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am 14. November 2009
Ich bitte die fast schon ungehobelte Länge meiner Anmerkungen zu entschuldigen. Meine Gedanken zu diesem Buch kann ich nur begrenzt bändigen. Sie können das Sichten des Textes abkürzen, indem Sie drei beliebige Abschnitte lesen und die übrigen auslassen. Auch bei der verkürzten Lektüre dürfte einleuchten, dass dieses Buch ein Meilenstein ist. Aber vermutlich wissen Sie das auch ohne mich.

I. Jemand fragt mich, wie er sich nicht nur in die Neue Musik einfinden soll, sondern wie alles begann, wie sich das Delta der Stilismen und Manierismen, der Zwölftondiktatur, des neotonalen Wohlklangs entwickeln konnte, ja was das denn nun alles "bedeutet" nach Strauss, Mahler und Stravinsky, und dieser interessierte Mensch will nicht zehn Monographien lesen oder Expertenbücher, in denen Satzungetüme übereinander geschichtet werden, die Analyse wichtiger ist als die Wirkung eines Stückes, sondern will musikhistorische Fixpunkte erkennen, anekdotische Einsprengsel würden ihn auch nicht stören, doch der große Bogen muss deutlich werden, der Schreibstil darf nicht unterfordern, der Autor muss ein ausgewiesener Kenner sein, der ordnet, gewichtet, aufzeigt, weglässt. Dann rate ich diesem Menschen: Lies Alex Ross. Sein Buch "The Rest ist Noise" hat Kritiker zu Recht in einen Begeisterungstaumel gestürzt. Man kann es kurz halten wie Neil Tennant ("Excellent!") oder gerne auch ausführlicher werden, warum Ross eine entscheidende Lücke geschlossen hat. Man vergesse die indiskutable Rezension in der ZEIT, die einen von tausend Aspekten unmäßig vergrößert und daraus ein lauwarmes Werturteil ableitet. Dieser Block Papier bietet die mit Abstand beste Übersicht auf das vergangene Musikjahrhundert. Man wird ein verständigerer Mensch dadurch. Man wird durch seine Lektüre nicht Brian Ferneyhough verstehen (der auch nur kurz erwähnt wird), aber so viel Klarheit und Folgerichtigkeit war noch nie. So viel Präzision, so wenig kurzatmiges Name-dropping (zu dem beispielsweise Jean-Noel von der Weid neigt), so viel erhellender Background (nicht nur musikalischer, auch politischer Natur), so wenig Selbstbezüglichkeit und Eigenlob, so viel wundervoll erdachte Metaphorik bei der Beschreibung von Stücken, so wenig Besserwisserei und professorales Theoriegesummse.

II. Auf Seite 377 endet das intensivste, erkenntnisreichste Kapitel ("Todesfuge") mit dem Jahr der Kapitulation. So lange lässt sich Ross Zeit, um sehr ausführlich über Richard Strauss, Gustav Mahler und Igor Stravinsky zu erzählen, aber auch über farbige Komponisten in den Staaten, die aufkommende Jazz-Ästhetik und wie sie die Kunstmusik allmählich durchdringt, und natürlich wie der Schönberg-Clan sein Terrain absteckt, sich einigelt, Krallen ausfährt. Es gibt etliche Arbeiten über diese Herren, die man nennen muss, wollte man sein Wissen sinnvoll verbreitern. Ross gibt uns hingegen den Panoramablick und gleitet immer wieder hinab auf Details, damit wir das große Ganze nicht aus den Augen verlieren, uns aber nicht im Allgemeinen verfransen. Er ist niemand, der alles irgendwie streift, sondern stellt oft genug auf Tiefenschärfe, mit Strauss beschäftigt er sich recht lange, und es ist ein Gewinn auf jeder Seite. Ross zitiert nicht aller Nasen lang aus Büchern, repetiert nicht fest verankerte Vorstellungen, man murmelt durchaus nicht "Ach, weiß ich doch schon", sondern ist erstaunt über Querverbindungen, über gefundene Quellen und seine gestochenen Werkvorstellungen, von denen insbesondere Amateur-Rezensenten viel lernen können. Man glaube jedoch nicht, dass einem gänzlich Unwissenden, der noch nie einen Text über ernste Musik gelesen hat, alles sofort einleuchtet. Auf solche Sätze stößt man bisweilen auch (zu zweiten der "Sechs kleinen Klavierstücke" Schönbergs): "Es baut auf einer beschwörenden Wiederholung des Intervalls G-H auf... Tontentakel züngeln um diesen Zweiklang, berühren irgendwann alle übrigen zehn Töne der chromatischen Leiter, doch die beiden Haupttöne bleiben festgenagelt an Ort und Stelle. Sie sind wie zwei Augen, die ohne zu blinzeln geradeaus starren."

