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Rohstoff. Roman. Jörg-Fauser-Edition Bd. 2 Gebundene Ausgabe – 1. März 2008

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Pressestimmen

»Roher Stoff, unbehauen, unverstellt, echt. Leben ist Erleben. Leben ist Schreiben. Wann vorher, wann nachher hat ein Schriftsteller eine ähnlich euphorische Wirklichkeits-, eine ähnlich existentielle Schreibposition vertreten? Jörg Fauser war vierzig Jahre alt, als sein autobiographischer Roman Rohstoff erschien. Drei Jahre später war er tot. Gut, daß er es vorher aufgeschrieben hat, sein Leben, in diesem großen Buch über sein Alter ego, Harry Gelb. Alles selbst erlebt, selbst gelebt, den unendlichen Drogenrausch am Bosporus, die Selbstheilung nach Burroughs' Vorbild mit der Antidroge Apomorphin. Und die Reise dann zurück nach Frankfurt, ins Milieu , in die Heimat. (...) Das Leben als Anarchist in den Kommunen von Berlin. Und der Haß, der Haß auf das Kultur-Establishment, die ganze lebensverdrängende, wirkliche westdeutsche Gegenwart von 1968: Dieser deutsche Brei, diese klebrige Soße schmeckte so schlecht, weil sie zubereitet war aus den Rückständen politischer Krankheiten, aus den überlebten Doktrinen des Jahrhunderts, und angereichert mit den politischen Modebegriffen der jeweiligen Saison.« (Frankfurter Allgemeine Zeitung, Die wirkungsvollsten deutschen Bücher der letzten 20 Jahre)

»Es war ein Gegenwartshunger, der Fauser antrieb, sein Thema war dieses Deutschland, war diese BDR, die er mit einer Genauigkeit schilderte, die der Reporter gelernt hat. Rohstoff ist sein bestes, sein bleibendes Buch.« (Die Zeit)

» Rohstoff ist Fausers bester Roman. Das autobiografische Zeugnis, in dessen Mittelpunkt Fausers Alter Ego Harry Gelb steckt, ist Zeitdokument, drastische Lebensbeschreibung und ein Porträt der Underdogs der sechziger und siebziger Jahre.« (Wolfgang Paterno, PROFIL)

Autorenkommentar

"Fausers "Rohstoff" ist wohl der beste in deutscher Sprache verfaßte Drogenroman; es gibt deren viele, doch niemand hat es bislang wie Fauser verstanden, die Romantik wie das Urstumpfe daran zu Papier zu bringen, die Unabhängigkeit im Abhängigsein, dieses Aushalten der Welt durch permanentes Entfliehen - und letztlich auch das Scheitern im festen Bewußtsein, nicht falsch gelegen zu haben, nicht falscher als die anderen; daß der Abweg der richtige war. Dabei schert er sich einen Dreck um literarische Konventionen, die Genres verschmelzen - Krimi, Tagebuch, Roman, Märchen -, und so wird alles eins, ein großartiges Buch nämlich." (Benjamin von Stuckrad-Barre)

