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Die Zukunft des Kapitalismus (edition suhrkamp) Taschenbuch – 19. April 2010
Kaufoptionen und Plus-Produkte
- Seitenzahl der Print-Ausgabe198 Seiten
- SpracheDeutsch
- HerausgeberSuhrkamp Verlag
- Erscheinungstermin19. April 2010
- Abmessungen10.9 x 1.2 x 17.6 cm
- ISBN-103518126032
- ISBN-13978-3518126035
Produktbeschreibungen
Rezension
Über den Autor und weitere Mitwirkende
Frank Schirrmacher (1959–2014) war Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Produktinformation
- Herausgeber : Suhrkamp Verlag; Originalausgabe Edition (19. April 2010)
- Sprache : Deutsch
- Taschenbuch : 198 Seiten
- ISBN-10 : 3518126032
- ISBN-13 : 978-3518126035
- Abmessungen : 10.9 x 1.2 x 17.6 cm
- Amazon Bestseller-Rang: Nr. 94.303 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
- Nr. 214 in Interviews
- Nr. 393 in Essays (Bücher)
- Nr. 705 in Schulwissen Philosophie
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Das konnte man erwarten. Schade
Der Blogger Thomas Strobl ist nicht ohne Erkenntnis: Dass die reichsten zehn Prozent der deutschen Bevölkerung mehr als sechzig Prozent des privaten Vermögens auf sich vereinen fällt ihm unangenehm auf und auch, dass dieser Vermögenskonzentration rund die Hälfte der Bevölkerung entgegensteht, die gar kein Vermögen besitzt. Doch trotzdem gibt er einen fatalen Grundakkord an: "Wenn wir den Kapitalismus als prinzipiell beste Wirtschaftsform für eine pluralistische und demokratische Gesellschaft erhalten wollen . . . dann müssen wir unseren Kurs ändern"." Wer ist wir? Es sind zumeist Autoren in Schirrmachers Buch, die sich auf die uns bekannte Welt konzentrieren. Lateinamerika haben sie noch nicht entdeckt, Indien nicht und auch nicht Afrika, manchem ist auch der Hartz IV-Komplex eine Terra Incognita. Doch auch dort herrscht der Kapitalismus. Und trotzdem soll in all diesen ausgegrenzten Kontinenten, Ländern und sozialen Welten die "beste Wirtschaftsform" erhalten bleiben?
Es ist der Kanon des wohltemperierten Kapital-Chores, der in "Die Zukunft des Kapitalismus" gesungen wird, in dem dann Textfragmente auftauchen wie "Die Krisenanfälligkeit ist dem Menschen an sich immanent", wie Karen Horn vom "Institut der deutschen Wirtschaft" zu wissen glaubt, und wer Abschied nähme von der "Eigenverantwortung", der lande letztlich in der "totalitären Versuchung". Das könnte Westerwelle ihr aufgeschrieben haben. Der Autor Gunnar Heinsohn macht die verblüffende Entdeckung eines "Perpetuum-mobile-Charakters", der den Kapitalismus zur beispiellosen Dynamik geführt habe. Ob er nicht weiß, dass dem gedachten, physikalischen Perpetuum mobile keine Energie für dessen Bewegung zugeführt werden muss, der Kapitalismus aber in seinen vielen Kriegen als Hauptbrennstoff jede Menge Menschenleiber für seine imperiale Entwicklung benötigt? Natürlich nicht die Leiber der Profiteure, sondern jene Millionen Toten auf der anderen Seite.
Zu den klügsten Beiträgen im Buch gehören jene von zwei Schriftstellern. Leider stammt auch der dümmste aus dieser Berufsgruppe: Martin Walser kennt einen netten Kapitalisten. Der lässt seine "Mitarbeiter" täglich vierundzwanzig unentgeltliche Minuten mehr arbeiten, dafür werden sie am Erfolg beteiligt, wenn es einen gibt. Der Betrieb floriert, sicher auch, weil der einzelne Kollege sich an das Profitziel des Unternehmens gebunden fühlt. Das lobt Herr Walser. Über den Kapitalismus, dessen Anarchie mal diesen mal jenen Produktionszweig schließt, mal diese oder jene Gruppe nicht beteiligter oder "beteiligter" Arbeitnehmer von Arbeit befreit (Porzellan-Rosenthal, Foto-Porst, etc.) sagt das Beispiel nix und gar nix. Viel aber über Walser: Er hat vom Thema keine Ahnung, ist unsäglich angepasst und möchte gerne mitreden.
