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Kundenrezensionen

3,9 von 5 Sternen
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am 23. Mai 2011
Wiederauferstehen lässt Laurent Seksik in seinem Roman sowohl im Stil als auch im Inhalt die vergessene Welt der 'schöngeistigen Schriftsteller', die zu ihrer Zeit der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts mit Fug und Recht lange der Überzeugung sein konnten, mit ihren sprachlich ausgereiften und inhaltliche tiefgehenden Romanen die Welt zu bewegen.
Eine Welt der Ästhetik, in der Stefan Zweig einer der geachteten Schriftsteller war, eine Welt, die durch die Machübernahme Hitlers in eine lange, dunkle Nacht überführt wurde.

Ganz ähnlich auch im Stil, wie er Zweig zu eigen war, nähert sich Seksik der letzten Monate im Leben des Autors und zeigt die dynamische Kurve des gesamten Romans bereits auf den ersten Seiten exemplarisch auf. Dort, wo Zweig aufatmend durch die Fenster seines neuen, vorläufigen Domizils, eines kleinen Hauses in Petropolis, Brasilien, schaut.

Mut und Zuversicht machen sich auf den ersten Seiten zunächst breit. Endlich eine feste Adresse, 'ein Ort des Neubeginns'. Aber umgehend holt ihn die innere Düsternis wieder ein. 'Diese Zeit würde nie mehr wiederkommen....... Die Nacht hatte sich für immer abgesenkt'.
Und wiederum schwingt die Stimmung um. Seine junge Frau, seine zweite Ehefrau, betritt den Raum. Er spürt die Verantwortung und was er ihr mit all dem Exil ebenso antut. Lotte, die schwer mit ihrem Asthma zu kämpfen hat. Fast zärtlich wird er, dann aber überkommt ihn die Begrenztheit auch dieses Hauses. Nur für 6 Monate gilt der Mietvertrag. Nur, um sich dann doch der neuen Vertrautheit dieses Ortes hinzugeben.

Emotionale Schwankungen, denen Zweig fast wehrlos ausgesetzt ist, die sich seiner Kontrolle entziehen. Das ist der innere Leitfaden dieses ästhetischen und die Innenwelt des Schriftstellers in seinen letzten Tagen nachvollziehenden Romans. So viele seiner eng vertrauten Freunde sind verloren in der Zeit. Tot, verzweifelt, kontaktlos. So verloren ist die ganze Welt des Stefan Zweig, seit er sein geliebtes, kleines Schloss in Salzburg 1934 vorausschauend verlassen hat. Selbst der warme Empfang in Brasilien, das materiell relative Wohlergehen in dieser Zeit, die Kontakte, die er knüpft, seine fast 30 Jahre jüngere Frau, die ihm treu zur Seite steht, selbst all dies kann nicht verhindern, dass sich immer wieder die Nacht über ihn senkt. Nicht umsonst heißt sein letztes Buch, seiner Memoiren, welches im Roman fertig gestellt werden wird, 'Die Welt von Gestern'. Ein Abgesang und eine Erinnerung an all das Verlorene, welches Zweigs Welt ausgemacht hat.

Ein Prozess, den Seksik feinfühlig in Worte zu kleiden versteht und dem, allgemein bekannt, am Ende dieser letzten Etappe in Brasilien, der gemeinsame Freitod des Ehepaares am 22.2.1942 folgte. In diese Zeitspanne, von September 1941 bis Februar 1942 fasst Seksik konzentriert, neben der inneren Entfaltung der 'Nacht' in Zweig selbst, noch einmal diese goldene Ära künstlerischen Schaffens der 20er Jahre in Deutschland und Europa ein und versteht es so, neben dem detaillierten Psychogramm Zweigs, die Hintergründe offen zu legen, aus denen heraus Zweig für sich selbst keine andere Wahl mehr sah. Denn es ging nicht nur um den Verlust der äußeren Heimat, sondern letztlich um die Zerstörung seines inneren Heimatlandes, der Kunst im Rahmen der europäischen Verbundenheit und der Hoffnung, durch Freundschaften und Austausch ein friedliches Miteinander der Völker zu befördern.

