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Der Streik Gebundene Ausgabe – 20. Februar 2012
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- Seitenzahl der Print-Ausgabe1260 Seiten
- SpracheDeutsch
- HerausgeberJohn, Kai M.
- Erscheinungstermin20. Februar 2012
- Abmessungen15.6 x 5.5 x 22.3 cm
- ISBN-103000370943
- ISBN-13978-3000370946
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Über den Autor und weitere Mitwirkende
Produktinformation
- Herausgeber : John, Kai M. (20. Februar 2012)
- Sprache : Deutsch
- Gebundene Ausgabe : 1260 Seiten
- ISBN-10 : 3000370943
- ISBN-13 : 978-3000370946
- Abmessungen : 15.6 x 5.5 x 22.3 cm
- Amazon Bestseller-Rang: Nr. 521,840 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
- Nr. 14,916 in Klassiker (Bücher)
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Der Roman ist also eine Parabel mit philosophischer Aussage, doch weder trocken noch belehrend geschrieben (mit Ausnahme einiger zu lang geratener Reden). Vielmehr ist es Ayn Rand gelungen, eine realistische und glaubwürdige Handlung zu entwerfen, die den Leser in eine ganz erstaunliche und spannende Geschichte hineinzieht, von der der Leser oft erst hinterher bemerkt, dass sie nicht nur realistisch, sondern auch beeindruckend symbolisch ist. Neben dieser kunstvollen Konstruktion sind auch die enthaltenen Charakterstudien und Dialoge von produktiven Menschen und sozialen Dummschwätzern Perlen der Literatur.
Erstaunlich ist, wieviele Charaktere, Parolen und exemplarische Situationen aus diesem Roman man auch heute noch in seiner unmittelbaren Gegenwart wiedererkennen und selbst erleben kann. Gerade auch deshalb wird den Leser bisweilen ein unheimliches Gefühl beschleichen: In was für einer Welt lebt man eigentlich? Wie weit sind Freiheit und Vernunft bereits von sozialen Dummschwätzern untergraben worden?
Zu den Dingen, die Ayn Rand zweifelsohne richtig erkannt hat, gehören:
* Vernunft muss über allem walten. Nur mit ihr können wir unser Universum geistig ordnen, d.h. verstehen, um dadurch fähig zu werden, das Universum auch physisch zu ordnen, d.h. sinnvoll in die Wirklichkeit einzugreifen.
* Die Realität muss anerkannt werden wie sie nun einmal ist.
* Man ist vollkommen selbst verantwortlich für die eigene Erkenntnis und das eigene Denken, niemand kann es einem abnehmen.
* Erkenntnis ist ein ewig fortschreitender Prozess von Irrtum und Selbstkorrektur.
* Man darf sich eine hinreichend klare Erkenntnis nicht von Relativisten als übertrieben oder überheblich ausreden lassen, sondern man muss sie festhalten.
* Die Selbstliebe, die Liebe zum Leben, ist der wahre und einzige Antrieb für Moral.
* Die Selbstachtung darf der Mensch nicht verlieren.
* Moral ist nicht zuerst das Verhalten zu anderen, sondern das Verhalten zu sich selbst. Auch auf einer einsamen Insel braucht der Mensch Moral. Das Verhalten zu anderen ist ein Ausfluss des Verhaltens zu sich selbst.
* Materieller Besitz ist der legitime Ausdruck des Geistes, der ihn erschaffen bzw. erwirtschaftet hat.
* Der Geist ist das Entscheidende, nicht das Kapital.
* Geist und Materie dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden, sie ergänzen sich und gehören zusammen.
* Der Mittelweg ist nicht immer der richtige Weg; oft gibt es gar keinen Mittelweg.
* Gerechtigkeit, nicht Barmherzigkeit, ordnet die sozialen Beziehungen in gesunder Weise.
* Liebe kommt aus Wertschätzung, und ist keineswegs antirational.
* Man kann nicht alle Menschen lieben, das ist eine Überforderung und unrealistisch.
* Alles muss einen Zweck haben, niemand sollte eine Sache nur um ihrer selbst willen tun.
Perfekt gelungen ist Ayn Rand die Zeichnung der Charaktere. Die produktiven Menschen sind stolz auf ihre Errungenschaften, und dieser Stolz treibt sie dazu an, noch besser zu werden. Sie sind wie Künstler, die innerlich dazu getrieben sind, eine Vision, die in ihnen schlummert, in einem Werk zum Ausdruck zu bringen. Sie schaffen Werte, von denen auch weniger produktive Menschen profitieren. Ihr Besitz spiegelt ihren Geist wieder. Sie sind Meister darin, ihre Ziele gegen alle auftauchenden Widerstände zu erreichen. Oft jedoch sind es praktische Menschen, die über größere Zusammenhänge nie nachgedacht haben. Deshalb akzeptieren sie das Eingreifen von sozialen Dummschwätzern in ihren Besitz und ihre Freiheit als "moralisch". Ihre Eigenschaft, Schwierigkeiten überwinden zu können, lässt sie erst spät erkennen, dass die sozialen Dummschwätzer immer mehr und immer Unmöglicheres von ihnen verlangen.
