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Kommentar: Auflage: 7. 18,8 x 12,4 x 2,0 cm, Taschenbuch FISCHER Taschenbuch, 01.07.2001. 288 Seiten - besonderesbuch - gut erhaltene Ausgabe, Buch im guten Zustand ISBN: 9783596150984 Versand und Kundenservice erfolgen durch Amazon
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Schande: Roman Taschenbuch – 1. Juli 2001

4.4 von 5 Sternen 82 Kundenrezensionen

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David Lurie ist schon in seinem eigenen Leben kein Held, geschweige im dem von jemand anderem. Mit 52 Jahren ist der Protagonist von Schande am Ende seines beruflichen wie auch seines Liebeslebens angelangt und scheint geradezu absichtlich mit dem Unglück zu flirten. Seit langem Professor für Neuere Philologien am Cape Town University College in Kapstadt, wurde er kürzlich zum Assistenzprofessor für Kommunikation derselben Einrichtung degradiert, die mittlerweile ostentativ in Cape Technical University umbenannt wurde.

Obwohl er seiner neuen Disziplin täglich viele Stunden widmet, findet er deren erste Prämisse, wie sie im "Communications 101"-Handbuch formuliert ist, geradezu absurd: "Die menschliche Gesellschaft hat die Sprache erfunden, damit wir unsere Gedanken, unsere Gefühle und unsere Absichten einander mitteilen können." Seiner Ansicht nach -- die er für sich behält -- liegen die Ursprünge der Sprache im Gesang, die Ursprünge des Gesangs wiederum in der Notwendigkeit, die übergroße und ziemlich leere menschliche Seele mit Klang zu erfüllen.

David, der bereits zweimal geschieden ist und dessen äußerliche Anziehungskraft nachläßt, verführt auf ziemlich unbarmherzige Weise eine seiner Studentinnen; sein unschickliches Verhalten wird bald aufgedeckt. In seinem achten Roman wäre J.M. Coetzee vielleicht damit zufrieden gewesen, eine tiefgründige akademische Satire zu schreiben. Aber in Schande hat er sich weitaus mehr vorgenommen, und seine Kunst ist so kompromißlos wie seine Hauptfigur -- allerdings auch unendlich komplexer. Nicht bereit, das Spiel der öffentliche Reue mitzumachen, läßt sich David schließlich feuern -- eine letzte Geste der Verachtung. Nun, denkt er, kann er sich hinsetzen und etwas über Byrons letzte Lebensjahre schreiben -- keine leere, ungelesene Kritik, "Prosa als Meterware" sozusagen, sondern ein Libretto. Zu diesem Zweck reist er in die Ost-Kap-Provinz zur Farm seiner Tochter. Lucy, die Mitte Zwanzig ist, kehrte dem Schick der Stadt den Rücken und lebt nun auf fünf Hektar Land vom Blumen- und Gemüseanbau und einem Hundeasyl. "Nichts könnte einfacher sein", denkt David. In Wirklichkeit könnte nichts schwieriger sein -- oder, jetzt im neuen Südafrika, gefährlicher. Weit davon entfernt, die Zuflucht zu sein, die er gesucht hat, ist in Salem kaum etwas sicher. Gerade als sich David in seine vorübergehende Rolle als Landarbeiter und wenig begeisterter Freiwilliger im Tierheim eingelebt hat, werden er und Lucy von drei schwarzen Männern überfallen. Unfähig, seine Tochter zu beschützen, ist Davids Schande nun komplett. Ihre ist allerdings weitaus größer.

Es gibt in Coetzees schmerzlichem Roman viel mehr zu erkunden, und wenig davon ist tröstlich. Es wäre zu einfach, seinen Titel aufzugreifen und Schande als eine komplizierte Aufarbeitung persönlicher und politischer Schande und Verantwortung zu betrachten. Aber das Anliegen des Autors ist die Geschichte seines Landes, die Brutalitäten und der Verrat. Coetzee setzt sich auch mit der Frage auseinander, wieviel Seele und wieviele Rechte wir Tieren zugestehen. Nach dem Überfall nimmt David seine Rolle im Hundeasyl viel ernster und findet schließlich eine Art Zuhause und ein gewisses Maß an Liebe. In Coetzees The Lives of Animals, vor kurzem in der Schriftenreihe der Princeton University erschienen, erzählt eine alternde Romanschriftstellerin ihren Zuhörern, daß die Frage, die alle Labor- und Zootiere beschäftigt, lautet: "Wo ist mein Zuhause, und wie komme ich dorthin?" Obwohl er im Vergleich zu den ungewollten Tieren, die in seiner Obhut sind, geradezu allmächtig ist, ist David letztendlich genauso gefangen und genauso verloren wie sie.