III. Geschichten über Komponisten bergen manchmal auch Komik, so dass man bei Ross immer wieder zum Auflachen gereizt wird. Ein Tonsetzer, der die Massen gar nicht erreichen will, muss zwangsläufig ein Egomane, ein radikaler Geist sein. Alleine über Stockhausen kann man sich ein witziges, geistreiches Buch nur über seine Eskapaden, Standpunkte und Streitereien (und über sein Liebesleben natürlich auch) ausdenken. Ross weiß eine Menge über solche Dinge, doch er bleibt streng bei der Musik - gossipfrei bis zur letzten Seite erwähnt er Dinge, das Gros wird er von den (lebenden) Komponisten selbst erfahren haben. Zum Beispiel wusste Tan Dun bei seiner Aufnahmeprüfung nicht, wer Mozart war. Ross hat John Adams in seiner Riesenscheune besucht, die er zeitweise an einen lokalen Holzfäller vermietet. Er weiß auch, dass im Darmstädter Schlosskeller 1967 - Ligeti und andere waren dort - das Beatles-Album "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" lief und Diskussionen auslöste, da in dem Song "A Day in the Life" zwei Ad-Libitum-Passagen enthalten sind, die sich eindeutig aus den Entdeckungen der Neuen Musik speisen, insbesondere die Klangstatik Morton Feldmans. Er erwähnt auch den ziemlich lustigen Eintrag von Olivier Messiaen in sein Tagebuch, wie er den jungen Pierre Boulez einschätzt: "Er mag moderne Musik." Ross nennt das die Untertreibung des Jahrhunderts. Wir reden von einem stürmischen Mann, der seine Widmung an den einstigen Mentor René Leibowitz mit einem Brieföffner nachträglich unkenntlich macht, indem er wild auf die erste Partiturseite des eigenen Werkes einsticht. Boulez wusste in jüngeren Jahren wirklich alles besser. Wer weniger radikal war als er, war dumm und unnütz.

IV. Ross kann eine Affinität zu Strauss, Copland und dem Phänomen des Post-Minimalismus nicht verbergen. Zwar findet er auch für Helmut Lachenmann fein abgestimmte Worte, doch sein Herz hängt woanders. Man muss davon ausgehen, dass Ross über deutsche, finnische oder spanische E-Musik genauso viel weiß wie die Herren Metzger, Dibelius und Häusler, gewiss wandelt er auf der selben Höhe wie Paul Griffiths oder Richard Toop. Für "The Rest is Noise" hat er sieben Jahre lang recherchiert, geordnet, gekürzt und geschrieben, freilich in seiner Freizeit, schließlich hat Ross noch für den "New Yorker" zu arbeiten, muss mal schnell nach Kopenhagen, um eine Oper von Poul Ruders zu sehen usw. - der Mann kommt viel rum und trifft oft genug auf Komponisten, Dirigenten, Pianisten, setzt sich Werken jeglicher Coleur aus, interessiert sich auch für John Zorn oder Sonic Youth. Das hat dem Buch sehr geholfen. Es ist nicht nur angelesen und durch Hören entstanden, sondern durch Dialoge mit schaffenden Menschen. Jaja, Adorno kommt auch darin vor. Und Eisler, Weill, erst recht Gershwin, der mit Schönberg Tennis spielte. Immerhin bekommt Wilhelm Killmayer drei Zeilen. Sogar Björks "An Echo, a Stain" wird als Beispiel heran gezogen, wie sehr die Neue Musik den Pop beeinflussen kann, was laut Ross öfter vorkommt, als man zunächst glauben mag. Umgekehrt natürlich auch.

