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Schuberts Winterreise


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1-25 von 135 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 18.11.2010 18:34:43 GMT+01:00
Tatsächlich gibt es noch gewichtige Werke, über die hier nicht diskutiert wurde...
Von Schuberts Winterreise gilt Dietrich Fischer-Dieskaus Aufnahme mit Gerald Moore als Referenz-Aufnahme und ich muss gestehen, ich komme fast immer auf sie zurück, obwohl es doch so viele gibt - gerade neuere Einspielungen.
Wie geht es Ihnen? DiFiDie oder doch eine andere?
Ich freue mich auf ihre Meinungen und verbleibe
mit freundlichen Grüßen
Christian Busch

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 18.11.2010 20:38:56 GMT+01:00
Lieber Herr Busch,
zunächst müssten Sie uns mitteilen, welche Aufnahme mit Moore Sie meinen, es gibt da mehrere, außerdem hat Fi-Di den Zyklus mit einer Anzahl weiterer Pianisten eingespielt.
Gruß
B.Stremmel

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.11.2010 16:19:55 GMT+01:00
Lieber Herr Stremmel,
ich beziehe mich auf die bei der Deutschen Grammophon erschienenen Einspielung aus den frühen 70iger Jahren. Die Emi-Aufnahme von beiden kenne ich nicht. Fi-Di hat sie später auch mit Alfred Brendel neu aufgenommen - eine interessante Aufnahme mit einem eigenständigerem Klavierpart. Jedoch ist Fi-Di hier nicht mehr ganz auf der Höhe seiner Stimme - so glaube ich mich zu erinnern.
MfG

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.11.2010 19:11:22 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 19.11.2010 19:58:47 GMT+01:00
Isolina Mart meint:
Guten Abend,liebe Leute,

.......zunächst hätte ich gerne eine Frage geklärt: Wer bestimmt,was eine Referenzaufnahme ist? Sind das erlesene Kritiker,-ist es das Publikum oder die Verkaufszahlen einer Aufnahme? Und dies bleibt dann auf ewig so bestehen,wie im Falle von Fi-Di? Nichts Neues kann seinen Aufnahmen das Wasser reichen? Nichts gegen Fischer-Dieskau,wirklich,- überhaupt nicht,-bin auch ein Fan von ihm! Ich weiss,dass er für viele das Mass aller Dinge ist,so hätten Sie,lieber Herr Busch diese Diskussion nicht zu eröffnen brauchen!

Jeder Sänger,der sich an diesen komplexen Lieder-Zyklus wagt,bringt auch seine Persönlichkeit und Sicht auf das Werk mit ein,was sehr spannend ist,-denn diese Sicht kann sich im Laufe der Jahre auch ändern,-in solchen romantischen Zeiten,-die den Text nachvollziebar machen,leben wir nicht mehr!.

Von den älteren Aufnahmen überzeugt mich ungemein der amerikanische Bariton Barry McDaniel. Diese Aufnahme ist von 1972,begleitet wird er von Aribert Reimann,-eine wunderbare,ganz aussergewöhnliche Aufnahme der "Winterreise". Die wenigsten von Ihnen werden sie kennen.

Von den jüngeren Sängern gefällt mir Thomas Hampson am besten. Wie ich hier im Forum an anderer Stelle bereits erwähnt habe,erlebte ich ihn mit diesem Zyklus in einem Konzert. Da kommt natürlich noch das Live-Erlebnis dazu,-aber ergreifender,lebendiger,-nachvollziehbarer habe ich die "Winterreise" nie wieder gehört.

Was sagen Sie denn dazu,dass die Sopranistin Christine Schäfer ebenfalls die "Winterreise" eingespielt hat? Darüber lohnt es sich zu debattieren,-ob eine Frauenstimme dies singen sollte?!
Ihre Meinung würde mich sehr interessieren!

