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Kundenrezensionen

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am 26. Mai 2001
Das Buch von Tim Parks lässt den Leser von Anfang an nicht los.
Der Romanheld Chris Burton erzählt sein Leben und das seiner Familie.
Er ist dreißig Jahre mit Mara, seiner Frau, verheiratet.Tim Parks baut um die Figur des kranken Sohnes Marco die ganze amiliengeschichte auf und hält sie auch dadurch zusammen: die Mutter, die sich in krankhafter Weise an den heißersehnten Sohn klammert und der Vater, der dem nichts entgegensetzt;die Lagerbildung in der Familie; die verzweifelten Versuche von Marco, sich der Umklammerung durch die Mutter zu entziehen.Vielleicht ein bißchen übertrieben, daß auch noch Paola, die Adoptivtochter, fast wie ein häßliches,fernes Stiefkind erscheint. Vanoli, der den Sohn behandelnde Psychiater, erscheint als ein gütiger und weiser Mann : er weiß um die Verschiebung von Konflikten in Familien. An irgendeiner Stelle sagt Vanoli, daß sich in unserer Zeit immer jemand emotional verantwortlich und schuldig fühle für die Probleme der anderen.Das scheint mir eine kluge Erkenntnis zu sein!
In einem unentwegten inneren Monolog denkt Chris über das Versäumte und nicht mehr Aufzuholende nach. Selbst bis in den Traum hinein reichen die Betrachtungen und Vergleiche über das, was das Leben so schwierig macht. Ein bleibender Eindruck dieses Buches ist, daß der Icherzähler die ganze Zeit seine Empfindungen, Gedanken ,Ängste und Lebensperspektiven reflektiert. Das betrifft nicht nur sein Familienleben, sondern auch seine beruflichen Entwicklungen. Der Neid des Protagionisten, seine Mißgunst, sein Argwohn und die Phantasien im Hinblick auf einen Freund und Kollegen sind großartig beobachtet. Es ist ein beklemmendes Lebensbekenntnis.
Die Sätze sind lang und verschachtelt,und die Gedanken springen zuweilen unmerklich von einem Ereignis zum anderen, was zunächst ein wenig störend wirkt.Es ist aber ein besonderes Stilmittel, mit dem der Leser ganz nahe beim Erzähler ist und seinen Gedanken folgt. Die psychologischen Feinheiten der Beobachtung sind subtil und dominieren die Erzählung nicht.
Die Thesen des Buches liegen auf der Hand: es gibt einen Widerspruch im Menschen zwischen Schein und Sein, die das Berufs-und Privatleben beeinflusssen,und eine Ambivalenz zwischen Nähe und Distanz , die das Leben zwischen Partnern prägen . Die Identität eines jeden besteht u.a. aus der Fähigkeit, diese Ambivalenzen angemessen zu berücksichtigen.
So wie das Geschehen aus der Sicht der Hauptfigur beschrieben wird, mag der Leser das Buch aus seiner Sicht lesen: jeder wird das hineinsehen und herauslesen, was der jeweiligen eigenen Lebenserfahrung entspricht.
Ein sehr empfehlenswertes Buch!
Claudine Borries
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TOP 500 REZENSENTam 16. Mai 2011
Die Weisheitsgattungen über das Schicksal laufen lt. Sloterdijk (im Gespräch mit Ulrich Raulf, Seiten 15-72) in diesem Punkt zusammen: "Sämtliche Versionen antiker Schicksalsbetrachtung konvergieren in der Mahnung, der Mensch dürfe niemals der Hybris erliegen. Wer sich von der Überheblichkeit verlocken lässt, wer sich in seiner dicken Haut, in seiner Eigenmächtigkeit, in seiner phallischen Frechheit allzu sicher fühlt, der beschwört Unheil auf sein Haupt herab."

Aber auch Bescheidenheit bietet keinen Schicksalsschutz. Letztlich geht es darum, nicht sterben zu müssen, sondern zu können. Ein Satz, den ich von Kafka erinnere: "Die Entwicklung der Menschheit ist die wachsende Kraft zu sterben." (sinngemäß) Das Leben zu voll-bringen, zu Ende bringen, vom Ende her denken: mit dieser Idee lebt es sich am besten. Gar nicht daran zu denken (wie Goethe z.B.) wäre auch eine Möglichkeit, aber niemand kennt das Ende, das Erdrutschartige des Fallens aus Sicherheit und Liebe, aus der Stadt ohne Mauer. Wir werden ohne Mauern geboren, versuchen zeitlbens solche zu errichten, hinter denen wir uns in Sicherheit wähnen. Und doch müssen wir sie am Ende einreißen und erkennen, dass das Schicksal Tod stärker ist als wir.