V. Das Buch enthält lange, zentrale Kapitel auch zu Schostakowitsch und Britten. Fast zehn Seiten beschreibt er Libretto, Musik und Wirkung von "Peter Grimes". Das Schicksal des Russen zwischen Freigeistigkeit und Repression wird präzise, spannend und in all seiner Widersprüchlichkeit verarbeitet. Schostakowitsch bekam übrigens die Partitur zu "Death in Venice" zu sehen, bevor sie je ein Dirigent aufgeschlagen hat. Ross kommt immer wieder auf "Doktor Faustus" von Thomas Mann zurück. Auf das Diabolische, das Unheilvolle in der Musik (nicht nur der in Deutschland). Es gibt da ein paar Breitseiten gegen Milton Babbitt und alle, die nach stacheldrahtumzäunten Systemen Töne organisieren.

VI. Ich wusste so vieles nicht über Galina Ustwolskaja (Schostakowitsch legte ihr in den 60ern einige seine Partituren zur Prüfung vor) oder über Toru Takemitsu (sein Erweckungserlebnis als Kind war ein Chanson), über Karl Amadeus Hartmann (der einen Hitlergruß zuweilen nicht verweigerte) und Adolf Hitler selbst, von dem man hier Dinge erfährt, die noch nicht einmal Ian Kershaw in seiner umfänglichen Biographie aufgreift. Manchmal sind es nur wenige Striche, die Ross benötigt, um einen Künstler zu zeichnen. So bekommen Schnittke (immer etwas "gequält und fahl wirkend") oder Steve Reich ("Mit seinem schwarzen Button-Down-Hemd und seinem Markenzeichen, der Baseballkappe, würde man ihn eher für einen Regisseur von Independent-Filmen, einen Professor für Cultural Studies (...) halten.") in wenigen Sätzen Konturen. Über Cage gibt es herrliche Begebenheiten, doch Ross nutzt jeden Fund, um uns etwas anderes zu zeigen, nicht um zu unterhalten (das tut er eher nebenbei): Er will das Individuum zeigen, dass ganz bestimmten Einflüssen in einer ganz bestimmten Umgebung ausgesetzt ist, diese umformt in Musik und das Material auf eine bestimmte Weise bändigt. Das hat nicht nur mit den ästhetischen Werturteilen der jeweils herrschenden Elite zu tun, sondern auch mit der Erziehung, den Eigenarten, den Freunden, mit denen man sich umgibt. Deshalb all diese biographischen Splitter. Von der selbst gewählten Hobo-Existenz Harry Partchs muss man wissen, wenn man die Gründe für seine Musik erforschen will.

VII. Vielleicht bleibt in hundert oder dreihundert Jahren von der Neuen Musik nur Arvo Pärt übrig. "Für einige Menschen erfüllte Pärts seltsame spirituelle Reinheit auch verzweifeltere Bedürfnisse; eine Stationsschwester in einem New Yorker Krankenhaus spielte jungen Männern, die an AIDS starben, regelmäßig "Tabula rasa" vor. An ihren letzten Lebenstagen verlangten sie es immer und immer wieder zu hören."

VIII. Ein Buch wie dieses beweist seine inspirative Kraft vor allem dann, wenn der Leser noch während der Lektüre immer wieder zum Notebook rennen muss, um sich Stücke anzuhören oder CDs in seinen virtuellen Einkaufswagen zu klicken. Mich hat Ross dazu gebracht, die Zweite Wiener Schule neu zu entdecken, Messiaens fünfstündige Assisi-Oper zu erklimmen (bin leider abgestürzt, aber ein Versuch war es wert) oder Henry Cowell eine Chance zu geben (eine zweite bekommt er indes nicht).

