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am 7. Oktober 2007
Beschreibungen und Beiträge zu den aktuellen Ereignissen zu Russland im Allgemeinen und zu Putin im Besonderen gibt es jede Menge und man wird fast täglich in den diversen Nachrichten eingedeckt damit.
All diesen Beschreibungen ist aber eines gemeinsam, sie zeigen den Blickwinkel der westlichen Welt auf Russland und wenn die russische Seite zu Wort kommt, sind es die Leute, die ins westliche Bild passen.
Frau Dr. Krone-Schmalz schafft es in bemerkenswerter Weise, die Situationen differenziert zu beleuchten, Hintergründe und Zusammenhänge zu erläutern. Sie will keineswegs den Spieß umdrehen und alles aus Sicht Russlands und Putins ausschließlich positiv bewerten. Was sie erreichen will, ist eben, dass differenzierter und somit fairer nachgedacht wird. Wenn sie das mit ihrem bemerkenswerten Buch Was passiert in Russland" erreicht, hat sie viel geschafft. Ich drücke ihr sehr die Daumen dafür! Jeder Leser muss aber bereit sein, auch seine eigenen Urteile, oder Vorurteile überdenken zu wollen. Ist der Leser dazu bereit, eröffnen sich ihm tausend Möglichkeiten. In diesem Sinne: packen wir es an!
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am 28. September 2007
Gabriele Krone-Schmalz hat mit ihrem neuen Werk ein sehr engagiertes und lesenswertes Buch über Russland unter Putin vorgelegt. Wurde Putin zunächst im Westen als neuer Präsident Russlands geschätzt, weil er Stabilität und Berechenbarkeit in dieses Land brachte, so muss mit dem Fischer-Weltalmanach 2008 korrekterweise konstatiert werden, dass die Beziehungen Russlands mit dem Westen seit dem Mord an Anna Politkowskaja und der Affaire Litwinenko auf einem Tiefpunkt angelangt sind. Deutlich wurde die veränderte Wahrnehmung auf beiden Seiten durch die Rede Putins auf der Münchener Sicherheitskonferenz 2007, die im Westen überwiegend als "Rückkehr zum Vokabular des kalten Krieges" interpretiert wurde.

Ganz offensichtlich hat es einen Wandel an Wahrnehmungen gegenüber Russland gegeben. Nach anfänglicher Skepsis gegenüber Gorbatschow 1985 herrschte zunächst Euphorie über Glasnost und Perestroika, die dann - schon am Ende der Regierungszeit Gorbatschows - gegenüber einer kritischeren Sichtweise abgelöst wurde. Dennoch protegierte der Westen Boris Jelzin, in dem er den "Garanten der Demokratie" gesehen hatte. Dass unter Jelzin Rechtsunsicherheit und eine skrupellose Herrschaft der Oligarchen einsetzte, wurde im Westen zwar - insbesondere seit 1993 - zunehmend erkannt, aber häufig ein "Auge" zugedrückt, weil der Westen Jelzin als "kleineres Übel" gegenüber einer Rückkehr der Kommunisten sah. Putin galt als undurchsichtig, wenn auch klug. Dass er Russland wieder stark machen und "Ordnung" schaffen wollte, galt als sein Programm; seine Äußerung, es solle die "Diktatur des Gesetzes" wieder hergestellt werden, hat zu unterschiedlichen Konnotationen im Westen wie in Russland geführt. Im Westen hörten politisch Interessierte das Wort "Diktatur" und damit die Rückkehr zur Diktatur heraus, in Russland (hoffnungsvoll) die Geltung von Recht und Gesetzen.

