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Sputnik Sweetheart: Roman (Taschenbücher) Taschenbuch – 8. Juli 2015

4.1 von 5 Sternen 51 Kundenrezensionen

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Lange Zeit ein Geheimtipp, avancierte Haruki Murakami mit dem Roman Naokos Lächeln, der in Das Literarische Quartett den päpstlichen Segen erhielt, hier zu Lande zum meistgelesenen japanischen Autor. Der unterkühlte Tonfall, der schnörkellose Stil, die sinnsüchtigen Mittzwanziger und -dreißiger, die, aller materiellen Sorgen ledig, mit weltschmerzverzerrtem Gesicht in schicken Bars abhängen -- das vermittelt dem westlichen Publikum das Gefühl, dass man sogar Japan(er) ansatzweise verstehen kann.

Soziologisch-literarische Forschungsarbeit hat Murakami zuletzt mit der Interview-Sammlung Untergrundkrieg geleistet, die Opfer wie Urheber des Tokioter Giftgasanschlags von 1995 zu Wort kommen lässt. Auch der Icherzähler in Sputnik Sweetheart berichtet von einer Katastrophe, einer unvorhergesehenen Wendung in seinem bis dahin ruhigen Leben. Ungeachtet gelegentlicher Affären pflegt der junge Grundschullehrer eine stille Leidenschaft für Sumire, eine ehemalige Kommilitonin mit schriftstellerischen Ambitionen, wie er eine zwanghafte Leserin und dabei eher weltfremd: "Sie rauchte zu viel und verlor auch bei kürzesten Bahnfahrten unweigerlich ihre Fahrkarte." Als Sumire sich in die erheblich ältere Miu verliebt, gerät das literarische Projekt in Vergessenheit. Erst auf einer Europareise mit ihrem "süßen Sputnik" beginnt sie wieder zu schreiben, um Miu und ihrer mysteriösen Geschichte näher zu kommen.

Über weite Strecken dominiert die Perspektive des namenlosen Lehrerfreundes. Dessen Stimme und Stimmungen kennzeichnet die vertraute Murakami-Mischung aus sentimentaler Melancholie und coolem Hedonismus. "Sie gab mir das Gefühl, erster Klasse zu fliegen", sagt er über eine Geliebte. Seine erotischen Fantasien sehen so aus: "Während die beiden sich leidenschaftlich liebten, könnte ich in einer Zimmerecke sitzen und Balzacs gesammelte Werke lesen." Ist die Komik beabsichtigt? Jedenfalls nervt der kultivierte Snobismus gehörig: "Geht's dir gut?" -- "Ja, ich bin munter wie die Moldau im Frühling."

Viel besser sind die Passagen mit und von Sumire. Auch die hat kitschige Anwandlungen, pflegt aber gleichzeitig einen gesunden Zynismus: "Statt eine Menge zusammenhangloses Zeug zu schreiben, sollte ich mich lieber wieder ins warme Bett kuscheln, an Miu denken und masturbieren. So sieht's aus." Was sie sonst noch über das Schreiben denkt, verrät einiges vom Selbstverständnis des Autors, droht allerdings im Kontext der durchaus spannenden Geschichte(n) -- äußerst verstörend die von Miu -- unterzugehen.

Also: Fans bekommen das, was sie erwarten: magischen Realismus auf asiatische Art, dieses Mal ohne epische Ausuferungen. Neulinge im Murakami-Kosmos dürften von dem literarischen Two-Nights-Stand zwar nicht abgeschreckt werden, als ungleich wirkungsvollere Einstiegsdroge sei ihnen jedoch der zauberhafte Erzählungsband Wie ich eines Tages im April das 100%ige Mädchen sah ans Herz gelegt. --Patrick Fischer -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe.

Pressestimmen

„Eine schöne, verspielt-verspiegelte Liebesgeschichte, eine Geschichte vom Erwachsenwerden, das Murakamis Helden auf sympathische Weise niemals ganz gelingt.“ (Die Zeit)

„In Murakamis Büchern kann man sich wie in wunderbaren Träumen verlieren.“ (Der Spiegel) -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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Format: Gebundene Ausgabe
Kein opulenter Jahrhundertroman wie «Mister Aufziehvogel», sondern ein kleines Meisterwerk der leisen Töne. Der coole Ich-Erzähler ist ein Freistil-Detektiv, der sich auf die diskreten Wege der Seele versteht. Junge liebt Mädchen, Mädchen liebt ältere Freundin - alles Verhängnis beginnt mit den Mißverständnissen der ersten Liebe und führt in das dunkle Herz der Einsamkeit. Das Mädchen verschwindet.
Japan, Italien, Südfrankreich, eine entlegene griechische Insel, die Akropolis, eine Grenzstadt in der Schweiz, das schäbige Büro eines Tokioter Kaufhausdetektivs - diese Orte stellen nur die Oberfläche für das Labyrinth, in dem sich die Protagonisten dieser melancholischen Geschichte verlieren. Wie üblich bei Murakami, hat alles einen doppelten Boden. Und was diese untergründige Welt mit der unseren verbindet, was dort passiert, fühlt man eher, als daß man es versteht - die Prosa von Murakami kommt der Stimmung der Filme von David Lynch so nahe, wie das niemandem sonst gelingt.
Ein dezenter Thriller, der auf Seidenpfoten daherkommt und einen Seelenraum aufreißt, in dem die kostbaren, feinfühlenden, differenzierten und kultivierten Helden aus Murakamis Universum sich nur scheinbar aufeinander zu bewegen, weil ihre Unfähigkeit, sich nahe zu kommen noch stärker ist als ihre Sehnsucht nach Nähe.
Auch in diesem Roman erweist sich Murakami als Meister der bizarren Umstände und der surrealistischen Ereignisse. Zugleich läßt er uns besonders intensiv daran teilnehmen, was ihn - und uns - in der tiefsten Seele bewegt.
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Format: Taschenbuch Verifizierter Kauf
Geradezu kafkasek mutet diese recht kurze, aber dafür umso intensivere amour fou zwischen drei vom Leben gezeichneten Personen an. Ein Buch, so unergründlich, surreal, traum-haft, magisch und poetisch wie ein Film Noir.