IX. Erfahren Sie etwas über Virgil Thomson. Über Aaron Copland. Über Samuel Barber. Über Elliott Carter. Über den Fall Pfitzner. Darüber, dass es in Messiaens Wohnung keine Bücher gab, nur Partituren und die Heilige Schrift. Über das Warten auf den Anruf von Stalin. Über die Einsamkeit und den Selbstzweifel von Sibelius. Über "Nixon in China" und Leonard Bernstein. Über, über, über. Ich kann eine beliebige Seite aufschlagen und werde fündig, erinnere mich, will es noch einmal lesen. Ja, das tue ich jetzt auch. Alles noch einmal lesen. Ganz von vorne.

X. Die letzten Sätze des Epilogs: "Vielleicht werden klassische Komponisten die unmittelbare Wirkung ihrer popmusikalischen Gegenüber nie mehr erreichen, doch in der Freiheit ihrer Einsamkeit können sie Erfahrungen von einzigartiger Intensität vermitteln. Wenn sie ausgedehnte Formen entwickeln, komplexe Kräfte bündeln, das ganze Spektrum von der Stille bis zum Lärm erschließen, dann weisen sie den Weg in, wie Claude Debussy es einmal genannt hat, ein imaginäres Land, das sich also auf keiner Karte finden lässt."

XI. Am Schluss, jedoch noch vor den Danksagungen, den Anmerkungen und dem Personenregister (zusammen immerhin 90 Seiten) kommen persönliche Hör- und Lesevorschläge, die man auf der Webseite des Autors nachhören kann. Erstaunlich sind die Tipps zum letzten Kapitel "Versunkene Kathedralen". Um die vielfältigen Erscheinungen Neuer Musik unserer Zeit kennen zu lernen, empfiehlt Ross "In vain" von Georg Friedrich Haas, was mich gelinde gesagt überrascht. Er nennt "Asyla" von Thomas Adès, Lutoslawski, offenbar seinen Lieblingskomponisten John Adams, aber auch - für mich absolut unverständlich - Peter Lieberson ("Neruda Songs"), dessen Lieder er jenen berühmten letzten von Strauss gleich setzt.
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am 5. Februar 2013
Vorweg gesagt, ein „einfaches“ Buch liegt hier wahrlich nicht vor, was nicht zu letzt auch dem gewählten Thema an sich geschuldet ist.

Eng gedruckt führt Alex Ross den Leser ausführlich durch die eher „E“ Musik des 20. Jahrhunderts (auch wenn Ross selbst die leidige Unterscheidung zwischen „E“ und „U“ Musik relativiert und auch „Grenzgänger“ in seine Darstellung mit einbezieht, auf Jazz und Rock'n Roll mitverweist).

Von Strauß und Mahler in der „neuen Welt“ über Sibelius, von Ravel über Strawinsky und der sowjetischen Musik der stalinistischen Ära, von Copland über Cage, Schostakowitsch bis zur Avantgarde der 60er und 70er Jahre, vielfachen Spuren geht Ross nachher und ordnet diese in seine chronologische Abfolge ein. Von 1900 bis 1933 (das goldene Zeitalter, Falk, Jazz, Berlin in den Zwanzigern u.a.), von 1933 bis 9145 (Radiomusik Amerikas, Hollywood, ebenso der Blick auf Russland mit u.a. Prokofjew) und die Zeitspanne von 1945 – 2000 sind die drei großen Epochen, die Cross zugrunde legt.

Künstler und konkrete Werke sind es dabei, die Ross nicht nur im Buch „zum klingen“ bringt, sondern, dankenswerter Weise, auch als Hörerlebnisse auf einer Internet Page dem Buch entsprechend zur Verfügung stellt. Eine große Hilfestellung, keine Frage, alleine schon, wenn man sich die intensive Auseinadersetzung mit „Daphne“ aus dem Spätwerk Richard Strauss zu Gemüte führt. Da ist es hier und da fast zwingend notwendig, die interpretatorischen Ausführungen im Buch zugleich nachhören zu können.