Den produktiven Menschen stehen die sozialen Dummschwätzer gegenüber: Sie machen Grundannahmen über die Welt, ohne dass sie sich dessen überhaupt bewusst sind: Dazu gehört die Vorstellung, dass der Staat unendlich viel Geld hat; dass die produktiven Menschen immer genügend motiviert sein werden, egal welchen Regeln man sie unterwirft; dass die produktiven Menschen so unendlich reich sind, dass es ihnen nichts ausmacht, noch mehr und noch mehr abzugeben. Die sozialen Dummschwätzer denken nur an die Umverteilung von Geld, nicht aber daran, wie Werte / Geld erwirtschaftet werden; wie wenn dies von selbst und immer in ausreichendem Maße geschähe. Die sozialen Dummschwätzer weichen bei Nachfragen aus, sobald man sie mit logischen Widersprüchen in ihrem Weltbild konfrontiert. Moralisch ist für sie nur das, was man für andere tut, und nur das, was Opfer fordert. Die Sorge für sich selbst zählt für sie nicht zur Moral. Religiöse Menschen weichen tieferem Nachdenken oft mit dem Verweis darauf aus, dass es wohl Gottes Wille ist, oder dass Gott ein Problem schon lösen wird, oder dass der Mensch zu klein sei, um sich an die Lösung großer Probleme zu wagen. Die intellektuellen Vordenker des sozialen Denkens neigen dazu, Vernunft und Realitätssinn zu schmähen; sie entfesseln die irrationale, neidische, gefühlsgetriebene Bestie in den Menschen. Im Extremfall kommt es zu Dikatur und Mord, bis die Sache sich nach längerer Zeit totgelaufen hat, und keine motivierten produktiven Menschen mehr übrig sind, die die Gesellschaft am Laufen halten könnten. Der Plot von "Atlas Shrugged" ist es, diesen Prozess des Niedergangs durch einen Streik der produktiven Menschen massiv zu beschleunigen, um so das Endstadium schneller zu erreichen, und den Wiederaufbau zu ermöglichen.
Kritik - Ohne Wissen Antike
Was Ayn Rand hier vorgelegt hat, ist eine Philosophie, die in vielen Punkten mit den philosophischen Errungenschaften der Antike übereinstimmt. Man denke an das Werk "De officiis" von Cicero, das Friedrich der Große einst "das beste Buch über Moral" nannte: Dort wird auch der eigene Nutzen in den Mittelpunkt gestellt, und das honestum als nützlich angesehen: D.h. das Ehrenhafte, bzw. das, wofür man geehrt werden würde, wenn es gerecht in der Welt zuginge, sprich: Die Selbstachtung. Die unbedingte Anerkennung der Realität finden wir z.B. bei den Stoikern: Secundum naturam vivere: Gemäß der Wirklichkeit leben.
Leider scheint sich Ayn Rand über diese antiken Wurzeln nicht bewusst zu sein. Sie nennt nur Aristoteles als ihren großen Vordenker, aber das ist nur einer von vielen. Dass Parmenides gemeinhin als der Philosoph angesehen wird, der die Vernunft begründete, ist ihr entgangen. Platon hingegen, das Zentrum der antiken Philosophie, wird von den Anhängern von Ayn Rand als Gegensatz zu Aristoteles und damit negativ gesehen, was vollkommen falsch ist.
Kritik - Selfmade-Philosophie ohne Potential
Auf diese Weise verliert die Philosophie von Ayn Rand an Tiefe und Anschlussfähgikeit, denn diese entsteht nur durch eine Anknüpfung an die Tradition. Ayn Rand erscheint wie eine einsame Einzelkämpferin, mit einer scheinbar originellen Idee, die aufgrund ihrer scheinbaren Alleinstellung zunächst etwas abstrus wirkt. In Wahrheit steht Ayn Rand in der größten denkerischen Tradition der Menschheit, nur wissen zu wenige davon; sie selbst vielleicht auch nicht.
Auch ist manches bei Ayn Rand einseitig oder schräg geraten, was durch eine bessere Kenntnis der antiken Denker leicht hätte korrigiert werden können. Solange die Anhänger von Ayn Rand in diesen Denkfehlern verharren, und den Anschluss an die Tradition nicht suchen, werden sie Einzelkämpfer bleiben, und keine neue Traditon begründen können.
