Und schwups hat man hundert Seiten gelesen, so leicht geht das runter, wenn auch anfänglich weniger lustig. Ab der zweiten Hälfte wird es bitterer, aber gleichzeitig auch lustiger.
Es ist ein Roman auf einer sehr geraden Zeitachse mit einem Kapitel pro Tag; es könnte auch ein normaler Roman sein: das Tagebuchschema spielt, anders als in
Das Intimleben des Adrian Mole, 13 3/4 Jahre
, keine wirkliche Rolle.
Autorin Townsend verbrachte den Großteil ihres Lebens in Leicester, dem Wohnort des Hauptakteurs Adrian Mole. Ist es dort wirklich so schlimm wie beschrieben? Gibt es angriffslustige Schwäne und eine Wohnanlage names Rat Wharf, die ihrem Namen alle Ehre macht?
Stärken:
- Schön konstruiert, wie Ratten und Schwäne die Macht ergreifen, wie Adrian weiter und weiter in Heirats-, Schulden-, Vaterschafts- und sonstige Fallen tappt, jedes Fettnäpfchen stolz erobernd: Schlimmer geht's immer. Der heraufziehende Irakkrieg untermalt das private Katastrophenszenario.
- Abbau und Geldgier altehrwürdiger Institutionen werden bitter, aber amüsant ausgemalt: Banken versorgen den hochverschuldeten Adrian mit weiteren Schecks und Kreditkarten, Banken mahnen 58 Pfund an und berechnen 25 Pfund Mahngebühr, Postfilialen schließen reihenweise, das Krankenhaus berechnet 2,5 Pfund extra fürs Kopfkissen, die Krankenschwestern sind sich für ihre Arbeit zu schade, der Rechtsanwalt verlangt 50 Pfund fürs Brieflesen.
- Die skurrilen Eltern mit ihrem Wohnungsbau auf dem schlammigen Acker.
- Der bittere und doch liebevolle Sarkasmus des blinden Nigel mit seinem Charakter-Hund Graham. Denkt Autorin Townsend hier an ihre eigene, allmähliche Erblindung?
Nachteile:
- Die wenig unterhaltsame erste Hälfte.
- Lieblose Übersetzung von Marlies Ruß (Lektorat wird nicht genannt), die gegen Ende empörend schlecht wird. Mehrere dicke Grammatikfehler.
Fazit:
- Nicht so gut wie das pubertär aufgeheizte
Das Intimleben des Adrian Mole, 13 3/4 Jahre
, aber dank einer starken zweiten Hälfte mit viel trockenem Humor jedenfalls besser als
Die Cappuccino-Jahre: Ein Adrian-Mole-Roman
.
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Adrian Mole und die Achse des Bösen Taschenbuch – 6. März 2006
von
Sue Townsend
(Autor),
Marlies Ruß
(Autor)
|
Sue Townsend
(Autor)
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-
Seitenzahl der Print-Ausgabe512 Seiten
-
SpracheDeutsch
-
HerausgeberHeyne
-
Erscheinungstermin6. März 2006
-
Abmessungen11.8 x 3.4 x 18.7 cm
-
ISBN-103453401913
-
ISBN-13978-3453401914
Erntejahre
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Produktinformation
- Herausgeber : Heyne (6. März 2006)
- Sprache : Deutsch
- Taschenbuch : 512 Seiten
- ISBN-10 : 3453401913
- ISBN-13 : 978-3453401914
- Abmessungen : 11.8 x 3.4 x 18.7 cm
-
Amazon Bestseller-Rang:
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- Nr. 58,209 in Literatur (Bücher)
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Produktbeschreibungen
Pressestimmen
»Dem Himmel sei Dank für Sue Townsend!« (Observer)
»Adrian Mole ist die vielleicht erfolgreichste komische Figur der letzen 20 Jahre und es gibt keinerlei Anzeichen, dass sich das ändern wird.« (The Guardian)
»Saukomisch.« (Brigitte)
»Adrian Mole ist die vielleicht erfolgreichste komische Figur der letzen 20 Jahre und es gibt keinerlei Anzeichen, dass sich das ändern wird.« (The Guardian)
»Saukomisch.« (Brigitte)
Klappentext
»Wieder einmal der Beweis, dass Townsend eine der witzigsten Autorinnen überhaupt ist.«
Time Magazine
Time Magazine
»Wahnsinnig komisch.«
Sunday Telegraph
»Wahnsinnig komisch und erschreckend treffend.«
Sunday Times
Über den Autor und weitere Mitwirkende
Sue Townsend wurde 1946 in Leicester geboren, wo sie auch heute noch lebt. Mit 15 Jahren brach sie ihre Schulausbildung ab und hielt sich mit verschiedenen Jobs über Wasser. 1978 begann sie, die ersten Bühnenstücke zu schreiben. Der internationale Durchbruch gelang ihr mit den Tagebüchern des Teenagers Adrian Mole, sie ist eine der meistgelesenen Autorinnen Englands. In ihren Romanen setzt sie sich immer wieder satirisch-kritisch mit der Monarchie und Klassengesellschaft in England auseinander. Seit 2001 ist die Autorin infolge einer Diabetes-Erkrankung blind, hat aber das Schreiben nicht aufgegeben. Sie ist verheiratet und hat vier Kinder sowie fünf Enkelkinder.
