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Zu Beginn klingelt ein Mobiltelefon. Gleiches passiert am Ende der letzten Episode. Das ist kein Zufall. Daniel Kehlmann parodiert in diesem aus neun Einzelgeschichten bestehenden Roman (unter anderem) die Folgen der modernen Kommunikationstechnik auf unser Leben. Die Abhängigkeiten sind gewaltiger, als uns im Alltag bewusst ist. Dies wird insbesondere dann deutlich, wenn sich Fehler in die Technik einschleichen.

Computertechniker Ebling wird zum Opfer eines solchen technischen Fehlers. Aufgrund einer falschen Nummernzuordnung erhält er ständig Anrufe, die für einen gewissen Ralf bestimmt sind. Jedoch lässt sich Ebling nach kurzer Zeit auf das Spiel ein. Er entwickelt sich vom genervten passiven Opfer zum aktiven Gestalter einer Lebenswirklichkeit, die nicht die Seine ist. Er schlüpft in die neue Rolle und spielt Schicksal. Mit dieser Geschichte gelingt Kehlmann ein humorvoller Einstieg in seinen verschachtelten Roman.

Fehler in der Technik können sich auch dramatisch auswirken. Maria Rubinstein, die in "Osten" mit einer Journalistendelegation in Richtung China unterwegs ist, wäre nach einem Zwischenstopp froh, wenn sie überhaupt eine Verbindung hätte. Sie wird von der Reiseleitung vergessen und ist damit von der Außenwelt abgeschnitten. Durch die Panne ist die bürokratische Ordnung durchbrochen; selbst die Polizei kann ihr nicht helfen. Deutlich wird nicht nur die Technikabhängigkeit, sondern auch was eine Nichtbeachtung von Ordnungsstrukturen bedeuten kann. Frau Rubinstein wird Teil einer neuen Wirklichkeit.

An diesen Fragmenten des Romans wird erkennbar, dass es Autor Kehlmann nicht nur um das Versagen der Technik, sondern auch um Identitätsprobleme geht. Schauspieler Ralf Tanner weiß, was damit gemeint ist. Von einem Tag zum anderen bekommt er keine Anrufe mehr, weil die Telefongesellschaft die Anschlüsse falsch zugeordnet hat (siehe Querverbindungen zu "Stimmen" und "Wie ich log und starb"). Sein Leben gerät aus den Fugen. Er wird zum mittelmäßigen Imitator seiner Selbst. Ein anderer, charismatischer als er selbst, übernimmt sein Leben. "Er konnte sich nicht erinnern, dass er selbst je so eine gute Figur abgegeben hatte." Pure Ironie.

Eine besondere Rolle spielt der Schriftsteller Leo Richter, der in mehreren Episoden vorkommt und mindestens eine davon ("Rosalie geht sterben") selbst verfasst hat. Dies ist eine ernste Geschichte über eine todkranke ältere Frau, die sterben möchte. Seltsam ist, dass Protagonistin Rosalie Konversation mit dem Autor, also mit Leo Richter, führt. Kehlmann experimentiert mit den Erzählebenen, Realität und Fiktion werden vermischt.

Die Vermischung der Ebenen wird in der letzten Episode "In Gefahr" auf die Spitze getrieben. Elisabeth und Leo Richter verreisen (wie auch in der ersten Episode "In Gefahr") und treffen Lara Gaspard, eine Romanfigur von Leo Richter. Was ist Fantasie, was ist Realität? Zur Verwirrung trägt auch ein dünner Mann mit Hornbrille und fettigem Haar bei, der zweimal als Fahrer auftaucht, einmal real und einmal fiktiv in einer Geschichte von Leo Richter (S. 68 u. 185).

"Ein Beitrag zur Debatte" wirkt nicht authentisch. Die Geschichte ist zwar unterhaltsam, jedoch klingt der Slang konstruiert. Es ist nicht die Jugendsprache, sondern Kehlmanns Vorstellung von der Jugendsprache, die hier umgesetzt wurde. Dieses Experiment ist nur mäßig gelungen. Gleiches gilt für die Integration des Schriftstellers Miguel Auristos Blancos, der mit seinen Selbstfindungsbüchern als Antwort (?) in vielen Episoden auftaucht. Dabei stehen Schein und Sein in Konflikt zueinander, wie in "Antwort an die Äbtissin" deutlich wird.

