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Tanz mit Kindern: Erziehung zu Toleranz und Respekt durch Kreativität und Körperbewußtsein Taschenbuch – 3. September 2012


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Produktinformation

Produktbeschreibungen

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Dr. D. Kappert arbeitet als niedergelassener Psychotherapeut in eigener Praxis in Essen. Er hat seit 1985 einen Ansatz entwickelt, professionelle Trainings aus Tanz und Empfindungsschulung in ein Konzept humanistischer Psychologie zu integrieren. Damit entstehen sowohl ein tiefgreifender persönlicher Wachstumsimpuls (Selbstheilung), als auch eine spezielle tänzerisch/künstlerische Entwicklung.
Dieser Ansatz „Tanz zwischen Kunst und Therapie“ gilt als führender Ansatz ästhetischer Bildung durch den Körper und wird seit 1991 in mehr als 26 Gruppen auf nationaler Ebene in Deutschland, Polen, der Schweiz, Österreich, Spanien, Ekuador und Frankreich unterrichtet (1-2 jährige berufsbegleitende Weiterbildungen zur Lehrerin für Tanzimprovisation, Tanztheater und Körpersymbolik).
Nach dem Studium von Psychologie, Sozialwissenschaften und Tanz in Deutschland, den USA und Haiti promovierte Kappert über die Verbindung von Tanztraining, künstlerischem Ausdruck und persönlicher Entwicklung, leitet das Institut für Tanz- und Bewegungsdynamik, ist Vorsitzender von Aisthetike e.V Verein zur Förderung von „Toleranz, und Völkerverständigung durch Kunst, Kultur und Wissenschaft“ und veröffentlichte zahlreiche Bücher, Lehrvideos und CDs. Er unterrichtete seinen Ansatz als Dozent am Sportinstitut und dem Institut für Freizeit- und Familienpädagogik der Universität Göttingen, in einem zertifizierten Studiengang auf nationaler Ebene für Physiotherapeuten, Psychologen und Psychiater der Union Francaise pour le Sport Adapté, als Gastprofessor der Universitas Sportiva Guyaquil (Ecuador), als Gastprofessor der Universitas de Las Palmas Gran Canaria, als bundeszentrale Weiterbildung des deutschen paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Frankfurt, als Dozentenweiterbildung der Krankengymnastikschule der Universität Göttingen und für viele andere Gruppen. Dieser Ansatz wurde in Ländern wie Ecuador, Frankreich und Deutschland für sehr unterschiedliche Zielgruppen wie z.B. studentische Seminare, Strafgefangene, professionelle Tänzer, Senioren auf Kreuzfahrtschiffen angeboten und ist sowohl praktisch erfolgreich, als auch wissenschaftlich fundiert (Promotion) und anerkannt (Kongresse).Dies wird ausführlich in der Literatur dokumentiert und kommentiert.
Bücher:

Tanztraining, Empfindungsschulung und persönliche Entwicklung,
Tanz mit Kindern;
Selbstcoaching;
Tanz zwischen Kunst und Therapie;
Kleines Handbuch für den Unterricht in Tanztheater, Tanzimprovisation und Körpersymbolik;
Archetypen, Innere Bilder und Körpersymbolik Lehrvideos:

Tanzimprovisation als Alltagskunst (TIA)
Experimentelles Tanztheater (EXTATHE)
Körpersymbolik, innere Bilder und Bewußtheit (KÖSYBE)
Homepages:

www.tanzimprovisation.de
www.opensocietydance.org
www.kreativepotentiale.de

Neuere berufliche Entwicklung:

1999 Leiter und Koordinator für Wissenschaft und Verantwortlicher für den Tanzbereich des MUS-E (Multikulturelles und soziales Schulprojekt für Europa) der Yehudi Menuhin Stiftung.
2003 -Durchführung 1-jähriger Ausbildungsgruppen „Soziales Lernen durch den Körper“ in Deutschland und Polen auf nationaler Ebene.
2003 -Hauptvortrag, Unterrichtsdemonstration und Workshops auf dem Internationalen Tanztheaterfestival „Biennale“ in Poznan
2003 Vortrag auf dem Europa Kongreß in Montecattini Terme „Diversity Education and citizenship“ über das ETNA (Education to Tolerance through a non verbal approach; weltweites Forschungsprojekt über die Möglichkeiten von Tanz, kreative Entwicklungen und die Arbeit mit universellen Bewegungsarchetypen für Toleranz und Kooperation zu nutzen)
2004- Vortrag auf der OSZE Tagung in Wien über „Implementation of Human Rights“
2004- Vortrag und Unterrichtsdemonstration auf der ACODDEN (A Classroom of Different Didactics) Konferenz in Brüssel über die Rolle, von Tanz für die Persönlichkeitsentwicklung in Schulen.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Prolog: 1: Raum, 1A-2F

