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Schulden: Die ersten 5000 Jahre Gebundene Ausgabe – 14. Mai 2012
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Ein radikales Buch im doppelten Wortsinn, denn Graeber packt das Problem der Schulden an der Wurzel, indem er bis zu ihren Anfängen in der Geschichte zurückgeht. Das führt ihn mitten hinein in die Krisenherde unserer Zeit: Von der Antike bis in die Gegenwart sind revolutionäre Bewegungen immer in Schuldenkrisen entstanden.
Graeber sprengt die moralischen Fesseln, die uns auf das Prinzip der Schulden verpflichten. Denn diese Moral ist eine Waffe in der Hand der Mächtigen. Die weltweite Schuldenwirtschaft ist eine Bankrotterklärung der Ökonomie. Der Autor enttarnt Geld- und Kredittheorien als Mythen, die die Ökonomisierung aller sozialen Beziehungen vorantreiben.
Im Kern ist dieses Buch ein hohes Lied auf die Freiheit: Das sumerische Wort »amargi«, das Synonym für Schuldenfreiheit, ist Graeber zufolge das erste Wort für Freiheit in menschlicher Sprache überhaupt.
David Graeber ist einer der Begründer der Occupy-Bewegung.
- Seitenzahl der Print-Ausgabe536 Seiten
- SpracheDeutsch
- HerausgeberKlett-Cotta
- Erscheinungstermin14. Mai 2012
- Abmessungen16.6 x 3.9 x 23.3 cm
- ISBN-109783608947670
- ISBN-13978-3608947670
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Von der Marke
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David Graeber (1961–2020) war Professor für Anthropologie an der London School of Economics. Er war Vordenker und renommierter anarchistischer Aktivist. Seine Aktionen machten Occupy Wall Street (2012) zu einer epochemachenden Bewegung. Völlig überraschend starb David Graeber am 2. September 2020 in Venedig. Sein letztes großes Werk "Anfänge. Eine neue Geschichte der Menschheit" ist im Frühjahr 2022 posthum bei Klett-Cotta erschienen.
Produktbeschreibungen
Pressestimmen
»Graebers anthropologischer Blick auf die vergangenen 5000 Jahre offenbart eine überaus dramatische Sozial-, ja Menschheitsgeschichte. Ihr Ausgang steht noch längst nicht fest.« Andreas Zielcke, Süddeutsche Zeitung -- Andreas Zielcke ― Süddeutsche Zeitung
»Man kann in David Graebers furiosem und gelehrtem Buch ›Schulden‹ viel lernen.« Mathias Greffrath, Die Zeit -- Mathias Greffrath ― Die Zeit
»Graeber entzaubert die prägenden Denkmuster unserer Zeit.« John Gray, The Guardian -- John Gray ― The Guardian
Klappentext
Über den Autor und weitere Mitwirkende
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
1 Über die Erfahrung der moralischen Verwirrung
Schuld, die Substantiv
1. Ursache von etwas Unangenehmem, Bösem oder eines Unglücks, die Verantwortung dafür.
2. bestimmtes Verhalten, bestimmte Handlung, womit jmd. gegen sittliche Werte, Normen oder gegen die rechtliche Ordnung verstößt.
3. Geldbetrag, den jmd. einem anderen schuldig ist. Duden, Das große Wörterbuch der deutschen Sprache
Wenn Sie der Bank hunderttausend Dollar schulden, gehören Sie der Bank.
Wenn Sie der Bank hundert Millionen Dollar schulden, gehört die Bank Ihnen. Amerikanisches Sprichwort
Vor zwei Jahren besuchte ich infolge einiger Zufälle eine Gartenparty in der Westminster Abbey. Ich fühlte mich ein bisschen unbehaglich. Die anderen Gäste waren durchaus freundlich und nett, und Pater Graeme, der die Party organisiert hatte, war ein durch und durch liebenswürdiger und charmanter Gastgeber. Aber ich kam mir ein wenig fehl am Platz vor. Irgendwann sprach mich Pater Graeme an: Da stehe jemand gleich neben dem Brunnen, mit dem ich mich sicher gern unterhalten würde. Wie sich herausstellte, war es eine schick gekleidete junge Frau, laut Auskunft des Paters eine Anwältin – »aber eine von der engagierten Sorte. Sie arbeitet für eine Stiftung, die in London Gruppen juristisch berät, die gegen die Armut kämpfen. Sie beide haben sich wahrscheinlich viel zu erzählen.«
Wir kamen ins Gespräch. Sie berichtete von ihrer Arbeit. Ich erzählte ihr, dass ich seit vielen Jahren in der Bewegung für weltweite Gerechtigkeit aktiv war – bei den »Globalisierungsgegnern«, wie es üblicherweise in der Presse hieß. Das interessierte sie: Natürlich hatte sie viel über Seattle, Genua, über Tränengas und Straßenkämpfe gelesen, aber … hatten wir denn mit all dem etwas erreicht?
