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Täter: Wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden (Die Zeit des Nationalsozialismus) Taschenbuch – 1. September 2007
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Harald Welzer
(Autor)
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Seitenzahl der Print-Ausgabe336 Seiten
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SpracheDeutsch
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HerausgeberFISCHER Taschenbuch
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Erscheinungstermin1. September 2007
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Abmessungen12.5 x 1.74 x 19 cm
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ISBN-109783596167326
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ISBN-13978-3596167326
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Produktinformation
- ASIN : 3596167329
- Herausgeber : FISCHER Taschenbuch; 8. Edition (1. September 2007)
- Sprache : Deutsch
- Taschenbuch : 336 Seiten
- ISBN-10 : 9783596167326
- ISBN-13 : 978-3596167326
- Abmessungen : 12.5 x 1.74 x 19 cm
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Produktbeschreibungen
Über den Autor und weitere Mitwirkende
Harald Welzer, geboren 1958, ist Direktor von Futurzwei – Stiftung Zukunftsfähigkeit und Professor für Transformationsdesign an der Universität Flensburg. Daneben lehrt er an der Universität St. Gallen. In den Fischer Verlagen sind von ihm erschienen: ›»Opa war kein Nazi«. Nationalsozialismus und Holocaust im Familiengedächtnis‹ (zus. mit S. Moller und K. Tschuggnall, 2002), ›Täter. Wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden‹ (2005), ›Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben‹ (zus. mit Sönke Neitzel, 2011), der ›FUTURZWEI-Zukunftsalmanach 2017/18‹ (2016), ›Selbst denken‹ (2013), ›Autonomie. Eine Verteidigung‹ (zus. mit Michael Pauen, 2015), ›Die smarte Diktatur. Ein Angriff auf unsere Freiheit‹ (2016), ›Wir sind die Mehrheit. Für eine offene Gesellschaft‹ (2017) und zuletzt ›Alles könnte anders sein. Eine Gesellschaftsutopie für freie Menschen‹. Seine Bücher sind in 21 Ländern erschienen.
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Ich (Jg.70) beschäftige mich seit Jahren mit der Frage, wie ich wohl in dieser Zeit - in diesem "Referenzrahmen" - gehandelt, gedacht oder gefühlt hätte und komme immer wieder zu der schrecklichen Erkenntnis, dass wohl auch ich mich, der ich mich als "normal" bezeichne", vemutlich ebenso manipulieren und verführen hätte lassen, wie viele andere Menschen in dieser Zeit, unfähig und schwach, eigene Moralvorstellungen zu vertreten und durchzusetzen, oder gar gegen den vermeintlichen Unrechtsstaat im Widerstand vorzugehen.
Die Quellenlage ist gut fundiert, ich habe bis auf Fahrenheit431 alle schon gelesen gehabt, Polizeibataillon 101, Willi Reese, [...] und die anderen.
Welzer ist es gelungen, erst entsetzlich-beschreibend, dann als Resume LeserInnen dorthin zu führen, wo es erschreckend offenbar wird, wie Menschen durch Verschiebung ihrer moralischen Koordinatensysteme zu TäterInnen werden können.
Dieses Buch sollte Pflichtlektüre in entsprechenden Kursen unserer Schulen sein, es geht nicht um wohlfeile Schuldzuweisungen, sondern um sozialpsychologische Erkenntnis, es geht unterm Strich um Vorsorge, darum, sich selber zu erkennen, bevor man selber im passenden Umfeld zu/r TäterIn werden kann.
Gerade aktuell haben sich in Mediendiskussionen gedankliche Konzepte von "Täterpersönlichkeiten" oder "Tätervolk" wieder sehr ins allgemeine (Moral-)bewusstsein geschoben und scheinen geeignet, als Teil einer "political-correctness" differenziertere und psychologisch tiefer gehende Konzepte zum Verständnis des "Gut und Böse" verdrängen. Die gedanklichen Kurzschlüsse, die hier oft stattfinden, erzeugen eine bedenkliche Lücke in der öffentlichen Wahrnehmung und Verarbeitung der genocidalen Vergangenheit, hier speziell der Deutschen. Diese kann tendenziell von Welzers Buch geschlossen werden.
