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Sternstunden: Große Texte deutscher Sprache Gebundene Ausgabe – 1. März 2018
- ISBN-109783942409742
- ISBN-13978-3942409742
- HerausgeberIFB
- Erscheinungstermin1. März 2018
- SpracheDeutsch
- Abmessungen15.8 x 3.3 x 21.8 cm
- Seitenzahl der Print-Ausgabe466 Seiten
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Produktinformation
- ASIN : 3942409747
- Herausgeber : IFB (1. März 2018)
- Sprache : Deutsch
- Gebundene Ausgabe : 466 Seiten
- ISBN-10 : 9783942409742
- ISBN-13 : 978-3942409742
- Abmessungen : 15.8 x 3.3 x 21.8 cm
- Amazon Bestseller-Rang: Nr. 818.881 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
- Kundenrezensionen:
Kundenrezensionen
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Spitzenrezensionen
Spitzenrezensionen aus Deutschland
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Dem Gewissen hilft diese Sammlung von knapp hundert Rezensionen. Daraus stelle ich meinen eigenen Kanon zusammen. Der Band enthält nicht nur die üblichen Verdächtigen (Dichter und Schriftsteller, die schon fällig waren, auch solche, die ich mir auch weiterhin schenke). Zu meiner Freude finde ich Zeugnisse der Zeitgeschichte, der technischen Entwicklung, der Wirtschaft vorgestellt. Etwa wie sich Konrad Röntgen „über eine neue Art von Strahlen“ äußerte; Auszüge vom Gründungsmanifest des Deutschen Werkbundes, oder wie Bismarck die Gesetzliche Krankenversicherung der Arbeiter ausformulierte. Man muss ja nicht mit allem einverstanden sein, was trotzdem lesenswert ist. Auch der Humor kommt zu seinem Recht, etwa mit den Verweisen auf Wilhelm Busch und Robert Gernhardt. Was mich am diebisch freut: Mit diesem Sammelband landet ein Politiker auf dem Nachttisch, dersagt, wie es ist: Norbert Lammers mit seinen Dankesworten anlässlich der Verleihung des Kulturpreises Deutsche Sprache: „Die Landessprache ist Deutsch“. Einer, der von rechts und links angefeindet wird: Auch das macht das Buch schätzenswert.
Übrigens ist es von Amazon als Taschenbuch falsch gekennzeichnet. In meiner Hand liegt es leinengebunden, eine Taschenbuchfassung gibt es nicht.
Nun können natürlich auch diese "Sternstunden" aus der unendlichen Fülle relevanter Texte immer nur eine (subjektive) Auswahl darstellen zwischen Martin Luther, Friedrich Schiller, Wolfgang Borchert, Juli Zeh und Norbert Lammert. Ob all diese Texte dem Kriterium "hat die Welt bewegt", genügen, das mag jeder Leser für sich entscheiden.
Ohne Zweifel jedoch bleibt diese Textsammlung eine hochinteressante Neuerscheinung.
Auch der historische Kontext der jeweiligen Texte wird anschaulich dargestellt und der Leser erfährt manch interessantes historisches Detail. Wer weiß schon, dass die ersten D-Mark-Banknoten in New York gedruckt worden sind?
Nur wenige Autoren können von sich behaupten, ein Buch geschrieben zu haben, welches es so vorher noch nicht gab. Diese Autoren schon!
Dr. med. B. Voß
Josef Kraus (* 1949) war als Lehrer für Deutsch und Sport und Rektor 1987 bis 2017 Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, kritisierte 1993 in Bonn die Rechtschreibreform und begleitet das deutsche Bildungswesen seit Jahrzehnten mit polternder Kritik, da er mit ehrlicher Sorge auf Spaßpädagogik, Bildungsnotstand, Förderwahn, Verwöhnung und Abdriften durch nachlässigen Sprachgebrauch blickt.
Dr. Walter Krämer (*1948), Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik an der Technischen Universität Dortmund, verfaßte populärwissenschaftliche Literatur zur deutschen Sprache, darunter das Lexikon der populären Sprachirrtümer (2001). 1997 gründete er den Verein Deutsche Sprache, als dessen Vorsitzender er sich besonders gegen die Verwendung von „Denglisch“ einsetzt.