»Ja sicher, es ist sogar erstaunlich, wie viel wir in diesen ersten Jahren erreicht haben«, erwiderte ich.
»Zum Beispiel ?«
»Nun, zum Beispiel haben wir es beinahe geschafft, den IWF auszuschalten.«
Zufällig wusste sie nicht, was der IWF ist, und ich erklärte ihr, dass der Internationale Währungsfonds als der Schuldeneintreiber der Welt fungiert: »Man könnte sagen, er ist in der Hochfinanz das Äquivalent zu den Jungs, die kommen und einem die Beine brechen.« Ich ließ mich über den historischen Hintergrund aus, erklärte, wie die OPEC-Staaten während der Ölkrise in den 1970er Jahren so viel von ihren neu erworbenen Reichtümern an westliche Banken überwiesen, dass die Banken gar nicht wussten, wo sie das Geld investieren sollten; wie Citibank und Chase Manhattan Bank deshalb Vertreter in alle Welt aussandten, die Politiker und Diktatoren der Dritten Welt überreden sollten, Kredite aufzunehmen (damals hieß das »Go-Go-Banking«); wie sie mit äußerst niedrigen Zinsen begannen, die aber dank der rigorosen Geldpolitik der Vereinigten Staaten in den 1980er Jahren bald auf 20 Prozent und mehr in die Höhe schossen; wie das in den 1980er und 1990er Jahren zur Schuldenkrise der Dritten Welt führte; wie sich dann der IWF einschaltete und darauf beharrte, zur Refinanzierung müssten die armen Länder gezwungen werden, die Subventionierung von Grundnahrungsmitteln aufzugeben oder sogar die Politik, strategische Lebensmittelreserven anzulegen sowie freie Gesundheitsversorgung und freie Bildung bereitzustellen; wie all dies damit endete, dass die ärmsten und am meisten gefährdeten Völker der Welt die grundlegende Unterstützung verloren hatten. Ich sprach von Armut, von der Ausplünderung öffentlicher Ressourcen, vom Zusammenbruch von Gesellschaften, von endemischer Gewalt, Mangelernährung, Hoffnungslosigkeit und zerstörten Leben.
»Aber wie war ihre Einstellung?«, fragte die Anwältin.
»Zum IWF? Wir wollten ihn abschaffen.«
»Nein, ich meine, zu den Schulden der Dritten Welt.«
»Oh, die wollten wir auch abschaffen. Zunächst einmal wollten wir den IWF daran hindern, dass er weiter Strukturanpassungsprogramme verlangte, die unmittelbaren Schaden anrichteten, und das erreichten wir überraschend schnell. Langfristiges Ziel war der Schuldenerlass. So etwas wie der vollständige Ablass in der Kirche. Nach unserer Einschätzung reichte es, dass seit 30 Jahren Geld aus den ärmsten Ländern in die reichsten geflossen war.«
»Aber«, wandte sie ein, als wäre das offensichtlich, »sie hatten sich das Geld geliehen! Schulden muss man doch zurückzahlen.«
An dieser Stelle wurde mir klar, dass das Gespräch ganz anders verlaufen würde, als ich es mir ursprünglich vorgestellt hatte.
Wo sollte ich anfangen? Ich hätte damit anfangen können zu erklären, wie diese Kredite ursprünglich von selbsternannten Diktatoren aufgenommen worden waren, die den größten Teil des Geldes direkt auf ihre Schweizer Bankkonten überwiesen, und ich hätte sie fragen können, ob sie es gerecht fand, wenn man darauf beharrte, dass die Gläubiger ihr Geld nicht von dem Diktator oder seinen Kumpanen zurückerhielten, sondern indem sie buchstäblich hungrigen Kindern das Essen wegnahmen. Oder denken wir nur daran, wie viele dieser armen Länder durch das Wunder des Zinseszinseffekts bis heute das Drei- oder Vierfache der geliehenen Summen zurückgezahlt haben, und trotzdem hat sich ihre Kreditsumme kaum verringert. Ich hatte auch beobachtet, dass es einen Unterschied zwischen der Refinanzierung von Krediten und der Forderung gab, dass Länder, um eine Refinanzierung zu bekommen, einen orthodox marktwirtschaftlichen Kurs verfolgen müssen, der in Washington oder Zürich beschlossen wurde und dem die Menschen in den betroffenen Ländern nie zugestimmt haben und nie zustimmen werden. Ebenso war es einigermaßen unehrlich, zu verlangen, dass diese Länder demokratische Institutionen bekommen sollten, und dann darauf zu beharren, dass die gewählten Politiker nicht über den politischen Kurs in den Ländern entscheiden dürften. Oder ich beobachtete, dass die vom IWF verordnete Wirtschaftspolitik nicht einmal funktionierte. Aber all dem lag ein grundsätzlicheres Problem zugrunde: die Voraussetzung, dass Schulden überhaupt zurückgezahlt werden müssen.