So erschließt sich Seite für Seite an der kundigen Hand des Autors die vielschichtige und umfassende Entwicklung, die „Welt der Musik“ des 20. Jahrhunderts. Wobei nicht nur für das Thema und die vorliegende Breite eine hohe Komplexität vorliegt, sondern auch in Stil und Sprache ein sehr konzentriertes Lesen erforderlich ist. Cross schreibt nicht locker und populär vor sich hin, sondern teilt tatsächlich sein profundes Wissen auch auf hohem sprachlichen Niveau mit. Selbst da, wo die Beatles in den Fokus rücken und von Cross durchaus mit dem „Darmstadt-Sound“ und den progressiven Experimenten der Darmstädter Komponisten jener Zeit in Verbindung gesetzt werden, muss man schon genau und konzentriert lesen, um die Zusammenhänge dann im Gesamten zu erfassen.

Eine im Übrigen an sich spannende Phase im Buch, die zeigt, wie musikalische Avantgarde und neues erproben von Komponisten hier und da in der Populärmusik Widerhall und Weiterentwicklung fand (Riley, Rech und Glass mit ihrem Minimalismus der klaren Tonalität später dann bei Velvet Underground und anderen).

Alex Ross legt eine umfassende Betrachtung der jüngeren Musikgeschichte auf hohem Niveau vor, in der er dem interessierten Leser Musiker, Komponisten, Zeitströmungen, Werkgeschichte, gegenseitige Beeinflussungen, aber auch Abkoppelungen von allgemeinen musikalischen Entwicklungen durch ein ganze Jahrhundert lang fundiert und profund vorlegt. Thema und Darreichungsform erfordern allerdings ein konzentriertes Lesen und die Bereitschaft, Ross tatsächlich tief in die Materie hinein zu folgen.
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am 6. Februar 2011
Ich habe inzwischen 6 Exemplare des Buches verschenkt an Freunde, bei denen ich hoffe, dass sie ein ähnliches Vergnügen beim Lesen des Buches empfinden werden, wie ich es Seite für Seite empfunden habe.

Es ist gut geschrieben - oft jenseits meines Horizontes, was meiner Begeisterung keinen Abbruch tat. (Ich habe es im Original geslesen, die Übersetzung kann ich nicht beurteilen.)

Ich denke, dass jeder, der sich für Musik interessiert, Laie oder Profi, hier viel dazu lernen kann. Ross ist sehr gebildet, was in angenehm unaufdringlicher Weise zum Ausdruck kommt. Sein unbefangen unideologischer Blick ist vorbildlich. Für mich ist es leider schwer vorstellbar, dass eine solches Buch von einem Europäer, zumindest vom Kontinent, hätte geschrieben werden können.

Ein wichtiges Buch für mein Leben.
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am 13. August 2010
Viel wurde in anderen Rezensionen ausfürlich dargelegt. Der allgemeinen Ansicht, dass es Ross gelingt, musikalische Entwicklungen mit Sympathie und sprachlicher Ausgewogenheit zu interpretieren, kann ich nur zustimmen.
Anzumerken bliebe in Ergänzung anderer Rezensionen, dass man die 670 Seiten nicht im Block und chronologisch lesen muss. Ein Springen zwischen den Kapiteln ist ohne Verständnisverlust möglich. Das Stichwortverzeichnis führt einen zielsicher zu ergänzenden Informationen. Hilfreich ist auch der Verweis zu einer Internetseite, die das jeweils angesprochene Werk musikalisch darbietet. In diesem Zusammenhang das einzige kleine Manko des Buches: es fehlen detaillierte Seitenangaben zu den ausführlicher besprochenen Werken, die man im Nachhinein nur schwer wieder findet.
Insgesamt: LESENSWERT!
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am 12. September 2014
Detailreich, tief und sehr gut lesbar geschrieben. Eine wunderbare Synthese aus Fachbuch und biographischem Roman über die moderne Musik. Die Einbettung in den kulturellen und poltischen Kontext des 20. Jahrhunderts ist exzellent.
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am 21. März 2015
Kenntnisreich, geschmeidig geschrieben, reich an Hintergrundinfos und nachvollziehbaren Bewertungen, Einschätzungen, Verortungen - Alex Ross' "The Rest is Noise" ist eine der besten Einführungen in die neue (symphonische) Musik des 20. Jahrhunderts, und zugleich ein kompetenter Navigator durch die vielen Welten moderner Musik. Unverzichtbar für Adepten und geübte Hörer gleichermaßen.