Die beiden Herausgeber sind mit sieben (Kraus) und vierzehn (Krämer) Beträgen und einem Vorwort vertreten, dazu stellen vierzig weitere Verfasser in 96 Beiträgen ihre Lieblingstexte kommentierend vor, durch 1227 Jahre chronologisch geordnet vom ältesten poetischen deutschen Text von 790 (Wessobrunner Gebet) bis zu Norbert Lammert 2017 („Die Landessprache ist deutsch“). Dabei gehe es nicht um Werke, an die man als erstes denkt. Der überwiegende Teil der Verfasser stammt aus Germanistik, Literatur- und Sprachwissenschaft, erstaunlicherweise finden sich aber auch eine MTA-Assistentin, Ökonomen, Politiker (Wolfgang Thierse), Unternehmer und sonstige nicht hauptamtlich mit deutscher Sprache beschäftigte Berufe bis hin zum Erfinder einer besonderen Muskelaufbautechnik; posthum wird gar Alfred Kerl (1867-1948) als Verfasser eingebaut. Außerdem sind längst nicht alle Texte neu für dieses Buch geschrieben, es befinden sich etliche genehmigte Nachdrucke darunter.
Bei den Poeten aus der ersten Reihe sucht man vergebens nach Lessing, Rilke, Kafka, Böll, Grass und Ingeborg Bachmann, dafür stößt man auf allerhand Nichtpoeten wie Bismarck, Fröbel, Röntgen, Konrad Lorenz, Günter Schabowski und Helmut Kohl. Und Marx, Engels, Bebel, Carlo Schmid? – Fehlanzeige! Deutlich eher konservativ als liberal oder gar links davon erscheint die Auswahl der nichtpoetischen Texte.
Unmittelbar in den Geist seiner Zeit führt u.a. der anonyme Spruch von 1468
„Ich leb und waisz nit wie lang
Ich stirb und waisz nit wann
Ich far und waisz nit wahjn
Mich wundert das ich so frölich pyn“
in seiner gelassen heiteren Lebensbejahung den Beginn der Neuzeit markierend.
Die „Teutsche Grammatica“ des Valentin Ickelsamer von 1553 diente als Basis für das Lesenlernen, und wer lesen konnte, erschütterte die Stellung der Kirchenoberen.
„Mozarts Briefdeutsch gehört zum originellsten, das man zitieren kann.“ (Rüdiger Görner) Wie wahr, anläßlich der Geburt seines ersten Kindes schrieb er 1783 seinem Vater:
„Mon trés cher Pére! Ich gratuliere, Sie sind Gros-Papa! – gestern früh ist mein liebes Weib glücklich mit einem grossen, Starken und kugelrunden Buben entbunden worden.“
Oder in Heinrich Heines Wintermärchen von 1844:
„Dummheit und Bosheit buhlten hier
Gleich Hunden auf freier Gasse“
Sprachliche Preziosen für das Kinderzimmer bringen die Lurchi-Geschichten einer bekannten Schuh-Marke ab 1937, in (rechnergesetzter) lateinischer Handschrift:
„Alle, die um’s Feuer kreisen,
Lurchis kühne Taten preisen.
Aus dem Busch schltt’s lange noch:
„Salamander lebe hoch!“
Und selbst Günter Schabowskis Spickzettel von 1989, mit dem er die Mauer wegstammelte, fand Eingang in die Sammlung:
„Das trifft nach meiner Kenntnis…ist das sofort, unverzüglich.“
Der geneigte Leser merkt schon: allein schon diese kleine Zitatenauswahl zeigt, wie kunterbunt die Mischung ist. Allein, was fehlt, ist ein roten Faden bzw. ein Gesamtkonzept. Man stößt sich vor allem daran, daß der Umgang mit den Quellen so unterschiedlich gehandhabt wird: während einige Autoren die Quellen-Texte vollständig abdrucken und kurz kommentieren, überwiegt bei den meisten das Gegenteil: es werden nur ganz kurze Zitat-Häppchen angeboten, umrankt von ausführlichsten Anmerkungen.
Was ist also das Buch? Eine Anthologie oder ein Lesebuch wie einst „Dichter des Volks – Für höhere Schulen“ (1960)? Dafür sind die Zitate zu sehr in der Unterzahl gegenüber den Kommentaren. Ein Literaturlexikon? Dafür fehlt Systematik und Drang nach möglichst Vollständigem. Ein neuer Kanon? Dafür scheint die Auswahl zu willkürlich. „Sternstunden“ im Sinne eines Stefan Zweig werden keinesfalls erreicht. Wer einen etwas sprunghaften Gang durch zwölf Jahrhunderte deutscher Sprache mit abwechslungsreichen und überraschenden Zielen mag, vielleicht als Einstieg für tiefere Lektüre, könnte seine Freude am Buche haben.
Stephan Weidauer (in Die deutsche Schrift 2-2018)