Das Erstaunliche an dem Satz »man muss seine Schulden zurückzahlen« ist, dass er nach der ökonomischen Standardtheorie nicht stimmt. Wer Geld verleiht, muss ein gewisses Risiko tragen. Wenn alle Kredite, egal wie idiotisch sie sind, immer einzutreiben wären – wenn es zum Beispiel kein Insolvenzrecht gäbe –, wären die Folgen katastrophal. Warum sollte ein Geldgeber nicht einen dummen Kredit vergeben?
»Nun, ich weiß, es klingt wie eine Selbstverständlichkeit«, sagte ich, »aber das Lustige ist, dass, ökonomisch gesehen, Darlehen nicht so funktionieren. Finanzinstitute sollen Ressourcen in profitable Investitionen lenken. Wenn eine Bank eine Garantie hätte, dass sie Geld plus Zinsen zurückbekommt, ganz gleich was sie tut, würde das gesamte System nicht funktionieren. Nehmen wir einmal an, ich gehe in die nächste Filiale der Royal Bank of Scotland und sage: ›Hören Sie, ich habe einen ganz tollen Tipp für das Pferderennen bekommen. Könnten Sie mir 2 Millionen Pfund leihen?‹ Natürlich würden mich die Leute dort einfach auslachen. Denn sie wissen genau, dass sie ihr Geld nie wiedersehen, wenn mein Pferd nicht gewinnt. Stellen wir uns aber einmal vor, es gäbe ein Gesetz, das der Bank garantiert, dass sie ihr Geld unter allen Umständen zurückbekommt, selbst wenn es bedeuten würde, dass ich, sagen wir einmal, meine Tochter in die Sklaverei verkaufen oder meine Organe verscherbeln müsste oder etwas in der Art. Warum sollten sie mir dann das Geld nicht geben? Und lieber warten, bis jemand hereinspaziert, der einen realistischen Plan für einen Waschsalon oder dergleichen hat? Im Grunde ist genau das die Situation, die der IWF auf globaler Ebene geschaffen hat – auf diese Weise kriegt man alle Banken dazu, dass sie einer Bande offensichtlicher Gauner Milliarden von Dollar zuschieben.«
Ich kam mit meinen Ausführungen nicht weiter, weil ungefähr an dieser...
Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Schuld, die Substantiv
1. Ursache von etwas Unangenehmem, Bösem oder eines Unglücks, die Verantwortung dafür.
2. bestimmtes Verhalten, bestimmte Handlung, womit jmd. gegen sittliche Werte, Normen oder gegen die rechtliche Ordnung verstößt.
3. Geldbetrag, den jmd. einem anderen schuldig ist. Duden, Das große Wörterbuch der deutschen Sprache
Wenn Sie der Bank hunderttausend Dollar schulden, gehören Sie der Bank.
Wenn Sie der Bank hundert Millionen Dollar schulden, gehört die Bank Ihnen. Amerikanisches Sprichwort
Vor zwei Jahren besuchte ich infolge einiger Zufälle eine Gartenparty in der Westminster Abbey. Ich fühlte mich ein bisschen unbehaglich. Die anderen Gäste waren durchaus freundlich und nett, und Pater Graeme, der die Party organisiert hatte, war ein durch und durch liebenswürdiger und charmanter Gastgeber. Aber ich kam mir ein wenig fehl am Platz vor. Irgendwann sprach mich Pater Graeme an: Da stehe jemand gleich neben dem Brunnen, mit dem ich mich sicher gern unterhalten würde. Wie sich herausstellte, war es eine schick gekleidete junge Frau, laut Auskunft des Paters eine Anwältin - »aber eine von der engagierten Sorte. Sie arbeitet für eine Stiftung, die in London Gruppen juristisch berät, die gegen die Armut kämpfen. Sie beide haben sich wahrscheinlich viel zu erzählen.«
Wir kamen ins Gespräch. Sie berichtete von ihrer Arbeit. Ich erzählte ihr, dass ich seit vielen Jahren in der Bewegung für weltweite Gerechtigkeit aktiv war - bei den »Globalisierungsgegnern«, wie es üblicherweise in der Presse hieß. Das interessierte sie: Natürlich hatte sie viel über Seattle, Genua, über Tränengas und Straßenkämpfe gelesen, aber ... hatten wir denn mit all dem etwas erreicht?