Das Buch mäandert zwischen dem Hineingworfensein in das Schicksal, ohne Hoffnung, fatalistisch auf der einen Seite bis hin zum aufrechten Gang, der die Inbesitznahme der eigenen Wege beschreibt. Das Interview zwischen Raulf und Sloterdijk ist ein Genuss zu lesen, verständlich und klar. Es er-löst sich in den Sätzen: "Es ist sehr anstrengend, ein Individuum sein zu wollen." (Raulf). Antwort Sloterdijk: "Das Individuum ist eine vergebliche Leidenschaft, aber eine Leidenschaft soll es bleiben."

Die gezeigten Ausstellungsstücke sind solche (7x7, Seiten 75-155) Leidenschaften, Trugbilder, Ideen und Annäherungen an das Schicksal: Von Mörikes Würfel, dem Kalenderblatt von Benn 14.1.1939), bis hin zu einem Brief Schillers an Körner von 1785 und einer Notiz von Heiner Müller.

Das Interview am Anfang, die Ausstellungsstücke (7x7) danach und dann Kurzessays von B. Brock, Arno Geiger, Brigitte Kronauer, Ulrich Moritz, Hanns Zischler, Werner Spies, Botho Strauss und Martin Walser über ihre Schicksalsstücke (Seiten 157 - 166). Besonders erinnerungsstark für mich: die Abhandlung von Arno Geiger über seine Gedankenaufschreibetechniken und die Beschreibung von Martin Walser, wie er "Die Verwandlung" von Kafka erwarb bzw. behütete.

Selten habe ich eine so gute Ausstellung gesehen, selten einen so lesens- und betrachtenswerten Ausstellungskatalog in Händen gehalten.
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am 6. Oktober 2002
Das Schicksal rollt. Der Ich-Erzähler geht in seinem Leben weiter voran und dabei erinnert er sich, zieht Schlüsse, überdenkt seine Vergangenheit, kommt zu neuen Erkenntnissen, die wiederum sein jetziges Leben beeinflussen. Pointiert gelesen!
Während der Protagonist seine Gegenwart erlebt, bringt er deutlich zum Ausdruck, was ihm ge-, was ihm mißfällt, was er erfährt, was er erkennt, und auch, was ihn verletzt, was ihn beängstigt, was ihm Freude macht. Und das beschreibt er geistreich, pointenreich, amüsant.
Ein sogenanntes Vorwärts- und Rückwärts-Rollen der Geschichte, ungeheuer fließend, das stellte für mich ein tolles Hörvergnügen dar, wobei ich allerdings sagen muß, daß ich oft den Leser unterbrechen mußte, um das Gesagte zu verarbeiten. Denn für mich ist das eigentlich Meisterhafte am "Schicksal" von Tim Parks, daß er erzählt, wie man (vielleicht) einem Fremden seine Geschichte erzählt, während man in seinem Leben weitergeht: Das, was gerade passiert, wird mit dem dazugehörenden aus der Vergangenheit verbunden, Brücken zu anverwandten Erlebnissen oder Erkenntnissen werden geschlagen und umgesetzt. So kann man die Geschichte dieser Familie (Mann und Frau in Italien/England, geisteskranker Sohn, adoptierte Tochter) verstehen. Und am Ende steht ein Neuanfang...
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VINE-PRODUKTTESTERam 5. März 2006
Christopher Burtons erster Gedanke, nachdem er vom Selbstmord seines Sohnes erfahren hat, ist, dass er seine Frau nach 30 Ehejahren endlich verlassen kann.

Jedes Geschehen, jede Übereinkunft zwischen zwei Menschen hat nicht nur zwei Seiten, sondern mindestens zwei mal zwei, und mit jedem weiteren Menschen, der in das Geschehen und die Bindungen verstrickt ist, potenziert sich die Zahl.

