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Um Kinder trauern Taschenbuch – 2001

4.3 von 5 Sternen 3 Kundenrezensionen

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Produktinformation

Produktbeschreibungen

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Anja Wiese ist hauptamtliche Mitarbeiterin bei "Verwaiste Eltern Hamburg e.V." und Trauerbegleiterin an der Evengelischen Akademie Hamburg. Die Mutter von vier Kindern verlor ihren zweiten Sohn im Alter von 7 Jahren durch Leukämie. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Dieses Buch zeigt deutlich: Was die hier auf der Erde zurückgebliebenen Geschwister und Eltern tun, ist staunenswert und beeindruckend für jeden, der sich ihnen und ihren Erfahrungen aussetzt. Sie sind um ihre wichtigsten Ergänzer gebracht. Sie können sie nicht mehr berühren oder ihnen in die Augen schauen.
Anja Wiese hat den Mut gehabt, in jahrelanger intensiver Arbeit und mit einem überaus sensiblen Verständnis für die ihr begegnenden Trauernden eine Oase aufzubauen, die sich mit dem Namen der Segeberger und Hamburger Akademie verbunden hat. Sie ist die erste, die am Telefon des Vereins der "Verwaisten Eltern und Geschwister" sitzt und die furchtbaren und unfasslichen Geschichten zu Ohren bekommt. Sie ist diejenige, die sich um eine Art erstes und zweites Netz bemüht, das auffängt und erst einmal weiterleben lässt. In diesem Buch gibt sie Auskunft, wie das geschieht.
Neu ist vor allem, dass hier erstmals die in Bad Segeberg entwickelten Rituale detailliert geschildert werden, die man "begehen" kann und die eine wunderbar reinigende Wirkung haben, wenn man so sagen darf. In diese Rituale ist Sorgfalt eingeflossen, das spürt man. Es gehört eine Haltung feinen Hinhörens und ein Wille zur Gestalt dazu, damit diese Rituale auch stimmig sind. Nirgends ist die Gefahr größer, durch falsche Töne, durch Kitsch oder Pathos den ohnehin schmalen Grad zwischen Verzweiflung und Klage zu verfehlen. Die Autorin kennt diese Gefahr genau.
Und nicht zuletzt in der Zusammenarbeit mit ihr und im Wahrnehmen ihrer Beobachtungen stellen sich religiöse Fragen der eigenen Tradition beklemmend neu. Denn "Gott" wird bei den meisten dieser Verletzten nicht als der "liebe" Gott und als gut erfahren. Eher ist er so etwas wie die Katastrophe, die in ein behütetes Leben eingebrochen ist. Es geht nicht darum, "ihn" zu verteidigen. Er muss aushalten, dass er ständig auf der Anklagebank sitzt. Aber -und das ist auch wahr - in gemeinsamer Klage und Anklage wenden sich die Verletzten einander zu.
Solche Situationen, wo sie einander das Unsagbare erzählen, sind die höchste und kostbarste Form, die sich erleben lässt. Und auch das könnte man eine Art "Gebet" nennen, wenn denn Gebet der seufzende Versuch ist, Worte für das Unsagbare zu finden, zu stammeln, zu weinen, zu schreien und zu flüstern.


