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am 21. Mai 2010
"Das Schöne muss nämlich wahr an sich selbst sein" schrieb Hegel zur "Idee des Schönen" in den Vorlesungen zur Ästhetik. Diese Formulierung setzt voraus, dass die Realität der Dinge dem jeweiligen Begriff entspricht, das Dasein wird so zur Wirklichkeit. Schön wird es durch die Kunst, im Prinzip durch die angewandte Kunst: durch Design. Was nun ist das "ästhetische Bewusstsein"? fragt Gadamer in seinem Lesebuch und stellt fest, dass all das, was wir "klassisch" nennen, ein ästhetisches Urteil vorformt. Der Mensch steht also in einem beständig beschickten ästhetischen Resonanzraum mit seiner sinnlichen Existenz. Er sieht also auf das, was das "Zeug zur Macht" hat.

Wer auf moderne Weise etwas kann, sagt Sloterdijk, der kann es so, dass ein Zuwachs an Können schon a priori mitgemeint ist. Das gegenwärtige Zeitalter definiert eben jenen Zuwachs als die Übernahme der Machtpotentiale aus den Dingen, der Waren, die dieses Image verkörpern. In einer Welt, die immer mehr Wissen auf immer weniger Tatbestände fokussiert, wird der Einzelne in seiner Souveränität provoziert, da diese in immer mehr Wissensbereichen annulliert wird. Design macht Sloterdijk aus als jenes Verfahren, welches dem Menschen hilft im "Ozean der Inkompetenz als Könner zu navigieren". Wenn das Verfahren im Internet, Wissen abzufragen "surfen" heißt, dann stellt das Wort schon fest, dass nur der nicht untergeht, der an der Oberfläche bleibt. Was nicht gekonnt wird, wird durch Rituale umgangen, schon Jahrtausende. Bei heftigem Unwetter fühlte der sich sicher, dem die Rezitation von Gebeten und Bitten an den Wettergott gelang. Der Schutz der Rituale wird sich im Schutz des Designs wiederholen. Es ist leicht sich zu merken, was zu tun ist, wenn nichts mehr zu machen ist. Leerlaufprozesse als Parallelprozesse geben den richtigen Boden als Ritual wie möglicherweise es sich in der Symbolik des Designs widerspiegelt. Denn Design schafft ein aufgeschlossenes Äußeres, es schafft "Berührungslüste" und fordert auf, initiativ zu werden. Gutes Design erhält den Willen zur Komptenzsteigerung im Äußeren, Sloterdijk nennt es "Souveränitätszubehör", um so deutlich zu machen, dass eben die Funktion des Äußeren das Innere als vollendet voraussetzt, es also nicht einmal mehr begutachtet. Design wird so zur auf das Ego angewandten Kunst, nämlich in dem Sinne, dass in dieser Identitätskultur nur noch die Differenz als knappste Ressource erlebt wird. Dennoch erlebt jeder Träger eines Designartikels das Gefühl, an den Gewinner-Gefühlen teilnehmen zu können. Souveränität als Simulation wird geboten, der smarte Besitzer wird zum Kompetenzbündel hausgemachter Illusionen, die klassiche Trias: "Psyche, Erinnerung, Innenwelt wird modern ersetzt durch: Operator, Speicher, Bildraum". Die Seele wird zum Cursor in fremdgesteuerten Ereignisräumen, ständig auf der Suche nach der eigenen Bahn.

Moderne Kunst, sinnvoll oder sinnlos, sind die bildhaften Beispiele, die Sven Völker anschließt. Denn sein Augenmerk gilt dem Kommunikationsdesign, welches in jeder Wahrnehmung fehlt und doch subtil alle anspricht. Es hilft nicht, rettet nicht die Welt, wie er sagt, doch es gilt, "der Welt über die Straße [zu] helfen", soll heißen, die Ware zum Abnehmer zu bringen.