Die Selfmade-Philosophie von Ayn Rand ist natürlich dennoch wertvoll und eine anzuerkennende, "echte" Philosophie, denn letztlich sind wir alle jeder für sich ein Selfmade-Philosoph, jeder nach seinen Möglichkeiten. Ayn Rand hat vielen Menschen zu besseren Einsichten verholfen, auch wenn sie ihr Potential nicht ausgeschöpft hat.
Kritik - Gefahr einer kollektiven Weltanschauung
Ayn Rand sagte, dass sie keine Weltanschauungsgemeinschaft gründen möchte. Doch im Grunde hat sie genau das getan. Denn ihre Bücher präsentieren eine kompakte, geschlossene Sicht der Dinge. Es werden keine offenen Fragen gestellt, es wird kein Denken angeregt, um eigene Antworten zu finden. Vor allem fehlt Ayn Rand der vielfältige Hintergrund der antiken Philosophie, der ihren Anhängern ein geistiges Umfeld hätte bieten können, um sehr individuelle Weltbilder zu entwickeln.
Tatsächlich haben sich diverse Institutionen gegründet, um die sich die Anhänger des "Objektivismus" scharen. Allein die Prägung eines Namens für eine Weltanschauung ist bereits ihre Gründung. Es gibt auch einen teils dogmatischen Streit um den wahren Objektivismus. Man muss allerdings zugute halten, dass der Individualismus im Objektivismus so stark betont ist, dass das Schlimmste hoffentlich verhindert wird.
Kritik - Schräges
Ayn Rand hätte deutlicher aussprechen müssen, dass ein unbedingter Wille zur Wahrhaftigkeit wichtig ist, und dass es Arbeit und Mühe und Selbstüberwindung kostet, diesen zu erwerben und zu halten. Die sozialen Dummschwätzer weichen nämlich bei Konfrontation mit Widersprüchen nicht einfach nur deshalb aus, weil sie irrational sind, wie Ayn Rand schreibt. Sondern sie weichen der Anerkennung der Wahrheit gerade deshalb aus, weil für sie der Glaube an das (vermeintlich) Gute stärker ist als der Glaube an die reinigende Kraft der Wahrhaftigkeit auch dort, wo es vielleicht pingelig erscheint. Die sozialen Dummschwätzer glauben tatsächlich, dass eine Lüge eine legitime Waffe ist, um das Gute zu verteidigen, weil sie die Gefahr nicht sehen, dass ein zu hoch getürmtes Lügengebäude sie in Konflikt mit der Wirklichkeit bringt. Dass es ein Problem sein könnte, die Wahrhaftigkeit als nutzlose Pingeligkeit zugunsten des (vermeintlich) Guten beiseite zu schieben, ist ihnen nicht bewusst! Neben dem Willen zur Vernunft ist der Wille zur Wahrhaftigkeit ebenso wichtig, das hat Ayn Rand nicht ausreichend betont.
Ayn Rand hat die Frage nach dem Mitgefühl fast vollkommen übergangen und degeneriert. So schreibt sie S. 970: Hilfe für einen anderen ist in Ordnung, wenn man durch die Anerkennung der Werte des anderen selbst Nutzen in Form von Freude aus der Hilfe zieht. Zunächst hat sie damit das Mitgefühl nur für diejenigen Menschen reserviert, die es wert sind. Der Gedanke, dass man in jedem Menschen allein schon das Potential zum wahren Menschsein und das Potential zum menschlichen Leiden achten muss, fehlt. Damit ist Ayn Rand keine vollwertige Humanistin.
Es fehlt bei Ayn Rand auch die Verdeutlichung des Prinzips, dass das Mitgefühl keineswegs völlig ausgeblendet wird, sondern weiterhin bestehen bleibt als ein berechtigter Faktor unter anderen Faktoren in der eigenen Nutzenkalkulation. Für das Zusammenleben ist das Kalkül mit dem Mitgefühl so zentral, dass es verwundert, dass es bei Ayn Rand nicht mehr in den Mittelpunkt gerückt wird. Die meisten Leser werden nach Abschluss der Lektüre vermutlich das Verständnis gewonnen haben, dass das Mitgefühl als Absolutum böse und deshalb vollkommen ausgeschlossen ist. Denn verlangt nicht John Galt von Dagny Taggart Geld dafür, dass er sie nach ihrem Flugzeugabsturz als Gast aufnimmt und gesund pflegt?
Die Ablehnung von Immanuel Kant durch Ayn Rand gründet sich vermutlich auch darauf, dass Ayn Rand es ihrerseits versäumt hat, die Rolle des Mitgefühls deutlicher zu betonen, und dass Kant es seinerseits versäumt hat, auf den Egoismus in seiner Ethik deutlicher hinzuweisen. Deshalb sieht Ayn Rand in Kant nur einen sozialen Dummschwätzer, der die Selbstaufopferung für andere als Absolutum definiert hätte. Rand und Kant reden aneinander vorbei.
