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...der psychologische Mensch dagegen, um befriedigt zu werden" (155). Enke, Deisler, Rangnick; seitdem sich immer mehr Menschen zu ihrer Krankheit Depression bekennen, wird dieses Thema zumindest schrittweise enttabuisiert und gesellschaftlich als schwerwiegendes, zum Teil lebensbedrohliches, Leiden akzeptiert. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Anzahl psychisch attestierter Erkrankungen dramatisch erhöht, so dass mittlerweile sogar von Depressionen als neuer Volkskrankheit gesprochen wird. Es bleibt die Frage, ob sich tatsächlich die Zahl der Krankheiten erhöht hat, oder lediglich die Menge eben jener Diagnosen. In seiner Darstellung "Das Unbehagen in der Gesellschaft" analysiert Alain Ehrenberg, welche Entwicklungslinien gerade in den westlichen Gesellschaften (hier am Beispiel von Frankreich und den USA) dazu geführt haben, dass sich immer mehr Menschen ihrer Umgebung und sich selbst psychisch nicht mehr gewachsen fühlen.

Wie schon in seinem grundlegenden Buch Das erschöpfte Selbst legt Ehrenberg im einleitenden Kapitel dar, dass es im 20. Jahrhundert eine Verschiebung gegeben habe, weg von einem neurotischen Schuldtypus, also der Frage 'Was darf ich tun?', hin zu einem depressiven Typus, der von der Frage 'Besitze ich die Fähigkeit, es zu tun?' getrieben werde: "Die neurotische Schuld ist offensichtlich kaum verschwunden, sondern hat die Form der depressiven Unzulänglichkeit angenommen" (17). Unsere Gesellschaft zeichne sich durch eine Vielzahl von Möglichkeiten aus, sein Leben zu gestalten, was aber zu der Erkenntnis führe, diesen Anforderungen bzw. Möglichkeitsoptionen schlicht und einfach nicht gewachsen sein zu können: "Wenn der Meßschieber sich der Unfähigkeit nähert, läßt die Unfähigkeit sein Schuldgefühl hervortreten, der jeweiligen Sache nicht gewachsen zu sein. In diesem Modus des Defizits, der Unzulänglichkeit oder der Behinderung erscheint die Schuld" (ebd.).

Ehrenberg versucht in seiner ambitionierten Darstellung, die Auswirkungen dieses Unzulänglichkeitgefühl auf die Gesellschaften in Frankreich und den USA herauszuarbeiten. Neben grundlegender Unterschiede bezüglich von Konzepten wie Chance oder Gleichheit oder von der Einstellung dem Staat gegenüber, die ja gerade in den USA das politische Klima bestimmen bzw. vergiften, betont Ehrenberg auch zentrale Gemeinsamkeiten, die Menschen Halt geben und verhindern, dass wir an unserer Umwelt mental zerbrechen: "Der Individualismus führt solange nicht zur Depression, wie wir uns auf großen Institutionen ausruhen können - der Religion, dem Land, der Familie. Wenn es einem nicht gelingt, einige der angestrebten persönlichen Ziele zu erreichen, wie es jedem passiert, kann man sich diesen großen Institutionen zuwenden, um Hoffnung zu schöpfen" (173).

Fazit: "Das Unbehagen in der Gesellschaft" versucht, das Phänomen Depression mit einer grundlegenden Analyse der gesellschaftlichen Antriebskräfte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu erklären. Das ist keine leichte Kost, doch wer an dieser jenseits massenkompatibel zurecht gestutzter Talkshowrunden interessiert ist, sollte dieses Buch auf seine Leseliste setzen.
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