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Der Zementgarten Taschenbuch – 2. Januar 1999

4.3 von 5 Sternen 52 Kundenrezensionen

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Produktinformation

Produktbeschreibungen

Rezension

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Der Zementgarten
OT The Cement Garden OA 1978 DE 1980Form Roman Epoche Gegenwart
In seinem viel gerühmten Erstlingsroman widmet sich Ian McEwan wie in den beiden vorausgegangenen Kurzgeschichtenbänden Erste Liebe, letzte Riten (1975) und Zwischen den Laken (1978) den Problemen Heranwachsender.
Inhalt: In einem allein stehenden Haus inmitten eines Abbruchviertels lebt der 13-jährige Ich-Erzähler Jack mit seinen Eltern und drei Geschwistern. Die Familie ist isoliert von anderen Menschen; der Kontakt zu Verwandten ist längst abgebrochen, die Schulkameraden der Kinder werden nicht eingeladen.
Bei dem Versuch, den häuslichen Garten zu zementieren, überanstrengt sich der Vater und stirbt an einem Herzinfarkt. Jack, den vor allem seine gerade erwachende Sexualität beschäftigt, ist von dem Wunsch getrieben, eine engere Beziehung zu seiner Mutter aufzubauen, scheitert jedoch an seiner eigenen Indifferenz. An seinem 15. Geburtstag stirbt die Mutter nach einer längeren Krankheit, so dass die vier Kinder fortan auf sich allein gestellt sind. Aus Angst, von den Behörden getrennt zu werden, verschweigen sie ihre Situation und zementieren die Leiche in einer Kiste im Keller ein. Da gerade die Zeit der Sommerferien begonnen hat, reduzieren sich die ohnehin spärlichen Außenkontakte auf ein Minimun. Doch nicht nur die Gruppe kapselt sich immer mehr von ihrer Umgebung ab, auch jeder Einzelne ist in zunehmendem Maße der Isolation ausgesetzt.
Die Beziehungen zwischen den Geschwistern sind zunächst ungeordnet und wechselhaft. Zwischen Jack und seiner zwei Jahre älteren Schwester Julie, zu der er sich sexuell hingezogen fühlt, kommt es zu starken Spannungen, da jeder der beiden die Position des Familienoberhauptes für sich beansprucht. Die jüngere Schwester Sue zieht sich mit Büchern in ihr Zimmer zurück und der sechsjährige Tom fällt nach und nach ins Säuglingsstadium zurück.
Das Haus und der Garten sind dem Verfall preisgegeben. Nach einiger Zeit beginnen die Kinder jedoch, den Haushalt zu ordnen und es bilden sich Ansätze sozialer Strukturen heraus. Problematisch bleibt für die Kinder jedoch vor allem die Auseinandersetzung mit ihrer geschlechtlichen Identität. Neben der inzestuösen Liebe Jacks zu seiner Schwester konkretisiert sich das Thema außerdem in der aufbrechenden Konkurrenz zwischen Julie und Sue sowie in dem Wunsch Toms, sich als Mädchen zu verkleiden.
In die isolierte Gemeinschaft bricht die Außenwelt ein, als Julie ihren neuen Freund Derek ins Haus bringt. Dieser bemerkt den inzwischen penetranten Leichengeruch – der Zementblock ist gerissen – und kommt hinter das Geheimnis der Kinder. Als er Jack und Julie beim Vollzug des Inzests ertappt, alarmiert er die Polizei.
Mit einem an der Psychoanalyse von Sigmund R Freud geschulten Blick beschreibt McEwan die Entwicklung der isolierten Kindergemeinschaft. Sein distanziert-sachlicher Stil verleiht selbst Geschehnissen wie dem Einzementieren der Mutter eine Normalität und Alltäglichkeit, die das Grauen erst recht hervorhebt. Auch die inzestuöse Beziehung der beiden älteren Geschwister wird durchaus sachlich geschildert. Tabubrüche dieser Art sind bei McEwan jedoch keineswegs Selbstzweck, sondern dienen der Aufdeckung des Verborgenen, Unbewussten.
Wirkung: Obwohl McEwan insbesondere mit seinen Kurzgeschichten bei konservativen Kritikern Anstoß erregte, sicherte ihm schon sein literarisches Debüt eine breite Anerkennung. Spätestens seit dem Roman Der Zementgarten war der Aufstieg McEwans zu Englands meistgefeiertem Autor nicht mehr aufzuhalten. Besonders erfolgreich war auch die Verfilmung des Romans durch Andrew Birkin 1992. S. D.

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Ian McEwan, geboren 1948 in Aldershot (Hampshire), lebt bei London. 1998 erhielt er für ›Amsterdam‹ den Booker-Preis und 1999 den Shakespeare-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung für das Gesamtwerk. Sein Roman ›Abbitte‹ wurde zum Weltbestseller und mit Keira Knightley verfilmt. Er ist Mitglied der Royal Society of Literature, der Royal Society of Arts und der American Academy of Arts and Sciences.


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Kundenrezensionen

Top-Kundenrezensionen

Von Christian von Montfort HALL OF FAME REZENSENT am 17. August 2005
Es könnte so passieren: in einer ärmlichen Familie in London stirbt zuerst der Vater und einige Monate später die Mutter. Doch die 4 Kinder melden den Tod der Mutter nicht, sondern zementieren die Leiche im Keller ein. In den folgenden Wochen kapseln sich die Kinder von der Außenwelt ab und beginnen ein völlig autarkes Leben zu führen.

