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Der Wolkenatlas Taschenbuch – 1. November 2007

4.0 von 5 Sternen 269 Kundenrezensionen

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David Mitchell erzählt seine Bücher gern häppchenweise. Schon Chaos erhob seinen Titel zum Programm und war als "Roman in neun Teilen" konzipiert, und bereits hier erschloss sich der "Sinn" des großen Ganzen, die Vernetzung der einzelnen Abschnitte nicht unbedingt auf den ersten Blick. Bei Der Wolkenatlas ist das nicht anders -- im Gegenteil: Es ist noch viel komplizierter. Denn die sechs nahezu autonomen Episoden führen den Leser nicht nur über eine Zeitspanne von immerhin sechs Jahrhunderten, sie sind auch alle in einem überaus eigenen, ja: eigenwilligen Stil geschrieben, wobei Mitchell meisterhaft den Bogen spannt von der Parodie exotischer Forschungsberichte aus dem 19. Jahrhundert über Genres wie Briefroman oder Thriller bis hin zur Science-Fiction-Erzählung und der "Newspeak" in 400 Jahren.

Was aber erzählt Der Wolkenatlas? Er erzählt die (plötzlich abreißende) Geschichte eines Forschungsreisenden, der mit seinen ritterlichen Ambitionen in der Fremde auf heftigen Widerstand stößt. Er erzählt die Geschichte eines jungen Musikers, der einem alternden Genie zu einem traurigen Meisterwerk und dessen Frau zu allerlei Höhepunkten verhilft. Er berichtet von Geheimnisträgern, die Verrat üben, Verlegern, die sich im Irrenhaus wiederfinden und von einem koreanischen Klon, die mit seinem Recht auf Menschsein nicht nur an moralische Grenzen stößt. Dabei geht es um Mord und Totschlag, Sühne und Sündenfall, gefallene Götter und Menschen, die sich zu Göttern aufspielen wollen -- und wie sich alles, einer literarischen Chaostheorie entsprechend, aufeinander beziehen lässt. Dabei ist erstaunlich, wie es Mitchell gelingt, dass man als Leser trotz der ungewöhnlichen Sprache, die auch vor Abkürzungen und Neologismen nicht zurückschreckt, immer am Ball bleibt, und zwar gerne. Große, ungewöhnliche Literatur. --Stefan Kellerer -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

Mitchell kartographiert Seelen und schreibt Weltliteratur. (Neue Zürcher Zeitung)

David Mitchell nimmt den Leser mit auf eine literarische Achterbahnfahrt. Und man wünscht sich, diese Reise möge nie enden. (A.S. Byatt)

Einer der wichtigsten jungen britischen Autoren. (FAZ)

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Format: Taschenbuch Verifizierter Kauf
Was ist es, was den Menschen zum Menschen macht? Diese philosophische Frage stellt sich David Mitchell und sucht in seinem fantasievollen Roman eine literarische Antwort. Am Beispiel von sechs Schicksalen aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft schildert er, wie sich die Idee wahrer Menschlichkeit wie ein Funke durch die Jahrhunderte trägt, immer wieder aufflackert, nie ganz erlischt. Mitchell erzählt beispielhaft, worin sich Menschlichkeit zeigt. Seine Helden müssen sich in ganz verschiedenen Situationen gegen Gewalt, Herrschsucht und Unbarmherzigkeit stellen, müssen sich als Menschen behaupten. Und wenn die Macht zur Übermacht wird, bleibt Ihnen manchmal nur die Flucht oder der Tod, um den kostbaren Funken zu bewahren.

Das poetische Bild vom Wolkenatlas löst beim Leser sofort Assoziationen aus: ein blauer Himmel, vor dem sich Wolkenberge türmen, mal sanft segelnd, dann wieder auseinander strebend, sich überlappend oder gar einander verschlingend. Wie ein Patchwork-Teppich mutet das an. Genauso hat David Mitchell seine Geschichten aufgebaut: zwar ist jeder Handlungsstrang in sich abgeschlossen, jedoch tauchen immer wieder Verweise auf die anderen Geschichten auf. Das vernetzt den Roman in sich, versinnbildlicht aber auch, dass unser Heute etwas mit dem Gestern und dem Morgen zu tun hat.