Sprachlich hervorragend geschrieben und die Atmosphäre jener Tage und der Innenwelt Stefan Zweigs treffgenau wiedergebend ist Seksik ein wunderbares Buch gelungen.
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am 7. Juni 2011
Format: Gebundene Ausgabe|Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
Ein Buch über Stefan Zweig, interessant, dachte ich und begann begeistert zu lesen. Dieses Buch ist aber vielmehr, als ein Einblick in Zweigs Leben. Ms.Seksik beschreibt sehr einfühlsam und eloquent, was es bedeutet im Exil zu leben. In ewiger Unsicherheit, abgetrennt von allem Vertrauten. Die Menschen einem etwas bedeuten in alle Winde zerstreut, ein eben so zerrissenes Leben zu führen wie Zweig selber. Immer wieder, obwohl aus dem Geschehen heraus, mit Horrormeldungen konfrontiert. Die Freitode einiger Freunde und Kollegen, die das Leben in ständiger Flucht nicht mehr ertragen haben. Die Hilflosigkeit, denen die in Österreich und Deutschland geblieben sind, nicht helfen zu können. Dazu noch die Fremdheit in der Beziehung zu seiner viel jüngeren Frau Lotte, welche wiederum ihre eigenen Leiden hat. Asthma und die Beschwerden des Exilleben. Eifersucht auf die 1. Frau des Mannes, die doch den weit grösseren Teil des Lebens mit dem Ehemann geteilt hat.
Es ist ein wundervolles und einfühlsames Buch, welches ich nur sehr empfehlen kann. In sanften Tönen und klaren Worten zeigt Ms. Seksik wie viele Opfer die Nazizeit noch gefordert hat.
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Format: Gebundene Ausgabe|Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
Stefan Zweig deutet die Zeichen des anrückenden Unheils richtig. Er flieht schon früh aus Österreich. Mit Zwischenstopp in London und New York landet er schließlich in Petropolis/Brasilien. Begleitet wird er von seiner asthmakranken zweiten Ehefrau, Lotte. Viele seiner Freude und Schriftstellerkollegen haben bereits den Freitod gewählt oder sind in Haft geraten, der Rest ist auf der ganzen Welt verstreut. Seine Bücher wurden öffentlich in Deutschland verbrannt und damit auch ein Stück seiner Seele. Er erlebt die Zerstörung seiner geistigen Heimat Europas und wird diesen Verlust nie überwinden. Und die Nachrichten aus Hitler-Europa bleiben weiterhin äußerst beunruhigend. Gibt es irgendwo auf der Welt überhaupt einen sicheren Zufluchtsort?
1941 Amerika steigt in den Krieg mit ein; das Aufflackern eines Hoffnungsschimmers....

Das vorliegende Buch beschreibt die letzten Monate im Leben von Stefan Zweig und steigt im September 1941 ein. Der Roman umfasst ein halbes Jahr, hält aber immer wieder Rückschau in vorangehende Stationen auf der Flucht Zweigs. Wenn man die Biografie von Stefan Zweig kennt, weiß man auch, wie der Roman ausgehen wird. Dadurch kann nur schwerlich ein Spannungsbogen entstehen, vielleicht nur noch hinsichtlich des "wie". Die Zeilen sind insgesamt in einer düsteren, depressiven Grundstimmung gehalten, die sicherlich authentisch die Gefühlslage der entwurzelten Menschen dieser Zeit nachzeichnet. Bei Zweig und seiner Frau handelt es sich eigentlich im Vergleich zu vielen andere um recht privilegierte Flüchtling. Und dennoch können sie in der Fremde nicht glücklich werden. Zweig zieht sich immer mehr in sich zurück. Und die Abhängigkeit, ja fast Hörigkeit seiner zweiten Frau Lotte, mit ihrem selbstaufgebenden Wesen kann ihm kaum Stütze sein.
So nimmt er sich den von ihm verehrten Heinrich von Kleist als Vorbild, der ebenfalls mit seiner kranken, um vieles jüngeren Frau selbstgewählt in den Tod ging.