»Ja sicher, es ist sogar erstaunlich, wie viel wir in diesen ersten Jahren erreicht haben«, erwiderte ich.
»Zum Beispiel ?«
»Nun, zum Beispiel haben wir es beinahe geschafft, den IWF auszuschalten.«
Zufällig wusste sie nicht, was der IWF ist, und ich erklärte ihr, dass der Internationale Währungsfonds als der Schuldeneintreiber der Welt fungiert: »Man könnte sagen, er ist in der Hochfinanz das Äquivalent zu den Jungs, die kommen und einem die Beine brechen.« Ich ließ mich über den historischen Hintergrund aus, erklärte, wie die OPEC-Staaten während der Ölkrise in den 1970er Jahren so viel von ihren neu erworbenen Reichtümern an westliche Banken überwiesen, dass die Banken gar nicht wussten, wo sie das Geld investieren sollten; wie Citibank und Chase Manhattan Bank deshalb Vertreter in alle Welt aussandten, die Politiker und Diktatoren der Dritten Welt überreden sollten, Kredite aufzunehmen (damals hieß das »Go-Go-Banking«); wie sie mit äußerst niedrigen Zinsen begannen, die aber dank der rigorosen Geldpolitik der Vereinigten Staaten in den 1980er Jahren bald auf 20 Prozent und mehr in die Höhe schossen; wie das in den 1980er und 1990er Jahren zur Schuldenkrise der Dritten Welt führte; wie sich dann der IWF einschaltete und darauf beharrte, zur Refinanzierung müssten die armen Länder gezwungen werden, die Subventionierung von Grundnahrungsmitteln aufzugeben oder sogar die Politik, strategische Lebensmittelreserven anzulegen sowie freie Gesundheitsversorgung und freie Bildung bereitzustellen; wie all dies damit endete, dass die ärmsten und am meisten gefährdeten Völker der Welt die grundlegende Unterstützung verloren hatten. Ich sprach von Armut, von der Ausplünderung öffentlicher Ressourcen, vom Zusammenbruch von Gesellschaften, von endemischer Gewalt, Mangelernährung, Hoffnungslosigkeit und zerstörten Leben.
»Aber wie war ihre Einstellung?«, fragte die Anwältin.
»Zum IWF? Wir wollten ihn abschaffen.«
»Nein, ich meine, zu den Schulden der Dritten Welt.«
»Oh, die wollten wir auch abschaffen. Zunächst einmal wollten wir den IWF daran hindern, dass er weiter Strukturanpassungsprogramme verlangte, die unmittelbaren Schaden anrichteten, und das erreichten wir überraschend schnell. Langfristiges Ziel war der Schuldenerlass. So etwas wie der vollständige Ablass in der Kirche. Nach unserer Einschätzung reichte es, dass seit 30 Jahren Geld aus den ärmsten Ländern in die reichsten geflossen war.«
»Aber«, wandte sie ein, als wäre das offensichtlich, »sie hatten sich das Geld geliehen! Schulden muss man doch zurückzahlen.«
An dieser Stelle wurde mir klar, dass das Gespräch ganz anders verlaufen würde, als ich es mir ursprünglich vorgestellt hatte.
