In diesem Moment" (2011) hat Cicero sich im aktuellen deutschen Popsong etabliert - ohne Jazz- und Swingeinflüsse vollständig beiseite gelegt zu haben.
Das geht wohl auch garnicht, denn in seinerStimme und Phrasierung klingt Swing und Jazz einfach immer durch.
Auch im Arrangement der neuen Single funkeln herrlich die Bläser - wenn auch sehr sparsam.
Auf das neue Album darf man durchaus gespannt sein.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 6, 2014 10:03 PM CET


Robbie Williams - One Night at the Palladium
Robbie Williams - One Night at the Palladium
DVD ~ Robbie Williams
Preis: EUR 8,45

5 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Robbie teilweise gut - aber schlechter Sound + die Muppets stören..., 8. Dezember 2013
Ich habe mich auf diese DVD von Robbie sehr gefreut, denn das Konzert in der der Royal Albert Hall war großartig! Das neue Album ist nicht ganz so gut wie "Swing when you're winning" aber immer noch überwiegend gelungen. Jedenfalls toll, dass er nochmal ein solches Album gemacht hat.

Nun also die DVD. Ich bin enttäuscht! Der Ton ist höchstens okay was die ( recht gute) Big Band betrifft, aber Robbies Stimme ersäuft im Sound. Tiefere Töne sind fast nur zu ahnen. Sehr oft liegt seine Stimme im Hintergund, von ihm ist viel zu wenig zu hören. Das ist absolut nicht optimal - sehr schade.

Die Idee mit den Muppets - ist Geschmackssache. Ich finde, das ist Kindergarten - wer braucht sowas? Schade um die Zeit. Der Auftritt mit Rufus Wainwright war gut, der Song für seine Tocher "Go Gentle" auch. Mr. Bojangles bringt er immer noch sehr gut und bei "Mack the Knife" ist Robbie endlich in seiner absoluten Hochform. Das war hinreißend - davon hätte ich gerne mehr gehört. Aber sonst? Der Rest ist sehr mittelmäßig. "Dream a little dream of me" zu nah am Original der Mamas and Papas. Da hätte den Arrangeuren mehr einfallen können. Und dann noch das abgenudelte "Something Stupid" mit Miss Piggy...

Fazit: Das Gelbe vom Ei ist dieses Konzert leider nicht.
Aber wenn Robbie gut ist, ist er gut: Deshalb noch 3 Sterne.


Higher Ground
Higher Ground
Wird angeboten von A ENTERTAINMENT
Preis: EUR 6,78

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vorsicht- kein "understatement": Streisand zieht gesanglich alle Register!, 2. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Higher Ground (Audio CD)
"Higher Ground" ( zu deutsch: "Höhere Ebene"), beinhaltet sogenannte Inspirational-Songs, a Celebration of Love and Faith.

Vom Aufwand her, handelt es sich um eine Großproduktion: Barbra wird live von einem Siebzig-Personen-Orchester, plus teilweise einem großen Chor, begleitet. Zahlreiche Aufnahmetechniker und Toningenieure zauberten den besten Sound, den bis dato jemals eine Streisand-Aufnahme hatte.

Barbra Streisand und alle Beteiligten an dieser Produktion, haben mit "Higher Ground" ein in jeder Hinsicht brilliantes und ungewöhnliches Album geschaffen. Barbra Streisand hat diese CD der Mutter von Präsident Clinton, Virginia Kelley, gewidmet, mit der sie eine große Freundschaft verband. Als Virginia Kelley 1994 starb, wurde auf der Beerdigung der Gospelsong "On Holy Ground" von der Sängerin Janice Sojstrand vorgetragen. Barbra war von den Worten und der Melodie dieses Songs so stark beindruckt, daß in diesem Moment die Idee geboren wurde, ein Album wie "Higher Ground" zu machen.

"I Believe/You'll Never Walk Alone", das erste Medley von "Higher Ground" beginnt mit einer ungewöhnlich langen, instrumentalen Einleitung, sehr leise und getragen. Die Verbindung dieser zwei Songs ist absolut gelungen; wunderschön, wenn Barbra's Einsatz in den Song "You'll Never Walk Alone" nur von Percussion-Klängen begleitet wird.

"Higher Ground", der Titelsong, beginnt mit akustischem Gitarrensound der sofort eine Stimmung von "Weites Land" oder allgemein Natur und Harmonie vermittelt. Barbra's Stimme setzt weich und tief ein um jedoch mit den nächsten Sätzen schon mühelos sehr hoch zu werden, eben : "... so take my hand and lift me higher,.... to a higher Ground". Dieses Lied gewinnt für mich mehr und mehr mit jedem neuen Hören. Es fällt auf, wie wundervoll Barbra's Stimme in Kombination mit der akustischen Gitarre klingt. Aber vorerst erfreue ich mich an diesem Album, und außer "Higher Ground" gibt es noch viele Titel, auf dem die Gitarre deutlich hervorgehoben ist.

"At The Same Time" bleibt einem sofort in Erinnerung wegen der faszinierenden, irgendwie magischen Melodie, die sich immer weiter, stark vorwärtsstrebend aufbaut. Aus dem in der zweiten Strophe kurz eingeblendenten Kinderchor wird akustisch ein Riesenchor, der sich im Einklang mit Barbra's Gesang immer lauter steigert.