Gabriele Krone-Schmalz bemüht sich, die russische Sicht der Dinge darzustellen: "Wenn ich für jemanden Verständnis habe, dann heißt das noch lange nicht, dass ich sein Verhalten in allen Facetten akzeptiere und für gut befinde. Es heißt lediglich, dass ich diesen jemand respektiere, mich für seine Probleme interessiere und nicht versuche, mich selbst zum Maßstab aller Dinge zu machen." (S. 9). Krone-Schmalz gelingt es, Russland und die Politik Putins, für dessen politische Handlungen sie Verständnis bekundet und dessen persönliche und politische Integrität sie schätzt, aus einem differenzierten Blickwinkel zu betrachten, um das heutige Russland verstehbar zu machen. Nur so können Missverständnisse und neue Konfrontationen abgewendet und der Aufbau neuer Stereotypen und Feindbilder abgewendet werden. Sie zeichnet Entwicklungsprozesse - wie die Entstehung der "Bürgergesellschaft" (einen Begriff, den sie der definierbaren "Zivilgesellschaft" vorzieht) nach, wobei sie in Anlehnung an Michael Eggert die Funktion der "Gesellschaftskammer", einer von Putin geschaffenen Instanz, die zwischen Nicht-Regierungs-Organisationen, Bürgern und dem Staat vermitteln soll, minutiös nachzeichnet. Die Reizthemen Pressefreiheit, Tschetschenien, Wirtschafts- und Energiepolitik sowie Außenpolitik werden dargestellt, wobei Krone-Schmalz die Motive der russischen Sicht darlegt und insbesondere dem Westen vorwirft, sein Versprechen, die Nato nicht nach Osten zu erweitern (als Preis für die Zustimmung Gorbatschows zur Mitgliedschaft des vereinigten Deutschlands in der Nato) gebrochen zu haben. Putins Ängste vor einem amerikanischen Raketenschild in Polen und Tschechien seien daher nicht "lächerlich", wie es die amerikanische Außenministerin Rice gesagt habe, sondern durchaus nachvollziehbar.

In allen Bereichen wird das zentrale Anliegen von Krone-Schmalz deutlich: sie fordert differenzierte und aufrichtige Berichterstattung. Dies bedeutet für sie, die Standpunkte des anderen möglichst neutral darzustellen und Manipulationen, vorauseilender Gehorsam und schlampige Sprache und Recherche zu vermeiden.

Ich habe die Motive der russischen Seite durch die fesselnde Lektüre des Buches von Krone-Schmalz sehr viel besser verstanden als durch zahlreiche Bücher vor ihr. Manchmal scheint sie mir die Politik Putins zu sehr zu "verharmlosen", wenn sie etwa den Mord an Anna Politkowskaja lediglich dem tschetschenischen Präsidenten anlastet und Putins Betroffenheitsbekundungen in dieser Hinsicht mir nicht kritisch genug hinterfragt, während sie andererseits Jelzin unbesehen für den Mord an der Petersburger Politikerin Starowojtowa verantwortlich macht. Zum Verständnis - auch Putins - gehört für mich, seine zwiespältige Reaktion auf den Tod von Politkowskaja auch korrekt darzustellen, wenn ihre Feststellung, dass die Ermordung dieser Journalisten Putin und der Regierung mehr geschadet habe als Politkowskajas kritische Artikel, zutrifft. Auch Putins Motive kritischer zu hinterfragen, hätte dem Informationswert von Krone-Schmalz Buch sicher nicht geschadet.

Insgesamt aber ein hervorragendes Buch. Unbedingt dazu lesen - um eine Gegenmeinung zu erhalten und Einblicke in die Machtstrukturen des "Systems Putin" zu erhalten, sollte man das eben erschienene Werk: "Das System Putin" der Russlandexpertinnen Margareta Mommsen und Angelika Nußberger, die Putin und seine Politik wesentlich kritischer kommentieren als Krone-Schmalz.

Ansonsten: ein wirklich engagiertes und lesenswertes Buch, welches den Mut hat, "gegen den Strom" zu schwimmen und stilistisch brilliant geschrieben und fesselnd zu lesen ist. Absolute Empfehlung!
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am 3. Januar 2008
Es ist "sauschwer", sich ein umfassendes Bild über Russland zu bilden. Wer tagtäglich die wichtigsten Zeitungen durchblättert, der/die meint zu wissen, wie es in Russland aussieht, aber ist dem auch so???

Man kann bei diesem Buch, obwohl auch mal Kritik an Putin vorhanden ist, durchaus auszusetzen haben, dass es eher pro Putin geschrieben ist. Das liegt aber in der Natur der Sache, da dieses Buch zur Intention hat, ein Gegenpol zu unserer einseitigen Berichterstattung zu bilden.