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Wisteria Walk | Ashby-de-la-Zouch | Leicestershire
– Persönlich und vertraulich –
Herrn
Premierminister Tony Blair
Downing Street 10
Whitehall
London SW1A
29. September 2002
Sehr geehrter Herr Premierminister,
wie Sie sich vielleicht noch erinnern, haben wir uns 1999 im Unterhaus bei einem Empfang der norwegischen Lederindustrie kennen gelernt. Pandora Braithwaite, gegenwärtig Staatssekretärin für Altlastensanierung, war so freundlich, uns bei dieser Gelegenheit einander vorzustellen. Wir unterhielten uns ein wenig über die BBC, wobei ich mir erlaubte, auf die unverschämte Haltung der Fernsehanstalt gegenüber Drehbuchautoren aus der Provinz hinzuweisen. Leider wurden Sie in diesem Augenblick wegen einer dringenden Angelegenheit ans andere Ende des Saals gerufen.
Ich möchte Ihnen mit diesem Brief meinen ausdrücklichen Dank dafür aussprechen, dass Sie mich vor der unmittelbaren Bedrohung Zyperns durch die Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins gewarnt haben.
Ich habe nämlich eben erst für mich und meinen ältesten Sohn einen einwöchigen Urlaub Anfang November auf Zypern, in den Athena Apartments in Paphos, gebucht, zum Gesamtpreis von 571£, inklusive Flughafengebühren. Johnny Bond vom Reisebüro Latesun Ltd. verlangte hierfür eine Anzahlung von 57,10£, die ich am 23. September entrichtete. Sie können sich sicherlich vorstellen, wie entsetzt ich war, als ich tags darauf im Fernsehen Ihre Rede im Unterhaus hörte, in der Sie das Parlament in Kenntnis setzten, dass Saddam Husseins Massenvernichtungswaffen binnen fünfundvierzig Minuten Zypern erreichen können!
Selbstverständlich rief ich daraufhin sofort Johnny Bond an und stornierte den Urlaub. (Bei nur fünfundvierzig Minuten Vorwarnzeit ist mir das Risiko zu groß, am Strand zu sitzen und damit außer Hörweite einer eventuellen Warnung des Auswärtigen Amts zu sein.)
Allerdings stehe ich nun vor folgendem Problem: Latesun Ltd. weigert sich, mir meine Anzahlung zurückzuerstatten, sofern ich nicht einen schriftlichen Beweis beibringe, aus dem hervorgeht, dass
a) Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen besitzt,
b) er sie binnen fünfundvierzig Minuten zum Einsatz bringen kann und
c) diese Waffen Zypern erreichen können.
Johnny Bond, der nach Auskunft seiner Kollegen gestern »außer Haus« war (ich vermute, er war auf der Antikriegsdemonstration), wagt es also, Ihre vor dem Unterhaus getroffenen Aussagen zu diesem Thema in Zweifel zu ziehen!
Wäre es Ihnen wohl möglich, mir eine handschriftliche Erklärung zuzusenden, in der Sie bestätigen, dass die Bedrohung für Zypern tatsächlich besteht? Ich könnte Ihr Schreiben dann Johnny Bond vorlegen und meine Anzahlung zurückerhalten. Einen Verlust von 57,10£ kann ich im Moment nur schwer verschmerzen.
