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Ich beginne zu glauben, dass es wieder Krieg geben wird: Was die Systemische Evolutionstheorie über unsere Zukunft verrät Taschenbuch – 1. November 2011

4.0 von 5 Sternen 9 Kundenrezensionen

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Über den Autor und weitere Mitwirkende

Peter Mersch:

Peter Mersch, Jahrgang 1949, ist Systemanalytiker und Zukunftsforscher. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Gebieten Migräne, Evolutionstheorie, soziokulturelle Evolution, Demografie und Soziologie. Von ihm stammen die Systemische Evolutionstheorie, das Familienmanager-Konzept und die energetische Migränetheorie. Daneben beschäftigt er sich mit den Ursachen der Übergewichts- und Demenzepidemie. Auch dazu hat er eigene theoretische und praktische Konzepte vorgelegt. Seit 2004 betreibt er im Internet das bekannte Migräneportal www.miginfo.de.

Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Seit etlichen Jahren mehren sich die schlechten Nachrichten, darunter die folgenden:


  • Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich.
  • Ein wachsender Anteil unter den Menschen kann seinen Lebensunterhalt durch Arbeit nicht mehr sichern.
  • In unserer Gesellschaft werden zu wenige Kinder geboren, das gilt ganz besonders für die gebildete Mittelschicht.
  • Die zukünftige Finanzierbarkeit der Renten, Pensionen und des Gesundheitssystems ist mehr als fraglich.
  • Anteilsmäßig immer mehr Menschen sind chronisch krank.
  • Das Finanzsystem ist instabil und muss häufig staatlich gestützt werden.
  • Viele Staaten sind überschuldet, einige stehen unmittelbar vor dem Staatsbankrott.
  • In vielen unterentwickelten Ländern bekommen die Menschen zu viele Kinder, obwohl gleichzeitig Hunger, Armut und Elend vorherrschen.
  • Die Gefahr des internationalen Terrorismus wächst.
  • Das Klima wandelt sich.
  • Zahlreiche wichtige Ressourcen, inklusive der fossilen Brennstoffe, neigen sich dem Ende zu.
  • Viele biologische Arten sind durch das Wirken des Menschen entweder bereits ausgestorben oder sterben bald aus.
  • Der Mensch entzieht sich sukzessive seine eigene Lebensgrundlage.

Man fragt sich unwillkürlich: Was ist das und was treibt es an? Kann man es aufhalten, oder müssen wir uns auf absehbare Zeit daran gewöhnen? Wird es noch schlimmer werden? Wird die Menschheit vielleicht sogar ganz von unserem blauen Planeten verschwinden?


Angesichts der nicht enden wollenden Finanzkrise bekannten einige, politisch eher als konservativ geltende Autoren, sie begännen zu glauben, dass die Linke mit ihren Thesen und Analysen recht hat. Die beiden Artikel von Charles Moore und Frank Schirrmacher nahmen - wie der Titel andeutet - einen wesentlichen Einfluss auf die inhaltliche Gestaltung des vorliegenden Buches, nicht jedoch auf dessen naturwissenschaftliche und systemanalytische Herangehensweise.


Charakteristische Merkmale unseres Universums sind dessen Expansion und der energetische Zerfall. Sie definieren den kosmologischen und thermodynamischen Zeitpfeil, die Ausdruck seines eigenen Strebens in Richtung Wärmetod sind. Der Kosmologe Stephen Hawking argumentiert in seinem Buch "Die illustrierte kurze Geschichte der Zeit", dass es intelligentes Leben nur geben kann, wenn sich das Universum ausdehnt und der kosmologische, der thermodynamische und unser eigener psychologischer Zeitpfeil in die gleiche Richtung weisen. Oder in den Worten des Physikers Peter W. Atkins:

    "Indes, mag sie auch noch so verborgen sein, die Triebfeder aller Schöpfung ist der Zerfall, und jede Handlung ist die mehr oder weniger unmittelbare Folge der natürlichen Auflösungstendenz."

Ich stellte mir die Fragen: Angenommen, es stimmt, was die Physiker und Kosmologen behaupten, dass nämlich unser Universum vor ca. 13,75 Milliarden Jahren aus einer Art Singularität beziehungsweise einem Urknall heraus entstanden ist, sich seitdem ausdehnt und zugleich thermodynamisch zerfällt und dabei - ohne den Eingriff eines externen Schöpfers und ausschließlich auf der Grundlage der in ihm geltenden Naturgesetze - die Materie, Milliarden Galaxien, schwarze Löcher, unsere Sonne, die Erde, den Mond, Pflanzen, Tiere und sogar uns Menschen hervorgebracht hat, wir also gewissermaßen nicht die Kinder Gottes, sondern des Urknalls sind, wie konnte es darin dann zu Lehman Brothers und zur Finanzkrise kommen? Oder zu konservativen und linken Gesinnungen? Und was heißt in einer solchen Welt, angesichts von Milliarden Galaxien und schwarzen Löchern, die Linke könnte recht haben? Und schließlich: Was ist eigentlich Leben?