Das Buch macht Lust, neue Abenteuer in den diversen Welten der Gegenwartsmusik zu erleben.

Open your mind - and your ears.
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TOP 1000 REZENSENTam 29. November 2014
»Wenn ich von zwei Übeln das geringere wählen soll, wähle ich keines«: Wer hier Karl Kraus zitiert, ist Alex Ross, ein im Jahr 1968 geborener Musikkritiker des »New Yorker«, und er schreibt das in seinem ersten (!) Buch, das sich als ein wahrlich stupendes, inzwischen in 15 Ländern veröffentlichtes Debüt entpuppt. Das Buch ist also ein enormer Erfolg, den sich alle Kulturpessimisten hinter die Ohren schreiben sollten: Selten habe ich einen Sachbuchautor seinen »Stoff« so souverän beherrschen, so pointiert keinen Zweifel an der eigenen Meinung lassen und so dezidiert immer »das Andere« auch zu seinem Recht (mindestens: der sachlichen Darstellung) kommen lassen erlebt, wie hier. Offenbar kongenial übersetzt von Ingo Herzke, breitet Ross hier ein Panorama des 20. Jahrhunderts aus, das es – so – meines Erachtens noch nicht gegeben hat. Für jeden, der sich für Geschichte UND Musik gleichermaßen interessiert, ist das eine enorme Fundgrube – und dabei auch noch das reinste Lesevergnügen. Letzteres widerlegt übrigens ein (ebenfalls in diesem Buch zitiertes) Bonmot von Arnold Schoenberg, wonach Kunst nicht für alle und das, was für alle, keine Kunst sei: DAS hier IST KUNST und zwar FÜR ALLE!
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am 13. Februar 2013
"Das 20. Jahrhundert hören" lautet der Untertitel - und Ein Meilenstein in der Geschichte der modernen Musik" die Überschrift der U4 dieser Taschenbuch-Ausgabe. Sie bezieht sich auf das gebundene Original von Piper aus dem Jahr 2009, das englische Original stammt aus dem Jahr 2007. Doch ist dieses naturgemäß so neu" wie aktuell wie damals: Es endet mit dem Jahr 2000 - und dehnt über die besprochenen Personen seine Betrachtung zugleich nach hinten wie nach vorne aus. Weit mehr als ein Jahrhundert wird hier also betrachtet, genauer: Das Ohr an die Musik gelegt, wirklich höchst lesbar, auch für mich als Klassik-Freund, frei von jeglicher Professionalität. Und mit hehrem Anspruch: The Rest is noise" (angelehnt an the rest is silence" als letzte Worte von Prinz Hamlet bei Shakespeare) sagt ganz klar aus: Was ich hier verschweige, an Klassischer wie Neuer Musik, das ist keine, vielmehr nur Geräusch. Bei fast 700 Seiten Umfang (inkl. umfangreicher, hilfreicher Register) klingt das durchaus glaubhaft. So kann dieses Füllhorn an Besprochenem die wahre Quelle für jeden sein, der sich über das orientieren möchte, was im 20. Jahrhundert Klang, Rang und Namen hatte! Schön die Zusammenfassung dessen erster Hälfte zum Einstimmen in Schöne neue Welt - Der Kalte Krieg und die Avantgarde der Fünfziger" (S. 394ff.): Das Jahrhundert begann mit der Mystik der Revolution, mit den verstörenden Harmonien und welterschütternden Rhythmen von Schoenberg und Strawinsky. Schon in den Zwanzigern war der Prozess der Politisierung in vollem Gange, als Komponisten darum wetteiferten, den wechselnden Trends vorauszueilen, und sich gegenseitig vorwarfen, regressive Tendenzen zu vertreten. In den Dreißigern und Vierzigern wurde die gesamte romantische