Viele Grüsse
I.M.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.11.2010 19:58:01 GMT+01:00
Ariadne Simon meint:
Liebe Frau Mart, ich bin der Meinung, dass gerade Die Winterreise schon allein vom Text her nicht von einer Frau gesungen werden sollte. Ich denke, dass Schubert diesen Liederzyklus für eine Männerstimme geschrieben hat. Mir gefällt er am besten, wenn er von tiefen Stimmen gesungen wird, ein Sopran ist für meinen Geschmack dafür nicht geeignet.
Ich habe die Winterreise einmal mit Herrmann Prey gehört und er gefiel mir besser, als Fischer-Dieskau. Mir hat Fischer-Dieskau immer besser in Opernpartien gefallen, diese entsprechen seiner Stimme mehr. Am besten gefällt mir die Einspielung von Thomas Hampson, denn seine weiche, biegsame Stimme entspricht am besten der Musik von Schubert.
Aber, wie gesagt, dieser Zyklus von einer Frauenstimme gesungen, das kann ich mir einfach nicht vorstellen.
Viele Grüße
Ariadne Simon

Veröffentlicht am 19.11.2010 21:19:47 GMT+01:00
M. Schulte meint:
Winterreise
Hallo Herr Busch,
die Aufnahme der Winterreise, die mir am meisten ans Herz gewachsen ist, ist die mit Christophe Prégardien und Andreas Staier. Wunderbar empfindlich (allein der Anfang!), gefühlvoll, ergreifend, aber auch hart wo es sein muss (z.B. in Einsamkeit). Hat mich seinerzeit selbst dazu inspiriert mal Gesangsunterricht zu nehmen (ich habe es leider natürlich nicht so toll hinbekommen).
Viele Grüße
Michael Schulte

Veröffentlicht am 19.11.2010 21:29:42 GMT+01:00
Liebe Frau Mart,
natürlich hätte ich die Diskussion auch anders anfangen können...aber warum nicht so? Fi-Di's Aufnahme ist erstens von vielen geschätzt und immer wieder - nicht nur von Fachkritikern - als Vergleich herangezogen werden - und darf deshalb sicher bei einem Austausch über unterschiedliche Geschmäcker nicht fehlen. Im Übrigen spiegelt sie auch meinen persönlichen Geschmack wider. Dass es andere Aufnahmen, Perspektiven, Interpretationen, aber vor allem - Stimmen gibt, ist klar und darum geht es mir hier vor allem. Ich bin neugierig auf die vielen verschiedenen Meinungen. Dass man sich selten einig ist, haben wir hier doch gemerkt. Daher danke ich Ihnen für den Tipp von B. Mc Daniel, den ich nur als guten Evangelisten im W-Oratorium in Erinnerung habe.
Gegen Fi-Di spricht ja auch, dass er ein Bariton ist, Schubert aber - soweit ich mich erinnre - eine Tenorstimme vorgesehen hatte. Wie schade, dass Fritz Wunderlich keine Aufnahme hinterlassen hat.

Zu ihrer Frage - Winterreise von einer Frauenstimme - möchte ich bemerken, dass ich meiner Vorrednerin zustimmen muss. Ich habe eine Aufnahme von Brigitte Faßbender gehört und die Widersprüche aus dem Text sind schon erheblich. Es klingt einfach nicht stimmig. Dies soll jedoch kein Dogma sein, sondern lediglich eine persönliche Meinung.
MfG
Antwort auf den Eintrag von Christian Busch:
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Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.11.2010 22:50:36 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 29.01.2014 10:55:31 GMT+01:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.11.2010 00:28:06 GMT+01:00
T. BERGMANN meint:
Hallo Herr Friedgen,

auch ich besitze die Aufnahme mit Peter Pears und Benjamin Britten. In der Tat ist sie eine hervorrangende Aufnahme. Ich gebe allerdings zu, dass mir Peter Pears an manchen Stellen in der "Winterreise" zu schön singt. Z.B. im "Lindenbaum" bei der Strophe "die kalten Winde bliesen...." fehlt mir die Not, in der der Erzähler steckt. Und die auch in der Musik Schuberts steckt.
Persönlich habe ich keine Referenzaufnahme. Gerne höre ich die Aufnahme mit Hans Hotter und Gerald Moore wie auch die Aufnahmen mit FiDi, die er mit Alfred Brendel und Daniel Barenboim eingespielt hat.
Herzliche Grüße
T.Bergmann