"Ruhm" ist laut Buchbeschreibung ein Roman in neun Geschichten. In einem Interview sprach Daniel Kehlmann von einem Roman, der aus jeweils abgeschlossenen aber eng zusammengehörenden Episoden besteht. Jede Geschichte außer der letzten funktioniere auch für sich allein.

Es gibt zahlreiche Verknüpfungen zwischen den Geschichten (manche erschließen sich erst nach dem zweiten Lesen), jedoch überwiegt die Fragmentierung. Der Roman bietet reichlich Stoff für Interpretationen, aber er fesselt nicht. Dazu sind die Einzelgeschichten zu weit auseinander, das Gesamtwerk zu konstruiert. Abweichung von der Norm, wohl durchdachte Struktur und Variationen im Stil reichen nicht aus, es muss auch Atmosphäre geschaffen werden, wie sie eher in einem durchgängigen Gesamtwerk möglich ist.

Positiv bleibt festzuhalten: Der Roman fordert heraus. Identität ist ein großes Thema. Kehlmann betreibt ein Versteckspiel, welches man ergründen möchte. Wo liegen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion? Wie sind die Erzählebenen aufgebaut? Wo liegen die Verbindungen zwischen den Episoden?
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VINE-PRODUKTTESTERam 20. Juni 2015
Es war mir nicht möglich unvoreingenommen an dieses Buch heranzutreten. Das ist bei den meisten Büchern schwierig, bei diesem für mich persönlich besonders. Der hochgelobte Daniel Kehlmann hatte für sein Werk "Die Vermessung der Welt" immensen Ruhm erhalten.
Ich war gelangweilt und genervt von diesem Roman. "Die Vermessung der Welt" konnte mich überhaupt nicht packen. Hat man dann die Zeit, Lust und Nerven dem Autor eine zweite Chance zu geben?

Hoffentlich!
Denn mit "Ruhm" war es nun ganz anders. Man beginnt zu lesen und stellt nach der ersten Geschichte fest, dass in der zweiten Geschichte kaum ein Zusammenhang zur ersten zu finden ist und in der dritten Geschichte gibt es kaum Verbindungen zur zweiten. Aber hey, der Bogen zur ersten Geschichte ist vorhanden. Und was soll nun diese dritte Geschichte? Ist das wirklich eine Geschichte in der Geschichte?
Die Fragen, die man sich stellt, werden im Verlauf des Romans eher mehr als weniger. Die Verbindungen, die man zwischen den Geschichten findet, ebenso. Trotzdem sind es neun Geschichte, mit verschiedenen Protagonisten. Dieser Roman hat keinen Protagonist und es ist ersichtlich, dass es genau in dem Moment richtig kompliziert wird, indem die Figur, die im Roman ein Schriftsteller ist, plant einen Roman ohne Hauptfigur zu schreiben. Es entsteht ein Geflecht aus Realität, Fiktionalität und Scheinwelten.
Die großen Motive des Romans sind einerseits die eigene Identität und der Identitätsverlust. Jede Figur scheint sich kaum in seinem Leben wohl zu fühlen, sie alle suchen nach Auswegen und sind teilweise unter Umständen wieder nur erdachte Figuren einer Figur. Andererseits geht es um unseren Umgang mit den Medien wie Internet und Telefon. So steht in zwei Geschichten nicht nur eine falsche Handynummernvergabe im Mittelpunkt, in einer anderen Geschichte lernen wir einen Mann kennen, den wir typischerweise als Nerd definieren würden.
Keine Hauptfigur, kein stringenter Handlungsablauf und trotzdem ein Roman. Mit den meisten Figuren kann man sich identifiziren. Der "Nerd" bildet hier die Ausnahme und ist gerade deshalb besonders spannend. Immer wieder muss man sich an die eigene Nase fassen, erkennt Verhaltensmuster und man muss sich die Frage gefallen lassen, ob man nicht selbst auch versucht sich eine Scheinwelt aufzubauen, um aus dem eigenen Leben zu entkommen.
Die Sprache ist weitestgehend moderne Alltagssprache, ohne auffällige Merkmale, sodass sich der Roman leicht und schnell lesen lässt. Er hinterlässt jedoch Spuren und ihn komplett zu durchdringen, braucht sicherlich seine Zeit. Denn hinter der vordergründigen Leichtigkeit der Sprache versteckt sich eine hohe Komplexität - im Aufbau, sprachlich und inhaltlich. In allen Teilbereichen lädt der Autor zum Nachdenken, Nachforschen und Diskutieren. Kein Buch, das man nur alleine im stillen Kämmerlein lesen sollte.