Dass kategoriale Begrifflichkeiten wie in prozessualen Vorgängen nicht greifen und vor allem nicht helfen, das Handeln der gesellschaftlich bestimmten Menschen in Genocid-Situationen zu begreifen, und vor allem nicht helfen, künftiges zu verhindern, zeigt Welzer in seinem Buch.
Er zeigt, wie auch meine Vorrezensenten über das Buch ausgiebig beschrieben - dass es nicht mit individueller "Täter"haftigkeit, Psychopathologie , aber gerade auch nicht mit fehlender Moral zu tun hat, wenn in einer Gesellschaft, Gruppe (oder heute auch medial verbundenen "community") massenhafte Grausamkeiten bis hin zum systematischen Mord an bestimmten Gruppen zur "Normalität" wird.
Die ausgewerteten Befunde zeigen, "dass solche Personen weder krank noch einzigartig sind, sondern auch, dass wir sie heute in jedem anderen Land der Erde antreffen würden." (S.9)
"Das nun freilich ist ein bedrückender Befund - denn die Taten, die von diesen psychisch normalen Menschen begangen wurden, waren ja so anormal (...) man entwickelt fast reflexartig die Tendenz, sich von diesem Grauen abzuwenden."(S. 12).
"Es handelt sich bei kollektiven Gewalttaten in der Regel nicht um unerklärliche Eruptionen, sondern um wiederkehrende soziale Vorgänge mit einem Anfang, einem Mittelteil und einem Schluss, und diese Vorgänge werden von denkenden Menschen und nicht von Berserkern erzeugt." Das genau macht es aber auch so aktuell für unsere heutige Auseinandersetzung.
Mit seiner sozialpsychologisch angelegten Fragestellung versucht Welzer, analytisch die drei Fragen zu beantworten:
- wie haben die Täter die Situation wahrgenommen und interpretiert?,
- welche Binnenrationalität ließ i h n e n ihr Handeln sinnvoll erscheinen, und
- wie waren die(..)situativen Dynamiken, die ihrer Entscheidung zum Töten
vorausgegangen sind." (S.43).
Er kommt zu dem Schluss: das theoretische (..)Problem lässt sich so bestimmen, dass wir (..) partikulare Moralkonzepte zur Kenntnis nehmen müssen - auch dieses verpflichtet ein Individuum auf ein Handeln, das über seine eigenen Interessen (..) hinausgeht.(..)weshalb es als moralisch akzeptabel (...)erscheinen kann, bestimmte Personengruppen aus dem Geltungsbereich moralischen Handelns auszuschließen." (S.36). Dieses trifft keineswegs nur auf das sogenannte "Dritte Reich" zu, sondern kann auch in My Lai, im Irak, in Ruanda gesehen werden: bestimmten Menschen, "Personengruppen" wurde die Gültigkeit des moralischen Behandeltwerdens abgesprochen.
Wie im "Universum der allgemeinen Verbindlichkeit" - ganz schleichend, kaum bemerkbar - das als "normal" definierte zwischenmenschliche Verhalten als G a n z e s verändert wurde, wird an Sebastian Haffners Schilderung deutlich: Er wurde Zeuge, -damals selbst ein junger Gerichtsassessor- als SA-Leute das Gericht auf der Suche nach "jüdischem Personal" durchsuchen. "es lief erstaunlich unspektakulär ab". Er "hofft, es möge bald vorüber sein", da kommt eine braune Uniform auf ihn zu "sind Sie arisch? Ehe ich mich besinnen konnte, hatte ich geantwortet: 'Ja'. (...) Ich empfand, einen Augenblick zu spät, (..) die Niederlage. Ich hatte "ja" gesagt! Ich hatte nicht gelogen, ich hatte nur viel Schlimmeres geschehen lassen."