Einmal mehr führt uns ein namenloser Erzähler, ein Mittzwanziger durchs Geschehen. Er ist Grundschullehrer und liebt eine ehemalige Kommilitonin, doch wie schon die zwei Königskinder konnten sie zueinander nicht kommen, der Graben war viel zu tief. Hier ist der Graben eine doch sehr spezielle Lebensweise und anderweitige sexuelle Orientierung. Sumire, die 22-jährige Angebetete lebt, um zu schreiben. Soziale Kontakte, Liebe, ein geregelter Tageslablauf - wer braucht so was schon?! Und so sind die beiden jungen Japaner gefangen in ihrer ganz eigenen Welt voller unerfüllter Träume und Hoffnungen. Doch als Sumire ihren süßen Sputnik kennenlernt, die 17 Jahre ältere Miu, verkehrt sich ihr Leben ins krasse Gegenteil. Arbeit, Struktur, Outfits, Fremdsprachenkenntnisse, Liebe und Begehren - all das hat neben den Schreiben auf einmal Bedeutung, lässt es sogar momentan unwichtig erscheinen.

Und so entspinnt sich auf gut 230 Seiten eine unwirklich wirkliche Geschichte, voller Schatten, Doppeldeutigkeiten, Träume, surrealen Erlebnissen. An dessen Ende wir uns unwillkürlich fragen - WAS macht die menschliche Existenz aus? Lässt sie real erscheinen? Ist Selbsterkenntnis die Voraussetzung für ein soziales Leben? Sind junge Menschen der Popkultur und ihren Auswüchsen eigentlich noch sozial kompatibel? Was ist Schein, was Sein, wo beginnt die Realität, wo das Abgleiten ins Alptraumhafte? Und letztlich müssen wir die Antwort für uns selbst finden ...
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Von Ein Kunde am 19. August 2005
Format: Taschenbuch
ich habe schon so manchen murakami gelesen (die wilde schafsjagd, gefährliche geliebte, naokos lächeln, etc.) und alle eigentlich verschlungen wie kaum andere werke. Bei den vorherigen Lektüren war ich allerdings nach der letzten Seite oft enttäuscht. nach einem wahnsinnig packenden lesevergnügen, fühlte ich mich mit zu vielen ungeklärten fragen allein gelassen. so aber nicht bei diesem -wie ich finde- meisterwerk. auch hier verbindet der autor jegliche genres, philosphiert über die welt, romantisiert, erotisiert, fasziniert! Er bleibt zwar im ggs. zu anderen seiner geschichten realitätsnah, gestaltet die handlung aber wie so oft höchst mysteriös und teilweise bis zum ende ohne klare erklärungen, aber hier eben so endend, dass ich beeindruckt und zufrieden das buch zuschlug und mich sofort auf die suche nach dem nächsten grandiosen murakami machte.
unbedingt lesenswert um einfach ab zu schalten und in die eigentümliche murakami-welt ein zu tauchen!
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Format: Taschenbuch Verifizierter Kauf
Der 1949 in Kyoto, Japan geborene Autor, der zunächst eine kleine Jazzbar betrieb und später längere Zeit in den USA und in Europa lebte, übersetzte Werke von Raymond Chandler, John Irving, Truman Capote ins Japanische und begann 1974 mit dem Schreiben von Romanen meist im Genre des sog. „Magischen Realismus“, zu dessen Vertreter z.B. auch Franz Kafka gehört. Nicht umsonst heißt eines der Murakami-Werke „Kafka am Strand.“

Zum Inhalt: Die junge Sumire, die unbedingt Schriftstellerin werden möchte, verliebt sich in Miu, eine siebzehn Jahre ältere erfolgreiche Geschäftsfrau, der sie den Kosenamen „süßer Sputnik“ gibt. Auf einer Reise durch Europa verschwindet Sumire auf einer kleinen, griechischen Insel spurlos. Der Ich-Erzähler, ein junger Lehrer, der die betörende Sumire liebt, unterstützt Miu bei ihrer Suche und findet Aufzeichnungen bizarrer Vorfälle und Geschichten, die auch ein Geheimnis von Miu in der Schweiz aufdecken.

Meine Meinung: Wie bei Murakami gewohnt, verbinden sich hier wieder der nüchterne Realismus mit der Fantastik auf wunderbare Weise. Der Roman gehört noch zu den früheren Werken des Autors und erreicht sicher noch nicht die Qualität von Romanen wie „1Q84“ oder „Naokos Lächeln“ – daher als Einstieg in Murakamis Welt eher weniger zu empfehlen – dennoch besticht der Roman wie gewohnt durch Sprache und Figurenzeichnung.

„Wir waren zwar großartige Reisegefährten, aber letztlich doch nur zwei einsame Klumpen Metall auf getrennten Umlaufbahnen, die aus der Ferne wie wunderschöne Sternschnuppen aussehen, in Wirklichkeit aber nichts als Gefangene ihrer jeweiligen Umlaufbahn sind, aus der es keinen Ausweg gibt.
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