Damit verbleibe ich mit vorzüglicher Hochachtung
Ihr
Adrian Mole
PS: Könnten Sie vielleicht Ihre Frau Cherie fragen, ob sie eventuell gewillt wäre, bei der diesjährigen Weihnachtsfeier unserer Schreibgruppe am 23. Dezember als Gastrednerin aufzutreten? Will Self hat abgelehnt – ziemlich unverblümt, ehrlich gesagt. Leider können wir kein Honorar bezahlen oder Unkosten erstatten, aber bestimmt würde sie an unserem aufgeweckten und anregenden Grüppchen ihre helle Freude haben.
Und ansonsten, Herr Premierminister, machen Sie weiter so! Gute Arbeit!
Samstag, 5. Oktober 2002
Habe mir heute eine Loftwohnung in der ehemaligen Batteriefabrik am Rat Wharf in den Docks angesehen. Laut Mark B’astard, dem Immobilienmakler, sind die Apartments mit Kanalblick bei der jung-dynamischen Yuppie-Klientel heiß begehrt und gehen weg wie warme Semmeln. Die Lage ist großartig, nur fünf Minuten zu Fuß bis zur Buchhandlung, in der ich arbeite, immer am Kanal entlang. Die Wohnung besteht aus einem großen Raum plus Bad aus Glasbausteinen. Als Mark B’astard Pinkeln ging, konnte ich seine verschwommenen Umrisse erkennen. Falls ich die Wohnung kaufe, werde ich meine Mutter bitten, mir Vorhänge zu nähen.
Vom Balkon aus, so einer vorgebauten Stahlkonstruktion, sah ich mir den Ausblick an. Unter mir glitzerte der Kanal in der Herbstsonne. Ein paar Schwäne glitten darauf entlang, ein grauer Vogel flog vorbei, und unter einer Brücke kam ein Lastkahn zum Vorschein. Als er auf Höhe meines Balkons war, winkte mir ein bärtiger Kerl mit zottigem, grauem Pferdeschwanz zu und rief »Herrlicher Nachmittag!« herauf. Seine Frau stand unten in der Kombüse und machte den Abwasch. Sie sah mich, hat aber nicht gewunken.
Mark B’astard hielt sich eine Weile taktvoll zurück, damit ich in Ruhe die Stimmung genießen konnte. Dann kam er wieder her und wies mich auf ein paar Besonderheiten aus der Zeit hin, als das hier noch eine Batteriefabrik war: die Original-Säureflecken auf dem Dielenboden und die Haken, an denen im Krieg die Verdunkelungsvorhänge aufgehängt waren.
Ich fragte ihn, was aus dem eingerüsteten Gebäude nebenan mal würde.
»Irgendein Hotel, glaube ich«, meinte er.
Weiter erzählte er mir, Eric Shift, der als Schrotthändler zum Multimillionär aufgestiegene Eigentümer der Anlage, habe die gesamte Rat Wharf aufgekauft, mit dem Ziel, die Docks in so etwas wie das »Linke Seine-Ufer« von Leicester zu verwandeln, woraufhin ich Mark gestand, dass ich schon immer davon geträumt habe, mich in Wasserfarben zu versuchen. Er nickte und sagte, »Ach, wie schön«, aber ich glaube, er hatte keine Ahnung, wovon ich redete.
Mark blickte sich sehnsüchtig in dem nackten, weiß gestrichenen Raum um und stellte seufzend fest: »In so was würde ich selber gerne wohnen, aber ich hab drei Kinder unter fünf, und die Chefin will nun mal einen Garten.«
Ich sprach ihm mein Beileid aus und erzählte, dass ich bis vor kurzem selbst Vollzeit-Vater von zwei Jungen war, sich jetzt aber die Armee um Glenn, den Siebzehnjährigen, kümmere, und der Neunjährige, William, mit seiner Mutter nach Nigeria gezogen sei.
B’astard sah mich neidvoll an und meinte: »Sie sind ganz schön jung dafür, dass Sie die Kinder schon vom Hals haben.«
Ich erklärte ihm, ich sei vierunddreißigeinhalb und es sei jetzt höchste Zeit, dass meine eigenen Bedürfnisse mal an erster Stelle kämen.
Nachdem B’astard mich noch auf die in die Arbeitsfläche eingelassene Granit-Käseplatte in der Küchenzeile hingewiesen hatte, willigte ich ein, die Wohnung zu kaufen.
