Eigentlich ist Wolf Biermann nie so ganz mein Fall gewesen.
Trotzdem wollte ich seine Autobiografie als ein Stück Zeitgeschichte lesen bzw. hören und ich habe es nicht bereut.
Seine Erzählweise im Hörbuch ist akzentuiert und humorvoll, es macht wirklich Freude, ihm zuzuhören.
Vor allem: Es klingt absolut authentisch!
Mein Biermann-Bild konnte ich korrigieren - ein wunderbar ehrliches Leben, ein schlauer Fuchs, der sich immer treu blieb.
Die im Roman mit verwebte Zeitgeschichte ist unbedingt lesens- bzw. hörenswert, man lernt daraus so manches das man noch nicht wußte, bzw. auch falsch beurteilt hat.
Unbedingt lesen. Ich habe das Buch einer ebenfalls skeptisch gewesenen Bekannten geschenkt und auch sie hat ihre Vor-Urteile revidieren können. Auch sie ist absolut begeistert.
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Warte nicht auf bessre Zeiten!: Die Autobiographie (Deutsch) Gebundene Ausgabe – 8. Oktober 2016
von
Wolf Biermann
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Wolf Biermann
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Seitenzahl der Print-Ausgabe576 Seiten
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SpracheDeutsch
-
HerausgeberPropyläen Verlag
-
Erscheinungstermin8. Oktober 2016
-
Abmessungen14.8 x 4.4 x 23 cm
-
ISBN-103549074735
-
ISBN-13978-3549074732
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Produktinformation
- Herausgeber : Propyläen Verlag; 7. Edition (8. Oktober 2016)
- Sprache : Deutsch
- Gebundene Ausgabe : 576 Seiten
- ISBN-10 : 3549074735
- ISBN-13 : 978-3549074732
- Abmessungen : 14.8 x 4.4 x 23 cm
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- Nr. 1,100 in Biografien von Komponisten & Musikern
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Produktbeschreibungen
Pressestimmen
"Wolf Biermann hat sich ein lebenskluges, ein pralles Buch zum 80. Geburtstag geschrieben." -- Henry Bernhard, Deutschlandfunk - Andruck Published On: 2016-10-17
„Eine Meisterleistung der literarischen Vergegenwärtigung, das Buch verbindet sachliche Präzision mit persönlicher Leidenschaft, Witz mit Sarkasmus.“ -- Ulrich Greiner, Die Zeit Literatur Published On: 2016-10-13
„Wolf Biermann hat nicht nur sein Leben aufgeschrieben. Mit ‚Warte nicht auf bessre Zeiten‘ ist ihm eine auch sprachlich herausragende Autobiographie geglückt.“ -- Tobias Wenzel, NDR Kultur Published On: 2016-10-07
„…ein großer, ein überwältigender Deutschlandroman.“ -- Volker Weidermann, Der Spiegel Published On: 2016-10-01
„Eine Meisterleistung der literarischen Vergegenwärtigung, das Buch verbindet sachliche Präzision mit persönlicher Leidenschaft, Witz mit Sarkasmus.“ -- Ulrich Greiner, Die Zeit Literatur Published On: 2016-10-13
„Wolf Biermann hat nicht nur sein Leben aufgeschrieben. Mit ‚Warte nicht auf bessre Zeiten‘ ist ihm eine auch sprachlich herausragende Autobiographie geglückt.“ -- Tobias Wenzel, NDR Kultur Published On: 2016-10-07
„…ein großer, ein überwältigender Deutschlandroman.“ -- Volker Weidermann, Der Spiegel Published On: 2016-10-01
Über den Autor und weitere Mitwirkende
Wolf Biermann, Dichter und Liedermacher, wurde 1936 in Hamburg geboren. Er war die Stimme des Widerstands in der DDR und wurde 1976 ausgebürgert. Seitdem gibt er Konzerte in manchen Ländern. Für seine Dichtung wurde er vielfach ausgezeichnet, darunter mit dem Georg-Büchner-, dem Heinrich-Heine- und dem Hölderlin-Preis.
www.wolf-biermann.de
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Kundenrezensionen
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Spitzenrezensionen
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Rezension aus Deutschland vom 18. Juni 2017
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Verifizierter Kauf
23 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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Rezension aus Deutschland vom 13. September 2018
Verifizierter Kauf
Mit dem Namen Biermann, verbindet man unweigerlich die Geschichte eines Unbequemen in der DDR.
