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am 16. Dezember 2012
Eine Landschaft ist etwas relativ unaufgeregtes. Sogar "die übrige Verwandtschaft / blickt begeistert in die Landschaft. / Und der Landschaft ist es recht", stellte schon Erich Kästner fest, als er "Im Auto über Land" zog. In "Der Seerosenteich" heißt es beim hier rezensierenden Rhein-Neckar-Poeten: "Moränenhügel weit und breit, / geben ein sanftes Landschaftsbild. / Masuren in der Sommerzeit." Zwei total unterschiedliche Herangehensweisen an das Thema Landschaft. In diesen Sinne führt uns auch Hansjörg Küster durch Geografien und Gebiete, was bei ihm weniger einer Beschäftigung des Herzens entspricht, als mehr dem sachlichen Diskurs zu dem Thema.

Seine Beispiele sind nicht die Masurischen Seen, sondern die Provence oder die Lüneburger Heide. In sieben Kapiteln führt er uns heran, an "Schöne Aussichten" auf seine - so der Untertitel - "Kleine Geschichte der Landschaften". Dass "Künstler, Wissenschaftler, Architekten und Laien" - so Küsters sich immer wieder bestätigender Eindruck - "unter dem Begriff Landschaft Unterschiedliches" verstehen, ist eine Klarheit für sich. "Ihre Elemente sind Berge und Meere, Seen und Flüsse, Tiere und Pflanzen, Gebäude und Ackerland, Städte und Dörfer, Wege und Straßen."

Hansjörg Küster beginnt in den Bergen, genauer mit einem ganz markanten: dem Mont Ventoux. Dieser steht mächtig prächtig in der Provence und überstrahlt das unter ihm liegende Mittelgebirge, die Täler und Hügel, die Dörfer und Städte diesen Teils von Südfrankreich. Als Zeugen ruft er den italienischen Poeten Petrarca (1304-1374) - "Im April 1336 bestieg der Dichter Francesco Petrarca den Mont Ventoux, den 'windigen Berg', in den französischen Südwestalpen" - und verbindet dessen Eindrücke und Berichte mit der Vermutung, "warum man gerade an diesem Ort begreift, was Landschaft ist". So erblicke man "heute - genauso wie damals Petrarca - die Rhone und die Küste des Mittelmeers. Man hat den Eindruck, die gesamte Provence unter sich liegen zu haben."

Zunächst nimmt sich Küster der Frage an, was denn eine Landschaft ist. Mir selbst, dem Rezensenten, lief dabei die Beschreibung "Totalcharakter einer Erdgegend" über den Weg, eine Definition, die von Alexander von Humboldt (1769-1859), dem Forschungsreisenden in Sachen Vermessung der Welt, stammt oder auch nicht. Dass "mit der Besteigung des Mont Ventoux durch Petrarca, das Nachdenken über den Begriff 'Landschaft' begonnen" haben soll, ist eine schönes Bild, das - wenn es denn tatsächlich zutrifft - dem Mitbegründer des Humanismus, nebst seinem literarischen Werk, ein weiteres ihm zur Ehre gereichendes Mosaiksteinchen darstellt.

Wir lesen vom Italienischen Garten, bei dem "es um das Erleben von Landschaft und schönen Bäumen" geht. Wir genießen "die Aussicht über die Gartenmauer hinweg" und bewundern "das für italienische Gärten besonders typische Belvedere. Es ähnelt einem Balkon ..." Wir erfahren über die Landschaft, dass sie seit dem 15. Jahrhundert auch in der Malerei auftaucht. Der Geobotaniker Küster versteht schon, den Leser in entsprechend einführende Stimmung zu versetzen.

Um denn dann im Verlaufe des informativen Büchleins in die neue Sachlichkeit überzuleiten: in trockene Materien wie natur- und landschaftsschutzrechtliche Abgrenzungen, bis hin zu aktuellen Themen des Klimawandels und - leicht angedeutet - des Umweltschutzes. Auch finden die Jahre der Zeiten des Waldsterbens kurze Erwähnung.

"Niemals ist Natur das Gleiche wie Landschaft. Denn Natur besteht und vergeht (...)". Nachdem uns der Autor darauf hinweist, dass Veränderungen in der Natur überwiegend in sehr langen Zeiträumen ablaufen, sind wir bereits mittendrin in den Botschaften, die Hansjörg Küster vermitteln will. - Manfred Rommel, großer alter Mann schwäbischer Kommunalpolitik (Oberbürgermeister der Stadt Stuttgart von 1974 bis 1996), schrieb in "Abschied vom Schlaraffenland" zum Thema: "Menschen, die über die Landschaft meist zu ihren Gunsten verfügt haben, reden vom Landschaftsverbrauch, wenn zugunsten anderer Menschen Eingriffe in die Landschaft notwendig werden." Küster würde es so nicht ausdrücken. Allerdings: "Viele Menschen halten jeglichen Wandel für bedrohlich. Doch man muss vieles davon akzeptieren: Wandel ist eine wesentliche Eigenschaft von Natur!"