"Wir neigen dazu, etwas, das wir mit einem ambivalenten Gefühl getan haben, vor uns selbst zu legitimieren...." - Kurze Zeit später lässt Haffner es bereits in einem Gemeinschaftslager für Referendare zu, während er nationalsozialistische Lieder mitsingt, dass ein andrer Referendar einem "Femegericht" unterworfen, also gemeinschaftlich verprügelt wird." (S.60).
Welzer zeigt , dass "wir es viel zu einfach machen, wenn wir bei dem Handeln von Tätern und Täterinnen von Vernichtungsprozessen dieses Handeln schlichtweg als irrational, krank und/oder amoralisch charakterisieren." (S. 42). Wir müssten vielmehr die schleichende Veränderung der Moral verstehen, die alle gleichzeitig erfasst und in einem "Wir-Gefühl" ausgelebt wird - aus dem dann bestimmte Personengruppen ausgeschlossen sind. "Ein zentraler Mechanismus auf dem Weg zum Völkermord scheint in der Tat darin zu bestehen, dass auch Personengruppen, die ursprünglich (...) dem Universum allgemeiner Verbindlichkeit zugerechnet wurden, sukzessive aus diesem ausgeschlossen werden." (S. 37). Und an andrer Stelle schlussfolgert er: "Ohne Moral hätte sich der Massenmord nicht bewerkstelligen lassen."
Es ist also nicht das Fehlen von Moral, sondern eine Moral, die andre ausschließt, entmenschlicht, zu Un-Menschen deklariert.
Das war in Ruanda so, wo die Tutsis mit Begriffen wie "Kakerlaken" und Ähnlichem als "Tiere" gekennzeichnet wurden, das ist auch durchaus heute wieder latent zu bemerken, wenn ein medientechnisch aufgehetzter Mob wie anlässlich eines Mordverdächtigen in Emden bestimmte Menschen durch entmenschlichende Vokabeln zu "Tieren", "Schweinen" etc. plötzlich aus dem "Universum allgemeiner moralischer Verbindlichkeit ausschliesst". (Das Internet mit seinen blitzschnellen Gemeinschaftsbildungen multipliziert diese Tendenz noch): Tiere darf man töten, darf man misshandeln, darf man lynchen. Es wird nachgerade zu einem "moralischen Muss", die solchermaßen Deklarierten auszugrenzen und aus der allgemeinen moralischen Verbindlichkeit zu entfernen!
In diesem Punkt ähneln die Schlussfolgerungen, zu denen Welzer kommt, frappierend den auf ganz andrem Wege erlangten Erkenntnissen von Bert Hellinger, die er vor allem in seinen Büchern wie "Der große Konflikt" , "Rachel weint um ihre Kinder" , "Gottesgedanken" (ISBN 3-446306565) und Videos wie "der Krieg" dargestellt und in teils meditativen Texten erläutert hat.
Schlüssel für die Eskalation der Konflikte bis hin zu Krieg und Völkermord sind jeweils Ausgrenzungen, die, oft unmerklich und schleichend als metaphorische, in verbale "Entmenschlichungen" mündend, den Weg frei geben für eine massive Abwertung und moralisch konsensfähige "öffentliche Meinung":
"Plötzlich konnte das "Töten von Menschen als "gut" gelten (..), weil es dem übergeordneten Wohl der Volksgemeinschaft diente."(Welzer, S. 37). Dem vorausgegangen waren Metaphern über jüdische Menschen wie "Parasiten am deutschen Volkskörper" und eine Reihe von Schriften, mit denen diese metaphorischen Entmenschlichungen "theoretisch begründet" wurden.
Ähnliche Prozesse finden sich auch anderswo, wo ethnische Gruppen nur oberflächlich befriedet, durch eigene Politiker, Priester und Prediger miet entmenschlichenden Verbalien gegen die anderen aufgebracht werden, zum Beispiel in Ex-Jugoslawien oder Ruanda.