Denn sein wichtigster Lebensabschnitt war die Zeit in der DDR als Brechtschüler, Liedermacher und dann Berufsdisident.
Interessant sind sicher auch seine Besucher, angefangen von Jon Baez über Rudi Dutschke bis hin zu Wolfgang Neus.
Der letzte auch bekannt als „Mann mit der Trommel“ und in späteren Jahren als extremer Aussteiger.
Auch Musiker wie Lindenberg schmückten sich mit einem Besuch bei Biermann.
Neu und interessant waren für mich zwei Episoden.
Tantiemen aus Westpublikationen wurden trotzt offiziellen Verbotes in der DDR ausgezahlt, in Ostgeld und teilweise in Westgutscheinen. Das ist deutsche Gründlichkeit, da war die DDR auch ganz Erbe dieser Tradition.
Es lebte also von seinen Veröffentlichungen im Westen, die in der DDR verboten waren.
Auch wenn er offiziell Berufsverbot hatte, musste er ja trotzdem von etwas leben und das hatte er ja wohl offensichtlich gekonnt.
Nachdem er im Westen war, wurde ihm ein Besuch beim kranken Robert Havemann erstaunlicherweise erlaubt.
Ein Bittgesuch, dass auf ein „Gentleman Engreement“ basierte hat dazu ausgereicht.
Das ist um so erstaunlicher, da die „Entscheidungsträger" ja meistens als kalte Krieger verschrien sind.
Er konnte jedoch der Versuchung nicht widerstehen, diesen Besuch öffentlich zu machen, entgegen seiner Zusage. Wenn auch über der Frau von Robert Havemann Katja, dazu war er dann doch zu sehr Selbstdarsteller.
An diesem „privaten" Abschied musste die Welt dann doch Teilhaben haben.
Er hatte, als er noch in der DDR lebte zwei "Schutzschirme".
Als Kind eines jüdischen Vaters hatte er also das „das Erbe des Holocaust“ auf seiner Seite. Dazu kommt, er war auch ein „Kommunistenkind“ , das in die DDR gezogen war.
Alles sind nicht seine Verdienste, aber diese Familiengeschichte war vererbbar auf die Nachgeborenen und er hielt das meiner Meinung nach gerne als Banner vor sich hin.
Das er sich selbst, Schüler von Brecht, obwohl er mehr ein Zögling von Helene Weigel war, als aufrechten Kommunisten verstand, war der Schild, der ihn zunächst zusätzlich schütze.
Dann ab Mitte der 60-er Jahre, mit dem 11. Plenum der SED, begann der Kahlschlag in der Kunstszene und er wurde zu unbequem.
Denn er hat ein wirklich tolles Gespür für ausdrucksstarke Worte und das kam auch in seinen Liedern und Gedichten zum Ausdruck. Wie er in seinem Buch die Begegnung mit Stefan Heym beschreibt, als er ihn, von einem Gespräch mit dem Kulturminister zurück kommend, begegnet, ist unvergesslich.
„Wie ein gebrochener Jude, der seinen Leuten auf der Rampe hinterher läuft“. Solche Worte graben sich ins Gedächtnis.
Biermann, er benutzt seine Worte wie einen Kampfhammer. Die können einen schon erschlagen, da ist er wenig zimperlich.
Ja er kokettiert, auch in Bezug auf auch seine Person, gerne mit provozierenden Begriffen wie Großmaul und Hetzer, aber immer mit einem, um Verständnis werbenden, Augenzwinkern.