Wo sollte ich anfangen? Ich hätte damit anfangen können zu erklären, wie diese Kredite ursprünglich von selbsternannten Diktatoren aufgenommen worden waren, die den größten Teil des Geldes direkt auf ihre Schweizer Bankkonten überwiesen, und ich hätte sie fragen können, ob sie es gerecht fand, wenn man darauf beharrte, dass die Gläubiger ihr Geld nicht von dem Diktator oder seinen Kumpanen zurückerhielten, sondern indem sie buchstäblich hungrigen Kindern das Essen wegnahmen. Oder denken wir nur daran, wie viele dieser armen Länder durch das Wunder des Zinseszinseffekts bis heute das Drei- oder Vierfache der geliehenen Summen zurückgezahlt haben, und trotzdem hat sich ihre Kreditsumme kaum verringert. Ich hatte auch beobachtet, dass es einen Unterschied zwischen der Refinanzierung von Krediten und der Forderung gab, dass Länder, um eine Refinanzierung zu bekommen, einen orthodox marktwirtschaftlichen Kurs verfolgen müssen, der in Washington oder Zürich beschlossen wurde und dem die Menschen in den betroffenen Ländern nie zugestimmt haben und nie zustimmen werden. Ebenso war es einigermaßen unehrlich, zu verlangen, dass diese Länder demokratische Institutionen bekommen sollten, und dann darauf zu beharren, dass die gewählten Politiker nicht über den politischen Kurs in den Ländern entscheiden dürften. Oder ich beobachtete, dass die vom IWF verordnete Wirtschaftspolitik nicht einmal funktionierte. Aber all dem lag ein grundsätzlicheres Problem zugrunde: die Voraussetzung, dass Schulden überhaupt zurückgezahlt werden müssen.
Das Erstaunliche an dem Satz »man muss seine Schulden zurückzahlen« ist, dass er nach der ökonomischen Standardtheorie nicht stimmt. Wer Geld verleiht, muss ein gewisses Risiko tragen. Wenn alle Kredite, egal wie idiotisch sie sind, immer einzutreiben wären - wenn es zum Beispiel kein Insolvenzrecht gäbe -, wären die Folgen katastrophal. Warum sollte ein Geldgeber nicht einen dummen Kredit vergeben?
»Nun, ich weiß, es klingt wie eine Selbstverständlichkeit«, sagte ich, »aber das Lustige ist, dass, ökonomisch gesehen, Darlehen nicht so funktionieren. Finanzinstitute sollen Ressourcen in profitable Investitionen lenken. Wenn eine Bank eine Garantie hätte, dass sie Geld plus Zinsen zurückbekommt, ganz gleich was sie tut, würde das gesamte System nicht funktionieren. Nehmen wir einmal an, ich gehe in die nächste Filiale der Royal Bank of Scotland und sage: »Hören Sie, ich habe einen ganz tollen Tipp für das Pferderennen bekommen. Könnten Sie mir 2 Millionen Pfund leihen?« Natürlich würden mich die Leute dort einfach auslachen. Denn sie wissen genau, dass sie ihr Geld nie wiedersehen, wenn mein Pferd nicht gewinnt. Stellen wir uns aber einmal vor, es gäbe ein Gesetz, das der Bank garantiert, dass sie ihr Geld unter allen Umständen zurückbekommt, selbst wenn es bedeuten würde, dass ich, sagen wir einmal, meine Tochter in die Sklaverei verkaufen oder meine Organe verscherbeln müsste oder etwas in der Art. Warum sollten sie mir dann das Geld nicht geben? Und lieber warten, bis jemand hereinspaziert, der einen realistischen Plan für einen Waschsalon oder dergleichen hat? Im Grunde ist genau das die Situation, die der IWF auf globaler Ebene geschaffen hat - auf diese Weise kriegt man alle Banken dazu, dass sie einer Bande offensichtlicher Gauner Milliarden von Dollar zuschieben.«
Produktinformation
- ASIN : 3608947671
- Herausgeber : Klett-Cotta; 9. Druckaufl., 2021 Edition (14. Mai 2012)
- Sprache : Deutsch
- Gebundene Ausgabe : 536 Seiten
- ISBN-10 : 9783608947670
- ISBN-13 : 978-3608947670
- Originaltitel : Debt
- Abmessungen : 16.6 x 3.9 x 23.3 cm
- Amazon Bestseller-Rang: Nr. 203,026 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
- Nr. 193 in Finanzpolitik (Bücher)
- Nr. 233 in Wirtschaftsgeschichte (Bücher)
- Nr. 287 in Wirtschaftspolitik (Bücher)
- Kundenrezensionen:
Informationen zum Autor

David Graeber, geboren am 12. Februar 1961 in den Vereinigten Staaten, unterrichtete bis 2007 als Anthropologe in Yale und lehrte danach am Goldsmith-College in London. Graeber hat fast zwei Jahre in einer direkte Demokratie praktizierenden Gemeinschaft auf Madagaskar gelebt, war bekennender Anarchist, Mitglied der »Industrial Workers of the World« und der wahrscheinlich wichtigste Vordenker der Occupy-Bewegung. David Graeber, Autor mehrerer Weltbestseller, u.a. „Schulden“ (2012), ist am 2. September 2020 im Alter von 59 Jahren völlig überraschend in Venedig gestorben.
