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Kundenrezensionen

4,4 von 5 Sternen
2
Trotzdestonichts oder Der Wendehals (suhrkamp taschenbuch)
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:8,50 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime

am 10. Juli 2017
Buchkritik:
Volker Braun, wie er gefällt. Allein schon "Trotzt" - "Desto" - "Nichts" oder der "Wende"- "Hals".
Was kann schöner sein, als sich ins gemachte Nest zu setzen. Und das verstehen sie desto
"Trotzt" - die Wende - Hälse, aber ansonsten "Nichts".
Volker Braun spricht von Fehlern, die gemacht wurden. Was gemacht wurde, das war so gewollt.
Die eine Seite wollte die D-Mark - die andere Seite wollte alles. Vom `zusammen wachsen, was
zusammen gehört' keine Spur. Das wenige Gute schnell abgestreift und sich des vielen Schlechten
sofort angenommen. Da waren sie sich sofort einig.
Aber da ist auch noch Hoffnung im Spiel - es muss ja nicht die letzte Wende gewesen sein. War das
denn 1989 eine wirkliche Wende? Volker Braun, wie immer mit spitzer Feder, vieles sagt er durch die
Blume, ein wenig versteckt, macht so kleine Andeutungen, mal hier - mal da, wie es so seine Art ist -
und träumt immer noch von blühenden Landschaften im Land der Arbeitslosen, Bettler, Almosenempfänger,
Obdachlosen, Armut und der fehlenden Kinder. Der Lack ist ab, wir sind in der Realität angekommen, aber
die Rüstungsexporte laufen doch blendend, wir sind da doch Exportweltmeister, was wollen wir noch mehr.
Ja, da war doch was, da war doch 1989 so viel auf der Straße los "Wir sind Das Volk" - Mitbestimmung, beteiligt
sein, dazu gehören, angenommen werden, bessere Zeiten und vor allem, alle Macht dem Volke, denn das
Volk ist der Souverän..............aber es ist ja alles so schön bunt hier und immer ist hier was los, nur das Volk
kocht vor Wut, weil schon wieder so viele Wünsche und Träume den Bach runter gegangen sind................
und es schon wieder so viele Verlierer im nun vereinten Deutschland gibt. Denn da läuft doch schon wieder,
seit langer Zeit, etwas schief.......eine Demokratie ohne das Volk, so haben wir das nicht gewollt..................
Somit meine Leseempfehlung für dieses längst notwendige Buch von Volker Braun.......Wahrheit ist angesagt...
denn jede grüne Tomate wird am Ende rot, sie wird "reif", wie die "Zeit"...........und wer mischt den Laden noch
einmal auf ? Dem Volke, dem Leser sei es gegeben.........................dieses Buch zu lesen..............

Fünf Sterne für dieses Buch der Wahrheiten.
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am 29. September 2000
Das Werk "Der Wendehals. Eine Unterhaltung", das Volker Braun 1995 veröffentlicht hat, beinhaltet ein philosophisch-satirisch angelegtes Streitgespräch zwischen einer arbeitslosen Person, "innerlich abgewickelt und entlassen von der zahlungsunfähigen Geschichte" (S. 7), genannt "Ich", und dem von einer Kommission "abgewickelten Chef" ("S. 9), genannt "Er", der ob der Entscheidung der Kommission den Verstand verlor. Mit diesen beiden Personen entwickelt Braun zwei verschiedene Charaktere. Zum einen den Idealisten, der an seinen Idealen festhält und deshalb erfolglos bleiben muß und zum anderen den Wendehals, der "mit so verrenktem Halse fortmarschiert" (S. 9).
Bei ihrem Gang durch Berlin nach der Wiedervereinigung zeigt Braun die sowohl positiven als auch negativen Veränderungen in der Stadt (zum Beispiel das Anlegen von Fußgängerzonen, neue Läden und Restaurants, das Aufkommen von Prostitution, leerstehende Fabriken). In dem Dialog verarbeitet Braun mit großem Sarkasmus viele Probleme der Nachwendezeit, wie zum Beispiel die Zerstörung von Betrieben durch die Treuhand, die immer größer werdende Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit und aufkommende Ausländerfeindlichkeit. Dabei beschränkt er sich nicht nur auf fiktive Ereignisse, sondern nennt auch Zitate. So gibt er unter anderem bezüglich der Ausländerfeindlichkeit ein Zitat von Thierse an: "Wir Ostdeutschen müssen erst langsam lernen, mit Asylanten und Ausländern umzugehen." (S. 76) und stellt dem den Ausspruch Gysis "Was muß ich denn lernen, um zu wissen, daß man Mitbürger nicht anzündet?" (S. 76) gegenüber.
Somit wird der Dialog zu einer Aufzählung der Fehler, die von ostdeutscher und von westdeutscher Seite während und nach der Wiedervereinigung gemacht wurden.
Durch viele Wortspiele gibt Volker Braun Denkanstöße, entlarvt auf ironische Weise schonungslos herrschende Mißstände und setzt sich mit der neuen Ideologie auseinander. Als Beispiel dafür sei nur die Auseinandersetzung mit solch verharmlosenden Begriffen wie Arbeitnehmer und Arbeitgeber genannt: "Die Arbeitnehmer heißen Arbeitnehmer, weil sie die Arbeit geben. Die Arbeitgeber sind Arbeitgeber, weil sie die Arbeit nehmen. Das ist logisch." (S. 17)
Im Anschluß an das Streitgespräch setzt Braun noch eine Reihe kurzer Erzählungen, die als Ergänzung zur Vertiefung des Themas dienen.
Volker Braun ist es auf beeindruckende Art gelungen, sich mit ostdeutschen Problemen auseinanderzusetzen und seinen Standpunkt klar zu vertreten. Dabei geht es ihm vor allem um die Beantwortung der Frage, wohin die neu gewonnene "Freiheit" der Menschen in den neuen Bundesländern führt und führen kann.
Meiner Rezension lag folgende Buchausgabe zugrunde: Braun, Volker: Der Wendehals. Eine Unterhaltung, Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main, 1995, 125 S.
Über andere Gedanken und Hinweise, die an meine oben genannte E-Mail Adresse zu richten sind, würde ich mich sehr freuen.
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