Andere Zeitgenossen, Weggefährten oder sogar Freunde müssen seine, oft öffentlich vorgetragene, Abrechnung ertragen können. Da schwingt bei mir immer ein wenig Gefühllosigkeit und Selbstgerechtigkeit mit.
Am Ende bleibt doch kaum einer Übrig, der sich in seinen Augen nicht des „Verrats“ schuldig gemacht hatte und Heiner Müller musste ihn daran erinnern, dass es auch ein Menschenrecht auf Feigheit gibt.
Denn 1968 nach dem Einmarsch in Prag, als ihn noch nicht die Aura des 1. DDR Dissidenten schützte, hatte er auch Flucht und Versteck, vor vermeintlichen oder realen Gefahren, vorgezogen.
So nimmt also ein Großteil seiner Biografie die Zeit bis 1976 ein.
Ich bin mir wirklich immer noch nicht sicher, ob er nicht im Inneren um die Möglichkeit eines "Rausschmisses" wusste und dachte, mal sehen ob die sich trauen. Klar die trauten sich, nur mit dem darauf folgenden Exodus der DDR Künstler hatte keiner gerechnet.
Wie alle anderen Sänger und Schauspieler, die ihre Heimat und ihr Publikum verloren, war ihm jetzt klar, das das ein Neubeginn auch für ihn sein musste. Biermanns Lebenszweck war die Kritik des real existierenden Sozialismus. Von der Ferne war du nur Zuschauer und nicht Akteur. So fehlte ihm die DDR mehr als er ihr. Die West-Kommunisten, Ökologen und Feministen sind ihm fremd geblieben.
So entdeckter er Frankreich und das süße Leben eines Bohéme. Doch seine Stasierlebnisse hatte er mitgenommen und danach noch 40 Jahre vor sich ausgebreitet.
Amüsant fand ich schon, dass erst ein junger Neo-Nationalsozialist ihn auf die Seelenverwandtschaft linker wie rechter Ideologie aufmerksam machen musste. Gute Idee, nur schlecht gemacht.
Linke wie Rechte sahen sich ja schon äußerlich in der 30-er Jahre zum verwechseln ähnlich, da ist es doch nicht verwunderlich dass sich ihrer Methoden nicht groß unterschieden. Zum Glück waren die Kommunisten in der DDR nicht solche „Blutsäufer“ wie die Nationalsozialisten, doch in der Bürokratie der“ Menschenkontrolle“ waren sie wie gute deutsche Bürokraten.
Biermann war also draußen und die Revolution, Wende , Zusammenbruch wie man es auch bezeichnen will, fand ohne ihn statt. Das war die bitterste Pille für ihn. Der 4. November und er nicht auf der Bühne des Alexanderplatzes.
Hinzu kam, dass inzwischen 13 Jahre vergangen waren und er nicht mehr das Revolutionssymbol im Osten war.
Als Gallionsfigur ließ er sich in den Unruhezeiten gut verwenden. Seine alten Lieder wider die SED Bonzen und der Stasiwillkür kamen und kommen immer noch gut an.
Im Westen ist Biermann zum Renegaten geworden, vom Exkommunisten zum Antikommunisten und, Demokraten, egal ob Sozial, Christlich oder Liberal. Besser eine schlechte Demokratie als eine gute Diktatur!
Im wiedervereinigten Vaterland entdeckte er seine jüdischen Wurzeln und eine eigene Sichtweise zu den Nahostkriegen.
Doch was ist mit seiner Heimat. Der Osten und seine Bewohner sind , für ihn nur das dumme Volk, das erstaunlicher Weise zum richtigen Zeitpunkt „wir sind ein Volk“ geschrien hat, ansonsten eben DDR , nach seiner Übersetzung „der dummer Rest“, kenne ich eigentlich noch deutlicher als „der doofe Rest“.
