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Wellen: Roman Taschenbuch – 3. August 2009
In den Tiefen der Meere hat sich eine bakterielle Lebensform entwickelt, die – einmal an Land gekommen – zum Zusammenbruch unserer Zivilisation geführt hat. Ganze Landstriche sind verseucht, die Städte verwüstet, die letzten Menschen versuchen verzweifelt, der Bedrohung Herr zu werden. Doch das scheint aussichtslos: Denn die Lebensform aus dem Meer ist offenbar die nächste Stufe der Zivilisation …
- Seitenzahl der Print-Ausgabe688 Seiten
- SpracheDeutsch
- HerausgeberHeyne Verlag
- Erscheinungstermin3. August 2009
- Abmessungen11.8 x 4.3 x 18.6 cm
- ISBN-103453525655
- ISBN-13978-3453525658
Produktbeschreibungen
Pressestimmen
Klappentext
Interzone
Über den Autor und weitere Mitwirkende
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Wenn jemand das Augenlicht verloren hatte, erhielt er es in seinen Träumen wieder zurück - so hatte Achilles Desjardins zumindest gehört.
Und das galt nicht nur für Blinde. Jeder Mensch, der in seinem Leben Teile seines Körpers verloren hatte, war in seinen Träumen wieder vollkommen unversehrt. Leute, denen mehrere Gliedmaßen amputiert worden waren, liefen umher und spielten Fußball. Taube hörten Symphonien. Menschen, die einen schweren Verlust erlitten hatten, konnten wieder Liebe empfinden. Der menschliche Geist war einer gewissen Trägheit unterworfen - wenn er sich über Jahre an eine bestimmte Rolle gewöhnt hatte, trennte er sich nur ungern von alten Denkmustern.
Irgendwann geschah es dann aber doch. Die leuchtenden Bilder verblassten, die Musik verklang, die eingebildeten Sinneseindrücke wurden auf ein Maß heruntergefahren, das leeren Augenhöhlen und zerstörten Innenohrschnecken eher angemessen war. Doch das dauerte Jahre, Jahrzehnte - und während all dieser Zeit quälte sich der Geist immer wieder aufs Neue mit nächtlichen Erinnerungen an die Dinge, die er einstmals besessen hatte.
Bei Achilles Desjardins war es nicht anders. Er träumte davon, dass er ein Gewissen besaß.
Seine Träume führten ihn in die Vergangenheit zurück, als er noch ein gefesselter Gott gewesen war. Millionen von Menschenleben hatten damals in seinen Händen gelegen, und sein Einflussbereich hatte sich von der geosynchronen Umlaufbahn bis in die tiefsten Tiefen des Marianengrabens erstreckt. Er kämpfte wieder unermüdlich für das Wohl der Allgemeinheit, in Tausende Kanäle gleichzeitig eingeklinkt, seine Reflexe und Fähigkeiten zur Mustererkennung mithilfe von umgerüsteten Genen und maßgeschneiderten neurotropen Substanzen um ein Vielfaches verstärkt. Wenn das Chaos ausbrach, stellte er die Ordnung wieder her. Wenn zehn Menschen getötet werden mussten, um hundert zu retten, brachte er das Opfer. Überall auf der Welt isolierte er Krankheitsherde, löste Blockaden auf, vereitelte terroristische Anschläge und verhinderte den Zusammenbruch von Ökosystemen. Er schwebte auf Funkwellen dahin, schlüpfte durch die dünnsten Glasfaserkabel, war in einem Moment in einer Meeresfarm in Peru und im nächsten in einem koreanischen Nachrichtensatelliten. Er war wieder der beste Gesetzesbrecher der BRIKS, der das zweite Gesetz der Thermodynamik bis an seine Grenzen auszureizen vermochte und vielleicht sogar ein Stück weit darüber hinaus.
Er war der sprichwörtliche Geist in der Maschine - und damals war die Maschine allgegenwärtig gewesen.
Und dennoch waren es nicht Träume von Macht, die ihn Nacht für Nacht heimsuchten, sondern von Knechtschaft. Nur im Schlaf konnte er erneut die paradoxe Unfreiheit erfahren, die ganze Ströme von Blut von seinen Händen gewaschen hatte.
Man nannte es das Schuldgefühl, und es handelte sich dabei um eine ganze Reihe von künstlich erzeugten Neurotransmittern. Desjardins hatte sich nie die Mühe gemacht, sich ihre genauen Bezeichnungen zu merken. Schließlich konnte er mit einem einzigen Befehl Millionen Menschen töten. Und eine solche Macht verlieh man jemandem nicht, ohne ein paar Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Das Schuldgefühl machte es einem körperlich unmöglich, gegen das Wohl der Allgemeinheit zu handeln. Es kappte die Verbindung zwischen allumfassender Macht und uneingeschränkter Korruption. Jeder Versuch, seine Macht zu missbrauchen, hätte den allerschwersten epileptischen Anfall nach sich gezogen. Desjardins hatte nie nachts wach gelegen und die Rechtmäßigkeit seines Handelns oder die Reinheit seiner Motive angezweifelt. Beides war ihm von anderen, skrupelloseren Menschen in die Blutbahn geimpft worden.