Ayn Rand löst auch den Widerspruch zwischen Gefühl und Verstand nicht auf, sondern entscheidet sich kalt für den Verstand, der über das Gefühl zu stellen ist. Der Gedanke, dass Verstand und Gefühl zwei völlig verschiedene Dimensionen sind, die recht besehen gar nicht in Konflikt miteinander liegen können, fehlt bei Ayn Rand. Was sie hätte sagen sollen, ist, dass es ein Gefühl aus Erfahrung ist, das uns sagt, dass die Benutzung der Vernunft gut tut. Überall dort, wo angeblich Verstand und Gefühl im Konflikt sind, sind in Wahrheit zwei Gefühle miteinander im Konflikt.
Völlig vergessen hat Ayn Rand ein Stereotyp, das für soziale Dummschwätzer vollkommen typisch ist: Das pazifistische Gerede vom Frieden. Auch hier hätte die Antike helfen können: Si vis pacem, para bellum: Wenn Du Frieden willst, rüste zum Krieg. Der Schwache lädt zum Krieg ein, der Starke schreckt andere vom Kriegführen ab.
Kritik - Zu idealistisch für die gesellschaftliche Realität
Die soziale Frage wird in "Atlas Shrugged" nicht berührt. Was ist mit Menschen, die nicht hinreichend produktiv sein können? Mit Behinderten, Alten, Kranken oder weniger intelligenten Menschen? Sie repräsentieren keinen Wert, den man im Sinne Ayn Rand schätzen könnte, so dass sie nicht einmal Almosen verdient hätten; aber auch Almosen sind keine gute Antwort auf eine gesellschaftliche Herausforderung. Schon im antiken Athen gab es eine staatliche Armenfürsorge. Ayn Rand hat ein viel zu ideales, zu perfektes, zu glattes Menschenbild.
Ayn Rand sagt generell nichts zu der Problematik, dass die Intelligenz in der Gesellschaft sehr ungleich verteilt ist. Wie soll man sich als intelligenter, produktiver Mensch in einer Welt einrichten, in der die meisten Menschen nicht so sind? Produktive Menschen sind eine zahlenmäßig machtlose Minderheit! Ohne ein Arrangement wird es nicht gehen. Bei Cicero finden wir z.B. die Überlegung, dass die Besitzenden sich politisch engagieren und einen sozialen Ausgleich suchen müssen, weil ihnen ihr rechtmäßiger Besitz sonst weggenommen wird. Eine derartige Überlegung ist bei Ayn Rand nicht zu finden.
Auch zum Thema Demokratie bzw. Republik sagt Ayn Rand nicht eben viel. Man hätte sich z.B. gewünscht, dass sie einen Satz wie den von Churchill formuliert: "Die Demokratie ist die schlechteste von allen Staatsformen, außer allen anderen." Aber sie schweigt. Immerhin lobt sie die Demokratie implizit, indem sie die Anfangsjahre der USA als ideale Zeit preist, und Richter Narragansett korrigiert am Ende des Romans die US-Verfassung, wodruch diese im Grundsatz anerkannt wird.
Recht unversöhnlich zeigt sich Ayn Rand auch gegenüber der Religion. Die Möglichkeit einer aufgeklärten Religiosität, die ihre eigene Geschichte historisch-kritisch aufgearbeitet hat und eine Moral der Lebensfreude predigt, blendet sie aus. Natürlich ist traditionelle Religion immer ein Mangel an Vernunft und Wahrhaftigkeit, aber sollte man nicht Abstufungen der Irrationalität unterscheiden, um das Zusammenleben der Menschen tolerant zu gestalten?
Überhaupt gibt das Buch "Atlas Shrugged" wenig Handreichung für die Frage, wie man sich denn nun im wirklichen Leben verhalten soll. Die Diagnose ist top, die Therapie flop. Ein Streik der produktiven Menschen ist natürlich nicht realistisch. Im Extremfall könnte man außer Landes gehen, aber eine Lösung für das eigene Land ist das nicht.
Am Ende ihres Lebens nahm Ayn Rand selbst staatliche Wohlfahrt in Anspruch, was ihr immer wieder vorgeworfen wird. Sie hat also auch selbst nicht völlig nach ihren eigenen Idealen gelebt.
Kritik - Kapitalismus ist der falsche Name
Ayn Rand nennt die ideale Gesellschaftsordnung "Kapitalismus" und ihr Symbol dafür ist das Dollarzeichen. Das erscheint seltsam, denn sie selbst schreibt doch auch, dass nicht das Kapital das Entscheidende ist, sondern der Geist, der dahinter steht. Wäre es demzufolge nicht angemessener gewesen, statt von Kapitalismus z.B. von Philosophie zu sprechen, und statt des Dollarzeichens z.B. das große griechische Phi (Φ) als Symbol für Philosophie zu wählen?