Der Schriftsteller Ingo Schulze hat noch diesen kritischen Ostgeist. Es ist nicht lange her, da haben solche wie Schulze den Honecker in all seiner Nacktheit gezeigt. Und auch dem neuen Kaiser, Kapital genannt, glauben sie die Verpackung nicht: "Statt Politik und Demokratie ernst zu nehmen, schafft die Regierung lieber die Realität ab", schreibt Schulze und meint die permanente Lügerei über die Arbeitslosenzahlen. Anna Katharina Hahn kommt aus dem Westen und formuliert in bester Swiftscher Tradition: Man solle, legt sie einem fiktiven Professor in den Mund, die unproduktive Kindheit abschaffen, weil die bereits bei nur einem Kind "die Arbeitskraft von mehr als zehn Personen bindet." Aus dem Reagenzglas in die Produktion, das brauche die globalisierte Wirtschaft, und wer das nicht wolle, der sei eben ein "Modernisierungsverlierer". Der zynische Vorschlag ist nicht allzu weit von der Realität entfernt: In Bangladesch und anderswo ist die Kindheit längst der Gobaliserung geopfert.
Es ist ein wundersamer Zufall, dass Schirrmachers Debatten-Buch zeitgleich zur zweiten schweren Krise des Kapitalismus in kürzester Frist erscheint. Die Ereignisse um Griechenland, deren Ursachen auch - aber nicht primär - in Griechenland liegen, lassen viele der im Buch versammelten Thesen so alt aussehen, wie sie wirklich sind. Wenn vom "bewährten Marktsystem" geschrieben wird, vom "Ethos der Eliten" mit dem Wolfgang Schäuble das System gesundbeten will, oder wenn Paul Kirchhof zum Beispiel, der beinahe unter Merkel Finanzminister geworden wäre, vor sich hin schwätzt: "Wir stehen vor der Aufgabe, unser Wirtschaftssystem in die verantwortliche Freiheit jedes Unternehmers, Finanziers und Nachfragers zurückzuführen." Man sieht sie richtig vor sich, die Hartz Vierer, wie sie als Nachfrager ihre Verantwortung wahrnehmen. Oder den Ackermann, wie er seine Profitfreiheit zurückführt. So bleibt dann Frank Schirrmachers lyrischer Satz aus dem Vorwort als Sinnspruch aus dem Poesiealbum des Kapitals: "Manchmal entscheidet sie (die Krise) darüber, wo das Herz des Systems schlägt." Lieber Frank, wenn es denn ein Herz hat, das System, dann schlägt es an der Börse. Und nur dann, wenn die da Unten aufmuckten, säße es in der Hose.
Schirrmacher und Strobl haben aus der modernen Blogger-Szene und den regelmäßigen FAZ-Beiträgen zum Thema eine Idee geboren, Meinungen zusammenzutragen über das Ergebnis dessen, was bislang als magische Kunst im Finanzsektor ausschließlich galt. Alles, was Börse, Immobilie, Hypothek, Fond und Dachfond war, ja selbst die Leerverkäufe gehörten in jene Begriffswelt der Eingeweihten, jetzt zum Wortgemenge der Krise, die Bankenkrise, Währungskrise und Systemkrise zugleich ist. Ein Zauber, wie aus Nichts ein Etwas wird in der Illusion und dann in einem anderen Geist mit Gier ein Streben nach mehr sich fortpflanzt. Die Fiktion der wahrscheinlichen Realität wird zur Handlungsanweisung und zur Entscheidungsgrundlage, von der aus sich die weiteren Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten zunehmend als auf Zukunft gerichtete fiktionale Realitäten entpuppen. "Doch ich entsage allem Streben, / Er hat sich beladen mit meinem Leben" schreibt Rimbaud und die 26 Fremdbeiträge in Schirrmachers / Strobls Zusammenstellung über die Zukunft des Kapitalismus muten an, wie eben jede persönliche Meinung ist. Subjektiv! und so müssen sie gelesen werden.