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.11.2010 10:13:47 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 20.11.2010 18:13:36 GMT+01:00
Unser „Oberlehrer“ der Liedgesangskunst, womit DFD von einer Illustrierten einmal scherzhaft bezeichnet wurde, scheint mit sich selbst im Widerstreit zu liegen. Warum so zahlreiche Interpretationen, wenn mit Blick aus der letzten Einspielung (wohl mit Murray Perahia bei Sony 1990) wenigstens eine der vorherigen Aufnahmen wirklich gelungen ist, oder liegt die Ursache in einer künstlerischen Ruhelosigkeit, immer wieder zu versuchen, noch eins draufzusetzen? Anstelle eines Livemitschnittes gefällt mir die in der Ruhe eines Studios entstandene Aufnahme mit Daniel Barenboim (1980) aufgrund des intimen Charakters ganz besonders. Aber so richtig begeistert bin ich eigentlich nicht. Aufgrund der Natürlichkeit des Ausdrucks und jugendlichen Temperaments sagt mir mehr noch die erste Aufnahme zu, die in Berlin am 19.1.1948 entstanden war (mit Klaus Billing / label Archipel) und ausgesprochen gut restauriert ist. Während mir die Aufnahme mit Hermann Reutter im Jahr 1952 klangtechnisch problematisch erscheint, kündet die Aufnahme mit Hertha Klust im Jahr 1953 von einer erheblichen Änderung im Interpretationsbemühen, nunmehr den Vortrag sinnlicher und veredelter zu gestalten.

Als Tenorfassung ist die von Herrn Friedgen favorisierte Aufnahme mit Peter Pears auch meinem Eindruck nach am überzeugendsten, obwohl die Stimme des Sängers bei expressivem bzw. deklamatorischem Vortrag leicht verwackelt erscheint (vielleicht liegt die Ursache aber nur im fremdsprachlichen Hintergrund). Ich hoffe, Herr Friedgen verübelt mir diesen nörglerischen Einwand nicht. Mich würde im Rahmen der Diskussion am meisten interessieren, ob eine Transkriptionsfassung für das Herzstück der deutschen Liedkultur die Spitze bilden könnte. Mir sind zwei Fassungen begegnet, und zwar zum einen die Fassung von Normann Forget (für Tenor, Akkordeon und Bläserquintett) mit dem Pentaedre Ensemble und Christoph Prégardien (mit achtbarer Sangesleistung) und zum andern die Fassung von Hans Zander mit dem Klangforum Wien unter Sylvian Cambreling (label Kairos). Die erste Fassung erscheint etwas schwerfällig, obwohl sie mit einer Stimme aus der Fachwelt als Meisterwerk begutachtet wurde, die zweite haut mich aber auch nicht vom Hocker. Gibt es Meinungen oder Alternativen dazu?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.11.2010 16:13:16 GMT+01:00
Ich möchte M. Schulte zustimmen. Ich kenne keine besseren Aufnahmen als die mit Christoph Prégardien. Er liefert viel mehr als eine "achtbare Sängerleistung" ab, nicht nur wegen des ganz besonderen Timbres seiner Stimme, sondern wegen seiner schlichten und gleichzeitig enorm ausdrucksvollen Interpretation - kraftvoll und innig zugleich.
Zur Achtung einem Künstler gegenüber gehört übrigens, dass man den Namen des Sängers kennt und richtig schreibt. "Prepardin" - diese Verballhornung hat Christoph Prégardien, der übrigens auch ein glanzvoller Professor für Liedgesang ist, nicht verdient.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.11.2010 16:30:03 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 20.11.2010 16:33:16 GMT+01:00
K.H. Friedgen meint:
Lieber Herr Kaiser,
DFD hat selbst einmal sinngemäß geäußert, dass die "Winterreise" einen solchen Kosmos darstellt, dass ein Menschenleben nicht ausreicht, um alle Höhen und Tiefen des Werks zu erfassen. Ich denke dass dies der eigentliche Grund ist, warum der Sänger sich auch auf Tonträger immer wieder mit dem Zyklus auseinander gesetzt hat. Aber auch die fortschreitende Klangtechnik, von Mono über Stereo bis zur Digitalaufzeichnung, wird ihn immer wieder zu neuen Ausgaben gereizt haben.