Der Osten ist für ihn besiedelt von den Erben den Kommunismus, Glatzköpfe, Skinheads und kleinbürgerliche Spießer.
Wer zu Zeiten der DDR nicht aufbegehrt hat ist entweder zu dumm, bequem oder zu feige.
Auf jedenfalls ist er nicht zum Disidenten "geadelt" durch eine dicke Stasiakte, wie er.
Ja wer ist nun schlimmer daran , der der eine Stasiakte hat oder derjenige der keine hat.
Diese begnadete Texter ist sprachlos, das wiedervereinigte Deutschland zu besingen. Kein Wort im Buch über die gebrochenen Biografien , die untreue Treuhand und die neuen Politiker.
Kein Wort zum peinlichen, fast sprachlosen Verhalten des Bundestages bei der Rede von Stefan Heym zum 13. Bundestag am 10.11.1994. Damals war Heym unbequemer als Biermann!
Biermann war 25 Jahre sprachlos zur Wiedervereinigung, besser zum Beitritt. Lieber genießt er im Bundestag den Beifall der Volksparteien der Mitte, weil er die Linke als Vertreter der alten SED Nomenklatura und Erben der Stasi geißelt.
Dabei geht es ihm nicht um konkrete Mitglieder oder die Parteipolitik, sondern ums Prinzip.
Kurz nach der "Wende" wäre das noch glaubhaft gewesen, da wurde immer wieder die PDS mit dem Zusatz SED-Nachfolgepartei versehen. Doch das Leben in Deutschland ist komplizierter. Da scheint mir Biermanns Blick nur in den Rückspiegel zu einseitig. Wenn er schon keine Worte für die Umbrüche der Nachwendezeit findet, so hätte ich mir doch eine Stimme gegen die Probleme des „neuen Deutschland“ gewünscht.
So bleibt Biermann eine kontroverse Person in der deutschen Geschichte. Jedoch ist ein ein begnadeter Dichter, Liedermacher und interessanter Zeitzeuge des geteilten Deutschlands.
Anhänger und Kritiker von Ihm sei dieses Buch empfohlen, man muss seinen Standpunkt nicht immer teilen, doch es bleibt eine lesenswerte, unangepasste Lebensgeschichte.
Denn sein wichtigster Lebensabschnitt war die Zeit in der DDR als Brechtschüler, Liedermacher und dann Berufsdisident.
Interessant sind sicher auch seine Besucher, angefangen von Jon Baez über Rudi Dutschke bis hin zu Wolfgang Neus.
Der letzte auch bekannt als „Mann mit der Trommel“ und in späteren Jahren als extremer Aussteiger.
Auch Musiker wie Lindenberg schmückten sich mit einem Besuch bei Biermann.
Neu und interessant waren für mich zwei Episoden.
Tantiemen aus Westpublikationen wurden trotzt offiziellen Verbotes in der DDR ausgezahlt, in Ostgeld und teilweise in Westgutscheinen. Das ist deutsche Gründlichkeit, da war die DDR auch ganz Erbe dieser Tradition.
Es lebte also von seinen Veröffentlichungen im Westen, die in der DDR verboten waren.
Auch wenn er offiziell Berufsverbot hatte, musste er ja trotzdem von etwas leben und das hatte er ja wohl offensichtlich gekonnt.
Nachdem er im Westen war, wurde ihm ein Besuch beim kranken Robert Havemann erstaunlicherweise erlaubt.
Ein Bittgesuch, dass auf ein „Gentleman Engreement“ basierte hat dazu ausgereicht.
Das ist um so erstaunlicher, da die „Entscheidungsträger" ja meistens als kalte Krieger verschrien sind.
Er konnte jedoch der Versuchung nicht widerstehen, diesen Besuch öffentlich zu machen, entgegen seiner Zusage. Wenn auch über der Frau von Robert Havemann Katja, dazu war er dann doch zu sehr Selbstdarsteller.
An diesem „privaten" Abschied musste die Welt dann doch Teilhaben haben.