"Tell Him" , das Duett mit Celine Dion und Single der CD, ist inzwischen ein Hit geworden. Ohne Frage ist der Song sehr gut und effektvoll gemacht, jedoch mit der hohen Qualität aller anderen Titel dieser CD, kann "Tell Him" kaum mithalten. Man hört diesem Duett an, warum es geschrieben wurde; nämlich um einen Hit zu landen. Vielleicht ist der Kontrast der beiden Stimmen für ein Duett nicht groß genug. Besser war das Duett mit Kim Carnes auf Barbra's "Emotion"- CD!
Keinesfalls möchte ich die stimmlichen Fähigkeiten von Celine Dion anzweifeln. Sie hat ein tolles Stimmaterial, aber eine solche Unverwechselbarkeit und Ausdruckstiefe, wie sie Barbras Stimme aufweist, kann ich bei ihr nicht hören.

Mit "On Holy Ground"betritt Barbra für sich selber absolutes Neuland, obwohl es ja musikalisch nicht mehr viel gibt, was sie noch nicht gemacht hat. Das über sechsminütige Stück ist ein klarer Höhepunkt der CD, phantastisch arrangiert und der achtzehnstimmige Chor ist einfach grandios. Der Song baut sich langsam auf. Erst in der zweiten Strophe setzt der Chor zunächst sehr behutsam, um dann mit jedem weiteren Wort intensiver zu werden, bis sich ein wahrer Sturm aus Stimmen erhebt. Hier kann Barbra sich nicht schonen, sondern begibt sich mit ihrer Stimme gekonnt in zum Teil schwindelerregende Höhen.

"If I Could" ist eine einfache, schöne Ballade, mit gefühlvollem Text, die Barbra für ihren Sohn Jason singt. Man könnte sich den Song allerdings auch auf einer anderen Barbra-CD vorstellen. Er ist, zumindest musikalisch gesehen, nicht so speziell für dieses Album passend und gemacht wie beispielsweise "I Believe" oder "Higher Ground"

Die zwei Traditionals "The Water Is Wide/Deep River", wieder als Medley kombiniert, sind mit Barbra Streisand's klarer Interpretation eine weitere Glanzleistung des Albums. Ebenso wie bei "On Holy Ground", sind diese beiden Titel stilistisch völlig neu für sie, denn sie hat auf allen früheren Alben niemals etwas ähnliches gesungen. Umso verwunderlicher ist es, daß man sehr schnell überzeugt feststellt, wie gut diese Songs zu ihr passen. Das hat auch etwas mit der Veränderung ihrer Stimme zu tun, die heute weicher, voller und wärmer klingt. Ihre mit den Jahren tiefer gewordene Stimme hat eine ganz andere, großartige, nuanciertere Qualität bekommen. Diese neu gewonnenen Möglichkeiten nützt sie bei "Deep River" voll aus. Hier erreicht sie die tiefsten Töne ihrer Karriere.

"Leading With Your Heart", ist für Barbra Streisand's dynamische Spannbreite perfekt maßgeschneidert. Der Song ist nicht von ungefähr auch der Titel einer Biographie über Virginia Kelley, der dieses Album gewidmet ist. Das Lied mit seiner weit ausholenden Melodie ist ein 100%iger Streisandsong und gefällt sofort.

Einen richtigen "Heartbreaker" bietet uns Barbra mit "Lessons To Be Learned". Es ist ein Lieder voller Leidenschaft, in dem Barbra nicht nur den "belcanto" pflegt, sondern sie liefert sich total aus! Ein Song mit einer dramatischen Melodie und bewegendem Text, der durch sein trauriges Pathos sehr beeindruckt.

Nicht so dramatisch, aber ebenso eindrucksvoll ist das sensible "Everything Must Change". Eine leise Ballade mit einem wunderbaren, sehr poetischen und weisen Text. Ich kenne das Stück schon in Aufnahmen von George Benson und Sarah Vaughan. Letztere gestaltete diese Ballade während eines Jazz-Konzertes so hinreißend, daß ihre definitive Version unübertrefflich erschien. Daß jetzt die kunstvolle Streisand'sche Version genau so gut ist, hat auch viel mit dem auf höchstem Niveau geschaffenem Arrangement zu tun. Entsprechend der pastoralen Qualität des Liedes klingt das Orchester mit sanften Streichern, Flöten und dem Piano im Vordergrund, wechselweise nach Debussy oder einem Klavierkonzert von Brahms. Nach diesen etwas schwermütigen Klangfarben beendet Barbra die letzten Verse dieser Ballade mit heller, im Ausdruck fast kindesähnlicher Stimme. "Everything Must Change" scheint mir das subtilste, ernsteste und nachdenkenswerteste Stück dieser CD zu sein.

Mit dem jüdischen Gebet "Avinu Malkeinu" ("Unser Vater,unser König") findet die CD "Higher Ground" noch einmal einen fulminanten Höhepunktund feierlichen Abschluß. Das Lied wird von Barbra Streisand in hebräischer Sprache gesungen. An der Interpretation dieses Liedes sieht man, wie weitreichend Barbra Streisand's musikalischen Talente und Möglichkeiten sind. Die ersten Zeilen des Gebetes singt sie allein, danach wird sie von einem prachtvollen 24-Personen-Chor begleitet. Diesmal jedoch erhebt sich ihre Stimme strahlend über den großen Chor hinaus.

Im US-Magazin "Wall of Sounds" schrieb Gary Graff unter anderem über diese Streisand CD:
"Streisand's voice is a wonder, of course -- wonderfully expressive and even soulful, with a range that belies her fifty-five years!"


A Love Like Ours
A Love Like Ours
Preis: EUR 5,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Barbra Streisand’s ganz persönliche Love-Symphony:, 2. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: A Love Like Ours (Audio CD)
Barbra Streisand stellt mit dieser CD ein tiefpersönliches, privates, fast schon intimes Album, welches daherkommt wie ein verspätetes „Wedding-Album“. Ihre wichtige Botschaft, so erklärt sie im Booklet der neuen CD, ist die erfahrene Liebe und Freude, welche sie weitergeben und teilen möchte.