Was Peter Pears betrifft, so stimme ich weitgehend mit Ihnen überein. Es ist weniger seine gesangliche Leistung, als die einzigartige Auslegung und die ganz unaufgesetzte, tief verinnerlichte Interpretation, die mich überzeugt. Stimmlich sind ihm etliche Kollegen deutlich überlegen, z.B. Ernst Haefliger oder auch der früh verstorbene Peter Anders, der zwei sehr schöne Versionen des Zyklus hinterlassen hat.
Im übrigen hat Benjamin Britten mit seiner großartigen,farbenreichen Begleitung viel zum glänzenden Gesamteindruck der Pears-Fassung beigetragen. Das sollte nicht unerwähnt bleiben.

Ob Fritz Wunderlich der ideale Interpret der "Winterreise" geworden wäre, möchte ich ein wenig in Zweifel ziehen. Wunderlich wäre wohl rein stimmlich allen Tenorkollegen überlegen gewesen, doch ich denke, für diesen tief traurigen Zyklus "schauerlicher Lieder" fehlte ihm ein entscheidendes Kriterium: Das Alter. Schon seine ganz hervorragende "Müllerin" zeigt ihn mehr als unbekümmerten Sänger mit strahlender Stimme, doch den hintergründigen Liedern des zweiten Teils der "schönen Müllerin" wird er m.E. nicht ganz gerecht. Doch das wird letztlich auch immer eine Frage des persönlichen Geschmacks sein.
Vielleicht hätte ein gereifter Wunderlich eine rundum überzeugende Version beisteuern können. Leider hat das nicht sollen sein ....
Zu Transkriptionsfassungen kann ich leider nichts sagen; mir liegt keine vor.
Viele Grüße
K.H.F.

Veröffentlicht am 20.11.2010 17:35:56 GMT+01:00
Lieber Herr Friedgen,
ich möchte Ihnen in vielem zustimmen: in der Rechtfertigung der vielen Aufnahmen von Fischer-Dieskau, in dem Lob der Aufnahme von Pears, aber auch was die Zweifel an Wunderlich angingen. Sie haben Recht, Wunderlich hatte vor allem Stimme, was man in seiner "schönen Müllerin" hört. Doch so unbekümmert hätte er die Winterreise nicht singen können. Vielleicht passt seine Stimme auch gar nicht zu den doch schaurigen Liedern.

Es freut mich auch, dass Sie Ernst Haefliger erwähnen. Liegt Ihnen eine Aufnahme vor? Mir leider nur eine sehr späte aus den 80-Jahren (Claves, Dähler auf dem Hammerklavier), wo er naturgemäß nicht mehr bei voller stimmlichen Präsenz sein konnte.
MfG

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.11.2010 19:10:46 GMT+01:00
K.H. Friedgen meint:
Guten Abend Herr Busch,

danke für Ihre Reaktion. Leider liegt mir keine Haefliger-Aufnahme der "Winterreise" vor; ich habe vor vielen Jahren einmal den Zyklus von ihm gesungen im Rundfunk gehört, weiß aber beim besten Willen nicht, welche Version das war, oder ob es gar die Übertragung einer Live-Veranstaltung gewesen ist.
Allerdings besitze ich eine wunderschöne "Müllerin" mit Ernst Haefliger (am Klavier: Erik Werba) aus dem Jahr 1970. Haefliger war ein sehr einfühlsamer Liedersänger; mich hat seine feine,ganz unaufdringliche Stimme immer sehr beeindruckt, auch in den berühmten Mozart-Opernaufnahmen unter Ferenc Fricsay.

