Also eines vorneweg, ich bin mit dem Produkt zufrieden. Es tut was es soll, wenn auch nicht perfekt und mit einigen Abstrichen. Aber für unter 7 EUR habe ich auch nicht mehr erwartet. Ich will versuchen, die Nachteile aus meiner Sicht zu beschreiben, damit jeder weiß worauf er sich einlässt. Ich wollte das Glas sowohl für alkoholische Gärung als auch zur Essigherstellung verwenden, daher habe ich mich für dieses Glas mit großer Öffnung und gegen einen klassischen Gärballon entschieden.
Das Glas war für mich das wichtigste. Es ist schwer und stabil und damit gut. Leider hat es durch die Musterung im Inneren Rillen, in denen sich Maischereste und Sonstiges festsetzen können. Das ist schwieriger hygienisch sauber zu halten und erfordert daher besondere Sorgfalt beim Reinigen.
Es ist kein Borosilikatglas (was für diesen Preis völlig unrealistisch wäre). Wer also kochendes Wasser darüber schüttet, es ungleichmäßig erhitzt und dadurch Spannungen im Material erzeugt die zum Bersten führen (können), begeht einen Bedienfehler. Das ist kein Mangel am Produkt. Das kann normales Glas einfach nicht leisten. Gleichmäßiges Erhitzen wäre nötig. Was bei Marmeladengläsern noch funktioniert ist bei einem so großen Glas aber im Haushalt nicht mehr so einfach. Man greift also am besten auf eine chemische Sterilisation zurück.
Der Deckel ist aus vergleichsweise dünnem Plastik und enthält einen Dichtring aus geschäumtem Plastik. Gestunken hat das bei mir nicht. Damit kann man das Glas verschließen. Das ist bestimmt manchmal dicht, aber 100% zuverlässig ist es nicht. Vor allem für eine alkoholische Gärung ist das wegen des Kohlendioxidteppichs aber auch nicht zwingend erforderlich und auf den Kopf stellen will man ein so großes Glas ja auch eher selten. Die glatte Oberfläche erschwert das Zuschrauben bzw. Öffnen.
Wie man auf den Bildern der größeren Versionen des Glases erkennen kann, hat der Deckel in der Mitte eine weitere Öffnung, die man entweder mit einem kleinen Schraubdeckel verschließen kann oder auf die das „innovative“ Gärsystem fest aufgeklickt wird (nicht lose wie ein klassischer Gärspund). Das Innovative an dem System ist vor allem, dass es so billig ist wie irgend möglich. Aber das interessiert die Hefen nicht, die machen trotzdem ihren Job, daher funktioniert es. Besonders gut ist es nicht. Eine große Oberfläche macht das Nachfüllen von Wasser erforderlich und bietet eine Siedlungsfläche für ungewollte Mikroorganismen. Die Blasen sind schwer zu erkennen (vor allem wenn der Deckel auch nicht wirklich dicht verschraubet wurde). Dies macht es schwerer den Gärvorgang gut zu beobachten und zu beurteilen. Wie gesagt, gären tut es darin trotzdem und billig ist es.
Wer den Deckel lieber mit einem Gärröhrchen verschließen will, der Innendurchmesser der kleinen Öffnung ist 26mm. Noch ein Streifen Klebeband um den Deckel, dann ist es auch sicher dicht. Damit wären die größten Nachteile verbessert.
Die in der Beschreibung genannten „viele weitere Möglichkeiten“ habe ich in der kurzen Anleitung, die dem Glas beilag (eigentlich aber recht selbsterklärend), nicht gefunden. Den umgedrehten Deckel als Trichter zu verwenden habe ich nicht ausprobiert und würde dazu auch nicht raten. Werbe-Blabla.
Die Gurte haben bei mir eine andere Farbe, aber das ist ja egal. Das Bild zeigt übrigens auch eine größere Version des Glases. Die Gurte tun ebenfalls, was sie sollen, färben aber im Wasser stark ab. Fest angebracht – wie in der Beschreibung zu lesen – sind sie nicht.
Wer eine milchsaure Fermentation (z.B. Sauerkraut) darin durchführen möchte benötigt noch geeignete Beschwerungssteine. Den Innendurchmesser des tonnenförmigen Glases habe ich auf zwischen ca. 17,5 (oben und unten) und 19 cm (Mitte) gemessen. Welche Steine passen, kann ich nicht sagen.
Die Gläser kamen übrigens - entgegen früherer Rezessionen - mit genügen Luftpolsterfolie, doppeltem Karton etc. super sicher verpackt an Das hätte vermutlich einen Sturz vom Hausdach heil überstanden!
Fazit: Das Glas ist gut und die sieben Euro wert. Der billige Plastikkram ist eine nette Dreingabe, die mit Abstrichen funktioniert. Wer regelmäßig (Frucht-)Wein, Essig oder sauer Eingelegtes herstellen will, investiert lieber etwas mehr in die Ausrüstung. Unsichere Anfänger machen sich hier das Leben unnötig schwer und greifen wohl auch besser auf die klassischen Gärballons/Systeme zurück. Wer partout nicht viel Geld ausgeben will und lieber ein bisschen rumfrickelt, bekommt hier genau das was man für sieben Euro erwarten kann.
Nachtrag: Ich hatte es schon befürchtet, aber nun ist es tatsächlich passiert. Beim Abkühlen der Maische bzw. einer Temperaturschwankung wurde das Wasser aus dem "Gärsystem" in die Maische gesaugt. Das sollte natürlich nicht passieren, und kann bei weniger "innovativen" und mehr traditionellen System auch konstruktionsbedingt gar nicht passieren. Daher dann doch noch einen Stern Abzug und jetzt nur noch drei.
| Batterien erforderlich | Nein |
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