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Graeber zeigt, dass die vorherrschende Auffassung vom Gelde eine Konsequenz aus der - den Tatsachen nicht gerecht werdenden - Fiktion ist, das Geld sei als ein Mittel zur Senkung der durch Arbeitsteilung gestiegenen Transaktionskosten in eine bereits zuvor bestehende Tauschwirtschaft eingeführt worden. Die Vorstellung von der Tauschwirtschaft in früheren Gesellschaften ist nicht nur unzutreffend; sie suggeriert auch, es würden auf Märkten Äquivalente getauscht. Daraus muss man schließen: Hat jemand Schulden, so nur deswegen, weil er etwas erhalten hat, wofür er das Äquivalent zu liefern versprach, aber noch nicht geliefert hat. Das führt zum plausiblen Schluss, dass Schulden zurückgezahlt werden müssen. Alles andere erscheint als ungerecht.
In der 5000jährigen Geschichte der Menschheit gibt es keine Nachweise für arbeitsteilige Tauschwirtschaften. Effizienz erhöhende Arbeitsteilung setzt in Wirklichkeit schon ein ,Rechengeld` (money of account) in den Köpfen der Wirtschafter voraus, statt ex post deren Probleme zu lösen. Rechengeld ist die Bedingung der durchgängigen, sozusagen buchhalterischen Bewertung der zu ,tauschenden' Produkte der Spezialisierung. Geld muss es also gegeben haben, ehe Arbeitsteilung stattfinden konnte.
Graeber berichtet, wie bei afrikanischen und asiatischen Völkern viele Dinge als Geld im sozialen Zusammenhang aber nicht im Tausch genutzt wurden. Münzgeld (money proper) entstand dagegen simultan als Spiegelbild der Steuern mit den Kriegszügen der sich in der Achsenzeit bildenden Großreiche. Bei Graeber ist der Markt direkt die Schöpfung des Staates. Der Staat entlohnt seine Soldaten mit Münzen und verlangt, dass Steuern ausschließlich in dem Münzgeld zu zahlen sind. Die der Steuer Unterworfenen müssen also, das, was die Soldaten benötigen, auf Märkten feilbieten, um Steuern zur Finanzierung der Kriege zahlen zu können. Der erfolgreiche Krieg zwingt die Besiegten, Tribut in Edelmetall zu leisten, um der Plünderung Einhalt zu gebieten. Er brachte auch Gefangene, die als Sklaven in den heimischen Minen dem Staat neues Metall für neue Münzprägungen fördern konnten.
Um den Realitätsgehalt dieser ,Geschichte` sollte man nicht streiten. Man kann auch andere Szenarien für plausibler halten. Sicher ist der damit im Buch verbrauchte Text mit rund 250 Seiten für Ethnologen viel bedeutender als für Ökonomen. Graeber hat eine Anmerkung von Heinsohn/Steiger zum Mangel einer ethnologischen Theorie des Geldes aus dem Jahre 1989 offenbar sehr ernst genommen. Geld und Geldwirtschaft müssen zwar nicht von orthodoxen Ökonomen, aber doch ökonomisch erklärt werden können, wenn eine Ökonomik überhaupt Sinn haben soll.
Wirklich Unzutreffendes enthält das Werk auch. Nicht in dem von Graeber gemeinten Sinne zu halten ist die These, die Bank von England wäre für ihre Notenemission auf die 12 Million £ betragende Schuld des Königs von England angewiesen gewesen. Die ,ewige Rente` war die Bedingung für die Lizenz, eine monopolistische Notenbank betreiben zu dürfen, die gesetzliche Zahlungsmittel emittieren durfte. Das zur Notenemission führende Hauptgeschäft der Bank war aber die Refinanzierung der Londoner Kaufleute, indem sie deren Handelswechsel dann ankaufte, wenn sie kurzfristig fällig waren und genügend Unterschriften von als zahlungsfähig bekannten Wirtschaftern trugen. Auch konnte jedermann gegen Edelmetall Noten der Bank von England bekommen. Beschränkend wirkte nur, dass die Noten anfangs auf höhere Beträge ausgegeben wurden, als es für ihre Verwendung im Verkehr der ,kleinen Leute' nötig gewesen wäre. Dieser Wirtschaftsverkehr blieb weiter von der Versorgung mit königlichem Münzgeld abhängig.