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Top-Kundenrezensionen

Von Ein Kunde am 21. März 2001
Format: Broschiert
Angesichts der momentan so angesagten zeitgenössischen deutsch sprachigen Popliteratur darf ein Autor wie Jörg Fauser nicht in Vergessenheit geraten. In der Zeit von 1974 bis zu seinem frühen Tod 1987 schrieb er mehrere Romane, viele Gedichte und Essays, die nach wie vor von einiger Aktualität, oder sollte man besser sagen: zeitlos, sind.
Dazu gehört "Rohstoff", ein mit autobiografischen Elementen gespickter Roman. Fauser beschreibt den Weg seines Protagonisten Harry Gelb, ein selbst ernannter Schriftsteller auf der Suche nach seiner literarischen Identität.
Schauplätze dieses Findungsprozesses sind Istanbul, Frankfurt, Göttingen, Berlin und natürlich die Wege, die zwischen diesen Orten zurückzulegen sind. Die Zeit spielt eine unter geordnete Rolle, es ist lediglich zu erahnen, dass die Story irgendwann Ende der 60er Jahre beginnt und in den Mittsiebzigern endet.
Harry Gelb ist süchtig. Er will schreiben, fühlt sich getrieben von dem Drang, etwas auf Papier zu bringen. Zunächst hindert ihn das türkische Opium, später der deutsche Alkohol daran, seinen Weg zu gehen. So hält er sich mit vielerlei Jobs über Wasser. Dealer, Bankangestellter, Bürohilfe, Redakteur, Wachmann - mal dies mal das. Und gelegentlich auch eine Veröffentlichung, allerdings ohne großen Erfolg bzw. Widerhall in der Öffentlichkeit.
Und auch die politischen Entwicklungen der Nach-68er-Jahre gehen nicht spurlos an ihm vorüber. Hier beschreibt Fauser übrigens sehr gut, was so manchen damals zum Mitmachen und Steinewerfen verleitete. Ich musste beim Lesen jedenfalls schmunzeln und an die jetzige Debatte um Joschka Fischer und Jürgen Trittin denken.
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Format: Broschiert Verifizierter Kauf
Fausers Rohstoff ist der Alkohol, die Kneipe, das Bier, die kleinen Leute und ihre Sprüche. Scheinbar beruht das Buch auf Fausers Leben. Es beginnt mit der Opiumsucht in Istanbul. Seltsamerweise kommt Harry Gelb mit einem kleinen Medikament innerhalb von einem Tag vom Heroin los. Halte ich für ziemlich unrealistisch. Im späteren Verlauf merkt man, dass Fauser auch eher der Bier- und Äpplwoi-Experte ist. Schön und gut. Natürlich versucht Gelb dauernd seine Bücher an den Mann zu bringen und treibt sich in armseligen Jobs rum. Das Buch ist womöglich ein bisschen lang geraten, außerdem verwendet es so gut wie keine literarischen Stilmittel. Es ist eine einfache Erzählung. Wer Bier und kleine Leute mag, dem wird das Buch gefallen. Kann aber auch gut verstehen, wenn jemand so was nicht so schätzt.
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Format: Broschiert
Ich hätte eigentlich Jörg Fauser Anfang der 80-iger Jahre lesen sollen, als er für das Westberliner Stadtmagazin TIP schrieb und nach der Veröffentlichung seines Romans Der Schneemann seine erfolgreichste Zeit als Schriftsteller hatte, bevor er 1987 viel zu früh starb. Wieder einer. Das Romantiker-Syndrom. Love hard , live fast, die young. Damals rauschte jedenfalls, wer weiß aus welchen Gründen, Fauser an meinem studentischem Wirrkopf vorbei. Ich las einige der amerikanischen Autoren, von denen er schamlos abkupferte (Hemingway, Kerouac, Burroughs, Bukowski), aber Fauser selbst ignorierte ich.
Der Roman Rohstoff, den viele für seinen besten überhaupt halten, wurde 1982 veröffentlicht. Er erzählt die Geschichte von Fausers Alter Ego Harry Gelb und nimmt die Handlungsstränge von Fausers allerersten, Anfang der siebziger veröffentlichten Romanen wieder auf. Viele der in Rohstoff auftauchenden Orte (Istanbul, Berlin, Göttingen, Frankfurt), die im Roman erwähnten Personen (durch fiktive Namen ersetzt) und auch die aufeinander ab folgenden Situationen selbst, die einen nicht genau definierten Zeitraum von Ende der sechziger Jahre bis Mitte der siebziger Jahre abdecken, dürften mehr oder weniger entfremdet Fausers eigene Biographie nacherzählen. Life is art. Nichts erfinden, sondern am eigenen Leib Erlebtes beschreiben.
Harry Gelbs Leben ist eine Abfolge von endlosen Frustrationen. Er veröffentlicht seine ersten Bücher, kann aber davon nicht leben. Deshalb muss er sich notgedrungen auf Gelegenheitsjobs (Angestellter bei der Bundesbank, Nachtwächter, Flughafenarbeiter bei der Gepäckabfertigung, Chefredakteur bei der Zeitschrift Zero etc.
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Von Gerhard Mersmann TOP 1000 REZENSENTVINE-PRODUKTTESTER am 12. Juli 2009
Format: Gebundene Ausgabe Verifizierter Kauf
Mit 38 Jahren hatte er begonnen, den Roman zu schreiben. Quasi zu seinem vierzigsten Geburtstag 1984 erschien Rohstoff, drei Jahre vor seinem unerwarteten, mysteriösen und viel zu frühen Tod. Jörg Fauser war zum Zeitpunkt der Erstauflage ein Autor in der damaligen Bundesrepublik, der es geschafft hatte, aus dem Nichts und ohne protegiert worden zu sein, sich einen Namen in der Literaturszene zu machen. Sein Roman Der Schneemann war bereits ein Erfolg, mit dem Gedichtband Trotzki, Goethe und das Glück hatte er der Lyrik des Undergrounds in Deutschland einen bleibenden Impuls gegeben. Mit Rohstoff griff er mit sicherer Hand in die eigene Asservatenkammer. Fauser enthüllte der Öffentlichkeit die Mechanismen seiner eigenen Produktion.

Die Handlung des Rohstoff beginnt in Istanbul, genauer gesagt dem Stadtteil Tophane, wo der Protagonist Harry Gelb zusammen mit einem schwäbischen Maler in einer Dachkammer haust und beide ihrer Sucht nachgehen. Istanbul als Mekka der Junkies der sechziger Jahre wird beschrieben als ein Panoptikum der Suchenden, die auf ihrem Weg in die Freiheit auf den Pfad der chemischen Träume gelandet waren. Ob Opium oder Heroin, der Stoff hatte sie reduziert auf den Rhythmus der Sucht. Brutal und bedrückend wird das Existenzielle der Junkies freigelegt und es bleibt nichts von dem platonischen Traum der Erfüllung. Harry Gelb beginnt, die Reduktion seiner selbst in einfachen Wachsheften zu verbalisieren und bemerkt beim Schreiben, dass dieses selbst das Eigentliche ist, nach dem er sucht. Das Schreiben wird der Weg zur Emanzipation, doch bis dahin ist es ein langer Weg.
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