Dieses Album ist rundum harmonisch, eher entspannend als spannend, eben ein Leichtgewicht.

Aber was für eins!
Wer eine so brilliante Stimme wie Barbra Streisand hat, darf sich diesen schwelgerischen Streifzug der Gefühle leisten. Das Album hat den therapeutischen Effekt eines wundervoll duftenden Orchideenbouqets. Diese Lieder vermitteln sofort die wohlige Wärme eines Kaminfeuers oder eines Candlelight-Dinners, aber ebenso auch ein Empfinden von Zärtlichkeit, Beschützsein, Verständnis, Verstehen, Ehrlichkeit,Vertrauen und Ernsthaftigkeit.

Vom ersten bis zum letzten Lied ist „A Love Like Ours“ eine Love-Symphonie in Reinkultur. Immer überzeugender ist sie auch neben der bloßen Sängerin mit guter Stimme, eine Darstellerin von lyrischen Texten geworden, deren Aussage sie mit ihrem individuellem Ausdruck zur Vollendung bringt.Unter den zwölf Songs gibt es immerhin fünf Meisterwerke an denen wir uns erfreuen und zu deren Besprechung ich später komme: „I’ve Dreamed Of You“, Isn’t It A Pity“, The Island“ und natürlich „The Music, That Makes Me Dance"

Mit der Ballade „I‘ve Dreamed Of You“,eröffnet Barbra betont stimmungsvoll ihren Reigen melodischer Love-Songs. Das Lied, eine Ballade mit vier musikalisch gleichen Strophen ist nicht nur ein langsam-getragenes Liebeslied, sondern ich möchte es irgendwo zwischen Kunstlied und Minnesang einordnen. Die Flöte gleich zu Beginn der Aufnahme hat die idyllische Morgenstimmung der Grieg’schen Peer-Gynt-Suite. Mit den federnd-sanften Klängen der akustischen Gitarre setzt weich das schönste Instrument, Barbra’s Stimme ein, dem später zaghaft die sinfonischen Streicher folgen. Ihr ruhiger, beinahe timbrefreier Vortrag meidet das falsche Pathos und nur für zwei, drei kurze Momente in diesen vier Strophen „erhebt“ sich ihre Stimme so, wie man es von „Der Streisand“ gewohnt ist.

Es folgt als zweites Lied ein großer Klassiker, der Gershwin-Song „Isn’t It A Pity“. Begleitet von einem stimmigen, klassischem Arrangement, welches in der Mitte des Songs ein Harmonica-Solo bereit hält, zeigt Barbra mit ihrer unnachahmlichen Phrasierung, perfekter Intonation und natürlich glasklarer Stimme was sie mit einer Melodie und einem gehaltvollemText machen kann! Es stimmt zwar, es ist nichts Neues was Barbra Streisand auf dieser ruhigen, wenig spektakulären CD präsentiert. Es gibt keine Überraschungseffekte. Auf „A Love Like Ours“ singt Barbra Streisand schöne Songs mit Stimme pur, die vielleicht nur echte Streisand-Fans und „Stimm-Puristen“ interessiert.

Wenn Barbra eine Komposition liebt und diese auswählt, nimmt sie sich voll und ganz der reinen Melodie an, so wie sie geschrieben wurde. Besonders dann, wenn sie so gut ist, wie ein Gerswhin-Song! Barbra Streisand achtet das Werk eines Komponisten und gibt der Schönheit von Text und Melodie möglicherweise einen neuen Ausdruck durch ihre eindringliche, intelligente Interpretation und der Magie ihrer Stimme. Das ist ihr bei „Isn’t It A Pity“ absolut gelungen.

Die Brasilianer Ivan Lins & Vitor Martins haben den Song „The Island“ komponiert. Barbra’s langjährige Freunde, das Ehepaar Alan & Marilyn Bergmann erneuerten speziell für Barbra ihren Songtext, der durchaus erotische Momente enthält. Schon wenn die ersten Bossa-Nova-Takte erklingen wird man gleich an „Speak Low“ vom „Back To Broadway“ Album (1993) erinnert. Bei „The Island“ spielt der brasilianische, wohl überhaupt berühmteste Percussionist Paulinho DaCosta. Das Tenor-Saxophon-Solo wird von dem sehr schnell avancierten Superstar Kenny G. gespielt. Barbra’s Stimme klingt auf dieser Aufnahme so hell, jung, und unverbraucht, daß man ihr höchstens 30 Jahre gibt. Leicht rythmisch, und dabei federleicht schwebend, offeriert uns ihre Stimme impressionistisch schimmernde, einschmeichelnde Klangfarben.Noch ein, zwei Songs dieser Art hätten dem Album recht gut getan!

„Love Like Ours“, der Titelsong der CD ist ein zunächst unspektakuläres Lied, welches aber nach öfteren Hörem mehr und mehr beindruckt. Barbra Streisand, die diese Art von ungewöhnlichen Melodien liebt, hat die besondere Qualität der Komposition erkannt und singt diesen Song mit großer Sensibilität. Durch ihre erlesene Interpretation wird die schlichte Komposition, die auf dieser CD am ehesten mit „I‘ve Dreamed Of You“ zu vergleichen ist, ebenfalls zu einem klaren Kunstlied.