Um es mit den Worten von Gabriele Krone Schmalz zu sagen: "Wir sind mit dem Russen oft strenger als zu uns selbst".

In diesem Buch werden dem Leser nicht nur Antworten geliefert, er bekommt eine Menge Fragen gestellt, in denen Abläufe in der russischen Politik denen der unsrigen gegenüber gestellt werden. Auf diese Weise versucht sie die Lage innerhalb Russlands zu verdeutlichen und darzustellen, dass viele Entwicklungen bestimmte Hintergründe haben, denen wir wahrscheinlich sogar ähnlich begegnen würden, wären wir betroffen.

Wer stets nur Berichte/Reportagen und Bücher gelesen/gesehen hat, die ein negatives und rückständiges Bild über Russland darstellen, die sollten sich das Buch auf jeden Fall durchlesen. Es schadet nicht.
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am 3. März 2015
Ich gebe zu, es ist eines der wenigen Russland-Bücher, die ich mit großen Unbehagen gelesen habe. Eine kritsche Analyse der gesellschaftlichen Verhältnisse findet nicht statt. Wenn man in konkreten Fragen zu einer anderen Schlußfolgerung kommt, das kommt vor und wäre auch in Ordnung. Hier ist aber die gesamte Plattform staatsnahes Regierungserklären. Dann soll man das Buch anders nennen: Schönfärberei im Dienste von Russlands Mächtigen. Das würde besser zutreffen. Ich habe erst im letzten Jahr von Boris Reitschuster "Putins Demokratur" gelesen in der ergänzten Version. Viele Konfliktmuster, die er dort benennt, habe ich in gleicher oder ähnlicher Form in den zurückliegenden Jahren in kleinen Ausschnitten durch Fernsehreportagen und andere Quellen mir erschlossen. Es hat auch bei mir ein wenig gedauert, bis ich langsam schnallte, nach welchen Regeln das russische Schwindelsystem in der gesellschaftpolitischen Dimension funktioniert. Demokratische Verkehrsformen sind nur noch eine leere Hülle, Vortäuschung. Für mich war der Mord an Anna Politowskaja zum Präsidentengeburtstag, eine deutlicher Hinweis: Hier ist etwas grundsätzlich faul mit dem politischen Klima. Dafür hat die Autorin keinerlei Sensorium. Wenn ich mir anschaue was Anna Politowskaja in ihrem Buch "Putins Russland" u.a. schreibt, dann hat man den Eindruck Gabriele Krone-Schmalz beschreibt ein anderes Land, aber nicht Russland.
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am 21. September 2007
Mit zahlreichen beeindruckenden Beispielen wird belegt, dass unsere Einstellung in Medien und Politik gegenüber Russland voller alter Vorurteile und damit schädlich ist. Pflichtlektüre für Politiker und Meinungsmacher.
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am 19. November 2007
Endlich wieder einmal eine sachliche, objektive, gerechte, unverblendete und verständnisvolle Analyse der Verhältnisse in Russland im Jahr 2007.

Es gibt ja einige Autoren, die sich darum bemühen, die russische Realität jenseits der uninformierten Dämonisierung des Landes, seiner Regierung und insbesondere seines Präsidenten darzustellen. Die Faustregel lautet: Je informierter ein Autor ist, je unvoreingenommener er Russland betrachtet, desto positiver ist auch sein Bild. Die Fakten sprechen ja schlisslich für sich. Scholl-Latour ist so ein Autor, Michael Thumann, Alexander Rahr u.v.a.

Die Hassprediger und Besserwisser heissen Reitschuster, Goldfarb, Tregubova oder Politkovskaja. Wobei zu letzterer zu sagen ist, dass sie als Journalistin immerhin hundertmal unabhängiger, freidenkender und mutiger war als all die putin-bashenden Opportunisten, die sich gerne auf sie berufen, und die doch bloss unmutig auf Klischees herumreiten statt zu recherchieren, Zusammenhänge herzustellen, Objektivität walten zu lassen und verständnisvoll zu vermitteln.

