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am 12. April 2014
Ein Buch, an dem sich die Geister scheiden: verrissen in der FAZ (von Elke Heidenreich), bejubelt in Leitmedien wie SZ und ZEIT. Wahr ist: Alles, was Heidenreich kritisiert, trifft zu: Fritz J. Raddatz ist reich (drei Wohnsitze, millionenschwere Kunstsammlung), klagt aber ständig über Geldsorgen; er ist für sein Alter erstaunlich fit, hat aber schon mit 50 sein Grab gekauft und klagt ständig über seine Gesundheit; und er ist tödlich beleidigt, als ihn, den über 80-Jährigen, ein anderer Mann im Schwimmbad fragt: „Was haben Sie früher mal beruflich gemacht!“ Natürlich will er noch mitmischen, noch Nabel der Kulturwelt sein. Und die anderen Menschen, ob Leseveranstalter, Redakteure oder sein Lebenspartner, können es ihm nur selten rechtmachen. Die Gastgeschenke sind zu klein, die Aufmerksamkeit für seine Arbeit ist zu gering, und wenn alles andere mal ausnahmsweise stimmt, dann sitzen die Jacketts zu schlecht oder jemand weiß seine geliebten Messerbänkchen nicht zu würdigen.

Aber gerade diese hemmungslose Subjektivität der Schilderung macht die Tagebücher zu einem süß-sauren Lesegenuss. Raddatz – mutterlos aufgewachsen, misshandelt als Kind – ist nicht nur ein großer Intellektueller, er ist ein Hochsensibler, der die Welt wie durch eine Lupe sieht, jede kleine Kränkung, jeden Stilbruch in übertriebener Größe wahrnimmt. Wie die Dinge auf ihn wirken, so ist seine Wirklichkeit: schneller, greller, deutlicher als bei anderen – auch deutlich schmerzhafter.

Dieses Tagebuch ist herrlich subjektiv, herrlich ungerecht, herrlich arrogant. Als Leser schaut man in einen Kopf, groß wie ein Fußballstadion, und sieht, wie die Gedankenbälle dort virtuos jongliert, leichtfertig vertändelt und oft auch ins Tor geschossen werden. Dabei kritisiert Raddatz nicht nur die Welt um ihn herum, nicht nur Redaktionen, die mit ihrem Honorar warten lassen, nicht nur seinen Lebensgefährten Gerd, der sich zu wenig für seine Arbeit interessiert, nicht nur den Kulturbetrieb, den er als verkommen wahrnimmt – sondern er kritisiert, verspottet, karikiert vor allem sich selbst, am Ende sogar als „Leiche im Maßanzug“. Passagen voller Bitterkeit werden durch diese Selbstironie aufgehellt.

Was Fritz J. Raddatz über den Literaturbetrieb schreibt, über den Irakkrieg der Amerikaner und erst recht über befreundete Literaten wie Grass, Hochhuth und Rühmkorf, hat man so dicht, so klug, so subjektiv noch nirgendwo gelesen. Je tiefer man in diese Tagebücher eintaucht, desto mehr sieht man die Welt durch die Brille des Fritz J. Raddatz. Eine Gedankenreise, die sich lohnt. Ein Buch, das ich sehr empfehlen kann.