McEwan schreibt so natürlich, dass die Absurdität der Situation erst auf den zweiten Blick richtig klar wird. Mit dem Tod der Eltern fehlt die Autorität, der gesellschaftliche Druck, der sich in der Erziehung äußert. Die Kinder entwickeln sich ohne Einfluss von außen. Das Ganze verläuft wie ein psychologisches Experiment, bei dem die Vorgaben des gesellschaftlichen Zusammenlebens aufgehoben und neu überdacht werden. Faszinierend.
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Format: Taschenbuch
Es könnte eine grosse Hilfe für den Leser sein, wenn er sich einmal klar machen würde, dass MC Ewan "diese schrecklichen Pubertätserlebnisse" so keineswegs erlebt hat.(Siehe Interview in der Frankfurter Rundschau im Okt.2003)Wer hier also auch am liebsten sofort die Polizei rufen möchte, weil er diese Zustände der Kinder nicht aushält, der sollte doch lieber innehalten und sich fragen, was den Schriftsteller dazu bewegt haben könnte, sich soetwas auszudenken. Hier könnte die Metapher des Zementgartens ein möglicher Deutungsansatz sein. Welche verschiedenen Vorstellungen von Gärten tragen wir in uns, wie weit reicht unsere Phantasie zwischen Wildnis und "Zementgarten"? Wie wild war denn unsere Kindheit? Was geschah mit unseren Sehnsüchten und Trieben, als es aufbrach in der Pubertät? In MC Ewans Roman gibt es eine wunderschöne und einfache Schlüsselszene, in der er phantasiert, wie es ist, wenn die Eltern ihre halbwüchsigen Kinder einmal einen ganzen Nachmittag allein lassen, wie diese Kinder anfangen wild zu toben und ihre grenzenlose Freiheit zu geniessen. Kinder haben nun einmal kein schlechtes Gewissen und verhalten sich sehr unmoralisch. Der Leser wird in diesem Roman immer wieder an seine moralischen Grenzen stossen. Vielleicht spürt der Eine schon ein Unbehagen bei den Doktorspielen der Kinder, während ein Anderer erst beim Inzest ruft: Jetzt reicht's! Dabei geschieht hier überhaupt nichts, ohne dass der Autor es nicht einfühlsam und sorgfältig vorbereitet.Lesen Sie weiter... ›
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Von Th. Leibfried TOP 500 REZENSENT am 9. November 2004
Ian McEwan ist mit „Der Zementgarten" ein außergewöhnlicher Kurzroman gelungen, der sich schwerer beschreiben und charakterisieren lässt als die meisten anderen Romane. McEwan bricht Tabus. Und als Leser bleibe ich mit der Frage zurück, ob mich diese gebrochenen Tabus abstoßen müssen oder faszinieren dürfen.
Der Ich-Erzähler, Jack, ein 15jähriger pubertierender Jugendlicher, lebt mit seiner Familie zunehmend isoliert in einer Wohngegend, das letztendlich nur noch aus deren Haus und einer zurückgebliebenen Zement- und Asphaltwüste besteht. Der arbeitslose Vater stirbt, die krebskranke Mutter folgt ihm zwei Jahre später. Zurück bleiben Jack und seine Geschwister, die etwas ältere Julie, die jüngere Sue und der kleine Tom, der sich sein Leben zunehmend in einer Mädchen-Rolle einrichtet und zum kindlichen Transvestiten wird. Um sich nicht der Gefahr des Auseinandergerissenwerdens auszusetzen, verheimlichen die Geschwister den Tod der Mutter ihrer Umgebung, die quasi non-existent ist, und betonieren die eigene Mutter im Keller ein. Die erste gebrochene Unschuld.
Die vier richten sich danach ihr Leben, beinahe unabhängig von jeglicher Außenwelt, ein. Eine bedrückende Verwahrlosung ist unvermeidlich, ebenso völlig neue Rollen in ihrer kleinen Welt. Jack, fasziniert von seiner charismatisch geschilderten Schwester Julie, „drubbelt" (Auflösung im Buch) sich seinen Weg durch den täglichen Dschungel, befreit von jeglicher elterlichen Autorität und losgelöst von allen gesellschaftlichen Werten und Regeln.
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Format: Taschenbuch
Dieses Buch ist wie ein offenes Messer, man schneidet sich an ihm. Ein eisig funkelnder Diamant. Selten liest man eine solch bedrückende Szene wie die, in der die Kinder ihre tote Mutter in eine Kiste im Keller einzementieren. Der Autor erzählt von der Hoffnungslosigkeit und der Entwurzelung menschlichen Lebens in fast kafkaesken Bildern und in einer trockenen, lakonischen Sprache: kein Satz zu viel. Klassiker. Lesen!
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In einer fünfköpfigen Familie stirbt zuerst der verhaßte Vater, dann auch noch die schwächliche Mutter. Die drei Kinder beschließen daraufhin, den Tod der Mutter zu verheimlichen, um nicht ins Heim zu müssen. Sie zementieren die Tote im Keller ein und versorgen sich fortan selbst. Dabei kommen sich Bruder und Schwester allmählich näher...

Tiefgründige Studie pubertierender Jugendlicher mit all ihren Sorgen und Irrungen. Die sexuell aufgeladene Stimmung führt schließlich zur Vereinigung von Bruder und Schwester, für die es ohne Obrigkeiten nun kein Tabu mehr gibt. Natürlich "darf" so eine Geschichte nicht gut ausgehen; die Schlußszene ist jedoch im Buch sehr viel einfühlsamer gestaltet als im gleichnamigen Film. Ein Buch mit ungewöhnlichem Thema, interessant und einfühlend gelöst.
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