Er hatte, als er noch in der DDR lebte zwei "Schutzschirme".
Als Kind eines jüdischen Vaters hatte er also das „das Erbe des Holocaust“ auf seiner Seite. Dazu kommt, er war auch ein „Kommunistenkind“ , das in die DDR gezogen war.
Alles sind nicht seine Verdienste, aber diese Familiengeschichte war vererbbar auf die Nachgeborenen und er hielt das meiner Meinung nach gerne als Banner vor sich hin.
Das er sich selbst, Schüler von Brecht, obwohl er mehr ein Zögling von Helene Weigel war, als aufrechten Kommunisten verstand, war der Schild, der ihn zunächst zusätzlich schütze.
Dann ab Mitte der 60-er Jahre, mit dem 11. Plenum der SED, begann der Kahlschlag in der Kunstszene und er wurde zu unbequem.
Denn er hat ein wirklich tolles Gespür für ausdrucksstarke Worte und das kam auch in seinen Liedern und Gedichten zum Ausdruck. Wie er in seinem Buch die Begegnung mit Stefan Heym beschreibt, als er ihn, von einem Gespräch mit dem Kulturminister zurück kommend, begegnet, ist unvergesslich.
„Wie ein gebrochener Jude, der seinen Leuten auf der Rampe hinterher läuft“. Solche Worte graben sich ins Gedächtnis.
Biermann, er benutzt seine Worte wie einen Kampfhammer. Die können einen schon erschlagen, da ist er wenig zimperlich.
Ja er kokettiert, auch in Bezug auf auch seine Person, gerne mit provozierenden Begriffen wie Großmaul und Hetzer, aber immer mit einem, um Verständnis werbenden, Augenzwinkern.
Andere Zeitgenossen, Weggefährten oder sogar Freunde müssen seine, oft öffentlich vorgetragene, Abrechnung ertragen können. Da schwingt bei mir immer ein wenig Gefühllosigkeit und Selbstgerechtigkeit mit.
Am Ende bleibt doch kaum einer Übrig, der sich in seinen Augen nicht des „Verrats“ schuldig gemacht hatte und Heiner Müller musste ihn daran erinnern, dass es auch ein Menschenrecht auf Feigheit gibt.
Denn 1968 nach dem Einmarsch in Prag, als ihn noch nicht die Aura des 1. DDR Dissidenten schützte, hatte er auch Flucht und Versteck, vor vermeintlichen oder realen Gefahren, vorgezogen.
So nimmt also ein Großteil seiner Biografie die Zeit bis 1976 ein.
Ich bin mir wirklich immer noch nicht sicher, ob er nicht im Inneren um die Möglichkeit eines "Rausschmisses" wusste und dachte, mal sehen ob die sich trauen. Klar die trauten sich, nur mit dem darauf folgenden Exodus der DDR Künstler hatte keiner gerechnet.
Wie alle anderen Sänger und Schauspieler, die ihre Heimat und ihr Publikum verloren, war ihm jetzt klar, das das ein Neubeginn auch für ihn sein musste. Biermanns Lebenszweck war die Kritik des real existierenden Sozialismus. Von der Ferne war du nur Zuschauer und nicht Akteur. So fehlte ihm die DDR mehr als er ihr. Die West-Kommunisten, Ökologen und Feministen sind ihm fremd geblieben.
So entdeckter er Frankreich und das süße Leben eines Bohéme. Doch seine Stasierlebnisse hatte er mitgenommen und danach noch 40 Jahre vor sich ausgebreitet.
Amüsant fand ich schon, dass erst ein junger Neo-Nationalsozialist ihn auf die Seelenverwandtschaft linker wie rechter Ideologie aufmerksam machen musste. Gute Idee, nur schlecht gemacht.