Für Ayn Rand ist die Moral des Händlers, des traders, die Metapher für die richtige Moral. Das ist für viele Situationen ein recht gutes Bild, doch wie sie selbst sagt, hat man Moral nicht zuerst für den Umgang mit anderen, sondern für den Umgang mit sich selbst: Aber mit sich selbst handelt man nicht. Hinzu kommt wiederum, dass gerade bei Geschäftsabschlüssen von Händlern jedes Mitgefühl und jede persönliche Wertschätzung mit Recht ausgeblendet wird. Damit reicht die Händlermetapher nicht hin, um alle Interaktionen von Menschen zu beschreiben, bzw. die Metapher ist zumindest schräg.
Kritik - Welcher Kapitalismus?
Das Ideal von Bei Ayn Rand sind inhabergeführte Personenunternehmen. Der Eigentümer ist zugleich Chef in seinem Unternehmen und ist verantwortlich für alles. Aktiengesellschaften, in denen es nur Manager gibt, die über große Bürokratien herrschen, und in deren Aufsichtsräten wiederum nur Manager von Banken sitzen, entsprechen nicht ihrem Ideal. Aktiengesellschaften, wo die Eigentümer zu weitgehend rechtlosen Aktionären degradiert sind, und echte Unternehmer nicht mehr vorkommen, sind aber im heutigen Kapitalismus der Normalfall. Insofern stellt sich die Frage, ob das, was Ayn Rand als Ideal vorschwebt, tatsächlich hinreichend mit dem Wort "Kapitalismus" beschrieben ist.
Kritik - Naive Erkenntislehre
Ayn Rand ist misstrauisch gegen jede Form von Unklarheit, und sie meint, der Mensch hätte objektive Klarheit über die Objekte, die er erkennt. Daher auch der Name "Objektivismus". Dass die menschlichen Sinne und die Verarbeitung der Sinneseindrücke bis zum Moment ihrer Bewusstwerdung und darüber hinaus bis zur Interpretation theoretisch beliebig von der Realität abweichen können, lässt sie unbeachtet. Kant wird verworfen. Auch der berühmte Satz des Sokrates: "Ich weiß, dass ich nichts weiß" wird als Zeichen der Vernunftwidrigkeit und des Relativismus verworfen, was äußerst schmerzlich ist (S. 952). Für Ayn Rand gibt es nur Fakten oder keine Fakten. Dazwischen gibt es nichts. Die Natur gehorche Gesetzen, die sich nicht änderten. Dass dies nur eine Beobachtungserfahrung ist, von der keineswegs sicher ist, dass sie immer gilt, ist ihr ebenso wenig bekannt, wie die Änderung von Naturgesetzen im Zuge vertiefter Einsichten in der Wissenschaftsgeschichte. Man denke z.B. an das Aufgehen der Newtonschen Gesetze in den Gesetzen der relativistischen Physik.
Damit hat Ayn Rand ein zentrales Thema jeder Philosophie seit der Antike verfehlt: Dass der Mensch sehr viele Dinge nicht oder nur ungenau weiß, und dennoch dazu gezwungen ist, sich daraus mithilfe von Schätzungen, Annahmen, Postulaten, usw. ein Weltbild zu zimmern, das immer vorläufig ist und immer nachgebessert werden muss, und niemals letzte Gewissheit erlangt. Das Prinzip des ständigen Nachbesserns hat Ayn Rand zwar erkannt, aber die tieferen Gründe dafür leider nicht. Ayn Rand hat gewissermaßen nicht verstanden, was Platon mit seinem Konzept des "eikos mythos", der "wahrscheinlichen Behauptung", sagen wollte. Auch die fundamentale Großartigkeit des "Ich weiß, dass ich nichts weiss" des Sokrates hat sich ihr bedauerlicherweise nicht erschlossen.
Fazit: Ein großartiges Buch mit Schwächen
Für sehr viele Menschen ist das Werk von Ayn Rand wie ein offener Türspalt, durch den sie einen Lichtstrahl aus jenem Reich erlangt haben, das die antike Philosophie eröffnet: Das Reich der Vernunft und der Aufklärung, das Reich der Freiheit und der Lebenslust! Auch wenn Ayn Rand die Tür dazu nicht völlig aufgestoßen hat, so hat sie doch viel erreicht.
Ihr Werk ist ein Klassiker der weltanschaulichen Literatur geworden, das jeder gelesen haben sollte: Einmal wegen seiner starken Bilder, die große Überzeugungskraft haben und Ikonen der Wahrheit bleiben werden, sei es Hank Rearden und Dagny Taggart und die Eisenbahn- und Stahlindustrie, seien es die sozialen Dummschwätzer wie James Taggart oder Hank Reardens Familie, seien es die Intellektuellen wie Balph Eubank oder Floyd Ferris, oder die Strippenzieher in Washington, oder natürlich John Galt, der von Ayn Rand für den Leser zu einer Figur aufgebaut wird, die über die Grenzen des Romans existiert, fast wie Jesus für Christen: John Galt ist überall und er begleitet uns, wo immer wir hingehen! (S. 745) Sein Körper wird mit einer griechischen Statue verglichen (S. 1045). - Ayn Rands Werk ist aber auch lesenswert, weil es für sehr viele Menschen zum Kristallisationspunkt eines vernunftorientierten Denkens geworden ist. Daran kann und muss man anknüpfen.