Fazit: Nachdem ich im Bezug auf den Autor schwer vorbelastet war, hat mich dieser Roman so schnell und gründlich überzeugt, dass ich kurzerhand sogar eine Unterrichtseinheit in meiner 10. Klasse umgesetzt habe.
Hier werden Themen angesprochen, die jeden interessieren: Die eigene Identität, der eigene Traum vom richtigen Leben, der Umgang mit Handy und Internet. Der Aufbau ist ungewöhnlich und im ersten Moment ungewohnt, aber reizvoll.
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am 29. Oktober 2014
"Ruhm: Ein Roman in neun Geschichten" ist ein Buch des deutsch österreichischen Autors Daniel Kehlmann. Mit dem Roman bekommt man als Leser neun lose miteinander verbundene Geschichten.

In den einzelnen Geschichten geht es vorrangig um die verschiedenen Arten moderner Kommunikation. Die Figuren selbst sind ständigen Veränderungen unterworfen. Der Titel des Buches "Ruhm" ist ein Leitmotiv. Es kommt in allen Geschichten vor. Auf die Figuren wirkt es sich entweder positiv oder negativ aus.

Daniel Kehlmann hat mit seinem 2009 erschienenen Werk etwas neues versucht und wurde dafür gelobt. Das Buch hat sich gut verkauft und die Kritiker waren größtenteils Positiv.

Und auch mir hat das Buch gefallen. Die unterschiedlichen Geschichten sind mehr oder weniger miteinander verwoben und viele Figuren kommen in mehreren Geschichten vor. Dabei verändern sich die Figuren ständig. Als Leser ist dabei spannend den Veränderungen zu folgen und zu erfahren wie sich diese Veränderungen Allgemein Auswirken.

Es ist dabei interessant den Ideen des Autors zu folgen und die Figuren kennen zu lernen und sehen wie sich diese Verändern können.
"Ruhm" ist ein tolles Buch das sich gut und flüssig liest und einem schon nach wenigen Seiten nicht mehr los lässt.
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am 8. März 2010
Daniel Kehlmann (34), der Autor vom Bestsellerroman "Die Vermessung der Welt", konnte bei der Konzeption seines neuen Buches "Ruhm" die Finger nicht vom literaturwissenschaftlichen Experimentierkasten lassen.

So ganz und gar unkonventionell kommt "Ruhm" in Aufbau, Struktur und Grundidee daher. Neun Episoden reihen sich nebeneinander, jede mit ihrer ganz eigenen Sprache, jede mit einem anderen Blickwinkel. Zugegeben, es stellt sich beim ersten Durchblättern die Frage, ob diese Geschichten mit Titeln wie "Ein Beitrag zur Debatte" oder "In Gefahr" überhaupt zusammenhängen.

Die auffälligste Gemeinsamkeit aller Geschichten ist die Frage danach, in wie weit äußere Einflüsse das Leben bestimmen. In "Ruhm" zeichnet Kehlmann ein facettenreiches Figurenkabinett unserer heutigen Gesellschaft: Da wäre zum einen ein neurotischer Schriftsteller, der sich seine Lieblings-Romanheldin nach dem verbesserten Bildnis seiner schnöden Lebensgefährtin baut. Oder der Schauspieler Ralf Tanner, der nach einem "Fluchtversuch" aus seinem goldenen Käfig als Doppelgänger nicht mehr zurück in sein wahres Leben findet. Oder der Blogger, ein Muttersöhnchen, das in der Realität ein wahres Versagerleben führt, doch in Internetforen den prolligen Kompetenzbeauftragten für jede Lebenslage mimt.