Linke wie Rechte sahen sich ja schon äußerlich in der 30-er Jahre zum verwechseln ähnlich, da ist es doch nicht verwunderlich dass sich ihrer Methoden nicht groß unterschieden. Zum Glück waren die Kommunisten in der DDR nicht solche „Blutsäufer“ wie die Nationalsozialisten, doch in der Bürokratie der“ Menschenkontrolle“ waren sie wie gute deutsche Bürokraten.
Biermann war also draußen und die Revolution, Wende , Zusammenbruch wie man es auch bezeichnen will, fand ohne ihn statt. Das war die bitterste Pille für ihn. Der 4. November und er nicht auf der Bühne des Alexanderplatzes.
Hinzu kam, dass inzwischen 13 Jahre vergangen waren und er nicht mehr das Revolutionssymbol im Osten war.
Als Gallionsfigur ließ er sich in den Unruhezeiten gut verwenden. Seine alten Lieder wider die SED Bonzen und der Stasiwillkür kamen und kommen immer noch gut an.
Im Westen ist Biermann zum Renegaten geworden, vom Exkommunisten zum Antikommunisten und, Demokraten, egal ob Sozial, Christlich oder Liberal. Besser eine schlechte Demokratie als eine gute Diktatur!
Im wiedervereinigten Vaterland entdeckte er seine jüdischen Wurzeln und eine eigene Sichtweise zu den Nahostkriegen.
Doch was ist mit seiner Heimat. Der Osten und seine Bewohner sind , für ihn nur das dumme Volk, das erstaunlicher Weise zum richtigen Zeitpunkt „wir sind ein Volk“ geschrien hat, ansonsten eben DDR , nach seiner Übersetzung „der dummer Rest“, kenne ich eigentlich noch deutlicher als „der doofe Rest“.
Der Osten ist für ihn besiedelt von den Erben den Kommunismus, Glatzköpfe, Skinheads und kleinbürgerliche Spießer.
Wer zu Zeiten der DDR nicht aufbegehrt hat ist entweder zu dumm, bequem oder zu feige.
Auf jedenfalls ist er nicht zum Disidenten "geadelt" durch eine dicke Stasiakte, wie er.
Ja wer ist nun schlimmer daran , der der eine Stasiakte hat oder derjenige der keine hat.
Diese begnadete Texter ist sprachlos, das wiedervereinigte Deutschland zu besingen. Kein Wort im Buch über die gebrochenen Biografien , die untreue Treuhand und die neuen Politiker.
Kein Wort zum peinlichen, fast sprachlosen Verhalten des Bundestages bei der Rede von Stefan Heym zum 13. Bundestag am 10.11.1994. Damals war Heym unbequemer als Biermann!
Biermann war 25 Jahre sprachlos zur Wiedervereinigung, besser zum Beitritt. Lieber genießt er im Bundestag den Beifall der Volksparteien der Mitte, weil er die Linke als Vertreter der alten SED Nomenklatura und Erben der Stasi geißelt.
Dabei geht es ihm nicht um konkrete Mitglieder oder die Parteipolitik, sondern ums Prinzip.
Kurz nach der "Wende" wäre das noch glaubhaft gewesen, da wurde immer wieder die PDS mit dem Zusatz SED-Nachfolgepartei versehen. Doch das Leben in Deutschland ist komplizierter. Da scheint mir Biermanns Blick nur in den Rückspiegel zu einseitig. Wenn er schon keine Worte für die Umbrüche der Nachwendezeit findet, so hätte ich mir doch eine Stimme gegen die Probleme des „neuen Deutschland“ gewünscht.
So bleibt Biermann eine kontroverse Person in der deutschen Geschichte. Jedoch ist ein ein begnadeter Dichter, Liedermacher und interessanter Zeitzeuge des geteilten Deutschlands.
Anhänger und Kritiker von Ihm sei dieses Buch empfohlen, man muss seinen Standpunkt nicht immer teilen, doch es bleibt eine lesenswerte, unangepasste Lebensgeschichte.