Das Vorhaben von Laurent Seksik ist ambitioniert, konnte mich aber nicht gänzlich überzeugen. Mir erschließt sich nur schwerlich der Sinn des Unterfangens. Darüber hinaus ist der Erzählfluss stockend und die Wechsel der Erzähl-Perspektiven nicht unbedingt förderlich.
Ich persönlich würde es generell vorziehen, eine Biografie als eine biografische Roman-Nacherzählung zu lesen.
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Format: Gebundene Ausgabe|Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
Ein Buch das dem großen Schriftsteller Stefan Zweig durchaus gerecht wird.
Wer die wichtigsten und einflussreichsten Bücher von Stefan Zweig gelesen hat, weiß was ich mit diesem Satz sagen möchte. Dieses Wissen um die Charaktereigenschaft der Zweigschen Bücher ist jedoch auch notwendig um dieses Buch in seinen literarischen Grundzügen verstehen zu können. Darunter fallen beispielsweise Die Schachnovelle", die Biografien von Maria Stuart und Balzac sowie die kleinen Verse und Gedichte an denen sich Stefan Zweig versuchte.

Das Buch Vorgefühl der nahen Nacht" beschäftigt sich mit dem Leben im Exil. Wo lebt er, wie wirkt sich das Leben auf seine Familie und auf seine Frau aus. Die schwere und einschränkende Krankheit seiner Frau Lotti war mir unbekannt und wurde hier beeindruckend geschildert.
Die Autorin versucht nahe an den Menschen Zweig heranzutreten, wobei mir noch etwas die persönliche Emotionalität und charakteristische Zerrissenheit der Seelen in solch schweren Situationen fehlt. Dies wird jedoch auch der Tatsache angelastet werden können, das Stefan Zweig bereits verstorben war und so keine Möglichkeit der persönlichen und gedanklichen Befassung bestand. Sehr positiv aufgefallenen ist mir der hohe Lektüren- und Autorengehalt in diesem Buch. Es tauchen alle namhaften Begleiter und Freunde der Familie Zweig auf. So findet beispielsweise die enge Freundschaft und Kameradschaft zu Rainer Maria Rilke ebenso seinen Platz für die Verbundenheit zu dem Russen Tolstoi und dem Psychoanalytiker Freud.
Stefan Zweig hat die großen Dichter, Schriftsteller und geistigen Führer seiner Zeit gekannt. Eine Zeit die geprägt war von dem schnellsten und weit-reichsten Wandel der Menschheitsgeschichte binnen 50 Jahren. Und auch in diesem Buch geben sich die großen Namen die Klinke in die Hand.
An dieser Stelle tauchte auch die bereits angesprochene notwendige Kenntnis über die Zweigschen Lebensabschnitte.