Bevor wir gingen, trat ich ein letztes Mal auf den Balkon hinaus. Die Sonne versank gerade in der Ferne hinter dem Parkhaus. Auf dem Fußweg auf der gegenüberliegenden Kanalseite trottete ein Fuchs mit einer Supermarkttüte in der Schnauze entlang. Ein bräunliches Geschöpf (bestimmt eine Schermaus) huschte in den Kanal und schwamm davon. Die Schwäne glitten majestätisch vorbei. Der größte von ihnen sah mir geradewegs ins Gesicht, als wolle er sagen: »Willkommen in deinem neuen Zuhause, Adrian.«
22.00 Uhr
Ich ging in die Küche, drehte das Radio leise und teilte meinen Eltern mit, dass ich, sobald alles geregelt sei, mein Zimmer bei ihnen im Haus räumen und in eine Loftwohnung in der alten Batteriefabrik am Rat Wharf in Leicester ziehen würde.
Meine Mutter konnte ihre Erleichterung kaum verbergen.
Mein Vater schnaubte verächtlich. »Die alte Batteriefabrik? Dein Großvater hat da mal gearbeitet, aber dann hat er von einem Rattenbiss eine Blutvergiftung bekommen und musste aufhören. Wir dachten damals schon, sie müssten ihm das Bein abnehmen.«
»Rat Wharf?«, wollte meine Mutter wissen. »Wird da nicht nächstes Jahr dieses Obdachlosenasyl eröffnet?«
»Da bist du falsch unterrichtet«, erwiderte ich. »In dem ganzen Komplex entsteht zurzeit das neue kulturelle Zentrum von Leicester.«
Auf die Frage, ob sie mir ein paar Vorhänge für das Glasbaustein-Bad nähen würde, entgegnete meine Mutter sarkastisch: »Ich glaube, du verwechselst mich mit jemandem, der Nadel und Faden im Haus...
– Persönlich und vertraulich –
Herrn
Premierminister Tony Blair
Downing Street 10
Whitehall
London SW1A
29. September 2002
Sehr geehrter Herr Premierminister,
wie Sie sich vielleicht noch erinnern, haben wir uns 1999 im Unterhaus bei einem Empfang der norwegischen Lederindustrie kennen gelernt. Pandora Braithwaite, gegenwärtig Staatssekretärin für Altlastensanierung, war so freundlich, uns bei dieser Gelegenheit einander vorzustellen. Wir unterhielten uns ein wenig über die BBC, wobei ich mir erlaubte, auf die unverschämte Haltung der Fernsehanstalt gegenüber Drehbuchautoren aus der Provinz hinzuweisen. Leider wurden Sie in diesem Augenblick wegen einer dringenden Angelegenheit ans andere Ende des Saals gerufen.
Ich möchte Ihnen mit diesem Brief meinen ausdrücklichen Dank dafür aussprechen, dass Sie mich vor der unmittelbaren Bedrohung Zyperns durch die Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins gewarnt haben.
Ich habe nämlich eben erst für mich und meinen ältesten Sohn einen einwöchigen Urlaub Anfang November auf Zypern, in den Athena Apartments in Paphos, gebucht, zum Gesamtpreis von 571£, inklusive Flughafengebühren. Johnny Bond vom Reisebüro Latesun Ltd. verlangte hierfür eine Anzahlung von 57,10£, die ich am 23. September entrichtete. Sie können sich sicherlich vorstellen, wie entsetzt ich war, als ich tags darauf im Fernsehen Ihre Rede im Unterhaus hörte, in der Sie das Parlament in Kenntnis setzten, dass Saddam Husseins Massenvernichtungswaffen binnen fünfundvierzig Minuten Zypern erreichen können!
Selbstverständlich rief ich daraufhin sofort Johnny Bond an und stornierte den Urlaub. (Bei nur fünfundvierzig Minuten Vorwarnzeit ist mir das Risiko zu groß, am Strand zu sitzen und damit außer Hörweite einer eventuellen Warnung des Auswärtigen Amts zu sein.)
Allerdings stehe ich nun vor folgendem Problem: Latesun Ltd. weigert sich, mir meine Anzahlung zurückzuerstatten, sofern ich nicht einen schriftlichen Beweis beibringe, aus dem hervorgeht, dass
a) Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen besitzt,
b) er sie binnen fünfundvierzig Minuten zum Einsatz bringen kann und
c) diese Waffen Zypern erreichen können.