Der englische Journalist Chris möchte zuallererst Karriere machen; seine italienische Frau ermöglicht ihm dies, und er kann die Welt bereisen, ohne sich Gedanken um sein Zuhause und seine Familie zu machen. Der abwesende Vater wird so gut ersetzt, dass er als Person überhaupt nicht mehr nötig ist. Chris wehrt sich nicht gegen die Lösung: Sie ist für ihn die bequemste. Aber ein zufriedenes Leben führt keiner der beiden; jeder hat seine Affären, seine Fluchtpunkte, seine Methode, den anderen zu verletzen. Gegen diese klammernden und gleichzeitig distanzierten Eltern setzen die Kinder ihre eigenen Lebensstrategien: Die Adoptivtochter Paola bricht den Kontakt zur Familie ab, der Sohn Marco wird schizophren.

Erst die Krankheit des Sohnes bringt die Eltern zu gemeinsamem Handeln: In den ersten Monaten fahren sie Hunderte von Kilometern pro Woche, um den Sohn zu besuchen, später verlassen sie auf Anraten des Arztes sogar zusammen Italien, um in England den größtmöglichen Abstand zwischen Marco und sich selbst zu legen. Aber selbst Marcos Selbstmord fördert zunächst die bekannten Rollenmuster: Chris arbeitet weiterhin hartnäckig an der Idee seines Buches über Nationalcharakter, die Inkompatibilität der Sprachen und die Vorhersehbarkeit menschlichen Verhaltens, also Themen, die in seiner Biographie begründet, aber darin auch z.T. vor der Niederschrift schon widerlegt sind. Die Ehefrau schließt Chris von Abschied und Trauer aus, auch die Beerdigung des Sohnes scheint ihr alleiniger Besitz.

Es gibt wenige Bücher, in denen das Thema der Verstrickung zweier Menschen in ihrer Beziehung so geradlinig und schnörkellos behandelt wird. Parks seziert ohne zu zerfleischen, er setzt auf Gedanken und Sprache, hinter denen der Leser die Gefühle und ihre Macht erkennt. Ein Buch, das erschüttert, denn das "Schicksal" des Titels ist nicht eine Gewalt, die von außen einbricht, sondern hausgemachtes Unheil. Und letztlich - und das ist das eigentlich Tragische - resultiert dieses Schicksal aus anfänglich großer Liebe und Uneigennutz.
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am 9. September 2007
Wenn ein Sohn Selbstmord begeht, suchen die Eltern die Schuld erst bei den anderen, zuletzt bei sich. Zumeist rücken sie enger zusammen, um eine gemeinsame Abwehrbastion zu bilden, die sie vor fremden wie eigenen Vorwürfen schützt. Daß das in den meisten Fällen nicht funktioniert, weil jeder der eigene Kopf bleibt, gehört zur Tragik, die ein solcher Schicksalsschlag mit sich bringt. Tim Parks geht in seinem Roman weit darüber hinaus. Er läßt Christopher Burton aus Schuldgefühlen aus einer Ehe flüchten, vor einer Frau, der er vieles zu verdanken hat, die er jedoch schon längst hätte verlassen müssen. Wechselseitige Liebe und Haß haben gemeinsames Leben häßlich gemacht.