Wie anders etwa sähe das Russlandbild in deutschsprachigen Landen aus, wenn man auch nur zum Beispiel einen TV-Korrespondenten vom Formate eines Ulrich Tilgner in Moskau hätte, der uns absolut informiert und ohne Wertungen, dafür mit Respekt vor der anderen Position die Zusammenhänge im Nahen Osten näherbringt.

Frau Krone-Schmalz ist nicht die erste und einzige, die gerecht über Russland berichtet. Sie tut es aber als erste in einem Stil, der den Leser ohne Vorkenntnisse mit behutsamen Fragen bei den Vorurteilen abholt, zu welchen ihn die Gehirnwäsche unserer Medien geführt haben, und diese behutsam Stück um Stück hinterfragt. Und sie ist die erste, die aufzeigt, mit welchen sprachlichen und rhetorischen Mitteln, mit wie viel selektiver Wahrnehmung, Vereinfachung, Verschweigung ihre Kollegen von der Journaille uns hier in Europa seit Jahren ein ganz und gar falsches Bild von Russland einhämmern.

Vielen Dank Frau Krone-Schmalz.
Wir wünschen Ihnen sehr viele Leser, insbesondere in den Redaktionsstuben.
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am 15. September 2008
Als österreichischer Leser dieses Ausnahmebuchs muss man für die darin gebotene Sicht auf das Russland der letzten 2 Jahrzehnte besonders dankbar sein: Das Fersehpublikum unseres Landes ist nämlich indoktriniert durch die "Arbeit" unserer monopolhaft meinungsbildenden ORF - Korrespondentin. Dieser Dame ist es zu danken, dass das Russlandbild der Österreicher von negativen Vorurteilen geprägt ist, die von ihr natürlich ständig bedient und damit verstärkt werden: Putin ist ein Satan und eine immense Gefahr für den Westen, Medvedev sein ihm höriger Lakai, das russische Volk blöd genug, diese Tyrannen auch noch zu wählen. - Danke, Frau Krone-Schmalz, für Ihre Relativierungen!
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am 15. Juni 2008
Wer an dieses Buch mit der Einstellung herangeht, dass Frau Dr. Krone-Schmalz womöglich eine blauäugige Russlandfanatikerin ist, wird schon nach wenigen Seiten eines Besseren belehrt. Obwohl die Verfasserin emotional an ihr Werk ging, blieb sie niemals Fakten schuldig.

Dem Leser wird klar, was das Russische Volk in den letzten zwei Jahrzehnten an wirklichen innenpolitischen Reformen, besser gesagt Revolutionen durchlebte, die das gesamte Gesellschaftssystem umkrempelten - im Gegensatz zu den mühsamen Reförmchen hierzulande. Dazu kommt der rapide Zerfall des ehemaligen Sowjetimperiums und die als Demütigung empfundene Ausdehnung der NATO nach Osten, die trotz gegenteiliger Zusagen des Westens, in aller Eile betrieben wurde und wohl noch nicht zu Ende ist. Wenn auch kein Leuchtturm der Demokratie, grenzt es an ein Wunder, dass dieses Land zu wirtschaftlichem Aufschwung und Stabilität gefunden hat.

Krone-Schmalz' Anliegen ist es, sich in die Situation Russlands hineindenken und dabei trotzdem eine kritische Haltung zu Themen wie Tschetschenienkrieg und Pressefreiheit einzunehmen zu können. Ungerechtfertigt ist das ständige Messen mit zweierlei Maß, wenn es um nationale Interessen hinsichtlich Sicherheits,- Wirtschafts und Energiepolitik geht. Was bei allen anderen Staaten als "normal" erscheint, wird bei Russland angeprangert.

Nach dem Lesen des Buches gewinnt man den Eindruck, dass die westlichen Medien in ihrer Berichterstattung über Russland weitgehend gleichgeschaltet sind. Aufgrund dieser Schilderung aus einer anderen Perspektive wird man künftig die Medienberichte etwas kritischer hinterfragen und dabei etwas von seiner westlichen Arroganz ablegen.