In einem zerfallenden Universum kann es keine dauerhaften passiven Systeme von beliebig großer Komplexität geben, jedenfalls wäre ihr Auftreten extrem unwahrscheinlich. Schon nach kurzer Zeit würden sie sich wieder in Bestandteile auflösen.


Lebewesen sind demgegenüber aktive, informationsverarbeitende Systeme. Sie streben danach, dem universalen Streben nach Zerfall über einen möglichst langen Zeitraum zu widerstehen. Da das Universum in Richtung Zerfall strebt, müssen sie gewissermaßen in die entgegengesetzte Richtung nach Erhalt streben. Hierdurch können sie im Laufe der Zeit zu praktisch beliebiger Komplexität heranwachsen.


Sie haben es als sogenannte selbstreproduktive Systeme beziehungsweise als Evolutionsakteure - durch welchen Mechanismus auch immer - geschafft, gegenüber ihrer Umwelt Kompetenzen zu entfalten, mit deren Hilfe sie aus ihr Ressourcen erlangen können, um ihre Kompetenzen zu reproduzieren, das heißt, zu erhalten und zu erneuern. Ferner streben sie danach, genau das zu tun, denn nur so können sie ihre komplexen Kompetenzen und die mit ihr verbundenen Ordnungszustände - auf Kosten ihrer Umwelt - eine Zeit lang bewahren und gegebenenfalls sogar weiterentwickeln. Anders gesagt: Lebende Systeme versuchen, Kompetenzverluste zu vermeiden. Sie verhalten sich nachhaltig gegenüber ihren eigenen Kompetenzen und ausbeutend gegenüber ihrer Umwelt.


Als das Leben immer zahlreicher und die Ressourcen folglich knapper wurden, kam der Wettbewerb unter den Lebewesen hinzu. Ab da ging es für die lebenden Systeme nicht mehr nur darum, den Anschluss gegenüber dem Streben des thermodynamischen Zeitpfeils nicht zu verlieren, sondern gegenüber dem Streben aller anderen Lebewesen in der gleichen Umwelt auch. Wenn das Leben selbst einen Großteil der Umwelt ausmacht, dann müssen sogar relative Kompetenzverluste - relativ in Bezug auf die Kompetenzen der anderen Lebewesen in der gleichen Umgebung - vermieden werden, um weiterhin am Spiel der Evolution teilnehmen zu können. Unter solchen Verhältnissen bildet sich dann ein auf dem sogenannten Red-Queen-Prinzip beruhender Wettbewerbsmechanismus aus, der unter anderem für Phänomene wie die Gier verantwortlich zeichnet, wie im Laufe des Buches noch erläutert wird.


Das Problem ist nun aber, dass all dies nicht nur für uns Menschen beziehungsweise allgemeiner für Lebewesen gilt, sondern für noch komplexere Systeme - sogenannte Superorganismen -, wie zum Beispiel Honigbienenstaaten und menschliche Unternehmen, genauso. Auch diese Systeme unterliegen dem thermodynamischen Zeitpfeil des Universums. Auch sie sind im Allgemeinen einem Wettbewerb um knappe Ressourcen ausgesetzt. Auch sie würden schon bald zerfallen, wenn sie sich nicht beständig nachhaltig gegenüber ihren Kompetenzen und ausbeutend gegenüber ihrer Umwelt verhielten. Unser Universum - und natürlich auch der Wettbewerb um knappe Ressourcen - zwingt sie zu ihren Verhaltensweisen. Ich rede an dieser Stelle von grundsätzlichen Naturprinzipien unseres Universums und nicht von Sachverhalten, die in irgendeiner Weise "umstritten" sind.


Insgesamt ergibt sich das Bild einer belebten Welt aus lauter Evolutionsakteuren, die allesamt bestrebt sind, Kompetenzverluste zu vermeiden. Statt des gnadenlosen Kampfes ums Dasein steht in ihr das allseitige und fortwährende individuelle Bemühen, sich nicht gegenüber der Vergangenheit und anderen zu verschlechtern, im Vordergrund.


Man kann, wie im Buch gezeigt wird, praktisch alle eingangs angeführten aktuellen Großprobleme der Menschheit auf der Grundlage dieser wenigen fundamentalen Naturprinzipien erklären. Weitere, darüber hinausgehende Annahmen sind nicht erforderlich, insbesondere keine politischen. Man braucht beispielsweise keinen Karl Marx, um die zunehmende Verarmung unserer Gesellschaft prognostizieren zu können. Physik, Evolutions- und Systemtheorie tun es bereits. Dass ich damit indirekt auch behaupte, die Kultur- und Sozialwissenschaften seien eigentlich ebenfalls Naturwissenschaften, versteht sich von selbst. Wenn Menschen keine Geschöpfe Gottes, sondern lediglich Naturphänomene innerhalb unseres Universums sind, bleibt im Grunde keine andere Alternative.


Eine wesentliche Rolle...


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Kundenrezensionen

Top-Kundenrezensionen

am 6. Mai 2012
Format: Taschenbuch|Verifizierter Kauf
Kommentar| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 9. März 2012
Format: Taschenbuch|Verifizierter Kauf
Kommentar| 10 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden

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