ich würde Beispielfotos und ellenlange Beschreibungstexte mal weglassen, denn es ist in den Rezensionen vor mir schon viel gesagt worden und die tollen angehängten Fotos kann ich mitten im Dezember eh nicht toppen.
Einige Punkte halte ich dennoch für wichtig:
Bei all den tollen werbeschönen Angaben (die eigentlich auch zur leichteren Vergleichbarkeit nützlich sind) sollte man vor dem Kauf beachten, dass diese Kamera einen kleinen Sensor mit einem Cropfaktor von 2,7 besitzt. Was das konkret bedeutet und welche Vor- und Nachteile ein kleiner Sensor mit seinen physischen Abmessungen und denen des Objektivs hat kann man in dutzenden Foren, auf YT erlesen.
Zwei Beispiele für je einen Vor- und einen Nachteil.
Ein Besitzer einer Vollformatkamera und einem 600er Teleobjektiv mit einer Blende von 6.3 erhält etwa den gleichen Bildausschnitt und die gleiche Lichtmenge wie die RX10 Mark 3 bei voll ausgefahrenem Zoom, zahlt im besten Fall locker mehr als das Doppelte für sein Equipment.
Im Gegenzug dazu steht der Weitwinkelbereich. Die RX10 Mark 3 beginnt bei physischen 8.8mm Brennweite (x Crop 2,7 = 24mm KB). Durch den kleinen Sensor erhält man einen Winkel von etwa 85 Grad. Mit meinem bisherigen Equipment (10mm Weitwinkel-Objektiv und einem APS-C Sensor mit Cropfaktor 1,7) kann ich schon etwa 120 Grad abdecken. Ein Besitzer einer Vollformatkamera wird da noch deutlich mehr rausholen können, was bei gleicher Brennweite (8,8mm) schon an ein Fischauge herankommen könnte.
Aber dies ist eine Endlos-Geschichte und stellt einfach die Grenzen der Physik klar. Diese Kamera ist tatsächlich mit ihren fotografischen Eigenschaften, dem hervorragenden Objektiv (8,8mm bis 220mm Brennweite Zoom bei recht niedriger Blende, TOP!) und dem riesigen Haufen digitaler Spielereien eine eierlegende Wollmilchsau in ihrem Segment. Geeignet für den Anfänger und sogar den ambitionierten fortgeschrittenen Hobbyfotograf.
Ergänzung zum ISO: Die Kamera kommt im Gegensatz zu meinem bisherigen Equipment (Canon EOS 700D) extrem gut mit höheren ISO-Werten klar. Und nicht nur das, sie hat auch zuschaltbare Features an Bord, die die Rauschunterdrückung noch verbessern. Bei mir lag die Schmerzgrenze bisher unter ISO 1000, jetzt ist sie nach ersten Versuchen locker bei ISO 3200, selbst mit ISO 6400 können sich Bilder noch sehen lassen, wenn man sie nicht großformatig ausdrucken möchte.
Ergänzung Fokus: Für Umsteiger von Kameras mit extrem schnellen Fokus (vor allem bei schnellen Serienaufnahmen) ist es vielleicht gut zu wissen, dass der Fokus der RX10 Mark 3 nicht der schnellste aller Zeiten ist. Die Kamera hat einige Serienbild-Modi und bei gutem Licht schafft sie auch massiv viele Bilder pro Sekunde, jedoch muss gleichzeitig mit etwas Ausschuss gerechnet werden, welcher dem Verfolgungsfokus geschuldet ist. Für Einzelbilder fokusiert die Kamera allerdings schnell genug, um einen Vogel im Flug scharf zu fotografieren muss man einfach lang genug drauf halten und dann am Rechner das richtige Bild finden. Für Einsteiger sollte dieser Aspekt kaum zum Tragen kommen, denn die ausgediente Urlaubsknipse für 100 Euro kommt da laaaaange nicht heran :)
Ergänzung zur Filmfunktion: Die Filmfunktion liefert hervorragende Bilder, sowohl in HD als auch in 4K. SteadyShot, also der Bildstabilisator arbeitet in seiner höchsten von drei Stufen allerdings nur in HD bis 25fps. In höheren Aufnahmemodi ist man auf die erste Stufe beschränkt, die eine ruhige Hand oder ein Stativ erfordert. Das können kleine Actioncams deutlich besser, aber dafür sind sie gebaut worden. Dafür ist es allerdings ein optischer Stabilisator und kein digitaler. Im Fotomodus arbeitet SteadyShot unglaublich gut und man kann einige Belichtungsstufen länger aus der Hand fotografieren als ohne.