Schade auch, dass Graeber sich in der Nachfolge von John Maynard Keynes und Abba P. Lerner zu dem Irrtum der ,staatlichen Theorie des Geldes` von Georg Friedrich Knapp bekennt. Wenn der Staat die Macht hätte, alles zu Geld zu erklären, was er als Tilgung von Steuerschulden anzunehmen bereit ist, hätten viele Länder der sogenannten 3. Welt entschieden weniger Probleme als man es heute feststellen muss. Wieso aber der Geldbedarf einer Wirtschaft, die nicht eine Staatsplanwirtschaft ist, dem Volumen nach gerade durch die öffentlichen Ausgaben gedeckt werden sollte, gehört ebenso zu den ungelösten Rätseln dieser Theorie wie die Frage, wer Investor in einer Wirtschaft werden sollte, deren Währung beliebig nach den ,Bedürfnissen` des Staates in ihrem Wert gemindert werden kann.
Definitiv falsch ist auch die Behauptung, alles Geld sei heute Fiat Money. Dass das US-Zentralbanksystem ab 1936 direkt Staatsschuldpapiere ankaufen durfte, hat deutlich genug die Währung der Vereinigten Staaten ruiniert. Waren 4,20 DM nach der Währungsreform der westlichen Besatzungszonen Deutschlands erforderlich, um einen Dollar zu kaufen, so nahmen Berliner Taxifahrer den Dollar auf dem Höhepunkt seiner Schwäche nur noch zum Kurs 1:1 an. Auf dem Devisenmarkt kostete er zu dieser Zeit weniger als 1,40 DM. Greenspan beendete diese Praxis, indem er den Direktankauf von Bonds in Swapgeschäfte transformierte und führte damit den Dollar wieder fast an den alten Wechselkurs heran. Die Änderung war schlicht, dass statt Zahlungsversprechen eines Schuldners, dessen Rückzahlungsbereitschaft tatsächlich nicht besteht, nun wieder Forderungen von zahlungsfähigen Gläubigern gegen diesen Staat die Grundlage des Refinanzierungsgeschäftes bildeten.
Ob der Dollar funktionsfähiges Geld oder auf das Inland beschränkte Staatszahlungsmittel ist, hängt auch nicht von der durch Nixon 1971 beendeten Einlösung in Gold ab, die ohnehin nur noch für Zentralbanken bestand, sondern davon, welchen Marktwert die Aktiva des Zentralbanksystems haben. Eine graduelle Verwässerung der Währung durch Emission von Noten gegen zumindest aktuell wertloses Material als Sicherung oder in Geschäften auf eigene Rechnung des Zentralbanksystems führt nach wie vor zu einer Entwertung des Dollars. Dies auch, wenn es durch gleichschrittliches Verhalten anderer Zentralbanken nicht im Wechselkurs zu erkennen ist. Wenn der Wert der US-Zentralbankaktiva eines Tages auf Null fiele, hörte der Dollar auf, Geld zu sein und würde auf fremden Märkten nicht mehr für Zahlungen akzeptiert. Im Inland könnte er dann nur durch Devisenzwangswirtschaft und Strafandrohungen jenen aufgezwungen werden, die sich wie Lohnarbeiter dem nicht entziehen können. Eine Situation, in der dies eintritt, ist möglich, aber noch immer nicht sehr wahrscheinlich. Im Fall des Euro wäre dieser Punkt noch entschieden weniger reale Möglichkeit als für den Dollar heute, wenn der Euroraum nicht ein System in 17 unterschiedlichen finanzpolitisch autonomen Umfeldern wäre. Wetten auf das Ende des Beistands an zahlungsunfähige Mitgliedsländer sind derart keinesfalls durch den ,inneren Wert` der Eurowährung auszuschließen. Eurobonds würden dies ausschließen, aber sie würden wohl den Teufel mit dem Beelzebub austreiben und die Eurozone zur Inflationsgemeinschaft machen.
Das alles kann als Nebensache an dem Buch abgehakt werden. Sein Wert besteht in dem mit Graebers Sicht möglichen völlig neuen Verständnis von Leistungsbilanzsalden, von Entwicklungshilfe und internationalen wie nationalen Schulden und dies für öffentliche und private Haushalte. Die Zwangsläufigkeit, dass Schulden zurückgezahlt werden müssten, ist damit kaum noch zu begründen. Seine Forderung nach einem ,Jubeljahr`, in dem sie fast allesamt zu streichen wären, hat ihren Charme und immerhin ein Gewicht, das Frankfurt in Angst und Schrecken versetzt.