Für das Duett „If You Ever Leave Me“ hat sich Barbra als Partner den amerikanischen Super-Country-Star Vince Gill ausgesucht. Es ist ein schöner Song, bei dem nicht ganz so effekthascherisch und simpel auf die Pauke gehauen wird, wie das bei „Tell Him“ der Fall war. Die beiden, gut kontrastierenden Stimmen passen besser zueinander als bei vorherigen Duett mit Celine Dion.

Im ähnlichem Stil, was den ganz schwachen Country-Touch betrifft, folgt das leicht schwingende „We Must Be Loving Right“. Wieder ist zu bemerken, daß ihre von Piano, Violinen und akustischen Gitarren begleitete Stimme so charmant, soft und jung klingt, daß die 57 Lebensjahre ihrer Stimme in keiner Weise anzuhören sind.

Die drei bittersüßen Balladen „If I Never Met You“, „It Must be You“ und das dramatischere „If I Didn’t Love You“, differieren zumindest musikalisch gesehen nicht so sehr, daß ich sie extra beschreiben müßte. Auffallend bei „If I Never Met You“ sind allerdings die traurig-melancholischen Klangfarben in Barbras Stimme.Persönlich gefällt mir von diesen drei Songs am besten „It Must Be You“, weil es eine so schöne Steigerung zum Mittelteil des Liedes gibt, in dem Barbra vielstimmig mit sich selbst singt. Das klingt gut und ist so wirkungsvoll, daß man sich fragt, warum Barbra diese technische Variante in ihren Liedern nicht öfter anwendet.

Mit dem folgenden Stück „Just One Lifetime“ erhält die CD wieder ein echtes Highligt! Die Aufnahme beginnt und endet jeweils mit den gleichen Klängen, die ich etwas merkwürdig finde: der Synthesizer simoliert Violinen -und Harfentöne, die so arrangiert sind, daß man automatisch an Wiener Salon -oder Kafffeehausmusik denken muß. Zunächst ist ihr Vortrag ganz sanft und ruhig. Aber mit jedem weiterem Wort wird ihr Singen intensiver. Bald entwickelt sich dieser Song zur hochdramatischen, hymnischen Liebesarie. Barbra Streisand - selten auf dieser CD- zieht noch einmal alle Register, indem sie ihr berühmt-berüchtigtes „Schreivolumen“ einsetzt, welches den immer noch phänomenalen Reichtum ihrer Stimme zeigt und uns für die ansonsten etwas gleichförmige Art des Albums entschädigen mag!

Als ich die ersten Informationen zur CD „A Love Like Ours“ bekam, freute ich mich sehr, daß wieder eine Michel LeGrand Komposition dabei war. Das komplizierte Lied “Wait“ hatte er Barbra Streisand schon 1969 angeboten, die es damals jedoch nicht singen wollte. Ihre Stimme klingt etwas angestrengt, wenn sie nach LeGrand Manier (man denke an „Papa, Can You Hear Me“) in immer höhere Höhen steigen muß. Was ihr an dramatischen Höhepunkten in „Just One Lifetime“ so glänzend gelingt, wirkt bei „Wait“ einfach zu forciert.

„The Music, That Makes Me Dance“ , ist die einzige wirkliche Überraschung dieser CD. Erstens, daß Barbra Streisand dieses Lied nach 35 (!) Jahren zum ersten Male wieder singt, denn es ist ja nicht „irgend“ ein Lied, und zweitens, wie sie es singt! Das Abschlußlied aus dem Broadway-Musical „Funny Girl“ (1964), kennt jeder bisher nur in dieser einen kraftvollen, umwerfenden Version der zweiundzwanzigjährigen Barbra Streisand. Es gehört viel Mut dazu, ein so starkes Lied, an das sich jeder Fan als eine phantastische Vorstellung erinnert, nach 35 Jahren wieder aufzunehmen und es im Vergleich neben die erste Aufnahme zu stellen. Der Vergleich wird natürlich sofort angestellt, ob man das will oder nicht.

Die heutige Version klingt, dank der Technik, wesentlich voller, und Kenny G. läßt sein Saxophon effektvoll einfließen. Wenn nach den ersten einleitenden Takten die wunderschöne, old-fashionend Melodie erkennbar wird, sanft sich die Atmosphäre von Bar-Jazz ausbreitet, möchte man dahinschmelzen! Und dann Barbra’s Stimme! Obwohl die Stimme noch so jung klingt, ist es trotzdem unüberhörbar, daß es die Stimme einer erfahrenen Frau ist, die uns hier von intimen Ereignissen erzählt. Diese Überzeugung gewinnt man wieder durch Streisand’s Umgang mit den Lyrics. So wie sie manche Worte in einer unmißverständlichen Weise betont, erhält der Zuhörer einen echten Einblick in ihre Gefühlswelt. Nach und nach steigert sich ihr Gesang und scheinbar mühelos gelangt sie zum grandiosen Fortissimo Dieses Lied wurde von Jule Styne für Barbra Streisand komponiert,und es paßt so prägnant zu ihr, daß sie es instinktiv makellos interpretiert

„The Music, That Makes Me Dance“ dieser gloriose Showstopper, unterstreicht als letztes Lied diese gesamte Love-Symphonie. Am Ende des Songs kommt noch einmal das volle Orchester mit einem brisanten, opernhaften Schlußakord zum Einsatz, dem in wenigen Takten einige Noten aus dem Song “People“ untergemischt sind und durch den hindurch wir Barbra‘s funkelnde und hinreißende Stimme hören: „ ...that makes me dance...“ !