Dieses Buch wurde generell auch anderen Biografien und eigenen Werken von Stefan Zweig zusammengeschrieben. Daher verdient es die Bezeichnung fundiert, doch leider ist es mir nicht authentisch genug.
Ansonsten wirklich ein sehr schönes, leicht zu lesendes und lehrreiches Buch.
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Format: Gebundene Ausgabe|Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
Selbst jetzt, da ich diese Rezension schreibe, habe ich immer noch einige Zweifel, dieses Buch betreffend. Ich kann gleich zum Anfang sagen, es hat nicht gerade Begeisterungsstürme in mir hervorgerufen.
Der französische Autor hat den Versuch unternommen, die letzten Monate im Leben des berühmten Autors Stefan Zweig darzustellen, von dem Zeitpunkt an, als er mit seiner zweiten Frau nach Brasilien auswandert bis zum Freitod. Es ist ein sehr düsteres Buch geworden, was einem aber in gewisser Weise vor dem Lesen hätte klar sein müssen, da das Ende Zweigs ja allgemein bekannt ist. Aber dennoch schafft es Seksik, diese Tragik noch zu erhöhen. Er hält sich an die biographischen Fakten und spart durchaus nicht mit Kritik an der Haltung Stefan Zweigs dem aktuellen Zeitgeschehen gegenüber. Wo andere Persönlichkeiten versucht hatten, ihr Gewicht in die Waagschale zu werfen, hatte sich Zweig immer mehr ins Private und seine düstere Gedankenwelt zurückgezogen. Es gelingt niemanden, Zweig diesbezüglich zu ändern. 'Es ist zu spät in Ihrem Leben, um tiefe Wurzeln zu schlagen. Und ohne Wurzeln wird man ein Schatten.' (Bernanos zu Zweig in diesem Buch, Seite 190)
Der Schreibstil wirkt für mich doch recht anstrengend und künstlich. Es mag gut sein, dass der Autor versucht hat, dem Stil Zweigs näherzukommen. Aber gelungen ist es ihm nicht. Dieses Buch war für mein Empfinden nicht sehr leicht zu lesen. Auch die Figuren kommen nicht sehr gut dabei weg, es wirkt alles sehr statisch. Nun gut, es ist nicht einfach, biografisches zu schreiben. Man hat als Autor nur einen begrenzten Spielraum, weil man nichts 'erfinden' kann. Dennoch ist es mir nicht so recht gelungen, Zugang zu finden zu Zweig oder dessen zweiten, Jahrzehnte jüngeren Frau. Sie wurden gleich zum Anfang in ein Schema gepresst und kamen da auch nicht mehr heraus.
Eine Hommage an Zweig, so könnte man dieses Buch auch lesen. Er wird ja ständig als der große Autor seiner Zeit betitelt. Seine Werke sind Meisterwerke und neben ihm gibt es durchaus noch einige Autoren, die Bestand haben dürfen neben ihm. Nein, eine wirkliche Sprache und ein wirkliches Bild Zweigs und seines Lebens in Brasilien ist mit diesem Buch nicht gezeichnet worden. Man bemerkt das gerade im letzten Teil, dem Februar 1942. Das war der Versuch, darzulegen, warum Zweig sich für den Freitod entschieden hatte. Aber es bliebe bei dem Versuch. Zu offensichtlich kam zum Ende hin Kleist ins Spiel. Sollte das alleine reichen? Und die Nachricht, das Singapur gefallen war? Der große Autor, der das Weltgeschehen so sieht? Der sich selbst sieht als der ewig Gejagte. Selbst über Kontinente hinweg. Und was ist mit den Drohungen geschehen? Erwähnt und das war es dann auch. Zweig kam dem eben zuvor.
Nein, große Literatur sieht für mich anders aus. Die Franzosen mögen das anders sehen und manch Leser auch. Aber ich tue mich schwer, hier eine Leseempfehlung abzugeben. Wer Zweig kennenlernen möchte, sollte es mit seinen eigenen Werken tun.
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TOP 1000 REZENSENTam 12. Juni 2011
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Laurent Seksik hat einen Roman geschrieben, der fast schon eine Biographie darstellt. Beruhend auf Zeitzeugenberichten und erhalten gebliebenen Briefen zeichnet er die letzten Monate des österreichischen Autors Stefan Zweig und seiner Frau Lotte im brasilianischen Exil nach. Die Zweigs - beide selbst Juden - verließen Österreich und danach Europa bereits kurz nach Hitlers Machtergreifung. Doch nun - in den Jahren 1941 und 1942 - quälen Stefan die Geister der Vergangenheit: Freunde, Bekannte und Verwandte, die sie verloren haben, suchen ihn nachts heim. Und immer schlimmere Berichte von den Greueltäten der Nazis und dem Fortschritt des Krieges versetzen die Zweigs in Angst und Schrecken.