EINFÜHRUNG:

Vom tänzerischen her ist das Thema „Raum” für Kinder dieses Alters sowohl eine große Herausforderung, als auch eine enorme Chance. Erst - und Zweitklässler haben noch keinen Überblick über den Raum, wie besonders von den Ballsportarten her bekannt ist. Alle rennen dahin, wo der Ball gerade ist. Das entspricht einer spontanen und dynamischen aber auch noch sehr unreifen und egozentrischen Sichtweise. Lernen die Kinder tatsächlich, den Raum und die Raum- Zeitstruktur nicht nur spontan-subjektiv, sondern mit einer über ihre eigene Person hinausreichenden Aufmerksamkeit wahrzunehmen und zu nutzen, so haben sie einen gewaltigen Wahrnehmungsschritt gemacht (vergl. auch Piaget et. al.).
Dieser persönliche Entwicklungssprung ermöglicht vor allem auch eine kleine sozialpädagogische und gruppenpsychologische Revolution: Eine bestimmte Aufmerksamkeit auch für die Wege und Absichten der anderen zu haben und gleichzeitig den eigenen Weg zu gehen und sich authentisch zu verhalten, bedeutet eine Emanzipation gegenüber dem in Kindergruppen großen sozialen Gruppendruck und eine Neubestimmung innerhalb der Faktoren Feldabhängigkeit/ -unabhängigkeit. Die Arbeit mit dem Thema Raum ist außerdem tänzerisch eine wesentliche Vorarbeit für alle anderen Themen wie Form, Dynamik, Impuls, Fluß und Gewicht

Die TIA- Übungskonzeption: PRAXIS und ERLÄUTERUNG
Stunde: 1A
Thema: Raum (Persönlicher und öffentlicher Raum)
Medium: Empfindungsschulung

1) Ein Kind frottiert den Rücken eines anderen Kindes. Das geht dann mit geschlossenen Augen rückwärts, wobei es von dem Kind, das vorher massiert wurde, beschützt wird. Es ist wichtig, dabei eine entspannte Atmosphäre zu schaffen. Vielleicht sollten die „blinden” Kinder Augenbinden haben. Besonders sollte man darauf achten, daß nicht geredet wird. Die „blinden” Kinder sollen nicht durch den Raum kaspern und überall anstoßen, sondern so gehen, als ob sie Augen im Rücken hätten. Am Ende kommt ein freies Tanzen im Raum, wobei das beschützende Kind aufpaßt. (Cassandra Wilson)
ad 1 Die Kinder können Vertrauen zueinander, zum Raum und ihrer eigenen Sensibilität aufbauen. Es ist wichtig, die Übung so durchzuführen, daß von Anfang an eine Sensibilität als Grundeinstellung da ist, die sich auch auf alle weiteren Stunden auswirkt. (mit Rollenwechsel 20-30 Min)
2) Einzeln gehen die Kinder ihren Weg, werden schneller und versuchen,
dabei ihren Weg zwischen den anderen zu finden. (indische Musik)
ad 2 Die Kinder erleben bewußter als sonst ihr Raumverhalten und das der
anderen. (5 Min)
3) Jedes Kind sucht sich seinen eigenen Platz, auf dem es stehen will
(indische Musik)
4) Die Kinder stellen sich so hin, als ob sie über einen dicken Petziball
herum die Arme gelegt hätten und schaffen so vor sich einen Innenraum.
(Zen Musik)
ad 3/4Das Schaffen des eigenen Raumes hat nach dem schnellen Gehen mit dem Erlebnis des engen Raumes eine besondere Bedeutung. Die Kinder können sich darin zu Hause fühlen, etwas Eigenes haben. (5 Min)
5) Mit diesem Raumgefühl und am Anfang auch mit dieser Form sollen
die Kinder im Raum gehen, dann schließlich schneller werden, dann noch schneller. (Zen, Pinguin Orch.,
Beethovens Romanze, Haydn)
ad 5 Die Kinder behalten gewöhnlich dieses Gefühl eines persönlichen Raumes um sich herum bei und verhalten sich auch gegenseitig entsprechend. Das wird natürlich schwieriger, wenn die Musik schneller wird, aber auch dabei gibt es
einen für Betrachter und die Kinder selbst deutlich wahrnehmbaren
Unterschied zu Übung „2”. (5 Min)
6) Die nächste Übung bringt nun einen radikalen Wechsel: Die Kinder
sollen auf Linien gehen. Wenn sie ein anderes Kind treffen, was ja oft geschieht tippen sie es an und/oder schütteln ihm die Hand zu einer schnellen und lustigen Musik (D.D. Israelites)
ad 6 Jetzt wird der persönliche Raum tatsächlich aufgelöst. Das geschieht aber nach den Vorübungen durchaus mit Respekt und durch das Setting in einer lockeren eher lustigen Art und Weise. (3-4 Min)