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Rezension aus Deutschland vom 23. April 2017
Verifizierter Kauf
Zunächst einmal zum Schreibstil: man merkt, dass ein " großer Dichter" dieses Buch geschrieben hat: die Wortspielereien sind faszinierend ( ich liebe sie ) dann die eigenen " Wortkreationen ... einfach hinreißend schön, und besonders freut mich, dass " die Berliner Schnauze" nicht zu kurz kam.Das macht das Buch so authentisch. z. B. wenn Mama Emma spricht .Ich bin mit dem eisernen Vorhang " vor der Nase" groß geworden . Gott sei Dank aber von der westlichen Warte aus. Als "fanatische Hobby Historikerin" wußte ich viel über die DDR aber dass sich der Staat DDR so gewaltig in den eigenen Sack lügt wurde mir erst durch dieses Buch bewußt .... Im Westen konnte man sich nie und nimmer vorstellen , dass der zweite Deutsche Staat so morbide war, ein Staat der sich selber zerbröselte und dann platzte wie ein Luftballon. Ich habe sehr sehr viel DDR Geschichte aus diesem Buch gelernt. Wolf Biermann KRITISIERT den Unrechtsstaat NIE , er beschreibt "nur" völlig " cool" was er selber gesehen und erlebt hatte..... ohne zu werten..... Wunderbar wie er das Leben seiner Mutter beschreibt. Seine Mutter "durfte" nur einem Sohn das Leben schenken, nachdem ihr geliebter Mann als Jude in einem Konzentrationslager ermordet wurde. Wolf Biermann wurden 10 Kinder ""geschenkt" in denen sein Vater " weiterlebt" . In diesem Bucht durfte ich weitere Persönlichkeiten "kennenlernen " die Wolf Biermann auf seinem Lebensweg begleiteten.( Rudi Dutschke z.B Bert Brecht und seine Frau , Heiner Müller etc ..... ) Ich habe das Buch " gefressen" : ich " lebte" und "litt" mit Wolf , ich teilte die Freuden mit ihm , ich bewunderte Wolf `s Beständigkeit und Unbeugsamkeit.... Dieses Buch ist bisher das beste Zeitdokument der DDRwelches mir je in die Hände kam. Ich kann es sehr empfehlen, weil es eben so grundehrlich geschrieben ist.
10 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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Spitzenrezensionen aus anderen Ländern
Per Homann Jespersen
5,0 von 5 Sternen
Tolles Buch
Rezension aus den Vereinigten Staaten vom 24. August 2017Verifizierter Kauf
Dies ist ein ganz großer Autobiographie. Wolf Biermann hat ein großes Ego, aber das überschattet nicht seine ganz genaue Registrierung von seinem Umwelt. Die DDR-Zeit wird mit alle Gefährlichkeiten und Lächerlichkeiten des Oligarchies porträtiert, und parallel dazu zeigen die Alltagsdramen wie Leute aus allen Schichten mit diesem Irrsinn umgehten.
WBs persönliche Lebensreise ist eine ständigeKonfrontation zwischen Idealismus und Individualismus. Die Wahlen, die er trifft kann man immer Diskutieren, die Relevanz seiner Überlegungen aber nicht.
Tolles Buch.
WBs persönliche Lebensreise ist eine ständigeKonfrontation zwischen Idealismus und Individualismus. Die Wahlen, die er trifft kann man immer Diskutieren, die Relevanz seiner Überlegungen aber nicht.
Tolles Buch.
Agnes Farkas
5,0 von 5 Sternen
History made personal
Rezension aus den Vereinigten Staaten vom 21. September 2019Verifizierter Kauf
This is a fantastic well written book. The author lived through turbulent times in German history and makes the historical personal.
Hohenlohe
5,0 von 5 Sternen
Wolf Biermann Book
Rezension aus den Vereinigten Staaten vom 15. März 2017Verifizierter Kauf
Love it, came to my house in perfect condition!
Kirsten Andersen
5,0 von 5 Sternen
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