"Design ist ein komisches Wort. Manche Leute glauben, beim Design geht es darum, wie etwas aussieht. Aber wenn man tiefer gräbt, geht es natürlich darum, wie etwas wirkt." Dieses zu erfahren, heißt, eine Sache durch und durch zu erfassen und zu begreifen. Diese Überlegungen aus dem Jahre 1996 stammen von keinem geringeren als Steve Jobs. Apple konnte mit ihm die Welt revolutionieren. Dass er im Oktober 2001 die Zeit als gekommen einschätzte, der Welt nach einem Monat ohne Zwillingstürme den iPOD zu präsentieren, zeugt von seinem Mut und der Visionskraft. "Warum überhaupt Musik? Nun wir lieben Musik, und es ist immer gut, etwas zu tun, das man liebt", so seine Worte und die Verbindung von iTUNES und iPOD war geschlossen und ergänzt um iPhone und iPAD in der folgenden Zeit. Wie kein anderer trifft Jobs den Menschen mit den Dingen, die wirken und nur dadurch erreichte er, dass es keinen Zweifel daran gab, mit Apple Produkten ein Selbst-Design am eigenen Ego zu bestätigen, ja, teilnehmen zu können an einer "Leistungs- und Erlebnisgesellschaft" incl. des Illusions-Designs von "Gewinner-Gefühlen".

Kunst, so zeigt sich in diesem Essay, lebt auch vom Kommunikationsdesign, Kunst im weitesten Sinne, daher auch Lyrik und Prosa in Büchern. Kommunikationsdesign ist somit eine mächtige Disziplin, weil unauffällig und doch in allem existent. Dieses zu erfahren in einer wie immer eloquenten Weise macht den Reiz dieses Kurzessays aus. Die Bilder, eine Auswahl der Kunstprojekte der Hochschule, dienen Sven Völker als Beleg für seine Aussagen im Lichtkegel Sloterdijkscher Philosophie.
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am 29. Mai 2011
Sloterdijk: Design Rezension

'Plus ultra', unter dieser alten kaiserlichen Devise wird die aktuelle Entwicklung auf knapp 19 Seiten von Peter Sloterdijk messerscharf auf den Punkt gebracht. Er geht in dieser genialen Analyse von einem allum¬fassenden Prozess des Designs aus, was anfänglich verwundert, da üblicherweise Design als smartes Styling verstanden wird. Aber nach dem Begreifen der geschilderten Zusammenhänge stehen die Haare buchstäblich zu Berge. Genau besehen steht der Begriff des Designs für einen allumfassenden Prozess, der für die uneingeschränkte 'Verbesserung' und vor allem bedingungs¬lose Verwertung aller Dinge und Verhältnisse - Natur und Welt selbst¬verständlich inbegriffen ' verantwortlich ist. Bisher anerkannte Grenzen der Vernunft, geschweigedenn der Ethik, werden dabei unter dem Gesichts¬¬punkt der prinzipiellen Designbarkeit und Kommerzialisier¬barkeit aller Güter und Lebensbereiche hemmungslos durchlöchert. Es stellt sich im Verlauf des Essays auch immer klarer heraus, wo die aus dem Ruder laufende Dynamik zu orten ist. 'Plus ultra' als Kennzeichnung des Wirbels, in den die Zivilisation durch das totale Design hineingeriet, hallt wie ein Gongschlag in den Ohren. 'Plus Ultra', der ultimative Wert aller Werte, dem sich alle und alles ohne Rücksicht unterzuordnen haben??

Es ist bezeichnend, dass die - vor allem im Scheinwerferlicht der Aktualität - brisante Gegenwartsdiagnose, obwohl 2007 bereits veröffentlicht, im Gegensatz zur aufgebauschten Steuerdebatte bisher ohne jegliche Resonanz geblieben ist. Sich dazu zu äußern, würde allerdings ein kongeniales Niveau an Konstruktivität erfordern.

Der Text ist auch als fulminantes Feuerwerk sprachlicher Kreativität (allein 25 Wortschöpfungen zum Begriff '..Kompetenz..') zu bestaunen.
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