Stefan Zweig wirkt schon von Anfang des Buches an schwermütig und selbstzweifelerisch. Die Verbrennung und das Verbot seiner Bücher erschüttern sein Selbstbild als Autor. Aber auch die literarischen Kritiken und Rezensionen der Vergangenheit lassen ihn an seinem Stil und seiner eigenen Leistung zweifeln. Er selbst scheint sich nur als zweitklassig wahrzunehmen. Im Exil versucht er dennoch, weiter zu schreiben, was ihm jedoch sehr schwer fällt. Auch seine Frau Lotte kann ihn nicht aus seinen dunklen Gemütszuständen herausholen. Rückblickend scheint das Ende des Buches ein zwangsläufiges Ergebnis zu sein. Und gleichzeitig entsteht unglaubliches Mitgefühl mit den Zweigs. Ihre Verzweiflung, auch am Ende der Welt nicht sicher vor den Nazis zu sein, ist geradezu greifbar. In diesen schweren Jahren gestatten sie sich selbst keinen glücklichen Moment, da sie glauben, kein Glück verdient zu haben. Und auch wenn Stefan Zweig immer wieder sein politisches "Nichtstun" als echten, neutralen Pazifismus rechtfertigt, fühlt er sich doch wie ein Feigling. Beide haben so viel verloren und trauern so vielem nach, dass das Retten des eigenen Lebens dies nicht ausgleichen kann.
Dieser Roman von Seksik bringt dem Leser die Gefühlswelt von jüdischen Emigranten während des zweiten Weltkriegs sehr nah, auch wenn Stefan Zweig kein emotionaler und manchmal nicht mal mögenswerter Protagonist ist. Ausgeglichen wird dies wiederum durch Seksiks sehr poetischen und bildhaften Schreibstil.
An manchen Stellen wiederum wirkt der Roman zu analytisch und distanziert. Besonders die wiederholte Aufzählung von Zweigs prominenten Kontakten fand ich irritierend. Aus der reinen Verwendung der vollen oder lediglich Nachnamen wird nicht deutlich, in welcher Beziehung Zweig zu diesen stand. Immer wieder wird Sigmund Freud erwähnt ohne jedoch dessen persönlich Bedeutung für Zweig herzustellen. Dadurch kommt manchmal etwas der Eindruck auf, als handeln einzelne Passagen lediglich von der Aufzählung der Schicksale berühmter Emigranten. Wüssten man von den Beziehungen zu Zweig, würden einige der Verluste beim Leser sicher noch schwerer wiegen.

Dieser "biographische Roman" widmet sich einer anderen Betrachtungsmöglichkeit des zweiten Weltkriegs - der der Exilanten, die sehnsüchtig darauf warten, endlich in ihre europäischen Heimaten zurückkehren zu können und wie unterschiedlich sie damit umgehen können. Zudem gibt er einen guten Einblick in die Persönlichkeit und das literarische Schaffen eines weltbekannten Autors. Gleichzeitig ist der Roman nicht so trocken und analytisch wie eine reine Biographie und somit - trotz der schweren Thematik, aber dank des wunderschönen Sprachstils - ein Lesegenuss mit sehr viel Potenzial für grüblerische Nachhaltigkeit.
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VORGEFÜHL DER NAHEN NACHT ist der seltsam steife, bildungsbürgerlich verquaste deutsche Titel dieses Buches, das im französischen Original ebenfalls recht unpassend 'Die letzten Tage von Stefan Zweig' heißt - sind doch diesen letzten Tagen hier nur einige wenige Seiten gewidmet.

Einmal von der Frage abgesehen, ob die spekulative schriftstellerische Aufbereitung des letzten halben Jahres im Leben des leider ziemlich vergessenen Schriftstellers Stefan Zweig heute noch mehr als ein paar vereinzelte Anhänger interessiert, verärgert dieses Buch durch einen vorgeblich intellektuellen, dabei recht umständlichen und manchmal geradezu tantenhaften Schreibstil. Man fragt sich unwillkürlich, ob dies mehr dem Originaltext oder der deutschen Übersetzung geschuldet ist. Zumeist liest es sich so, als wolle der Autor die Epoche Zweigs und seiner berühmten Weggefährten oder Konkurrenten Eins zu Eins wiederbeleben.

Ständig schwankt der Text zwischen durchaus gelungener Literatur, dem unfreiwillig parodistischen Versuch, diese zu schaffen, und der Anmutung eines billigen Unterhaltungsromans aus der Gartenlaube: "Da fiel jedes Gefühl von Zorn von ihr ab. Sie nahm ihrem Mann nicht länger übel, dass er sie betrogen hatte, sie empfand keine Eifersucht auf Friederike mehr. Sie streckte sich auf dem Bett aus und starrte blicklos ins Leere." Solche Abschnitte würden auch durch eine eventuell ungeschickte Übersetzung nicht verzeihlicher werden.

