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Robert Gernhardts Gedichte und Geschichten an sich sind schon ein Genuß. Er reimt und wendet das Geschehen, spielt mit direkter Rede, mit witzigen Bezeichnungen und Namensgebungen und schafft es, in die Welt der Kinder und Tiere geradezu einzutauchen. Hierfür bedient er sich einer außerordentlichen Phantasie und mogelt so manches Mal mit der Wahrheit. Die hier versammelten Geschichten und Gedichte für Kinder mit dem so amüsanten und vortrefflich ausgewählten Titel "Versonnen blickt der Borstenigel" führen auf geheimnisvolle, verschlungene Pfade in witzigen Erzählsträngen und auf grandiosen Reimplätzen in das Reich der scheinbar grenzenlosen (Un-) Möglichkeiten.
Kinder, hier ist das Alter ab acht Jahren wohl wirklich das geeignete, werden hier konzentriert und fasziniert zuhören; denn hier liest und rezitiert kein "unbeschriebenes Blatt". Mit Harry Rowohlt ist ein fulminanter Erzähler gewonnen worden, der es auf ganz besondere Weise schafft, die Texte in Szene zu setzen und hierbei in variationsreicher Form mit Pausen, Schnelligkeit, Stimmwechseln und einem unvergleichlichen Grundbasston zu verzaubern.
Die 76 Minuten Laufzeit der einzelnen CD werden in wohlgesetzte Tracks gebracht, so dass man ruhig einmal eine Pause setzen kann und beispielsweise den "Herrn der Dinge" oder "Die allmächtige Maus" vernehmen kann, ein ekleine Pause einlegen und sogleich wieder einsteigen kann in die wunderbare Erzählung.
Ein Favorit der CD wird gewiß "Das Geheimnis des weißen Glashasen" sein, weil hier mit besonderem Charme eine lustige Geschichte vorgetragen wird.
Im Gesamten eine glänzende Möglichkeit, Robert Gernhardt schon jungen Menschen nahe zu bringen - mögen sie ganz Ohr sein!
11 Kommentar| 10 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 12. April 2010
Tatsächlich, es stimmt: Es gibt doch einen, der lesend ebenso fein gernhardten kann wie der Meister Gernhardt selber. Wenn ein anderer Gernhardts Werke vorlesen darf, dann Harry Rowohlt!
Egal ob er Gernhardts überbordende Freude am Wort nachvollzieht in einigen Gedichten zu Anfang der CD ("Wenn die weißen Riesenhasen...", dem etwas anderen Liebesgedicht "Versonnen blickt der Borstenigel" oder dem lobpreisenden Epitaph des faulsten Jagdhundes aller Zeiten "Hier ruht Carlo"), oder ob er die hinreißende Verserzählung über Pumpis und Missus verwegene toskanische Katzenabenteuer aller Art rezitiert, oder... Aber wir wollen nichts überstürzen, sonst liest uns Old Knarzbart nicht noch eine schöne Geschichte vor, sondern die Leviten. Und da sei die allmächtige Maus vor, auch wenn die an ihrer göttlichen Allmacht schmählich scheitert, wie wir alsbald kichernd erfahren werden. Aber ich greife schon wieder vor in meiner grenzenlosen Begeisterung.

Also nochmal ordentlich der Reihe nach:
Erstmal werden auch die allerletzten angefixt, die den Gernhardt womöglich noch nicht gekannt haben könnten, und zwar mit drei kurzen Kindergedichten, die wie jede gute Kinderliteratur das Kind offenen Mundes lauschen lassen, während der erwachsene Lauscher immer unverhohlener grinst. Dass das Ganze sprachlich vom Feinsten ist, muss ich wohl nicht extra erwähnen. So. Jetzt isses passiert, jetzt wollen sie alle mehr von dem Stoff, und weiter geht's mit "Wer etwas Zeit und Mittel hat..." Die Katzenviecher menscheln allerliebst, wenn der Kater Pumpi seinen neuentdeckten Jagdtrieb kultiviert, gewisse Missgeschicke souverän kaschiert und eine toskanische Schönheit sowie den designierten Hammelbraten erobert... und selbstverständlich hat Meister Gernhardt hier eine gekonnte Anspielung auf seinen berühmten "Nasenbär" untergebracht. Als zuhörender Kenner will man schließlich mit seinem Wissen hausieren gehen dürfen.