Liquid Spirit
Liquid Spirit
Preis: EUR 6,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großartig und unverzichtbar !, 11. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Liquid Spirit (Audio CD)
Da haben wir nun neben Kurt Elling - vielfach zitiert als „weltbester Jazzsänger - einen ebenbürtigen Jazzvokalisten, aber einen der ganz anderen Art. Tatsächlich klingt sein intensiver Bariton unvergleichlich melodisch und berührt augenblicklich ein breites Publikum der unterschiedlichsten Musikrichtungen. Porters Gesang ist erdiger, bluesiger und scheint zunächst auch gefühlvoller, als die vokalen Exkursionen im intellektuell-sophisticated Stil eines Kurt Elling, den man sich zudem schwerlich in den Pop-Charts vorstellen kann.

Bei Gregory Porter finden wir wie bei vielen großen, schwarzen Sängern, die klassische Vorgeschichte: Schon sehr früh interessierte er sich für Soul, Jazz, Rhythm & Blues, - und sang bereits als Kind Gospels in der Baptisten-Kirche. Obwohl Gregory Porter großartig „Jazz“ singt - fühlt man sich geneigt, die klangliche Ausstrahlung seiner Stimme viel eher dem Genre Soul, und vor allem Rhythm & Blues zuzuordnen.

Akustisch klingt seine Stimme auf „Liquid Spirit“ wie die besten Aufnahmen großer Soul- und Bluessänger aus den 60er und 70er Jahren. Das heißt: an keiner Stelle wird sein Gesang von Instrumenten oder irgendwelchen Soundexperimenten übertönt. Mit jeder Note tönt sein warmer Bariton so klar, rein, kräftig oder sanft und immer faszinierend schön, dass die Frage, ob der Sound möglicherweise doch etwas „altmodisch“ oder hausbacken sei, vollkommen absurd scheint. Im Gegenteil: Die Aufnahmen von Porters CD „Liquid Spirit“ haben in ihrer dynamischen Klangfülle und Transparenz eine Qualität, die an Perfektion grenzt.

Dass Porter mehr ist als „nur“ eine würdige Fortsetzung von großen schwarzen Soulstimmen wie Donny Hathaway, Marvin Gaye, Bill Withers, Gill Scott Heron oder sogar Ray Charles und B.B.King hört man nun endgültig auf seinem neuen Album: Der Soul in der Stimme ist immer gegenwärtig - aber bei Titeln wie zum Beispiel „Lonesome Lover“ (geschrieben von Abbey Lincoln) swingt Porters musikalischer Espressivo voll und ganz im modernen Vocaljazz.

Beim berühmten Jazzstandard „I Fall In Love To Easily“ erreicht er nach einem Pianosolo (großartig: Chip Crawford) einen glanzvollen Höhepunkt an Interpretation und Gesangskunst. Mit ungezügelter Gestaltungsintensität dringt er im hohen Register an seine vokalen Grenzbereiche. Da hört man wenn auch seltener auf dieser CD: er kann auch Drama! Der Titel geht über sieben Minuten und zeigt Porter als einen tief empfindenden, alle Nuancen beherrschenden Balladeninterpreten. Egal ob Porter sein großes Stimmvolumen voll aussingt oder ob er sich zurücknimmt: seine Interpretationen sind immer adäquat, sensibel und von unverwechselbarem Charisma.

In seinen eigenen, wechselvollen Kompositionen dominieren Jazzharmonik und -Melodik über bloße Soul & Blues Strukturen. Die Limited-Deluxe Edition von „Liquid Spirit“ enthält 16 Songs (14 davon aus seiner Feder) und überzeugt bei fast 70 Min. Spieldauer neben Porters unwiderstehlicher Stimme auch mit jazzig-virtuosen, aber niemals überfrachteten Arrangements. So wird er bei seinen Balladen, die stilistisch innerhalb von Soul, R&B oder Jazz wechseln, manchmal nur von Piano und Bass begleitet. Diese Sparsamkeit intensiviert noch die Wirkung seines Gesangs. Gregory Porter erweist sich auf der neuen CD mehr denn je als erlesener Songwriter von großer Individualität. „Water Under Bridges“, „Hey Laura“ ,“When Love Was King“ und besonders das sehr emotionale „Wolfcry“ sind allesamt starke und berührende Songs.

Bei seinen Up-Tempo-Titeln groovt es ordentlich wenn der Sound durch Sax-Soli, dynamische Bläsersätze und Hammondorgel kompakter wird und die Jazzakzente sich behaupten. Beim Titelsong „Liquid Spirit“, der wie ein Worksong klingt, drängen sich mir Vergleiche mit Ray Charles auf. Ebenso beim souligen „Musical Genocide“ mit seinen fantastischen Bläsersätzen, den starken drums und der Hammondorgel. Beim Song „Free“ fusionieren alle Stile: Jazz, Soul, Funk. Deshalb könnte man diesen Song stellvertretend für das ganze Album betrachten. Etwas aus der Reihe tanzt der ungewöhnliche, aber nicht minder gelungene (Bonus) Song „Time Is Ticking“. Er zeigt als einziger Song der CD leichte Anklänge ans POP-Genre aber nichtsdestotrotz die große Songwriter-Qualität von Gregory Porter.

Nach den CDs „Water“ und „Be Good“ ist dem neuen Star des Jazzgesangs mit „Liquid Spirit“ ein machtvolles, sicher bisher bestes Album gelungen. Liebhaber großer Soul-und Jazzstimmen werden daran nicht vorbei kommen.