Dies verlogene Aneinanderketten zweier Menschen führte dazu, daß Burton in seinen Gefühlen erstarrt ist, sich selbst jetzt fragen muß, warum er nicht um den Sohn trauern kann. Ein erschütternder Roman, der einen nicht zur Ruhe kommen läßt. Parks richtet Burtons Zweifeln auf uns, stellt so die Fragen, die wir hoffentlich besser beantworten können. Der Titel, des Romans lautet Schicksal. Einmal mehr beweist sich in ihm, daß sich seinem Schicksal zu unterwerfen, auf die Dauer nicht gesund sein kann.
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am 24. Oktober 2012
Chris Burton erfährt, dass sein Sohn Selbstmord begangen hat. Vor dem Hintergrund dieser Tragödie reflektiert er sein Leben, vor allem die Beziehung zu seiner Ehefrau. Es sind tragische, rührende, befremdliche Szenen einer Ehe, die der Erzähler zeichnet.
Ausgenommen der Schilderungen um die psychische Krankheit des Sohnes hat mich das Buch bisweilen an die Szenen einer Ehe in Max Frischs Roman Stiller" erinnert. Der Ich-Erzähler hat im hier vorliegenden Buch versucht, die Beziehungsprobleme auch auf die kulturellen Unterschiede zwischen Italienern und Engländern herunter zu brechen.
Ich bin vom Ende doch sehr überrascht.
Der Protagonist und die Familienmitglieder werden plastisch und mit genauer Beobachtungsgabe beschrieben. Ich sehe Mutter und Vatergenau vor mir beim Therapeuten sitzen, sich streiten, sich begegnen.
Das großartigste am Buch ist für mich die Schilderungen der schizophrenen Erkrankung des Sohnes und ihrer Verarbeitung innerhalb der Familie, die auch einiges wissenswertes zu diesem Thema für Interessierte beinhaltet. Höhepunkt ist das Zwiegespräch zwischen Vater und aufgebahrtem toten Sohn.
Das Buch ist reflektiert, selbstkritisch, sprachlich anspruchsvoll geschrieben. Ich fand die Lektüre unheimlich mitreißend und berührend. "Schicksal" ist ein wunderbarer Beziehungsroman.
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am 5. Februar 2016
Beeindruckende Lektüre. Vielschichtig. Die Geschichte über eine komplexe Ehegeschichte.
Der Protagonist reflektiert diese Geschichte in einem inneren Dialog.Man langweilt sich keine Minute.
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am 26. Mai 2003
In diesem Buch geht es um Christopher Burton, er hat lange mit seiner Frau in Italien gelebt und ist mit seiner Frau nun doch nach England gegangen. Die Geschichte beginnt als Burton im Hotel einen Anruf erhält und ihm mitgeteilt wird, dass sein Sohn Selbstmord begangen hat. Das erste woran er denkt, ist jedoch nicht sein Sohn, nein er will seine Frau verlassen.
Von nun an wird die Geschichte von Burton weitererzählt. Man folgt größtenteils den Gedankengängen von ihm und es gibt nur wenige Dialoge.
Sicher manche Sätze sind etwas Verschachtelt, aber man verliert nicht den Reiz weiter zu lesen.
Weiterhin auffällig sind die Zeitsprünge, die der Autor eingebaut hat. Ich musste mich zwar an diesen Still gewöhnen, aber den Überblick verliert man dadurch nicht. Man bekommt eher noch einen besseren Eindruck der Motive Burtons und der andere Figuren.
Insgesamt gesehen ist Parks hier ein sehr interessantes und gut formuliertes Buch gelungen. Sicher man kann das Buch auf Grund des Erzählstilles nicht mal so nebenbei lesen. Man muss sich schon Zeit nehmen und wird dann auch nicht enttäuscht sein.
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am 22. April 2001
Tim Parks behandelt auch in seinem neuesten Werk seine Lieblingsthematik 'Europa', wie er auch seinen bisher bekanntesten Roman taufte. Das 'Schicksal' ist eine englisch-italienische Ehe, um die -soviel darf vorweggenommen werden- es nicht mehr sonderlich gut bestellt ist. In gewohnt gekonnter satirischer Manier beschreibt Parks mit seinem Wortwitz das Verhältnis zweier Menschen, gleichzeitig jedoch auch das Verhältnis verschiedener Nationalitäten zueinander in einem zunehmend vereinten Europa. Letztlich geht es allerdings um das banale Scheitern einer Ehe, das er mit gelungener Situationskomik beschreibt, eine seiner literarischen Stärke. Insgesamt also wieder ein sehr gelungener Roman von Tim Parks, der Unterhaltung mit Anspruch verknüpfen kann. Deshalb ist 'Schicksal' ein auf jeden Fall lesenswertes Buch!
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am 5. Februar 2011
Als erstes wird man vom ungewöhnlichen Stil des Autors überrollt. Gewöhnungsbedürftig. Bleibt man bei der Stange, wird es interessant. Und wenn man fertig ist, wirkt es nach. Manchmal denkt man sogar an das Buch, obwohl es im Schrank steht.

Die Handlung ist nicht das Entscheidende. Was zählt, ist die Gehirnakrobatik. Das Hintergründige. Das Gefühl. Ich selbst denke eintöniger. Einfacher. Trotzdem ist Tim Parks für mich zu einem Begriff geworden. Ich hole ihn immer wieder gern hervor.
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