Interessant im weitesten Sinne erscheinen die Aspekte vom Romanciers Walser über den Philosophen Sloterdijk hin zu den Lenkern aus der Politik und dem Meinungsbildnern aus den Universitäten. Zwischen der einfachen Erkenntnis, in der sozialen Marktwirtschaft das Adjektiv nicht als bloße Beimischung des Guten zu betrachten und dem thymotischen Ansatz der Steuerbefreiung zu Gunsten eines freiwilligen Beitrags zur Stärkung des eigenen Ichs "zwischen Gier und Stolz" das Wort zu reden, pendeln die Forderungen, Ideen und Kritiken in dem Wissen um Wissen ohne praktische Anwendung. Natürlich wünscht man sich gemäß dem Verweis Walsers auf Kant eine Verfassung, die selbst eine Gesellschaft von Teufeln zum Guten bewegt, aber in der vergesellschafteten Freiheit unter dem Primat einer Gleichheit ist nichts zu machen, wenn man von der Anerkennung der Leistungsträger, des Menschen an sich nicht absehen möchte. Und so gibt Baecker zu Recht zu bedenken, was zuzumuten ist.
"Mein Kopf füllte sich mit Projekten und Unternehmungen, die jenseits meiner Möglichkeiten lagen." So Robinson Crusoe mit gleichnamigen Roman von Defoe als moderner Projektemacher auf dem "dünnen Eis der Fiktion". Der Realismus ist wiedererwacht. Sich daher ernsthaft Gedanken über den Kapitalismus und seine Folgen zu machen, dazu regt dieses Buch sicherlich an. Es zeigt ein durchaus gelungenes Potpourri individueller Ansichten, auch unterschiedlicher Ausprägung, die zu eigenen Überlegungen führen werden. Da wo die Krise den realen Verlust deutlich macht, steht ebenso deutlich fest, dass der Mensch über den Verlust der anderen wenig bereit ist, nachzudenken. Denn das hieße, über die Zusammenhänge mehr zu wissen. Viele Betroffene haben daher nicht gelernt, die magische Kunst aus Nichts was zu machen, anzuwenden. Die, die es sich trauten mit dem Geld anderer, können sich wohlfühlen in der Zone der strukturellen Nicht-Verantwortlichkeit. Der Zauber ist verstaubt im Kern der Krise, er hat manchem Seele und Leib geraubt.
Die Krise ist keine Krise des Kapitalismus, es ist eine Krise im Kapitalismus. Damit kann nur von Innen heraus eine Änderung sich vollziehen. Dass diese begleitet werden muss durch Bürgschaften aller durch den Staat, beweist nur die Zerbrechlichkeit des Systems und die Angst der Politik vor der schöpferischen Zerstörung. Dead Bank Walking wurde mit motivierter Innovation einer doppelten Buchführung zur Augenwischerei im Bad Bank Hiding. "Jetzt gilt es, die noch lebenden Institutionen von denjenigen zu trennen, die für tot erklärt werden müssen, und zwar unter Anwendung des Prinzips der nationalen Bankrottreorganisation unter staatlicher Aufsicht, um die Realwirtschaft und das reguläre Bankenwesen zu schützen." (US Ökonom Lyndon LaRouche) In gewisser Weise entdeckt man die Parallele des Mesmerismus aus dem "Fall Waldemar" von E.A. Poe.
Und "Nach der Sintflut" aller schlechten Nachrichten keimt Hoffnung wie in Rimbauds gleichnamiger Prosa auf, nachdem die Erinnerung sich beruhigt hat: Oh! Die Edelsteine, die sich versteckten, - die Blumen, die schon wieder umherschauten [...]. Und die Königin, die Hexe [...] sie wird uns niemals erzählen wollen, was sie weiß und was wir nicht wissen." Nach Hegel beginnt die Eule der Minerva erst mit hereinbrechender Dämmerung ihren Flug. "Die Zukunft des Kapitalismus" ist eine rückwärts gerichtete Betrachtung mit manchem Fingerzeig für die Zukunft. Betrachtet man Paul Klees Bild vom "Angelus Novus" und Benjamins Interpretation von diesem "Engel der Geschichte", dann wird man feststellen, dass der Wind der Zeit nur eines im Sinn hat: Zukunft, auch wenn der Engel die sich auftürmenden Trümmer der Vergangenheit im Blick hat.
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Wer wirklich gute, tief gehende Analysen sucht, dem kann ich nur sämtliche Bücher von Robert Kurz als direkten Vergleich empfehlen, den ich als führenden Autor der "modernen Wertetheorie" bezeichnen würde. In seinem Buch "Das Weltkapital" (bereits 2005 erschienen) geht er übrigens auch auf Peter Sloterdijk und andere ein... Und selbst in seinem Hauptwerk "Schwarzbuch Kapitalismus", welches jetzt zwar aktuell wieder aufgelegt wurde, aber original schon 1999 erschienen war, war Kurz in seinen Analysen und Schlussfolgerungen geistig diesem Autorensammelsurium hier um Längen voraus. Kann ich wie gesagt nur ans Herz legen...