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am 22. März 2014
Der zweite Teil der Curb your-enthusiasm-Fritz J.Raddatz-Tagebücher bei Rowohlt: Wie er zuhause auf Sylt in Unkenntnis/in einem Wutanfall die Tür aufreißt und halloweenende Kinder hysterisch anschreit, und sich dann aus Kummer darüber betrinkt; wie er keinen Dank für Laudationen erhält; wie ein Autor keine Espressomaschine hat; wie ein Autor kein schönes Essgeschirr hat; wie die Soßen in Paris wie die in Schlesien auf dem Bauernhof sind; wie er keine Lust hat, bei Autoren mitzuplotten, denen nichts einfällt; wie er auf einer Party eines Autors die Fotos eines 8 Tage alten Babys ausgiebig bewundern muss; wie vom Nouvel Observateur 2002 die Anfrage kommt, ob es zu seinem Tucholsky-Essay Zeitzeugen gäbe (die das Jahr 1924 beträfen); seine Angst, zu lang zu leben (falls das Geld nicht reicht); seine Angst, zu kurz zu leben (weils doch eigentlich schön ist); sein Leiden an dem Balzac'schen Satz "aus den Locken seiner blonden Perücke sprach Menschenliebe"; die eineinhalb-stündige Grass-Gedichte-Lesung ("Man darf über alles reden, aber nicht mehr als eine Stunde"); wie Autoren Autogrammkarten verschicken wie Popstars; wie Autoren faksimilierte Gesichtpostkarten verschicken wie Popstars; die drei Mal hintereinander erzählten, uralten Geschichten; der Vorwurf seiner Lektorin, er liebe sein kognitives Selbst nicht (er weiß nicht, was das ist); die Lebenserinnerungen der anderen als ein "Mensch ärgere dich"; die Schar der Freunde, die sich alle nichts zu sagen haben; die Pseudoanrufe; die keinen Anrufe usw. usf.: Ja, da schleppt und quält sich einer unermüdlich durch den Literaturbetrieb seiner Zeit. Aber das Gute am Kritiker Raddatz ist: Die Idioten sind nicht immer nur die Anderen. Und deswegen kann man sich prächtig mit ihm amüsieren. Raddatz ist - bei aller Verzweiflung und Melancholie - auch immer sehr komisch und obendrein immer ein genauer Beobachter. Ob er dabei nun die Berühmtheiten des Literaturbetriebs beschreibt oder nicht, ist dabei fast egal. Mir jedenfalls. Sie haben bleibenden Wert.
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am 10. Mai 2014
Die zweite Ausgabe der Raddatz-Tagebücher - köstlich wie schon der erste Teil, wenn auch mit anderer Grundstimmung. In keinem Fall jedoch ein Buch für Humorlose.
Das Befindlichkeits- und Sittenportrait einer kleinen, überschaubaren und fast vergangenen Welt, dem deutschen Literaturbetrieb von 2001 bis 2012, dessen Protagonisten sich im Laufe der beschriebenen Jahre des Öfteren vom Leben verabschieden. Deshalb auch die veränderte Grundstimmung, Nachdenkliches und Tiefgehendes über die Vergänglichkeit des Lebens und der Dinge, Trauer und Nostalgie ob bestimmter Verluste und die Frage nach der Qualität der eigenen, noch verbleibenden Zeit. Einerseits.
Andererseits die schonungslose, subjektive, namentliche und sehr ironische Beschreibung der im Literaturzirkus vorherrschenden allgemeinen Eitelkeiten. Da trifft es jeden, in unterschiedlicher Ausprägung. Mag sein, dass ein paar Retourkutschen ob vergangener Kränkungen verschickt wurden, macht aber nichts. Die feine Ironie und Ausdrucksweise macht alles wett, es ist einfach ein herrliches Lesevergnügen. Raddatz ist ein hochsensibler Intellektueller, der haarscharf reflektiert und analysiert, wobei er das Beobachtete immer an seiner eigenen Empfindung/Empfindlichkeit misst. Diese Subjektivität wird durch die permanente Kritik an der eigenen Person ausgeglichen, er nimmt sich ständig selbst auf die Schippe und ironisiert über seine eigenen Macken (dass Grass sich liebevoll über sein elegantes Pillendöschen mokiert, dass er nur noch ein Ersatzteillager im Maßanzug ist, über seine "Dingabhängigkeit", über sein ständiges "Gekränktsein" bei Nichtbeachtung von seinerseits nett gemeinten Gesten, über sein Jammern auf sehr hohem Niveau, usw.). Insofern auch ein mutiges Buch, in dem er sich öffnet und Angriffsfläche bietet.
Das alles auf einem hohen, sehr eigenen Sprachniveau, stilvoll, schnell und spannend.
Ich habe es jedenfalls sehr bedauert, dass das Buch irgendwann zu Ende war, ich hätte gerne mehr gelesen.
(Kleine Bemerkung am Rande: In den wenigen Begriffen/Anmerkungen in französischer Sprache haben sich an einigen Stellen kleine Schreibfehler eingeschlichen.)
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am 18. April 2014
Wunderbare Selbstdarstellung von R. in tagebuchform, die ausgesprochen amüsiert und Spaß beim Lesen bringt, Kann jedem empfohlen werden, der sich und andere nicht zu ernst nimmt
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am 21. September 2016
Die beiden Tagebuchbände von Raddatz bieten Klatsch und Tratsch vom Feinsten.