Raum Schaffen
Raum Schaffen
Wird angeboten von baagad
Preis: EUR 1,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schöner Song, tolle Stimme, 23. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Raum Schaffen (Audio CD)
Volkan Baydar - die unverwechselbare Stimme der Orange-Blue-Formation
hat mich schon oft "live in concert" sehr beeindruckt.
Mit "Raum Schaffen" hat er sich textlich und musikalisch auf seine Art zeitgemäßem Deutsch-Pop zugewendet.
Die reguläre Radioversion erinnert darüber hinaus etwas an den Motownsound der 70er Jahre,
besonders wenn die Streicher im Einsatz sind.
Der Lounge-Remix klingt sparsamer, wirkt aber vielleicht gerade deshalb stimmlich intensiver.
Beide Versionen haben ihren Reiz.
Der unmissverständliche, zeitkritische Text ist ein deutliches Statement und wirkt nicht aufgesetzt.

Mit "Peace on Mind" hat man eine dynamische Ballade, wie sie typisch für Volkan Baydars souligen Stil ist.
Auf das angekündigte erste Soloalbum dieses Sängers mit der großen, schwarzen Stimme kann man sehr gespannt sein.
"Raum Schaffen " ist ein schöner Song mit Ohrwurmqualität, aber Volkan Baydar kann noch viel mehr.


Just (B)
Just (B)
Preis: EUR 20,00

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine deutsche "Sophisticated Lady", 8. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Just (B) (Audio CD)
Was der kurze, vielleicht etwas rätselhaft anmutende CD Titel 'Just (b)' alles beinhalten soll, ist kleingedruckt in vier Punkten - jeweils noch aufgeteilt in 'a + b' - auf der Vorderseite des Booklets zu lesen. Punkt 4 bekundet als Letztes: 'Be the best you can be! Be yourself ! Be happy! Just be'

Mit aber gefällt Punkt 1 in seiner klaren Quintessenz fast noch besser: 'I sing, therefore I am'

Für dieses Bekenntnis steht die am diesjährigen Valentinstag ( 14. Februar 2012) veröffentlichte CD von Bettina Pohle ' und beim Anhören der Musik lässt man sich gerne von dem Statement überzeugen. Die CD ist Glücksfall in der deutschen Vokaljazz-Szene.

Es scheint, als fließe Erlebtes, Erlerntes, Erfahrungen, Freudvolles und auch Schmerzvolles aus ihrer beeindruckenden Künstlerbiografie auf subtilste Weise in ihre Interpretationen von Jazzklassikern. Die in Berlin geborene Künstlerin wurde in Klavier, Querflöte und Gesang ausgebildet, studierte Germanistik / Anglistik, bevor sie in die USA ging und dort nach einem Literaturstudium promovierte. Touren und workshops ( z.B. mit Mark Murphy) sowie Ausszeichnungen markieren ihren künstlerischen Werdegang.

Nach zwölfjährigem Aufenthalt in den USA hat Berlin mit Bettina Pohle eine wirkliche 'Sophisticated Lady' zurückerhalten. Nein, diese weltberühmte Duke-Ellington-Komposition ist auf ihrer jüngsten CD nicht enthalten, aber alles, was für 'sophisticated' steht ' kultiviert, fortgeschritten, feinsinnig, anspruchsvoll, differenziert, elegant - findet sich in Bettina Pohles Gesang wieder, sowohl in den Balladen als auch in Up-Tempo-Songs.

Sehr 'up-tempo-mässig' startet die CD mit einem Schlagzeugwirbel. 'You and the night and the music' kennt man eher im moderaten Tempo - hier swingt es schier galoppierend in Stimme, Klavier, Bass und sehr dynamischen drums. Mit 'Blame it on my youth' hat sich Bettina Pohle eine wunderschöne Komposition aus den Dreißigern ausgesucht. Oscar Levant schrieb diese nicht ganz so populär gewordene Ballade, die aber dennoch von großen Sängern wie Sinatra, Rosemary Clooney, Nancy Wilson bis hin zu Jamie Cullum gesungen wurde. Bettina Pohle trifft mit ihrer warmen Altstimme genau diesen selbstreflektierenden Ton zwischen leiser Wehmut und Lakonie.

Bei anderen Balladen wie 'The man I love' und ihrem eigenen Song 'Beneath the midnight moon'
höre ich in der Art ihrer Interpretation neben ihren vokalen Jazz-Attributen ganz deutlich die sogenannte 'europäische Zugehörigkeit' - nämlich eine Nähe zum Chanson. So wie sie eingangs bei 'The man I love' den Worten die Betonung gibt, das könnte man sich ähnlich tatsächlich bei einer Marlene Dietrich vorstellen.

Die berühmte Gershwinkomposition, interpretiert von nahezu allen Jazzvokalisten dieses Planeten, bekommt bei Bettina Pohle eine chansonhafte Färbung. Einerseits vermittelt ihre ausdrucksstarke Stimme sofort die Vorstellung von Intimität und Atmosphäre in einem kleinen, verrauchten Jazzetablissement - aber anderseits hört man auch, dass ihre Stimme nicht 'schwarz' sondern 'weiß' und europäisch klingt.

Das ergibt nicht unbedingt bei allen Songs, aber manchmal eben doch ' und besonders bei Balladen - eine sehr reizvolle Vermischung von Jazz und Chanson. Beinahe weggewischt wird der Eindruck des 'chansonhaften' in ihrer Intonierung aber augenblicklich bei den schnellen Songs, und besonders dann, wenn Pianist Ralf Ruh mit seinem robusten Spiel loslegt.