Stunde: 1B
Thema: Raum (Enge, Schutz, Nähe, Gemeinsamkeit)
Medium: Empfindungsschulung und Atempädagogik

1) Die Kinder rubbeln sich selbst ab (Jean Chouchuche)
ad 1) So kommen die Kinder gut in Kontakt mit sich und ihrem Körper
und bauen die Spannung der vorherigen Schulstunden ab. (5 Min)
2) Jedes Kind sucht sich ein anderes Kind als Partner. Sie setzen sich dann so hin, daß eines hinter dem anderen sitzt. Jetzt umklammert das hintere Kind das vordere so, daß es nicht schmerzhaft ist oder in einen Kampf ausartet, aber das vordere Kind sich gehalten fühlt. Endlich hält es das vordere Kind sanft.
(Meditationsmusik)
ad 2 Die Kinder können etwas sehr wichtiges über sich und die anderen Kinder erfahren: Was ist Nähe, was ist Enge, wie empfinde ich direkten Körperkontakt? Fühle ich mich nur dann sicher, wenn ich feste gehalten (geklammert) werde? Oder fühle ich mich eingeengt und festgehalten? Ist es schön, wenn mich jemand nur sanft von hinten hält, oder brauche ich handfestes?
(2 X 10 Min)
3) In der nächsten Übung passiert Action. Die Kinder teilen sich in Gruppen à 6-7 Kinder und rennen entweder ganz schnell oder rubbeln sich, wenn sie jemanden treffen und Lust haben, zu zweit oder in einer kleinen Gruppe ab. Dann bringen sie die Energie wieder durch Rennen in den Raum.
(afrikanisches Trommeln
und Singen )
ad 3 Die vorige Übung kann durch ihre Intimität Spannung erzeugen. Hier ist eine gute Gelegenheit, diese in Bewegungsenergie umzusetzen. Außerdem kann eine neue Erfahrung gemacht werden. Energie und selbstverständlicher Kontakt sind, wenn freundlich gemeint auch in einer heftigen Form den meisten angenehm.
(10 Min)
4) Danach lassen sich die Kinder Zeit, um zu verschnaufen und ruhig zu werden für eine Atembehandlung. Ein Kind liegt dabei auf dem Rücken. Ein anderes Kind hält als Partner des ersten dessen Hand und beobachtet seinen Atem. Wenn das liegende Kind ruhig atmet, hebt das andere Kind dessen Hand immer etwas an, wenn das liegende Kind einatmet. Atmet es aus, läßt es die Hand wieder sinken. Es ist wichtig, daß die Kinder diese Übung sensibel, vorsichtig und behutsam machen.
(Stille oder
Meditationsmusik)


ad 4 Die Atembehandlung hat nur indirekt mit dem Thema Raum zu tun. Die Kinder lernen vor allem, genau aufeinander zu achten. Es kann für sie eine regelrechte Erleichterung sein, eine Chance zu haben, in einer konkreten Aufgabe auf sensible Art miteinander umzugehen. Das Kind, das behandelt wird, kann sich richtig entspannen, was für viele Kinder auch im ersten Schuljahr schon ein wichtiges Thema ist. Das andere hat die Gelegenheit, nicht nur im gewöhnlichen Zyklus der Eskalation von lauter und immer lauter zu agieren, sondern ruhig und behutsam zu sein. Auf dieser Ebene hat die Übung dann doch mit dem Thema Raum zu tun: Die Kinder entdecken einen gemeinsamen Raum, und ihr Körper merkt sich diese Möglichkeit der Ruhe und Meditation. (2 X 10 Min)

Prolog 2 A-F: Klarheit, Mut, Entscheidungsfähigkeit, Selbstbewußtsein

TIA Gehen und Klarheit
ELEMENTE: Klarheit, Entscheidung, Unabhängigkeit
EINFÜHRUNG: In dieser Stunde geht es für die Kinder darum, klar und entschieden mit Raum und Zeit umgehen zu lernen.
Die Grundlage bildet das Gehen auf geraden Linien. Das macht den Kindern Spaß. Allerdings sollen sie nach einiger Zeit üben, immer eine Zeit geradeaus zu gehen und dann eine Entscheidung über Ort und Richtung der Drehung zu fällen. Das hat an sich eine ziemliche Bedeutung, da es eine erhebliche Klarheit und Voraussicht benötigt. Viele Menschen haben auch als Erwachsene auf dieser Ebene Probleme mit Klarheit und Entscheidung.
In dem Augenblick, wo auch andere Kinder im gleichen Raum mit...

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