Alle Figuren wurden in eine Gesamt-Story verwoben, die zwar keinen richtigen Anfang, kein Ende und keine echte Hauptfigur hat, in der jedoch alle Handlungsfäden zusammenlaufen. Jede Geschichte löst an einem oder an mehreren Punkten einen Handlungsstoß für eine andere aus. Als Schubser für diesen Dominoeffekt dienen die Kommunikationsmittel unserer Zeit, das Mobiltelefon und das Internet. Heraus kommt eine bunte Geschichte, die stellenweise den Unterhaltungswert einer Verwechslungskomödie hat.

Mit Hilfe der Schnitttechnik führt Kehlmann unvermittelt neue Personen ein und neue Handlungsläufe beginnen. Mehrere Ansichten laufen gleichzeitig, werden aber nacheinander erzählt. Ist der Blogger Mollwitz in der Geschichte "In Gefahr" nur ein weiterer Typ, der den Schriftsteller Leo Richter von der Seite anquatscht, so ist der Internetjunk wenige Seiten weiter plötzlich der Nabel seiner eigenen Welt ' im Kontrast dazu vertreten durch einen seltsamen Internetslang. Dabei wechselt Kehlmann gekonnt von einem Stil zum anderen und behält stets den souveränen Umgang mit der Peinlichkeit seiner Figuren bei.

Daneben gibt "Ruhm" dem Leser Signale zu gesellschaftlichen Verfremdungen und unterschiedliche Wahrnehmungswelten. Kehlmann agiert ähnlich wie Tolstoi, vieles seiner Figuren spielt sich im Inneren ab. Das Betrachten der Welt mit unterschiedlichen Augen erzeugt den Eindruck, als ob etwas zum ersten Mal beschrieben wird. Ein Handwerksgriff, der zur Abwechslung im Lesevergnügen beisteuert.

Auf einen Ausflug in die literaturtheoretischen Metaebene entführt Daniel Kehlmann in die Geschichte "Rosalie muss sterben", in der er das Verhältnis zwischen Autor, Leser und Figur behandelt. In dieser Episode fleht die schwerkranke (sich selbst erkennende) Hauptfigur Rosalie auf dem Weg zur Klinik für Sterbehilfe den Autor an, er möge das Schicksal von ihr abwenden. Hier wechseln augenblicklich die Ebenen, exponierte Bittrufe der Figur unterbrechen die Erzählung und die Geschichte tritt aus dem üblichen räumlich-zeitlichen Spektrum von Erschaffer und Erschaffene heraus. Kehlmann thematisiert an dieser Stelle den Kommunikationsprozess in der Literatur - ganz nach Bachtins Theorie des zweistimmigen Wortes, der Stimme des Autors und der fremden Stimme, die sich überlagern - und stellt so die literarischen Vorstellungen der Rollen von Leser, Figur und Autor auf den Kopf.

Als Gesamtaussage bleibt zurück: Der Roman stellt die fremden Sprachen ins Recht, lässt die Wirklichkeit mit der Fiktion verschwimmen, spricht sich gegen die eine Wahrheit, den abgeschlossenen Text und die Verweigerung des letzten Wortes aus. Der Poststrukturalismus lässt grüßen.

Aber was macht "Ruhm" zu einem guten Roman? Seine Unfertigkeit. Die Erzählung ist keine von Widersprüchen gereinigte Welt. Die ungeschriebenen Teile sind bei "Ruhm" die eigentlich interessantesten. Denn zwangsläufig bindet Kehlmann den Leser selbst in den Schaffensprozess mit ein. Der Autor bietet die unterschiedlichsten Perspektiven und Bewertungsvorschläge an. Doch es findet sich kein hilfreicher Wink von ihm wieder, der die Verhältnisse zwischen den Figuren ausformulieren könnte; der Leser ist in diesem literarischen Spinnennetz auf sich allein gestellt. Der Leser soll entdecken. Er ist derjenige, der die unklaren Beziehungen und Leerstellen in diesem komplexen Geflecht an Verbindungen zusammenleimt. Somit setzt der Leser den letzten Stein auf die Endfassung des Textes.