Küster rollt das Thema genauer und subtiler auf. "Natur lässt sich nicht schaffen, wohl aber Landschaft." Seine Quintessenz: "Wir bedenken nicht, dass sich die Stabilität der Landschaft in erster Linie menschlichem Einsatz verdankt und auch gegen die Natur durchgesetzt wurde."

Es war im Sommer 2004, dass der hier schreibende Rhein-Neckar-Poet in seinem Gedicht "Schweizer Landschaften" den allseits beliebten Schweizgebrauch beim Benennen von Landschaften aufgriff. Mit der Fränkischen Schweiz, der Holsteinischen Schweiz, der Märkischen Schweiz und der Sächsischen Schweiz war - neben der kaschubischen Schweiz (in Polen) - die Liste sicher nicht abschließend. (Die Toskana, so mein Eindruck, folgte in den letzten Jahren auf Schritt und Tritt.) - Schön zu sehen, wie auch Hansjörg Küster sich diesem Thema annimmt. Er erwähnt noch die Böhmische Schweiz. Unter der Überschrift "Schweizer entdecken 'Schweizen'" erzählt er von zwei Eid- und Zeitgenossen des 18. Jahrhunderts, die voller Begeisterung - und wohl auch von Heimweh geplagt - eine malerische Felslandschaft entlang der Elbe (für sich) entdeckten, die sie "eine Schweiz" nannten. "Mit der Schweiz wurden immer wieder Landschaften verglichen, die ganz anders aussahen als das Hochgebirge."

"Handarbeitskreise, Musikgruppen, Skatrunden, Sportvereine und die Feuerwehr bringen nur bestimmte Gruppen an einen Tisch, entweder die Frauen oder die Männer, die Alten oder die Jungen. Aber für Landschaft und Heimat kann sich jeder interessieren und begeistern." Es dürfen nur keine falschen Schlüsse gezogen und Tendenzen in Richtungen eingeschlagen werden, die nicht zielführend sind. "Schöne Aussichten" (aus dem Jahr 2009) wird dabei - so Gesine Hindemith (im Juni 2009 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung) - zu einer "dringend notwendige Reformierung des Ökologieverständnisses, nicht nur für Experten, sondern für jeden, der um sich herum in die Landschaft schaut", beitragen.
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am 7. Februar 2010
Ein sehr gurz gefasstes Büchlein mit alles in allem noch nicht einmal 120 Seiten. Dafür in einfachen Worten und Bildern komplizierte Schaverhalte erklärt. SO etwas findet man selten. Der Autor ist mit anderen Büchern zum Thema Landschaft schon als wissenschaftlicher "Bestsellerautor" hervorgegangen: "Die Geschichte der Landschaft Mitteleuropas", "Die Geschichte des Waldes", "Die Ostsee", "Das ist Ökologie!". Dieses Werk bringt neue Gesichtspunkte in die Umwelt- und Naturschutzdebatte. Die Menschen interessiert wohl weniger, die Atmungsaktivität von Bakterien oder andere Spezialitäten aus der Ökologie. Hier wird überzeugend der Blick aufs Ganze gelenkt,nämlich das, was wir sehen und das ist und bleibt die Landschaft. Diese baut nicht, wie bisher geglaubt, auf den zwei Komponenten "natürliche Gegebenheiten" (wie KLima, Wassser, Boden, Gestein usw.) und "Nutzungen" auf. Küster arbeitet überzeugend heraus, dass es eine dritte ebenso wichtige Komponente gibt: die Metaphern. Landschaft konstituiert sich eben auch durch die Bedeutungen, die die Menschen in sie hineinlegen. Ein in jeder Hinsicht empfehlenswertes Buch. Feuilleton auf höchstem Niveau.
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am 20. April 2009
Gestalterisch sehr schön, aber gegenüber den zwei sehr guten anderen Büchern von Jans Jörg Küster zur Geschichte von Landschaft bzw. Wald (Geschichte der Landschaft in Mitteleuropa. Sonderausgabe: Von der Eiszeit bis zur Gegenwart Geschichte des Waldes. Sonderausgabe: Von der Urzeit bis zur Gegenwart) fällt das neue Werk etwas ab. Der höhere Grad an Abstrahierung fordert seine Opfer, viele interessante Gedanken zu Einzelaspekten sind verloren gegangen. Besser die anderen beiden Bücher lesen, denn die sind mehr als lesenswert!!!
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