Wolfgang Teichert
Gedanken im März 2009


Dass Dankbarkeit die Kehrseite der Ohnmacht und Trauer sein kann, mag man als überraschende Einsicht aus den in dieser Ausgabe erstmalig veröffentlichten Nachgedanken der Trauernden aus dem Jahr 2008 gewinnen. Ihre Trauer hat nicht aufgehört und auch nicht ihre Trostlosigkeit, obwohl der Tod der geliebten Kinder nun schon längere Zeit zurückliegt.
Diese Nachgedanken sind eine wertvolle und beeindruckende Ergänzung der vorliegenden Neuausgabe.
Die Fähigkeit und die Gelegenheit, die eigene Trauer zusammen mit anderen immer wieder - und immer wieder anders - auszudrücken, hat zuweilen lebensrettend auf Eltern und Zurückgebliebene gewirkt. Um so etwas sagen zu können braucht die Trauer der hier Schreibenden Zeit, Umwege, Ratlosigkeit, Ausweglosigkeit, Entmutigung, Erleben, Standhalten, Nicht-Ausweichen. In ihrer Trauer geschieht Zögern, Angst, Ausweichen, Wiederholen, Wegstecken, Wiederauftauchen, sich aussprechen, fassungslos weinen, suchen. Trauer, das spürt man in jeder Zeile, ist kein Training, sondern Reifung.
Die hier geschilderten Reifungsprozesse und Entwicklungen der Eltern und Geschwister verlaufen nicht in geraden Linien. Sie sind nicht aufzuheben durch bessere und effektivere Organisation und auch nicht durch eine gut strukturierte Abfolge von "Phasen". Sie sind so lang und so abschüssig wie der Weg von Jerusalem nach Emmaus.
Trauernde brauchen besondere Räume - wie zum Beispiel einen Friedhof in Italien - um in der Ferne die Nähe zu der Gestorbenen zu spüren. Und eine weitere Überraschung: Selbst traditionelle Worte aus Religion und Bibel vermögen in den Trauernden aufzuerstehen. Sie bekommen in ihrem Mund einen ganz anderen, institutionell gar nicht zu vermittelnden Klang.
Diese Rückkehr aus dem Totenland, als die man die Texte auch lesen kann, gibt dem Leben und der Umgebung dieser Menschen eine Würde, die sie vorher nicht besessen haben. Vielleicht gilt für die Toten, ihre Eltern und Geschwister, was Rilke einst über seinen Engel geschrieben hat: Er lernte das Schweben, ich lernte das Leben, und wir haben langsam einander erkannt...


Wolfgang Teichert


Wolfgang Teichert; geb. 1944; Studium der Theologie in Kiel, Hamburg und Tübingen. Mitglied des Institutes für Trauerarbeit e.V. (ITA) in Hamburg und der Internationalen Gesellschaft für Tiefenpsychologie e.V. Wolfgang Teichert verlor seine jüngere Tochter Frauke durch einen häuslichen Unfall. Diese Erfahrung hat ihn berührbar werden lassen für Menschen und Themen, von denen dieses Buch handelt.


EINFÜHRUNG
Anja Wiese


Jeder trauernde Mensch ist ein Held


Karfreitag. Nach Tagen mit düsteren Wolken, Sturm, Regen und Hagel werde ich heute von Sonnenstrahlen geweckt. Ich wache mit einem verheißungsvollen Gedanken auf: Es ist ein Sterben ins Licht. Einfach so. Eine Weile noch hänge ich diesem Gedanken nach und lasse neu in mir klingen, was immer mal wieder verloren geht, lasse die Hoffnung, dass der Tod nicht das Ende ist, in mir wieder auferstehen ... Ich erinnere mich an einen Karfreitag vor vielen, vielen Jahren:
Meine drei kleinen Söhne sitzen auf der Küchenbank, und ich lese ihnen aus der Kinderbibel vor. Ich mag kaum weiterlesen, weil ich spüre, wie nah sie mit ihren Gefühlen an dem Geschehen sind und wie groß ihre Fähigkeit zum Mitfühlen ist. Aber genau wie die "schönen Jesusgeschichten" wollen sie auch die Schrecklichste hören. Und wir tun, was man eigentlich auch nur tun kann: wir weinen alle zusammen.
Als der letzte Seufzer verklungen ist, putzt sich mein kranker 6-jähriger Malte die Nase und sagt: "Das ist das Allerallerschlimmste, was Jesus durchmachen musste.
Aber, Mama, gleich nach Jesus komme ich ..." Das war Karfreitag 1979 - daran denke ich.
Und ich denke an die Kinder, die uns in diesem Buch begegnen: an die jungen Mädchen Ariane und Nina, an die ganz kleinen Menschen Sebastian, Tim, Jonas und Lina und an ihre Familien, die mit dem Tod dieser Kinder leben müssen. Zweifel befallen mich, ob ich mit diesem Buch dem Fühlen und dem Leiden, der Verzweiflung und der Trauer, der Suche und der Neuorientierung im Zusammenhang mit dem Tod eines Kindes überhaupt gerecht werden kann.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.


Kundenrezensionen

4,3 von 5 Sternen
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Top-Kundenrezensionen

am 16. Februar 2013
Format: Gebundene Ausgabe
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am 29. Juli 2015
Format: Gebundene Ausgabe|Verifizierter Kauf
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am 13. Dezember 2006
Format: Taschenbuch
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