Schande ist geradezu gewollt einfach. Und doch besitzt es seine ganz eigene magere,herzzerreißende Lyrik, vor allem in den Beschreibungen der ungewollten Tiere. Am Anfang der Geschichte erklärt David seiner Studentin, daß Lyrik den Leser entweder sofort anspricht -- "eine plötzliche Offenbarung und eine plötzliche Reaktion" -- oder überhaupt nicht. Coetzees Buch spricht da anders; seine Schichten und Traurigkeiten wickeln sich endlos ab. --Kerry Fried -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

Karg, kalt, meisterlich: Im letzten Jahr des ausgehenden Jahrhunderts ist Coetzee der Jahrhundertroman gelungen. (Heinz Strunk Die Zeit 2014-11-27)

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Format: Taschenbuch Verifizierter Kauf
Der 1940 geborene Schriftsteller J. M. Coetzee erhielt 2003 den Literaturnobelpreis. Zudem wurde er als erste Autor zweimal mit dem Booker Prize ausgezeichnet. Sein im Jahre 2000 erschienener Roman "Schande" spielt in Kapstadt, Südafrika. Der alternde Literaturprofessor David Lurie wird nach einer verbotenen Liebesaffäre mit einer Studentin aus Amt und Würden gemoppt. Er flieht aufs Land. Dort findet er Zuflucht bei seiner einsam lebenden Tochter. Ein brutaler Überfall von drei schwarzen Männern zerstört die vermeintliche Harmonie. Zurück bleibt Trauer und Wut. Nicht immer heilt die Zeit alle Wunden. "Schande" ist ein tiefreligiöses Buch. Es stellt die Frage nach Schuld und Vergebung. J. M. Coetzee schreibt in einer sehr klaren und präzisen Sprache. Die Handlung, das rein formelle Ende der Apartheid wird intelligent angedeutet, ist ungemein fesselnd. Dieser Roman ist ein ganz großer Wurf, kurzum: Literatur von Weltrang.
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Von Ein Kunde am 9. Dezember 2003
Format: Taschenbuch Verifizierter Kauf
Eine ergreifende Geschichte über das Leben, die Begierde und Hoffnung, das Berechnende im Menschen, das Enttäuscht-Werden, das Ins-Leben-Geworfen-Sein und nicht zuletzt die Liebe. Der Roman ist für mich so eine Art Initiationsgeschichte, weil er zeigt, wie ein Mann mittleren Alters entdeckt, dass es nicht nur das Mittelklasseleben (hier: an der Universität in Kapstadt) gibt, sondern auch andere Werte und andere Kämpfe, den ums Überleben, den um die Durchsetzung der eigenen Ideale, der Befriedigung der eigenen Bedürfnisse. Immer wieder verdeutlicht das Buch, dass der Mensch ein kultiviertes Wesen ist, seine Lebenskraft jedoch aus ursprünglichen und schwer zu zügelnden Quellen schöpft. Es ist damit Gesellschaftskritik in seiner höchsten Form, weil es die Unterdrückung der Natur des Einzelnen zugunsten materieller Vorteile der Gemeinschaft anprangert. Es gibt kein zurück. Einmal Mensch, muss ich wohl den angeborenen und anerzogenen Gesetzen gleichermaßen folgen. Das traurige und zugleich ermunternde Fazit dieses Werkes ist, dass jeder diese Aufgabe für sich allein lösen muss.
Brilliante Sprache, knapp und trocken, klar und intelligent, die Seele nur gelegentlich aber deutlich fühlbar durchscheinen lassend, passend zu diesem Mann an diesem Ort. Der Übersetzer hat ganze Arbeit geleistet. (Andreas Viebke)
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Format: Gebundene Ausgabe
Eine kritische Betrachtung von J. M. Coetzees Roman Schande muß schon mit der Umschlaggestaltung der deutschen Ausgabe beginnen. Ein südafrikanischer Autor, ein Roman aus Südafrika, das kann in den Augen der Gestalter des S. Fischer Verlags offensichtlich nur ein Problem zwischen Schwarz und Weiß behandeln. Das Coverfoto einer jungen Weißen mit einem zur Hälfte schwarz gemalten Gesicht ist ein beredtes Beispiel für die gedankenlose grafische Umsetzung des Inhalts. Es ist fast so, als wollte man eine Ausgabe von Romeo und Julia mit einem niedlichen Herzchen zusammenfassen. Ganz anders die Originalausgabe, die ganz und gar leer und weiß ist, nur mit dem Namen des Autors versehen und mittendrin, ganz winzig, das Wort Disgrace. Die damit gezeigte Leere, das Tabula rasa, das zaghafte Wort, das sind tatsächliche Aspekte des Buches.
Auch der Titel Schande ist problematisch. Zwar bedeutet das Wort Disgrace Schande, aber auch Erbärmlichkeit und Ungnade. Was und wer erbärmlich ist oder in Ungnade gefallen, darüber wird zu reden sein. Schande wird meist verstanden als Ahndung eines die gesellschaftlichen Normen verletzenden Verhaltens und diese Normen sind zumeist alte, überlebte Ansichten von Ehre und Moral. Deswegen begegnen wir dem Begriff fast nur noch im Zusammenhang mit dem Aufbegehren gegen heuchlerische Zwangsmoral. Das aber ist nicht Thema des Buches von Coetzee.
David Lurie ist niemand, der mit Bedacht jungen Mädchen nachsteigt. Seine sexuellen Bedürfnisse regelt er mit professioneller Hilfe. Das hat etwas Hygienisches, Sachliches an sich, wie der Gang zur Fußpflegerin.
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Format: Taschenbuch Verifizierter Kauf
Dies ist kein Roman für Zartbesaitete, erinnert an "Der menschliche Makel" von Philip Roth, ist aber viel intensiver, auch brutaler, legt den Finger in die offene Wunde des Rassismus bzw. der Apartheid, veranschaulicht Gesetze des Lebens, die eigentlich nie zum Gesetz hätten werden dürfen. Es geht um Macht, Ohnmacht, Schuld, Sühne, Lust, Trauer, Rache, Gewalt und Herrschaft und ist doch mit einer so nachdenklichen Sprache geschrieben, dass man genügend Raum findet, selbst zu rekapitulieren, um was es geht und wie man selbst zu den Dingen steht. Man verschlingt das Buch, und nichtsdestotrotz ist mir selbst das Verhalten aller handelnden Hauptpersonen in den verschiedenen Schlüsselsituationen fremd geblieben. Denn mit aufgeklärtem rechtsstaatlichen und gleichberechtigtem Demokratieverständnis sind die meisten Positionen nicht vereinbar.
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Format: Taschenbuch Verifizierter Kauf
Das große Werk von Nobelpreisträger J.M.Coetzee mit dem Originaltitel 'Disgrace', erschienen in der Nach-Apartheidära Südafrikas, erhielt zu recht herausragende Kritiken. Das Wesentliche hinsichtlich des Geschehens ist in vielen Rezensionen schon gesagt, so dass es nach einer aktuellen Lektüre noch einige mir zum Verständnis wichtige Aspekte anzusprechen gilt, die aus meiner heutigen Sicht entweder so noch nicht oder nur unzureichend beleuchtet wurden.