Johnny Bond, der nach Auskunft seiner Kollegen gestern »außer Haus« war (ich vermute, er war auf der Antikriegsdemonstration), wagt es also, Ihre vor dem Unterhaus getroffenen Aussagen zu diesem Thema in Zweifel zu ziehen!
Wäre es Ihnen wohl möglich, mir eine handschriftliche Erklärung zuzusenden, in der Sie bestätigen, dass die Bedrohung für Zypern tatsächlich besteht? Ich könnte Ihr Schreiben dann Johnny Bond vorlegen und meine Anzahlung zurückerhalten. Einen Verlust von 57,10£ kann ich im Moment nur schwer verschmerzen.
Damit verbleibe ich mit vorzüglicher Hochachtung
Ihr
Adrian Mole
PS: Könnten Sie vielleicht Ihre Frau Cherie fragen, ob sie eventuell gewillt wäre, bei der diesjährigen Weihnachtsfeier unserer Schreibgruppe am 23. Dezember als Gastrednerin aufzutreten? Will Self hat abgelehnt – ziemlich unverblümt, ehrlich gesagt. Leider können wir kein Honorar bezahlen oder Unkosten erstatten, aber bestimmt würde sie an unserem aufgeweckten und anregenden Grüppchen ihre helle Freude haben.
Und ansonsten, Herr Premierminister, machen Sie weiter so! Gute Arbeit!
Samstag, 5. Oktober 2002
Habe mir heute eine Loftwohnung in der ehemaligen Batteriefabrik am Rat Wharf in den Docks angesehen. Laut Mark B’astard, dem Immobilienmakler, sind die Apartments mit Kanalblick bei der jung-dynamischen Yuppie-Klientel heiß begehrt und gehen weg wie warme Semmeln. Die Lage ist großartig, nur fünf Minuten zu Fuß bis zur Buchhandlung, in der ich arbeite, immer am Kanal entlang. Die Wohnung besteht aus einem großen Raum plus Bad aus Glasbausteinen. Als Mark B’astard Pinkeln ging, konnte ich seine verschwommenen Umrisse erkennen. Falls ich die Wohnung kaufe, werde ich meine Mutter bitten, mir Vorhänge zu nähen.
Vom Balkon aus, so einer vorgebauten Stahlkonstruktion, sah ich mir den Ausblick an. Unter mir glitzerte der Kanal in der Herbstsonne. Ein paar Schwäne glitten darauf entlang, ein grauer Vogel flog vorbei, und unter einer Brücke kam ein Lastkahn zum Vorschein. Als er auf Höhe meines Balkons war, winkte mir ein bärtiger Kerl mit zottigem, grauem Pferdeschwanz zu und rief »Herrlicher Nachmittag!« herauf. Seine Frau stand unten in der Kombüse und machte den Abwasch. Sie sah mich, hat aber nicht gewunken.
Mark B’astard hielt sich eine Weile taktvoll zurück, damit ich in Ruhe die Stimmung genießen konnte. Dann kam er wieder her und wies mich auf ein paar Besonderheiten aus der Zeit hin, als das hier noch eine Batteriefabrik war: die Original-Säureflecken auf dem Dielenboden und die Haken, an denen im Krieg die Verdunkelungsvorhänge aufgehängt waren.
Ich fragte ihn, was aus dem eingerüsteten Gebäude nebenan mal würde.
»Irgendein Hotel, glaube ich«, meinte er.
Weiter erzählte er mir, Eric Shift, der als Schrotthändler zum Multimillionär aufgestiegene Eigentümer der Anlage, habe die gesamte Rat Wharf aufgekauft, mit dem Ziel, die Docks in so etwas wie das »Linke Seine-Ufer« von Leicester zu verwandeln, woraufhin ich Mark gestand, dass ich schon immer davon geträumt habe, mich in Wasserfarben zu versuchen. Er nickte und sagte, »Ach, wie schön«, aber ich glaube, er hatte keine Ahnung, wovon ich redete.
Mark blickte sich sehnsüchtig in dem nackten, weiß gestrichenen Raum um und stellte seufzend fest: »In so was würde ich selber gerne wohnen, aber ich hab drei Kinder unter fünf, und die Chefin will nun mal einen Garten.«
Ich sprach ihm mein Beileid aus und erzählte, dass ich bis vor kurzem selbst Vollzeit-Vater von zwei Jungen war, sich jetzt aber die Armee um Glenn, den Siebzehnjährigen, kümmere, und der Neunjährige, William, mit seiner Mutter nach Nigeria gezogen sei.