Ein wesentliches Schmankerl ist die Slomo-Funktion auf die ich als Fan von Superzeitlupen besonders gespannt war. Gut, man darf natürlich keine Fernsehqualität erwarten, denn diese Kameras kosten mehrere tausend Euro (Miete am Tag) und man braucht für die 40fache Verlangsamung verdammt viel Licht (1/1000sek Belichtungszeit max bei 1000 Bildern pro Sekunde wollen versorgt werden), aber die Ergebnisse können sich sehen lassen. Ich habe ein erstes kleines Experiment in der Wohnung gemacht:
2 Lightboxen mit je 135W Energiesparlampen voll drauf, den ISO-Wert auf 500 geschraubt (was bei der Funktion mMn die Schmerzgrenze ist) und die Blende lag vielleicht bei 2.8. Damit konnten die 1000 Bilder pro Sekunde durchrauschen. 2sek ergaben dann einen Film von ca. 85sek Länge. den ich völlig unbearbeitet hier anhängen möchte. Ich hoffe die Qualität wird nicht zu sehr gemindert, ansonsten würde ich einen YT-Link anfügen.
Zusammen mit einer kostenpflichtigen Zeitraffer-App liefert die Kamera auch coole Filme einfach aus der Box heraus. Keine mühselige Puzzelei, Lightroom-Vorbereitung und Nachbearbeitung der Quellfotos mehr. Traumhaft. Ich habe mir die Mühe gemacht und mich in meinem Wohnort an einen schönen Punkt gestellt und ca. 2,5h den Sonnenuntergang von der Kamera (mit Powerbank s.unten) fotografieren lassen. Der völlig unbearbeitete Film findet sich hier (darf nur ein Video anhängen): -RM6huI-OIY bei YT (lediglich etwas Musik habe ich automatisch hinterlegen lassen). Dass der Film etwas ruckelig wirkt liegt am falsch eingestellten Slider, den ich benutzt habe.
Was ich besonders toll finde, ist die Spannungsversorgung. Der Akku hat eine Kapazität von gerade mal 1050mAh, ein Originalakku von Sony kostet im besten Fall 50 Euro, ein Chinaböller gleichen Bautyps vielleicht 12 Euro. Statt sich aber mit tonnenweise Ersatzakkus einzudecken, empfehle ich eine Powerbank zu kaufen! Ich habe für 30 Euro eine Powerbank mit 22.500 mAh Kapazität erworben (was etwa 18 Akkus entspricht). USB-Kabel verbinden und die Kamera wird geladen UND jetzt kommts: Sie wird sogar während des Betriebs von der Powerbank mit Spannung versorgt, was gerade bei längeren Betriebszeiten auf dem Stativ (Thema Zeitraffer) absolut von Vorteil ist.
Zwei kleine Dinge noch, die für den Kauf eventuell entscheidend sind. Diese sind kein Manko der Kamera selbst, sondern des Konzerns selbst. Es liegt lediglich eine wenige Seiten dicke Kurzerläuterung der Bedienelemente und des Kameramenüs in deutscher Sprache bei, wobei Kurzerläuterung schon maßlos übertrieben ist. Bei dem schon stolzen Preis erwarte ich da mehr. Außerdem ist Originalzubehör unverschämt teuer und da die Kamera erst relativ neu auf dem Markt ist, muss man für passenden Ersatz eine Weile im Internet recherchieren.
Ich habe den Kauf auf keinen Fall bereut, bin noch am kennenlernen, habe mir "Das fehlende Handbuch" für 9 Euro als Ebook gekauft und bin bisher sehr glücklich damit. Meine Empfehlung für die Kamera für die Zielgruppe, die das wollen, was diese Kamera kann. Mal so ausgedrückt ;-)