Zunächst zum Titel : Der Originaltitel 'Disgrace' ist vielschichtiger als der deutsche Terminus 'Schande' allein. Disgrace kann u.a. auch Schmach , Blamage oder auch Gemeinheit/Schweinerei bedeuten. Diese Begriffe treffen durchaus auch zur Kennzeichnung des Geschehens zu, vor allem Schmach im Sinne von Demütigung. Vermutlich erschien dem deutschen Verlag der Begriff Schande, mit dem eher eine skandalöse Zuspitzung oder auch Entehrung gemeint sein könnte, aber griffiger. Der Begriff Schmach erscheint mir aber zutreffender, denn mit ihm lassen sich die dramatischen Höhepunkte des Romans in ihrer Gesamtheit erklären.

So tut die Hauptfigur Prof Lurie, Literaturwissenschaftler , später 'nur noch' Kommunikationswissenschaftler (schon eine modernistische Herabsetzung für ihn) seiner mehr oder weniger von ihm abhängigen Studentin eine Schmach an, indem er sie unter Nutzung seines Status' gegen ihren eigentlichen Willen sexuell verführt. Daraufhin muss er die Uni Kapstadt verlassen, auch, weil er die Tat zwar eingesteht, aber keine echte Reue zeigt. Er sucht Zuflucht bei seiner Tochter Lucy, die auf dem Lande zunächst mit mehreren, dann allein eine Art alternativen Feldfruchtanbau versucht.
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