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Unterm Rad: Erzählung Gebundene Ausgabe – 17. März 2003

4.1 von 5 Sternen 111 Kundenrezensionen

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Produktinformation

Produktbeschreibungen

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Hermann Hesse, geboren am 2.7.1877 in Calw/Württemberg als Sohn eines baltendeutschen Missionars und der Tochter eines württembergischen Indologen, starb am 9.8.1962 in Montagnola bei Lugano.

Er wurde 1946 mit dem Nobelpreis für Literatur, 1955 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Nach einer Buchhändlerlehre war er seit 1904 freier Schriftsteller, zunächst in Gaienhofen am Bodensee, später im Tessin.

Er ist einer der bekanntesten deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts.     

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Herr Joseph Giebenrath, Zwischenhändler und Agent, zeichnete sich durch keinerlei Vorzüge oder Eigenheiten vor seinen Mitbürgern aus. Er besaß gleich ihnen eine breite, gesunde Figur, eine leidliche kommerzielle Begabung, verbunden mit einer aufrichtigen, herzlichen Verehrung des Geldes, ferner ein kleines Wohnhaus mit Gärtchen, ein Familiengrab auf dem Friedhof, eine etwas aufgeklärte und fadenscheinig gewordene Kirchlichkeit, angemessenen Respekt vor Gott und der Obrigkeit und blinde Unterwürfigkeit gegen die ehernen Gebote der bürgerlichen Wohlanständigkeit. Er trank manchen Schoppen, war aber niemals betrunken. Er unternahm nebenher manche nicht einwandfreie Geschäfte, aber er führte sie nie über die Grenzen des formell Erlaubten hinaus. Er schimpfte ärmere Leute Hungerleider, reichere Leute Protzen. Er war Mitglied des Bürgervereins und beteiligte sich jeden Freitag am Kegelschieben im »Adler«, ferner an jedem Backtag sowie an den Voressen und Metzelsuppen. Er rauchte zur Arbeit billige Zigarren, nach Tisch und sonntags eine feinere Sorte.

Sein inneres Leben war das des Philisters. Was er etwa an Gemüt besaß, war längst staubig geworden und bestand aus wenig mehr als einem traditionellen, barschen Familiensinn, einem Stolz auf seinen eigenen Sohn und einer gelegentlichen Schenklaune gegen Arme. Seine geistigen Fähigkeiten gingen nicht über eine angebotene, streng abgegrenzte Schlauheit und Rechenkunst hinaus. Seine Lektüre beschränkte sich auf die Zeitung, und um seinen Bedarf an Kunstgenüssen zu decken, war die jährliche Liebhaberaufführung des Bürgervereins und zwischenhinein der Besuch eines Zirkus hinreichend. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.