Viele Grüße
K.H.F.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 21.11.2010 08:56:54 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 24.11.2010 09:22:01 GMT+01:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 21.11.2010 09:37:06 GMT+01:00
Lieber Herr Friedgen,
vielen Dank für Ihre ebenso informative wie überzeugende Stellungnahme. In der Tat ist die psychologische und menschliche Durchdringung der überaus schwierigen „Winterreise“ Peter Pears und Benjamin Britten in einzigartiger Weise gelungen. Keineswegs wollte ich in meinem vorherigen Beitrag bestreiten, dass Pears nicht auch schön zu singen versteht. Jedoch sieht er darin erfreulicherweise keinen Selbstzweck. Ernst Haefliger, der so viele Partien herrlich gestaltet konnte und für die „Winterreise“ mit Jörg Ewald Dähler den Prix Mondial du Disque de Montreux erhalten hatte, berührt mich weniger als Peter Pears. Mit welchem Gebirge an Schwierigkeiten man es zu tun hat, verdeutlicht das Scheitern vieler anderer Interpreten, wie z.B. des von mir ansonsten sehr geschätzten Julius Patzak

Die Aufnahmen mit Peter Anders sind irgendwie an mir vorbeigegangen, was vielleicht daran liegt, dass ich bereits über ein umfangreiche Sammlung von Aufnahmen mit ihm verfüge (neben teils kompletten Werken andere Lieder von Schubert wie auch Lieder von Beethoven, Schumann, Brahms, Hugo Wolf usw.). Der Gedanke an eine Interpretation durch Fritz Wunderlich, von dem ich natürlich auch „Die schöne Müllerin“ habe, stellt sich mit einer gewissen Zwangsläufigkeit. Auch ich meine, dass er gut beraten war, von einem solchen Vorhaben abzusehen. Vielleicht hatte er ein solches Projekt für einen ungewissen späteren Zeitpunkt ins Auge gefasst (in reiferen Jahren), wir wissen es nicht.

Die Frage nach einer Transkriptionsfassung mit unterschiedlicher Instrumentierung war eine augenblickliche Überlegung, die ich wieder aufgegeben habe, weil sie allem Anschein nach ein Irrweg ist.

Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Sonntag.
Herzliche Grüße
W.K.

Veröffentlicht am 21.11.2010 14:40:37 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 26.11.2010 04:24:08 GMT+01:00
Fidelio meint:
Unter den Tenören wären noch Anton Dermota in einer flüssig und stimmig erscheinenden Interpretation mit für die Tenorlage relativ dunklem Timbre zu nennen (Teldec 1963). Wegen der guten stimmlichen Verfassung für mich angenehmer zu hören als Haefliger in seiner "Spätaufnahme" 1980.
Ganz anders gestaltete der Tenor Eberhard Büchner (mit Norman Shetler) seinen Zugang zum Werk (Studio Lukaskirche VEB, 1985). Er singt artikulatorisch ausnehmend präzise und, wie man es bei ihm gewohnt war, sehr klangschön. Das wirkt als alternative Version gegenüber "überinterpretierenden" Ansätzen wie z.B. demjenigen von Dietrich Fischer-Dieskau wie eine Ästhetisierung der Winterreise, passt aber zur Frühromantik und man fühlt sich versetzt in die Stimmungswelten eines Caspar David Friedrich.