Die unvermittelten Selbstmorde Stefan Zweigs und seiner zweiten Frau Lotte, mit denen das Buch endet, bleiben letztlich rätselhaft. Fürchtete Zweig tatsächlich, dass die Nationalsozialisten irgendwann auch in sein Exil Brasilien einfallen würden? Konnte er seine 'Feigheit' gegenüber dem Regime, den Feinden der Juden, den Feinden der Freiheit und des Lebensstils, den Zweig in seinen glücklichen Wiener Jahren gepflegt hatte, nicht mehr ertragen? Hatten ihn seine zunehmende, nicht nur dem Exil geschuldete Schwermütigkeit und Kommunikationsunfähigkeit zu der Entscheidung geführt? Wahrscheinlich war es das alles zusammen und mehr. Man wird es nicht mehr ergründen können, und auch der Autor stellt darüber keine Behauptungen auf.

Wer sich durch dieses Buch hindurch gekämpft hat, weiß zumindest einiges mehr über die dunkle Zeit der Verfolgung durch das 'Dritte Reich' sowie vom Leben, Fühlen, Denken und Handeln der großen österreichischen Feder Stefan Zweig und seiner unglücklichen 'Ersatzfrau' Lotte.
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am 17. April 2014
Nicht nur sein Werk, sondern auch die Umstände seines Sterbens faszinieren viele Anhänger des Werkes von Stefan Zweig. Was für eine Tragik ! Was für ein Ende eines Mannes, der sozusagen die Verkörperung der guten Seiten der europäischen Kultur war. Zweig meinte im Februar 1942, das Ende der Kultur stehe bevor, direkter Anlaß dafür waren die Meldungen von der Einnahme Singapurs durch die Japaner und die Gerüchte über große Massaker an der jüdischen Bevölkerung Europas, die mittlerweile weltweit vordrangen. Zweig, gewissermassen im goldenen Käfig sitzend, konnte seiner neuen Umgebung nichts abgewinnen, er fühlte sich als "Entkommener" schuldig am Schicksal der Erniedrigten und Ermordeten, die Europa nicht mehr verlassen konnten. Ein "Abschalten" war im Angesicht der Dimension des Grauens nicht möglich. Dazu kam, dass Zweig davon ausging, sein deutschsprachiges Publikum verloren zu haben. Er konnte keine Aussicht auf Verbesserung erkennen. Das alles wird plastisch geschildert, warum wird aber diese Geschichte so schwulstig beschrieben, warum so schwarz-weiss ?. Es ist unvorstellbar, dass Zweig, ein Meister des Differenzierens, in den hier dargestellten Formen gedacht oder gesprochen hat. Konflikte (ästhetische, weltanschauliche), die vor 1933 auftraten, werden gar nicht erwähnt, die Welt vor dem Antritt der Nazis scheint paradiesisch gewesen zu sein. Das alles verkleinert eigentlich die Dimension des tragischen Endes von Stefan Zweig, da sein Gefühl des Alleinseins am Ende so nicht nachvollziehbar ist.
Der Gegenstand - Freitod eines bedeutenden Europäers - hätte eine etwas sorgfältigere sprachliche Bearbeitung verdient.
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am 13. September 2011
Format: Gebundene Ausgabe|Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
Der 1962 in Nizza geborerne Laurent Seksik hat zwei Leidenschaften: die Medizin und die Literatur. 1999 veröffentlichte er seinen ersten Roman, der in zwölf Sprachen übersetzt wurde. Damals arbeitete er als Literaturkritiker bei der französichen Zeitschrift "Le Point" und nahm drei Jahre lang an Literatursendungen im französichen Fernsehen teil. Inzwischen arbeitet er wieder halbtags in der medizinischen Universität in Paris.

"Die letzten Tage des Stefan Zweig" - so wäre der Originaltitel wohl wörtlich übersetzt - ist sein vierter Roman. Zuvor hatte er sich intensiv mit Albert Einstein, einem Zeitgenossen von Zweig, auseinandergesetzt.