Der Roman "Ruhm" ist ein handwerklich gelungenes Buch, das auf die Konfusion der Sprachen in einer globalisierten, ständig miteinander vernetzten Welt aufmerksam macht. Schönheitsfehler wie die teilweise eindimensional überzeichneten und ins klischeehafte entrückt Figuren sollen diesen guten Eindruck nicht trüben. Denn "Ruhm" bedient mehrere Lesegruppen und kann sowohl auf unterhaltsame als auch tiefgängige Weise gelesen werden.

Das Spiel mit dem Experimentierkasten hat sich für Kehlmann also gelohnt.
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am 25. Juni 2013
Habe das Buch im Rahmen des Deutsch-Unterrichts behandelt.

Daniel Kehlmann schreibt seine Geschichten so, dass am Ende jeder einzelnen Geschichte der Leser das Bedürfnis hat weiter zu lesen bzw. zu erfahren wie die jeweilige Geschichte ausgeht!

Durch die Beeinflussung bzw. Erwähnung einzelner Personen in den weiterführenden Geschichten bilden die verschiedenen voneinander unabhängig scheinenden Kurzgeschichten am Ende ein Gesamtbild.
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TOP 500 REZENSENTam 30. Mai 2011
9 Kurzgeschichten von Daniel Kehlmann:
1. Stimmen.
Computertechniker Ebling bekommt sein erstes Handy. Bei der Telefongesellschaft jedoch gab es einen Fehler und er erhält die Nummer eines anderen Teilnehmers, namens Ralf. Plötzlich rufen wildfremde Menschen bei ihm an.
2. In Gefahr.
Die Ärztin Elisabeth begleitet ihren Freund, den berühmten Schriftsteller Leo Richter, auf seiner Lesereise durch Lateinamerika.
3. Rosalie geht sterben.
Rosalies Reise nach Zürich zu einem Verein für Sterbehilfe
4. Der Ausweg.
Der berühmte Schauspieler Ralf Tanner hat sein Leben satt. Er gibt sich als Imitator seiner selbst aus und beginnt ein zweites Leben.
5. Osten.
Statt Leo Richter begibt sich die Kriminalautorin Maria Rubinstein auf eine Pressereise nach Zentralasien und geht verloren.
6. Antwort an die Äbtissin.
Miguel Auristos Blancos, Autor esoterischer Selbsthilfebücher, erkennt den Irrtum seiner Thesen.
7. Ein Beitrag zur Debatte.
Mollwitz, ein internetsüchtiger Mitarbeiter einer Mobilfunkgesellschaft, muss statt seines Chefs auf eine Konferenz und trifft dort Leo Richter.
8. Wie ich log und starb.
Mollitz Chef führt ein Doppelleben mit Ehefrau Hannah (am Wochenende) und Freundin Luzia (In der Woche).
9. In Gefahr.
Leo und seine Freundin Elisabeth reisen zu einem humanitären Einsatz ins afrikanische Kriegsgebiet.

Schon in Die Vermessung der Welt verband der Autor 3 verschiedene Geschichte, die auch einzeln funktioniert hätten, zu einem großen Ganzen. In Ruhm sind es nicht 3 sondern 9 Kurzgeschichten, die zum Schluss eine fast durchgehende Handlung ergeben.
In "In Gefahr" nimmt der Autor das Konzept seines Romans auf S. 25 vorweg "Ein Roman ohne Hauptfigur! [...] Die Komposition, die Verbindung, der Bogen, aber kein Protagonist, kein durchgehender Held."
Das Erstaunliche ist, dass einerseits jede dieser Geschichten alleine für sich funktioniert, andererseits jedoch genug Überschneidungen vorhanden sind, dass sich alle 9 Kurzgeschichten irgendwie auf die eine oder andere Weise miteinander verbinden, sei es durch Personen, die in beiden Geschichten vorkommen, sei es durch Handlungen die in einer Geschichte ausgelöst werden und deren Auswirkungen in einer eigenen Geschichte weitererzählt werden. Die Reihenfolge ist dabei sogar frei wählbar, das Buch funktioniert in beliebiger Reihenfolge der Geschichten.
Die Hauptfrage und der Hauptaspekt des Buches ist Kommunikation, sei es über Handy/Telefon oder Internet und welche sehr realen Folgen diese Interaktionen im echten Leben nach sich ziehen, so kostet Elbings Spiel mit den Anrufern des Fremden Ralf ein Leben.