Meine persönlichen Klassiker blieben die etwas tieferen Stimmlagen. Allen voran Hermann Prey in der Klavierbegleitung Wolfgang Sawallischs (Phi, hoffentlich ist bei Eloquence mit AMSI-Verfahren die Tonqualität nicht so schlecht wie in einer Kundenrezension bemängelt). Diese würde ich auch einer Live-Aufnahme in Begleitung Irwin Gages vorziehen. Er singt sehr natürlich und instinktsicher melancholisch. Beispielsweise ist "Der Leiermann" sehr effektvoll, wenn das Lied vermeintlich unbekümmert beginnt und erst zum Schluss seine Bewandtnis entfaltet, während Fischer-Dieskau z.B. in seiner 1954er Aufnahme für die EMI von Beginn an das Lied bewusst dramatisch und - wie den ganzen Zyklus - sehr psychologisierend darlegt. Man meint, dass sich diese Version an durchleuchtendem Intellektualismus nicht übertreffen ließe (Mir liegt eine "stereophonisierte" Japanausgabe mit trotzdem "trockenem" Klangbild vor). Die spätere DG-Aufnahme (1971, P- 1972) Fischer-Dieskaus empfinde ich erschütternd schwermütig und alle Mal sehr gelungen. Eine sehr gute Aufnahme mit dem dunklen Baß-Bariton Hans Hotter gibt es in der Begleitung Michael Raucheisens. Diese erste Version mit Hans Hotter wurde 1942 für die Deutsche Grammophon aufgenommen (von diversen Labels erhältlich). Der Zyklus erklingt hier stimmungsvoll und frischer als in der Studioproduktion für die EMI. Ein Meilenstein der Discographie und einer meiner Favoriten neben Prey und Fischer-Dieskau.

Eine Gesamtübersicht der Aufnahmen finden Sie hier (das angebene Erscheinungsjahr entspricht nicht immer dem Aufnahmejahr): http://home.tiscali.nl/huibspoorenberg/Winterreise/winterreise.rtf , bzw.: http://www.halftimescores.co.uk/ography/performances.php?&fltCycle=W

[Edit 26.11.10: Mir ist ein kleiner Fehler unterlaufen, denn bei meiner Stereo-Japan-Ausgabe mit Fischer-Dieskau dürfte es sich um die 1962er Ausgabe handeln (Aufnahmedatum nur in japanisch aufgedruckt). Hingegen wirken gerade die 1955er als auch 1971er Einspielungen m.E. natürlicher und dem Werk gerechter.]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 21.11.2010 15:31:04 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 21.11.2010 21:00:32 GMT+01:00
Lieber Herr Friedgen, hallo Herr Bergmann,

ein guter Freund und hervorragender Musikkenner ist Berliner und war im großen Sendesaal als Konzertbesucher anwesend, als die „Winterreise“ mit DFD und Brendel aufgeführt wurde. Er rechnet die daraus resultierende Aufnahme zu den besten von DFD. Weiterhin möchte ich ein gutes Wort für Hans Hotter einlegen, der Bassbariton war und 1942 mit Michael Raucheisen eine wunderbare Aufnahme eingespielt und scheinbar mühelos alle Hürden und Klippen genommen hat. Ähnliches kann ich auch von Gerhard Hüsch (Bariton) sagen, der 1933 mit Hans Udo Müller eine großartige Aufführung dargeboten hatte. Ich weiß, dass sich insbesondere an der Klangfarbe der Stimme von Hermann Prey die Geister scheiden, aber wer diesem Sänger wie ich zugetan ist, wird sich an seiner Aufnahme mit Philippe Bianconi am Piano erfreuen, er besticht durch die Natürlichkeit des Vortrags. Nun bin ich am Ende meiner Winterreisen angekommen.

Viele Grüße
W.K.