Ayn Rands "Atlas Shrugged" ist eine heilsame Reaktion auf religiös-sozialistische Vernunftwidrigkeiten, wenn auch eine Überreaktion, die sich aus der Biographie von Ayn Rand erklären lässt.
Atlantis:
In Ayn Rands "Atlas Shrugged" wird Atlantis vor allem als eine Chiffre für das Paradies auf Erden verwendet, in dem die Menschen gemäß ihrer Vernunft in einem glücklichen Kapitalismus leben können (S. 147, 586, 643, 688, 735, 745, 843, 876, 1004). Dieses Atlantis realisiert sich im Roman in dem geheimen Tal, in das sich die produktiven Menschen zu ihrem Streik zurückziehen.
Die Grundvorstellung von Ayn Rand über das originale Atlantis ist falsch, sie verwechselt es praktisch mit der Insel der Seligen. Zudem hat Ayn Rand die Geschichte von Atlantis ihrer Vorstellung vom versteckten Tal als Paradies auf Erden angepasst, was der Leser übrigens erst viele hundert Seiten später erkennen kann. Das Atlantis bei Ayn Rand hat also nichts mehr mit dem Atlantis des Platon zu tun. Das Kraftwerk im Tal von Atlantis mit dem Motor von John Galt und dem eingeschriebenen Eid wird auch als "Tempel von Atlantis" angesprochen (S. 843).
Der Chiffre-Charakter kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass neben der Atlantis-Chiffre auch noch weitere Elemente der antiken und anderweitigen Literatur als Chiffren für dieselbe Sache verwendet werden, so z.B. Prometheus oder die Quelle der Jugend (S. 478, 664 f.).
Der Untergang von Atlantis wird übrigens auch als Chiffre für das wegen sozialen Dummschwätzertums ökonomisch niedergehende New York verwendet (S. 583). Zuletzt ist Atlantis neben dem Garten Eden eine Chiffre für den Unschuldsstatus in der Kindheit, in der die wahren Werte des Menschseins noch nicht verbogen seien (S. 968).
Grundsätzlich gebe ich Ayn Rand Recht – sie hat hier einen sehr wichtigen Text geschrieben, den jeder einmal durchlesen sollte. Diesen Überlegungen fehlt es jedoch an etwas ganz Wichtigem: Der Verstand kann und muss auch der „Liebe“ willen benutzt werden. Der Mensch ist ein fühlendes, sensibles Wesen, weil er sterblich ist und um seine Sterblichkeit weiß. Liebe, Musik und schöne Künste bringen ihn dazu, eine Ahnung von der Ewigkeit zu bekommen, eine Ahnung zu bekommen, dass es mehr als dieses sterbliche Leben und als Materie gibt.
Es gibt für mich einige Probleme, die sich aus einer Lebenseinstellung wie dieser hier im Buch propagierten ergeben: Wenn jeder selbstverantwortlich seinen Egoismus ausleben muss, dann verweigert der eigene Stolz eine gute Zusammenarbeit. Denn keiner will dem anderen unterstehen, das ist ein Naturgesetz. Der, der gefressen wird, wird in der Natur auch davonlaufen und sich dagegen wehren, falls er das kann.