Es war eine solche Erleichterung, vollkommen frei von Schuld zu sein!
Also träumte er von Knechtschaft. Und von Alice, die ihn befreit, seine Ketten gelöst hatte. In seinen Träumen wünschte er sich diese Ketten zurück.
Irgendwann verblassten die Träume schließlich, wie sie es immer taten. Die Vergangenheit verschwand, und an ihre Stelle trat die grausame Gegenwart. Die Welt geriet im Zeitlupentempo aus den Fugen: Eine apokalyptische Mikrobe kam aus der Tiefsee herauf, ließ sich im verseuchten Körper einer Tiefseetaucherin aus N'AmPaz mitnehmen. Die doch nicht ganz so allmächtigen Machthaber, die im Kielwasser der Mikrobe ins Schwimmen gerieten, tauften sie ßehemoth und verbrannten Menschen und Eigentum, in dem verzweifelten, sinnlosen Versuch, den drohenden Machtwechsel aufzuschieben. Nordamerika kapitulierte. Billionen mikroskopisch kleiner Fußsoldaten marschierten über das Land und zerstörten ohne Unterschied Erdreich und Lebewesen. Kriege flammten im Zeitraffer-Tempo auf und wurden ebenso schnell wieder beendet: der N'AmPaz-Feldzug, der kolumbianische Flächenbrand, der eurafrikanische Aufstand. Und Rio natürlich: der Dreißig-Minuten-Krieg, der Krieg, den das Schuldgefühl eigentlich hätte verhindern müssen.
Desjardins war auf die eine oder andere Weise an all diesen Kriegen beteiligt gewesen. Und während sich die verzweifelten Metazoa noch untereinander stritten, breitete sich der wahre Feind unerbittlich weiter über das Land aus, wie eine alles erstickende Decke. Nicht einmal Achilles Desjardins, der Stolz der Entropie-Patrouille, konnte ihn aufhalten.
Selbst jetzt noch, da ihn die Gegenwart beinahe wieder eingeholt hatte, empfand er ein leichtes Bedauern über all die Dinge, die er nicht getan hatte. Doch es war nur ein Phantomschmerz, der letzte Nachhall eines Gewissens, das ihm vor vielen Jahren abhanden gekommen war. Er erreichte ihn bloß noch ganz schwach, hier an der Grenze zwischen Schlaf und Wachsein, und einen Augenblick lang erinnerte er sich daran, dass er frei war, und wünschte sich zugleich, es nicht zu sein.
Dann öffnete er die Augen, und da war nichts mehr, das sich in irgendeiner Weise darüber hätte Gedanken machen können.
Mandelbrot hockte schnurrend auf seiner Brust. Er kraulte die Katze geistesabwesend, während er die morgendlichen Berichte aufrief. Die Nacht war relativ ruhig gewesen - die einzige interessante Meldung bestand darin, dass ein Haufen erstaunlich tollkühner Flüchtlinge versucht hatte, in das nordamerikanische Hoheitsgebiet einzudringen. Sie waren um 1:10 Uhr atlantischer Standardzeit im Schutze der Dunkelheit von Long Island aus auf einem umgerüsteten Müllboot losgesegelt. Innerhalb einer Stunde hatten bereits zwei Dutzend eurafrikanischer Interessengruppen darum gewetteifert, sich der Sicherheitslücke annehmen zu dürfen. Die armen Kerle hatten es kaum bis Cape Cod geschafft, bevor die Algerier (die Algerier?) sie ausgeschaltet hatten.
Das System hatte es nicht einmal für nötig gehalten, Desjardins deswegen zu wecken.
Mandelbrot erhob sich, streckte sich und brach zu ihrer morgendlichen Runde auf. Von ihrem Gewicht befreit, stand Desjardins auf und schlurfte zum Fahrstuhl. Fünfundsechzig Stockwerke leer stehender Büroflächen blieben unter ihm zurück. Vor ein paar Jahren noch war dies ein Zentrum der Schadensbegrenzung gewesen, in dem emsige Geschäftigkeit geherrscht hatte.
Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Produktinformation
- Herausgeber : Heyne Verlag (3. August 2009)
- Sprache : Deutsch
- Taschenbuch : 688 Seiten
- ISBN-10 : 3453525655
- ISBN-13 : 978-3453525658
- Abmessungen : 11.8 x 4.3 x 18.6 cm
- Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1,412,514 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
- Nr. 52,959 in Science-Fiction-Romane
- Kundenrezensionen:
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Spitzenrezensionen
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Wellen ist eine schwache Fortsetzung, weil Watts den Roman anscheinend ohne festes Ziel geschrieben hat: Anstatt einen vernünftigen Handlungsbogen aufzubauen, mäandert die Geschichte mal in diese, mal in jene Richtung, so als ob er gerade das niedergeschrieben hat, was ihm gerade in den Sinn kam. Ein roter Faden ist eigentlich nicht erkennbar, auch werden viele (zugegebenermaßen) interessante Ideen und Aspekte kurz angesprochen, um gleich darauf für etwas anderes fallen gelassen zu werden.
Die Stärken der Vorgängerromane (neue technische und biologische Entwicklungen, wie z.B. das Schuldgefühl aus Mahlstrom) finden sich hier nicht wieder. Es gibt keine eigentliche Fortentwicklung, sondern die bekannten Ideen werden recycelt, ohne an die Qualität der Vorgängerromane anknüpfen zu können.
Die Figuren sind so negativ gezeichnet wie eh und jeh und deren Handlungen nur bedingt nachvollziehbar, besonders der Gesinnungswechsel der Hauptfigur.
Das wäre nicht so schlimm, wenn wenigstens die Handlung dafür kompensieren würde (was sie aber nicht tut, siehe oben).
Als kleinen Bonus langweilt Watts die Leser, die so lange durchgehalten haben, kurz vor Ende des Romans noch mit einer vollkommen überflüssigen, dafür aber seitenlangen Action-Sequenz, um danach den Roman kurz und knapp direkt nach dem Showdown zu beenden, ohne erklärenden Epilog (der Epilog besteht aus drei Zeilen).
Die deutsche Übersetzung wertet den Roman auch nicht auf; sie liest sich holprig, so als ob die Übersetzerin mit dem Text des Originals zu kämpfen hatte.
Eigentlich hätte ich dem Roman trotzdem 2 Sterne gegeben, weil er mich trotz aller Kritik zumindest stellenweise unterhalten hat und mir das Setting gefällt. Leider enthält der Roman eine für meinen Geschmack vollkommen überflüssige, unappetitliche Folter-Nebenhandlung, für die ich meine Wertung auf 1 Stern reduzieren muss.
Denn die Charaktere von Peter Watts sind Menschen, die man nicht zu seinen Freunden zählen möchte. Lenie Clarke, die zwar ständig von Reue geplagt wird, hat es an die Spitze der Massenmörder geschafft, egal wie viel Schuld sie deswegen mit sich trägt. Auch die anderen Rifter besitzen allesamt psychologisch seltsame Profile und ihre Industriebosse in Atlantis sind nicht viel besser. Beide Parteien intrigieren am Meeresboden gegeneinander, da keine der anderen Seite wirklich über den Weg traut. Dies geschieht jedoch so schemenhaft und andeutungsweise, dass wenig Spannung aufkommen mag. Dummerweise allerdings taucht dann auch noch ein neuer ßehemoth-Stamm auf, der selbst nach Atlantis dringen kann und so muss Lenie Clarke an die Oberfläche, da das neue Virus mit Sicherheit auf dem Festland entwickelt wurde. Statt dass jetzt allerdings Tempo in die Geschichte kommt, schleppt sie sich weiter behäbig und träge dahin. Zusätzlich ausgebremst wird sie durch viele Rückblenden in die Jugend des Protagonisten Achilles Desjardins, der den Bösewicht für den Showdown darstellt.
Die Handlung, die Geschichte, die Figuren, alles wirkt aus zu vielen Einzelteilen zusammengesetzt, ohne dass man ein stimmiges Gesamtbild erkennen kann. Einzelne Szenen an sich und Ideen, wie die sich evolutionär entwickelten Viren im ehemaligen Internet, sind gut angesetzt, werden aber nicht richtig genutzt. Schön wäre natürlich auch, wenn darauf hingewiesen würde, dass "Wellen" der Abschluss der Geschichte ist, die mit "Abgrund" und "Mahlstrom" ihren Anfang nahm. Dann hätte man auch eine Chance, die ganzen Andeutungen aus früheren Romanen zu verstehen.
Nein wirklich, der Ansatz ist gut, die Grundidee originell und die kreativen technischen Entwicklungen, die Peter Watts aus dem Ärmel gezogen hat, faszinierend. Nur leider packt er dies in eine viel zu verkopfte Geschichte, die weder Tempo noch Spannung besitzt. Stattdessen quält man sich mühsam hindurch und wird dann durch das unfertige Ende enttäuscht. Oder kommt etwa noch ein abschließender vierter Teil, der dem unwissenden Leser wieder als Einzelroman untergejubelt wird?