Das Patchwork-Prinzip findet sich auch als stilistisches Mittel des Romans: Da steht der bürgerliche Bildungsroman in Form eines Reisetagebuchs neben der klassischen Liebestragödie in Briefen, der spannende Umweltkrimi neben der aberwitzigen Pensionärskomödie, die technokratische Sciencefiction-Vision neben dem apokalyptischen Endzeitdrama.
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Format: Taschenbuch
In seinen bisherigen Romanen zelebriert der 1969 geborene David Mitchell seine Vorliebe für kunstvoll konstruierte Episodenromane. Spätestens seit "Wolkenatlas", seinem dritten Roman, feiern ihn die Feuilletons als einen der besten jungen englischen Schriftsteller seiner Generation.

"Wolkenatlas" ist geschickt aus sechs in sich geschlossenen Erzählungen aufgebaut, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben. In der ersten Geschichte, dem "Pacifiktagebuch des Adam Ewing", begibt sich ein amerikanischer Notar im Jahr 1850 auf eine Südseereise. Auf den neuseeländischen Chathaminseln erlebt er, wie die Maori von den Kolonialherren drangsaliert werden. Mitten im Satz bricht die Erzählung ab und der Leser begegnet im Jahr 1931 dem verkrachten britischen Komponisten Robert Frobisher, der auf der Flucht vor seinen Gläubigern Zuflucht bei seinem alternden Komponisten-Idol in Belgien findet. In einer Anzahl von Briefen berichtet er einem Freund, wie er dem misanthropen Genie zu einem neuen musikalischen Schaffensrausch verhilft und nebenher auch dessen mannstolle Ehefrau beglückt. Auch Frobishers Briefe brechen ab und ebenso der grishameske Thriller "Halbwertszeiten - Luisa Reys erster Fall" in dem eine junge Journalistin im Amerika der 70er-Jahre einen Skandal im Milieu der Atomindustrie aufdeckt. In den weiteren Geschichten wird der extravagante Schundverleger Cavendish von seinem gehörnten Bruder in ein Sanatorium gesperrt, kämpft eine Klonarbeiterin im Korea des 21. Jahrhunderts um ihr Recht, ein Mensch zu sein, und wird ein Ziegenhirte in einem postapokalyptischen Hawaii Zeuge des Untergangs der letzten Überreste menschlicher Hochzivilisation.
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14 Kommentare 290 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein Feedback senden...
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Format: Taschenbuch Verifizierter Kauf
Sensationell - das ist das einzige Wort, das mir zu diesem Buch einfällt. Das Beste, was ich in den letzten Jahren gelesen habe! Schade, dass ich keine sechs Sterne vergeben kann, eigentlich müsste ich jetzt das meiste von dem, was ich in den letzten Jahren rezensiert habe, um einen Stern herabsetzen, um diesem Buch gerecht zu werden.

Selten habe ich erlebt, dass jemand zwei Qualitäten so in einem Buch vereint:
* das zu schreiben, was ich "große Literatur" nennen möchte und
* dennoch das abzuliefern, was neudeutsch "Pageturner" heißt, also ein Buch, das einen nicht mit dem Lesen aufhören lässt, weil man immer noch wissen will, wie es wohl auf der nächsten Seite weitergeht.

Zur Handlung fasse ich mich kurz, denn dazu ist hier bei Amazon an anderer Stelle schon etliches gesagt: der Autor erzählt sechs Kurzgeschichten in einem Band. Soweit wäre das nicht ungewöhnlich. Spannender wird es schon dadurch, dass alle Geschichten miteinander verwoben sind - mal mehr, mal weniger. So ein bisschen in der Art von Pulp Fiction, vielleicht ist Mitchell ja Tarantino-Fan?

Hier ein Kurzabriss über die sechs Geschichten:
* Das Pacifiktagebuch des Adam Ewing
ein bisschen wie die Abenteuergeschichten von Jack London oder Karl May, spielt auch in etwa zu dieser Zeit und ist in Tagebuchform erzählt

* Briefe aus Zedelghem
1931 schreibt der Komponist Robert Frobisher an seinen besten Freund etliche Briefe aus dem belgischen Exil - nicht nur über seine erotischen Wirrungen.
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16 Kommentare 196 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein Feedback senden...
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