Und nun zu den Geschichten über die Kinder Inti und Sandra und den Herrn P., denn die machen den größten Teil der CD aus. "Bei Herrn P. ist es immer spannend": Feiner Kakao, ägyptische Grabkammern, Surabaya, Streuselkuchen und noch viel mehr Abenteuerliches gebe es da bei dem geheimnisumwitterten Herrn, dessen Name ebenso ein ungelüftetes Geheimnis bleiben wird wie sein Aufenthaltsort. Ein wenig erinnern seine Geschichten an die vom Käptn Blaubär, und der Erzählduktus atmet ein wenig Erich-Kästner-Luft. Aber sie haben, klar doch, einen ganz eigenen Charakter; das wäre ja das erste Mal, dass Gernhardt ein billiges Plagiat geliefert hätte. (Das wollte ich nur klarstellen; nicht, dass Sie sonstwas denken) Herr P. ist noch schlitzohriger als Käptn Blaubär, und vor allem ist er noch konsequenter. Aber schließlich werden seine Geschichten auch von einem unwiderstehlichen "Geschichtennacherzähler" präsentiert. Also los:
Herr P. erzählt (gern)har(d)t von der "Frau mit den tausend Namen", vom "Geheimnis des weißen Glashasen", vom "Herr[n] der Dinge" und von der "allmächtige[n] Maus"; und zum Schluss gibt's eine schlitzohrige Lektion in Sachen "Ursache und Wirkung" namens "Fluch des Pharao". Es sind Geschichten über Dinge, die die Kinder in der Behausung des Herrn P. entdecken, und über diese Dinge gibt's natürlich Geschichten zu erzählen. Und zwar Geschichten mit allem Zubehör für Lauscher jedweden Alters: Spannend sind sie sowieso, diese Abenteuer in fremden Ländern und Welten, detailverliebt gespickt mit Lokalkolorit und mit feinem Witz ohne billigen Klamauk; schwindelfrei spielen sie mit Wortbedeutungen -- und ihr Hintersinn incl. Stoff zum Begrübeln heben sie ganz, ganz hoch in die Achttausender-Kategorie des Genres:
Wie komisch sind Erwachsene? -- Noch viel komischer... Zum Beispiel dann, wenn die Kinderchen früher als vorgesehen eintrudeln und neugierig die dralle neolithische Fruchtbarkeitsgöttin beäugen, die da auf dem Tisch liegt. Eine jugendfreie Erläuterung gibt's freilich als Zugabe, und zwar eine Erläuterung, die den Baron Münchhausen neidisch gemacht hätte. Merke: Man erkundige sich prinzipiell, grundsätzlich und immer, mit wem man es zu tun hat.
Was ist ein Geheimnis eigentlich, und wieviele Leute dürfen ein Geheimnis wissen, damit es ein Geheimnis ist? -- "Das Geheimnis des weißen Glashasen" schafft restlos Aufklärung über den sachgemäßen Umgang mit Geheimniskrämern und Fragen, die nicht zu beantworten sind.
In "Der Herr der Dinge" geht es vordergründig um das beste aller guten Verstecke; vor allem aber geht es darum, seinem eigenen Urteil zu misstrauen: Nicht alles stimmt, nur weil's ins eigene Weltbild zu passen scheint, und d i e Wahrheit gibt's nicht. Ein Schelm, dem da nicht die "Ringparabel" in den Sinn käme. "Der Herr der Dinge" ist aber noch gewitzter, und irgendwoher kennt man das doch alles... Nie hat Selbsterkenntnis mehr Spaß gemacht, jedenfalls mir nicht.
Worin unterscheiden sich Bildung und Intelligenz, und wie schlägt man Fanatiker jedweder Couleur mit ihren eigenen Waffen? -- Die Erzählung über die "allmächtige Maus" macht's vor und nimmt außerdem auch noch den Mechanismus auseinander, nach dem Ideologien prinzipiell funktionieren. Aber dann wird der Mechanismus streng logisch nach Strich und Faden ausgehebelt, und alle dürfen sich schieflachen, nicht nur Inti und Sandra.

"Geschichten und Gedichte für Kinder" sind das laut Untertitel, gewiss doch, gewiss. Aber sind wir nicht alle ausgewachsene Kindsköpfe, oder sollten es wenigstens sein? Und können wir nicht alle niemals genug kriegen vom großen Meister, und hängen wir nicht alle längst an seiner Nadel? Also her mit der CD, und rein damit in den CD-Player!
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am 8. Juli 2013
Nicht nur für Kinder eine tolle CD - auch als Erwachsener kann man der herrlichen Erzählstimme von Harry Rowolt sehr gut zuhören... Ein Genuss! :)
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am 24. November 2012
.. nicht nur für Kinder sondern auch für Erwachsene. Die verliebten Borstenigel sind toll! Dazu schön gelesen mit schöner Stimme, die viele natürlich schon kennen werden.
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