Bei 'Nature Boy' einem der musikalisch gelungensten Titel des Albums, kommt noch ein folkloristisch anmutender Akzent hinzu. Stücke, die von so starker Melodik getragen sind wie der durch Nat King Cole berühmt gewordene Song, scheinen wie gemacht für Bettina Pohles Gesang, der imaginäre Bilder in Pastelltönen erscheinen lässt. Nach einem sehr getragenem ersten Teil wechselt der Song zu südamerikanisch-karibisch anmutender Rhythmik.

Einen vokalistischen Höhepunkt hat Bettina Pohle neben 'Blame it on my youth' auch mit 'Angel Eyes'. Die ersten eineinhalb Minuten wird die Sängerin sehr wirkungsvoll nur von einem Bass begleitet und durch den minimalistischen Sound wird hier die aparte Klangfarbe und Sensibilität ihrer Stimme besonders hervorgehoben. Man ist gefesselt von der großen Intensität ihres Vortrages, der aber immer ein wohltuendes Gleichgewicht von Emotionalität und Distanziertheit aufweist.

Einzig weniger glückliche Wahl ist der Song 'Big Spender', - er passt nicht zum ambitionierten Repertoire dieser CD und auch nicht besonders gut zu den stilistischen Möglichkeiten der Sängerin. Der Titel benötigt eine gewisse Frivolität, sogar Vulgarität ' Eigenschaften, die Bettina Pohle in ihrer Version nicht zum Ausdruck bringen kann. Andere, etwa ganz neue Akzente kann sie in dem Song auch nicht vermitteln ' so hinterlässt dieses Stück keinen großen Eindruck.

Viel besser gelingt ihr das bluesig intonierte 'Is you is or is you ain't my baby?' bei dem Pianist Ralf Ruh mit seinem Spiel besonders kräftige Akzente setzt. Durchgehend 'fingerschnippenden Swing' zeichnet auch 'Bye, bye blackbird' aus. Mit lässig-unterkühltem Drive und bestem Timing swingt die Sängerin wunderbar im Einklang mit ihrem versiertem Trio.

Ein wahres Fest für die Ohren besorgt neben dem brillanten Klang der gesamten CD nicht zuletzt auch das fantastische Trio ( piano: Ralf Ruh, Lars Gühlcke, bass, Peter Horisberger, drums). Die Musiker glänzen häufig mit Soli und begleiten Bettina Pohle sowohl gefühlvoll wie auch mit dynamischer Kraft. Pianist Ralf Ruh ist immer blendend in seinem Spiel, auch wenn die große musikalische Verwandschaft mit Oscar Peterson ' besonders bei 'Teach me tonight' - oft gegenwärtig ist.

Das Ralf Ruh Trio setzt zur intimen und authentischen Qualität der Sängerin die jazzigen Akzente und bildet so die perfekte musikalische Liason. Bettina Pohles Jazzgesang überzeugt weniger mit reiner Dynamik als mit fein abgestufter Phrasierungskunst, intelligentem Understatement, dem Verstehen der Lyriks und deren direkten Vermittlung und einer emotionalen Ausdruckstiefe, die sie einzigartig mit ihrer warmen Altstimme transportiert.


Singin', swingin' & scattin' about love
Singin', swingin' & scattin' about love

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Scattin' oder Ballade: Seidel ist eine lohnende Entdeckung!, 29. April 2012
Immer interessiert oder auf der Suche nach guten Vokal-Jazz-CDs bin ich auf ein Album des deutschen Jazzgitarristen und Sängers Jörg Seidel gestoßen. Seidel, Jahrgang 1967, macht schon viele Jahre Jazz, hat ein umfassendes Repertoire und musizierte mit großartigen Musikern und Sängern wie Ron Williams, Sylvia Droste, Bill Ramsey, Greetje Kauffeld oder der österreichischen Jazzsängerin Ines Reiger. Nach meinen Recherchen hat Seidel bereits ein Dutzend CDs auf seinem eigenen Label 'Swingland-Record' veröffentlicht. Allerdings erst in den letzten Jahren hat er sich auch dem Jazzgesang zugewendet ' und wenn man sich sein unlängst erschienenes Album '"..singin', swingin' & scatting about love.."' anhört, können sich Vokaljazzfans über diese Entscheidung freuen. Im Cover der CD befindet sich zu Seidels Jazzgesang eine fulminante Besprechung von Ernest Luther, jazz-critic Los-Angeles. Das in dem Text Vergleiche zu Kurt Elling und Kevin Mahogany ' zwei absolute Weltstars des Vokaljazz - herangezogen werden, läßt natürlich aufhorchen und erweckt sofort Interesse.

Das Album beinhaltet Jazzstandards und Eigenkompositionen und variiert in Begleitung eines klassischen Jazzquartets - Piano, Bass, Saxophon und Schlagzeug ' stark swingende Nummern mit gefühlvollen Balladen. Mit '"You're driving me crazy'" startet die CD recht temporeich. Schon nach den ersten Takten und gesungenen Lyrics stellt man fest, Seidels Timing ist perfekt. Alsbald hört man dann, dass der Mann tatsächlich "'scattet like hell'" (wie Ernest Luther in seiner Kritik schreibt). Ebenso sicher wie musikalisch scattet Jörg Seidel sich mit kräftiger Stimme durch alle Tonlagen und hält das über ein beträchtliche Dauer so durch, ohne das Eintönigkeit entsteht. Sein schnelles, virtuoses Nebeneinandersetzen von Vokalen erinnert an die heißen Saxophonläufe der großen Bebob-Jazzer.

Bei '"My melancholy Baby"' ist man augenblicklich in der Stimmung, die dieser Song vermitteln soll. Bedächtig konzentriert auf den Text, fasziniert mich dabei, wie er allein das kurze Wort "'Baby'" mit so vielen Klangnuancen versehen kann, dass einem die Melancholie des Songs sprichwörtlich vor Augen steht. Durch das Verzögern der regulären Tempi ergibt sich eine melodische Spannung.