Im Oktober 2010 begann man mit der Verfilmung des Romans, in welchem sechs der Geschichten zu einem Episodenfilm zusammengeführt werden sollen. Als Kinostart ist Herbst 2011 geplant.

Fazit: Eigentlich mag ich keine Kurzgeschichten. Diese jedoch sind so genial miteinander verknüpft, dass es großen Spaß macht sie beim Lesen miteinander in Beziehung zu setzten und zu beobachten, wie sich langsam ein Gesamtbild entwickelt.
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am 10. November 2013
Ich musste das Buch für die Schule kaufen und fand es okay.. den Sinn versteht man vllt nicht so ganz, aber es lässt sich sehr gut darüber diskutieren.. Wir hatten ziemlich oft größere und hitzige Diskussionen innerhalb des Klassenraums über den Inhalt dieses Buches..
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am 27. Dezember 2015
Sehr unterhaltsam und durch die verwobenen Geschichten sehr interessant zu lesen. Es hat Spaß gemacht, die Handlungsstränge gedanklich nachzuvollziehen und die Verbindungen der einzelnen Charaktere zueinander zu finden.
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am 22. August 2016
//VORWORT//

Ich habe mir dieses Buch nicht freiwillig zugelegt. Ich besitze dieses Buch nur, da ich es für die Schule gebraucht habe und bin dementsprechend eher skeptisch an das Ganze rangegangen.

//LIEFERUNG//

Wie jedes andere Produkt von Amazon, kam dieses Buch ebenfalls gewohnt schnell bei mir an. Einfach in ein Papppaket gesteckt, keine großen Besonderheiten.

//PRAXIS//

Wie es meine Pflicht war, habe ich das Buch also mit in die Schule genommen und Anfangs eher sporadisch gelesen, was sich allerdings relativ schnell änderte und ich das Verpasste nachholte. Im Prinzip sind es neun verschiedene Geschichten, die allerdings gar nicht so verschieden sind, wenn man genauer hinschaut. Das ist auch das was für mich im Endeffekt den Reiz ausgemacht hat. Die Verbindungen die man erst entdeckt, wenn man weiter liest und Verknüpfungen die nach und nach immer klarer werden.

//FAZIT//

Das Buch ist wirklich gut und empfehlenswert, wenn man denn auch bereit ist sich darauf einzulassen und die Zeit und Geduld hat, sich etwas näher mit dem Inhalt zu befassen - wenn man es nicht kauft, nur um es einfach irgendwann fertig zu haben.
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am 22. April 2012
Ein Roman in neun (Kurz)-Geschichten - alle erzählt aus unterschiedlichen Perspektiven, mal aus der Ich-Perspektive, mal aus der Erzählperspektive. Durch Mehrfachnennungen von Namen, die in den Kurzgeschichten vorkommen, sind diese miteinander verknüpft. Normalerweise komme ich durcheinander, wenn mehrere Personen aus der Ich-Perspektive erzählen. In diesem Fall aber konnte ich die Personen jeweils gut zuordnen, da es sich um abgeschlossene Geschichten handelte. Man findet "Geschichten in Geschichten in Geschichten". Alle haben auf irgendeine Art und Weise mit Vorstellung und Wirklichkeit, mit Visionen und drohendem Realitätsverlust zu tun, mit Traum und Tatsachen.

Gleich die erste Kurzgeschichte hat mich angesprochen: Ebling legt sich ein Handy zu. Er scheint die gleiche Nummer wie ein anderer zu haben, denn ständig bekommt er Anrufe von Leuten, die er nicht kennt. Laut Telekommunikationsunternehmen kann das gar nicht sein. Erst ignoriert er die Anrufe, doch später macht es ihm Spaß, sich als "Ralf" auszugeben. Dadurch richtet er Schaden an, den er selbst gar nicht überblicken kann und er kommt der Seele einer aufregenden Frau näher, als er je zu wünschen gehofft hat ...