Die "alte" Bonner Republik wird in feinen und groben Millieustudien genauso abgebildet wie die entstehende Berliner Republik.
Tucholsky, Raddatz war der Herausgeber der Werke des großen Publizisten mit dessen Frau Mary, Grass, Wunderlich, Gabriele Henkel
und Hildegard Knef finden Eingang in den persönlichen Kosmos von Fritz J.Raddatz ; die Wendezeit, "Die Zeit" , der Rowohlt- Verlag , ALLES findet Platz zwischen den Buchdeckeln dieser beiden Bände..
Ein köstliches Lesevergnügen , als Nachttischlektüre UNBEDINGT zu empfehlen.
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am 12. März 2014
F. J. Raddatz besitzt, trotz seines betagten Alters, immer noch einen hellwachen Verstand und ist nach wie vor ein messerscharfer Kritiker.
In dem nun erschienenen Folgeband (Tagebücher 2002-2012) seiner Tagebücher (1982-2001) geht er ab und an recht rabiat gegen ehemalige Kollegen und Weggefährten vor, bemängelt den aktuellen Kulturbetrieb und polemisiert fleißig in alle Richtungen.
Parallel dazu zelebriert er den Abgesang ans Leben und jammert auf hohem Niveau.
Gerade Letzteres ist es, was in den Tagebüchern hintenraus anstrengend wird und nervt.
Auch wenn seine Klagen durchaus Anflüge von Selbstironie besitzten, praktiziert er doch genau das, was er auf vielen Seiten anderen vorwirft. Selbstgefälligkeit, Überheblichkeit und die Sucht nach Anerkennung.
Sicherlich kann man ihm auch beipflichten, dass Stil und Niveau in unserer Gesellschaft immer mehr verkommt, aber hat Raddatz es wirklich so nötig, sich (mit 82 Jahren) ständig als distinguierter Ästhet zu präsentieren?!
So brilliant Raddatz immer noch formulieren kann und man sich seitenlang köstlich amüsiert, hätte ich mir doch mehr Souveränität gewünscht. Schade, dass ein so geistreicher Kopf im hohen Alter nicht mehr Distanz zu eitlen und narzisstischen Bedürfnissen aufbauen, auf ein erfülltes Leben zurückblicken und mehr in sich ruhen kann.
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am 26. Februar 2015
schreibt Volker Weidermann heute (26. Februar 2015) in der FAZ zum Tode dieses einmaligen Mannes.
Es gibt Lebensberichte und es gibt Lebenserlebnisse und Fritz Raddatz hat stets sein Leben erlebt und aufwendig gestaltet.
Ein beeindruckender Mann und er hinterläßt ein beeindruckendes Werk und einen traurigen Leser wie mich....
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am 18. März 2015
Lesenswert!
Man soll sich schnelle Urteile ersparen. Bei der ersten Aufmerksamkeit auf seine Tagebücher dachte ich: brauche ich das wirklich, die Memoiren dieses Paradiesvogels und eitlen Pfaus, der vermutlich neue Dimensionen des Promiklatsches eröffnet und im übrigen mit den vergangenen Zeiten hadert und die nachlassende Stärke seiner Erektionen betrauert wie das unter alternden Schriftstellern so üblich ist ? Dann hat die Neugier gesiegt und ich habe sie doch erworben bzw. heruntergelanden. Und es nicht bereut. Es ist genau die richtige Mischung aus beißender Kritik und Insiderindiskretionen einerseits und wirklich souveräner, abgklärter und alles andere als eitler Selbstreflexion. Es ist berührend, eine moderne "Vanitas".Variation, für die es weiß Gott genügend Anlass gibt. Dabei aber nicht larmoyant. Humorvoll könnte man sagen. Voller melancholischem Charme - das trifft es wahrscheinlich besser und würde auch ihm besser gefallen.
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am 30. Oktober 2016
Wunderbar, den klugen und sprachmächtigen Giftzahn in seinen Erinnerungen zu lesen, namedropping und Indiskretionen inklusive. Sehr
imposant, interessant, lehrreich und unterhaltsam. Ein Vergnügen, wenn frau Zeit hat.
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am 14. August 2015
Anrührendes Selbstzeugnis, wie jemand langsam aus der eigenen Zeit fällt, die er in einer bizarren Blase mit Menschen verbracht hat, die er oft nur mit bösem Blick erkennen kann.
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