Spätestens beim vierten Titel verstärkt sich bei mir der Eindruck, dass die ganz große Begabung des 'Sängers' Jörg Seidel im Interpretieren von Jazzballaden liegt. In seiner Version gerät sogar der uralte Platters-Schmachtfetzen '"Only You"' aus den Fünfzigern zu einem schlichten Kunstwerk. Das man jetzt die eigentliche Schönheit und auch Originalität dieser Melodie wahrnimmt, sozusagen neu entdeckt, ist Seidels Verdienst. Alles schlagerhafte, kitschige ist wie weggezaubert ' dafür sorgt auch die Instrumentierung mit tiefen, massiven Basstönen, kräftigem Schlagzeug und einem leise-verspieltem Piano. Selbst eine abgedroschene Floskel wie "'when you hold my hand I understand the magic that you do; you're my dream come true my one and only you"' bekommt durch die sehr langsame, blues-jazzige Intonierung Seidels eine glaubhafte Bedeutung. Die betroffene Person wird so unmissverständlich und inständig angesungen ' der Zuhörer muss sich regelrecht damit identifizeren.

Auch beim Klassiker '"The touch of your lips"' ist es wieder Seidels einschmeichelnde sensible Phrasierung, mit denen er Lyrics und Melodie den richtigen Ausdruck verleiht ' es kommt wirklich aus seinem Innersten. Seine Stimme klingt warm und resonanzreich und hat in den Endsilben der Worte ein ganz eigenes, schönes , aber vorsichtiges Vibrato.

Swingende Titel sind u.a. die eigene Kompositon ' "A girl's life"', '"It's a sin to tell a lie",' "'When sunny gets blue"' und eine Harry-Connick -Komposition '"Were in Love'". Letztere ist ziemlich rasant, und begeistert durch galoppierende Pianoläufe und Seidels frische Stimme.

"'It's a sin to tell a lie'" zeigt noch einmal eine Scateinlage, die Jörg Seidel mit größter Selbstverständlichkeit, Freude und Elan zelebriert. Auch hier erklärt sich wieder, was reiner Scatgesang mit hoher Musikalität zu tun hat. Temperamentvoll legt Pianist Araon Wonesch hier richtig los und Saxophonist Heinz von Herrmann glänzt mit seinem Spiel.

Moderat swingend ist Seidels eigene Komposition '"A girl's life'". Seine begleitenden Musiker, genannt 'The Vienna Connection' spielen engagiert und bieten in ihrer klassischen Jazzbegleitung von Klavier-Bass-Saxophon-Schlagzeug einen idealen Sound. Seidels Stimme ist auf der ganzen CD akustisch sehr im Vordergrund ' was ich prinzipiell gut finde- denn einen Sänger soll man mit seiner Stimme mit jeder Nuance hören. So ist auch Seidels englische Aussprache gut zu hören, die mir manchmal aber allzu deutlich die Worte artikuliert oder akzentuiert. Bei den Balladen stört das überhaupt nicht, sondern fördert noch die Intensität von Lyrics und Melodie. Sein Gesang könnte aber gerade bei den swingenden Stücken noch geschmeidiger und flüssiger klingen, wenn die Aussprache lässiger käme.

Der letzte Titel der CD ist eine Besonderheit und deshalb interessant, weil die Komposition '"Flirting' with twilights'" eine musikalische Verbindung von Glenn Miller, Charlie Haden und Kurt Elling zeigt. '"Flirting' with twilights"' ist auch der Titel einer Kurt Elling CD von 2001. Elling schrieb einen speziellen Text zu Charlie Hadens sublimen Bass-Solo, welches dieser innerhalb der berühmten '"Moonlight Serenade'" spielte. Elling war von Hadens getragener Version des Glenn-Miller-Songs stark beeindruckt. Er meinte, dass viele Leute die 'Moonlight Serenade viel zu schnell spielten. 'Zitat: "So many people play 'Serenade' too fast. They don't understand, how tender it is".'

So entstand in der Kombination von Melodie des Bass-Solos mit der '"Moonlight Serenade"' ein neues Musikstück. Jörg Seidel orientiert sich bei diesem Titel gesanglich am Stil von Jazz-Vocal-Groups wie Lambert Hendricks & Ross ( oder Bavan), The Manhattan Transfer oder auch den New York Voices, die alle Meister des 'Vocalese' waren und sind. Hier setzt er zudem gekonnt seine Kopfstimme ein. Eine stilistische Nähe zu Kurt Ellings vokaler Technik wird besonders in seiner Phrasierung, Diktion und dem Wechsel von laut zu leise erkennbar. Seidel begibt sich hier auf das Terrain des schwierigen 'Vocalese' - was bedeutet, er kann Instrumente nicht nur mit den wortlosen Silben des Scatgesang imitieren, sondern auch mit sinnvollen Textzeilen. Sicher ist '"Flirting' with twilights"' auf dieser CD eines der interessantesten Stücke. Die ziemlich abgedudelte, dennoch unsagbar schöne 'Moonlight Serenade' in so aparter Erneuerung zu hören ist von großem musikalischem Reiz.

Abschließend kann ich sagen, das Jörg Seidel eine lohnende Entdeckung innerhalb der deutschsprachigen Jazz-Vokalisten ist. Seine Interpretationen überzeugen durch Feinsinnigkeit Stilsicherheit und Eindringlichkeit und nicht zuletzt durch 'swingende Freude am Jazz' .


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