Selbsterkenntnis reicht nicht, um sich zufrieden zu geben und sich einzufügen. Sich einzufügen bedeutet eben, nicht selbstverantwortlich zu sein, den anderen die Macht über das eigene Leben zu geben. Das will und kann kein Mensch und wenn es die meisten tun, dann aus berechnenden Gründen. Wenn sich jedoch nur selbstverantwortliche, leistungswillige Menschen begegnen, dann werden diese unterschiedliche Leistungsansprüche und unterschiedliche Meinungen vertreten. Deshalb gibt es ja in Amerika und überall in unserer kapitalistischen Welt so viele Gerichtsklagen, denn jeder pocht auf sein Recht und das auch zu Recht, aber ist das wirklich erstrebenswert? Ein wirklich selbstverantwortlicher, leistungswilliger Mensch muss sich unweigerlich mit seinem Wesen als Mensch auseinandersetzen, dann wird er vielleicht erkennen, dass er auch andere Bedürfnisse hat, als nur zu Arbeiten und Geld zu verdienen zum Beispiel. Kreativität braucht eine gute Portion an Liebe und Geduld. Und genau da liegt der Widerspruch auch in dem Roman von Ayn Rand, denn die Protagonistin und auch jene, die sich für eine absolute egoistische Leistungsgesellschaft einsetzen, wo jeder seinen eigenen eigennützigen Interessen nachgeht, verlieben sich oder brauchen die Zustimmung von anderen Menschen, bilden selbst eine Gruppe von Gefühlswesen, die sich zusammentun um gegen andere Gruppen zu agieren. Die Protagonistin gibt sich drei Männern hin und ist mehr oder weniger von ihnen abhängig. Die wirkliche Befriedigung ihrer Arbeit findet in diesem Gefühl der Liebe, des vom anderen akzeptiert Werdens und der Gemeinsamkeiten mit Gleichdenkenden statt. So einfach ist es also nicht, es reicht nicht zu sagen, man bräuchte nur seinen Verstand einzusetzen und auf ein Ziel zuzuarbeiten, dass man sich selbst gestellt hat. Das reicht nämlich dem Verstandesmenschen auch nicht. Der Mensch ist kein Eremit, ob er will oder nicht, und auch kein Übermensch und auch kein Gott. Die Zerrissenheit zwischen Individuum und Gesellschaft ist ja auch ein Problem und schlussendlich schafft es Ayn Rand nicht dieses Problem zu lösen, denn die Großindustriellen, die von einem einzelnen Menschen entführt werden, bilden wieder eine Gemeinschaft, wo Liebe eine große Rolle spielt, Liebe zu sich selbst, Liebe zu den anderen. Ayn Rand schafft es mit diesem Roman nicht, über den Narzissmus, wie er heute schön in unserer Gesellschaft ersichtlich ist, zu gelangen.
Ayn Rand hat keine Kinder gehabt, das wundert mich nicht, denn jeder, der Kinder hat weiß, dass Kinder nicht für sich selbst leben können. Sie geht auch nicht auf das Problem: Krankheit, Unfälle und Alter ein. Das heißt, der Verstand kann nur von einem gesunden, erwachsenen Menschen eingesetzt werden, nicht von allen Menschen eben. Der Verstand ist keine universale, jedem gegebene Eigenschaft, der Verstand bildet sich erst mit der Zeit im Menschen aus und kann ihn auch wieder verlassen, im Alter, in der Krankheit, in starken Gefühlsregungen usw. Deshalb ist diese Theorie unvollständig und die Idee, dass der radikale Kapitalismus die einzig moralische Art ist, wie der Mensch leben soll, auch nicht der Weisheit letzter Schluss.
Rand spricht öfter von der positiven Eigenschaft des Stolzes, da muss ich ihr vehement widersprechen. Der Stolz führt zu Entzweiung und zum Krieg. Sobald ich stolz bin, habe ich aufgehört mich in Frage zu stellen und zu lernen. Und ein Mensch ist viel zu dumm, als dass er nicht das ganze Leben zu lernen hätte. Stolz ist nur jemand, der keine Ziele mehr hat, der nicht mehr wachsen will, der sich faul zurücklehnt und mit Gewalt Lorbeeren für seine Anstrengung ernten möchte. Deshalb finde ich Stolz zu haben oder stolz auf etwas zu sein, nicht unbedingt erstrebenswert. Es kommt darauf an, wie man seinen Stolz auslebt, er ist nur gut, wenn man ihn dafür heranzieht, ein Stückchen seines Weges weiter zu gehen
Heute ist dieser Roman deshalb wichtig, weil der Dienstleistungssektor vielleicht doch nicht so das Beste für das Leben auf dieser Welt ist. Überproduktion ist schädlich, das wissen wir bereits, aber ist es nicht auch schädlich, eigene Ideologien und Wünsche unter dem Deckmantel „Nächstenliebe“ und „Rechtsanspruch“ zu kaschieren, um diese eigenen Wünsche zu befriedigen? Jedenfalls bleibt wirklich nur der Hausverstand um solche Probleme zu lösen. Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch in seiner jeweiligen Entwicklungsstufe weiß, was gut und was schlecht ist und zwar weil er es am eigenen Körper und der eigenen Seele fühlt. Der Schmerz ist ein Signal, dass der eingeschlagene Weg falsch ist. Dass man nicht umsichtig genug mit sich selbst umgegangen ist. Hat man vielleicht zu viel oder zu wenig gewollt? Ich kann Schmerzen zwar in Kauf nehmen, wenn ich etwas unbedingt erreichen will, aber dann muss mir auch klar sein, dass kein anderer Schuld an meinen Schmerzen hat, als ich selbst. Schuldzuweisungen sind nichts anderes als der Versuch, seinen eigenen Verstand nicht mehr benützen zu wollen, sich gehen zu lassen, zu hoffen, man könne dadurch etwas für sich gewinnen. Dabei verliert jeder, der einem anderen die Schuld gibt, egal ob auf individueller oder gesellschaftlicher Basis. Schuldzuweisungen führen zu Krieg und Zerstörung. Die christliche Religion, die darauf aus ist, dass sich der Mensch selbst anklagt und mit einer Erbsünde geboren ist, dass der Mensch von Anfang an schuld ist, hat natürlich den Menschen verbogen und schäbiger gemacht, als er ist. (Kant sagte bereits: „Aus so krummem Holze wie der Mensch geschnitzt ist, kann nichts gerade gebogen werden.“). Deshalb sind wir heute Nihilisten, deshalb stehen so viele auf den Buddhismus, auf die Negierung des Selbst, wobei ich nicht finde, dass das die Lösung ist. Für mich persönlich ist die Lösung eine Mischung aus diesem Roman und eben meinen eigenen Gedanken, ist es die Verantwortung für das, was mein Leben ist, für das, was ich denke und tue, auf mich zu nehmen und ständig zu überprüfen, wo mein innerer Kern liegt und wo er liegen sollte.