Veröffentlicht am 21.11.2010 15:46:45 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 21.11.2010 15:47:55 GMT+01:00
Wenn ich mich nicht täusche, wurden hier zwei meiner Lieblingsaufnahmen noch nicht erwähnt, Gerhard Hüsch (Bariton) mit der Begleitung von Hanns Udo Müller (HMV 1933), sowie mit Josef Greindl (Bass) und der versierten Hertha Klust am Klavier (DGG 1956). Obwohl Greindl auf den bekanntesten Opernbühnen des In- und Auslandes vor allem in Wagnerrollen gefeiert wurde, erlaubte es ihm seine geschmeidig geführte Stimme, auch immer wieder als Liedersänger aufzutreten. Einige Liedplatten, unter anderem diese "Winterreise", sowie Balladen von Carl Loewe (ein Geheimtipp) zeugen von seiner Kunst. Gerhard Hüsch, der noch in Berlin unter Beecham den Papageno in der "Zauberflöte" gesungen hatte, war seiner Zeit als einer der besten Lied-Sänger bekannt, Natürlichkeit, Schlichtheit und Schönheit wurden seiner Stimme nicht nur in Deutschland bescheinigt. Die Aufnahme seiner "Winterreise" nenne ich ein Juwel.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 21.11.2010 15:52:47 GMT+01:00
Lieber Herr Fidelio,
meinen vorherigen Beitrag hatte ich verfasst, bevor Ihr Beitrag erschienen war. Ich freue mich, dass wir zumindest teilweise übereinstimmen. Zu DVD möchte ich nochmals anmerken, dass die erste Aufnahme aus dem Jahr 1948 durch Jugendfrische und Natürlichkeit besticht und sich hierduch von den späteren Deutungen erheblich unterscheidet.

Viele Grüße
W.K.

Veröffentlicht am 22.11.2010 17:23:45 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 22.11.2010 17:24:18 GMT+01:00
gemihaus meint:
die 'winterreise' (u.a. liedern) war im sinne schuberts sicherlich ein männerzyklus,
jedoch, daselbst ein endzwanziger, keines alten mannes (von wegen wunderlich sei
wohl zu jung gewesen, der 'frohgestimmten' stimme wegen' - und seine 'dichterliebe'?).
und fischer-dieskau war doch auch noch jugendlich bei seinem ersten und gesanglich
bestens noch schlicht, nicht bardenhaft intonierten frühen emi-zyklus mit moore.
denn schubert 'besingt' ja nicht die rückschau des alters, sondern die einsicht
und reflexion einer unglücklichen und verloren geglaubten liebe, ohne die nichts
lebenswert mehr erscheint und bleibt.
diese gefühlswelt ist doch keineswegs geschlechtsspezifisch, allenfalls qua rezeption.

deshalb kann ich frau mart nur zustimmen, frauen können diese kunstlieder ebenso
gestalten wie sie sich damit identifizieren können, so, wie vor allem meine
heimliche winterreisen-geliebte brigitte fassbaender, die diesen ausdruck von verlust
adäquat mit aribert reimanns pianistischer partnerschaft (man merkt, er ist literat und
komponist) veranschaulicht hat. beider artikulation und phrasierungskunst ist einmalig
und immer auf ausdrucksvoller gesangslinie wie selten sonst.
von den jüngeren männern schätze ich neben pregardien und staier vor allem die damals
noch weniger bekannten christian gerhaher mit gerold huber am klavier als fein ausgehörte
stimmpartner.
diese aufnahme hat rca-bertelsmann erfreulicherweise in ihr kernrepertoire übernommen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.11.2010 18:13:48 GMT+01:00
Aus Zufall bin ich auf einen Artikel in „ZEIT / ONLINE“ vom 14.11.2010 gestoßen mit dem Titel: „Im Hochmoor der Ausweglosigkeit“. Darin wird eine „Winterreise“ mit dem Tenor Werner Güra, begleitet von Christoph Berner, überaus gelobt (erschienen bei Harmonia Mundi). Nachstehend einige Zitate aus dem Artikel:

„Ein Sänger benötigt intellektuelle Reserven für die Distanzen, die der Zyklus zurücklegt, mehr noch bedarf es seiner Einfühlung in Schuberts Schlichtheit. Obwohl sie so lange dauert wie manche Oper, ist die Winterreise keine, sie hat kaum Ausbrüche, kaum dramatische Prozesse. Schnell zirkulierende Verläufe wie in Erstarrung, die an den Rand der Atemlosigkeit geraten, sind die Ausnahme. Liedhaftes Melos über Schuberts wunderbar dürrem Klaviersatz beschreibt die Atmosphäre einer fast seligen Trostlosigkeit. Die Einstiche der Schmerzen setzt Schubert unter die Haut, nicht in den Muskel. Lange hat keiner diesen unerhörten Zyklus so ergreifend gesungen wie jetzt der Tenor Werner Güra, so enthusiastisch und mit solch sicherem Gespür für jene Gefährdung, die hier alles und jeden überschattet. ………..Nachdem Güra ausgerechnet im Eingangslied noch zu viel Detailfreude und manche übertriebene Wortbetonung zum Besten gab, gewinnt seine Winterreise zunehmend an Dichte und zugleich an Reflexion: Hier geht einer sehenden Auges ins Hochmoor der Ausweglosigkeit. Auf einem Rönisch-Flügel von 1872 begleitet Christoph Berner mit der virtuosen Euphorie des Mitwissers und der ernsten Miene eines Vertrauten, der weiß, dass er den Freund nicht aufhalten kann. Berner lässt seine leeren Quinten im Leiermann nicht fallen, sie schleichen und wehen wie ein ewiger Ton durchs Lied, der von einer winterlich verstimmten Friedhofsorgel tönt.“

Ich habe die Aufnahme noch nicht gehört und möchte nur aufgrund der Aktualität der Diskussion auf die Aufnahme aufmerksam machen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.11.2010 12:07:25 GMT+01:00
T. BERGMANN meint:
Hallo Herr Kaiser,

wenn ich richtig informiert bin, so wollte Fritz Wunderlich gemeinsam mit Hubert Giesen die Winterreise in sein Programm aufnehmen. Die beiden sollen sogar schon an ihr gearbeitet haben. Anscheinend sollte er sie nicht mehr singen in der Öffentlichkeit, da der Tod dieses Vorhaben vereitelte.
Herzliche Grüße
T. Bergmann

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.11.2010 12:15:32 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 23.11.2010 12:17:37 GMT+01:00
Isolina Mart meint:
Guten Tag,allerseits,

.........ergänzend zu gemis Betrachtungen zitiere ich aus einem Interview,das Christian Gerhaher der "Opernwelt" Nr.3 im März 2010 gegeben hat. Darin wird er über seine Einstellung zur Interpretation von Opernrollen und Liedern befragt.

Gerhaher:" Ich lasse eine Figur zwar durch mich hindurch,aber ich bin diese Figur nicht. Es gibt einen notwendigen Unterschied zwischen dem Rühren und Berühren. Das Erstere ist undifferenziert sentimental,das Zweite bewusst gesetzte Emotion. Auf der Bühne wie auf dem Podium sollte klar sein,dass es da eine Distanz gibt,dass der Darsteller nicht selbst der Charakter ist,den er verkörpert. Ich will das auch als Zuschauer nicht sehen-dass sich etwa jemand völlig mit der dargestellten Person identifiziert oder mit dem Text. Auch nicht im Liederabend. Das ist stets problematisch-gerade mit dem lyrischen Ich. Da liegt die Identifikation ganz nahe. Aber das endet dann allzu leicht in Sentimentalität. Und wenn ein Sänger so etwas zulässt,ergreife ich innerlich sofort die Flucht."

Vorausgesetzt der Hörer stimmt diesen Worten zu,liegt es doch nahe zu sagen,ob nun eine weibliche oder männliche Stimme die Winterreise singt,spielt für diesen Liederzyklus keine Rolle,-es kommt lediglich auf die Interpretation sowie den Ausdruck des/der Sängers/in an. Wichtig ist die innere Distanz zu diesem Stück.

Viele Grüsse
I.M.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.11.2010 17:06:05 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 23.11.2010 20:25:27 GMT+01:00]
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