Wer ist dieser Ralf? Mit dieser Frage geht man in die nächste Geschichte, doch diese handelt (zunächst) von etwas ganz anderem. Der sperrige Schriftsteller Leo Richter hat Flugangst. Mit Elisabeth, einer Ärztin von Médecins sans frontière, ist er unterwegs zu einer Vortragsreihe durch Lateinamerika. Hier taucht zum ersten Mal Lara Gaspard auf - eine Romanfigur von Leo Richter, die später auch noch in einer Kurzgeschichte vorkommen soll. Bereits hier vermischen sich Realität und Illusion ... Die zweite Geschichte ist amüsant zu lesen auf Grund der Paranoia von Leo Richter und dessen rigorosem Umgang mit übereifrigen Bewunderern.

Die befremdlichste aller Geschichten war für mich die dritte "Rosalie geht sterben". Hier vermischen sich Realität und Illusion noch stärker, denn Rosalie ist eine (weitere) Figur von Leo Richter, nämlich die Tante von Lara Gaspard. In der Geschichte selbst führt Rosalie ein Streitgespräch mit ihrem Schöpfer Leo Richter, ob sie denn nun sterben solle oder nicht, denn eigentlich hat die 70jährige Rosalie dazu noch gar keine Lust ... Weil es Leo Richter aber anders mit ihr vorhat, muss sie in die Schweiz reisen ... "Was ist das nur mit den Schweizern, denkt sie, die können doch sonst alles, wieso kriegen sie es nicht hin, normal zu sprechen?"

In der vierten Geschichte geht es nun endlich um Ralf Tanner, einen berühmten Schauspieler. Auch diese Geschichte handelt von Identitätsverlust und der Verschiebung von Realitäten. Jemand anderer - ein Imitator gibt sich als Tanner aus. Tanner findet nicht in sein altes Leben zurück, doch so unrecht ist ihm das gar nicht, er hat es satt, berühmt zu sein ...

Immer wieder taucht ein seltsamer Taxifahrer in den Geschichten auf. Dieser Taxifahrer stiehlt Autos und weiß schon im Voraus, wohin die Leute wollen. Auch ein erfolgreicher Selbsthilfebuchschreiber - Miguel Auristos Blankos - wird mehrfach genannt ... "und sollte die Atombombe fallen, dann werde eins mit der Atombombe". Von ihm handelt die sechste Geschichte.

Eine Geschichte, die mir am meisten unter die Haut ging (real vorstellbarer Horror): eine Schriftstellerkollegin von Leo Richter geht in einem fremden Land verloren. Sie findet sich nicht zurecht, spricht die Landessprache nicht, erfährt keine Hilfe, weiß sich nicht zu helfen, geht einfach unter.

Am krassesten die Geschichte des Internetjunkies Mollwitz in moderner Jugendsprache verfasst. Von der Arbeit aus postet er in verschiedenen Internetforen, wohnt aber noch bei Mama und wäscht sich nicht gerne. Mollwitz, der unter Fremden nicht reden kann und lieber anderen usern Reason beibringt, muss für seinen Chef eine Präsentation bei einer Tagung übernehmen - das kann nur in einer Katastrophe enden - eine schöne Persiflage auf Internetkommunikation und Umgangsformen in Internetforen.

Die beiden letzten Geschichten führen zum Ausgangspunkt zurück und verbinden die noch fehlenden Zusammenhänge. "Alles was man sich vorstellt, ist im Grunde auch wahr". Der Wunsch nach einer Verdoppelung des Lebens, Traum und Wirklichkeit verbinden ...

Mein Fazit: Daniel Kehlmann hat einen amüsanten wie auch intelligenten Roman geschrieben, der aktuelle Themen aufgreift und die Möglichkeiten von Dimensionsverschiebungen unserer heutigen Kommunikationswelt aufzeigt. Sprachlich ist ihm das sehr geglückt. Ich habe diesen Roman schnell gelesen und fühlte mich vom Thema angesprochen, wenn ich auch finde, dass Kehlmann Manches hätte mehr vertiefen können. Ach - und eine Frage noch, Herr Kehlmann: >>Woher nehmen Sie eigentlich Ihre Ideen?<<
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