Schulden sind älter als Geld. Sie entstehen, wenn einander nicht vollkommen vertraute Menschen in wirtschaftlichen Austausch treten und beginnen, über ihre gegenseitigen Verpflichtungen Aufzeichnungen (Kerbholz) zu führen. Über diese Art von Schulden wird das Zusammenleben in frühen arbeitsteiligen Gesellschaften organisiert. Diese, das Leben der Menschen verbessernde Funktion schlug ins krasse Gegenteil um, wenn - verstärkt durch hohe Zinsen - Schuldner ihre Schulden nicht zurückzahlen konnten. In der Antike ging das dann bis hin zur Schuldsklaverei, in die sie ihre Kinder, Frauen und schließlich auch sich selbst begeben mussten, bis sie Schuld und Zins entweder getilgt hatten oder ein einsichtsvoller Herrscher einen Schuldenerlass verkündete. Auch die Zinsen selbst waren aus gutem Grund entstanden, weil Gläubiger so Geld an Fernhändler verleihen konnten, ohne (wie beim Teilen des Gewinns) sich in Abhängigkeit von deren (Lügen)geschichten begeben zu müssen. Problematisch werden sie vor allem, wenn sie von Menschen verlangt werden, die Schulden nicht zum Erzielen von Gewinnen, sondern zur Bestreitung ihres Lebensunterhalts aufnehmen, oft auch zum nackten Überleben aufnehmen müssen. Die persönliche Verschuldung beschreibt Graeber als eine der stärksten Triebkräfte in der Geschichte, auf deren Konto auch unzählige Grausamkeiten gehen. So waren die Spanier und Portugiesen, die Inka- und Mayareiche in ihrer Gier nach Gold brutal zerstörten, die Menschen dort töteten oder versklavten, nicht von vornherein amoralisch, sondern selbst über die Ohren verschuldet.
Frühformen von Geld waren in primitiven Gesellschaften kein Mittel für den alltäglichen Austausch (diese Annahme der klassischen Ökonomie entlarvt Graeber als Mythos), sondern dienten der Stiftung und Festigung menschlicher Zusammenhänge (Graeber nennt diese Gesellschaften deshalb humane Ökonomien), wie beispielsweise die Zahlung eines Brautpreises. Münzgeld wurde erstmals von antiken Staaten geprägt, um Soldaten und Rüstung über Steuern bezahlen zu können. Die Herrscher zahlten den Sold in Gold-, Silber oder Kupfermünzen und verpflichteten ihre Untertanen, in eben diesen Münzen Steuern zu entrichten. Dadurch brauchten die Untertanen das Geld. Um es zu erlangen, mussten sie den Soldaten die zum Leben notwendigen Güter verkaufen. Auf die gleiche Weise kam um 1700 in Europa das erste moderne Papiergeld im Zusammenhang mit Kriegsfinanzierung in Umlauf.
Bis ganz kurz vor Schluss las ich das Buch voller Faszination über immer wieder neue und unerwartete Entdeckungen in einer Historie, deren Grundzüge ich zu kennen glaubte. Graebers Schluss ist jedoch ausgesprochen schwach. In den letzten Seiten lobt er die nichtfleißigen Armen, denen die Welt ein Auskommen bieten müsste, da sie niemandem etwas zu Leide täten (wer die "Diktatur des Proletariats" erlebt hat, kann da anderer Meinung sein) und die amerikanischen Eliten dafür, dass sie ihren einheimischen Armen durch wechselkursbedingt besonders günstige Importe aus China das Leben erleichtern. Er favorisiert Schuldenerlasse - als ob Gläubiger immer noch die Reichen der alten Zeiten wären und nicht heute auch ganz normale arbeitende Menschen zur Aufbau ihrer Altersversorgung in Pensionskassen einzahlten, die dann in Staatsanleihen investieren. Allerdings hat dieser schwache Schluss ebenso wie Graebers Unterstützung der Occupy-Bewegung eine faszinierende biografische Wurzel. Graeber ist - wie ich gestern auf der Vorstellung der deutschen Übersetzung des Buches im Münchner Literaturhaus erfuhr - ein in der Wolle gefärbter Anarchist. Bereits sein Vater war ein anarchistischer Aktivist und sogar Patenkind von Leo Trotzki - immerhin Lenins designiertem, von Stalin entmachteten Nachfolger. In Hinblick darauf sollte der Leser mit den Merkwürdigkeiten des Schlusses Nachsicht haben.