B’astard sah mich neidvoll an und meinte: »Sie sind ganz schön jung dafür, dass Sie die Kinder schon vom Hals haben.«
Ich erklärte ihm, ich sei vierunddreißigeinhalb und es sei jetzt höchste Zeit, dass meine eigenen Bedürfnisse mal an erster Stelle kämen.
Nachdem B’astard mich noch auf die in die Arbeitsfläche eingelassene Granit-Käseplatte in der Küchenzeile hingewiesen hatte, willigte ich ein, die Wohnung zu kaufen.
Bevor wir gingen, trat ich ein letztes Mal auf den Balkon hinaus. Die Sonne versank gerade in der Ferne hinter dem Parkhaus. Auf dem Fußweg auf der gegenüberliegenden Kanalseite trottete ein Fuchs mit einer Supermarkttüte in der Schnauze entlang. Ein bräunliches Geschöpf (bestimmt eine Schermaus) huschte in den Kanal und schwamm davon. Die Schwäne glitten majestätisch vorbei. Der größte von ihnen sah mir geradewegs ins Gesicht, als wolle er sagen: »Willkommen in deinem neuen Zuhause, Adrian.«
22.00 Uhr
Ich ging in die Küche, drehte das Radio leise und teilte meinen Eltern mit, dass ich, sobald alles geregelt sei, mein Zimmer bei ihnen im Haus räumen und in eine Loftwohnung in der alten Batteriefabrik am Rat Wharf in Leicester ziehen würde.
Meine Mutter konnte ihre Erleichterung kaum verbergen.
Mein Vater schnaubte verächtlich. »Die alte Batteriefabrik? Dein Großvater hat da mal gearbeitet, aber dann hat er von einem Rattenbiss eine Blutvergiftung bekommen und musste aufhören. Wir dachten damals schon, sie müssten ihm das Bein abnehmen.«
»Rat Wharf?«, wollte meine Mutter wissen. »Wird da nicht nächstes Jahr dieses Obdachlosenasyl eröffnet?«
»Da bist du falsch unterrichtet«, erwiderte ich. »In dem ganzen Komplex entsteht zurzeit das neue kulturelle Zentrum von Leicester.«
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Rezension aus Deutschland vom 11. August 2009
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Rezension aus Deutschland vom 10. Juli 2015
Verifizierter Kauf
Den ersten Kontakt mit Frau Townsend hatte ich zu Schulzeiten, als das "Tagebuch des Adrian Mole" im Englischunterricht behandelt wurde. Schon damals war ich von der Bissigkeit und dem bösen, britischen Humor begeistert. Mittlerweile habe ich mich durch all ihre Werke gelesen. Herrlich!! Schade, dass die Gute nicht mehr unter uns weilt und uns nicht mehr mit weiteren Büchern erfreuen kann...
Rezension aus Deutschland vom 30. November 2012
Verifizierter Kauf
Schon 1000000x gelesen, darum jetzt nochmal neu gekauft (das alte von mir ist schon ziemlich mitgenommen vom vielen Lesen & in den Urlaub mitnehmen etc).
Für mich das beste Buch der Welt. Selten so gelacht wie beim lesen dabei. Teilweise auch ernste Themen. Aber für mich überwiegt einfach dieser fiese Humor!
Für mich das beste Buch der Welt. Selten so gelacht wie beim lesen dabei. Teilweise auch ernste Themen. Aber für mich überwiegt einfach dieser fiese Humor!
Rezension aus Deutschland vom 26. Mai 2013
Verifizierter Kauf
Es ist ein gutes und lustiges Buch für alle Lese- und Lachwilligen ab 12 Jahre alt. Wir habe das Buch inzwischen bereits mehrmals verschenkt!
Rezension aus Deutschland vom 18. Mai 2007
Verifizierter Kauf
"Adrian Mole und die Achse des Bösen" heisst Sue Townsends Buch knackig auf deutsch. Allerdings führt der Titel ein wenig in eine falsche Richtung, denn das Buch ist eine grossartige Komödie und Adrian Mole hat weder mit bösen Menschen noch mit dem Bösen schlechthin zu tun. Die Pointe mit den Massenvernichtungswaffen kann im Buch nachgelesen werden. Leider ist dieses sechste auch das letzte Tagebuch von Adrian Mole, was Sue Townsend wegen ihrer angeschlagenen Gesundheit, sie ist erblindet, angekündigt hat. So meint Adrian Mole am Schluss, dass glückliche Menschen keine Tagebücher schreiben. Er erwäge aber, seine Autobiographie zu schreiben.