Tradition praktisch von den totalitären Regimes annektiert. Doch nichts davon konnte sich mit dem messen, was nach dem Ende Zweiten Weltkrieges und mit dem Beginn des Kalten Krieges geschah. Die Musikwelt explodierte zu einem Tohuwabohu von Revolutionen, Konterrevolutionen, Theorien, Polemiken, Allianzen und Parteiungen. Die Sprache der musikalischen Moderne wurde praktisch jedes Jahr neu erfunden: Zwölftonmusik wich der seriellen Musik", diese wiederum der Aleatorik, diese einer Musik frei flottierender Klangfarben, diese neodadaistischen Happenings und Collagen und so weiter und so fort." Womit Leser zugleich ins neue Kapitel (= Unter-Zeitalter) eingeführt wird ... Dargestellt auch anhand der Lebens- und Werksgeschichte handelnder Personen, durchaus wieder kehrend in verschiedenen Umgebungen, teils durch lange Zeit im 20. Jahrhundert wirkend. Wer mit wem und gegen wen und wo, beeinflusst durch politisches Geschehen, teils gezwungen zum Tun gegen die eigene (Musiker-)Natur: Spannend und zugleich unterhaltsam, ergo: entspannend! Mit vielen, sehr vielen Hintergrund-Informationen, die für mich - ich gestehe es: Musik-Hobbyist, keineswegs Fachmann! - in höchstem Maße neu waren, etwa die Rolle jener Stadt, in der ich einige Jahre als Interim-Manager tätig war - und die ich zwar als Wissenschafts- und Kunst-Stadt wahrgenommen habe (siehe Jugendstil), doch kaum als eine der Musik: Hinter Darmstadts hypermoderner Fassade lauerten einige durch und durch traditionelle Obsessionen des 20. Oder gar 19. Jahrhunderts: der revolutionäre Impuls, der Drang, die bürgerliche Ordnung zu zerstören, das uralte Sehnen nach Erhabenheit und Transzendenz." (S. 438) Oder musikalische Entwicklungen jenseits jeglichen Wahrnehmens: Zu diesem Zweck ersann Partch eine Tonleiter, welche die Oktave nicht in zwölf, sondern in 43 Töne aufteilte. Existierende Instrumente konnten solche mikrotonalen Schattierungen nicht wiedergeben, also erfand Partch seine eigenen." (S. 529) Wunderbar die Hör- und Lesevorschläge", die der Autor seinen Lesern mitgibt (S. 600ff.): Anregungen, sich zu vertiefen in Tonales wie auch Verbales. Viel Lese- und Hör-Vergnügen wünsche ich Ihnen! -
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am 5. November 2014
Alex Ross macht das Zwanzigste Jahrhundert in der Musik erlesbar. Die Geschichte und die Musik des Zwanzigsten Jahrhunderts werden lebendig, nehmen Beziehung auf. Immer wieder nimmt man Zugriff zur eigenen Musikbibliothek, um das Gelesene musikalisch nachzuvollziehen. Man wird neugierig auf noch nicht Bekanntes, lernt, begreift. Ein spannender Vorgang, den ich so beim Lesen selten erlebte: Immer im Kontakt mit dem Autor ( im Internet und mit dem Buch ), mit dem Komponisten beim Hören und mit sich selbst beim Durchdringen des Gelesenen und Gehörten. Herrlich !
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am 19. Januar 2011
Einfach nur grandios, wie es Alex Ross gelingt komplizierteste Zusammenhänge zu erläutern, ohne dass es an Unterhaltung und Witz fehlt. Trotzdem vereinfacht er nichts. Für mich eines der besten Bücher über Musikgeschichte, hinterher ist man wesentlich klüger und hat Lust bekommen, neue Werke zu entdecken!!!
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