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Kundenrezensionen

Top-Kundenrezensionen

Format: Taschenbuch
Diese Erzählung zeigt das Schicksal eines begabten Buben, dem der Ehrgeiz seines Vaters und der Lokalpatriotismus seiner Heimatstadt eine Rolle aufnötigen, die ihm nicht entspricht, die ihn "unters Rad" drängt.
Manchmal meint man, das Buch lebt: man riecht das Laub, man fühlt das kühle Wasser des Dorfbaches in der Sommerhitze an der Stirn, man leidet mit Hans mit, man denkt an die eigene Mittelschulzeit.
Der Roman enthält ungefähr eine Anleitung für Eltern und Lehrer, wie man einen begabten jungen Menschen am zweckmäßigsten zugrunde richtet.
"Unterm Rad" ist neben "Die Verwirrung des Zöglings Törless" von Robert Musil, die nachhaltigste Anklage gegen das Erziehungsritual jener Jahre (um 1900). Auch das Buch "Der Schüler Gerber" von Friedrich Torberg behandelt fulminant die selbe Thematik.
Das Buch wurde 1903 geschrieben und ist absolut aktuell.
"Ein paar Wochen ist es her, da entdeckte ich in einem Abteil der Berliner S-Bahn zwei junge Leute. Ihre Gesichter waren über dasselbe Buch gehängt, das einer der beiden in Händen hielt. Sie lasen, sie waren verzaubert, von ihrer Haltung ging eine fast greifbare Aura der Verwandlung aus, sie blickten nicht auf, sie waren vollkommen unempfindlich für die Umwelt.
Ich habe weder vorher noch danach wieder Menschen so lesen sehen. Sie lasen Hermann Hesses "Unterm Rad". Nur die Wirklichkeit hat recht.", meinte Rolf Schneider einst.
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Format: Taschenbuch
Ich musste dieses Buch für die Schule lesen und ich komme zu dem Entschluss, dass es sehr lesenswert ist. Normlerweise lese ich eher Bücher in anderen Bereichen als der Belletristik, aber Unterm Rad ist eine nette Abwechslung. Der Inhalt ist trotz der mehr als 100-jährigen Lektüre immer noch höchst aktuell, obwohl ein paar Begriffe eher veraltet sind und das Lesen ein wenig verkomplizieren. Das Buch vermittelt dennoch auf knapp 170 Seiten wichtige Inhalte, die mit ein bisschen Hintergrundarbeit, wie zum Beispiel das Recherchieren der Biographie von Hermann Hesse, sogar noch interessanter sind. Die Überlastung und der Druck, welchen Hans erfährt aufgrund der Gesellschaft und deren Ideale, ist faszinierend zu lesen. Ich habe das Lesen nicht bereut und empfehle das grandiose Werk auf jeden Fall weiter.
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Format: Taschenbuch
Bei dem 1906 erschienen zweiten Roman «Unterm Rad» von Hermann Hesse drängt sich der Vergleich mit ähnlichen Werken aus meiner jüngeren Lesezeit von Musil und Joyce geradezu auf. So unterschiedlich sie literarisch auch sind, eint sie inhaltlich doch die vernichtende Kritik an der Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts praktizierten Pädagogik, für damalige Schüler, Zöglinge und Seminaristen ein aus heutiger Sicht didaktischer Albtraum. Während Joyce sich glücklich befreien kann aus seiner traumatischen Schulzeit und Musils Törless verwirrt die Ausbildung abbricht, nimmt Hesses Protagonist ein schlimmes Ende. Und da ich gerade am Vergleichen bin, sei hier vorweggeschickt, dass Hesse in diesem frühen Roman noch einem betulich neoromantischen Duktus folgt, während viele der etwa zeitgleich schreibenden Kollegen sich bereits der klassischen Moderne zugewandt hatten.

Die unduldsamsten Hesse-Kritiker sprachen nach der Nobelpreisverleihung von 1946 dann sogar von literarischem Kitsch, was ich in Hinblick auf die von mir gelesenen wichtigen Romane des Autors so nicht bestätigen kann, und das gilt auch für den vorliegenden Roman. Denn nicht nur die begeisterte Rezeption von Hesse in den USA, die sich bekanntlich am «Steppenwolf» entzündet hatte, auch die Übersetzungen in viele Sprachen der Welt zeugen von einem literarischen Status, der durch interessante Thematiken seiner Werke erklärbar ist und eben nicht durch modernistische Erzählstile. Es geht ihm um Inhalt und Botschaft, nicht um Form.

In einer unschwer als Calw, dem Geburtsort Hesses, erkennbaren Kleinstadt im Schwarzwald fällt Hans Griebenrath in der Schule als Primus auf.
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Von Ein Kunde am 12. Januar 2000
Format: Gebundene Ausgabe
Hans Giebenrath ist einer der klügsten Schüler der Stadt, der Stolz seiner Lehrer, die ihn für das theologische Seminar drillen. So stehlen sie ihm seine Jugend. Seine Kaninchen werden ihm genommen, er darf nicht mehr basteln, angeln, schwimmen gehen, er muß lateinische und griechische Vokabeln pauken. Auch auf dem Seminar ist er bald einer der Besten. Doch allmählich läßt seine Leistung nach, und als man ihm gar die Freundschaft mit einem aufsässigen, genialisch-eigenwilligen Schüler verbietet, fällt er ganz ab. "Nur nicht matt werden", ermahnt ihn der Schulleiter, "sonst kommt man unters Rad." Aber der Junge ist längst "unterm Rad" einer reaktionären Pädagogik, die eine Sorge um den Menschen nicht kennt, und wird zugrunde gerichtet. Hermann Hesse gestaltet hier realistisch und mit konsequenter Logik den verfall der bürgerlichen Pädagogik der Zeit vor dem ersten Weltkrieg, wie er ihn selbst als Schüler erfahren hat. Der genialische Außenseiter Hermann Heilner ist ein jugendliches Selbstporträt des Dichters. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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