Einziger Kritikpunkt ist das schlampige Verlagskorrektorat, das nicht in der Lage war, die einfachsten Grammatikfehler auszumerzen. Besonders peinlich ist die sich durch das gesamte Buch durchziehende "orangene" Revolution.
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am 9. Dezember 2007
Ich will nichts wiederholen, was meine Vorrezensenten schon gesagt haben. Aber gerade in unserer russophoben Zeit ist dieses Buch der ideale Lesestoff, die sich ein Bild über die Hintergründe der Entwicklung in Russland machen wollen. Und das kann man nicht oft genug sagen.

Es ist ein ein Bild, dass man leider aus den Massenmedien so nicht erhält, die sie aktuell mehr mit Stimmungsmache, als mit ausgewogener Information beschäftigen. Also Leute, kaufen - wer ansonsten wieder mit Unverständnis auf eine Meldung aus Russland reagiert, wird nur mit Spott verfolgt.
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am 3. September 2008
Ich habe mir von dem Buch eine Beschreibung und Analyse der Ereignisse in Russland seit Putins Machtübernahme erwartet, um aktuelle Entwicklungen besser verstehen zu können. Leider wurden diese Erwartungen großteils nicht erfüllt.

Weite Teile des Buches widmen sich der westlichen Berichterstattung über Russland und beklagen deren Voreingenommenheit, Respektlosigkeit und Vorurteile. Das ist sicher ein wichtiger Aspekt, aber ist es wirklich wichtig seitenlang Beispiele zu lesen wie respektlos Moskau Korrespondent xy seinen Beitrag eingeleitet hat etc? Zudem wird nicht näher hinterfragt woher die Voreingenommenheit und Vorurteile kommen.

Frau Krone-Schmalz liebt es Vergleiche zu ziehen und aufzuzeigen, dass mit zweierlei Maß gemessen wird. Auch diese Vergleiche füllen viele Seiten, sind aber oft fragwürdig und mitunter skurril. Beispielsweise wird der Untergang der Kursk mit einem Flächenbrand in der Nähe des Atomforschungszentrums Los Alamos verglichen, wo auch die USA russische Hilfsangebot zurückgewiesen hätten. Den wesentlichen Unterschied, dass die Besatzung der Kursk ihr Leben verlor, während Los Alamos unversehrt blieb erwähnt die Autorin nicht.

Viele Urteile fallen leider sehr einseitig aus. Die Opposition um Kasparov wird als von außen (=USA) gesteuert und in Allianz mit fragwürdigen Figuren dargestellt. Mag sein, aber rechtfertigt das die Behinderung und den Gewalteinsatz? Kein Wort findet sich darüber in dem Buch. Dies ist nur ein Beispiel von vielen, generell kaum ein kritisches Wort zur Politik Russlands, die Autorin glaubt alles (Tschetschenien, Druck auf Estland, Ukraine, Polonium Attentat auf Litwinenko...) irgendwie rechtfertigen zu müssen und tritt als Anwalt Putins auf, wobei sie mit dessen Vorgänger Jelzin wenig zimperlich verfährt. Etwas mehr Ausgewogenheit und Differenziertheit hätte dem Buch sehr gut getan, das nämlich auch sehr interessante Passagen wie beispielsweise über die Gesellschaftskammer enthält.

Bedenklich fand ich ihre Behauptung, es hätte im Zuge der Wiedervereinigung und der NATO Mitgliedschaft des vereinten Deutschlands nachweisbare Zusagen an die damalige Sowjetunion gegeben, die NATO nicht nach Osten zu erweitern. Allein diesen Nachweis bleibt sie ärgerlichweise schuldig, sie geht sogar soweit das Buch von Condoleezza Rice und Philip Zelikow "Sternstunden der Diplomatie" als Beleg zu zitieren, wohlweislich ohne Seitenangabe im Gegensatz zu anderen Quellennachweisen im Buch, da es dort einen solchen Nachweis nämlich nicht gibt und eine derartige Zusage garnicht erwähnt wird!

Wer eine ausgewogene Darstellung der Entwicklung in Russland der letzten Jahre sucht wird aus meiner Sicht mit dem Buch nicht glücklich werden.
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