Das Tagebuch beginnt am 29.9.2002 und endet am 26.7.2003. Es folgt noch ein kleiner Epilog (21./22.7.2004). Adrian arbeitet nun in einem Bücherantiquariat, hat sich eine Loft-Wohnung gekauft und sitzt auf einem Berg Schulden. Auch wenn Adrian nun 35 ist, ist er noch lange nicht erwachsen. Endlich läuft auch einmal etwas mit Frauen (nicht seine Jugendliebe Pandora). Aber seine Auserwählte Marigold ist so kurios, dass man sich Adrian das Single-Leben sofort zurück wünschte. Einfach ein Alptraum. Auch deren Eltern wünscht man sich nicht gerade als Schwiegereltern. Da gerade der Irak-Krieg das bestimmende Thema ist, hat der bekennende Blair-Anhänger ein Problem, besonders wenn die Frau, die er liebt, Kriegsgegnerin ist. Sue Townsend kritisiert Blairs Kriegspolitik zum Teil sehr subtil, unidiologisch und sehr witzig. Die besondere Stärke von den Tagebüchern ist, dass an der Lebensgeschichte eines liebenswerten Losers die Zeitgeschichte gespiegelt wird. So erfährt man auch viel über die britische Politik und Gesellschaft. Witzig ist auch, wie Townsend die Geschäftspolitik von Kreditkartenfirmen kritisiert. Dort gilt ja das Motto "Buy now, pay later". Zum Schluss kann ich nur einen Tipp geben: Unbedingt lesen!
Das Tagebuch beginnt am 29.9.2002 und endet am 26.7.2003. Es folgt noch ein kleiner Epilog (21./22.7.2004). Adrian arbeitet nun in einem Bücherantiquariat, hat sich eine Loft-Wohnung gekauft und sitzt auf einem Berg Schulden. Auch wenn Adrian nun 35 ist, ist er noch lange nicht erwachsen. Endlich läuft auch einmal etwas mit Frauen (nicht seine Jugendliebe Pandora). Aber seine Auserwählte Marigold ist so kurios, dass man sich Adrian das Single-Leben sofort zurück wünschte. Einfach ein Alptraum. Auch deren Eltern wünscht man sich nicht gerade als Schwiegereltern. Da gerade der Irak-Krieg das bestimmende Thema ist, hat der bekennende Blair-Anhänger ein Problem, besonders wenn die Frau, die er liebt, Kriegsgegnerin ist. Sue Townsend kritisiert Blairs Kriegspolitik zum Teil sehr subtil, unidiologisch und sehr witzig. Die besondere Stärke von den Tagebüchern ist, dass an der Lebensgeschichte eines liebenswerten Losers die Zeitgeschichte gespiegelt wird. So erfährt man auch viel über die britische Politik und Gesellschaft. Witzig ist auch, wie Townsend die Geschäftspolitik von Kreditkartenfirmen kritisiert. Dort gilt ja das Motto "Buy now, pay later". Zum Schluss kann ich nur einen Tipp geben: Unbedingt lesen!
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Rezension aus Deutschland vom 21. August 2013
Verifizierter Kauf
Unglaublich komisch, superlockere Sprache, dazu mit Tiefe und Themen zum Überdenken eigener Ansichten.
Ein Buch, das ich im Bekanntenkreis inflationär empfehlen werde!
Ein Buch, das ich im Bekanntenkreis inflationär empfehlen werde!
Rezension aus Deutschland vom 17. Januar 2007
Verifizierter Kauf
Das Klopfen in Adrian Moles kaputtem Auto hört sich an, als ob ein kleines Männchen unter der Motorhaube säße und mit einer Eisenstange gegen den Motor klopft - diese Beschreibung findet nicht nur der Mechaniker komisch ("Das kleine Männchen in Ihrem Motor ist jetzt weg"), sondern auch der Leser. Ich habe mich wieder mal köstlich amüsiert, über Adrian Moles Tagebuch, seine Beziehung zu Marigold, seine Betrachtungen zur Politik und seine Briefe an Prominente und Politiker. Noch besser als die Cappuccino-Jahre.
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