Das Buch "Auf leisen Sohlen ins Gehirn" von George Lakoff und E. Wehling (ISBN 978-3-89670-634-8) erläutert diesen Vorgang noch einmal anhand der Metaphernsprache von George Bush, der es mit wenigen Sätzen schaffte, alte Religions-Kriegsmetaphern wieder in die Köpfe der Menschen zu bringen und seine Kriegsabsichten damit zu rechtfertigen.
Insofern sind interessanterweise die öffentlich-mediale Benutzung und moralische Rechtfertigung von metaphorischen Worten wie "Un-Mensch", "Monster", "Tier", "Schwein, oder "Ungeheuer" Indizien dafür, wie weit eine Gesellschaft oder gesellschaftliche Gruppe sich anschickt, von einem allgemeinen moralischen Misshandlungs- und Tötungsverbot abzurücken und in den Köpfen ihrer Mitglieder die moralische Bereitschaft zu etablieren, "notfalls" auch Folter, Lynchjustiz und , ja, wenn es sein "m u s s", auch Mord, Krieg und Genocid als moralische Tat zu rechtfertigen.
In einem kürzlich im NDR gezeigten Film (meine Eltern, die Nazis und ich) wurde dem Nachkommen eines Auschwitzkommandanten Beifall geklatscht, als er vor einer Schulklasse sagte, "if I met my uncle today, I would kill him." Jubel, Beifall. Töten findet Anklang, wenn es "die Richtigen" sind, die, die "allgemein hassenswert" scheinen.
Wenn nun auch noch eine Verschiebung vom damaligen historischen Subjekt auf die heutige Nachfolgegeneration und vom damaligen historischen Objekt auf heutige - ebenso Unschuldige projiziert wird, ist der Weg frei für neue kollektive Feindbilder.
So kann sich das Recht zur Ausgrenzung und -"notfalls"- Tötung über Generationen fortpflanzen, - nun mit umgekehrten Vorzeichen.
Wenn man weiterhin den Fehler macht, den Welzer lapidar als "kategorial" im wissenschaftlichen Sinne bezeichnet: "Es ist ein kategorialer Fehler , wenn man das Handeln eines Menschen in einer gegebenen Situation auf seine ganze Persönlichkeit hin generalisiert."
Dieser "kategoriale Fehler" der Generalisierung von prozesshaftem Verhalten und Vorgängen, wird , soweit ich sehen kann, in der Medienkommunikation weiterhin täglich millionenhaft gemacht. Man nennt es verkürzend auch "Schwarz-Weiss"-Denken. Hier die Guten, dort die Bösen. Wer böse ist, muss krank sein oder ein Unmensch oder die Moral fehlt. Dass es aber g e r a d e die eigene Moral sein könnte, die die Ausgrenzung möglich macht - und für die man selbst leicht blind wird?
Schlüssel dazu ist die Erkenntnis der (linkshemisphärischen) Neigung, Prozesse und menschliche Verhaltensweisen in statische Kategorien erstarren zu lassen: Einmal Täter, immer Täter. Einmal Opfer, immer Opfer.
Mit diesem "kategorialen Fehler" finden wir somit immer von Neuem Anlass für Ausgrenzung aus dem "Universum allgemeiner moralischer Verbindlichkeit" - von Personen, von Gruppen, von Religionsgemeinschaften, von Nationen.
In dieser Hinsicht kann einem die sorgfältige Studie von Welzer vielleicht die Augen - und das Herz - für differenziertere Sicht- und Fühlweisen öffnen.
Und warum ungeheuerliche Verbrechen von einfachen Menschen begangen werden können. Dieses Buch liefert die Erklärung und auch die Mitteln, wie man gegen steuern kann. Nur unzureichend wird dieses Werk beachtet und in den Schulen gelehrt