Dieser Roman schmerzt zum Teil, denn, wenn ich ehrlich bin, kann ich mich in vielen gut begründeten Anklagepunkten wieder finden, in jenen Punkten, denen ich vollkommen zustimmen muss, die ich jedoch aus Schwäche und vielleicht auch aus Dummheit nicht gesehen oder nicht befolgen konnte. Deshalb ist der Roman ein harter Schlag in meinem Gesicht und ich finde es aber gut meiner Verweichlichung zu entkommen. Das Leben ist rauh, zum Teil genauso hart, aber ich finde es mittlerweile wirklich schade, wenn Zerstörung und sogar Aufbau aufgrund nichtiger Ursachen und Zielsetzungen geschehen. In diesem Roman konnte ich für mich den sinnvollen Gebrauch von Härte herauslesen, vieles davon versuche ich im Leben seit jeher zu befolgen. Härte ist gut, aber nicht sinnlos zerstörerische Härte. Weichheit ist auch gut, aber darf ein gewisses Maß auch nicht überschreiten.
Eine Schwierigkeit in diesem Roman ergibt sich für mich auch in der Frage nach der Unterscheidung und Trennung von Verstand und Gefühl. Wenn das so einfach wäre – wie Kant es in seinen Schriften versuchte darzulegen – dann gebe es in der Welt unter den Menschen überhaupt keine Probleme. Aber so einfach ist es nicht. Wir wissen nicht, ob unser Leben bereits im vornhinein determiniert ist. Also ich denke, dass unser Leben dann im Vornhinein determiniert ist, wenn man es mit dem ganzen Sein – dazu gehört auch eine große Portion Gefühl dazu – in Gedanken erfasst. Je größer der Verstand, desto größer der Kampf gegen die Gefühle, aber der Kampf ist da, es geht nicht ohne. Der Verstand kann sich ohne Gefühle gar nicht bilden, das ist meine Meinung. Wichtig ist es zu erkennen, dass Gefühle einer Verstandesprüfung unterzogen werden müssen, und die Realität, die Wirklichkeit, das A=A eignet sich dazu bestens. Leben heißt, sich den eigenen Gefühlen zu stellen, sich sogar welche einzubilden, um zu größerem Verstand zu gelangen.
Aber darüber hinaus gibt es noch ein Drittes: und das ist die eigene Entscheidung, eine Art eigene Wirklichkeit, eine Wirklichkeit, die nur dem Menschen vorbehalten ist. Durch meine Entscheidung – wenn diese meinem determinierten Leben entspricht – gelange ich zur Einsicht, dass ich zwar frei entscheiden kann, dass mein Leben aber vorbestimmt ist. Dass ich das Leben richtig lebe, wenn ich in diesem Bewusstsein mich frei zu entscheiden lebe und sehe, dass die freie Entscheidung zur Determination führt. Eine Entscheidung, zum Beispiel, friedvoll zu leben, führt dazu, seinen eigenen, ganzen Lebensentwurf bis weit in die Zukunft hin zu sehen. Diese Entscheidung ist punktuell, das bedeutet, eine fixe Entscheidung, die sich nicht verändert, die aus dem Chaos der unendlichen Möglichkeiten herausgegriffen wird, die sich aber auf das ganze Dasein ausbreitet, wenn man konsequent und kraftvoll darauf beharrt. Die Entscheidung wird aber primär aufgrund von Gefühlsregungen getroffen und nicht mit dem Verstand. Ich glaube Gefühle und Verstand bedingen einander, das Gefühl kann erst dann ausgelöscht werden, wenn genug Verstand da ist. Wenn jemand versucht, vor der Bildung des Verstandes durch die Gefühle, die Gefühle auszublenden, dann weiß er nicht, dass das Gefühl und nicht der Verstand ihn leitet.