Laurent Seksik ist es gelungen, mich als Leserin seines Romans auf den Schriftsteller Stefan Zweig neugierig zu machen. Natürlich war mir der Name schon ein Begriff, allerdings musste ich mit Erstaunen feststellen, bisher noch nichts von ihm gelesen zu haben. Dabei war er äußerst produktiv, hatte Kontakt zu vielen Zeitgenossen und sah wohl auch voraus, was unter Hitler auf die Juden zukommen würde. Er ging rechtzeitig ins Exil, wurde dort aber nicht mehr glücklich. Zu sehr hing er an seinem früheren gesellschaftlichen Leben.

Laurent schreibt sehr anschaulich über die letzten sechs Monate im Leben der Zweigs und die Schrecken während der ersten Kriegsjahre, welche Zweig und seiner jungen Ehefrau die Lebensfreude nahmen.

Ein Ausschnitt, in dem Zweigs Art zu schreiben der von Thomas Mann gegenüberstellt wird, hat mich besonders beeindruckt (und neugierig gemacht): "... diese Kälte im Ton, diese Ausführlichkeit, der Roman wurde zu einem Protokoll. Er selbst hingegen hatte sich in seinen eigenen Essays immer über die wahrheitgsgetreue Wiedergabe der Tatsachen hinweggesetzt, hatte für sich das Recht auf Subjektivität in Anspruch genommen. Er hatte sich nie bemüht, seinen Gegenstand vollkommen zu erfassen und endgültig einzugrenzen. Er war kein Geologe, sondern sah sich vielmehr als Impressionisten, der nach dem Fragmentarischen suchte ... Wichtiger als alles andere waren ihm die Emotionen, die seine Figuren freisetzten."

Genau diese Emotionen hat auch Seksik mit seinem Roman angesprochen und damit ein Bild der Zeitgeschichte gemalt.
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Die meisten Leser dieses Buches werden um Stefan Zweigs Ende wissen, vielleicht wünschen einige von ihnen eine Verurteilung des Freitodes zu lesen, diesen Gefallen erweist Laurent Seksik ihnen nicht. - Genausowenig rechtfertigt er den Freitod. Ihm gelingt auf den knapp 230 Seiten Größeres: er beschreibt den Weg Zweigs in den Freitod nachvollziehbar; und nicht nur den Weg Zweigs, sondern auch den Weg anderer prominenter Exilanten.
Beim Lesen dieses Buches habe ich erstmals eine Ahnung der Gründe erhalten, die z.B. Walter Benjamin in den Tod getrieben haben mögen: der allgegenwärtige Verrat der Vernunft! Und dabei geht es nicht um die Frage, wie lange sich das von Millionen getragene faschistische System halten wird, sondern vielmehr auch um die Angst, wie man nach dem Zerfall des tausendjährigen Reiches mit diesen Millionen zusammen leben soll...

Es ist nicht nur diese Beschreibung, die das Buch so lesenswert machen, sondern auch die vielen Gedanken und Fragen, die in ihm stecken und denen nachzugehen sich lohnt, noch lange nachdem man dieses Buch aus der Hand gelegt hat. Unmöglich an dieser Stelle alle Denkanstöße aufzuzählen, vielleicht nur ein Beispiel: "Er vertrat die schwer zu vermittelnde Idee, dass es nicht die Aufgabe der Juden war, gegen den Antisemitismus zu kämpfen. Vielleicht war der Antisemitismus nicht einmal eine jüdische Angelegenheit, sondern versinnbildlichte nur die Schande der Völker, die sich von ihm leiten ließen."

Auch diejenigen, die unbedingt eine Schwachstelle finden müssen, werden fündig werden. Vielleicht bei der Übertragung des von Zweig geschriebenen Kleist-Essays auf die Lebenssituation von Stefan Zweig und seiner Frau Lotte... aber selbst wenn diese Passage nicht so gelungen sein sollte, dann zeigt sie doch nur die Meisterschaft Seksiks in den anderen Bereichen.

Darüberhinaus ist das Buch sprachlich ein funkelnder Schatz; die Übertragung ins Deutsche von Hanna van Laak kann nicht oft genug gelobt werden!
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